Indiana Tribüne, Volume 2, Number 35, Indianapolis, Marion County, 10 April 1880 — Page 4
a
Jndian a .T r i b ü n e."
indiana Tribüne.
(Wochenblatt.) cffice: Ecke Circle u. Meridianstr. (Im dritten Stock ) lEntered as second-class matter at the . . -w 1 T II rt 1 rostomce ac lnaianapon, inuiaua.j Abonnements'Preise. In der Stadt durch die Post in Hau geliefert Per Jahr im Poraus . . . . $2.00 y tt Nummer 6&tntt. Otto SchisseZ, Herausgeber. P.O.B. 295. Indianapolis, Ind., den 10. April 1830. Die VerfassungS-AmendementS sind angenommen. AuS dem Resultat der Abstimmung geht jedoch klar hervor, dab die Demokraten zu säst neun Zehnteln ge gen dieselben stimmten. Bedenkt man, dab diese AmendementS von demokrahschen Gouverneuren empfohlen und von demo kratischen Legislaturen passtrt wurden, so würde man für die Opposition der Demo traten absolut keine Erklärung finden. wenn man nicht wübte, dab die demokra tische Partei zum größten Theil auS Ele menten zusammengesetzt ist, welche jeder fortschrittlichen Neuerung, welche Allem, waS aus dem Felde der Politik gut und ehrlich ist, abhold find. . Angesichts der so stark hervortretenden Opposition der Demokraten ist eS mehr als wahrscheinlich, dab so lange unser Staat den zweifelhaften Segen einer dc mokratischen Legislatur geniebt, diese AmendementS von illusorischer Bedeutung sein werden. Man vergesse nicht, dab diese AmendementS blob der Legislatur daS Recht geben, gewisse Gesetze zu passiren, die Legislatur aber vollständige Freiheit hat, dieselben zu passiren oder nicht. Durch 'Annahme deS ersten AmendementS ist eS ; der LegiSlatur.wohl möglich, ein Registri . rungsgesttz zu passiren, eS ist aber sehr fraglich, ob eine demokratische Legislatur Angesichts der entschiedenen Abneigung II- V. VMl.lt4iM flYCfM iit) fnlikeft rtf. vtuiuuuiiiujii viuiu in iviuv vfcsetz passiren wird. Aehnlich verhält eS sich mit dem fünften ett v l rero in t y:jl. -t. vlincnocmcni. ii fcuyuuj, uu eine ui mokratische Legislatur Willens ist, daS ....It. MfT. H O T rtTl 111 n f lCIVlUlllluji Vwnn-wnm uvuuhfen. Zur praktischen Ausführung dieser .AmendementS ist eS nicht genügend, dab , r v . V . . V ? - 0tC)tiocn angenommen rourorn. Ju oic sem Zwe'e ist eS nothwendig, eine Legislatur mit einer republikanischen Mehrheit in schaffen. Die Republikaner haben, man darf sa . gen, ohne Ausnahme, für die Annahme der AmendementS gestimmt. Von ihnen darf man also auch wohl erwarten, dab sie zur praktischen Ausführung derselben die nölhigen Gesetze erlassen. Sluf eigenen Füßen. 3 ES ist eine unbestreitbare Thatsache, dab die meisten Leute, welche bis in das reifere Alter hinein stets für Andere gearbeitet haben, schlieblich zu der' Ueberzeugung kommen, daß sie klüger gehandelt hätten, wenn sie sich in der Vollkraft ihrer Jugend aus eigene Fübe gestellt hatten.' Zu sol chen Betrachtungen gelangen sie dadurch, weil sie im Alter meistens die traurige Veranlassung haben, über das nachzudenken, waS sie in der Jugend versäumt haben, zu thun. - Da werden sich die Leute erst recht darüber klar, dab sie ihr bestes Mark der Arbeit gezollt haben, ohne eine entsprechende Entschädigung dafür erlangt zu haben. Sie empfinden eS hart, daß sie ihr ganzes Leben hindurch gearbeitet und gesorgt haben, und dab eS ihnen trotzdem nicht gelungen ist, wenigstens die letzten Tage ihres Lebens in Ruhe und Frieden verbringen zu können, denn die kleinen Ersparnisse die sie möglicherweise angelegt haben, reichen fast nie so weit, um sie in jeder Beziehung unabhängig zu stellen. Wenn die Leute erst einmal so weit sind, dann sehen sie eS fast immer ein, dab sie einen groben Fehler begingen, indem sie sich in ihrer Jugend nicht unabhängiger stellten. ES gilt dies von Allen, die im Dienste des Capitals stehen, ob Handwer ker oder.Clerk. 2an erlebt ja jeden Tag . Beispiele, dab sich all diese Leute mit dem Stoicismus der Orientalen in das Unverweibliche, wie sie es nennen, sügen, ohne . die geringste Anstrengungen zu machen, auS den Widerwärtigkeiten und dem Noth fl firtit Sin nmmtn 'itn tnTfk fi durch den Mangel an Selbstvertrauen ge
