Indiana Tribüne, Volume 2, Number 17, Indianapolis, Marion County, 6 December 1879 — Page 6
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Jüdinn r i b n e."
DaS Gchcimniß des Pavillons.
Aus den Papieren inesGeti e t m p 0 li z i st n, von C. PaulowSky. (Fortsetzung.) Neln, augenblicklich nicht; immerhin ließe sich aber eine solchePersönlichkeit flnden. Ich werde mein möglichstes thun, einen geeigneten Agenten ausfindig zu machen. Indeß darf ich Ihnen nicht verhehlen, daßLeute dieserArt keineswegs um sonst arbeiten. Ja, sie pflegen sogar im terUmständen ihre Dienstleistung sehr hoch anschlagen." Ich werde bezahlen, ttaS man mir abverlangt Dann versetzte ToÜan mit blinkenden , Augen, kann ich versprechen, daß ich Jh nen binnen Kurzem einen thätigen und sehr intelligenten Mann schicken werde. Ein Agent, dem sie eine gute Belohnung zustchern,wird weit schneller und besser arheilen, als alle englischen Advokaten." Das walte Gott sagte der Nabob feierlich, und daSie mir versprochen ha ben, mir diesen großen Dienst zu erwei sen, mein Herr, so werde ich hoffentlich recht bald die Ehre haben, Sie bei mir zu sehen Wo darf ich Sie aussuchen V Im Grand' Hotel". Späzer werde ich mir ein eigenes Palais kaufen, da ich wenigstens ein Jahr in Frankreich verweilen werde. Wir Morgenländer sind an eine kostspielige Existenz gewöhnt, und wenn ich in der nächsten Umgebung von Paris eine stattliche Bllla mit einemParke antraft Es ist mir gerade eine solche bekannt," fiel Tollan ihm in's Wort, welche Ihnen gefallen könnte und wenn es Ihnen ange nehm ist, werde ich nicht ermangeln, anzu' fragen, ob man geneigt wäre, sie zu ver lausen." In der That, mein Herr, sie überhäu sen mich mit Verbindlichkeiten, so daß ich kaum weiß" Die Clomplimente des Nabobs wurden plötzlich durch Madame Barre unterbrochen, welche die brasilianischen Diplomaten soeben an einenSpieltisch geführt hatte und jetzt wiederkehrte, um dem Stern der Soiree ihreAufmerksamkeit und ihrLächeln zu widmen. Hoheit", sagte sie, indem sie alle ihre Reize entfaltete, meine Freunde zürnen Herrn Tollan, daß er sie so ausschließlich mit Beschlag gelegt hat. Spielen Sie Hazard V Ich kcnne dieses Spiel allerdings," erwiderte der Jndier, man spielt es mit besonderer Vorliebe inPondichery, aber ich bin kein Freund davon." SpieienSie vielleicht ein anderesSpiel. beeilte sich Arabella zu fragen. Ja, aber das Spiel welches mir am meisten gefällt, ist. Sie werden lachen, das Spiel, mit welchem sich die arme Frau nie Panattiere, die Pique-Dame" die Zeit vertrieb als sie ermordet wurde. Ich meine: das Patiencespiel." Die Antwort des JndierS brachte bei sämmtlichen Anwesenden ein Frösteln hervor. Niemand hatte eine solche Anspie lung auf das begangene Verbrechen, wo von Paris seinerzeit so voll war, er' wartet. . Arabella schien namentlich ergriffen, da sie, wie alle Engländerinnen, sehr gefühl' voll war, und diese Worte ihr die Verur theilung in's Gedächtniß riefen, welche sie vor einigen Tagen gegen einen hübschen jungen Mann hatte ausiprechen hören. Schir Sahib bemerkte, wie sehr seine harmlose Andeutung die hübsche Herrin dieses gastfreien Salons aufgeregt hatte und er beeilte sich, das,waS er gesagt hatte abzuschwächen. ' Ich spiele Patience," nahm er wieder das Wort, wenn ich mich in meinem Palast ZU Bahour allein befind. Hierüber bin ich gern, bereit, mich am Hazardspiel zu betheiligen." Die Taille ist soeben beendet in welcher der arme Gustav Delorme seinen ganzen , Einsatz verloren hat," äußerte eine reizende Wfrtwhin Yiftx T?nmn Termin? 