Indiana Tribüne, Volume 2, Number 28, Indianapolis, Marion County, 21 February 1880 — Page 6
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I n d i a n a T r i b n n e."
Das Gchcimniß dcs Pavillons.
Aus denPa Pieren ei'nesGe . beim Polizisten,, von C. Paulowöly. (Fortsetzung.) XXXIII. LerTaubstumme. Der Besuch im Gefängniß hatte Zeit erfordert. Erst gegen vier Uhr ftuchmiitags bestieg Lesebre mit Fergon und sechs ausgewahltenPolizisten die Eisenbahn, die nach Savigny führt. Selbstverständlich führte Lesebre den Oberbesehl und hatte unumschränkte Vollmacht, nach seinem bejen Ermessen zu handeln. Er war äukerlich ruhig und gefaßt, obgleich er den Tod im Herzen trug, wenn er erwog, daß nur das Zeugn'K des Stummen für das Schicksal seines Sohnes entscheidend sein könne, wo aber ihn finden, diesen Stummen, den der Mörder hatte verschwinden lassen? Wie. weun Tollan ihn als unbeqllemenZeugcn scines Verbrechens bei Seite geschafft hatte? Waren nicht die Bewohner der Mühle willige Werkzeuge in seiner Hand? Inzwischen hoffte er, daß der Elende es dabei hatte bewenden lassen, ihn in das am Saume des Waldes liegende Schloß Savigny einzu sperren. I Dieses Schloß diente unzweifelhaft Tollan und Arabella Disney zum Aufent halte. Weder Lefbre noch Fergon hatten sich Zeit gelassen, dasselbe zu betreten, waö ihnen auch wohl nicht gestattet worden wäre. Heute aber hatten sie Mittel in Händen, sich alle Thüren öffnen zulassen. Lesebre hatte einen Angriffsplan entwor fen, der darin bestand, daß er zuerst die Mühle überfallen, sämmtliche SchlupfWinkel derselben durchsuchen und die 93e wohner gefangen fortführen wollte. Dann beschloß er, sich in Atkin's Wohnung zu begeben, der in seinem berauschtenZustande keinen Widerstand versuchen würde, und zuletzt das Schloß mit den beiden spitzen Thürmen zu cerniren, und mit Gewalt in dasselbe einzudringen, um sich der Person des Taubstummen zu versichern. Das Programm wurde von Punkt zu Punkt ausgeführt. Lesebre und Fergon fanden wie immer die Mühle offen, da die Schurken, welche weder Korn noch Mehl vorräthig hatten, sich vor einemEinbruch nicht fürchteten. Fergon fand ohne Mühe den Raum wieder, in welchem er sich zum Schlafe niedergelegt hatte, der in so fataler Weise ntn-hrnrfiftt mnrhn ftinr Ni?? auch Ye vj v w v Falltreppe, das Luftloch, die Schleusen Vorrichtung, aber sämmtliche Bewohner der Mühle hatten sich aus dem Staube gemacht. Der Keller, in welchem die Opfer Tollan's bange Stunden verlebt hatten, war bis an' Niv:au der Oeffnung in der Mauer mit Wusser angefüllt. Die r . . c " v rr f. r juviuui ivui uuIUvvUllV vl wuikuiiii trocken, aber der Keller hatte so schnell nicht ausgeschöpft werden können. Ick) durchschaue das Geheimniß," begann Fergon, indem er auf die düstere Cisterne deutete. Tollan ist heute Morgen nach Paris gereist, um sich mit dem Nabob von Bahour zu verständigen und hat beim Abschiede den Bewohnern der Mühle Auftrag gegeben, die Leichname aus dem Keller aufzufischen und sie beim Anbruch.der Dunkelheit auf die Schienen der Eisenbahn zu werfen. Einen Beweis dafür, daß sie das Wasier aus dem Keller zu entfernen thät'g gewesen sind, bildet biesec eiserne