Indiana Tribüne, Volume 2, Number 18, Indianapolis, Marion County, 13 December 1879 — Page 6
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I n d i a n a T r i b ü n e."
Das Geheimiß des Pavillons.
Aus denPapieren einesGe h e i m p o l i z i st e n, von C. Paulovsky. (Fortsetzung.) 3 acht Tagen versetzte der Greis Mit tonloser, verzmeifelterStimme. Rein nein, Gott wird es nicht zulassen, daß man meinen Sohn tödtet, ehe ich gethan, vas in meiner Macht steht, um ihn zu i ten. Halte Dir Bernard . serner zum Freunde und benachrichtige mich sosort, wenn der Cassalionshos sein Urtheil be schleunigen sollte. Was mich betrifft, so werde ich unter einem erdichteten Namen an den Oberstaatsanwalt schreiben, daß ich ihmEnthüllungen zu machen hätte, und den Bries von England abgehen lassen. Man wird sich veranlaßt sehen, die Ankunst eines Zeugen abzuwarten, dessen Aussage alles andern kann, und wir ge winnen Zeit, von welcher allein das Heil meinesSohnes abhängt. Ueberdies glaube ich kaum, daß die Richter die Sache über, stürzen werden, da doch in diesem Prozesse ganz bedenkliche Zweifel obwalten." Fergon verharrte in dumpsem Schwei gen. Er dachte wie Herr Lesebre, gab sich aber nicht gleichen Illusionen hin, und glaubte vor Allem nicht daran, daß die Unschuld des Verurtheilten sich beweisen ließe. Endlich erhob sich der schwergebeugte Vater und sagte mit fester Stimme : Jch wünsche keine Gnade, vielmehr verlange ich eine glänzende Genugthuung. Ich will, daß der wirkliche Mörder bei Pique-Dame seine Strafe erleide und daß ich ihn den Händen der Gerechtigkeit über liesere. Um ihn zu ergreisen, muß ich indessen des Taubstummen habhast werden, dem der Urheber des Verbrechens oder desien Complice zur Flucht verholsen ha-ben.-Mit diesen Worten entließ Herr Lesebre Fergon, begab sich zur Ruhe, aber nicht um zu schlasen,1ondern um noch einmal, zum tausendsten Male, über die Möglich, keit der Rettung seines Sohnes nachzu denken.
' XXIII. Töllan'ö Agent. In Indien pflegen die vornehmen Leute sich spät zu erheben und derjenige, welcher seit einigen Tagen im Grand'Hotel abge stiegen war, blieb bis zur Mittagsstunde unsichtbar. L)as Mittagsmahl wurde von den Kellnern aufgetragen, die sich zu-, rückzogen, sobald sie die dampfenden Gerichte ins Vorzimmer gebrocht hatten. Nach asiatischer Sitte aß der Nabob allein und es war nur seinemDiener erlaubt, ihn zu bedienen. ' Er, wie sein Intendant, lebten Beide ein gezogen, und ihre geheimnrßvolle Lebensweise erhöhte ihr Ansehen bei der Dlenerschast des HotelS, die immer geneigt ist, diejenigen zu verachten, welche sich aus vertrautem Fuß mit ihr setzen. Wenn sich ein Besuch einsand, und dieses geschah häusig, denn reiche Fremde werden fortwährend von Bittstellern be. lästigt, nahm Fergon die Karte schweigend an, überbrachte sie seinem Gebieterund kehrte lautlos zurück, um ihm durch Zei chen verstehen zu geben, daß der Nabob ihn erwartete oder die erbetene Audience verweigere. Dieses Ceremoniell war eben so