Indiana Tribüne, Volume 2, Number 20, Indianapolis, Marion County, 27 December 1879 — Page 5
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Lokal.
An unsere Leser. Wir ersuchen alle diejenigen unsrer verehrlichen Leser, welche ihre Wohnung wechseln, uns ihre neue Ndresse zukommen zu lassen, damit das Blatt zeitlich in ihre Hände gelangt. ' Die Redaktion. Schau um Dich, schau in Dich ! Diese Worte sollten von Jedermann Decktet und beherzigt werden und doch sind e3 leider nur so Wenige, die mit Rücksicht darauf ihr Thun und Handeln einrichten. Wir leben in einer Zeit wo Jeder von Selbstsucht.getrieben, nur sein eigenes Ich m Auze hat, wo Jeder nur seine eigenen Interessen wahrt, meistens ohne Rücksicht aus seine Nebenmenschen. Der eine Theil der Menschheit ist durch unsere beklagenswerthen Verhältnisse gezwungen sclbstsüchtig zu sein, weil er üch nur dadurch vor dem Verhungern hüten kann, und der andere kleinere Theil der Gesellschaft hat es niemals gelernt die Lage Anderer mit der seiniqen zu vergleichen, ja er sieht unsere Gesellschaftsordnung als ein unumstöß liches .Gesetz an, an dem nicht gerüttelt werden darf. Man wird nun allerdings fragen ob es denn gar keineMenschen gibt, die ihren eigenen Vortheil hinlenansetzend, sich auch um das Wohl und Wehe ihrer Mitmenschen bekümmern. Wohl gidt cs solche, aber wenn Ihr sie sucht, so sucht sie nicht in den Palästen der Reichen, sondern in d:n Hütten der Armen. Nur wer schon einmal gehungert oder gefroren hat,, der weiß den Werth des Brodes so recht zu würdigen, der kann es begreifen, was man unter all diesen Entbehrungen zu leiden hat. Die jetzige Jahreszeit und die schlechten Zeiten legen aber Vielen diese Entbehrungen aus und mit trauernder Miene wird' am Weihnachtsabend mancher Familien Vater sein Weib und seine ärmlich geklei deten Kinder betrachtet haben, weil es ihm nicht gleich Andern gegönnt war, seinen Lieben eine kleine Freude bereiten d. h. ihnen ausnahmsweise einmal das Nothwendigste bieten zu können. Für solche Leute ist Weihnachten kein Fest der Freude, kein Fest der Hoffnung, denn an was sollen sie sich freuen, aus was sollen ste hoffen ? Und wenn dann noch ein außergewöhnliches, trauriges Ereigniß hinzutritt, wie dies vor Kurzem eine hiesige Familie Natnens Knolle betraf, so ist das Mcb der Leiden gewiß voll und mit bitterer Web' Muth können sich jene Armen sagen, daß nichts Schlimmeres nachkommen kann. Der Unglücksfall, der jene Familie betrof sen ist aber auch so trauriger Art, daß wir nicht stillschweigend darüber hinweg gehen wollen. 'Der jüngst verstorbene Adolph Knölle war der einige Sohn und die einige Stütze seiner hochbkjahrtenMutter. Knülle ivar Jahre alt und ernährte schon seit einigen Jahren seine alte Mutier und
deren, ebenfalls schon hochbetagte Schwesto, durch seiner Hände Arbeit. Er war .ein zärtlicher Sohn, der nur darauf bedacht war der geliebten Mutterein sorgenj loses Alter, zu verschaffen und den seine & kindliche Liebe zu jedem Opfer für die alte " grau anspornte. Und in feiner blinden Liebe für die alte Frau brachte er schließ 1 lich sein Leben zum Opfer. Knölle hatte nämlich einige Wochen vor seinem Tode 1 um. etwas mehr zu verdienen als nöthig war um dieKosten sür den Lebensunterhalt zu decken, eine Stelle in einer Fabrik an V genommen, bei der er eine Arbeit zu ver i richten hatte, wo es nicht zu verhüten ist, daß der Arbeiter ein äußerst .schädliches ,C Gist einathmet. Schnell batte auch bei diesem Unglücklichen dS schädliche Gift $ gewirkt, da er es, wie sast alle Arbeiter nicht vermochte, sich die nöthige Pflege angedeihen zu lasten, s ' Knölle heirathete drei Wochen vor sei nem Tode und glaubte, daß er durch tv eine dritte weibliche Hilfe im Hauswesen es ,'f der Mutler werde leichter machen können. Aber die sursorgliche Liebe dieses braven Sohnes durste nur von kurzer Dauer sein und da . betrübte Mutterherz empfindet . . ä v . k
jetzt den 5scymerz ur. oas verlorene wui nur um so Herder. )er theure Sohn und der sorgsame Ernährer, miteinem Schlage geraubt .und nichts erhalten, als bittere Armuth ! Die Lage der -jungen Wittwe ist eben falls sehr beklaoensmerth, denn da ihr das frühere Heim durch eine böse Stiefmutter
nicht mehr offen steht, ist sie daraus angewiesen ihr Brod bei fremden Leuten zu verdienen. Falle wie der obige sind allerdings nicht selten, aber wenn sie sich in unserer nächsten Umgebung ereignen sind wir verpflichtet, daraus hinzuweisen, damit-sich Jeder von Zeit zu Zeit zuruf?: Schau um Dich. schau in Dich nach Kräften dazu bei trage die sozialen Uebel zu beseitigen.