rathen sind. Die Reue, die sie später da
rüber empfinden, macht daS Versäumte aber nicht mehr gut, .und deshalb sollte Jeder schon bevor es zu spät ist alleSMöq liche thun, um sich unabhängig, um sich auf eigene Füße zu stellen. ES ist dami nicht gesagt, dab Jeder ein eigenes Ge schüft gründen soll. ES soll nur Jeder das Abhängigkeitsverhältnib in dem er zu seinem Lohnherrn steht so wenig wie mög lich alS solches betrachten, eS soll Jeder denken, dab er für den Lohn. den er erhält wenigstens die gleichen Dienste verrichtet. und sich dagegen wehren, wenn der Arbeit geber in allzugrober Zärtlichkeit für seine Untergebenen dieLöhne zu sehr beschneidet. Wenn daS Jeder thut, dann werden sich bald Alle bester stehen ; das Abhängig keitsverhältnib wird nicht mehr sa schroff hervortreten, indem eS Jeder erlernt, auf eigenen Füben zu stehen. Die Militär VuSgaben Curopa's. Die JahreSAüSgaben für Armee und Marine der europäischen Großmächte be tragen nach den neuestenEtats-Feststellun gen mr vle velgelenlen Zslnanziayre rn Millionen Mark folgende Summen : Staat. Finanzjahr. - MillionenMark. Rußland 1879 633,9 Frankreich 1880 717,1 roßbri nnien 1879-'80 524,6 Deutschland 187 '80 460,0 JtaUe...... 1879 243,2 OesterreichUnaarn 1879 234,2 Wenn man für die genannten Jahre die Bevölkerung, entsprechend dem Zuwachse vor der letzten Volkszählung, schätzt und die aus den Kopf entfallende Summe der MUitärAuögaben berechnet, so findet man Folgendes: BevSlkkrung in Staat. Millionen. Start xrolloxf Frankreich 37,6 19,9 Großbritannien 31,2 Deutschland 44,5 15,3 10,3 Italien 28,0 8,8 Rußland......... 80,0 Oestereichrngarn . . . . . 38,4 7,9 5,8 Armer Papst. Den gläubigen Katholiken wird der Küchenzettel Leo'S XIII. mitgetheilt wie folgt : .Seine Kost ist noch einfacher als die PiuS IX.- Sein Frühstück besteht aus Kaffee ud Milch und zwei kleinen Sem meln ; sein Mittagessen aus Gemüsesuppe, Koch und Bratfleisch, Früchten und einer halben Flasche Wein; sein Abendmahl aus Brotsuppe der' Art, wie sie "in Italien Pappa" glnanntwird. Ein KorbAepfel oder Birien ist ihm ein sehr, liebes Geschenk DaS ist wirklich Suberst bescheiden und cenügsam und straft die verläum derische Strophe, Der Papst lebt herrlich in der Welt", Lügen. Wenn wir Zeit da zu hätten, wir würden den armen Mann recht herzlich bedauern. Parnell ist in Cork ins Parlament er wählt worden. . Die Auswanderung aus Deutschland ist wieder sehr im Zunehmen. Bei den Parlamenswahlen in Eng land sind die Siege der Liberalen sehr be deutend. Der berühmte polnische Geigerkönig Heinrich Winiawski ist in Moskau gestorben. Von der Kruppschen Kanonenfabnk in Esten vurden in der Schweiz 1,300,000 Centner Cisen angekauft. Schon wieder hat ein Arbeiter bei einer Kestklexploston in Watertown, N. Y. seinen To) gesunden. ES si,d dieser Tage abermals 300 be. gnadigte Communisen auS Nero Caledo nien nach Frankreich zurückgekehrt. Grant'S Aussichten auf einen dritten Termin gestalten sich immer trüber, hin gegen hegt jetzt Blaine! berechtigte Hoff nungen. i Der 6zar will in diesem Jahre seine üblicheBadereise nicht ausführen. Glaubt er, dab er Daheim am sichersten aufgehobenist? Schwerlich! ! , ' . Der Dampfer Braunschweig von Bremen hat vorgestern 1532 Paffagiere in Baltimore gelandet. Dieselben gehen fast Alle nach dem Westen. Die .?laae der Sängerin Carlotta Patti, welche von der Evening Post" von St. Louis k2S,000Schadenersabverlangte, weil die Zatung berichtet hatte, ste sei bei einem ihrer Auftreten betrunken gewesen, ist vom G:richt abgewiesen worden, weil die Klägmn für die Prozebkosten keine Sicherheit gestellt hat.' - ' "; '