Widerhaken, der am Ende eines Seiles befestigt ist. Bei seiner Rückkehr hat Tollan erfahren, daß seine Com plicen die Leichen nicht gefunden haben, woraus er richtig folgern wird, daß wir auf irgend eine Wetie entkommen sind und vielleicht schon eine Anklage gegen ihn und seine Gefährten anhängig gemacht haben. Er ha sich nun der ihm drohenden Ge fahr durch eilige Flucht entzogen, und die Mühlenbejltzer und derHausknechtJacquot sind ihm gefolgt. Es steht nicht zu erwar ten, daß die Elenden je wieder die Mühle betreten werden." Ich Pflichte Deiner Ansicht bei, daß es unnütz ist, an diesem Ort auf ihre Rück kehr. zu warten. sagte Lesebre." Sie werden sich, wenü sie nicht bereits diese .-hegend verlaskrr.-haben, im Schlöffe beFsinden." V. . Mit dieM Worten eilte er aus. der MühleMje inen Polizisten als Wache vor die THM um jeden Verdächtigen, i 11 n nni rr m nr n intinntn ni niipniPTT
welcher in die Mühle dringen wollte, zu
verhaften, und begab sich mit Fergon auf den Weg nach d?r Wohnung Atkins. Als Lesebre in dieselbe eindrang, sah er zu sei ner Bestürzung den rothhaarigen Burschen auf der Diele desErdgeschoffes ausgestreckt liegen. Er war sinnlos , berauscht. Auf dem Heerde brannte ein helles Feuer, auf welchem ein küvferner Kessel mit Punsch, betäubende Dämpfe entwickelnd, stand. In der ersten Etage saß zwischen einem Haufen geleerter Flaschen George Atkins, unsähig,'sich zu erheben. Augenscheinlich waren Hcrr und Diener in einemZustande, der es ihnen unmöglich machte, zu ent fliehen, weshalb es genügte, einen Polizi sten als Wache im Erdgeschosse zurückzulaffen. Mit der noch übrigen kleinen Schaar verfügte sich Lefebre nunmehr nach dem Schlosse. . In der Ferne gewährte letzteres mit seinen beiden Spitzthürmen einen malerischen Anblick, aber in der Nähe blickte man nur baufälliges Gemäuer, das .von ver.krüppelten Bäumen umgeben war. Das sogenannte Schloß stand gänzlich isolirt. Dieses Raubnest ist zum Schlupfwinkel wie geschaffen bemerkte Lesebre, als er mit seinem Stock an das Hosthor schlug, um Einlaß zu verlangen. Es war eine unnöthige Bemühung, da dasselbe sich nur als angelehnt erwies. Man fand das Schloß von seinen Bewohnern' verlaffen. Ueberall erbkickte man Spuren, die auf eine kürzlicbe, übereilte Abreise schließen ließen, offene Schiebladen. Koffer und Anzüge, bunt, durcheinander geworfen und in allen Winkeln zerrissene oder halbver brannte Papierreste. ?ehen Sie sich doch einmal diesen Reisekosfer genau an, Herr Lesebre," wandte Fergon. sich an den Greis, ist er nicht demjenigen, den man im Pavillon der P:que-Dame vorfand, so ähnlich wie ein Ei dem andern? Und hier finde ich ein Briefcouvert, welches adressirt ist an Harry Dermott im Schlosse Savigny." Dermott ist der rechte Name Tollan's," rief Lefebre aus, wir haben also Hand an das Nest gelegt, aber die Vögel sind ausgeflogen." Sie können noch nicht fern sein", tröstete ihn Fergon. Tollan hat, von Paris hierher zurückgekehrt, kaum so viel Zeit gehabt, um sich mit den Räubern in der Mühle zu verständigen und die Vorkch rungen zu seiner Flucht zu treffen." Das ist wohl wahr, aber er wird den ersten Zug nach Orleans benützt haben." Man