5?. VVllVliiVf VV.M, W. Qs v " comte sührte. Seine Hoheit wild ihn vortheilhast er setzen," rief Tollan aus. Der, Jndier bot der Blondine seinen Arm und sührte sie an den Spieltisch. Inzwischen unterhielt Tollan sich leb hast mit Madame Disney. Sie sprachen
über den Nabob von Bahour, für dessen Person sie sich sehr zu interessiren schienen und Madame Disney horchte auf, als Tollan ihr die Mittheilung machte, daß derJndier ausschließlich in der Absicht nach Fran'reich gekommen sei, um denNachkommen des Majors O'Sullivan Millionen zuzuwenden. Es war begreiflich, denn Tollan war ein praktischer Mann, ver inmitten der rauschenden Vergnügungen nie seine geschäftlichen Beziehungen aus dem Auge ließ, und Madame Disney war eine vertraute Freundin Tollans. Die letz' ten Worte, welche sie an ihn richtete, lauteten : Es läßt sich aus der Art, wie er sein Geld verlieren wird,annehmen, ob er wirklich ein Krösus ist." Tollan neigte zustimmend seinen Kopf und.drängte sich zu dem Nabob hin. Shir Sahib hatte Hermine Lccomte als Nachbarin und war mit ihr in den Pausen in eine interessantePlauderei verwickelt. Die Spieler empfingen mit Enthusiasmus diesen Barquir, der aus dem Schooße des Orients zu ihnen kam. Ein Mann, der von den Gestaden Golcondas in Paris eingetroffen war, mußte Schätze mit sich sühren. Der Jndier nahm aus feiner Tasche ein Porteseuille, worin sich ein Paket Bank billets tausend Frcs. befand, sowie ein längliches Contobuch. Ich erwartete nicht, an diesem Abend zu spielen," sagte er im gleichgültigsten Tone, und habe deßhalb nur einige tausend Francs bei mir. Hier ist indeß mein Chcquebuch auf Rothschild lautend, und ich bitte die geehrten. Damen und Herren, ihr Spiel nicht nach der mäßigen Summe, die ich in Banknoten mitgebracht habe, einzurichten." Ein schmeichelhaftes Beifallsgemurmel begleitete diele kurzeAnrede. Alle Spieler bereiteten sich auf einen ersten Angriff vor. Es ist in der That ein Nabob, dachte Tollan, deffen anfänglich, gegen den Indier gehegtes Mißtrauen immer mehr schwand, obschon er sich eines unbehagli chen und unerklärlichen Gesühls nicht erwehren konnte, welches zweiffellos dieErinnerung an die P!queDame und das Pa tiencespiel in ihm erweckt hatte. Der Jndier schien sich in dem heiteren Kreise, der sich in dem Hause der Madame Disney versammelt hatte, überau? behaglich zu fühlen. Selbst an dem Spiel schien er Gefallen zu finden, denn er kündete mit heiterer Stimme an, daß er den größten Einsatz annähme und fügte großmüthig hinzu, daß er das Wort der Damen schon als solchen betrachten werde. Letztere benutzten dieseErlaubniß denn auch sehr sreigiebig, jedoch hals sie ihnen nicht zur Realisirung ihrer Wünsche, denn. seit dem ersten Schlag war das launenhafte Glück dem Nabob günstig. Er gewann und gewann und gewann immerfort. Seine Gegner um sich für ihren Verlust zu decken, verdoppelten, ja verdreifachten