Indiana Tribüne, Volume 2, Number 23, Indianapolis, Marion County, 17 January 1880 — Page 6

I n d i a n a T r i b n e."

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Das Gchcimniß.dcs Pavillons.

.A uS den Papieren einesGe Heimpolizisten, von C. Paulovöktz. (Fortsetzung.) Ach wären Sie doch mitgegangen, dann Wäre das Unglück verhindert worden !" Glauben Sie? Ich bin der Ansicht, daß man dann statt zwei drei Leichname vorgesunden haben würde versetzt Fu neux mit kläglicher Geberde. .Würde ich der Einladung gefolgt sein, so säße ich! jetzt nicht hier, um mit Ihnen Chan-pagner zu trinken." Hat denn der Mörder zwei Personen getödtet V fragte Herr Lefebre, sich unwis send stellend. Der Elende hatte Theilnehmer, einen derselben verhaftete man, als er sich an schickte, die ermordete Dame in einem Koffer fortzutragen, erinnern Sie sich doch, es war der Taubstumme, den man später so geschickt entkommen ließ. Und serner, der Mörder hatte Feran tödtliche Rache geschworen und sich vorgenommen, ihn an diesem Abend zu tödten. Wie würde meine Gegenwart ihn daran ver hindert haben V .Woher wissen Sie, daß der Mörder ihm Rache geschworen und ihn tödten wollte?" Feran hat mir Andeutungen gegeben, die über diesen Punkt keinen Zweifel ent stehen lassen. Er äußerte unter Andcrm : Wie glücklich würde ich sein, wenn meiner blonden Engländerin mcht einMann nachstelle, der sie mir mit allen erlaubten wie unerlaubten Mitteln zu entsühren gedenkt. Er hat sie vor Jahren in London kennen gelernt und sie hier wieder gesehen. Sie sagt mir, daö er ihr gedroht hätte, sie zu ermorden, wenn sie ihn abweisen würde. Sie hatte von ihrer Dienerin ihu Koffer packen lassen und aus Besorgniß vor die sem gewaltthätigen Menschen mir mitge theilt, daß sie noch in iener Nacht Paris sür einige Zeit verlaffen wolle. Feran theilte mir serner mit, daß er seine Einwilligung zu der von ihr beabsichtigten Reise gegeben habe, um jedem Streite aus dem Wege zu gehen, r wollte die Eng länderin bis Calais begleiten und den letzten Abend bei mir zubringen." Hat erJhnen weiter nichts mitgetheilt?fragte Lefebre mit einer Stimme, die iinwillkürlich bebte. .Hat er Ihnen nichts veiter über den Verfolger mitgetheilt?" O, ja. Er hat ihn mir als einen Mann von etwa dreißig bis vierunddrmig Jahres geschildert, mit schwarzem Bart, breiten schultern und von kräftigem Körperbau. Nichtsdestoweniger aber, prahlte Feran, .fürchte ich mich nicht vor ihm und werde ihn nachGebühr bestrasen Armer Feran, mit seinem Heldenmuthe war es nichts, denn der elende Verbrecher Lesebre streckte ihn mit einem Schlage seines Stockes zu Boden, ehe erZeit gewann, eine Hand zu erheben." Als Funeux den Namen Lesebre aus sprach, zuckte der unglücklicheVater zusammen, als wenn er zum zweiten Male da Todesurtheil seines Sohnes vernom men hätte. Nach der Beschreibung dcr Person, die Funeux vonem Mörder entworfen hatte, konnte kein Zweifel mehr obwalten, daß sie daS Portrait feines Sohnes sei. wenige stenS paßte sie nicht aus Tollan. Herr Lesebre, von einer bangen Ahnung erfüllt, wollte sich eben mit einer neuen Frage an seinen gesprächigen Tischgenoffen wenden, alS plötzlich die Thüre geöffnet wurde und der Wirth erschien, um Funeux zu einer Partie Piquet mit dem Maire deS Ortes auszusordern. Funeux bejahte und erhob sich schleunigst von seinem Sitze. Er bedauerte, einer so angenehmen Gesellschaft entsagen zu müssen und empfahl sich. Lefebre begab sich ebensalls auf sein Zimmer und überließ.sich hier einer Fülle von traurigen Gedanken und Erwägungen. Gegen zehn Uhr .traf Lefebre verabredetermaßen mit Fergon.vor der Kirche zu- . , .. . 'j i j sammen. . , .Bist Du auch Deiner Sache gewiß fragte Lesebre, daß' uns Niemand gefolgt ist, um unser Gespräch zu belauschen ?" . ,Sie brauchen nichts zu besürchten", beruhigte ihn Fergon. Ich krage Dich, weil ich heute Morgen mit einem ältlichen Herrn Bekanntschaft gemacht habe, den ich sür einen Spion halte."

