Indiana Tribüne, Volume 2, Number 31, Indianapolis, Marion County, 13 March 1880 — Page 6

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bgrunil. ' I. Novelle von S. von der. Horst. ' f . ' ".j -O , , - , (Fortsetzung.) cu xm. mP Ann hi vii. Ouuil 4tVutv.4i.. ferne und ....t. fm,ir,!nh. Ni uiuivviukv : vfvf v, während ihre weinen,, üppig 'geformten Hünde das welke Antlitz des Alten streipUn ma fi rttifhlirft war Minna 4fVftt- . V V v " - verschwunden. Wie gescheucht floh das junge Mädchen in ikr eiaenes Zimmer. Sie schloK ' die lll tUl VHbtV9 . IU1IMH. wi IT'U hr h uVrtnr ha Kesickt in beiden "..n ..N1K.-.M5 di siit. vituviiii iuiunHa " I nflänöe unö kein Lau, drang bis zu dem Hochgelegenen, auf den Garten HinauSge7 u yenden Zimmer empor. Hier war die eigentliche Welt des jungen Wesens, ihre Heimath, die Stätte ihrerEc innerungen.. Als die Mutter starb, zählte Wn st tun - ab fON damals begann für das Kind der Ernst des Lebens. Schauerliche, trostlose Erinnerungen waren es, die in den Ecken und Winkeln des lleis.enZimmers wohnten, die in der grauen Dämmerung jetzt gleich hu sehenden Gespenstern das einsame Mädchen umschwirrten. .Was weinst Du?" fragten die Geister nimm mnft hrfTimmert Dick aerade heule so sehr? War es denn emals anders 7. , ; ' f' ' t, ' "

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Und das Mädchen schüttelte den Kops. ' . I qs?,in. nein, es war nock ckliMMer. dui (Aiimm.r h.. Ja rhrrrflirfi 'hrtfe da Öer ' - 1 UÜUMil(i U; w vy v..v - - u o ' mit doppelter Eile klopjte, und die Hände sich krampsyast verschlangen in stummer Frage an daöSchickjal, wie doch soSchwe res zutragen sei. Ein kleines Mädchen war sie noch, ein Kind von zehn Jahren, als der Bater die junge schöne Frau in's Haus brachte ;aber r 5.. .. -k i .., nnd nnhiripm 11 1 iyutjifc 13 ii wu v 1 Tage geschah, sie erinnerte sich der en.sebm vn iirviiv du ii iiiii i nr 11 i i i in 111111 1 k &iftLikUK v lich langen Nacht, in welcher sie voll To. v. rtuf iiirou t?nion Trtrt nnn vite mnnh;n an, deinen im SuulirMII II I II I R. 1 I . r tt. - .r: oei ver lrlgttii,c, ti umu.?, mvuiiv..vw Kmd, an das keine Seele dachte, während m.e.riirheaTirnm.i sirfi nbmicfeltc unö llll lUJUMUUUjk-i'V"" l w Vf,-fhnt, ht ö rtirf 'fiauf es in Gruppen- flüsternd bei einander standen, ckadenirob und keuckieriicb. ie nachdem, .t.- ..n. r.i,, ,fl,,t.rirt und iPhr npnpint. aiK uue icui iiiuuiuiv uiiv vu n"a'i die Sache mitAusjchmückungen undRand glosien nach allen Seiten hin zu versehen. ' ndliQ gegen'corgen lam oas sluoen maocyen zusaulg in s Jimmer unv ,uu uiz . ?.., .-v f u v:. ' blasse, zitternde Kleine, deren Augen unc heimlich glühten in dem weißen Gesicht . chen. : . ' . f ,Herr Jesus", rief das Stubenmädchen V.. rlairiort flrfrorf rt 11 VnrtS thllft 1! ir U 1K llftL K. I LA1 A. LL k 1t U MM, ftW M d W M W V hier. Du Ding ? Sollte man nicht glau ben, die kleine Kröte hätte sich versteckt, um , zu spioniren ? Dabei zog sie das Kind ungeduldig am Marsld in Mein Aett. sonst . Arm empor. rtiht i2 rhfslnp" .Liesen hatte da das verschüchterte Kind gebeten. .Liese, sag' mir. w ist Wilhelm? mirtm y ?rt flisl nitf hrn hfcirfi uutuui tuy v . 