unveränderlich, wie das Programm des Tages. Am Nachmittagenach der Soiree be: Lady Arabella Disney kündigte Ali dem Nabob einen Besuch an, welcher angeblich von Herrn Tollan geschickt worden sei. Der Jndier nahm auf einem Divan die majestätische Lage an, welche seinem Ran ge gebührte und besaht, den Fremden vorzulassen. Fergon sührte bald daraus in seiner unerschütterlichen Ruhe einen Mann in den Salonden weder sein Aeußeres noch seine Misiognomie empsahlen. Er war abschreckend häßlich und dürstig, fast armlich gekleidet. Sein Antlitz war von einem Vollbart umgeben, der Kinn.Lippen und Wange gänzlich bedeckte und da er eine dunkelgrüne Brille trug, waren seine Augen kaum zu sehen, geschweige denn deren Farbe zu bestimmen. Der Nabob maß ihn mit solcher Aus. merksamkeit, daß er eö unterließ,ihm durch ein Zeichen einen Sitz anzu bieten. Es schien ihm, als habe die Persönlichkeit,
ehe sie sich im Grand-Hotel präsentirte, sich in eine Verkleidung gehüllt, die den Zweck hatte, sie völlig unkenntlich zu ma chen. ; Fergon unterließ auch nicht, Ux'm Hinausgehen seinem Herrn einen Blick zuzu werfen, welcher ihm andeutete : Nehmen Sie sich vor ihm in Acht !" Hoheit begann der Fremde mit dumpfer Stimme und einem deutschklin genden Accent, ich heiße Holz und bin von Herrn Tollan beauftragt, mich Ihnen ' vorzustellen." Ja, ja, ich weiß ich schon," erwiderte der Jndier mit herablassendem, gnädigem Nicken des Kopfes. Setzen Sie sich." Der Andere ließ sich aus ein Fauteuil nieder und begann : Herr Tollan hat mir auseinandergesetzt, was Sie wünschen. Meine Specialität besteht eben darin, abwesende Perso nen betreffs hinterlaffener Erbschaften auf zufinden und ich freue mich gewissermaßen eines Rufes in diesem Genre. Du es mir gelungen ist, viele glückliche Erfolge zu er zielen, hoffe ich auch Ihren Intentionen, hinsichtlich derErben des verstorbenenMa jors O'Sullivan nützen zu können." Man hat mir allerdings mitgetheilt, daß Sie sehr geschickt wären," antwortete der Angeredete, welcher dasGespräch mög lichst in die Länge zu ziehen wünschte, um Zeit zu gewinnen, den Günstling Tollan's zu beobachten. In Geschäftsangelegenheiten bin ich freimüthig nahm der Fremde wieder das Wort, und ich muß Ihnen eröffnen, daß Schritte dieser Art theuer zu stehen kom men! Man hat Ausgaben für Corres pondenzen, Akten und Besoldungen der Agenten zu bestreiten." Ich begreise das," sagte der Nabob, indem er auf den Hut des ihm gegenüber Sitzenden einen fragenden Blick richtete. Der Fremde schien die Gedanken des Jndiers zu errathen und fuhr in ungezwungener Weise fort : Ew. Hoheit glauben zweifelsohne, ich sei zu arm, um das nöthige Geld vorzuschießen und ich beeile mich, Sie eines Bes seren zu belehren. Ich bin allerdings schlecht gekleidet, aber mit Vorsatz, weil es mein System so erheischt. Hätte ich einen eleganten Anzug gewählt, würde man mich nicht für einen eifrigenGeschästsmann halten. Indeß bin ich, obgleich nicht reich, so doch keineswegs arm zu nennen, und wenn ich die Bitte