Im St. Gotthard.Tunnel soll die Ventilation noch sehr viel zu wünschen übrig lassen, so dab erst neulich wieder ein Erstickungsfall dort vorgekommen ist. -
Die Schulbibliotheken in Frankreich, die etwa zwei Millionen Bücher enthalten, sind dort von wesentlichem Nutzen, da sie auch sehr viel von Erwachsenen benutzt werden. . Im Zollamt zu Petersburg ist man einer Unterschlagung aus die Spur gekom men, die über eine Million Rubel aus macht. Die dortigen Zollbeamten befin den sich natürlich allein Sicherheit. Der durchgebrannte, pennsylvanische Politiker, Bill Kemple. soll sich eine Mil lion, erschwindelt haben. Addiren, Divi' diren und Schweigens lautete die Parole zwischen ihm und semen Verbündeten. Wenn man die Milwaukee Freie Presse" und die dortige Arbeiterzeitung' liest, die sich schon seit Monaten einander die Meinung' sagen, kommt man doch schlieblich zu der Einsicht, dab die deutsche Sprache sehr wortreich ist. ' In Hav.burg wird demnächst in Folge der Mandatsniederlegung des Reichstags' abgeordneten Bauer, wieder eine. Neuwahl nöthig. Die Parteien rüsten sich bereits zum Kampfe und hauptsächlich die Sozial' demokraten sind sehr thätig. Der bekannte Dichter Emanuel Geibel hat aus Gesundheitsrücksichten seinen bis, herigen Aufenthalt in Lübeck mit Kiel ver tauscht. Seine Gesundheit soll in letzter Zeit sehr erschüttert sein. In Kiel befindet er sich in einem Privatkrankenhause. In Preuben macht die Reaktion auch auf dem Gebiete der Schule ganz bedeu tende Fortschritte. Die Ertheilung des Religionsunterrichts wird überall den Pfarrern und Kaplänen wieder zurückge geben. So geht es dort immer rückwärts. Sherman erklärte in Cincinnati, dab! er von. seiner Bewerbung um daS Präsi' dentschaftSamt sofort zurücktreten würde,. falls Obio sich nicht für ihn entschiede. Nun dann wird ihm wohl nichts Anderes übrigbleiben.'.,.,. Auf eine schr einfache Art entledigte sich kürzlich inCo umbuS, Ohio eine Mut' l-.l M 1 f ' . rer iyres moes. &t ging zu einem Photographen und setzte daSKind in einem Stuhle fest, dckmit iS beim Photograph!. ren ruhig sitze. Dann entfernte sie sich. lieb aber ihr Kind fest sttzen. - In Zittau'stnd die Herren Dr. Roscher und Redakteur Billig in Folge ihres bekannten Duells Jeder zu je 4 Monaten Festungshaft verurtheilt worden. Diese Verrücktheit kann auch in der That nicht anders geheilt werden. Denn der Begriff von Ehre den diese Leute haben ist mei' stentheilS doch nicht weit her. Fast immer ist eS dummer, einfältiger Stolz, der sie zu solcher Narrheit treibt. Die N.P. V. Ztg." trifft den Nagel auf dem Kopfe indem sie meint: Die demokratische Sparsamkeit im Kongresse spart in den Tausenden und wirft dieMil lionen weg. So mit der Flotte, welche UK Mill. kosten soll, wovon etwa $200,000 erspart werden sollen, während eine volle Hülste davon eben so gut in's Meer versenkt werden könnte, wo es am tiessten ist. . Tilden hat es durch seine Advokaten durchsetzen lasten, dab der Prozeb wegen seiner Einkommensteuer Desraudationen wieder einmal bis zum Monat November verschoben worden ist. Der Mann weib warum; er.will dab die PrüstdentschastS campagnie erst vorbei sein soll denn er weib, dab dieEnthüllungen in dem Prozeb seiner Candidatur gerade nicht förderlich sein werden. Prediger zu sein ist nicht nur ein sehr angenehmes sondern auch ein sehr einträgliches Geschäft. Die Leute leben wie Gott in Frankreich, lachen sich inS Fäustchen über die Naivität der Menschen und flrei chen sorglos ihr leichtverdientes Geld ein. So erhält Beecher $20,000 per Jahr. Nach ihm kommt Dr. John Hall, welcher $15,. 000 in Gold per Jahr bezieht, aber freie Wohnung hat, die noch weitere $3000 per Jahr werth ist, so dab er $18,000 hat. Ihm folgt Dr. Potter mit einem Salär von $12,000 nebst srerer Wohnung; Dr. Dir, erhält ebenfalls $12,000 ; andere Pre. diger New Yorks erhalten von $8000 bis $10,000. .