1 mm vm vf rr" V. sSnioitafnnlp nnh Mutttt So ; sehr ? 9i.:t hat unun mit h, MN,' s . V V . . : Das Mädchen sah bald erschrocken, bald ( M. OI.5. - TOiAtS IWinn uiyiiiiu uu viw ovtvttiv. wvuy, .imm, versetzte sie, das hat Dir nur geträumt. Geh' jetzt zu Bett". . Aber das Kind riß sich hestig von dem Mädchen los. .- Liese,, ich will wissen, wo Wilhelm ist, sag' es mir,sonst frage ich den Papa". , ' , ' Um GottesWillen nicht", rief dieDirne, wohl wissend, daß sie ihre Pflicht gröblich versäumt hatte. Dein Bruder ist todt ; so. nun weibt Du es". - Da weinte das Kind bittere Thränen ; es wußte ja, was Todtsein ist, seit es die Mutter im Sarge gesehen und seine klei . nen Aermchen umschlangen flehend den Nacken der Dirne. . Liese, laß mich Wilhelm .noch einmal sehen, dann will ich auch zu Bete gehen und Niemanden erzählen, daß ich die Nacht gewacht habe". . rrs. , rm - t t aslaocyen uvenegle nur lurz, oann siegte die Furcht, gescholten undielleicht gar entlasien zu werden,überalleBedenken. Sie nahm das bebende Kind auf den Arm llfth irUft cd tinnf tt X XlnXaTI . ,.rM UiüDK. 1'"k kl Ds .rf T . Pi mm r -1 . icqaiiaiau. anz nme !" 'stuuerle ne. C rtliAM aawaV ICaJ 0 f Jfl f C CTA ...II V'" U""" uvcr uns lyzasenapa UNd.MaMa." ' V - '' . .5 Dann hob sie ein ' weißes Tuch empör ) f r : und setzte leise das kleine Mädchen auf den Fukboten. Die Tafel, noch unberührt,

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wie sie jn.eiliger. Fsucht von , den Gästen

verlassen worden,, stand bedeckt mit Silber und den Delikatessen aller Länder hart neden dem dlutbeströmten, Sopha, auf rccl chem ein Todter lag. ein' junger Mann in der Blüthe seiner Jahre, des kleinen Mao chens ältester Bruder, Wilhelm, den sie so lan.e nicht mehr gesehen. w -'N v:. - as inu im uniuiuiuuiui V" de. Lese, woher . konlmt. der. schwarze Fleck, oen Wilhelm auf der Stirn hat?" Die Dlrne schüttelte sich, Komm fort", sagte sie leiie,3)u hast nun DeinenWillen gehabt"., Aber das Kind rühcte-, sich nicht. Ich . ... . , will den schwarzen Fleck wegwischen, Lttse! 2Biit)ctrn Hat mir immer Bonbons und , , . mugr,i - , oai.t , " . ! c ." 3 ' ins vn?iimn ftsirn S'iM? W . A u . A M V ' 7 ' . .D Dn. ergriff das ffin und trug es waus. Ihr graute vor der Nahe des dten . . . .DkN Flkck küNNst Dll Nicht f Ot tbr ttl stCll, kleine Minna, das ist das Loch, welches die ge,cylagen. Uno um oav krag' mich nlcht,- Deme eue wird's wohl besser w.sien, als ich ! das Andere Mama Und dann lag die Kleine in ihrem Bett; aber sie schlief nicht, sondern sah immer. zitternd vor Furcht, in die Flamme des Nachtlämpchens. .Morgen sollte ihr die neue Mama Alles erzählen. rr0 . : : o : v,HH b . k; sich Niemand um das Kind bekümmerte, ii uüccuic u . u.