an Eure Hoheit richte, mir ei nen Kostenvorschub geben zu wollen, so ge schieht eö, weil ich nicht aus der Gewöhn heit kommen will. Ich habe mir nämlich zum Prinzip gemacht, daß jeder Client die ersten Auslagen im Voraus bezahlen muß." ' Dagegen habeich nicht das Mindeste einzuwenden," äußerte der Jndier, um so weniger, als Herr Tollan so gütig gewesen ist, mich davon zu benachrichtigen, daßSie nur gegen Provision ihre Entdeckungsrei sen antreten." Provision ist der terminus tecbnicus für solche Zahlungen," versetzte derFremde verbindlich, aber es nimmt mich Wunder, daß EuerHoheit so vortrefflich unsereMut tersprache handhaben." Ich habe mich derselben seit meiner Kindheit bedient und aus Pondichery hatte ich lediglich mitFranzosen Umgang. Keh ren wir indeß zu unserem Geschäfte zurück. Würden Ihnen fünftausend Francs sür den Anfang genügen V fragte der Jndier, indem er ein Päckchen Zanknoten unter einem Kiffen des.Divans hervorzog auf welchem er saß. ' Hinlänglich antwortete der Andere. Wenn die Summe erschöpft sein wird, werde ich nicht veisehlen, Ew. Hoheit, im ter genauer Angabe der Verwendung, davon Anzeige zu machen und mir, falls es erforderlich wäre, einen Zuschuß, zu erbitten." Einverstanden!" sagte der Nabob. Nehmen Sie also vorläufig den . Betrag zu sich." Der Agent streckte gierig seine Hand nach den Banknoten aus, die er nachdem er sie empfangen, hatte in seine Tasche schob. Indem er diese beiden Bewegungen mit bemerkenswerther Behendigkeit au8 sührte, neigte er ehrerbietig sein Haupt, und der Nabob vermochte durch diese Verbeugung zum ersten .Male die Augen des Fremden unter der grünen Brille zu erkennen. Vortrefflich dachte er, ich weiß jetzt, woran ich bin." Und er äußerte mit Würde : Jch darf also hoffen, mein'Herr, daß Sie mir in nicht allzuferner Zeit über die Verwandtendes besten Freundes meines Vaters Nachricht ertheilen, nicht wahr ?" 1
Gewiß, denn die Agentur welche ich be treibe steht auf einer solchen Höhe, daß ich in der Regel sehr schnell an's Ziel gelange. Meine Verbindungen verzweigen sich über alle.Länder. Ich bin jedoch der Ansicht, daß die Nachkommen der Seitenlinie des verstorbenen Majors OtSullivan stch ent weder in Frankreich oder in England befinden. Ehe ich aber meine Nackforschun ged beginne, möchte ich Sie noch mit einer Frage behelligen." Entschuldigen Sie mich aus einen Augenblick, Herr Holz. Ich habe nämlich meinem Intendanten einen Austrag zu ertheilen, und will Sie nicht durch ein Gesprach langweilen, das in indischerSprache geführt wird." Mit diesen Worten erhob sich der Nabob würdevoll, durchschritt langsam den Salon und begab sich in's Vorzimmer. Ali war auf seinem Posten starr und unbeweglich, aber stets bereit, den Polizisten Fergon wieder herauszukehren, wenn der Dienst es erheischte. . Weißt Du, wer derFremde ist," raunte der Nabob ihm in's Ohr. Wahrscheinlich ein Agent Tollan's," antwortete flüsternd der Gesragte. Mehr als das," sagte der falsche indi sche Fürst, es ist Tollan selbst."
