Indiana Tribüne, Volume 2, Number 24, Indianapolis, Marion County, 24 January 1880 — Page 6
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6 I n d i a n a T r i b ü n e."
DaS Gcycimniß des Pavillons.
AuL denPapieren einesGe beimpolizisten, von C. PaulovSk. (Fortsedung.) In dem Augenblick jedoch, als der Berauschte den ersehnten Namen, au? den Lesebre mit ängstliche? Ungeduld wartete, auSsprechen wollte, öffnete sich geräuschvoll die Thür. Herr Lesebre sah sich um und erblickte, zu seiner Verwunderung einen Gensdarmen aus der Schwelle. Sein Anblick flößte dem Greise Besorgniß ein. obschon sein Antlitz keine Aenderung erkennen ließ. .Ich möchte mit einem gewissen Herrn Calumet einWort unter vierAugen reden sagte der Gensdarm höflich. .So heiß ich,- antwortete er, sich er hebend, der salsche Weinreisende. .Würden Sie wohl die Güte haben mir in den Vorsaal $u solgen, mein Herr?.Zu dienen-, versetzte Lesebre, dem trotz seiner Ungeduld, den Namen der Mutter deS Engländers Atkins zu-ersahren, eS in diesem Moment erwünscht war, dab die Unterredung sich den Ohren des Englän derS entzog. Zum Unglück siel es jedoch demselben ein, sich in etwas zu mischen, vaS ihn nicht kümmerte. .Sie scheinen mit der Gerechtigkeit die seö Landes in Conflict gerathen zu sein," rief er auS. .Sie hätten in Liverpool Bürger werden sollen, in England gibt tS keine Gensdarmen Dann wandte er sich zu Herrn Lesebre. .Vergessen Sie die z.hn Fässer Wein nicht. Ein Jahr ist rasch verflossen, und wenn der ZahlungS termin da ist, werde ich' ein Millionär sein, während Sie vielleicht im Gesängnisie sitzen." Lesebre hätte ein Vermögen dafür geopfert, den Namen der Mutter des Engländers zu erfahren und begriff, daß er jetzt darauf verzichken müßt. Nichtsdestoweniger behielt er aber seine Faffung und erwiderte auf die höhnische Anrede : .Seien Sie unbesorgt : ich werde noch diesen Abend nach Liverpool schreib?, und die erwähnten Jäffer Portwein werden zur bestimmte Zeit eintreffen." Mit diesen Worten grüßte er den Eng länder in höflichster Weise, obwohl er ihn hätte erwürgen mögen. Auf dem Flur begegnete er dem rothhaarigen Diener, welcher bereits einen zweiten Keffell voll Punsch gebraut hatte, um seinem würdigen Herrn für die leere Bowle sofort Ersatz bieten zu können' Er hatte den Gensdarmen die Treppe hinauf gewiesen und konnte sich nicht, erwehren, laut zu lachen, als er den Reisenden, der ihm so rasch ein Faß Wein zugesagt hatte, in Begleitnng deS Soldaten die Treppe herabkommen sah. Der Diener hatte den Wein allerdings gern, lieber aber war es ihm doch, einen .Nebenmenschen in's Unglück gestürzt zu sehen. Herr und Diener schienen sür einander wie geschaffen und hatten sich an schlechter Gemüthsart gegenseitig nichts vorzuwerfen. Beim Ausgang des Gartens blieb Lefebre stehen und sagte : .Darf ich bitten, mir jetzt zu eröffnen, vaS Sie von mir wünschen. Ich bin mit Geschäften überhäuft und meine Zeit ist kostbar." .Zeigen Sie mir Ihren Pab; das Geschäft kommt später..Meinen Paö? Den trage ich nicht bei mir, doch habe ichDocumente in derTasche, die Ihnen beweisen werden, daß ich das Geschäft Rawson & Co. in Liverpool als Reisender vertrete." .Darum handelt es sich hier nicht. Man kann als Handelsreisender ein Spi& bube sein, und ist es deshalb Ihre Sache, zu beweisen, daß Sie von der Polizeibe hörde als Kausmann autorisirt worden sind." .Nichts leichter als das. Ich logire im Hotel .Zum goldenen Hirsch und darf mich außer auf meinen amtlich beglaubigten Erlaubnisschein auch noch auf die Empfehlung des Wirthes, Herrn Bonasson, beziehen." .DaS freut wich Ihretwegen versetzte der Gensdarm, welcher eine gutmüthige Natur besaß. Unterwegs theilte er Herrn Lesebre vertraulich mit, daß er von einem Bürger aus Savirgny beim Bürgermeister denuncirt worden sei, weil er Zwecks poli tischer Umtriebe als angeblicher Reisender Frankreich durchstreife.
