Indiana Tribüne, Volume 2, Number 33, Indianapolis, Marion County, 27 March 1880 — Page 6
I n d i n a T r i h ü n e."
A i 11 11 N. -rnNovelle von S. von der Hvrst. 0 (Fo-tsetzung.) Tante Wilhelmine war eine Schwester von Minna's verstorbener Mutter unk mit dem Manne derselben nach seiner zweiten Heirath völlig verfeindet. Sie, die ältere, schon an den Grenzen der Jugend und selbst aus den Trümmern eines zerschellten Glückes stehend, hatte auf Erden Nichts mehr geliebt, als dieseSchwester, und deren Kinder, die ste mit eigenen Händen großgewartet. Wilhelm, der Erstgeborene, war ihr Pathchen, so recht der vergötterte Lieb ling der alten Jungfer, Der, dem sie zueist das verbitterte, getäufcht? Herz wieder erschlössen in jener gebenden Liebe, die bei vergüten zärtlichen Frau niemals ganz ersterben kann : sie trauerte noch beute um ihn, geistig und sactisch .im schlichten schwarten Kleide. Als sich der Schwager verlobte, da erfolate eln Brucd. den Nicdts mebr bellen W J ' ' I konnte. Wilhelmine zog aus dem Hause und kam in dasselbe nur ein einziges Mal zurück,umDen, dessen erste Windkln sie bereitet, nun auch in das Ste'.bekleid zu .hüllen. Dann ging sie, ohne den Vater des Todten gesehen zu haben er ver schloß sich vor ihren Blicken in das entlegenste Zimmer. Alle selne Bemühungen, die Alte wieder ins Haus zu ziehen, das Gerede der Leute zum Schweigen zu bringen. wenigstens durch äußere Eintracht waren vergebens. Wilhelmine griff zur Nähmaschine, die sie schon im Hause der verstorbenen Schwester gehandhabt, und schlug sich durch, so gut es eben ging, ohne jemals von dem reichenSchwager auch nur einen Pfennig zu nehmen. Er mußte sich in das Unabänderliche süaen. aber der srübere Wunsch, mit der letzten Verwandten seiner Frau im Frieden zu leben, verwandelte sich nach und nach in Haß. Als Minna heranwuchs, wurde es ihr auf das Strengste untersagt, jemals die Tante zu besuchen, und so ost Dienst boten oder sonst gute Freunde der Stiefmulter ein derartigesEreignik hinterbrach ten, wurde das Kind mit den bärtesten Strafen belegt. Gleichwohl ab flüchtete doch Minna zuweilen in den Schutz der Tante, wenn auch nur geistig. Sie war ja immer sicher, bei der Alten ein warmes herz und offene Arme zu finden. Nur über ihre Liebe für Robert hatte sie nie gesprochen. Das war ihr Heiligthum, ihr Eigen, und Niemand besaß einen An theil daran. Auch heute war das Begeg nen ein zufälliges, aber die Erregung der Stunde vernichtete alle Entschlüffe, warf sie über den Hausen, wie der Wind die trockene Spreu entsührt, und lockte das Geheimniß hervor aus innerstem Herzens gründe. Tante Wilhelmine drückte das Taschentuch gegen die naffen Augen. Sie konnte keinen Trost spenden, konnte nicht helfen, obwohl sie für das letzte Kind ihrer todten SchwesterAlles dahingegeben haben würde. Aber wenn auch die Nähmaschine zum Ausläufer wanderte und das Sopha uro das Bischen Leinen, wenn sie bei allen Freunden für ihren Liebling lieh würde das helfen, um sechstausend Tha'er zu be zahlen? Ihre Thränen flössen stärker, als sie an das trostlose Mißverhältnis )achte. Aber vielleicht ließ sich in anderer Weise Ratd schaffen. Man konnte es wenigstens ver suchen. Kind sagte sie, die freundlichen grau en Augen zu ltzrer vixmxt ervedeno. .wie heißt der Gläubiger Deines Geliebten V Minna seufzte unwillkürlich. Es sind ihrer Zwei. Tante. Der Kausmann Dahl bcrg und der Commisionsrath Philipp.Tante Wilhelmine erhob den Arm. Pbilipp?" rief sie fast freudig aus. Liebstes Kmd, die Leute kenne ich ja, weißt Du nicht, dafc Malchen Philipp Deine Schul' genossin war?Minna nickte. Ich mochte sie nicht, Tante. Ihr Wesen hatte immer etwas Spöttisches. Berlitzendcs." ' Die Tante lächelte. Liebenswürdig ist sie auch jetzt noch nicht, mein Herz. Aber einerlei, ich arbeite für d'.. Leute, man kann doch wenigstens irgend welche Nachrichten durch sie erhalten, man kann Versuche machen. Was denkst Du, Kind, sollte nicht wenigstens Dein Vater die Zinsen jener Summen bezahlen? Hat etwa der alte Mann einen Stein da, wo andere Leute ein Herz besitzen?" Minna schüttelte traurig den Kopf, .Er, Tante? Ach wenn Du wüßtest !"
