Indiana Tribüne, Volume 2, Number 35, Indianapolis, Marion County, 10 April 1880 — Page 6
S N7d i-a.n a T r i b ü n e." . 4 i a t wr-s. ; ' i , -
bqrunil. 1 m -tot-: , Novelle von S. von der Horst. ....... . (Fortsetzung.) ' ' , Die dunklen, beweglichen Augen sahen ihr vis-a-vis so durchdringend, so for schend an, dab.die tieser liegende- Absicht der Frage deutlich erkennbar wurde. Hier handelte sich's nicht um eine Neckerei, sonv.I. . x: sirttr )TnnTif nfifit Vitii uui vii viitittup 'o-'-u . von persönlichem Interesse. . Minna fühlte, daß die Sonde ihr innerfteö Herz berührte. - Sie war ja vorbereitet gewesen ausDaS, was jetzt geschah. und wollte . ihrer ehemaligen Spielgefahtin nickt main wie das armeberz so schmerzlich zuckte., AU' ihr Trotz, ihre, veyarrnqe Festigkeit erwachten unter, dem .Eindruck dieses forschenden Blutes. ... . i , ..- . ; - .Beruhige Dich, meirze Liebe," versetzte 'sie, .ich habe Dir Nichts zu beichten,,. we der aus der Vergangenheit, noch aus der Gegenwart. . .-; ; : :r . -. DaS sagte sie so unbefangen, daß wirklich die Andere gelSuscht wurde. ..;.;, .Nun, etwas Gewisses habe, ich .auch nicht lächelte'sie. Man spielt, mit den -. w - . Blumen, wo sie blühen, man tändelt ein wenig und liest glühende Liebesschwüre, oder bewilligt höchstens einmal ein Rendezvcus;, dafür ist man jung; aber weiter kommt's nicht, obgleich freilich " : . . . Ein Seufzer brach den, angefangenen Satz plötzlich ab. . Malchen Philipp drehte ihre kostbaren Armbänder von einer. Seite zur anderen. .Ich weiß nicht, ob noch mein Herz ganz frei ist !" Sie bemerkte den Blick nicht, der mo mentan aus ihr. ruhtet Minna athmete kaum, sie wußte es,, jetzt wurde der öltttcn fallen etwas wie lodernder Haß erschien unk ersckwand blikartia in ihren so mil den blauen Augen. ;:" - Nun, Amaltt, man , muß .nichts Halbes ZU1n 'niXtfrn tnrhn ikkt nlfirfl hf llJUlJivil juuiui wt.wn J'V' 53 . j - Herren wiederkommen." : ; .:' Malchen Philipp seuszte. .. .Erinnerst .Du Dich noch. eines gewissen, .Zchlankgewachsenen Secundaners, Minna.? Er ver kehrte mit Deinen Brüdern, glaube ich, Robert von Holten!" . '.' ; Minna blieb völlig gelassen. .Du wirst Dich täuschen. Malchkn," dachte sie. .Du erlebst es nicht,- dak ich mich Dir verrathe; denkst Du, ein trauriges Geheimniß könne mit Deinesgleichen getheilt werden V : ; ' . Sie lächelte freundlich der Anderen zu'. .Gewiß, Llebe, er kommt sogar zuweilen in unser Haus. , Mir däucht, ich habe ihn bei der letztenGesellschast noch bemerkt oder . war's die vorletzte." - . .. Malchen Philipp sah zur Seite, um das Leuchte? ihrer Blicke zu verbergen. Sie war vcn dieser Antwort so befriedigt, 'daß das magere, scharfgeschnittene Profil sich mit Purpur.