Herr Lesebre zweifelte keinen Augenblick daran, daß der ränlevolle Funeux ihm zum Dank für die ihm bewiesene Gastsreundschast diesen schlcchten Streich gespien hatte. Die Freude desielben war indeß nicht von Dauer, denn Herr Lesebre war im Stande, den Gensdarmen seinen wohlbeglaubigten Paß vorzuzeigen, W0' raus der Polizeibeamte sich befriedigt mit vielenEntschuldigungen zurückzog. Lsebtt konnte jetzt wieder ungehindert seine Nach forschungen beginnen, allein eS stand im Buche des Schicksals geschrieben, daß die. ser Tag für 'ihn mit einer Katastrophe enden sollte. Als Herr Lesebre nämlich einen Blick auf eine soeben eingetroffene Pariser Zeitung richtete, laö er sofort fol gende Zeilen : .Der Caffationsgerichtshof hat in seiner gestrigen Sitzung das Gnaden gesuch deS zum Tode verurtheilten Charles Lesebre verwoifen, und wird deffen Hinrichtung demgemäß am 30. April stattsinden. Der Greis fank wie vernichtet aus einen Seffel. XXX. In derMühlevonYvette. Indessen hatte Fergon als Colporteur
seinen Bündel auf dem Nacken, sich gleich falls aus die verabredete Entdeckungsreise begeben. Gegen zwei Uhr Nachmittags traf er bei der Mühle zu Pvette ein. Ihr Räderwerk ruhte und es herrschte in derselben eine solche Stille, daß der angebliche Colporteur ansangS wähnte, sie sei ver lassen, bis ein feiner aussteigender Rauch aus einem der Schornsteine deS Daches ihm zeigte, daß er sich getäuscht habe. Die Thür war nicht verschloffen, und da er Niemanden erblickte, konnte er die Loka litäten nach Wunsch in Augenschein nehmen. Das Erdgeschoß enthielt die gewöhnliche Einrichtung der Etabliffements, in welchen Korn in Mehl verwandelt wird : Müh! steine, Säcke. Mühlräder und Bänke. An eine offenstehendeFallthür in der Decke lehnte sich eine Leiter. Auf dem Fußboden erblickte man ebenfalls mehrere Klappen, die indeß jetzt geschloffen waren. Fenster waren nirgends angebracht. Der Raum erhielt sein Licht durch die Thür und durch eine Oeffnung im Dache; die Helle war indeß so ungenügend, daß Fergon nur mit Mühe die ihn umgebenden Gegenstände unterscheiden konnte. Es wandelte ihn die Neigung an, die Fallthüren im Fußboden aufzuheben, um zu sehen, was die Unter schicht verbarg. Aber er wußte aus der reichen Erfahrung seiner polizeilichen Thätigkeit, daß sich bisweilen in verlaffe nen Häusern gar wachsame Augen befin den, die Alles Ichars beobachten. Er lehnte sich unthätig an . einen Mühlstein, aus diese Weise die Art der Lastträger nachahmend, welche, um sich nach wem langen und beschwerlichen Wege auszu' ruhen, ihre Bürde momentan auf einem Eckstein ablegen. In dieser Stellung klopfte er mit seinem Stocke aus den Boden, um seine Anwesenheit kund zu geben. Auf dieses Geräusch ward in der Boden lucke ein weiblicher Kopf sichtbar, währeud ein Mann gleichzeitig eine der eingefügten Bodenklappen vorsichtig aufhob. Das Geräusch war ebenso nach oben und nach unten gedrungen. Fergon, welcher hinaus sah, gewahrte indeß nur den Kopf der Frau. .Liebe Frau," rief er ihr zu, .wollen Sie mir Handgeld geben? Ich habe Bücher, Zeitungen und billige Lieferungs werke." Ein unwilliges Gemurmel erscholl, die Fallklappe schlug zu und gleichzeitig kam die erwähnte Frau hastig die Treppe herab und richtete sich in ihrer ganzen Länge fast drohlnd vor Fergon