muß den Telegraphen nach allen Himmelsgegenden spielen lasten," meinte Fergon. Wein, entschied der Greis bestimmt, das wäre vergeblich. Die Uhr schlägt gerade sieben und morgen schon, beim Sonnenaufgang! Der Taubstumme ist es, den ich brauche. Hat Tollan denselben beseitigt, hat er'ihn mit sich ge nommen oder ihn in dieser Gegend zurückgelassen?" Der unglückliche Vater sank bei diesen Worten wie gebrochen auf einen Sessel, verhüllte sein Haupt mit seinen Händen und versank in tiefes ?!achdenken, welches Fergon nicht zu unterbrechen wagte. . Plötzlich erhob sich der Greis. Begib Dich sofort nach Paris," sagte er zu feinem Untergebenen, und theile dem Polizeidirektor mit, was Du hier gesehen hast. Sage ihm, daß ich vollgiltige Beweise gegen Tollan aufgefunden hätte, zeige ihm diese Adreffe, erzähle ihm. daß die Elenden in der Mühle und mit ihnen Tollan entflohen sind und betheuere ihm, daß ich dem Stummen auf der Spur bin. Alles, um den Gerichtshof zu bewegen einen Aufschub der Hinrichtung um. vierunzwanzib Stunden- zu erlangen ! Es ist mir ein Gedanke in den Sinn gkommen, eine plötzliche Eingebung ja, mein guter Freund, wenn ich einen Tag und eine Nacht bewilligt erhalte, bin ich jetzt meiner Sache gewiß, daß ich meinen Sohn werde retten können." Fergon befürchtete, daß Herr Lefebre seinen Verstand verloren hätte, hielt aber den Augenblick nicht für angemessen, darüber Betrachtungen anzustellen und er widerte: Ich reise auf der Stelle und bitte Sie, zu glauben, daß es nicht meine Schuld ist, wenn es mir nicht gelingen sollte, einen Aufschub zu erlangen. Hoffentlich wird man meinen Aufklärungen ein williges Ohr leihen." Das gebe Gott!" sagte der Greis, welcher wußte, daß er keinen einstchtsvolleren und ergebeneren Diener entsenden könnte. Kaum warFergon fort, als Lefebre seine Leute entbot, um die Umgegend des
SchloffeS zu durchstreifen, um möglicher
weise eine Spur von den Flüchtlingen aufzufinden. Nach einer halben Stunde kehrten die Polizeibeamten zurück, ohne eine Ent deckung gemacht zu haben, aber einer von ihnen brachte Herrn Lcfebre vie wichtige Mittheilung, daß, ein Bewohner der Um gegend gestern Abend am Saume des Waldes den Pfarrer des . nächsten Dorfes in Begleitung eines jungen Menschen ge sehen habe, mit welchem der Geistliche sich vermittelst der Zeichensprache unterhalten hätte. Das ist der Taubstumme!" rief der Greis in überströmender Freude. wr lebt. - Gott hat mein Flehen erhört. Mein armer unglücklicher Sohn ist ge rettet!" Plötzlich sahen die Polizisten den Greis mit einer für sein Alter ungewöhnlichen Elle die Anhöhe, aus der sie sich befanden, hinabsteigen und als sie schleunigst folgten. bemerkten ste am Fuße des Hügels einen ehrwürdigen Geistlichen, der,-in sein Bre vier vertieft, den Weg nach seiner Pfarr wohnung einschlug. ' Im Namen des Himmels bitte ich Sie, Herr Pastor, mir zu sagen, ob Sie gestern am Saume des Waldes mit einem jungen Manne spazieren gingen, mit dem Sie sich durch die Zeichensprache verständig ten?" fragte Lefebre. Wer ist dieser junge Mann?" Der Prediger maß den ihm fremden Herrn mit erstaunten Blicken und erwi derte : Es ist ein sehr bedauernswerther Taub stummer, dem ich Unterricht ertheile und der 'mich täglich besucht, um mit mir Schreib- und Sprechübungen vorzuneh men. Herr Lefebre wußte sich bei dieser Er klärung vor Freude kaum zu mäßigen und konnte nur mühsam die Worte hervor bringen: Er wohnt in jenem Schlöffe, nicht wahr?" Er hat dort allerdings gewohnt. Die Fremden, welche daß Schloß für die Sai son gemiethet hatten, sind jedoch heute abgereist." . 