ü ult?,.s ,.I 'wh.,, ( ...vv,..... v . C-, v:. lC 0CS auic oie Mama kam nicht zum Äoischem. vxi 013 ocr arg herausgetragen ' war und der Wind durch die offenen Fenster strömte, als man die zerstreuten Todtenblumen sorgfältig V r ' i n - v aukgelesen und den Saal von Blutflecken gereinigt, da verließ .sie ihr Zimmer, schön und reizend, im ganzen Schmuck ihrer zwanzig Lenze, aber marmorkalt. einer 1 c v ?"' ngk'chb. d.e zu der e.gene I.Iu uX... rl..UI..4.$ 1 1 nt iic.uuu,-, ,u.vaicijcn uiuy. Das Kind ging scheu der stolzen srem den ??rau aus dem Weae. es waate keine r . , . . . Annäherung, kem b.lterndes Wort, und doch hatte es so gern gewußt, warum sich v . n- w . . . f..C Wilhelm Die garsllge ugki euren oenscops geschossen, warum er nie mehr zum Besuch gekommen! ! . Aber was das kleineMädchen nicht wagte das that ein Anderer.' Minna hatte noch einen zweiten Bruder, der fludirte in Göttingen und kam zurBeerdigung nach Hause. Er mußte wohl die neue Mama ge fragt haben, dachte das Kind, und diese war sehr, sehr böse geworden,weil so laute. schreckliche Worte gesprochen -wurden. Worte, die Minna damals nicht verstand, die sie aber alle behielt :utid deren.Erklärung ihr die Dienstboten heimlich zuflüster ten ' ' - s . . i . . , , l . . . .Verflucht !" hatte der Vater im hestig. sten Zoin ausgerusen, .enterbt und verwiesen aus dem Elternhause auf immer I V. ItxV 'Vmmm vii1tA OSsCa Xnh Sa um. wu uuninijuyni im, uuÖ uu iunge Herr den , odie,, Bruder geküb', wohl Zehnmal und m,t hemen Thranen.daL er aKamCa hl aU AlJP AAlAViAM ä A KW A "M A IaI . üiuö uuu!"', I" ber Es war sein Abschied von der KindHeils HeimalH. als er den Plad nächst Wilhelms Sarg einnahm, und Liese wu&U auch, was "o:g fltpiOfl)en, 019 ,N km kiann? ter fragte, ob nicht der Vater an seiner Stelle gehen werde. ' ' Das wagt er nicht !" hatte der junge Herr gesagt, und die Worte waren kaum verständlich gewesen, so fest biß er dieZähne aufeinander. : Oben ans dem Fenster des CorridorS blickte das verlassene Kind dem Leichenwa gen nach, dem todten und dem lebenden Bruder, die nun beide niemals wieder zu rückkehren würden, niemals, Liese wußte es gewiß. Das kleine Mädchen begann eS zu ver stehen, daß nicht Alles im Leben nur Lust undFreude ist, wie es doch bisher geglaubt, so lange die erste Mama lebte. Jetzt wurde ihm nie .ein gutes Wort mehr gesagt; es erhielt eine Gouvernante, die nicht mit Schlägen sparte und jede Kleiniakeit der neuen Mama binterbrackt,. " i --r die dann soaleick emvfindlicke Strafn verhängte und namentlich bei der gering. sten Unart das Kind bunaern liek. s habe einen so bösen, störrischen Charakter, I r r r n rir , ' 4. yr' .' ' jagte ne, oas aue 'jjciioe uno vöu an tvin I . . verschwendet sei: ' ' . . . - Sa lerntet e kleine -Minna nick. . h m?..n , Wtbtti firnfft irnmr nnrh V V IM M V IIV tU ini' Gedanken die schwarze Kugelspür aus Wilhelms Stirn und '.ihr schönes.' kaltes ' Bild mit einander in Verbindung.

