Indiana Tribüne, Volume 2, Number 31, Indianapolis, Marion County, 13 March 1880 — Page 1

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r7 t U' IX . :S ' T. Jahrgang 2 No. 31. Office : Ecke Circle u. Meridian-Straße Lausende No. 83.

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Der Mutter Lehre. Einst lehrte die Mutter, noch dachte ich kaum, Die Welt mich mit Liebe umfassen. , Ich glaubte ihr, liebte, o seliger Traum ! . Ach hättest du nie mich verlassen. In allen den Menschen, die um mich ich sah, Verehrte ich wirkliche Freunde; Sie sind ja doch alle zur Freude sich da. Zu lieben sich, wie ich eS meinte. Und wie sie eö sagen, so glaubte ich fest, Stebt'ö auch in dem Herzen geschrieben; Ich glaubte, ich liebte, vertraute, - doch jetzt! Wo ist dieseö Alles geblieben? Ich kam in das Leben, ich hörte, ich sah, Im Geiste gereift durch die Jahre. Ich suchte, eö lehrte die Mutter eö ja, . Im Menschen das Edle, das Wahre. Doch leider wohl hat sich die Theure geirrt? Ich suchte, und fand es nur selten ; Die Täuschung hat fast mir die Seele verwirrt, Doch Mutter, Dein Wort eS soll gelten. Es lehrt ja die hohe, die schöne Natur In ihrem ganzen Getriebe Die Wahrheit, die gottliche, reine unö nur. Und zeuget von ewiger Liebe. Drin hast Du gelesen, und heilige Pflicht Gebot Dir, dem Kind es zu sagen, ' Du zweifeltest an der Veredelung nicht Der Menschheit, an besseren Tagen. Drum fort mit dem Zweifel, Du hattest wohl ' - Recht! 'r Auch ich will Dir folgen, will glauben " Wie Du an ein edleres, besser Geschlecht; Will nicht mehr den Frieden mir rauben. I. Loose. Briefe auS der Hauptstadt. lVon unserem regelmäßigen Correspondenten.) Washington, 6, März 1880. Wenn irgend eine Stadt in Amerika reich an Skandal-Geschichten ist, so ist es Washington. Es übertrifft sogar Chicago, wenigstens wahrend der Sitzungen deö Congrefses. Wie hier Alles mit demsel ben zusammenhängt, so sind es auch die Skandal Geschichten. Sie betreffen mei stens jetzige oder gewesene Repräsentanten und Senatoren, oder deren FamilienMit glieder. Was ist in dieser Richtung nicht geschehen, ganz abgesehen von dem bereits vor kurzem berichteten Skandal, in wel chem eine Kupplerin, welche im Dienst gewisser .Gesetzgeber" stand, als Treasury Clerk" angestellt wurde, um unter den dort angestellten Madchen für ihre Austragge ber nach Beute zu angeln. ES soll die Affaire mit aller Gewalt vertuscht werden, und wenn die betreffenden Namen auch' hier von Mund zu Munde gehen, so wäre eS doch sehr schwer, solche. Beweise beizu bringen, wie dasGericht sie in einem Libel Prozesie behufs der Vertheidigung ver langen würde. Die angeschuldigten Personen brauchen nicht gegen sich selber auSzusagen, und wenn eS sonst kompetente Zeugen gibt, so gibt eS schon Mittel ihnen mit einem goldenen Pflaster den Mund zu schließen. Im schlimmsten Falle schickt man sie auf eine Vergnügungsreise nach Europa oder sonstwo außer Landes. Bald wird auch diese Sache vergessen sein, denn eS tauchen immer wieder neue Skandalgeschichten auf, über die das Interesse an den alten erkaltet. Was für eine Sensa tion machte es, als Mr. Acklen in einem Zimmer in Welckers Restaurant in einem absolut eindeutigen" tete-a-tete mit der .hübschen Schwester eines New Porker Er Congreßmannes bei verschlossener 'Thüre betroffen wurde, die ein StubenNachbar, welcher einen Ausschrei der Dame falsch gedeutet hatte, mit dem Fuße eintrat. Was für einem Lärm gab es damals über die Angelegenheit und wer spricht heute nur noch davon. Dann kam die pikante As faire zwischen dem alten Simon Cameron und der Wittwe Oliver. Dann schoß ein junges Mädchen, welches im Schatzamt' Departement angestellt war, auf einen Sohn des Senator, Morgan, den sie als ihren -Verführer bezeichnete.' Die Sache schwebt noch vor Gericht. Dann ward aus einen Senator vom Süden mit Fingern