'Und sie haben ihn mit sich genom men V preßte der Greis ängstlich hervor. Nein, mein Herr, sie sind nach Paris gegangen und er soll ihnen heute Abend folgen. Haben Sie vielleicht ein Anliegen an ihn ?" Nein, nein. Sie sagten, er solle ihnen folgen ?" Wie er mir berichtet, hat man ihm aufgetragen, - sich bei Anbruch des Abends nach einem Hause zu begeben, welches der Mühle gegenüber liegt. Es sind Engländer, welche dasSchloß bewohnt haben." Der Taubstumme wi.rd.,wohl also auch ein Engländer sein?" Auch darüber ist der arme Mensch selbst im Zweifel. Er ist im verwichenen Jahre von dem Miether jenes Schlosses, einem Herrn Dermott. nach Frankreich gebracht worden und erinnert sich seiner ersten Kinderjahre nur sehr undeutlich. Er scheint ein Findelkind zu sein, und der Engländer, der ihn hierher brachte, vermag über seine Vergangenheit nichts aufzullären. da der arme junge Mann noch vor vier Monaten weder lesen noch schreiben konnte." Und Ihnen hat er es zu danken, Herr Pastor", forschte Lefebre zitternd, daß er jetzt die Zeichensprache kennt?" Ja, derselbe hat erstaunliche Fortschritte gemacht, um so erstaunlichere, als er sich genöthigt sah, seinen Unterricht in dieser Kunst zu verhehlen. DenkenSie sich, mein Herr, sein Beschützer bestand darauf, daß er in seiner früheren Unwissenheit fortleben sollte. DieZeichensprache verstehen nur Wenige, aber ich spreche und schreibe sie geläufig. Getrieben durch das Verlangen, mich mit meiner Unglück lichen taubstummen Schwester unterhalten zu können, erlernte ich seiner Zeit die treffliche Methode des Abe's Epee und vervollkommnete mich durch die unausgesetzte praktische Uebung mit meiner Schwester so sehr in dieser Kunst, daß ich drei Jahre lang Lehrer eines Taubstummen-Jnstituts gewesen bin." Wie hat sein Herr es aber angefangen, ihm den Befehl zu geben, sich an diesem Abend zu Herrn Atkins zu versügen?" Der Herr heißt in der That George Atkins, woher wiffen Sie denn das?" Ach, ich weiß leider noch viel mehr." Das ist sehr einfach ; Herr Dermott hat auf die Anhöhe, auf welcher das Haus' des Herrn Atkins steht, gezeigt und neun Finger in die Höhe gehoben. Hieraus hat der Taubstumme leicht errathen, daß er
um neu Uhr sich dorthin zu kegeben
hätte. Verzeihen Sie mir jedoch, mein Herr, wenn ich meinerseits jetzt die Frage an Sie richte: Aus welchem Grunde wünschen Sie alle diese , Auseinander setzungen ? Aus , welchem Grunde?", rief Herr Lefebre. Wal" es sich darum handelt. einen zum Tode Verurtheilten, welcher unschuldig ist. zu retten. Haben Sie nicht den Gang des Prozesses, den Mord betref send, der in rue Panatiere in Paris be gangen worden ist, verfolgt?" Ich lese grundsätzlich keine Zeitungen versetzte der Pastor, doch habe 'ich von dem entsetzlichen