auf. Es war eine große, hagere Gestalt, ihre "Gesichtsfarbe war pergamentartig und ihre Augen lagen tief in den Höhlen. Ihre spärlichen grauen Haare flogen ungeordnet umher und ihre ganze Gestalt zeigte den echten Typus einer Hexe ; sie war ein wahrhastes Medusenhaupt. Was haben Sie hier zu schaffen?" suhr die Megäre ihn mit kreischender Stimme an. '.Wie Sie sehen," erwiderte Fergon demüthig," bin ich ein sogenannter fliegen der Buchhändler" .Hier wird nichts gekauft!" schrie sie wüthend. .Nur nicht so rasch," äußerte Fergon. .Ich dringe meine Zeitungen Niemanden auf und bin hauptsächlich hier eingekehrt, weil meine Füße mich nicht' weiter tragen
wollen und ich vor Durst verschmachte. Kann man hier nicht sür Geld und gute Worte ein GlaS Wein bekommen und sich einige Stunden auf Ihrem Mehlboden ausiuben ? Ich bin kein Geizhals sügte er nachdrücklich hinzu, indem er dabei aus seine um den Leib geschnallte Geldkatze schlug, die einen Metallllang von sich gab. "Hier ist keine Herberge brummte die häßliche Müllerin dieser sonderbaren Mühle. .DaS weiß ich,". sagte Fergon mit einen schmeichelndem Ton, .aber das ist immer hin noch kein tristiger Grund, um einen Menschen abzuweisen, welcher nur den Wunsch hegt, sich gegen reichliche Vergütung zu erquicken un dann auszu ruhen." .Sie scheinen großen Ueberfluß an Geld zu haben", äußerte die Frau, indem sie den verdachtigenColporteur mit verschmitz ter Miene vom Kopf bis zu den Füßen maß. .Die gestrige Rundreise hat mir allerdings ein schönes Stück Geld eingebracht," entgegnete Fergon. .UebrigenS habe ich mir durch meine Colportage bereits vier tausend Francs verdient, und wenn das so fortgeht, werde ich bald daS große Stück Wiesenland kausen können, welches an meinen Garten stößt. Ich bin aus der Dauphine und habe daselbst ein schönes Häuschen erstanden. Freilich habe ich dafür sauer arbeiten müssen. Ich durchstreife Frankreich schon feit 15 Jahren ; man bekommt aus solchen Touren , viele Menschen zu sehen, aber läust sich zuletzt auch die Beine ab. Auf dem Jahrmarkte in Monthlery habe ich mir ein Paar neuer fertiger Schuhe gekauft, die mich drücken und mir den Fuß so wund gescheuert haben, daß ich vor Schmerzen nicht weiter kann. Da sagte ich mir denn beim Anblick dieserMühle : Müller psiegen immer gute Leute zu sein. Ich will in die Mühle ein. kehren, und wenn ich dort mich nichts ver kaufe, um einen Labetruuk bitten. Man wird mir dort immerhin weniger anrech nen, als in einem Wirthshause." .Ich habe aber nur Wein in Flaschen, welcher per Flasche dreißig Sous kostet." .Das heiße ich allerdings nicht wohlfeil, aber ich bin's zufrieder, wenn er nur mundet." Bei diesen Worten zog, Fergon einen großen, ledernen Geldiertel hervor, löste die Schnur und nahm langsam ein Fünf frankenstück heraus. Der schlaue Polizist hatte errathen, daß du habgierige Frau, ehe sie ihn bediente, sih von, seiner Zah