,Er heißt Funeux, nicht wahr ?" .Woher kennst Du seinen Namen?" O, ich habe noch manches Andere in Erfahrung gebracht, was uns von Nutzen sein kann. Uebrigens kennt ihn ganz Savigny. Inzwischen bin ich nicht müssig gewesen, mich nach Allem zu erkundigen und habe mir erzählen laffen, daß ein Herr und eine Dame aus Paris ein in nächster Umgegend belegenes schloßartigesGebäude auf ein Jahr gemiethet hätten. Es liegt bei Morsang am Fuße eines Berges und soll von ihnen nicht bewohnt sein, sondern sie kommen nur von Zeit zu Zeit hahin, um sich daselbst einige Tage aufzuhalten. Sie empsangenKeinen und Niemand kennt sie. Das scheint mir daS Wild zu sein, welchem wir nachspüren." Jedenfalls muffen wir darüber Nach forschungen anstellen. Hast Du noch mehr gehört?" G3 soll sich serner in der Umgegend Savigny's ein Engländer aushalten, der in einem Hause wohnt, welches dicht neben einer Mühle liegt. Man sagt, daß er stets am Tage berauscht sei." Daß ist doch nichtsAußergewöhnlicheS," meinte Lesebre. Wer weiß! Sobald ich nur von einem Engländer höre, öffne ich Auaen und Ohren. Diese PiqueDame war eine Engländerin und überdies erregt der Mann Aussehen. Man sagt, daß er Kornspcculant gewesen sei und seinen Reichthum auf unehrliche Weise erworben habe. Niemand weiß, weßhalb er sich hier ansäsig gemacht." Er wird die Mühle betreiben." Nein. Die Mühlräder werden sast nie in Bewegung gesetzt, und der Müller und die Müllerin entsernen sich ost auf län gere Zeit, ohne daß man weiß, wohin sie verreisen." Sie haben keine Nachbarn. Der Ort ist in des Wortes eigentlicher Bedeutung eine Wüste. Vor Jahren ist in der Mühle ein Mord verübt worden und daS Gerücht sagt, daß zur Nachtzeit dort Gespenster umgehen. Aus dieser Ursache meiden die nächsten Bewohner diesen Ort, und die Bauern würden bei Eintritt der Dunkelheit um keinen Preis die Mühle betreten. Selbst iei Tage gehen sie nicht gern dahin. Äie Mühle und das Haus sind wegen diesen Aberglaubens sür einen Spottpreis verkauft worden." Es scheint allerdings sonderbar, daß ein Fremder diese Einöde zumAufenthalts ort erwählt hat, doch liefert dieser Umstand nicht den geringsten Beweis dafür, daß der betreffende Besitzer mit Tollan in Verbin dung steht. In England wuchern die Originale und sie reisen gern. Ein Eng' länder ist entweder ein Jäger oder ein Fischer." KeinS von Beiden. In den beiden Flüssen, welche sich vor seinem Hause vereintsten, befinden sich keine Fische und die Jagd im angrenzenden Walde ist anPari ser Edelleute verpachtet." Um all' diese Nebenumstände zu ersah ren, hast Du wohl sehr viel mit den Ein Mahnern gesprochen ? Du wirst Dich doch nicht verrathen haben ?" Seien Sie unbesorgt ; ich brauche'nur zuzuhören. Von der Magd des Geist' lichen an bis zur Frau Bürgermeisterin, denen ich meine Schristen zum Kaufe anbot, erzählten Alle Geschichten von diesem Atkins." Die wohl in der Hauptsache erfunden sein werden, denke ich. Jener Engländer heißt also Atkins." Ja, George AtkinS. Er soll noch nicht vierzig Jahre alt und nach dem überein stimmenden Urtheile der Damen stattlich aussehen." Atkins, Atkins," murmelte Lefebre. Dieser Name