Am
Abn
Die alte Dame Nickte eifrig. Ju ind," lies sie, ich weiß Alles. Der schlechte
Mann, der Rabenvater ! Ein Kind in den Tod getrieben, das andere in Berzweiflung " Minna schlug beide Arme um denNacken der Erregten. Tante, er ist mein Vater und er ist nicht glücklich ; ich bedanere aus Herzens gründ den alten Mann." Tante Wilhelmine küßte die zitternden Lippen, meläze noch Den zu vertheidigen suchten, der so schwere Schuld aus sein Haupt geladen. Du hast das Herz der armen Charlotte sagte sie weinend; Gottlob, daß sie in Frieden schläft und nicht zu erleben braucht, was ihrenMndern auferlegt ist. Und vor Jahren war Dein Vater ein guter, frcundlicherMann, er hat Deine Mutter ausrichtig bedauert, bis das Unglück geschah bis er die LeonoreNeu mann kennen lernte und sich von den schwarzen treulosen Augen zur Sünde verleiten ließ. Gott vergebe den Beiden Minna sab anastvoll fragend in das Gesicht der Alten. Tante. nutterte tte. unnnururlid) nur T 9 ' halblaut sprechend, Tane, war sie wirklich Wilhelm's Braut ? Die Alte bcjahte. Grobe Thränen ranven über ibr mageres, kummervolles Gesicht herab. Sie kam als solche in das Haus sagte sie. JD Kind, das waren schreckliche Tage. Da habe ich es rennen gelernt, was ein gesunder Schmerz ist, und was wie eine giftige, ätzende Wunde im Fleisch fort brennt ; da bin ich demüthig geworden und dankbar für mein Geschick, um das ich in der Jugend so bittere Thränen geweint, Sie konnten mir Beide nicht in die Augen sehen. Dein Vater und seine Braut; sie schämten sich ihrerHandlungsweise,obgleich die Leonore cinberging gleich einerFürstin. Kind, das ist schrecklich, wenn man sich vor den Blicken Anderer verbergen muk : der ebrliche Mensch sühlt für die Verirrten ge wissermaßen den Schimpf mit und sehnt sich weit fort. Nimmer hätte ich im Hause bleiben können, wo die schlechte Frau den Platz meiner armen Schwester einnimmt. Mich tröstet nur die Ueberzeugung, daß Wilhelm an ihrer Seite nie wirklich glücklich hätte werden können. Minna wandte sich erschüttert ab. Nie Tante, davon bin ich überzeugt," antwor tete sie. Ja, ja. ich weiß es. Wer so das treueste, beste Herz verrathen konnte, so vielen Kummer über eine andere Menschenseele bringen, nur um des Reichthums willen der ist in sich kalt und falsch. Sag' mir, Kind, spricht Dein Vater niemals mit Dir über die früheren Verhältnisse ? Minna lächelte trübe. Tantt, Du ur theilst nach Dir selbst, nach Deinem war rnen Herzen und der Liebe, die Du Dir bewahrt hast aber zu Hause ist das an ders. Papa spricht sast nie mit mir, und dann nur über die gleichgiltigsten Dinge. Bei uns geht es her, wie in einem Sterbe hause; es kommt Niemand, man macht keine Besuche, man hört keinen Laut und kennt nur das Einerlei, wie es seit Jahren gewesen ist und bleiben wird, so lange der Vater lebt.Ein Gefängniß !" murmelte schaudernd die alte Dame. Ein steinerner Sarg. Leonore Neumann bat sich schrecklich be straft für ihren Verrath. Tante V bat leise das' Mädchen. . laß uns aufhören, weiter davon zu sprechen. Ter Vater lebt nicht lange mehr, und dann thut das harte Wort im Herzen weh. Tante - was räthst Du mir, soll ich Robert antworten?