Die Tage gingen dahin,' sie' reihten sich

zu Jahren ; daß. kleine Mädchen warinun ein großes Mädchen geworden; ,,der enterbte Bruder war wirklich, nicht wieder in das Haus gekommen, und der' Vater hing immer noch mit vergötternden Zärtlichkeit an seiner zweiten Frau. Nur diese selbst schien dem stillen, beobachtenden Mädchen eine' andere geworden. DaS Steinbild zeigte in der Tiese seiner schwarzen Augen, in dem seltsamen Lä cheln seiner Lippen ein verborgenes Etwas, das fast wie Sehnsucht aussah, wie neuer wachtes Leben. . . , Das war vor zwei, Jabren schon,, und Minna wußte es, daß die Mama nie so schön 'gewesen,"nie so bezaubernd, als damals. Sie hätte beinahe jetzt noch den Versuch" gemacht, das Herz unter dieser starren Umhüllung zur Liebe, zum Vertrauen zu erwecken ; sie dachte an das K'm dermärchen vom schlafenden Dornröslein, und etwas wie ein inniges Mitleid schlich sich in ihr weiches, zärtliches Heiz. Die Mama war nicht glücklich, konnte es nicht sein an der Seite des sechzigjährigenMan nes, der sie wie eine Gefangene in dem goldenen Palast einschloß, der ihr nicht einmal erlaubte, ohne ihn auszugehen. Minna dachte immer wieder über alle diese trüben Verhältnisse nach ; sie stand auf dem Punkt, mit osfen ausgestreckter Hand ihrer Stiesmutter entgegen zu ge hen und sie zu bitten, die traurige, unnatürliche Kälte zu bannen, welche nun so lange die Herzen getrennt. Da geschah Etwas, das wie ein Reif auf die junge Saat ibrer Wünsche' herabsank, tödtend, vernichtend für immer. 7 Weißt Du's noch?' flüsterten die Gei sterstimmen. Es uar an einem Maiabend wie heute, und silbermrMondschein durch flutbete den Saal denselben, wo Wilhelms Leiche gestanden da schlichst Du spät Abends aus leiser Sohlen hinab, um etwas Vergessenes zu suchen : da sahst Du la Gartensenster geöffnet, und eine weiße Geltalt, die sich herabneigte, während, ein Männerarm von draußen die schlanke Taille umsaßt hielt. Flüsterworte hörtest Du, leises Lachen und zärtliches Kosen. Dein Blut erstarrte fast zu Eis, als jetzt der Zugwind die osse ne Tbille ersaßte und ein Blick voll jähen Entsetzens Dich traf, ein langer, schreckenvoller, fast an den Irrsinn gemahnender Blick. Weikt Du es noch, Minna, wer es gewesen, der Dich damals ansah ? Weißt Du es, warum von .diesem Mälabend her die neue MämaDich haßt, tödtlich und unver söhnlich?...." ' Das Blondlövschen sank tief und tiefer herab in die schützenden Hände. Schluch zen tönte durch das enge Giebelzimmer und der Sommerwiid rauschte leise in den grünen Weinblättern am. Fenster. .... ' - Unten im Wohnzimmer saß während dessen der alte Herr allein und dachte- mit bitterem Zorne an das junge Mädchen dau von jeher die Sliesmuttcr geklänkt und beleidigt, das in seinem Hause nur ge duldet und aus seintin Herzen längst ver stoßen war. Jetzt sollteMinna fort, gleichviel wohin. aber obgleich' fest entschlossen war, sie zu entfernen, so flößte ihm doch der Gedanke an die Diakonisien Anstalt einen unüberwindlichen Abscheu ein. . Er liebte das Mädchen nicht -7 min, sie sah ihn an, mit den Augen des Anderen, des Todten ; sie aemabnte ibn stünölich