figurirt nicht in dem Ber zeichniß, welches Cambremer mir zugestellt hat." Was die Tochter Cambremer's anbelangt, so habe ich mich angelegentlich nach ihr erkundigt, ohne indeß die geringste Spur von ihr entdecken zu können. Man will die Kleine nirgends gesehen, auch keine Kindesleiche aufgesunden haben; also be wachen sie es sorgsältig und haben es bis jetzt nicht getödtet. Ueber diesen Punkt habt ich mich beruhigt." Wie aber, wenn man den Leichnam in einem Keller vergraben oder in'S Waffer geworfen hätte?" Allerdings," erwiderte Fergon, fehlt es in dieser Gegend nicht an Waffer. Man könnte hundert Mühlen wie die des Engländers damit in Bewegung setzen." Wie viele Personen bewohnen die Mühle?" Man sieht dort drei Leute: einen Mann, eine Frau und einen Burschen, der

die Hausarbeit verrichtet. Uebrigens soll dort ein fortwährender Personenwechsel stattfinden. Einer geht, ein Anderer kommt, und nach einigen Tagen erscheint Ersterer wieder." ' Das ist allerdings sonderbar." Um nicht zu sagen, verdächtig," bemerkte Fergon. Ich habe mich entschlossen, morgen unter irgend einem Vorvande in das Innere der Mühle zu dringen." Und ich will morgen dem Engländer emen Besuch abstatten." Sie werden Ihren Wein offerieren, nicht wahr? Das ist bei ihm angebracht, denn der Wein stießt ihm durch die Kehle, wie das Waffer durch ein Sieb." Hoffentlich wird der Engländer, wenn 'derselbe berauscht ist, auch mittheilsam sein." Die Nacht war dunkel und stürmisch, aber derNegen hatte nachgelösten. Lefebre und Fergon lehnten sich an einen Strebe Pfeiler der Kirche, der von den hohen Mauern völlig in Schatten gehüllt war. Wahrend sie so selbst verborgen standen, konnten ste Alles beobachten, was stch im Umkreise der Kirche zutrug. Herr Lefebre hatte plötzlich beim falben Schein des Mondes einen dunklen Schatten bemerkt, der an den Kirchenmauern hinhuschte. Trennen wir uns, rauntk er Fergon leise in's Ohr, unsere Lage erheischt Vor sicht. Auf morgenAbend an diesemOrte!Mit diesen Worten bog er rechts ab, während sein Untergebener sich nach links wandte. Als' d'e Gestalt, welche sie be unrubigt hatte, in eine Nebengaffe ihre Schritte lenkte, glaubte Lesebre in ihr Herrn Funeux zu erkcnnen. Am folgenden Tage machte Lefebre sich sehr zeitig aus den Weg, so daß er um elf Uhr die Wohnung des Engländers Atkins erreichte. Die Hausthür war nur angelehnt und er befand sich bei seinem Eintritt in einem großenSaal. welcher ursprünglich zur Vorhalle gedient zu haben schien. Dieser Saal hatte an Möbeln nur einen einzigen Tisch von Eichenholz. In dem Kamin loderte das Feuer, wiewohl die Witterung milde war, und ein Mann starrte mit großer Ausmerksamkeit in einen kupsernen Keffel, worin eine aromatisch dustende Mischung brodelte. Herr Lefebre hustete, um sich bemcrklich zu machen, woraus der Hausb-wohner ver wundert zu dem Fremden emporblickte und ein widerliches Antlitz mit rothem Bart und gleichem Haupthaar sehen ließ. Was wünschen Sie?" stieß er hervor. Ich beabsichtige, Herrn ÄlkinS einen Besuch abzustatten." Er sckläst." Dann werde ich warten, bis er erwacht." Wenn er sich erhebt, pflegt er seinen Punsch