- , Die alte Dame hielt beide Hände ihrer Nichte scst und sah voll Erbarmen in das blasse, traurige Gesicht derselben. ; Thue es nicht, . Minna, wenn ich Dir rathen soll ! Laß ihn in sich fest und cher weroen, ein fertiger, willensstarker Mensch, der seine Irrthümer und die Hei lung derselben klar vor sich sieht, dann erst kann er Dir seinen Schutz'und Schirm ge ' rrähren, ohne welche keine Achtung kein wahres Glück denkbar ist. Gestehe mir's, ein Brief von Dir an ihn würde gegen wärtig das natürlicheBerhältniß umkehren und Dich zum geistigen Anhalt für ihn, den Mann, werden lassen. Habe ich Recht, mein armes Kind V Die kleinen gefangenen Hände zuckten bemerkbar in denen der Tante. Robert ist im Unglück!" flüsterte wie entschuld! gend, bittend has gequälte Mädchen, Das ist er, Minna, und Du mußt un bedingt thun, was Dir die eigene Ueber zeugung gebietet, damit kein, wenn auch möglicherweise? nur eingebildeter Vorwurf in Deinem Herzen zurückbleibt. Aber,
Kind, ich bin alt, ich sehe mit dem ge schärften Blick der Erfahrung, und daher rathe ich Dir. lab ihn jetzt geistig allein ; laß ihn dieProbe bestehen, welche als Wen depunkt seines Schicksals herantritt. Bis her war er nur ein tapferer Soldat, ein eleganter Cavalier, der sich die Mittel zur Verschönerung des Daseins ziemlich ungenirt zu verschaffen wußte jetzt möge er zeigen, daß auch ein tüchtiger, denkender Mann in ihm steckt, und das ohne Jeman des Beistand, da wir die fehlende Summe nicht herbeischassen können, um ihm seine Stellung zu erhalten." Tante," fragte seufzend das Mädchen, so hat Dir sein Brief an mich nicht gefal len ?"
.Da Du es zu wissen wünschest, Kind nein. Er hätte schweigen müssen, bis es lym mog.ua) war, ncy durch Vas, was er für seine Zukunft beschlossen, auch Deine Achtung zu erha.ten. Wie viel Wege siehen nicht dem gebildeten Manne offen ?" O Tante, wober nimmst Du so kecken Muth?" Aus der Erfahrung versetzte zärtlich die alte Dame. Ueberlege Dii's was ich sagte, Kind ; laß ihn immerhin annehmen, daß Dich sein Mangel an Selbstgefühl empfindlich verletzt. Das wird ihm ent :vcder zum treibenden Sporn werden. oder er " Die alte Dame zog das weinende Mäd chen zu sich herab und küßte es herzlich. Willst Du ostma's wieder zu mir kom men, mein Liebling ? Ich habe Dich aus meinen Armen in's Leben hineingetragen. Du bist Charlottens Kind, und doch ken nen wir einander kaum ist es so, wie es sein sollte?" Minna schüttelte den Kopf. Die in ncreBewegnng raubte ihr fast dieSprache. Güte Nacht,Tante," sagte sie nach einer Pause. Und wenn Du Gelegenheit sindest, bei dem Commisstonsrath Philipp Morgen schon gebe ich hin, mein Lieb lmg!" nieste die Alte. Doch erwarte nicht, daß ich mehr erreiche als indirecte Nachrichten. Die verstorbene Frau von Holten war eine genaue Bekannte von mir damit kann ich die Frage motiviren Viertes Kapitel. Vierzehn Tage waren vergangen seit je nem Moment der höchsten Verzweiflung, in