Ein Beispiel wie vielfach die Regie rung in Penstons und Bounty-Angele genheitcn beschwindelt wird, bietet folgender Vorfall : Ein gewisser John Eckcrt trat bei Beginn des Krieges in die Armee ein. Als er nach Beendigung des Krieges entlasten wurde, reiste er sofort nach Europa. Kurze Zeit nachher, im Juni 1866. passirte der Congrck ein Gesetz, durch welches den Soldaten eine nachträgliche Bounty von hundert Dollars gewährt wurde. GeglN Ende des Jahres 1877, also nach 11 Iahren, kam Eckert von Europa zurück und erfuhr zum ersten Mal von diesem Gesetz. Er wandte sich nach Washington, um seine hundert Dollars zu bekommen, worauf ihm der Bescheid wurde, daß dieselben schon vor zehn Jahren ausbezahlt worden seien. Eckert wandte sich darauf an den Advokaten Rappaport und diesem gelang es mit vielcr Mühe aufzufinden und unwiderlegliche Beweise dafür zu erlangen, daß sich ein gewisser Reuben Von in New York die AbWesenheit Eckert's zu Nutzen gemacht, dessen Pipicre und Unterschnst gefälscht und die hundert Dollars im Namen Eckcrt's erhal, ten hatte. Nachdem Herr Rappaport sich Über ein Jahr um die Sache bemüht hatte lind nahe daran. war, die hundert Dollars für Cckert zu erhalten, starb derselbe. Herr Rappaport bemühte fich jltzt, das Geld für die in dürftigen Umständen lebendeWittwe zu erlangen, und sieht jetzt endlich nach Verlauf eines weiteren Jahres seine Ve mühungen mit Erfolg geklönt. Herr Nappaport erhielt dieseWoche Mittheilung von der Regierung, dak die Wittwe ihr Geld beim Bundcszahlmcistcr erheben kann. Für die arme Frau jedenfalls ein angenehmes Weihnachtscreigniß. jSr Am Abend des 1. Januars, also am Donnerstag Abend, findet der Neujahrsball des SozialenTurnvereins in der Männerchorhalle statt. Die Bälle des Sozialen Turnvereins erfreuten sich von jeher einer gronenBeliebtheit, weil bei diesen Gelegenheiten stets Munterkeit und turnerischer Frohsinn herrscht. Auch für diesen Ball traf der Verein schon seit lan aer Zeit Vorbereitungen aller Art und wir hoffen, dak er für diese Bemühungen durch recht zablreichen Besuch entschädigt wird. Kein Mitglied und Freund des Sozialen Turnvereins sollie am Donnerstag Abenh in der Männerchorhalle fehlen. jß&- E i n durchtriebener S ch w i ndle r scheint ein gewisier Herr Ludwig Trieft zu sein, ver am letzten Montag verhaftet wurde. Der. junge Mann, der allem Anscheine nach schon seit längerer Zeit für anderer Leute Geld aus sehr großem Fuße lebte, war vor etwa 10 Monaten hier und gab nch damals sür einen sehr talentvollen Journalisten, der nur die grööerpn Zeitungen mit seinen Arbeiten beehrte, aus. Für ein New Vorker Haus sagte er, reise er Nur neben bei, aber nebenbei stellt es sich jetzt heraus, daß daö von ihm bezeichnete Geschäfts haus überhaupt noch niemals cxistirte, Durch seine Vorspiegelungen gelang es dem Scdwindler damals von Herrn Hugo Lefevre 520 zu erschwindeln und demHotel besitze? Herrn Welz schuldet er Noch $35 für die Zeche, die er damals in großprahlerischer Manier recht hoch werden ließ. Trotz alledem bat sich der noble Schwind ler nicht gescheut abermals hier sein Er, scheinen zu machen, wurde aber sehr bald erkannt und bekam ein recht billiges wenn anch nicht sehr comfortables Quartier im Stationshause angewiesen. Seiner be sondern Vorliebe, seinen Namen in dekrl Zeitungen zu lesen, ist nun auch Genüge gethan, wenn auch nicht in sehr schmeichel hafter Weise. Ein