einzunehmen." Nun, dann werde ich mit ihm sprechen, wenn er ihn getrunken hat." Das läßt sich nicht machen, denn wenn er die Punschbowle geleert hat, pflegt er regelmäßig berauscht zu sein." Um so bester," äußerte Lefebre. Wie verstehe ich das, mein Herr?" Dann wird er wahrscheinlich um so geneigter sein, seinen Weinbedarf von mir zu entnehmen "Er trinkt keinen Wein; nur Punsch und Gin." Mein Wein ist stärker, als der stärkste Punsch. Wenn er ihn erst gekostet hat, wird er, ich bin davon überzeugt, ihn gern trinken." Verkaufen Sie auf Credit?" Ich verlange erst nach Jahressrist Zahlung." Und wann werden Sie die Fäffer liesern können? Mein Herr kauft nur faß weis?." In acht Tagen; ihm stehen, wenn er sie haben will, zehn Fäffer zu Diensten." Und eins für mich, wie?Selbstverständlich , mein wackerer Freund." Dann gehen Sie nur hinauf; mein Herr ist, wie ich höre, soeben aufgestanden. Es ist also der geeignetste Moment, ihn in dieser Angelegenheit zu besuchen." Wollen Sie mich nicht begleiten V Nein, ich bedauere; ich habe Punsch zu brauen und kann den Keffel nicht verlassen. Sie finden sein Zimmer oben neben der Treppe. Treten Sie, ohne an der Thür zu klopfen, zu ihm hinein ; es sind weder Schloß noch Riegel an der Thür." Lefebre stieg dieTreppe hinauf und sand das bezeichnete Zimmer, deffen Thür so lose angelehnt war, daß sie sich mit einem leisen Ruck öffnen ließ. Drinnen saß auf einem Sopha ein Mann von starkem Körperumpfang. Er wiegte sich, nur mit ab genutzten Beinkleidern und einem hoch

rothen wollenen Hemd bekleidet, auf dem Sopha hin und her, ein volles Glaö in der Hand, daS er beim Eintritt Lefebre'S an die Lippen zu setzen im Begriff war. Sobald er den Fremden erblickte, stieß er eine Verwünschung aus. Lefebre that, als hätte er ihn nicht verstanden und redete ihn folgendermaßen an: Ist Ihnen etwa echter Portwein gefäl. lig, mein Herr, der eigens für' England fabricirt worden ist. Sechsundzrvanzig Shillings per Gallone, zahlbar in einem Jahre." Kaum hatte Lefebre diesen Vorschlag ausgesprochen, als der Andere das Glas so gewaltsam auf den Tisch stemmte, dab es in tausend Scherben zersprang. Dann richtete er wüthende Blicke auf den Ein dringling, der es gewagt hatte, ihn in seiner Lieblingsbeschäftigung zu stören. Wer sind Sie?" herrschte er Lefebre an; gewiß ein spitzbübischer Comm.s wie alle Ihre Kameraden. Mich fängt man nicht, wohl aber schlage ich hin und wider Anderen ein Schnippchen." Sie belieben zu scherzen, mein Herr," bemerkte, ohne die geringste Ungeduld zu verrathen, der verkleidete Lefebre. Mein Portwein ist ganz vorzüglich und wird Ihren Beifall schon erringen. Echter Portwein von öer Firma Rawson & Co. Wie viel Fäffer wünschen Sie? Ich schreibe noch an diesem Abend nach LiverPool " Nach Liverpool! Sie sind also ein Engländer? Fort mit Ihnen. Ich ver abscheue die Engländer und wollte, daß Liverpool verbrannt würde. Dort hat man meine Mutter ausgezischt." Von diesem heftigen Ausfall behieltHerr Lefebre nur die letzte Phrase in seiner Er innerung. Anstatt zu gehen, wozuGeorge AtkinS ihn mit nichts weniger als höflickien Worten aufgefordert hatte, nahm er vielmehr Platz. Ist es zu fragen erlaubt," fragte er kaltblütig, weshalb man denn Ihre Mutter in Liverpool ausgezischt hat? In diesem Falle müßte lihre Mutter eine Schauspielerin gewesen fein." Schweigen Sie !" rief der Andere, indem er mit den Fingern auf den Tisch trommelte. 