Indiana Tribüne, Volume 2, Number 21, Indianapolis, Marion County, 3 January 1880 — Page 6

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DaS Geheimniß des Pavillons.

Aus den Papieren e ine sGe Heimpolizisten, von C. Paulovsky. (Fortsetzung.) Entreißen Sie mich meiner Angst, was ist hier vorgefallen?" Sie waren vielleicht eine Stunde fort, -Ihre Tochter schlief bereits, als ein Wagen vor unsereThür hielt, aus welchem eine vornehm gekleidete Dame stieg, die mich mit den Worten anredete : Wohnt hier ein H'err Cambremer, Weichensteller bei der Eisenbahn von Orleans V Als ich diese Frage bejahte, fuhr sie fort : Ist leine Tochter zu Hause?" Sie ist bei mir versetzte ich, ihr Vater ist ausgegangen und hat sie inzwischen meiner Obhut anvertraut." Hierauf erzählte sie mir, ich möge mich nicht ängstigen, allein Sie hätten ldas Unglück gehabt, in Ihrem Amt schwer verletzt zu werden. Sie wären unter die Räder eines Eisenbahnwagens gerathen, Ihr Zustand wäre so bedenklich, daß man nicht gewagt hätte, Sie nach Paris zu transportiren, und daß Sie be fürchteten, sterben zu müssen, ehe Sie Ihre Tochter zum letzten Male umarmt hätten. Aus letzter Ursache betonte sie, wäre sie schleunigst in einen Wagen gestiegen, um Ihre Tochter zu holen." Und Sie haben Pauline erlaubt mitzufahren V Was würden Sie an meiner Stelle ge than haben ? Wie konnte ich annehmen, baß eine Dame, die wie eine Fürstin ge kleidet war, mir eineLüge austischen würde, in der Absicht, das Mädchen zu rauben ? Zu rauben ! Ja, man hat sie geraubt ! Man wird sie tödten : Ich werde sie nie, nie wiedersehen ! Pauline mein einziges Kind, wo bist Du?" rief der unglückliche Vater, indem er wie außer sich in das Schlafgemach seiner Tochter stürzte. Die Thür war angelehnt und Cambremer überzeugte sich zu seinem Entsetzen, daß das kleine Bett leer war. Kraftlos sank er auf einen Stuhl nieder, auf welchem die arme Kleine sich in Eile angekleidet hatte. Der Schmerz übermannte ihn, ächzend barg er sein brennendes Antlitz in seine Hände und rreinte bitterlich. Der Anblick seines Schmerzes änderte die Gesinnung der Wäscherin und ihrer Gehilsinen. Sie brachen in laute Klagen aus wegen des armen Kindes, das Jeder im Hause liebte. Frau Sorhier, welcher der Vater das Wohl seiner Tochter anvertraut hatte, zeichnete sich allerdings weder durchScharfsinn noch durch Intelligenz aus, aber sie hatte ein tresfliches Herz und kaum ward sie inne, welches Unglück sie. angerichtet hatte, als sie sich der größten Verzweiflung überließ, aber endlich erwägend, daß es angemessener seizu suchen, denFehler wie der gut zu machen, als die Hände in den Schoß zu legen, näherte sie sich dem tief, gebeugten Vater und sagte : Kommen Sie schnell mit mir zur Polizei. Ich werde dort den Hergang wahr heitsgetreu erzählen und ein genaues Sig' nalement der Dame sowie ihres Fuhrwerks geben." Wohin fuhr der Wagen ? fragte der Weichenstell-r tonlos. Er lenkte in die Straße ein, welche nach dem Nordbahnhofe führt." Man hat- sie aus Paris fortgeschafft, um sie zu tödten," antwortete Cambremer. Muth, mein Freund," äußerte die Wäscherin. Ich kenne von hier bis zum Bahnhof fast jeden Bewohner, und es sollte doch seltsam zugeh:n, wenn nicht Jemand den Wagen gesehen hätte." Ja. das ist auch meine letzte Hoffnung ; gehen wir," drängte Cambremcr und ver ließ eiligst mit Frau