Verhör im Polizeige richt wird Trieft heut zu bestehen haben. j&ST Wie gewöhnlich wird auch in diesem Jahre der Manncrchor am Sylvester abend einen Vall in seiner Halle veranstalstalten. Die Mitglieder des Vereins ha den sich bei dieser Gelegenheit immer vortrefflich amünrt und es unterliegt keinem Zweifel, daß auch dieses Mal der Verein Alles ausbieten wird um den Besuchern des Balles ein hohes Vergnügen zu berei ten. Der Sylvesterabend ist die geeignete Zeit um dem Vergnügen zu huldigen und es ist dcsdalb voraus zu sehen, daß der Ball recht gut besucht wird, denn Jeder will doch das neue Jahr vergnügt und im Verein mit leinen Freunden antreten.
Lyra Conccrt.
Für das am letzten Dienstag sia.'tgefun' dene ürjra Concert war die Zeit sehr schlecht gewählt, denn so kurz vor Weihnachten ist fast Jeder mehr oder minder beschäftigt. Dazu noch das furchtbare schlechte Wetter, bei dem man sich nur ungern hinaus wagte, lind trotz allcdcm elflcute sich das Concert eines, ausgczeichneti'n Besuchs, also ein deutlicher Beweis von der Beliebtheit des Vereins. Diejenigen, welche ihre ?lnbäng lichkeit an den Verein durch ihren Besuch bewiesen, wurden aber auch hinlänglich dasür entschädigt. Ein äußerst gewähltes Programm er regte schon die höchsten Erwartungen bei den Zuhörern und sie wurden darin ich getäuscht. Mit der bekannten Sorgfalt, mit der die aktiven Mitglieder der Lyra sie:S jede einzelne Picce einstudiren, wurde auch diesmal jede Nummer dcsProgramms vorgetragen. Das gutgcschulte Orchester leistete wieder Vortreffliches und fand viel Anerkennung. Frl. Hattie Montgomery, die sich an jenem Abend dem hiesigen Publikum zum eisten Mal zeigte, gewann sich gleich die Gunst desselben und erntete durch ihre Deklamationen reichen Beifall und mehrere Bouquets. Das SopranSolo der Frau Barmeier, unterViolinbegleitung des jungen Vogt, gcfie! ganz besonders und die vortreffliche Sängerin und der jugcndliche Geiger konnten die BeifallsbeZeichnungen, welche ibnen gezollt wurden, zusammen theilen. Frau Barmeier legte auch noch mit dem Solo in dem Finale aus Euryanthe" viel Ehre ein. Diese Num mcr war überhaupt eine glänzende Leistung und haben sich dabei auch noch Fräulein Schnull und die jenen Storer und Uebel' mcsser besonders hervorgethan. Unter den Solisten ist auch noch Herr Nrwland, der Pianovirtuose, lobend zu erwähnen. Das Conrert fand in der Mafonlc Halle statt und war wieder ein neuer Erfolg für den strebsamen Verein. Waö soll man trinken ? Im New Jorker Herald" wird eine neue Krankheit beschrieben "tlie tea Drinkers' Disortlcr", ein Nervenleiden, das durch den übermäßigen Genuß von Thee verursacht wird. Man hat ringe hende Beobachtungen über diee Krankheit hauptsächlich unter den New ZZorker Thee Händlern, beziehentlich unter den Thee prodirern angestellt und fast durchgehends dieselben Symptome gesunden: eine in manchen Fallen sehr hochgradigeSchwäch ung der sämmtlichen Organe des Korpers, ganz besonders aber des Gehirns, ein Zustand, der sich vor Allem inAppetitlosigkeit, krankhafter Gereiztheit :c. äußert. Der Artikel hat offenbar den Zweck, zu beweifen, wie lehr .die "Tci Totalere" welche sich auf ihre "cup that cheers but not incbriales'' so viel zu Gute thun, auf den Holzweg stnd. Doch was hier vom Theegenuß gesagt ist. wird von wissenschliftlichen Autoritäten auch bezüglich des Kaffee-Genuffes be' hauptet. Was soll der vorsichtige