welchem Riemer das Geld aus demBrief nahm, um damit für sein krankes Kind Rettung zu erkauscn. Er hatte jetzt seine Verhältnisse so ziemlich geordnet, die drin gendstln Schulden bezahlt und der über bürdeten Frau eine Hilfe verschafft ; aber in ibm selbst wuchs mit jedem Tage der innereZwiespalt, der Gram um das schreck lich getrübte eigene Bewußtsein. Schon mehr als einmal war er im Begriff gewe jen, an Vortor yeiD in Vtoayoim zu schreiben und ihm Alles zu gestehen, wäh rend er außerdem einen monatlichen Ab trag anbieten und Zinsen bezahlen wollte; dann aber erwog er wieder die G. fährlich keit dieses Schrittes urd legte die Feder hin, sobald er sich von den möglichen Fol gen desselben ein Bild entwarf. Wollte derArzt Rache nehmen, so sandte er denBrief an duPostdirektion, und dann war er verloren ganz verloren. Der bedauernswürdige junge Mann konnte sich so sehr in Grübeleien verlieren, doß er auf die Fragen seiner College zeitweise keine Antwort gab. oder ein Klopsen an dem Schalter gänzlich über hörte. Wenn er nur gewußt hätte, wer der Doktor Held sei, und ob er vielleicht einen Anderen durch sein Verbrechen in die schlimme Verlegenheit gestürzt hatte, aus welcher er sich selbst befreite! Der letzte Gedanke konnte ihn fast wahnsinnig ma chen. Uebrigens. blieb es aber doch uncr klärlich, weshalb eine so große' Summe auf das Gerathewohl in die Welt hinausgeschickt wurde ; auch der seltsame, mit rother Seide aus weißem geblümten Stoff gestickte Brief ließ ein Geheimniß, ja sogar ein Verbrechen vermuthen. Ihm schwebte immer das blaffe Gesicht des Mann'S vor, der so nahe an den Scheiben den Brief in seinen Händen gesehen hatte. . " .' Dieser wußte es oder erfuhr es doch, daß er ein Dieb war. Noch einmal untersuchte er genau das Couvert und den -Streifen Seidenzeug, aber kein einziges Merkmal fand sich vor. Nichts, das irgend einen Anhalt geboten hätte: Offenbar durch Abreisen von einem größeren Stücke ge trennt, zeigte die schwere Seide auf matt' weißem Grunde eineBlumenguirlande von erhabener, ebenfalls ganz weißer glänzen der Weberei. - Das Rosen Bouquet war in der Mitte zerrissen und daher nur halb kenntlich, aber trotzdem siel die selteneKostbarkeit deö Stoffes selbst dem jungen
Manne aus. Es mußte eine sehr reiche
Dame sein, die dergleichen kaufen konnte vielleicht war es auch eine Kawmer jungfer oder Arbeiterin, die das Stükchen hatte mitgehen heißen. Da ließ sich sei nerlei Vermuthung aufstellen. Während dieser Periode erkrankte einer der Angestellten des Haupt-Postamtes und Riemer mußte momentan den Dienst desselben übernehmen. Das Erste, was er in dem Behälter für die Sendungen poste restante erblickte, war ein kleines kaum handgroßes Packet mit den Buchstaben G. G. Fast ohne zu wiffen, was er that, ergriff der jrnge Mann die - beigelegte Adreßkarte und sah nach dem Namen des Absenders. )a stand in gestempelten Lettern : Dr. rned. August Held. Stockstolm. j Es wirbelte vor den Augen des juigen Mannes. Er allein wußte, daß dasNe-ben-Postamt für die erwartete Sendung