überzog. .Dieser ist's !" flüsterte sie. Er liebt mich leidenschaftlich, er wirbt um meine Hand oKind, Du solltest Dich der Tyrannei Deiner Stiefmutter zu entzuhen suchen und endlich verlangen, wie eine erwachsene Dame behandelt zu werden. Wenn ich erst einmal Frau v. Holten und es wird doch wohl so kommen dann sollst Du in meinem Hause eineZeit lang das Auf.reten der seinerzogenen Dame studiren ; ich will Dich überall einführen und Dich lehren, wie man Toilette macht. Deine Stief' mutter mag nur keine Rivalin an ihrer Seite dulden, weil sie weife, dab sie bereits dreißig Jahre zählt, darum wirst Du so verstoßen Pah. undIedermann inderStadt erinnert sich noch ganz genau der blutarmen Leonore Neumann, wie sie Clavier stunde gab für vier Groschen, und jetzt ge: berdet sie sich gleich einer Fürstin. Ach. da kommt der alberne Koldstein der möchte mich so gern denke Dir, derJudenjunge wie langweilig . . Wirklich erschien in diesem Augenblick der junge Mensch, welcher vorhin mit dem Commijsionsrath in dtt Loge gewesen, aber jetzt allein unö'mit sehr enttäuschtem Gesicht, als er die unerwünschte Gesell schafterin seiner Angebetenen bemerkte. ' .Fräulein Amalie," sagte er nach der ' ersten Begrüßung sich schüchtern näbernd, ' .ich habe mir erlaubt, Ihnen einige Apf.I sinen mitzubringen " t il i . r ' k !t t v!. (vrx;. njiz lungc -uarnt jaq iqn uoer oie aa)(i n. .Apfelsinen ? Es ist nicht nobel. m Theater zu naschen, dergleichen gehört für das Parterre oder den dritten Rang Der junge Mann erröthete wie ein Schulknabe, dennoch wagte er einen zwei ten Versuch. Seine blauen Augen schienen sich nicht loSreisen zu können von jenen
schwarzen,, .in denen.s so. ungnädig sunkette. ' " ' ' : Fräulein Amalie, wenn Sie nur diese eine Frucht kosten wollten eS. würde mir so große Freude machen,- Jhne.n- dieselbe präsentiren zu dürfen." . Malchen Philipp blinzelte zu ihrer. Ge. fährtin hinüber und zuckte die Achseln, alS wolle sie-sa,ien: .Siehst Du, 'so sehr bewirbt, man sich um meine Gunst." . ... Dann streckte , sie nachlässig, die . Hand aus. ..Geben Sie' mir ein 'Stückchen, Goldstein da Sie einmal Geld dafür ausgegeben haben.. ' Natürlich schlechte Waare hu, wie herbe !" , , v. :-..) ' . : Sie lehnte sich in den Sitz zurück und nahm mit der. Miene eine Fürstin- welche ihren Pasallen Audienz ertheilt, die dargebotene, ihrer Schaale .bereits entkleidetFrucht, sowie ein , kleines,' sUbernes Messer, das ihr Herr.Goldstein. mit.glücks strahlender Miene überreichte., - ES schien hier wieder einmal der unbegreifliche und doch so vielsach im Leben .gefundene Fall vorzuliegen, wo ein gutes, edles Menschenherz sich mit seinem .ganzen Wollen., und Wünsch? einer Cokette hingab, - die es achtlos zertrat und in den Winkel warf, sobald ihr die Sache langweilig zu werden begann. :.:.v.;.;;.-' ;-- -.. Der schüchterne junge Mensch . zog sich bescheiden. in den Hintergrund .der Loge zurück, nachdem er aus Höflichkeit auch der Freundin seiner Angebetenen eine Orange dargeboten, und nun sah er stumm auf die glückliche Frucht, .'welche nach und,nach zwischen Malchens Lippen i verschwand. Vielleicht fühlte, er mehr güt.uls geistreich, im innersten Herzen etwas wie'Neid. , ' Aber nicht er allein sah so. starr auf die lächelnde, übermüthige , junge Dame. Minna dächte immer'. noch . die' Worte : .Wenn ich erst Frau vonHolten bin, und es wird so kommen !" und', dann schien eS !hr, als müsse sie das kleine'bli' tzende Mesier, welches' so 'gewandt', die Orange zerlegte nehmen und es tief hin unterfenken in das Herz, '.welches sich'zwi schen sie und Robert gedrangt. , ' Eiy .Herz ?.'flein' Mälchen Philivp haste