Sorbier das Haus. XXVIII. Die Erbschaftsd ocumente. In einem eigens zu diesem Zwecke gemietheten Zimmer des Boulevard PJtalten saß am "Abend deS nächsten . TageS der Rechtsanwalt Vinet, oder bester Herr Lefebre, welcher auch diese Rolle spielte und blätterte zwischen Papieren umher. Man klopfte an die Thür. Gleich darauf erschienen zwei Männer, Fergon und der Weichensteller Cambremer. Vinet ließ seine Blicke prüfend aus dem AnUitz des Letzteren weilen und fragte verwundert, ob dies der Mann sei, von welchem Fergon ihm eine Schilderung ent

worfen hatte. Er'hatte ihn als einen ein fachen Arbeiter mit ruhigen Gesichtszügen geschildert, und Cambremer hatte verzerrte Mienen, düstere Blicke und flammende Augen. Sein Benehmen war im höchsten Grade aufgeregt. Fergon ließ seinen Herrn indeß nicht lange in Ungewißheit, sondern redete ihn mit folgenden Worten an: Wie ich Ihnen bereits mitgetheilt abe, wünscht dieser Herr wegen einer großen Erbschaft mit Ihnen zu sprechen, wozu sich noch ein anderer Umstand gesellt hat, der nicht vorauszusehen war. Man hat ihm seine Tochter, die Erbin des erwähnten Vermögens, geraubt." Herr Lefebre zuckte bei dieser Nachricht schmerzlich zusammen, ermannte sich aber bald und sagte, sich an Cambremer wendend : Wollen Sie mir den Vorgang schnell erzählen?" Was hätte ich Ihnen zu sagen !" rief Cambremer schluchzend aus. Seitdem man mir mein Kind geraubt hat, bin ich wie wahnsinnig. Ich würde auch uneingedenk des Versprechens, welches ich mei nem Kameraden gegeben hatte, diesen Abend nicht zu Ihnen gekommen sein, wenn mich nicht die Hoffnung beseelt hätte, daß Sie mir vielleicht beim Ausfinden meiner Tochter behilflich sein können." Äie haben wohl daran gethan, sich in dieser Angelegenheit an mich zu wenden," sagte Herr Lefebre, da ich mich hauptsäch lich mit Nachforschungen in Familienan gelegenheiten beschäftige. Sie müssen mir also genau den Sachverhalt mittheilen, mein Herr, zuvor mir aber die Frage U antworten : Ist baS Kind, welches man, wie Sie ansühren, Ihnen geraubt hat, dasselbe, welches ein Anrecht an die in Rede stehende Erbschaft hat." Allerdings. Ich. habe nur daS eine Kind," rief der unglückliche Vater. Beruhigen Sie sich ; vielleicht hat Ihre Tochter sich nur verirrt." O nein, ich betone nochmals, daß man sie mir geraubt hat. Auf der Polizei suchte man mir gleichfalls einzureden, daß ich mich höchst wahrscheinlich getäuscht hätte, da man schwerlich ein armes Kind rauben würde, allein " Haben Sie nicht erzählt, daß daSJhrige Aussicht hätte, reich zu werden V fragte Lefebre lebhaft. Zu welchem Zwecke? Man würde mich einsach verhöhnt haben. Ich habe mich darauf beschränkt, die Polizeibehörde zu ersuchen, nach allen Richtungen der Stadt Polizisten zu entsenden, was mir auch zu gesagt worden ist. Das war gestern Abend. Heute bin ich bereits zweimal auf dem Stadthause gewesen, wo man mir eröffnet hat, daß man sein Möglichstes thue, um meine Pauline zu finden und schon ein genaues Signalement an alle Gensdarmen geschickt habe, ja, und während man auf dem Polizeibureaux schreibt, mißhandelt man mein Kind, ja, tödtet es wohl gar!" Berichten Sie mir den Hergang der Entführung und wann diese stattgefun den ' . Cambremer erzählte, was er wußte. Theilten Sie, als Sie gestern Abend ausgingen. Niemanden mit, daß Sie lange ausbleiben würden?" fragte Herr