Indianapolis,

gezeigt, der eine Frau zu Hause hat, und hier für seine Maitresse ein glänzend eingerichtetes Haus hält. Ein anderer süd llcher Senator ist in einen Abortions'Fall verwickelt. DaS betreffende Mädchen glaubte sich dem Tode nahe, und legte ein rolleS Bekenntnib an andere Personen ab. Sie wurde aber wieder gesund, und eö hat rachher ein schönes Stück Geld gekostet, im die Sache zu vertuschen. Und nun lommt Mib Jessie Raymond und verklagt en Senator Ben Hill auf $10,000 Schalenersatz auf Verführung. Mrs. Belva Lockaiood ist Nechtsanwalt für , die Klage jin,. welche seitdem erklärt hat, daß die stlage gegen , ihr Wissen und gegen ihren Willen eingeleitet wurde. Mrs.Lockmood geweift jedoch das Gegentheil, und es ist ßcher, daß Miß Raymond entweder das eine oder das andere Mal gelogen hat, wenn sie nicht beide Mal gelogen hat. Es sind das Alles recht nette Geschichten. Im Congreß wurden die Neuen Regeln deö Repräsentantenhauses angenommen und begann im Senat die Debatte über den Fall von Gen. Fid John Porter, die im weiteren Verlaufe sehr animirt zu wer den verspricht. Das Comite für Mittel und Wege hat bei mehrfachen Abstimmung gen Position gegen jede Abänderung des Tarifs während der gegenwärtige Ses sion genommen. Es ist das an sich ganz verständig; man sagt aber.- daß Sam. Rändall aus persönlichen Rücksichten seine Hand dabei im Spiele hatte, da die Tarif Agitation seiner Position im eigenen Staate, und. im eigenen Distrikte unter keinen Umständen vortheilhaft werden konnte. Tilden hat sich in seinem hiesigen Organ nun ossicten als Candidat ange kündigt, was indessen Niemand überrascht hat. C. A. S. hslS niiiilifhnnrffh in SVtitfA m V iwttrjy m mw W w ww w land durchaus nicht nach dem Wunsche Bismarck's arbeitet, hat sich neuerdings wieder dadurch gezeigt, daß der Sozial demokrat Au'er in Glauchau Merane mit einer solch lzohenStimmenzahl zumReichstags'Abeorüneten erwählt wurde, wie sie kein sozialistischer Candidat vorher auf sich vereinigt, hat. In New York hat ein elsässer Bier. wirth seine Frau an einen Schankwärler Nomens Dickstroh verkaust. Hätte er niHt besser gethan, sie auf öffentlicher Auktion zu versteigern? Das Geschäst m . v rr M m ''""-- wäre vleuelyl ve er ausgefallen unv nur der kleinere Theil der Bevölkerung hatte ein Unrecht darin erblickt. - . - . Die New Yorker V. verkündet in einem längeren Artikel die nicht sehr er sreuliche Thatsache, daß die Chinesen' Einwanderung nach New Pork nun allen Ernstes begonnen bat. Es sind bereits 100 Langzöpfe dort angekommen, die aber selbstverständlich von diesem Blatt nicht sehr warm u. herzlich bewillkommt wurden, denn jene Zeitung sieht in diesen ungebete nen Gästen für die Stadt New York und dessen Gewerbsleben durchaus nichts Gu tes. ' . In dem großen, einigen deutschen Reiche haben sich gegenwärtig 200,000 Personen dem professionellen Betteln hin gegeben. Das ist also das Land der Gottesfurcht und frommen Sitte wo so viele Menschen, wenn sie nicht buchstäblich ver hungern sollen darauf angewiesen werden, mit schamloser Miene ihre Mitmenschen um Almosen zu bitten. Was sagen die treuen Reichsverehrer dazu, die stets von der Größe und Einigkeit Deutschlands zu faseln wissen? - Ein Kriegsgericht trat dieser Tage in Kiew (Rußland) zusammen, zur Prozes sirung eines Priestersohnes eines hervorragenden Verschwörers, zweier der Ver breitung revolutionärer Schriften beschuldigte Soldaten, eines Beamtensohnes und eines Studenten, welche der Betheiligung an dem Attentat auf den Czaren beschuldigt sind. Wir fürchten daß sowie jetzt über die Nihilisten Gericht gehalten wird diese einst über ihre Versolger'Gericht hal ten werden.