Mensch da schließlich trinken ? .Wasser? Die Gelehrten stnd sich längst darüber, einig, dak wer Nichts als.Wasser trinkt, Hülflos einer chronischen Dyspepsie verfällt. Whisky? Das reinste Gift!" ruft uns eine ganze chaar von Aerzten zu. Aber Bier, das deutsche Bier ? - Bier macht dumm, fett und träge behaupten viele Gelehrte. Selbst der edle Rebensaft hat unter den medizinischen Autoritäten die heftigsten Widersacher. Also keinen Thee, keinen Kaffee, keinen Whiskey, kein Bier, kein Wein, aber Was? Bleibt also nur noch dieMilch und etwa die Tinte. Schon die Thatsache, daß der Bolksmund von Einem der schwer von Begriff ist, sagt :6r hatTinte getrunken!'laßt daraus schllktzen, daß die Tlnte Nte Aussicht hat. als Getränk populär zu wer den. Nur Milch kann und darf der vor sichtige Mensch trinken, wenn er beabsich tigt, an keiner andern Krankbeit als anAltersschäche zu sterben ? Nein auch die Milch kann den Tod und Verderben bringen. Es kann sich treffen, das Du Fieber und Diphteritis rnd die ersten Anfangsgründe zu einem Bandwurm, sa selbst die Auszehrung mit ihr einschlürsst, ganz abgesehen von der verbrennenden Wirkung der geschlemmten und Schlempe'Milch auf die Säuglinge. Da der Mensch doch einmal oyne zu trinken nicht leben kann und alle Getränke also schädlich sind, so wird der Weise seinem den Vorzug geben, sondern einfach trinken, was ibm schmeckt: Wein, B'er. Tbee. Kaffee. Milch, ja selbst auckSchnops und sogar Wasser. Natürlich wird er nur mäszig trinken nnd daraus sehen, daAlles, was er trinkt, auch von guter Qualität ist.
j&T Die am Donnerstag vorachtTagen stattgehabte Versammlung zur Gründung eines deutsch republikanischen Vereins gab dem Redakteur des Telegraph" Gelegenheit zu Angriffen, Insinuation und Ver läumdungen, wclche um so schändlicher sind, a!s sie auf Lüge und wisscnlliche Entstellung der Thalsachen beruhen. Der früher demokratische, dann rcpubii' kanische, jetzt wieder demokratische Tcle groph"' Redakteur behauptet, dasj die Dr ganisatiou eine vorher abgekartete Sache gewesen sei, daß die Versammlung um j8 Uhr begonnen habe und die Oranisalion schon erfolgt gewesen sei, als die Meisten der Anwesenden kamen. Daran ist nun kein' wahres Wort. Man wartete bis ein Viertel nach acht Uhr. ehe man begann, und Herr Nappoport wurde erst zum Präsidenten erwählt, als Herr Kahn, der zrnst vorgeschlagen war. abgelehnt hatte. Entweder also ist der Telegraph" von seinem Jnsorma. ten belogen worden, oder der Telegraph" lügt selbst. Der Versuch, die Mitglieder der imEntstehen begriffenen Organisation gegen Herrn Rappaport aufzuhetzen, weil derselbe Sozialist ist, so wie der Versuch, die Sache so hinzustellen, als sei die Organi sation durch eine sozialistische Cliqu? er folgt, und als seien viele Republikane? absichtlich mit der Einladung übergangen worden, mag vielleicht sehr schlau sein, aber er ist verächtlich und gemein, weil der Verüber zur Lüge seine Zuflucht nehmen muß. Von einer sozialistischen Clique kann keine Rede sein, denn von allen Anwzsen-