keines, aber.döch'einLeben, dochBlut, uno wie seltsam ' mußte es aussehen, wenn dasjetzt . über. die kostbare blaue Seidenrobe herabfloß, wenn der Mund verstummt wär', auf twig nachdem er es gewagt, zu' sagen : .Sobald ich Frau v. Holten bin !" . Das war nur ein . Zucken, .'ein jäher Wirbel der Gedanken, und das Mesier in der weißen, mageren Hand hatte ihn hervorgerufen ; aber Minna strich über die glühende Stirn ; sie erhob sich, um zu gehen von jenseits der grünen Gardine hatte die Stiefmutter leise ihren' Namen geflüstert befehlend, drohend.' ' Da streiste cin Blick zufällig das Parquet und, vom Schwindel ergriffen, bebte die ganze schlanke Gestalt. Der dort ünten am. Pfeiler lehnte, mit verschränkten Armen, blaß wie ein Todter, der so starr, so unverwandt hinübersah gerade in dieser Loge, das war Robert v. Holten. Als ihn ihr Auge traf, da wandte er sich ohne einen Gruß, ein Zeichen, wie erwacht aus schwerem Traum. Nur sekundenlang sah ihn das Mädchen. .Gehst Du schon?- lächelte Malchen Philipp. .Du mußt Dich schminken, Kind, hast schlechte Farbe und trägst Dich lässig. Besuche mich doch bald vielleicht stelle ich Dir meinen Bräutigam vor." ' Sie reichte der Anderen die Hand, in der noch das kleine Messer lag, und Min na wandte sich schaudernd ab. .Laß dus. Malchen es ist gefährlich." In der Nebenloge hatte mittlerweile Frau Lconore weit früher den Lieutenant gesehen als Mmna. Sie beugte sich spöt. tisch lächelnd z ihrem Manne. .Rudolph blicke einmal dorthin. Sieht das auö wie ein gelöstes, zerrissenes Liebesverhältniß oder wie ein bestehendes? ha, ha. ha, die spiöde Minna, so still, so gehorsam, und doch schlau g:nug, ganz unter der Han ihre-Zmccke auf das Beste zu fördern 'v ' ' ' -. Der alte Herr fühlte es wie einen Stich durch das Herz. Ruf. sie," sagte er leise. .Mein Gott, wird denn alles Das niemals ein Ende nehmkn?' ' Frau Leonore berührte die Gardine und flüsterte den Namen den Mädchens. DaS war der Momeit, in welchem sich ' Robert von Holten so Nötzlich abwandte. .S-ehst Du, Rudolph." rannte die schö. ne Versucherin, .man besitzt eine Zeichenspräche, die vor:resflich einstudirt wurde-. O, Dein unschuldiges Töchterlein !" Der alteHerrdeutete gebieterisch mit der Rechten auf den Sitz im Hintergrunde. .Wir sprechen uns zu Hause weiter!"
herrschte er dem eintretenden. Mädchen ent gegen.- '.Dorthin setze .Dich !" - Minna hörte ihn kaum. Bit sah nur Eines, und. das raubte ihr jeden klaren Gedanken , wie sich. Robert abwandte ohne einen Gruß, alö ihn ihr Auge traf. Frau Leonore legte den Fächer auf die Lippen : .Gefällt Dir die Vorstellung Rudolph r .. ' - Der alte Herr seufzte verstohlen - .Laß uns aufbrechen, Liebe, mir thust Du damit einen Gefallen." . . Die schöne. Frau nickte. . .Sobald ,der zweite Akt beendet ist, mein Freund!" Eine Viertelstunde, verging im gegensei tigen Schiveigen. . Es war, ' als wohnte man einer Leichenfeierlichkeit bei, so drü. ckende. Stille lag auf. der kleinen Gesell' schast, und dann rüsteten sich alleDrei 'zum Ausdruch.v . . . . . . ; ' . Im Corridor drängte sich das Publikum derartig, daß nur . Schritt für Schritt ein Vordringen möglich wurde. An -e.iner Stelle, wo zwei Thüren einander ' gegenüber lagen, stockte diePasiage gänzlich und unsere Bekannten waren gezwungen, war tend still zu stehen. Vom Parquet her ka