Lefebre, als Cambremer geendet hatte. Keinem, außer meiner Nachbarin, die darüber mit Niemanden gesprochen hat." Haben Sie Ihrer Nachbarin gesagt, wohin Sie gehen würden V Nein und sie hat mich auch nicht danach gefragt. Ich begab mich nach Boulogne zu einer Madame Barre, deren Name auch auf dem Documente verzeichnet ist, in welchem der Erbschaft erwähnt wird." Ja, und ich habe auch über- diesen Punkt Gewißheit erlangt. Die Tochter der Madame Barre ist mit meiner Pauline nahe verwandt." Es ist anzunehmen," sagte Cambremer, daß man in derselbenAngelegenheit gestern Abend den Versuch machte, das liebens' würdige Fräulein Barre zu derselben Zeit zu entsühren, in welcher man mir meine Pauline geraubt hat." Bei dieser Neuigkeit erblaßte Herr Lese bre, und Fergon, der sie noch nicht kannte, vermochte sich gleichfalls einer Regung des Erschreckens nicht zu erwehren. Wie wir wissen, hatte Fergon, dem Weichensteller von einem Rechtsanwalt Vinet erzählt und wenige Worte von ihm hatten ihn genügt, Herrn Lefebre auch zu dieser Rolle zu veranlaffen, die er mit der jenigen des indischen Nabobs geschickt vertauscht hatte. Auch diese neueVerkleidung war Herrn Lefebre meisterhaft gelungen. In das Gefühl der Trauer, welches

Herrn Lefebre über das versuchte Attentat auf Adeline erfaßte, mischte sich die Em. pfindung einer, man möchte sagen, freudi gen Ueberraschung. Diebeiden Angriffe, welche zu gleicher Zeit auf die zwei Erben deS Majors O'Sullivan stattgefunden hatten, bestätigten die Voraussetzung des erfahrenen Polizeiagenten und ermuthigten ihn, auf dem Wege, den er betreten hat?e, weiter zu gehen. Man hat den Versuch angestellt, das Fräulein Barre zu entsühren?" fragteer und setzte in ängstlicher Hast hinzu, eS ist jedoch mißlungen?" Ja. Glücklicherweise war ich anwe send und schlug mit meinem Stock aus die beiden Räuber los, so daß sie es für ge. rathen hielten, ihre Beute fahren zu lasten und zu entfliehen. Das Fräulein bezeigte eine bewunderungswürdige Geistesgegenwart. Sie ersuchte mich, ihrer Mutter nichts von diesem Ucbirsall zu sagen. Ich bin jedoch nicht gekommen," fuhr Cambre m-.r fort, um mit Ihnen von dem, was in Voulogne geschehe ist, zu reden, son' dern, um Sie zu ersuchen, daS Ihrige zu thun, mir meine Tochter wieder zu ver schaffen." Als der angebliche Herr Vinet sich nicht beeilte,' ihm eine Antwort zu geben, sügte er treuherzig hinzu : Ich bin allerdings nicht reich, aber ich habe mir doch von meiner kleinenEinnahme tausend Francs erübrigt, die ich Ihnen von Herzen gern überweise, wenn Sie mir meine Pauline wieder schaffen. Lasten wir das, bis ich sie gefunden haben werde." Sie hoffen also, sie wieder zu sinken?" rief Cambre'mer aus. Ich übernehme kerne Sache, wenn ich nicht glaube, sie durchführen zu können. Sagen Sie es aber Niemanden, daß ich mich mit Ihrer Angelegenheit beschäftige, namentlich nicht der Polizeibehörde. Letztere würde mir im Wege sein, wie ich ihr. Haben Sie übrigens die Ihre Erbschaft betreffenden Papiere bei sich?" Ja," versetzte Ca?:bremer, in seine Brusttasche greifend. Hier stnd ste, prü fen Ste dieselben genau und handeln Sie nach Ihrem besten Ermeffen." Ich werde Ihnen Ihre Tochter wieder in die Arme führen, verkästen Sie stch da rauf," antwortete Herr Lefebre, indem er die Documente zu sich steckte. D'.rWeichensteller verabschiedete sich jetzt in