an Das, was er - . , . . . j . . so gern vergessen wollte gewiß, er liebte sie nicht, aber er sollte ihr trotzdem ein Schicksal aufdrängen, das ihre ganze Ju gend vergiften mußte ? - 'Wo mag nur Nora bleiben V dachte er ungeduldig. " Schon eine halbe Stunde, ich will doch nachfragen lassen". "' ' Er klingelte und erkundigte sich bei dem eingetretenen Dienstmädchen, wer bei sei ner Frau sei ; erst als ihm wiederholt wurde, daß dieSchieiderin mit ihr spreche. beruhigte er sich einigermaßen und suchte sein eigenes Zimmer aus, um zu schlafen. .Es ist sonderbar," dachte er, .warum ich doch wohl nie nein Glück mit Ruhe ge nießen kann ? Immer ist mir's, als müsie ich es bewachen, als könne es mir im näch sten Augenblick zerrinnen wie ein Traum bild. Sonderbar!" - . Und der .kranke alte Mann nahm von den Opiumpillen, welche ihm der Arzt ver ordnet, heute eine mehr als gewöhnlich weil so viele Erinnerungen früherer Tage in ihm geweckt worden waren, weil der Schlaf' so recht tief sein sollte, traumlos und ruhig, nur der physischen Organisa tion ein Nutzen... I n,u r'!:i;'i' ' - ;Jm.Boudoiristand.di schöne Frau mi zurnendenBlicken vor einer ärmlich gelln

deten Matrone, und böse Worte waren es, welche diese begrüßten. '

Ach Mutter,. Du kommst wieder esbst", flüsterte sie. . Wie oft habe ich es Dir. schon verboten l" Die ältere Frau hob bittend ihre.Hände empor. Nora, sei doch nicht gleich so är gerlich", sagte sie. in . demüthigem Ton. Dein Mann soll mich nicht sthen, und dann wir sind so in ?ioth, Nora" Ein eisiges, bitteres Lächeln kräuselte die Lippen der Dame. Und .da Du in Noth bist, Mutter, so kommst Du zu mu?" ragte sie spöttisch. ; , " Die alte Frau weinte leise. O, Nora, wie erbarmungslos machtDich dasGlöck!" hauchte sie. Da trat ihr die schöne, seidenrauschende Dame heftig näher und schüttelte sast rauh den Arm der Alten. Das Glück, sagstDu, Mutter? Das Glück?" ' Ihre Augen glänzten so unnatürlich, ihr Athem flog to ficbcrhast, daß die Matrone erschrack. Nora, Nora", weinte sie, mag Dn's Gott nicht anrechnen, wasDu sagst. Deine beiden Schwestern essen das harte Brod der Dienstbarkeit. Du aber hast eine brillante Partie gemacht. Du bist vom Glück begünstigt vor tausend Anderen; das solltest Du nicht vergessen." Die Tochter hörte diese Worte an, ohne sie zu unterbrechen. Ihre weißen Hände, an denen der Werth von Tausenden im Brillantfeuer blitzte, waren krampfhaft verschlungen, und Purpurröthe flammte auf dem sonst so blassen G.sicht. Ja," flüsterte sie, wie unbewußt, in bitterer elbstqual, ja, eine glänzende Partie, ein Glück vor Tausenden. Das arme Mädchen dachte es vor Zeiten auch und träumte von einem vollkommenen Paradiese in dem Hause des reichen Mannes, wo Alles in Hülle und Fülle vorhanden war. Der Reiche muß ja glücklich sein ! Und Du sagtest es ja auch, Mutter, Du drängtest mit aller Macht, Du mallest es so verlockend, so bezaubernd, die Frau eines Mil lionärs zu werden aber sei ganz ruhig. ich fluche Dir dafür nicht. Du handeltest im blinden Glauben. Jetzt gib mir das Papier." Die Matrone hatte sprachlos ' vor. Erstaunen dagesessen, bann