' XXIV. Maske gegen Mas k e. Nicht möglich !" rief Fergon au. Ich bin meiner Sach-. gewiß," wiederholte Lefebre. Wenn das der Fall ist, wäre Tollan tu ner der größten Schauspieler auf Erden. In seiner jetzigen Gestalt könnte er sich ge tröst in das Stadthaus begeben und sämmtliche Räume desselben betreten, es würde ihn Niemand erkennen." Vielleicht! Mir gegenüber hat er seinen Meister gesunden. Er bückte sich um mir seinen Dank sür das ihm zugestellte Geld auszudrücken, und bei dieserGelegenheit konnte ich unter seiner grünen Brille seine Augen erblicken. Das genügte mir, um ihn sosort zu erkennen." Wenn er Sie nur nicht wiedererkannt hat." Nein. Ich hielt mich gestern in seiner Nähe Stunden lang in einem Salon auf, der von vierzig Gaslampen erhellt war, und ich versichere Dir, daß er mich vom Kopf bis zu den Füßen mit Adleraugen gemeffen hat. Ich habe aber die Probe bestanden und er hält mich sür einen Na bob der reinsten indischen Abstammung. Wüßte er es, daß ich der Vater seines )p serS bin, er würde sich hüten, mit mir zu verhandeln." Es überrascht mich aber, daß er selbst erschienen ist, anstatt irgend eine zuverläs. sige Mittelsperson zu schicken." Weiler es niche liebt. Jemanden in seineKarten sehen zu lasten, und eben dieser Umstand überzeugt mich, daß ich auf der richtigen Fährte bin. Wenn die Erb folge des Majors ihn nicht so nahe be rührte, er würde stch nicht so viele Mühe geben. Er erwartet mich und horcht aller Wahrscheinlichkeit nach an der Thür. Das wird ihm nichts nützen,da er unser Geflüster nicht verstehen 5ann." Schon gut! Es ist erforderlich, Fergon, daß Du Dich ebenfalls verkleidest und zwar so schnell als möglich um diesem angeblichenAgenten nachzuschleichen; verliere ihn) sobald er dieses Hau? verkästen hat, nicht aus den Augen und statte mir genauen -Bericht ab, wo er bleibt. Er wird schwerlich seine Privatwohnung aus suchen. Sobald Du fort bist werde ich läut-n und der Dienerschaft melden, daß ich für heute nicht mehr gestört zu werden wünsche." Mit diesen Worten wandte er seinem angeblichen Diener den Rücken und öffnete leise die Thür des Salons. Der Fremde hatte seinen Platz nicht verkästen, und als er den Nabob erblickte, erhob er sich ehrerbietig, allein dieser gab ihm durch ein Zeichen zu verstehen, sich zu setzen und nahm selbst in stolzer Weise wieder seinen früheren Platz ein. Sie haben ein Frage an mich zu rich. ten, Herr Holtz?" begann er. Ja, iine Ausklärung, welche unser Ge schäst betrifft und wovon ich mich Igenau informiren möchte, ehe ich meine Nachfor. schungen beginne. Sie haben sich gestern Abend in sehr bestimmten Ausdrücken ge gen Herrn Tollan dahin ausgesprochen, daß Sie beabstchtigten, die Mitglieder der Familie O'Sullivan zu bereichern, und dabei angedeutet, daß eins von ihnen unermeßlich reich werden würde. 'weil der Verstorbene zehn Millionen hinterlaffen
hat, die dem nächstblrechtigten Verwandten der Seitenlinie zufallen müsten. Ew. Hoheit haben ferner erklärt, daßSie Ihr ganzes Vermögen den übrigen unberechligten Erben des Majores hinterlasten würden." Das ist auch mein fester Entschluß bestättigte der Nabob. Sehr großmüthig gehandelt," versetzte der Andere, ich erlaube mir zu bemerken, daß stch mehrere Seitenlinien des Majors finden dürften, ja, es es ist sogar anzunehmen, daß diese Seitenverwandten zahlreich stnd, denn ich weiß, daß der Major vier, Schwestern hatte, die sämmtlich verheirathet waren. Der imVerwandtschasts. grade zunächst Berechtigte wird die zehn Millionen der Erbschaft bekommen und die Enterbten . werden. Dank Ihrer Güte, nicht zu beklagen sein. Immerhin ist aber der Fall nicht ausgeschlosten, daß nur ein