Indiana, Hamsiag, den 13.

ZuverlsssigenNachricdten zusolge ist die Nolb in Irland nicht im Abnehmen viel eher aber im Zunehmen begriffen. Der irische Agitator Parnell reist demnächst nach Europa ab, wird aber nach der Präsidentenwahl wieder hierher zu rückkehren. In einem Theile Brasiliens ist nun auch eine Hungersnoth ausgebrochen und die dortige Bevölkerung befindet sich in einer sehr schlimmen Lage. Im Staatszuchthaus von Kentucky müssen die Frauen männliche Kleidung tragen. Das ist wahrscheinlich nicht der einzige Unsinn, der dort getrieben wird. Der Nihilist Carl Meyer Hartmann ist am Montag in London eingetroffen. In Rußland hatte man einen andern Aus gang dieser Affaire erhofft und gewünscht. Der Kabeljunge berichtet die traurige Thatsache, daß beider am Freitag in Glasgow stattgehabten ' Kesselexplosion 23 Personen ums Leben gekommen sind. Und da sage man noch das Risiko des Arbeiters sei nicht in Anschlag zu bringen. Tilden soll wie verlautet, zwei Organe in Ohio für sich gekaust haben. So sehr auch diese Zeitungen bestrebt sein werden die Interessen Tilden's zu fördern, so glauben wir doch daß es verlorene Lie besmüh' sein wird. ' . Der berühmte Pariser Schauspieler Gil Perez, der hauptsächlich in der Darstellung von Wahnsinnigen unübertresflich war, scheint seine Rollen allzutief aufgefaßt zu haben, denn jetzt ist er selbst wahnsinnig. In Rußland scheint man jetzt sehr geneigt zu sein, die revolutionäre Bewegung, die 'sich dort allenthalben i kund, thut den Studenten in die Schuhe zu schieben. Es werden deshalb jedenTag Studenten-Ver hastungen vorgenommen. . So groß Th. Thomas auch als Muss ker sein mag, als Mensch ist er eingebildet und durch die Huldigungen, die ihm jeder zeit dargebracht wurden, verwöhnt. Auch die Cicinnnatier werden schließlich noch zu derEinstcht kommen, daß es weder rathsam noch am Platze ist, ein Menschenkind, das durch Talent besonders ausgestattet ist, allzusehr zu verhätscheln und ihm stets Lobhudeleien zu zollen, die nichts Anders sagen als: Wo du nicht bist, Herr Organist, da schweigen alle Flöten. Wie sehr diese Speichelleckerei in Cincin nati schon gediehen ist, beweist eine dies bezüglicheDepesche von dort vom 9. März. Es heißt da: Der Chor der hiesigen Maifest' Conzerte bereitete heute Abend Theodor Thomas eine große Demonstra tion und von Prof. Shaw wurden Resolutionen verlesen, in welchen von Seite dieses Chors die Handlungsweise des Board der Direktoren gegen Thomas verurtheilt und Col. Nichols aufgefordert wird, seine Stelle als Präsident der Maifest - Association aufzugeben. Für Thomas wird die größte Sympathie ausge sprachen und er ersucht, als Leiter des Chors als eine absolute Nothwendigkeit in Cincinnatk zu verbleiben." Wir wollen hier nicht entscheiden, ob die betreffendenDirektoren oder obThomas imRecht ist, wir verurtheilen es aber ganz und gar, daß sich das Publikum in dieser Weise für einen Mann annimmt, dessen Leistungen eben so gut, d. h. noch viel besser als die jedes Anderen bezablt werden. Unseres ErachtenS ist die Angelegenheit eigentlich privater Natur. Harmonie Conzert. Die Harmonie hat während dieser Sai son schon manchen Beweis dafür geliefert,' daß sie mit Fleiß . und Ausdauer, arbeitet und daß sie immer bestrebt ist, auch die höchsten Ansprüche zu befriedigen. Das Conzert, welches derVerein aber vorgestern Abend veranstaltete, hat aUe gehegten ErWartungen noch bei Weitem ühertrossen. Dasselbe wurde, mit -der prachtvollen Ouvertüre'. aüS Maurer und-Schlosier" eröffnet.' DieserlvomOrchester vortrefflich gespielten Eiygangspiece folgte ein sehr