faltete sie voll Entsetzen die Hände. Kind, mein armes Kind, Du mußt wahnsinnig sein ! Nora, sieb mich an, gib mir Deine Hand ich fürchte mich vor Dir." Das Papier ! ,däs Papier ! Du solltest nicht mehr von Glück und Reichthum sprechen, vom Wahnsinn und den beiden Schwestern, ich ertrage es nicht. Gib her die Rechnung." Die Alte zog aus einer Handtasche ein zusammengefaltetes Blatt hervor, und die Tochter schlug es begierig auseinander. Gut", nickte sie mit der Rechten über die Stirn fahrend, gut, hier zehn Thaler, dort vierund dort zwanzig Du solltest die vier haben, Mutter. Jetzt zeige, hast Du den Atlas und den Sammet verlausen können ?" :..:: . Die alte Frau legte mehrere kleine ein gewickelte Packete auf den Tisch und aus jedem nahmen die bebenden Finger der Tochter einzelne Thaler heraus. Nicht mehr für den Sammet, Mutter ? Ber tha betrügt mich doch nicht ? Es ist die beste Waare !" ; V Die Matrone sah sie vorwurfsvoll an. Deine. Schwester.soUte Dich betrügen ? Aber Reste sind immer billiger, als sonst der Stoff verkaust wird Was willst Du denn mit all dem Gelde? Dein Mann gibt.Dir doch gewiß, ein glänzendes Ta schengeld." Die Jüngere antwortete ( nicht. Sie setzte sich auf einen nahestehenden Stuhl, wie Jemand, dessen Kräfte ihm nicht län ger erlauben sich aufrecht zu halten. Stille,M,itter sagte sie endlich, sprich vom Sammet!" Hier find noch zwölf Thaler, Nora, versetzte stockend die Matrone. Wirboff ten, daß Du sie uns schenken wurdest Bertha mußte für den neuen Dienst aus gerüstet werden, das kostet so viel Geld. .": Die schöne Frau sah schnell - empor. Wo dient Bertha? Hier in der Stadt V . Ja, bei dem Hosrath Schomburg ; ' sie wird im Julimit der Familie nachGastein gehen daö arme Ding grämt sich sehr, i 'Wieder glühte es in den Augen der jun gen Frau so seltsam, wie vorhin. Bertha wird reisen,", versetzte sie heftig und das thut ihr so leid? Geh',.sag' lhr, daß sie sich nachweinet brillanten ' Helrath umsehen Muß, dann wird sie 'glücklich, gleich mir, der Benedeleten.'- Geh' ich will allein seih yJ'i ' , - '. ...-.. ......

Die alte Frau erhob sich gehorsam und

chloßihre Tasche. Einkittender Blick

treiste die Tochter. Nora, willst Du nicht Deiner Schwe ter die zwölf Thaler schenken ?" Geh'!" widerholte die junge Frau, hre Zähne aufeinander pressend, daß sie Pirschten. Geh', ich hasse Bertha, sag' es ihr von mir, daß ich sie hasse!" l ' Und dann sich in die Polster des So pha's zurücklehnend, brach sie in krampf Haftes Schluchzen aus. Die alte Frau versuchte alles Mögliche, um sie zu beru higen. um den Grund dieses leidenschastli chen Schmerzes kennen zu lernen, aber ganz vergeblich, ihre Tochter gab keine Antwort, sie mochte fragen, so viel sie wollte. ' : ' ' Weinend entfernte sich die unglückliche ' Mutter ohne von ihrem'Kinde serner noch beachtet worden zu sein. Es schien, als müsse sich ein Sturm, der lange mit'über menschlicher Kraft darniedergehalten, jetzt seine Fessel gesprengt hatte, nun auch ganz -ti -. v!. v . r. r-. .". n . : c uusivvcn, vevi'r nie uuhrre vwuc 3" gewohnten Ruhe zurückkehrte. Erst nach einer Stunde war die schöne