den war Herr Rappaport der Einzige, wel, cher Sozialist ist, und von einer aisichtlichcn Ucbergehung vieler Republikaner zu sprechen ist lächerlich. Wir sind überragt. dab die Zahl der nicht eingeladenen zvberlässigen Republikaner unendlich größer ist, als die Zahl der eingeladenen. - Bei sol. chcn Einladungen ist die Gesinnung nicht der einzige Maßstab. Man wählt mci stens Solche, von denen man glaubt, daß sie Lust haben könnten, politisch thätig zu sein. Daß da mancher Irrthum began gen und Mancher zufällig übergangen wird, ist selbstverständlich und kein der nünftiger Mensch wird dies übel nehmen. Dem Herausgeber desTklegraph" glauben wir seine Angabe, daß sich Republik' ner ihm gegenüber darüber beschwert ha ben, daß sie nicht eingeladen wurden, so lange nicht, als er nicht die Namen der Betreffenden nennt. Die Schreiberei des Telegraph- siebt auch so genau einer Hetzerei gegen die Per iönllchkeit des Herrn Rappaport ähnlich, daß wir, so lange nicht die Namen derBe treffenden genannt werden, auch die Be hauptung. daß sich Viele mit seinerErttäh lung als temporären Vorsitzenden iiujU' frieden erklärt haben, für eine, unlauteren Motiven entspringende Elsindung eiklären. Wenn der Redakteur de Telegraph" insinuirt, daß Herr Rappaport kein .zu vcrlässlger" Republikaner sei, so rothen wir ihm zunächst sich an seiner eigenen Nase zu zupfen. Herr Ruppuport ist Sozialist. Das hat er stets so offen bekannt. daß es alle Welt weiß. Der Sozialismus ist hier zu Lande kaum noch über dasSta dlLm einer aus Grund volkswirthschaft licher Probleme begonnenen wiffenschast lichcn Agitation hinausgekommen, einige schüchterne praktische Versuche hie und da abgerechnet. Bei der in Bezug auf eine Wahl, zum Mindesten in Jndiana, voll ständigen praktischen Bedeutungslosigkeit des Sozialismus, steht bis jetzt einem So zialisten Nichts im Wege, sich zu einer der beiden großen politischen Parteien zu be kennen. Daß der Sozialiömus des Herrn Rap paport auf sorgfältigen und gründlichen volkswirthschaflllchen Studien beruht, hat er durch seine Vortrage und Schriften bewiesen. Daß sein Bekenntniß ausrichtig gemeint ist, daß er jeden persönlichen Vortheil oder Nachtheil aus den Augen las send, sich zu Prinzipien bekennt, von'wel chen er glaubt, daß sie der Menschheit zum Wohle gereichen, daß er sür die arme noth leidende Arbeiterbevölkerung ein Herz bat und nicht auf seinen Vortheil bedacht ist, zeigt der Umstand, daß er mit seinen An sichten zu einer Zeit hervortritt, in welcher dieselben überall auf Vorurtheile aller Art stoßen, in welchen dieselben unpopulär sind, in welcher die Zahl seiner Anhänger nur eine windig kleine ist. Daß dagegen der Redakteur des .Tele graph" in allen volksmirthschastlichen Sachen noch in der größten Unwissenheit schwebt, haben wir ihm schon früher be wiesen. Wie weit der Umstand, daß er
von der demokratischen zur republikanischen Partei gerade dann überging, als Letzterer eine große Zukunft bevorstand, des er so fort wicder zur demokratisch Partei überging, als alle Wahrscheinlichkeit sür einen Sieg derselben sprach, auf seine Zuverlässigkeit, auf seine Uneigennützigkeit, auf seine Hintansetzung jedes persönlichen Vortheils schließen laßt, überlasten wir Andern zur V.urthcilung. Sozialift ist freilich der Redakteur des Telearaph" noch niemals gewesen und wild es auch nieseln. Für Volkswirlh schast hat er kein Verständniß, an die Leh ren d:s großen Nationalökonomen tt.:rl . Marx reicht sein beschränkter Horizont nicht hin, und Aussicht ist nicht vorbanden, daß während seiner Lebensdauer die So zialisien zur herrschenden Partei werden, und der Anschluß an dieselbe von irgend welchem Vortheil ist. Herrn Rappaport muß das Verdienst zugesprochen werden, daß er daraus drang, daß die neue