einziger Erbeben Major überlebt habe. Dieser würde alsdann enorm reich werden, da er berechtigt wäre, das ganzeVermögen seines Großonkels oder Uronkels zu erben. Er würde demgemäß wohl Ihr Vermögen entbehren können ! Wie denken Ew. Ho heit über diesen Fall ? Beharren Sie darauf, ihm nichtsdestoweniger Ihr Vermögen zu vererben ?" Der Nabob bedachte stch mehrereMinu. ten und sagte dann, seine Worte scharf betonend: Dieser Gedanke ,st mir bis jetzt uicht gekommen. Es schien mir daß eine Fami lie, welche vier Zweige zählt, stch in einem Zeitraume von vierzig Jahren nicht avf ein einziges Haupt reduzirt haben könnte, und ich bin auch zur Stunde der Ansicht, daß sich noch mehrere Nachkommen am Leben befinden werden, die ich mit Reichthum beglücken könnte. Wenn das Blut 0' Sullivan's jedoch nur in den Adern eines Einzigen flösse, würde dieskein Grund sein meine Absicht zu ändern. Erkenntlichkeit richtet sich nicht nach gesellschaftlichen Ver hältnisten und die meinige besteht für Je j den, welcherder Familie des braven Osfiziers entsprungen'ist, der dasLeben meines Vaters rettete. Während er so sprach, verlor er den angeblichen Agenten nicht aus den Augen und bemerkte daß derselbe wie von einer Last befreit, tief aufathmete. Jetzt befand sich Tollan gänzlich in der ihm gelegten Schlinge. Neue Hoffnung erfüllte die Brust des unglücklichen Vaters. Der angebliche Agent schob seine Brille zurecht, indem er begeisterte ausrief: Ihre edle Gesinnung macht Ihnen viele Ehre und es bleibt mir nur noch üb rig, nachdem ich über den wichtigstenPunkt klaren Bescheid erhalten, die Unternehmungen schleunigst zu beginnen. Sie werden mit allemEiser begonnen und fortgesetzt werden und ich ' Werden Ihre Nachforschungen lange Zeit beanlpruchen V unterbrach ihn der Nabob. Allerdings, die Schwierigkeiten sind groß." Ich richte diese Frage an Sie, weil ich die Angelegenheit aus verschiedenenGrün den beschleunigt sehen möchte. Erstlich beabstchtige ich nicht meinen Aufenthalt in Paris auf unbegrenzteZeit zu verlängern; sodann verlangt es mich, die Schuld mei nes Vaters abzutragen. Ich mache Jhnen daher folgendeProposttion : Wir haben noch des Belohnung mit einem Worte gedacht, welche ich Ihnen nach einem glücklichen Erfolg schulde. Sie mögen, sie Summe selbst beziffern. Wie groß ste auch sein möe, ich billige Sie im Voraus ja, ich biete Ihnen an, sie zu verdoppeln, wenn es Ihnen gelingt, innerhalb eines gewisten Zeitraums an's Ziel zu gelangen sagen wir" In einem Monat!" vollendete der Agent. Es wäre mir lieber, in einigenWochen." In einigenWochen daS istkurz. Indeß werde ich Alles ausbieten, um den Wunsch Ew. Hoheit zu erfüllen. Ich er laube mir um keiner Minute meiner kostbaren Zeit zu verlieren, mich hiermit zu empfehlen." , Der angebliche Nabob richte.e einen Blick auf die Tafeluhr,und erwägend, daß Fergon stch inzwischen umgekleidet haben würdet bestand er nicht darauf, ihn länger zurückzuhalten. Hoheit," sügte der Agent beim Abschiede hinzu. Ich werde die Ehre haben, Ihnen Morgen denEntwurf einer geringsügigen Akte zu unterbreiten, welche, wie ich hoffe, Ew. Hoheit unterzeichnen -wer-den." . Ich habe Ihnen auch noch keine Quit tung Über die empfangenen 5000 Francs ausgestellt."
Sie können mir eine solche Quittung gleichzeitig mit der Akte beihändigen, welche Sie mir morgen bringen wollen," äußerte der Jndier, indem er sich zum Zeichen, daß die Audience vorüber war erhob. Tollan denn er war es in der ThatHerr Lesebre hatte sich nicht getäuscht hatte nichts mehr hinzuzufügen, und verließ den Salon. Als er den Fuß aus das Asphaltpflaster der Straße setzte, bog Fergon lauschend um die Ecke des Grand Hotel.