men zwei Zerren in lebhafter Unterhaltung ! bls an die eme der geöffneten und von der Mäsie.in öieser Loge eingekeilten Thür, hinter.welcher Minna stand. ' Sie hörte Wort sürWort die nicht eben leise geführte Unterhaltung. .Ganz weg; sage ichJbnen, mein Bester verliebt bis über die Ohren.. Greifen Sie zu Freundchen, ehe ich mich besinne. ' Die Väter, welche ihre Töchter zugleich, mit hunderttausend Thalern Mitgift einem Herrn Lieutenant von na, Sie wisien schon ! an den Hals werfen, die' sind nicht so dick gesäet." ' 7 .Stille, Herr Commissionsrath," antwortete eine andere Stimme und Minna bebte, als sie den Klang derselben hörte. .Stille T ES ist vergens, Alles vergebens, Dahlberg wartet nicht länger Dahlberg muß warten," begann nach einer momentanenPause der Commissions' rath, .undem Mädchen wie meine Amalie muß esJhnen werth sein,' um ihres Besitzes Willen diese Angelegenheit aus der Welt zu bringen. Dahlberg ist mein Gegner, mein Feind sogar er darf nicht erfahren, daß ich von Ihren Schulden weiß und wenn mir Malchen vor Liebes'gram . sterben sollte." O," sagte die andere Stimme, .so weit wird es ja nicht kommen. Geben Sie mir z. B. die sechstausend Thaler, welche Herr Dahlberg zu fordern hat und bringen Sie dann " ' . . ' Ha, ha, ha !" lachte der Commissions rath, das wäre nicht übel,' wahrhaftig. Nein, mein junger Freund, das thue ich nicht, oder doch nicht eher, bis " Hier brach hlötzlich das Gespräch ab, weil die ' Thür von der andrängenden Menge unaushaltsam in's Schloß gedrückt und dadurch die beiden Herren bis in das Parterre zurückgeschoben wurden.' Minna schlüpfte hinter ihre Stiefmutter und athmete tief auf, als das Garderoben - Zim mer erreicht war. Ihr Gesicht glich dem einer Marmolstatue. Was ihm Wagen der Vater zu ihr sprach und was dieSties mutter an einzelnen Bemerkungen dazwi schen schob, das hörte sie, ohne es zu verstehen. Nur als der alte Herr zornig ihren Arm schüttelte und ungestüm eine Antwort begehrte, da fuhr sie plötzlich aus. Was sagtest Du. Vater .Ich will von Dir ein bündiges Ber sprechen, ein Etwas, das ' Mann gegen Mann ein Ehrenwort genannt wird. Du sollst mir geloben, jede Beziehung zu Ro bert v. Holten abzubrechen und ihn nie wiederzusehen, noch ihm zu schreiben, oder Du bist verstoßen und " Sie ergriff blaß wie ein Geist seinen Arm. .Sprich das Wort nicht aus Vater. Auch Dein letztes Kind wolltest Du inVer zwciflung treiben 'Aber ich will es aus mich nehmen. Alles, Alles, ich will Dir den glücklichen Wahn erhalten ; fei ruhig. Va' ter. Du sollst zufrie. en sein." Er.sah sie grollend, finster an. .Keine Ausflüchte !" rief er. .Willst Du; von Robert von Holten ablassen, für jtzt und immer, oder willst Du es nicht ?- Die Hand des Mädchens glitt langsam von seinem Arm herab ; ein seltsames Lä cheln irrte über das ganz farblose Gesicht. ,3, Vater, ich verspreche es Dir ant wortete sie leise. - Und dann wurde weiter kein Wort gewechselt. Weder der erbitterte Vater noch die Stiesmutter hatten es bemerkt, daß Minna ohnmächtig in die Polster des Wagens zurückgesunken war.