t
; O.OTDB '.. i , ' - ' ' ; ' ; ' '
MM-Mr-B
(SCHMIDT'8 SQUARE,) I , . . INDIANAPOLIS, IND. ie berühmteste und besteingerichtetste Brauerei m Staate. Mein Lagerbier und Invioratm? älalt-fcrtracfc Bottle Beer1 ist vor allem anderen als
vorzüglich anerkannt. Austräae Aun Versamen von Laaervter auf allen Elsenvayn
Linien werden prompt erfüllt. j Wm. H. Englifh hat jeden'allö zum Zwecke seiner ViceprSstdentschcstS' Candidatur eine 12 Spalten lange Selbst biographie im .Sentinel" veröffentlicht. worin er seine groben Thaten in die Welt hinausposaunt. Sein Hauptverdenst scheint darin zu bestehen, dab er ein reicher Mann ist. Wie viel armer Leute Schweib tropfen an seinem Reichthum hängen, ist in dieser Selbstbiographie nicht erwähn. . Mayor Kalloch in San Francisco scheint den dortigen Capitalisten sehr derhabt zu sein. Der Rath der Supervisoren nahm Beschlüsse an, laut denen'der Friede der Stadt durch die aufreizenden Reden des Mayor Kalloch ernstlich gefchr det wurde und das Justizomite beeuf tragt wird, die Angelegenheit zu unter suchen und darüber zu berichten. ES heißt allgemein, der Mayor werde in Ankloge zustand gesetzt werden. , , Dem berühmten Verfechter der Ehescheidungen M. Naquet kommt ein ihm befreundeter Arzt mit einem Universal EhescheidungSgrund auS physischen' Ge stchtSpunkten zu. Hülfe. Seine Logik ist folgende : Innerhalb sieben Jahren er neuert sich der menschliche Körper vollstendig dergestalt, dab weder Mann noch Frau nach Ablauf dieser Zeit mehr dieselben sind. Alle sieben Jahre kann man sich also auj's Neue verheirathen. Die Untersuchung über den Einsturz der Tay Brücke in Schottland ist zwar )c endigt und daS Resultat derselben ergab zur Genüge, dab man es hier wieder ein mal mit frevelhaftem Leichtsinn zu thun hatte, aber von den Personen, die deshalb zur Verantwortung gezogen werden soll ten. hat man bis jetzt noch nichts gehört. Aber das konnte man" sich denken, die Ee schichte ist längst vergessen und wird rulig einschlafen. . - - W Senator Hill lieb durch seinen Advo katen im Kreisgericht Washington . den Antrag stellen, die von MibJesste Ray mond gegen ihn gerichtete Klage wegen Verführung abzuweisen, weil die Klage von der Advokatin Lockwood ohne Ein willigung der Mib angestrengt worden wäre. Der Senator wird sich täuschen, so schnell wird sich die .Mib" denn doch nicht beruhigen und so billig entledigt man sich auch nicht seiner Kinder. Alle guten Katholiken können die Woche volle Sündenvergebung erlangen, wenn sie die vierzehnhundertjährigeJubel feier des Heiligen Benedict mitmachen drei Tage lang, und zwar in irgend einer Benedictinerkirche, oder in einer Kirche, worin diese Jubelfeier begangen wird. So verordnet eS Papst Leo XIII. Wenn doch die Erfindung gemacht werden könnnte, wie. die gläubigen Katholiken, anstatt ihrer Sünden so leichten Kaufes, ihre Dummheit loswerden möchten. DaS neue LiquorGefetz in Maine hat dort schon seine Wirkung gethan, indem eS schon sein Möglichstes zur Ausbildung des Denunzianenwesens beigetragen hat. Hier der Beweis : Eine Frau bettelte einen Apotheker in Portland so lange unter allerhand Vorwänden um ein viertel Pint Brandy an, bis er eS ihr verkaufte. Dann denunzirte sie ihn sosort und et hatte $30 und Kosten zu zahlen. Ein Herr klin gelt des Nachts einen Apotheker heraus und bat um Gotteswillen um ein wenig Brandy; seine Frau liege im Sterben,' und er könne nicht erst ein ärztliches Zeug, niß bringen.' Der Apotheker verkaufte ihm ein wenig Brandy und w'irde sofort denunzirt. Das Alles geschieht aber zur gröberen Ehre Gottes! '