lungssähigkeit zu überzeugen wünschte. Das wirkte. Die Aun der Alten glüh, ten wie die einer Katzeund' gierig griffen ihre Finger nach dem .gebotenen Geld stücke. . ' 1 ; ' ' ' ' .Wenn Sie mir bL morgen früh Ob dach gewähren und mich heute Abend eine Suppe mitessen lassenwollenwill ich von dem Gelde nichts nieder 'zurückhaben," sagte Fergon. - Die Alte übereilte sich nicht mit ihrer Antwort, wohl aber keß sie das Geld ge schwind in ihre Taschi gleiten .Nun, wie steht's ?' forschte der falsche Colporteur. -: ' I .Mein Mann ist leuer nicht anwesend," brummte die Müllern. .Ich muß doch erst mit ihm sprechen ob es ihm gefällt, Sie zum Abendessen und zur Nacht bei uns zu haben.' Ich w:roe Ihnen jetzt den Wein holen. Wenn se denselben getrun ken haben, können Sie Ihren Ballen hier lassen und sich draußn auf das grüne Gras zum Schlafen ltgen, bis Caufaille wieder zurückkehrt. Er ist nach Corbeil gefahren, um Mehl ibzuliefern und wird erst heute Abend nach Haufe kommen". .Mir Recht," rief Fergon. aus, und legte seinen Ballen au' einen Haufen leerer Säcke. Während er sich seimr Bürde entledigte, trat die Frau einige Schritte zurück und stampfte mit dem Fuß! auf dem Boden. Die Luke, welche sich fojon bei seiller An kunft gehoben, klöpple jetzt auf und der Kopf, der sich kurz- vorher unsichtbar gemacht hatte, kam mf'S Neue zum Vorschein. . . .Jalquot!" rief dii Alte, .eine Flasche Wein, von der versiegelten Sorte t- ver standen? Aber schnÜ!" .Soll geschehen", jversedte der Knecht und verschwand wiedr in der Oeffnung, um gleich darauf nit einer etiquettirten Flasche zu erscheini,. Fergon wußte nun, daß in der ihvj verdächtigen Mühle zu Jvette Wände inb Dielen Ohren hatten. . ,DaS lasse ich mir esallen," bemerkte er lachend. .Die Bedirning geht hier ia wie
auf Kommando. So war es nicht in jener
Dors,chenke, in der ich vor einigen Stun den ein Glas Wein trank." .Von welcher Schenke sprechen Sie? versetzte die Müllerin, indem sie dabei mit einer langen Scheere, die an ihrer Seite hing, den Kork auS der Flasche zog. Das weiß ich nicht. ES war aus dir Landstraße zwischen Palaisean und Lang jumeau. Mir ist diese Gegend gänzlih unbekannt, da ich sie zum ersten Male d reist habe." , Die alte Müllerin goß jetzt den funkeln', den Wein in einen zinnernen Becher und sagte, ihn dem vermeintlichen Colporteur kredenzend: In welchem Gasthofe haben Sie in Palaison logirt? Ich frage so, weilen diesem Orte ein gemisier Gastwirth wohnt, der weilläufig mit mir verwandt ist." .Die Herberge, in welcher ich logirte, führte kein Aushängeschild." antwortete Fergon lachend. Ich schlich mich daselbst in eine Scheune, deren Thür offen stani und legte mich auf ein Bund Stroh. Eir solches Nachtlager ist billig und hat der Vortheil, daß man, um sich zur Ruhe be geben zu können, nicht erst seinen Namer in das aufgelegte Fremdenbuch des Gasti Hofes einzutragen braucht.7 .Hat Niemand Sie gefragt, wohin Sie zu gehen beabsichtigen?" forschte die Alte. Nein, zu welchem Zwecke? Auf Jh, Wohl, Madame !" Fergon hatte Ursache, diese Lüge auszu sprechen, wie die Frau Gründe habe mochte, ihn. danach zu fragen. Seine Antwort schien ihr zu gefallen und stq äußerte mit einem Anfluge von Freund lichkeit:
.Nehmen Sie die Flasche mit sich, um! festigte. ES unterlag keinemZweifel mehr: sie auf d,m grünen Rasen zu leeren. Aus! der Lufttelegraph diente zum gegenseitigen der Weide da drunten am Flusse ruht man, Gedanken-Austausch zwischen demSchloffe vorzüglich im hohen Gras. Jacquot wird, und der Mühle. Sowohl das Schloß wie Sie holen, sobald mein Mann zurückge-jdie Mühle standen, wie Fergon von allen kehrt ist." . , Seiten vernommen hatte, in üblem Rufe. .Sie sind in der That sehr gütig, liebe,Die Besitzer des SchloffeS vegruben sich Frau, und Ihr Wein ist vortrefflich, anscheinend hinter deffen Mauern, und der Heute Abend werden wir eine zweiteFlasche Müller wie die Müllerin waren schon häu mit einander leeren." ,fig mit der Polizei in Conflict gerathen. Bei diesen Worten verlieb Fergon die Fergon war hier durch Zufall hinter ein Müllerin and begab sich, die Flasche und Geheimniß gekommen, deffen Nutzen ihm den Becher in der Hand, nach der bezeich zwar noch nicht einleuchtete; er beschloß neten Stelle. Der Weg führte durch eineiaber, diese Gegend nicht eher zu verlassen, anmuthige Allee zu der erwähnten Wies,, als bis. er das Dunkel derselben gelichtet
deren lachendes Grün ihn zur Ruhe ein lud. Kaum hatte er sich auf den Rasen gelegt und einen tüchtigen Zug aus dem Becher beschöpft, als seine Blicke sich auf' merksam auf das Aeußere der Mühle rich teten. Die Räder drehten sich nicht, aber das Waffer ergoß sich in den Canal, den eine Mauer vom Bache trennte. Fergon glaubte zu entdecken, daß diese aus Cement errichtete Mauer 'erst vor Kurzem ausge fuhrt worden war. Sie kennzeichnete augenscheinlich ein System von Schutz wehren, da? ;in Frankreich ungewöhnlich war. Man glaubte eine Schleuse vor sich zu haben. Zu beiden Seiten waren flie gende Brücken, dle, je nachdem man.-ste aufzog oder herabließ, das Waffer des Canals zum Steigen oder zum Fallen brachten. Es entging auch den-Späher blicken des Polizisten nicht, daß . zwischen der Mauer und der Müllerwohnung eine Verbindung in Form eines lose eingefüg ten Bretttes. hergestellt war. Er glaubte ferner zu bemerken, daß über der Brüstung der Mauer ein Kops seine Bewegung be obachtete, und hielt eö deßhalb, für richtig. seine Studien sür'S Erste einzustellen, um sie zu geneigter Zeit wieder aufzunehmen. Fergon, welcher weder zu träumen, noch zu schlummern. Neigung bezeigte, zündet? sich eine Cigarre an und ließ, behagliy auf den Rasen ausgestreckt, seine Blick nach allen Himmelsgegenden schweifen, Sein Auge blieb indeß unwillkürlich aus der Mühle hasten, denn es überraschte ihn zu sehen, daß oben auf der Brustwehr dei Daches'ein Mann ein'Fernrohr handhabte mit welchem er anscheinend die Miesen unl den Wald von Savigny beobachtete Der Mann, welcher das Fernrohr hielt war keineswegs Jacquot; denn währen? dieser eine schmächtige, dürre Figur hatte nahm der breite Körper des über die Brü stung sich lehnenden Mannes solche gan ein. Durch seine Hände und das Jnstru inent verdeckt, war sein Gesicht nicht zi unterscheiden. Fergon vermuthete jedoch daß es Caufaille der Ehemann der Mül lerin, sein müsse. Wie konnte aber Coufaille, der, wie di Alte ihm berichtet, sich mit Mehl naf Corbeil begeben hatte, sich indeß in dr Mühle zu Vvette befinden ? Weßhaö war er auf daS Dach geklettert, wie e Matrose, welcher in den Mastkarb steic,