'Ich habe weder ein Wort über Auszischen" fallen laffen, noch rr.ei ner Mutter erwähnt, und ich verbiete Ihnen hiermit, mich weiter zu behelligen." Mit diesen Worten füllte er ein anderes Glaö bis an den Rand mit Punsch und leerte es auf einen Zug. Mir ist eö auch angenehmer, von mei nen Geschäftssachen zu reden," rief der angebliche Weinreisende aus. Sie fchti nen die Englänver zu Haffen l Mir aus der Seele gesprochen, denn ich bin mit Leib und Seele Franzose." Weshalb befinden Sie stch denn im Dienste dieser Liverpooler Weinhändler V Weil sie gut bezahlen und ihre Wein' sorten von so ausgezeichneter Güte sind, daß sie einen Wellruf erlangt haben. Sehen Sie, ich bin vor Allem ein praktischer Mann. Von vaterlandischen Gesin nungen kann man nicht leben.Wie heißenSie?" fragteAtkins plötzlich. Calumet. Das klingt, denke ich fran zöstsch. Sie werden in ganz England einen solchen Namen nicht finden." Was trinken Sie?" Ich ziehe Punsch allen ander?nGeträN' ken vor," erwiderte Lefebre, von einer plötzlichen Idee ergriffen. Wollen Sie ein Glas in meiner Gesellschaft leeren? Glauben Sie mir, ich verstehe mich auf einen guten Punsch. Hier mein Recept: Drei Kannen Rum, drei Kannen Gin, drei Fingerspitzen Pfeffer und eine Muskatnuß. .Diese Mischung ordentlich gekocht, gibt ein ganz vorzügliches Getränk. Mit Waffer und Zucker bleibe man mir vom Leibe." Kaum hatte er seinem Punsch diese Lobrede gehalten, als die Thür sich öffnete und der rothhaarige Diener erschien, eine große dampfende Bowle in den Händen, deren Inhalt aus den Bestandtheilen bereitet war, die sein Herr soeben beschrieben hatte. Der Handel ist abgeschlossen," wandte Calumet sich an den eintretenden Diener. Herr Atkins hat mir zehn Fäffer des besten Portweins abgesaust. Ich komme aus mein gegebenes Versprechen zurück. Ein Faß wird sür Sie mitfolgen." Und ich werde es auf Ihre Gesundheit leeren," sagte, ohne weiter zu danken, der Diener. Herr Calumet, Sie sind sehr groß müthig," bemerkte jetzt sein Herr, den Fremden mit mißtrauischen Blicken mes' send. Wer hat Sie hierher geschickt? Doch wohl nicht gar Harry ?" Atkins hatte diesen Namen rasch hervor-

gestoßen, aber'eö schien, als bereuteer, denselben genannt zu haben, denn er war sichtlich verwirrt und ein unheimlich lau ernder Blick traf den verkleideten Lesebre. Herr Lefebre stellte sich arglo, indem er in erstauntem Tone sagte: Harry? Den Herrn kenne ich nicht. Wer ist derselbe?" Kümmert Sie das ?" gab der Engländer rauh zur Antwort. . O, nicht im Mindesten," erwiderte der vermeintliche Weinreisende. Ich bin zu Ihnen gekommen, weil man mich in Savigny auf Sie als einen Cavalier- auf merksam gemacht hat." Wohl gesprochen !" rief AtkinS auS. Sie gefallen mir. . Wann werde ich die zehn Fäffer Wein bekommen können V In zehn bis 'zwölf Tagen. Ich werde, mir erlauben, beim Empfang der