derselben Aufregung, in welcher er ge kommen war, und Herr Lefebre verließ gleich darauf das Haus, . um . im Grand Hotel wieder als Nabob aufzutreten. Kaum sah er sich daselbst allein, als er sich vor einem mit Kandelabern erhellten Tisch niederließ und die kostbaren Erbschafts documente zu prüfen begann. ' Es war ein dickes Heft, besten kleine durch die Zeit gelb gewordene Schrift sich mitunter schwer entziffern ließ. Als Ueberschrift' las Herr Lefebre folgende Zeilen, welche anscheinend mit zitternder Hand geschrieben waren : AngeIchts des Todes hinterlaste ich diese Aufzeichnungen meiner vielgeliebten Tochter Catharinä, und boffe, daß sie dazu dienen werden, ihr oder ihren Kindern einige Ueberbleibsel deS großen Vermögens zu sichern, das mein in Gott ruhender Vater auf bedauerlicheWeise durch gewagte Spekulation verloren hat." Das Schriftstück war unterzeichnet: Elisabeth O'Sullivan, verehelichte Guichard, und ausgesteellt zu Abbeville am 11. September 1833. Dann . folgte eine Stammtafel, worin die verschiedenen Fa milienzweige ausgezählt waren, der Stammhalter, besten Name mit großen Buchstaben hervorgehoben war : Maurice David O'Sullivan,irländi ' ?cher Edelmann, Capitän der Jnsan terie, geboren im Jahre 1759 zu Dublin, gestorben daselbst am 25. Dezember 1810. Er hinterließ meiner theu ren Mutter, die ihm ein halbes Jahr darauf in's Grab folgte, fünf Kinder nämlich : 1) Jacques Patrice O'Sullivan, gebo ren 1770; ging im Jahre 1799 als Fahnenjunker nach Canada und ist, soviel mir erinnerlich, daselbst meiner Scblacht gefallen. 2) ZlnnaO'Sullivan, geboren 1780, verheirathet 1805 an John Slough, ist im Jahre 1809 gestorben. Meine Schwester Anna hinterließ eine Tochter Julia, die stch in Jahre 1821 mit William Nesley verheirathete und 1828 gestorben ist. Dieser Ehe ent sproß einer Tochter Namens Sophie Nesley, welche im Jahre 1822 geboren wurde. 3) Elisabeth O'Sullivan, ich selbst. Meine Geburt fällt in daö Jahr 1793,

und da ih nach dem Tode meiner Eltern mich aller Mittel beraubt sah, ward ich in das katholische Institut zu Dublin - aufgenommen und daselbst erzogen. Im Jahre 1816 verheiia tbete ich mich mit Pierce Guichard, Kaufmann in Abbeville, den der unlr bittliche Tod mir nach zweijähriger glücklicher Ehe raubte. Ich blieb Wittwe und meine Tochter Catharjfle ist im Begriff, stch mit einem braten jungen Manne, Jean Bernier, zu vi'rheirathen. j 4) Georgina O'Sullivan, geboren 18)1, ist zwei Jahre . später als ich roch Frankreich gekommen. Sie hat sich im Jahre 1818 in Paris mit ejiiem Banquier, Namens Barre, verehelicht und soll diese Ehe mit einer Tochter gesegnet sein, über deren Schickst ich indeß nichts in Erfahrung habe din gen können. T 5) Helene O'Sullivan, meine jürgste Schwester, geboren 1810. Ihre e Kurt kostete meiner Mutter das Lrnn. Ich habe sie seit ihrer zartesten Knd heit nicht wieder gesehen; ihr Looi ist kein beneidenswerthes zu nennen, tnn ste ist gezwungen, in England als ' Schauspielerin von Ort zu Orl zu reisen. Sie hat nämlich einen pH renden Schauspiele Namens Hcrry Fassit.geheirathet. Fassit ?" rief Herr Lef,bre im höchren Grade betroffen auö," so hieß ja diePiata