mmm
; C. F. Schmidt. In Deutschland hat man fich benö thigt gefunden den vielen brutalen Mib Handlungen der armen Soldaten vonSeiten ihrerVorgesetzten, dadurch entgegenzu steuern, dab die . Soldaten bei-strenger Strafe verpflichtet wurden, jede Mibhand lung bei einer hohen Behörde zur Anzeige zu bringen. Wieweit mub eS da schon ge kommen sein wenn man sich herabläßt sich der Gemeinen" in dieser Weise anzunehmen! Einer Kabeldepesche zufolge hat der Reichskanzler wieder einmal resignirt,weil etwas nicht nach ' seinem eigensinnigen Kopfe ging. Im Bundesrathe wurde nämlich die Vorlage für Einführung der Reichsflempelsteuer verworfen und das hat den Kanzler so schwer getroffen, dab er gleich sagte, ich spiele nicht mehr mit. Wahrscheinlich ist er aber schon imVorauS davon überzeugt, dab seine Resignation nicht angenommen wird, denn wenn dieS der Fall wäre,llo würde er gewib am mei sten darunter leiden.' In Baltimore sind die Cigarrenarbei ter im Ausstände. Ueberhaupt kommen jetzt von allen Seiten wieder Nachrichten von Masten Ausständen und doch ertönt auch wiederum von allen Seiten die Ver stcherung, dab in allen Geschäfts, und Industriezweigen ein erfreulicher Auf schwung bemerkbar ist; wie reimt sich dies zusammen? Wie ist es möglich, dab ein Geschäftsausschwung besteht. -wenn die Arbeiter so schlecht, bezahlt werden, dab ste gezwungen sind zu dem verzweifelten Mittel der Arbeitseinstellung zu greifen? Am Sonntag Abend wurde in New Vork die Fair des Turnvereins geschloffen. Das Unternehmen erfreute sich eines glän zenden Erfolges. Zur Deckung der durch den Brand der Halle erlittenen Verluste haben die deutschamerikanischen Bürger und Bürgerinnen $1616,000 beigesteuert. Die Diehl'sche Kanone wurde mit 3727 Stimmen den Turner Cadetten zuge sprachen. Bei der Abstimmung über den kunstreich gearbeiteten Taktstock ging W. Traeger, der Dirigent des Beethoven Männerchor als Sieger hervor, und der vom Turnverein ausgesetzte silberne Pokal fiel dem Gesangverein Arion" zu. Im deutschen Reichstage fragte am 13. März Herr Richter den Reichspoflge waltigen, Herrn Stephan, wie es zuge gangen sei, dab bei einer Privatfestlichkeit im Hause des letzteren auf den Treppen zwischen hochstämmigen Topfgewächsen Postillone in Gala Uniform sichtbar waren, die vor den Gästen in strammster Haltung die Peitsche präsentirten. Da rauf Herr Stephan : Der .Generalpostmeister hat die Pflicht, die Postillone in ihrer GalaUniform zu revidiren, nd natürlich geht er nicht zu ihnen, sondern laßt sie zu sich kommen, wenn eS ihm. Pas send scheint." Ob dieser Antwort all gemeines Schütteln des Kopfes. In der That, ein glücklicher Gedanke, diese Revi ston der GalaUniformen von Beamten mit einem Souper oder Ball zu verbinden, und wenn die Chefs anderer Verwaltun gen sich denselben von Herrn Stephan aneignen sollten, so würde die Verbindung des Angenehmen mit dem Nützlichen des Dienstes, für ste nichts zu wünschen übrig lasten. Man denke nur, sagt die Franks. . Ztg." dazu, an einen Polizei'Präsidenten, der an einem festlichen :Abend in seinen. Hauff die Schutzleute in Gala-Uniform, an einen'Schulrath, der bei gleichem An lab und in gleicher Weise auf teppich belcstten Treppen zwischen hochstämmigen Topflanzen" die ihm unterstelltenSchul anstalten Lehrercollegia .wie Schüler revidirt!-