Verbrechen reden gehört. Hat denn nicht ein sonderbarer Um stand Sie frappirt, nämlich die Mitwir kung eines Taubstumn.cn, der wenige Tage nach dem Verbrechen auf unerklar' liche Weise verschwunden ist ?" Jetzt entsinne ich mich. Allerdmgs siel mir das. auf und es regten sich überdies Zweifel in mir, ob der angeklagte junge Mann wirklich diese That begangen habe." ' Dieser junge Maun ist mein Sohn." Ihr Sohn!" Ja, und Sie können ihm das Leben, und was ihm noch höher steht als das Leben, die Ehre retten." Ich?" fragte der Pastor erstaunt. Aus welche Weise?" Hören Sie mich an: Der Mörder ist der Engländer da droben auf demSchlosse, die Frau, welche er mit' sich führt, ist seine Mitschuldige. 'Mein Sohn wird morgen bci Anbruch des Tages hingerich tet werden, wenn ich nicht heute noch den Thäter den Händen der Gerichte überliefern kann. Der Mörder aber ist Tollan, ich wollte sagen, Dermott. Verzeihen Sie, die vielen Schicksalsschlöge haben mich verwirrt gemacht. Der Taub stumme, welcher den Leichnam der PiqueDame in einem Reisekoffer forttrug, wird unzweifelhaft der junge Mann sein, dem Sie in der Zeichensprache Unterricht ertheilten." Der Pastor rieb sich die Stirn, auf welcher Schweißtropfen perlten. Ich entsinne mich jetzt," hub er an, daß der Taubstumme zur Zeit des Verbrechens verschwunden war, ich erfuhr nicht, wohin, und daß er einige Wochen später hier wieder eintraf. Gott sei Dank!" murmelte Lefebre, einen dankbaren Blick zum Himmel rich tend, mein Sohn wird nicht auf dem Schaffst enden." Nach einer Pause richtete er die Frage an den Pastor: Sind sie Ihrer Sache gewiß, daß Ihr Schülcr heute Abend kommen wird?" Ganz gewiß, mein Herr; der Taub stumme hat eine Achtung vor den Befehlen seines Herrn, die an Frrcht grenzt. Der arme Mensch hat ihm stets ohne Widerrede gehorcht. Ich möchte darauf schwö ren, daß er gegen acht Uhr kommen wird, da er hier von mir Abschied nehmen will." Um acht Uhr!" wiederholte der Greis mit dumpfer Stimme; es kam ihm in den Sinn, daß man jetzt wahrscheinlich das Gerüst zum Schafsott zimmerte. Der Tag neigte sich. Die Mühle zu Jvette uurde fast unsichtbar in dem Ne belfchleier, der langsam aus dem feuchten Thale emporstieg, in welchem sich die beiden Flüste vereinigten. Vom hellen 5?a minfeuer, auf welchem spirituöse Getränke gebraut wurden, erleuchtet, schimmerten die Fenster der Wohnung Atkins' durch den Nebel. Woher wird der Stumme kommen? fragte Lefebre. Von jener Wiese her und über die Brücke, es ist der nächste Weg " Das Gesprach ward jetzt durch den Polizisten unterbrochen, den Lefebre als Wache bei dem stark berauschten Englän der zu! ückgelasten hatte. Herr Lefebre," sagte er, es sind soeben drei Männer und eine Dame in jenesHaus getreten." Ihr Signalement ? Der eine Herr und die Dame scheinen die Herrschast zu sem," antwortete der Polizist. Die Uebrigen machten denEindruck auf mich, als seien sie die Bewohner jener Mühle." Man hat Dich doch nicht bemerkt V Nein, ich versteckte mich unter einem Kohlenschober, als sie eintraten." Begi Dich wieder dahin zurück und pfeife, sobald irgend Jemand das Haus verlassen will Der Polizist entfernte sich. (Fortsetzung folgt.)