Waare Ihnen einen Wechsel zu Präsentiren, den Sie zu acceptiren haben." Nein, Harry wird ihn acceptiren. Zie hen Sie auf Harry." Ich kenne diesen Harry nicht," versetzte Lefebre gelaffen. Hm, Sie haben Recht," brummte At kins, dann trassiren Sie auf mich. Vor Ablauf eines Jahres werde ich ein CrösuS fein; ja, Harry behauptet sogar, daß ich in wenigen Wochen Millionen besitzen werde." Inzwischen halte sich der Diener ent fernt, nachdem er die Punschbowle und mehrere Gläser auf den Tisch gestellt. Verstehen Sie zu trinken?" sragte Atkins. Ja.Das werden wir gleich sehen. Füllen Sie Ihr Glas ; wir müffen diese Bowle , leeren. Haben Sie Einwendungen dage gen zu erheben, so bestelle ich den Wein ab und weise Sie zur Thür hinaus." Ich werde erst zu trinken aushören, wenn die Bowle leer ist." Dann erhob Lefebre seinGlas und rief : Auf die künftigen Millionen !" Meine Millionen ! Meine Millionen !" wiederholte der Engländer nachdenklich, Ich habe sie noch nicht ! Wer weiß, ob ich sie jemals bekommen werde." Wenn Sie doch der berechtigte Erbe sind, sann Ihnen die Erbschaft nicht ent gehen." Erbe! Wer hat Ihnen denn das gesagt, daß es sich um eine Erbschaft handelt?" Ich vermuthe dergleichen," antwortete Lesebre, seinen Plan weiter verfolgend. Ich erwarte keine Erbschaft, und wenn ich wirklich eine solche erwartete, so dürfte ich doch nicht darüber reden, da man es mir verboten hat." Lefebre biß sich auf die Lippen. Er sagte sich, daß er nicht zu weit gehen dürfe. Atking hatte allerdings unmäßig getrun ken, aber er war noch nicht auf demPunkte angelangt, wo die Geständnisse den Lippen des Berauschten willenlos entströmen. Dieser glückliche Moment war indeß nicht allzufern,denn Atkins schöpfte unermüdlich mit einem großen silbernen Punschlöffel aus der Bowle und sorgte dafür, daß sein , Glas, nach den Regeln echter Zecher, nie leer ward. Lesebre hegte nur die Besorgniß, daß er, ehe er sein Geheimniß ausgeplaudert hätte, sinnlos berauscht sein würde. Laffen Sie uns von etwas Anderem sprechen," sagte Lefebre. Um nach Paris zurückkehren zu können, werde ich bald nach Savigny aufbrechen müffen. StattenSte Paris häusig einenBesuch ab,HerrAlkinö?" Niemals," schrie der Engländer, Harry will es nicht zulaffen." Schade, wir hätten in einem feinen Restaurant speisen und in's Theater gehen können." .. Jn's Theater? Wie, Sie wagen es, in meinem Beisein vomTheater zu reden?" Es ist Ihnen also unbekannt, daß ich selbst Schauspieler gewesen bin, der beste Schauspieler, den England je beseffen hat, und daß ich die niedrige Stufe, auf der die erhabneSchauspielkunst gegenwärtig in -Frankreich steht, von ganzem Herzen verachte ?" Sie stnd selbst Künstler gewesen ?" Ich babe auf allen Bühnen der drei Königreiche gespielt. Ich bin auf den Brettern, welche die Welt bedeuten, gebo ren worden, und zwar hatte meinen Eltern die Ehre, neben den größten Schauspielern wie Kean und Ritchell zu siguriren. Meine Mutter hat sich durch ihre vortreff. liche Leistung der Desdemona unsterblich gemacht. Sie hieß" (Fortsetzung folgt.) London, 12. Jan. Der italieni sche Schriststeller Sylvestre Centosanti ist gestorben.