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JOHN GROSCH, ein- und Bierhalle 195 Hst Washington Str.,

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INDIANAPOLIS,

beifallig aufgenommener Vortrag der Harmonie, Jagerlust. Das DovpklQuartett, welches dann folgte, erntete ebenfalls verdienten Beisall. . Für das Lieder - Potpourri wurde dem Orchester laute Anerkennung zu Theil. In den Applaus, den die fünfte Nummer Türki sches Schenklied" hervorrief, hatten sich hauptsächlich die Solisten, nämlich die Herren Karl Müller, und Joseph Pflüger zu theilen. Der Glanzpunkt des ganzen Abends war jedoch die von Frau Julie Bindemann mit vielem Gefühl vorgetra gene Arie aus Ernani von Verdi. Wir haben schon bei früheren Gelegenheiten dieser Sängerin unsere ganzeAnerkennung gezollt, können aber auch heute nicht um hin den herrlichen Vortrag dieser Dame aus's Reue zu bewundern.' Frau Binde mann verfügt über eine weiche und doch so mächtige Stimme, ihr Vortrag ist gerundet und ihr selbstbewußtes Auftreten beweist, daß sie ihrerSache sicher ist. Durch ihren Vortrag am Donnerstag Abend riß sie die Hörer zu einem Beifallssturme hin, der erst dann endete, als sie sich zu einem Encore herbeiließ. Auch No. 7 Heimliche Liebe" vorgetragen von der Harmonie und dem Orchester, gesiel recht gut. IDen Schluß des Programms bildete eine komische Gesangscene Die Weinprob'e", be. welcher die Herren Michelson, , Müllen Mack undPosener mitwirkten und.die auch ihre komische Wirkung auf. das Publikum nicht verfehlte. Nach dem Conzerte wurde noch bis zu später Stunde getanzt. ' Der Verein, .besonderns aber der Dirigent, Herr Kanntmann, kann mit diesem jüng sten Erfolg sehr zufrieden sein. y Der glückliche Gewinner des Pianos, das bei dieser Gelegenheit zur Verloosung kam ist Herr Wm. Reger. $lcne Anzeigen. des Herrn John Brotvn in englischer Sprache, . Sonntag, den 14. Mrz m der , ; Union Halle, 139) Ost Washington Str., Nachmittags 2 Uhr. Th ema: Die Philosophie drö menschlichen Lebens, der wahre Zweck seines Daseins unddaS Verhältniß des Socialismus zu diesen beiden. Alle denkenden Männer und Frauen sind freundlichst eingeladen. Eintri't frei.' Gold und Silöcr-Aröcitcr. Die n t u e st e n Muster in goldenen Schmuäsachen, stlber und. stlberplattirte Waaren, sowie Wanduhren stets vor räthig. ' ' - Alle Reparaturen an Uhren, sowie Schmucksachen, werden auf das sorgfäl tigste und billigste ausgeführt. Baldwin'ö VloS, Corn. Market und Delaw'are St. ?Mif- : w - J ' der . IndianapsNs Sektisn . , ' : ;: Ux:. . C; . Socialistischen Arbeiter-Partei ,' 1 " ia der: ' -' : ' ' - - ' f ' i , ; 1 f ? . Unten galle; - ; , . (gegenüber cca CourtHäuse) , ' a . ' . So'j'nsisicc, 02 10. März. : Ciztziit CD Gtnti.

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