ih ren Einsatz, allein die Karten schlugen stets zu Gunsten des Bankhalters. Es war für die Spieler eine völlige Niederlage. Nach Zwei Stunden hatte der Jndier über circa dreißig tausend Francs gewonnen und tU wa ein Dutzend reizender Damen waren ihm obendrein erhebliche Summen schul dig geblieben. Tollan hatte dreitausend Francs verloren. Arobella war zu ihrem Glück so besonnen gewesen, sich nicht am Spiel zu betheiligen, und hatte sich be gnügt, als Zuschauerin zu fung'ren. Nach aufgehobenem Spiel raunte Tollan ihr ins Ohr: Er ist kein Betrüger, ich verstehe mich auf dergleichen und habe ihn während des ganzen Spiels nicht aus den Augen gelasten." Der Nabob, in seinem Siege bescheiden, nahm eine Taste Thee aus den Händen der MadameDisney an, aber entschuldigte stch trotz der dringenden Einladung sür das Souper, und nahm in artigster Weise von der Gesellschaft Abschied, indem er ver sprach, den Besiegten bald Revanche geben zu wollen. Tollan gab ihm durch die luxuriös ausgestatteten Gemächer das Geleit m.d betonte nochmals, daß er stch bemüben werde, eine geeignetePersönlicheit zu suchen,welche die Nachforschung nach denErben des Ma lors anstellen sollte. Die Equipage des Nabobs hielt vor der Thür, ein prächtiger Landauer mit Kni scher und Bedienten in auffallend reicher Livree. Der Diener öffnete fernemGebie ter ehrerbietig denWagenschlag, und dieser nahm Anlaß, ihm zuzuflüstern : 2jch bedaure es nicht, Madame Disney einen Besuch abgestattet zu haben, denn
ich habe mit Tollan eine lange Unterre dung gehabt und wichtige Auiklärung er halten."
XXII. V ä t e r l i e b e. Im Salon der Madame Disney konnte man den stattlichen Greis mit vollem Recht für einen Nabob halten. Wenn jedoch ei ner der Gäste Arabella's ihm im Grand Hotel in vertraulicher Unterhaltung mit seinem Diener belauscht hätte, würde er seine Nationalität sehr in Zweifel gezogen haben. Der fremdartige Accent, den der Jndier im Gespräch affektirte, war ver schunden, ja er drückte sich jetzt mit voller Geläufigkeit in der französischen Sprache aus. Die Liebe eines Baters für seinen Sohn war es, die den. früheren Agenten und geschicktesten aller französischen Ge beimpolizisten zumNabob vonBahour uM' gewandelt hatte. Entschloffen, bis auf den letzten Augen blick thätig zu sein, um die Unschuld seines Sohnes zu beweisen, war cr zu der Einficht gelangt daß er sich zu diesem Zwecke einer pomphuftenKleidung bedienen müsse. Nach längerer Berathung mit Fergon wählte er die einer solchen Person, welcher man regierungsseitig keine politische Bedeutung beilegte. Paris wird alljährlich von mehreren Dutzend ausländischer Fürsten besucht, die mehr oder minder Millio näre sind. Um diese Rolle durchzusühren, genügte es, über ansehnliche Summen zu verfügen und daß der angemaßte Titel sich in Ordnung befand. NachdemLefebre in kurzer Zeit sein Äermögen realistrt hatte, sah er sich im Besitz der Mittel, um dem Aufwande eines Für sten entsprechen zu können, und begab sich wenige Tage nach der Flucht des Taub stummen nach London, wo er die Papiere und Orden eines zu Grunde gerichteten Fürsten, der.nachdem er entthront worden, nach England gereist war, um dort sein Glück zu versuchen, für eine entsprechende