und welchen Reiz konnte ihm diese Gegend bieten, daß er sich sogar eines Fernrohrs bediente? Die Alte halte gelogen, als sie berichtete, daß sie allein im Hause sei, das war so klar wieder Umstand, dab ihr Mann seltsame Gewohnten hatte, und anscheinend neben seinem Geschäfte ahtn teuerlichen Geschäften nachging. WaS mochte die Aufmerksamkeit deSselden in so hohem Grade sesseln? .Doch nicht etwa die Höhe deS GraseS auf der Wiese, derFluß Vvette, das daran stoßende Gehölz? Fergon, welcher sich einer auS gezeichneten Sehkraft erfreute, inspicirte von Haus zu Haus die Wohnungen von Morfang, konnte aber nichts Auffälliges daran entdecken. ES waren recht hübsche, im ländlichen Styl gebaute Wohnungen, weiß mit grünen Fensterläden, welche lefc tere zum Schutz vor den brennenden So nenstrahlen sämmtlich vorgesetzt waren, und mit Schieferdächern, die im Sonnen schein wie Spiegel erglänzten. Die Blicke des Polizisten schweisten nun von dem Dorfe auf das Schloß und hier fiel ihm sogleich eine mächtige weiße Fahne iu' Auge, die lustig im Wind flatterte und an einem Blitzableiter eines der kleinen spitzen Thürme befestigt war. Dient dieseFkagze vielleicht zu einem Signal oder sollte sie nach englischem Gebrauch einfach kundge
den, daß der Besitzer des SchloffeS daselbst anwesend sei ? Erstere Anstcht schien Fergon die richtige zu sein, denn während er noch die Fahne mit seinen Augen maß. ward sie plötzlich wieder eingezogen. Unwillkürlich richtete Fergon jetzt seine Blicke auf die Mühle und bemerkte, daß der Be obachter nunmehr das Fernrohr wieder in das Gehäuse steckte, und hastig an daS Ende einer Stange ein rothes Tuch be datte. Inzwischen war ihm die Cigarre ausgegangen, weshalb er sich behaglich lusstreckte und anscheinend in Schlaf zu zerfallen schien. Er konnte vorläufig lichts Klügeres thun, denn einerseits ward er zweifelsohne von dem durch, seine Frau benachrichtigten Müller vom Dache auS beobachtet, und konnte deßhalb sicher da 'auf rechnen, daß vor Anbruch der Nacht', jichts Interessantes sich' ereignen würde. kS war überdies ungewöhnlich warmeS fletter, und Fergon hatte eine Flasche tarken Weines völlig geleert, so daß' eS iicht zu verwundern war,. wenn'er alsbald einen festen Schlaf versank, der Mehrere stunden, anhielt. Als er. erwachte,' war ß bereits dunkel. Fergon rieb sich die lugen und eilte nach der Mühle zurück. !s hungerte üm und er fragte sich vergeb Ä, weßhalb die Müllerin .ihn nicht zum yittageffen geweckt .hatte. Als er über in schmälen Steg dähinschritt, sah er jacquet zu seinen Füßen im Canal waten yd mehrere wurmstichige Bretter zu einem Zfoß zusammenfügen. ' Er hütete sich Koch, ihn anzureden, sondern ging weiter, ls er die Mühle erreichte, wo er im Erd lischoß die Müllerin in voller Thätigkeit traf. ' Endlich zurück !" rief diese ihm frei shend entgegen, ich wollte schon meinem snecht beauftragen, Sie zu holen." Entschuldigen Sie mich, daß ich Sie nt dem Esten so lange habe warten alen." .Das Effen ? Es ist nichts übrig ge. lieben, und ich habe keine Lust, zum zwei en Male zu kochen. Mein Mann ist noch wmer nicht von Corbeil zurückgekehrt. vird auch wohl erst Abends spät eintreffen. Sie nerden ftm also mit Schinken und Vrod begnügen müffen. " r ' Bei Brod und Schinken und einer Flasche Wein lebt eö sich wie ein Fürst," meinte Fergon.Der ' Wein war sogleich zur- Stelle. Die Wirthin entkorkte die Flasche und beeilte sichihrem freigebigen Gast den zin nernen Becher zu füllen, Fergon stillte seinen Avietit und leerte die Flasche bis auf den letzten Tropfens Die Alte maß ihn mit ihren runden deinen Augen wie eine Nachteule eine Amsel, die sie zu der. schlmgen wünscht. (Fortsetzung folgt.) '