Dame!" Der Name der ermordeten Dame in rue Panatriere war Maria Faisit demgemäß lag die Vermuthung nahe, das unglückliche Opfer die Tochter Helena OSullivan war. Bestätigte diese Annahme, so lagen die Motive, er nd aß er ich Die das Verbrechen veranlaßt hatten, vollkcm men klar zu Tage. Marie Fassit war'die Nichte des verstorbenen Majors O'Sulli van und folglich seine einzige legitime Erbin. Adeline Barre, seine Großnichte folgte erst auf ste, und auf Adeline Bcirre die Enkelin des Neffen, Pattline Cam bremer. - Wenn Jemand Interesse daran hatte, nach und nach sämmtliche Mitglieder oer Familie O'Sullivan beseitigen zu wisjen, so mußte er nothwendigerweise mit der Ermordung der Marie Fassit beginnen. Sie war ihm in erster Linie hinderlich, in zweiter Adeline Barre und in dritter Linie die kleine Tochter des WeichenstellersCaM' bremer. Tollan war, das schien ihm jetzt erwiesen, die leitende Triebfeder all' der Verbrechen, die stch ereignet hatten. Er hatte seiner Zeit den Stummen in. seinem Wagen entführt, wie er gestern. Abend die kleine Pauline geraubt hatte. Tollan mußte irgendwo im Bahngebiet von Paris eine 'unbekannte Wohnung haben, und bediente sich zur VerÜbung seiner Ver brechen vorzugsweise weiblicher Hilfe. Das war Herrn Lefebre klar, und deutlich sah er den Wög vor sich, den er zu gehen hatte, um den wirklichen Schuldigen zu entlarven. Lesebre ward auS seinenGrübeleien durch den Eintritt seines vertrauten Dieners unterbrochen, der ihn daran erinnerte daß es die höchste Zeit sei, die große Oper zu besuchen, da man, wie er vernommen, bereits den dritten Akt der Hugenotten" begonnen hatte. Das neue Operyhaus stößt an das Grand-Hotel, so daß Herr Lefebre sich zu Fuß dorthin begab, zum großen Gaudium der versammeltenJugend,die seinen präch tigen Anzug und seinen Turban zur Zielscheibe ihrer Scherze machten. DerNabob war indeß an solche Kundgebungen ge wöhnt und ließ stch dadurch nicht im Mindesten stören. Als der Jndier in's Opernhaus trat, erhob sich bereits der Vorhang zum vierten Act der Hugenotten." Man segnete die Waffen und der Gesang des glänzenden und ansehnlichen Chors ließ das ganze Haus erzittern. Die Zuschauer von der grandiosen Melodie Hingeriffen,, wandten sich nicht, wie gewöhnlich, nach dem Nabob um, so daß er diesmal, ohne Aufsehen zu erregen, in seiner Loge Platz nehmen konnte. Er gewann dadurch Gelegenheit, seinen Operngucker unbemerkt auf die Zu schauer richten zu können und entdeckte alsbald in den Vordersitzen des Parquets die Personen, welche er suchte, nämlich Herrn Tollan und die schöne Frau Disney. Arabella war in.glänzender, mit kostbaren Diamanten besetzter Toilette erschienen, während Tollan das Ansehen eines reichen Edelmannes hatte. Sie schienen übrigens der melodiösen Musik von Meyerbeer wenig Geschmack abzugewinnen, denn sie waren im eisrigen Gespräche mit

einander begriffen. Herr' Lefebre M seinerseits um so weniger auf den Ehor , sang, welcher derNiedermetzelung derHr notten vorangeht, als er nur für die E länderin und deren Begleiter Augen hat., Für ihn gipfelte das Drama in der ersti. Reihe des Parquets und nicht ' aus d, Schaubühne, denn jemehr er die Ereignis erwog, desto fester ward er in dem Gla. den bestärkt, daß die Erbschaftsangelege. ' heiten O'Sullivan's mit dem in der n Panatiere verüblen Verbrechen in ens Verbindung standen. ' Tollan hat mich noch nicht entdeä. dachte er. Wüßte er, daß ich ihn beol achte, er würde nicht so viel mit diese Dame plaudern. Was mag er ihr zr erzählen haben? Ich zweifle nicht