.DaS Schauspielhaus lag . in tiefer Dun kelheit, bie Straßen, waren .menschenleer geworden und die Uhren verkündeten na hezu Mitternacht. . ; , - Vor- dem erleuchteten - Eingang eines Kaffeehauses saßen um diese Zeit mehrere Herren. - Einer unter diesen hatte bereits seit längerer. Zeit häufig auf die Taschen uhr gesehen ; jetzt erhob er sich, um Ab schied zu nehmen. - . ! Langsam durch die Straßen, gehend, glich er einem Nachtschwärmer, der endlich des Guten genug gethan -hat und .sich schlafen legen will, in der That aber führte ihn sein Weg bis in eine der Vorstädte, wo er in einen Gang einbog, über
mehrere Bauplatze wanderte und endlich an einer Gartenpforte stehen blieb. Er spähte nach allen Seiten,, bevor er auf schloß und den , blütheMstigen Raum be trat. . ' ; -; ' , ,j Wir kennen die schlanke. graciöseGestalt 7-' es ist der Baron p.' Uhlfeld. lr Er ging beständig im . Schatten der Ge dusche und gelangte auf den breiten ttieS wegen bis nahe an das Haus heran, wo er unter dem Schatten einer Veranda Posto faßte. .. .. . . Wenige. Minuten mochten, vergangen sein, da öffnete sich die Glasthür und aus der'.Schwelle erschien eine Frauengestalt. Im Mondlicht schimmerten .'weihe wundervolle Arme und ein faltiges lang herab wallendes Gewand. ,. Kleine Hände legten stch um den'Nacken des.Barons. Leonore!" flüsterte dieser, göttliches Weib, endlich.naht das Ziel!" . Er zog einen Gegenstand crSs der Tasche hervor und reichte ihn der Dame. Es war der Carton, den er heute auf dem Postamt erhalten. Aus Stockholm ?" raunte die schöne Frau. Ach, ich dachte es wohl." Sie schlug fester die Arme um den Na. cken des Geliebten, noch ein langer, heißer Kuß,' dann schloß sich die Balkonthüre und gleich einer Vision . war das prachtvolle Bild im Dunkel verschwunden. '' ' . DerBaron schlich lautlos, wie er gekommen durch den Garten zurück. ,Von fern schlugen die. Kirchen Uhren halb zwei
Ein und ein halb, genau wie es vorhin im Theater durch das Spiel mit der Rose verabredet worden. ' 1 ' ; . r ; i . Fünftes Kapitel. " In einem ziemlich schlecht' aussehenden Comptoir standen zwei Männer einander gegenüber. - - - :, . - Den Elnen kennen wir ; es ist der Lieutenant von Holten, dessen blaffeS Gesicht im Augenblick den Ausdruck des Zornes und der uneingestandenen Nervenaufregung deutlich zur Schau trägt. . Sein Lächeln ist erkünstelt, es gleicht dem Sonnen strahl, der mit - täuschendem - Schimmer ei nen Abgrund glötzlich erfüllt, um nach seinem Verschwinden die öde Tiefe nur noch unheimlicher und finsterer erscheinen zu lasten. Die Arme verschränkt, lehnte der junge Mann am Fenster und sah hinaus. Sein Gegenüber, ein ältlicher Mann mit schlauen GesichtSzügen, beobachtete forschend, waS in der Seele des Anderen vorging. . Er schien seiner Sache sehr ge wiß zu sein. Ich bleibe dabei sagte er endlich, das Ganze ist ein " Der Lieutenant erhob fast drohend Vt Hand. Er trat dem älteren Herrn fo nahe, daß Jener mit ausgestreckten Armen zu rückmich. . - Mein Gott," murmelte er, AlleS hat seine Grenzen, Herr Lieutenant !" . Der Osfizie'r nickte. Eben deshalb, Herr Dahlberg," versetzte er, hüten Sie stch, ein Wort auszusprechen, das über die nothwendigen Erörterungen hinausginge. Ich will diesmal noch nicht gehört haben, waS Sie soeben rechtzeitig verschluckten ; widerholen Sie mir nur den. ersten Theil Ihrer Behauptung." Der Kaufmann malte' ärgerlich mit dem Bleistift auf einem Bogen Papier. Sie wisien es ja," sagte er achselzuckend, .ich habe mich richtig " - , - Der Lieutenant stampfte vor Zorn mit dem Fuß, , ), ' Wer hat -Diese Bürgschaf! geleistet, Herr Dahlberg? Zum Henker, werde ich end lich über meine eigenen Angelegenheiten eine Auskunft erlangen können?" Der Andere warf den Stift fort und sah ärgerlich .empor.. Nein, das werden Sie nicht, Herr Lieu tenant. Wahrhastig, ich habe mein Ehrenwort gegeben, darüber aus alle Fälle zu schweigen Ah -das ist unglaublich!"