Frau wieder soweitHerrin ihrer selbst, daß sie sich aufraffen konnte, um Geld und Pa pier zu verbergen. Sie zählte vie einzel nen Thaler in einem Geheimfach , ihres Sekretärs und legte die neu erhaltenen hinzu. ' ' Achzig," murmelte sie. Ach, noch lange nicht genug noch lange nicht! Mutter, Mutter, wüßtest Du, daß Deine beneidete Tochter von ihrem Manne nie einen einzigen Pfennig erhält, daß er ihr lächelnd sagt, sie dürfe nur wünschen und das Begehrte werde ihr zu Füßen gelegt wozu da noch baares Geld? Wer Alles besitzt, was sein Herz ersehnt, der braucht kein Geld." Sie seufzte tief ?ei diesem Selbstgespräch und drückte beide Hände fest aus ihreBrust, wie um einem neuen Krampsansall vorzu beuaen. AberDu könntest Dich irren, Rudolph," dachte sie, ich könnte doch einen Wunsch haben, der mein Geheimniß ist und von dem Du nie erfahren wirst. Dafür kaufe ich zehn Ellen Sammet mehr als gebraucht werden und fertige das Kleid selbst an; aber nicht umsonst.Rudolph, nicht umsonst. Du siehst jedesmal die Rechnung der Schneiderin, und es sind theuere Preise, welche sich diese von den Frauen der Mil lionärs zahlen lassen, das weißt Du ja ! Drittes Kapitel. Die Lampe, vom grünen Schirm verhangen, brannte auf dem Sophatisch und ihr Licht verdrängte gewaltsam das milde Halbdunkel des Frühlingsabends ; draußen im Garten sang die Nachtigall und blüthen tausend Rosen drinnen im prächtüberladenen Zimmer wurde Karte gespielt. Das gehörte zur Tagesordnung ; so würde es bleiben, bis einst der Tod die Bande der Gewohnheit sprengte. In jedem Monat eine glänzende Gesellschaft, an jedcm-Mittag eine Spazierfahrt und am.Abend die Karten es hatte Alles seine Richtschnur, von der niemals abgewi chen wurde. Für Gesellschaften in ande rer Leute Häusern war der alte Herr nicht frrtfttn ntiitrt nnh fptn rnfin I?npnk IM U V MVIIV Wt würdige Frau verließ ihn aus' diesem Grunde leinen Augenblick, das wußte die ganze Stadt ; man lud sie schon gar nicht mehr ein, wenn irgendwo eine Fete gege ben wurde. Der Arzt hatte es einmal, vor Jahren schon, mit heimlich vielsagenden Seitenblick gewagt, von der Nothwendigkeit einer Badereise zu sprechen, aber der alte Herr sah lächelnd aus seine schöne, rosige Frau und meinte, daß die Gesundheit derselben Nichts zu wünschen übrig lasse. Der un vorsichtige Heilkünstler erhielt folgenden Tages ein glänzendes Honorar und hatte seine Stellung im Hause des reichen Mannes für immer verloren.- Seitdem war von keiner Reise mehr gesprochen worden. ' Nora mischte die Karten und spielte mit erzwungener Aufmerksamkeit, wie' an jedem Abend. Wenn sie die Partie gewann, so durfte sie einen Wunsch aussprechen, der ihr erfüllt werden mußte, das war so eingeführt von jeher. Man batte sich anstatt der Scheidemünze diesen Ausweg gewählt, und die kluge Frau verstand es, mehrVortheil zu erzielen, als durch einzelne Groschen erreichbar gewesen wäre. Der . alle He. r schien zerstreut heu!e Abend. Er merkte nicht, wie gewöhnlich, aus das Spiel, sondern gab zuweilen eine salsche Karte oder sprach von solchen Dingen, die nicht zur Sache gehörten. :, .' (Fortsetzung folgt.j . ,