Summe ankaufte. Fergon, der ihn Ibe gleitet hatte, verwandelte ihn vom Kopf bis zu den Füßen in einen indischen Für sten, den Nabob von Bahour und sich selbst in deffen Diener. In dleserVerklei dung, tie in jeder Beziehung unübertreff lich war, hielten nun Beide in prunkhastcr Pracht ihren Emzug in das GrandHote! der Residenz Paris. Die Zeitungen künbeten an, daß der Nabob von Bahour in Paris weile, und weder die Polizeibehörde noch das Ministerium des Auswärtigen ahnten es, daß diesePersönlichkeit nur eine erkaufte Herrlichkeit war. Lefebre hatte nicht .ohne Absicht das Grand-HÄtel zur Wohnung erwählt, denn es finden sich in dieser unermeßlichen Karavanenherberge Reisende aller Nationen, und es herrscht aus den Corridors und Treppen ein fort währendes Hin- und Hergehen, welches den Bewohnern gestattet, sich sowohl befm Ein wie bel'm Ausgang unbemerkt unter die Meng", zu mischen. .Der Nabob hatte übrigens gleich bei seiner Ankunft mit einem Schein dieses Rechts deklarirt, daß die Bediensteten des Hotels nicht seinVorzimmer betreten durf. ten, welches ausschließlich von seines Indentanten Ali eingenommen wurde. Da es allgemein bekannt ist, daß asiatische Prinzen es nicht gern seben, daß Ungläu bige sich ihrer Person nähern, fand Keiner diese Anordnung auffallig. Lefebre hatte sie jedoch in derAbsicht getroffen, damit? keine fremde Person zu ihm Zutritt erhalten konnte, ohne zuvor von seinem Intendanten angemeldet zu werden. Es ging Alles nach seinem Wunsch und er war ganz besonders mit. der Soiree zufruden, von der er soeben zurückkehrte. Sie glauben aio, Herr Lcsebre," sagte Fergon, daß Tollan die beiden Mordthaten verübt hat?" Ich glaube es allerdings. Wo aber sind die Beweise ? Nur in einem Punkte bin ich meiner Sache gewiß, daß Tollan und diese Madame Arabella Disney unter einer Decke spielen. Ich hörte ihn zu ihr sagen : Der Nabob ist eine willkommene Beute für uns !" Werden Sie bald wieder mit ihm zu sammentreffen V Sehr bald ; er ist vollkommen über zeugt, daß ich nur deßhalb nach Europa gekommen bin, um die Erben des Majors OSullivan zu suchen. Er hat mir versprochen, mir einen Agenten schicken zu wollen, der die ersorderlichenNachforschungen anstellen wird, das heißt, gegen eine reiche Belohnung. Im Uebrigen legte er seine Worte ersichtlich auf die Waagschale und hat sich im Gespräche mit mir auch
durch keine Miene verrathen. Eins ist mir indeß ausgefallen. O'Sullivan, des. sen Erben, sowie die Freundin und Verkündete Tollan's und die Pique-Dame stammen sämmtlich aus England. Tollan ist wenigstens zur Hälfte Engländer. Ich muß suchen, die Nachkommen des Majors O'Sullivan kennen zu lernen, denn wenn zum Beispiel Marie Faffit mit ihm der. wandt gewesen wäre, würde stch die Sache von selbst ergeben." Leider", seufzte Fergon, haben unsere Nachforschungen in London rns über die' sen Punkt keine Aufklärung verschafft." Paris ist delOrt wo wir suchen müssen, mein Freund," sagte Herr Lkfebre und fügte dann mit trüber Miene hinzu, .hast Du nichis Neues van Bernard ,vernommen V Nichts Besonderes. Er hatsich mit dem Wächter Ihres Sohnes verständigt, ihm