Die mageren Schullern des Kaufmanns zogen sich' wieder empor. Ihm mochte diese Pantomine zur Geschästswohnheit geworden sein, da er sie so häufig wieder holte. Es ist doch so sagte er grämlich. Der Lieutenant begann durch das Zim mer zu wandern. .Erschien vor Unruhe nicht an einem Platz verharren zu können. Die kleinen listigen Augen deSKaufmannS verfolgten ihn Schritt um Schritt. 'So vergingen mehrere Minuten, dann stand der Osfizier plötzlich stille. Und wurde an die Regulirung dieser ganzen Angelegenheit irgend eine Bedingung geknüpft?" .fragte er, während schwaches Roth sein. Gesicht überflog. .Sprach man von einer . Veränderung meiner Verhält Nisse, von -. ,;!... Der Negociant streckte - den Arm auS. Sehen Sie wohl,"' rief er, das Geiücht trügt .nicht. ' Ich bin da doch '-7 sagen Sie, was Sie wollen in's Garn gelockt worden."- .'. Der Osfizier hör'e diesmal, das beleidi gcnde Wort 'ohne eine . Gegenbemerkung an. : ., Das ist nur in einem Falle möglich," versetzte er rasch, und diesen kennen zu lernen, daran liegt mir Alles.- Herr Dahlberg, .seien Sie jetzt für wenige Au genblicke einmal nur Mensch, ganz und ausschließlich, weildie Geldsachen mit mei ner gegenwärtigen Frage Nichts gemein haben. Sie verletzen das gegebeneEhren wort nicht, wenn Sie mich aus Ihrem Be nehmen erkennen lasten, ob es der Eom missionsrath Philipp war, welcher sür jene sechstausend Thaler bei Ihnen Bürgschaft einlegte." Dahlberg schüttelte den Kopf. DaS brauche ich nicht durchschimmern zu lasten," antwortete er, das kann ich rund heraus verneinen. Der Commissionsrath und ich, wir stehen uns schlecht ; er selbst wird nicht zu mir kommen, aber dennoch bin ich über zeugt" ' ; : " t-... Herr Dahlberg," rief aufgeregt der Osfizier, noch ein Wort. Sie betonen so ausdrücklich eine uneingestandene Ver bind'ung desCommisstonsraths mit meinen Angelegenheiten, daß ich " , 1 I .'. ; y . ' Der Negociant schlug mit b.eidenHändrn in die Luft - Nein, nein,", rief er, das gehl so nicht, mein Bcster. Glauben Sie, was Sie wollen, ganz weit vom Ziel wer den Ihre Vermuthungen nicht' entfernt sein, aber sagen kann ich nicht mehr. Zum Henker, man hat auch seine Ehre, obgleich man nicht Osfizier ist. Aber nun hören Sre mich an, mein guter Herr, da Sie doch wie ich jetzt sehe, nicht mit im Complott knd habe ich denn auch keineBezahlung zu hoffen, sobald Sie na na, ich .weiß es ja doch! sobald Sie die -Mitgist in der Tasche haben, he?" ... Der Lieutenant sah den Sprecher an. Man sagt mich also bereits verlobt?" fragte er. , Mit der Tochter meines Todfeindes, ja Herr Lieutenant, wenn Sie es wisien wol lkn. Und ich kann mir auch sehr gut den ken, daß dem Alten unbedingt Ihre Be ziehungen zu mir verschwiegen werden müssen, um seine Einwilligung zu erlan gen, daher Er lächelte seltsam und kniff das rechte Auge zusamm. . So geht es den jungen Herren," sagte er vertraulich, sie wirth schasten darauf los und lassen Gott einen guten Mann sein. . bis das Mcster an der Kehle sitzt, und dann kommen schöneHande ganz leise herbei, um das Wirrsal zu lö sen ; ha, ha, ha ! wie angenehm, wie xti. zend." Der Offizier wandte stch ab. Schöne Hände!" wiederholte er halblaut. Schöne Hände !" Der Negociant lachte leise. Da habe ich mich vergaloppirt," sagte.' Aber nun wisien Sie, was die - Glocke geschlagen.
mein Bester. Ihre Schuld existirt nicht mehr, sie ist verwandelt worden in diejenige einer anderen Person, welche aber selbst zahlen kann, bis es auf Erden zwei Augen weniger gibt das kostet vielleicht noch Jahre, und ich denke, Sie thun ein Uebri ges,.wen.n.die Zeit da ist. Hatte überhaupt, bis ich's vorhin deutlich erkannte, nicht ge geglaubt, daß Sie bei der Sache ganz un betheiligt sind ; dachte .vielmehr, die ganze kleine geschickte Operation sei von Ihnen eingefädelt worden, um dem Commissions rath nur meinen Namen nicht nennen zu müsien. Ehe er sein Geld in meine Tasche fließen läßt, kann sich die schöne Amalie zu Tode grämen." 7 (Fortsetzung folgt.)