Organisation sich unter ehr lichcm Namen einführe, und nicht, wie der vor vier Jahren von dem Telegraph" Redakteur gegründete deutsche Reform Verein den Zweck hinter dem Namen ver berge. Der Telegraph"Mann ist von dem demokratischen ins republikanische und von dem republikanischen Lager wieder ins de mokratische übergegangen, er hat sich zum Feind der von ihm in verächtlicher Weise Weliverbcsserer- genannten (was hat e r je in seinem Leben verbessert?) Freisinn! qen erklärt, wir sind begierig womit die Reihe seiner Wandlungen abschließen wird. Beim Beginn des neuen Jahres werden viele gute Vorsätze nefaßt, von de nen leider nur die wenigsten ausgesührt werden. Die Turnschwestern sind eifrig da mit beschäftigt, den Kleinen morgen ein recht schönes Fest zu bereiten. Die Weih. nächtSfeier, welche morgen Nachmittag in der Turnhalle stattfindet, wird gewiß ein großes Vergnügen für Groß und Klein werden und wir hoffen, daß dieses Fest viele Theilnchmer sindet. Die Schüler und Schülerinnen der Turn-und Arbeit Schule sollten in keinem Falle fehlen. Der bekannte deutsche Wirth On kel John Giosch wurde am letzten Dien stag verhaftet, weil er einen Brief, den er für einen gewissen Martin vom Briesträ ger ein gebändigt bekam ins Feuer warf. Der Briefträger, welcher dies sah und den dieses Verfahren ungesetzlich erschien brachte HerrnGrosch zur Anzeige, und da rauf hin wurde G. verhaftet. Später. stellte es stch aber heraus, daß Herr Grosch nur den Auftrag des HerrnMartin befolgt hatte, der ihn vor seiner Abreise ganz de sonders anempfahl jeden sür ihn eintref senden Brief sofort zu verbrennen. Herrn Grosch wird es auch nicht schwer werden, die Beweise sür die Richtigkeit seiner An gaben zu verlangen. Einstweilen stellte nt rrr or . f jr. . r. c.i t - : ir- r
er $iuuv ourg,cuasl sur iein rzcuelnen. Der Neinprofit der I. C. & 2. Eilendabn während des Monats Novemder beträgt $46.879,57. vS-.Der Dirieent der Cboral Union, Herr Emil Wulschner, hat reslgnirt. ßg Der Prozrß der Negerin Jane Scott gegen die Stadt" welcher neulich zu Gunsten derKläaerin entschieden wurde. wird jetzt wieder von vorn beginnen, da die Stadt einen neuen Prozeß' bewilligt bekam. 8 Am Sonntag Abend hält dieHar moute eine schöne Weinachlsfeier, bei der es gemüthlich und vergnügt zugehen wird. Margaretha RunZan will von ih rem Gatten Robert Runjan geschieden werden. Der treulose Gatle hat ste schon seit langer Zeit verlassen, und da es nicht denAnscheine hat, als ober wieder kommen wird, will die gekränkte Gattin lieber ganz von ihm geschieden sein. Am Dienstag brannte es in dem Wahnhause der srau ffrazee an der Nord Jllinoisstraße. Das Feuer wurde jeooch bald bewältigt. Edgar Miller wurde dieser Tage in Lasayette verkästet und unter der An klage auf Groß. Diebstahl ins hiesige Sta tjonsbaus gebracht. Er ist veschuldigt em Pferd nebst Wagen aus Dunlap'S Leihstall, entwendet zu haben. , LS Am Sonntag Moraen wurde Wm. Robinson wegen nachtlicher Ruhe störung verhaltet. In Ermanglung des EiseS hat man im D.enison Haus eineRoll-Schkitt schuhbabn errichtet. Also' : ganz an genebme Entschädigung f. iic Schlitt jchuhläuser. LLS" In Jrvington suchte am letzten. Sonntag ein Einbrechernach Beute indem er in mehreren Häusern einzudringe i. versuchte. Derselbe sitzt sktzi hinter Schw und Riegel und wird wohl, sür eine Weile brummen müsten. eSGegenVärtig stp.'o 237 Bewohner im Irrenhause.