als Adreffe bestimmt gewesen man nußte mithinVerdacht geschöpft haben und rtall te, um der Vernichtung des Packeis zmor zukommen, dasselbe seinen Händen en!ziehen. Mechanisch legte er das Kästchen iyden Behälter zurück. Zu viele Augen beoch teten ibn hier, wo fortwährend meiere Beamte im Bureau anwesend waren und wo das Gedränge des Publikums am Schaltersast nie ganz aushörte er durste den tödtlichenSchrccken, wclchenhn durchrieselte, nicht auf derStirn lesen las len. ' G. G. lächelte einer der CoUgen. Riemer, haben Sie da in Ihrem Breich auch von dieser geheimnißvollen ClireZ. spondenz etwas bemerkt? ! Der junge Mann bückte sich rasch!nach dem Federmeffer, das seine bebendenJin ger in diesem Augenblick zur rechten Zeit unter den Tisch fallen ließen. I Ich Wüßte nicht," antwortete er seine Stimme so sehr als möglich beherrchend. G. G. nein, mir ist nichts dereichen erinnerlich." I Einmal kam ein Brief," warf Ghardt ein. Sie hatten Ihren freien c. Riemer, und das Schreiben wurde schon ab geholt, während ich noch den Duch versah." . ! ! Das ist köstlich !" rief wieder der tzrste. Sie hatten vor achtTagen dort denDenst Eckhardt, am vorletzten Mittwoch, licht wahr?" ' ' j - Lassen Sie sehen, Mittwoch ? Ja, das stimmt. Wle so denn?" Nun, ich meine nur. ' Sie wiffen)och, daß schon vor Monaten häufig ein sklank gewachsener, elegant aussehender Iann hierher kam, um nach Briesen für . . zu fragen,und daß dann einmal bei s.lcher Gelegenheit ein Herr am Schalter erdien, der diesen guten Mann kannte und m als Baron Uhlfeld anredete. Seitdem ver schwand er und schickte einen Hilssiann. An jenem Mittwoch aber erschien ir in Person und zwar, um hundert Thatt ein zuzahlen, eben an jenen Doktor Hid in Stockholm." . Hundert Thaler! Der läßt siz den Schwindel anständig bezahlen." Wcs curirt denn dieser Heilkünker?" Einer der jungen Leute ergris eine Zeitung und los mit affectirtem Pchos : Dr. Held in Stockholm offerirt eil un trügliches Mittel gegen den Haarsavund oder das Ausbleiben des Bartwrhses. Curzcit vier Wochen, vollständiger binnen einem halben Jahre. .Prei rfolg nur drei Thaler." Ein schallendes Gelächter folgte Vortrag. , , . iesem Drei verlangt, der Ehrenman und muß marck hundert werden ihm bewilligt. D wohl der HerrBaron bereits a la B frisirt sein." .Pst!" riek es vom Fenster her. Wenn man vom Teusel spricht- s : So naht er. Riemer, Sie ha Dienst am Schalter." n den ' Es brauste wie ein entseffeltes Ver vor den Ohren des jungen,- Mannes. Wie würde er denBlick des Bestohlenen Auge in Auge ertragen können ? ? Niedergedrückt von derWucht deivelbst.anklage beugteer sich über das lapier. Halbe Bewußtlostgkeit hatte sich sner be mächtigt. - Ihm war es, als m se jetzt Alles entdeckt werden. ! ; Da sie! ein Schatten über das zuch, in welchem er gerechnet hatte. All Köpfe waren gesenkt jetzt mußte er den chalter öffnen. Der Fremde fuhr zurück, alö er zn sah. Jähe Bläffe verbreitete sich über diaristokratischen, etwas verlebten Züge.! Sind Briefe da aus Stockholrs?- stieß er hastig hervor.