XXV. Versolgt. Fergon war in jeglicher Beziehung ge wandt und brauchbar. Seine frühere Uebung beim Regiment und die' langjährige Uebung im Polizeidienste hatten ihn - ge wöhnt, sich aus jeder Klemme mit Leichtig keit herauszuziehen. Kleider zu wechseln, war für ihn ein Kinderspiel. So hatte er denn auch in einer Viertelstunde den In tendanten Ali in einem im Greisenalter stehenden Bürger verwandelt, der sauber gekleidet und besten Antlitz mit den ersor derlichen Runzeln wohl versehen war. So ausgerüstet, konnte er es kühn wagen, stch den scharfen Blicken des verkleideten GeHeimpolizisten auszusetzen, den er von ! Straße zu Straße verfolgte. In der Straße de la Paix blieb Tollan vor einem Galanteriewaarenladen stehen und zog seine Uhr hervor. Er scheint eineVerzö'gerung zu befürchten," dachte Fergon. Vielleicht will er einen Wagen nehmen." Er täuschte sich nicht, dennTollan wink te den Kutscher eines Wagens heran, wel cher langsam vorübersuhr,öffnete selbst den Schlag und stieg in den Wagen. Tollan hat keinen Wagen auf dem Boulevard genommen, damit man ihm niät folgen kann," dachte Fergon weiter. Der Wagen schlug die Richtung ein, woher Tollan gekommen war. Durch diese Wendung sah Fergon sich gezwungen dem Wagen auss eiligste zu folgen, wobei er spähende, Blicke umherwaf, ob nicht seine Augen auch einen Wagen entdecken möchten." Aber die Straße war wie der ödet. Es war sehr heiß und die Kuscher verlassen bekanntlich bei schönem Wetter ihre Haltestelle nicht um aus's Geradewohl umberzufahren. Es wäre ein Spiel des Zufalls ge wesen, wenn Fergon einen Wagen auf der Straße angetroffen hätte. Unter diesen Umständen blieb ihm nichts anders übrig, als dem rasch dahinfahrenden Fuhrwerk, trotz der brennenden Sonnenhitze, im Laufschrit zu folgen. Unverdrossen folgte erder Richtung des Wagensund hatte endlich die Genugthuung, zu sehen, daß derselbe am Bahnhose zu Orleans anhielt, worauf Tollan oder Holz auf den Perron sprang und stch in den Wartesalon dritter Klaffe verfügte, der von Reisenden ange füllt war. Fergon bemerkte, daß er sich hier in eine Ecke drückte, und wollt stch so eben in seine Nähe schleichen, als seine Au gen plötzlich zwei Personen entdeckten, wel che er hier nicht vermuthete. Der Kohlen Händler aus der rue Panattiere und dessen würdigeEhehälfte traten nämlich geräusch voll unter der Seitenhalle hervor, seufzend unter der Last von Mänteln, Körben,Kas ferollen und sonstigen Hausgeräthen, wovorste sich unterwegs nicht hatten trennen mögen. Bekommt man hier ein Billet nach Aurillac," fragte die Frau. Ja", anlwortetederBahnbeamte, jedoch erst in einer Stunde. Da hast Du es," ries der Kohlenhänd ler aus. Unter diesen Umständen haben wir Zeit genug, unserePasteten aufzuessen, ehe wir uns in den Wartesaal begeben. Nich 'war, Jeanette?" Die Kohlenhändlerin öffnete gerade den Mund, um diesen vortrefflichen Plan zu billigen, als sie plötzlich einen unterdrückten Schrei ausstieß. Verwirrt betrachtete sie eine schlanke, hohe blonde.Dame in ele ganter Kleidung, die soeben aus einem prächtigen Wagen gestiegen war und ' stch nach dem Schalter bewegte. Was hast Du?" fragte ihr Mann. Ehe ste sich indeß zu einer Antwort an schicken, konnte, ersuchte der Beamte am Schalter die Eheleute, nicht länger '.die Pastage zu hemmen und sich mit ihrenSa chen in's Gepäckzimmer zu begeben, wo sie bis zum Abgang des Zuges verweilen könnten.- Sie solgten dieser Aufforderung und Fergon vernahm, als sie an ihm vorübergingen, daß Jeanette zu ihrem Mann sagte: (Fortsetzung folgt.)