täglich über den Zustand des Gefangenen Nachricht zu geben. Ihr Sohn soll seine ganze Zeit mit Schreiben zubrisgen." Mit Schtelben wiederholtk der Greis unruhig, denn er besürchtete.daß selnSohn die Eindrücke eines zum Tode Berurtheilten dem Papiere anvertrauen' nöchte und zitterte bei dem Gedanken, daß man viel leicht seine unbedachtsamen Werte, welche die Verzweiflung ihm ei, flößen vürde, als Zeugen seines Schuldbcwußtsens gegen ihn gebrauchen könnte. Es wahr ihm aus seiner früheren Thätigkeiten wohlbekannt. daß sich in ' den GesängN'ßmauern nichts verheimlichen läßt und iaß man eben so gut Augen sür schristliche Feständ niste wie man dort Ohren hat, un u be dachtsam entschlüpfte Aeußerung! aufzu' sangen. .Ja," versetzte Fergon, es scheint, daß er an seine Braut in Boulogne einenBries abfaßt. Ach, das armeJräulein. Sie ist so herzensgut! Wi? freundlich empfing sie mich, mich, der ich gekommen war,, um ihren Verlobten zu verhaften !" Schweige !- rief derGreis aus. Siehst Du denn nicht, daß Deine Worte mir das Herz zerreißen?" Entschuldigen Sie Herr Lefebre, die Erinnerung ist stärker als ich selbst. Jene Scene schwebt mir unablässig vor Augen und ich vergcste, daß ich Ihnen Kummer bereite, wenn ich in Ihrer Gegenwartda von spreche." ' Es entstand eine längere Pause. Herr Lefebre war in diesem Augenblick so be wegt. daß es ihm Mühe gekostet haben würde, die Rolle eines Nabobs angemessen zu spielen. Zu seinem Glück sah Fergon ihn nicht weinen. HatBernard," begann er endlich, Dir gesagt, wie man auf der Präseltur über meinen Sohn urtheilt?" ' Es machen sich die verschiedenstenStrö mungen geltend," antwortete Fergon zö gernd. Die Richter stnd der Ansicht, daß, wenn die Regierung das Gnadengesuch abschlägt, dieses ihrer Sache dienlich sein lrürde, da das Verbrechen in der nie Panattiere sämmtliche Zeitungen und Zei tungsleser in solchen Aufruhr versetzt, daß man eine exemplarische Sühne verlangt hat. Das Publikum meint, daß, wenn ihr Sohn begnadigt würde, es nur dem Umstände zuzuschreiben daß er der Sohn e nes reichen und angesehenenMan ncs wäre und man wird ohne Ursache beHäupten, daß dasGesetz nicht. fürAlle gleich sei, eine eben so große Thorheit wie Ungerechtigkeit ! Denn wenn man will, daß das Gesetz sür Alle gleich. sein soll, wie darf man wohl die Schuld eines Mannes aus der Ursache herleiten, daß er von seinen Zinsen lebt?- " .Eine treffliche Justiz führwahr," sagte Herr Lesebre bitter, die über das Leben ; derer, die das Unglück haben, auf die Anklagebank geführt zu werden, nach ihren mehr oder weniger günstigen Privatver hältnisten urtheilt." Und er fügte mit erstickterStimme hinzu: Wie viel Zeit bleibt uns. noch übrig?" Ein Monat, Herr Lefebre," murmelte Fergon, falls nicht, wie' dies mitunter durch besondere Cabinetsordre geschieht, der Castationshof Befehl erhält, d'e Sache schleunigst zu erledigen. Die Angelegen heit des Arztes zum Beispiel, welcher, wie Sie misten, im vorigen Jahre seine' Frau mit Arsenik vergiftete, ward macht Tagen erledigt." (Fortsetzung folgt.) Spanien hat 92 Herzoge, 866 Marquis, 632 Grafen, 92 Viscountes und 93 Barone., In gesammt Großbritannien giebt es 900 Personen, welche die Titel Herzog, Marquis, Carl, Viscount, Baron und Lord führen, hiervon haben nur 400 Sitze im Hause der Lcrds.
Arbeit als Waare.