daran daß er, sobald er mich erblickt, zu mir kom men wird." In diesem Augenblick richteteTollan sein Opernglas noch allen Richtungen des Opernhauses, als wenn er Jemanden suchte und erblickte den Nabob, den cr ehr erbietig grüßte. Letzterem entging es nicht, daß Tollan, wäh:end er stch vor dem vermeintlichen Fürsten von Bahour verneigte, die reizende Frau Disney leise mit seinemArm berührte und daß diese ibm ein Zeichen des Einverstänonistes gab. Der Nabob erwiederte den Gruß nach astatischer Sitte mit würdevoller Gleich gültigkeit und gab sich dabei den Anschein, als sei er tief in die Schönheiten der Meyerbeer'schen Musik versenkt. Er unterließ jedoch nicht, verstohlene Blicke auf daS Parquet. zu richten und sah alsbald, daß Tollan seinen Platz verließ. Nach wenigen Minuten öffnete sich die Logenthür und der Erwartete trat leise herein. Der Nabob empsing ihn mit höflicher Ausmerk samkeit. Em. Hoheit wollen verzeihen," begann Tollan, daß ich Sie während der Vorstellung zu belästigen wage, allein ich muß Sie nothwendig sprechen. Da Madame Disney sich vorBeendigung Ux Opernach Hause begeben will, ist es meine Pflicht, sie zu begleiten, weshalb ich mir erlaube, Ihnen jetzt meine Aufwartung zumachen Wie!" sagte derNabob überrascht schei

nend, Madame Disney würde sich frei willig das Vergnügen versagen, dieses Meisterwerk der Tonkunst bis zum Schluß, anzuhören? Ich muß gestehen, daß mich diese Oper außerordentlich feffelt." Und doch," antwortete Tollan lächelnd glaube ich bemerkt zu haben, daß Ew. Hoheit heute Abend die drei ersten Akte versäumt haben." Ich versichere Sie, daß dieses wider meinen Willen geschehen ist, indem ich durch den Besuch eines Freundes aufgehalten wurde, welcher heute Nachmittag aus Indien hier eingetroffen ist und mir wichtige Depeschen überbracht hat. Ma dame Disney wird doch nicht aus ähnlichen Ursachen das Opernhaus verkästen unö ich " ' Es stnd bei ihr andere Ursachen maßgebend," unterbrach ihn Tollan. Sie sieht stch genöthigt, in Familienangele genheiten nach London zu reisen. Sie hat heute Abend noch Mancherlei zu ord-' nen." Was muß ich hören." Hat Madame Disney die Absicht, für immer in England zu bleiben V Keineswegs; sie wird höchstens eine Woche fortbleiben und mich mit sich nehmen." Wie! Sie verreijen ebenfalls? DaS bedaure ich, natürlich meinetwegen." Es ist mir selbst unangenehm. Ich bitte Sie, zu glauben, daß ich, wenn eS mir möglich gewesen wäre, mich gern von dieser Reise dispenstrt gesehen hätte, denn ich habe einen Widerwillen gegen London gefaßt, aber es ist unmöglich, demWunsche einer schönen Frau zu widerstehen. Ueb rigens habe ich jenseits des britischen Canals einige Privatangelegenheiten zu ordnen, welche die beabstchtigte Reise nicht ausschließlich zu einer Vergnügungstour stempeln. ErlaubenSie mir indeß, Hoheit, einige Worte über die Angelegenheit mit Ihnen auszutauschen, die Ihnen so sehr am Herzen liegt, nämlich die Nachforschung über vorhandene Erben des O'Sullivan' schen T?staments." Die Angelegenheit ruht, wie eS mir scheint, in guten Händen, und drängt eS mich, Ihnen meinen lebhaftesten Dank auszusprechen, daß Sie mir einen so be sähigtrn Agenten geschickt haben." (Forttttzung folgt.) Die Sammlung an der Berliner Börse sür Linderung des Nothstandes in Oberschlesien hatte' bis zum 6. Dez. nur 53,000 Mark (P13,2ö0) ergeben.