bgrunü. -wNovelle von S. von der Horst. Erstes Kapitel. . Es war eine jener engen, im dritten Stockwerk des Hauses belegenen Mieth wohrungen, in denen die Menschen ge wissermaßen keinen Raum mehr für sich selbst übrig behalten, nachdem ihre Mobi lien plazirt sind und das ssüchengeräth auf dem Flur oder, im Schlafzimmer im tergebracht worden ist. Der Regen plät scherte von draußen gegen die Scheiben und halbe Dämmerung herrschte in dem Vorderzimmer, dessen Gardinen noch dazu herabgelasien waren. Eine junge, blasse und kummervoll auS sehende Frau ging leisen Schrittes auf und ab, in ihren Armen ein kleines Kind wiegend, das offenbar krank sein mußte. Das Gesichtchcn glühte' in Fieberhitze und der Athem glich fast einem Aechzen. Die weinende Frau beugte sich, sobald daS Kind eine stärkere Unruhe zeigte, zu dem selben herab und küßte die kleine Stirne, um mit ihren Lippen den Wärmegrad der Haut zu prüfen. Außer diesem einen Kinde, lag auf dem Sopha in Kissen gehüllt, noch ein zweites, und auch dieses warf sich rastlos von einer Seite zur anderen, dabei fortwährend in ärgerlichem Tone allerlei Wünsche kund gebend. Am Fenster stand ein noch jugendlicher Mann in der Uniform der Postbeamten. Er hielt die Mütze in der Hand und sah düsteren Blickes vor sich hin, so blaß und trostlos wie ein Mensch, der alle Hoffnung ausgegeben hat. Nur wenn das Kind auf dem Sopha einige Worte sprach, sah er flüchtig empor. . Papa, ich will Erdbeereniesten! Der Doktor hat es erlaubt. Bringst Du mir heute Abend welche mit, Papa?" Der Gefragte nickte seufzend. Du mußt still liegen, Paul", sagte er. Sprechen darfst Du nicht und noch mm ger Deine Decke abwerfen." Ich will aber Erdbeeren haben!" rief weinerlich das Kind. Und Tokayer soll Ei ttf 4vim t $TlVrt hirtrtim finfft iuj uuu; uuuiu, .yuiuu. vuM Du mir keinen ?" Der junge Mann wandte sich mit sckneller Bewegung zu seiner. Frau. Es schien, al! könne er es nicht ertragen, aus die Worte des ahnungslosen 5!indes länger zu hören. Adieu, Liebe", .sagte er halbläut, Du weißt es, ich muß jetzt geben. Wenn un ten im Hause geläutet wird, so ist es drei viertel auf Eins." Die weinende Frau sah ihn ängstlich bittend an. Ach, Emil, wenn Du bleiben könntest", flüsterte sie. Die kleine Helene gefällt mir gar nicht!" Der Vater beugte sich über das sieber heiße Gesichtchen und küßte es mehrere Male, Mache mir das Herz nicht noch schwerer, Marie," antwortete er in gepreß tem Tone, Du siehst zu schwarz. Der Doktar sagte mir erst heute Morgen, daß die Gefahr vorüber sei, und außerdem kann ich denn bei Euch bleiben, so gern ich es auch thäte ! Glaub' mir, es ist aufreibend so still an seinem Platze sitzen und an gleichgiltige Dinge denken zu müffen. während mir der Boden unter den Füßen brennt." Die junge Frau seufzte tief. Vergib mir, Emil-, sagte sie bittend, ich weiß ja, wie sehr Du leidest. O mein Gott, mein Gott, was wird aus uns werden?" Papa", rief der kleine Paul, wo ist Elise ? Warum bleibt sie immer in der Küche?" Das Weinen der unglücklichen Frau ging bei dieser Frage des Kindes in lautes Schluchzen über. Sie- lehnte den Kopf an ihres Mannes Schulter und eine Zeit lang hörte man nur die Töne des bittersten Schmerzes. Ich will versuchen, heute Abend etwas früher abzukommen," sagte endlich der Mann ; vielleicht thut mir Volten den Gesallen oder Eckhardt". Sprachst Du mit Volten?" fragte leise die junge Frau. - Er' erhob abwehrend die Hand. Ja aber vergebens", antwortete er. ' Ich wußte es vorher, Marie ; wie sollte ein Familienvater mit sechshundert Tha lern Gehalt Ersparniffe besitzen. Aber wahrhaftig, es ist höchste Zeit,, ich kann nicht länger bleiben Die junge Frau hielt ihn am Arm zu rück. Und Du hast keinen Thaler, Emil, keinen einzigen ?
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