Ein Portrag bon serrn Rappaport. (Schluß.) Welch ein Hohn auf unsere Civilisation ist Kinderarbeit. Die mildesten, die un wissendsten, die viehischsten der uncivilistrten Völkerschaften, welche in den Wild, nisten Afrika's leben, oder welche vor 200 Jahren in den Vereinigten Staaten leb ten, zwangen nicht zehn- oder zwölfjährige Kinder, nicht nur , sür ihren eigenen Le bensunterhalt, sondern auch sür den Un terhalt der Aeltern zu arbeiten, aber in unserem Zeitalter der arbeitsparenden Maschinen, muß das Kind arbeiten, damit die Eltern, wenn auch noch so nothdürftig leben, können." Ein Dollar per Tag für den Arbeiter bedeutet absolute Armuth, selbst wenn er jeden Wochentag im Jahre beschäftigt ist; es reicht, hin, um dafür Brod zu kaufen, und Wasser ist billig, aber der Mensch kann nicht von Brod und Wüster allein leben." Jahre beständiger Arbeit, verbunden mit Gesundheit und Kraft, und dem Wil len Lu aibeiten, bieten dem Arbeiter leine Garantie, daß s er im Falle der Heim suchung durch Krankheit nicht zum Bettler wird, oder daher, wenn seine.Kmder ster ben, nicht der Wohlthätigkeit derGemeinde zur. Last sällt." . Können wir behaupten, daß der Ärbei ter sreiwilllg .stch in diese Lage begiebt, und für den Bettellohn arbeitet ? Können wir sagen, daß Fraurn und Kinder freiwillig zehn Stunden täglich in der Fabrik arbeiten? Wenn nicht, was kann man dagegen einwenden, wenn ich die Lage des Arbeiters Sklaverei nenne? Und ist es nicht Thatsache, daß der. Sklave, welcher gefüttert und gekleidet, und wie ein werth volles Stück Vieh behandelt wurde, bester daran war. als der sreie Lohnarbeiter, zum Mindesten in leiblicher Hinsicht? Besteht die Freiheit des Lohnarbeiters in etwas Anderem, als in der Wahl zwischen Verhungern oder dem Fügen in die Tyrannei des Kapitals ? , S o z i a l i s m u s. Es ist die Absicht und der Zweck des Sozialismus, diesen Zuständen ein Ende zu machen, und an die Stelle der gegen wältigen Gesellschaftsordnung eine solche zu setzen, in welcher Jeden dss Resultat seiner Arbeit gesickert ist, in welcher Jeder ein menschenwürdiges Dasein zu sühren im Stande ist Trotzdem nun gegen eine derartige Absicht, besonders von Seiten des MenschensreundeS doch absolut nichts eingewendet werden kann, so wenden stch doch Viele, entweder mit vornehmenAchsel zucken, oder gar mit verächtlichen Aufdruck vott den Sozialisten ab. Der Grund dafür ist in der Unkenntniß sozialistischer Grundsätze und den daraus entspringenYen Vorurtheilen zu suchen. Der Eine muthet uns zu, daß wir alles Eigenthum theilen wollen, der Andere schiebt uns utopistischen Kommunismus in die Schuhe, und der Dritte nennt unsere Bestrebungen Unstnn, weil wir selbst nicht wissen, was wir wollen. Unsinn sind aber in der That alle diese Vorwürfe, der unsinnigste aber wohl der, welcher bchauptet, wir wollen theilen. Man schaue stch nur die stattliche Reihe von Männern an, welche der Sozialismus als seine Vertreter auszuweisen hat. Da ist vor Allem Karl Marx, der Begründer der Sozialwisten schast, der scharsstnnigste Kritiker der politischen Oekonomie. Da ist Lasalle, ein Mann desten umfastende Bildung auf allen Gebttten derWistenschast kaum von irgend einem seiner Zeitgenogen. bestritten wird ; Engels, oer schärf beobachtende Forscher auf dem Gebiete der Arbeit; Liebknecht, einer der bedeutendsten Journalisten der Gegenwart, dann Bebel, Most, Geiser, Hastelmann, lauter Männer, deren wissenschaflliche Bildung auf einer hohen Stufe steht, halten Sie diese Männer wirklich einer so absurden wahnsinnigen Idee sähig, wie es die Theilung alles Eigenthums ist? Es wäre in der That lächer lich, über einen solch' abgeschmackten Vorwurf viel Worte zu verlieren. Eher ver dient noch der Vorwurf des Communismus eine Berücksichtigung, aber auch dtese nur Solchen gegenüber, welchen dic Um stände es nicht möglich machen, sich mit wistenschastlichen Problemes eingeben. Vom Gebildeten kann man schon vertan gendaß er nicht in das große Horn stößt, sondern eine wissenschaftliche Idee von unpraktischen Versuchen zur Ausführung derselben zu unterscheiden weiß. Weiß er es nicht, so .ijt er eben um wevuoeler. Dem Sozialismus gegenüber ist es außer dem eine Thalsache, daß selbstViele, welche ' , - , -r v