Ohne Weiteres, ganz seinerGeistesze gel.wart beraubt, griff Riemer nach dem Packet mit den Buchstaben G. G. Schon wollte er eö, ohne ein Wort zu sprechen, dem Baron Uhlfeld darreichen, als ihm Bolten in den Arm fiel. Du vergißt, den Herrn nach der Adresse zu fragen," flüsterte er. Ah wahrhastig. Wo habe ich denn meine Gedanken," rief verwirrt derAndere. Es sind die Buchstaben G. G. nicht wahr ?" , , . Das Gesicht des Barons bot den glei chen Ausdruck von Aufregung und Besän genheit'. Er griff in den Schalter hinein, wie um desto früher sein Eigenthum' an sich zu nehmen. G. G. ja, ganz richtig. ES ist eine Besorgung ein Auftrag für Andere. Ich empfehle mich." Er steckte das Packet ein und ging so schnellen Schrittes davon, als fürchte er daß heimliche Lachen, welches. hinter ihm drein schallte.. Die jungen Leute sahen, wie er sich in eine Droschke schwang und das Fenster derselben schloß. Wahrhastig, er braucht den Haarkünst ler nicht meinte Eckhardt, seine Chcvelure läßt nichts zu wünschen übrig. Da hinter steckt nach meiner Ansicht etwas An dercs.Hundert Thaler !" seufzte einer der Unterbeamten. Wer doch Wunderdoktor wäre!" NurBolten sprach kein Wort. Er sah unverwandt in das blaffe, zuckende Gesicht seinesFreundes und beobachtete, wie dieser mit der Feder auf den Seiten des Buches einzelne, wohl nnr halb freiwillige Bewe gungen machte. Als dann einer der Collegen ihn um Etwas fragte, fuhr er auf und gab Antwort in dem Ton eines heftig Er schrockenen. , Zugleich ergriff er das Tintenfaß, um den Inhalt desselben mechanisch über das beschriebene Blatt zu gießen. Erst als Bolten wortlos seinen Arm ersaßte und auf halbem Wege zurückhielt, erkannte er den Irrthum. Sein matter, unstäter Blick dankte dem Anderen. Bolten wandte sich ab. Dasselbe Ge sicht von jenem Tage, als ich für ihn den Dienst übernahm," dachte er. Da steckt ein Geheimniß." Riemer grübelte nicht nach über die Ein zelheiten des eben Erlebten. Seine Seele wandte sich gewiffermaßen schaudernd ab von der Erkenntniß, daß derBaron Uhlfeld um seinen Diebstahl wiffen müffe. Er fühlte nicht die Kraft, den Gedanken ruhig in sich zu verarbeiten, er sah sich durch die geschehene Nachzahlung auch der Möglichkeit beraubt, dem schwedischen Arzt über kurz oder lang das geraubte Geld zu erse tzen, und das traf ihn mit neuer vernichten der Schwere. Baron Uhlfeld hatte Gründe, - über die ganze Angelegenheit einen möglichst dich ten Schleier zu werfen ; er würde nie von seiner Mitwirkung an derselben sprechen und weit lieber den Verlust verschmerzen, als die Erstattung der gestohlenen Summe verlangen. Es gab also einen Menschen, der um sein Verbrechen wußte, ohne ihm den Ausweg der Sühne offen zu laffen. Mochte er monatlich eine bestimmteSumme an die Armen geben, mochte er trockenes Brod cffen, UM desto früher hundert Tha-; ler zu ersparen dem Bestohlenen gegenüber blieb er ein Dieb. Beim Nachhausegehen begleitete ; ihn Bolten Jetzt sieht es bester auö, nicht wahr,' alter Junge ? Deine Kinder sind gesund und der erste Schmerz um das , verlorene ist überwunden. Du mußt Dich . mehr aufraffen, Riemer, schon Deiner Frau vegen ." . ! , ' Der Andere nickte. Das thue ich auch, Bolten, es ist nur noch Alles so frisch im Gedächtniß Aber, hier trennen sich unsere. Wege, nicht?"' , ' Volten stand still. Sieh' mich einmal an.Riemer bat er im leisen, gewinnenden Ton, wir sind Schulkameraden gewesen' und dann als Männer Freünde geworden, im besten Sinne des Wortes. Gibt S Nichts, wasDu mir gegenüber aussprechen könntest, 1 um es vom Herzen los zu wer den? ' - ' ,' (Fortsetzung folgt.)
Paris, 22. März. Der Polizei präfekt hat in einem Circular an die Po lizeicommiffäre einen ins Einzelne gehen den Bericht über sämmtliche Orden in Pa ris und den Provinzen eingefordert.
