Indiana Tribüne, Volume 2, Number 16, Indianapolis, Marion County, 29 November 1879 — Page 6

6 I n d i a n a Tr ib ü n e."

DaS Geheimniß des Pavillons. AuS den Papieren eineSGe h e i m p o l i z i st e n, ' von C. Yanlovsltz. .

(Fortsetzung.) Diese Publikation, welche in. England seit vielen Jahren im Gebrauch, aber in Frankreich ungewöhnlich ist, hatte einen überraschenden Elfolg aufzuweisen, denn schon am nächsten Tage lieferte man im Justizgebäude den Brief ein. welchenChar ltS an Marie Fastit geschrieben hatte, dessen Vorhandensein die Richter und dieGe schworenen hauptsächlich von der Schuld de Angeklagten überzeugte. Kurz, der ausgezeichnete Geheimpolizist steuerte mit vollen Segeln dem Hafen desGlücks entge gen. , Sein Name sigurirte übrigens nicht ein einziges Mal in den Prozeßakten und er war, da man ihn nicht als Zeugen citirt hatte, im Audienzsaal desCriminalgerichtö bei der Verurtheilung des Herrn Charles Lefebre glücklicherweiser auch nicht zugegen gewesen. Seine zahlreichen Freunde hatten deßhalb nicht ausgehört, ihn für einen vollkommenen Gentlemann zu halten, des sen einzige Lebensausgabe darin bestand, sich seines Daseins zu freuen. ' Der Salon des Herrn Tollan vereinigte einen glänzenden Zirkel von Lebemännern, reichen Ausländern und Modedamen. Unter den letzteren machte sich namentlich eine reizende Erscheinung bemekkbar, die erst vor Kurzem nach Paris gekommen war und einen selbst für Paris ungewöhnlichen LuxuS entfaltete. Ihre Diener und Dienerinnen waren auf daS Glänzendste gekleidet, und ihre Empfangszimmer U suchten Herzöge und Grafen, die sich glück lich schätzten, ihre schönen Hände küsien zu dürfen. Herr Tollan verkehrte daselbst sehr häufig und als er eines AbendS, kurz nach Charles Lefebre's Verurtheilung, sich mit einer ausgewählten Gesellschaft bei ihr eingesunden hatte, öffneten sich plötzlich die weiten Flügelthüren deS Salons und ein reich galonirter Diener kündigte pomphast an: .Seine Hoheit, SchirSahib, Nabob von Bahour .Dieser ausländische unbekannte Mann erregte Sensation unter den Eingeladenen der Frau ArabellaDisney. so nannte sich die Fremde, welche die Chronik de high lise wegen ihrer Eleganz und Schönheit mehr als z. malS feierte. Sämmtliche Blicke richteten sich erwar tungsvoll aus den vornehmen Herrn', den man aus eine so prunkvolle Weise antun digte und die höchste Neugierde prägte sich in den Mienen der Anwesenden aüö. Die Damen unterbrachen für einen Augenblick ihre Unterhaltung und daS Hazardspiel ward ebensalls unterbrochen. allerdings nur für kurze Zeit. Hauptsächlich war es Tollan, welcher mit allen Zeichen der gespänntesten Erwartung aus dem Gesicht dem Eintreten des vornehmen Fremden . entgegensah. Der Eingetretene war ein Mann von majestätischer Gestalt, desienKleidung nach indischer Sitte in Seide, Gold und Diamanten prangte. Sein Gewand, sein schneeweiser, langer Bart, sein gebräunter Teint und seine blitzenden Augen sicherten ten dem Nabod sogleich das Wohlwollen und die Sympathie der eleganten Damen. DieMänner fanden, baß er eine vornehme Miene hatte und sich gewählt und ungezwungen zu benehmen .verstände. Die Hausherrin empfing ihn mit auögezeichne ler Höflichkeit und dankte ihm für die Annähme ihrer Einladung, die sie an ihn ge richtet hätte, ohne dab sie die Ehre gehabt, ihn zu kennen. Arabella Disney machte eine Speciali tät daraus, ausländischen, vornehmenPer sönlichkeiten, die nach Paris kamen, um sich zu zerstreuen, ihr Haus zu öffnen. Sie . stand mit sämmtlichen Hotelbesitzern in Verbindung und es gelangte kein asiiati scher Prinz oder überseeischer Millionär nach Paris, an den sie nicht ein zierliches Billet absandte, sie mit seiner Gegenwart zu beehren. Kaum war sie daher unter richtet worden, daß der unermeßlich reiche Nabob vonBahour die französischeHaupt stadt mit seinem Besuche beehrt habe, als sie sich beeilte ihn einzuladen, und, als er ihre Einladung angenommen. ihreFreunde .und Freundinnen zu benachrichtigen, daß Seine Hoheit am Donnerstag ihrem Em pfangöabend beiwohnen werde. Man hatte

dem indischen Fürsten bereit im Gerichts saale die höchste Beachtung geschenkt, und seine Gegenwart bewirkte daher eine solche Anziehungskraft, daß die weiten Räume, welche Arabella im Boulevard Häußmann bewohnte, kaum die herbeiströmendenGäste aufnehmen konnte. Diese vornehme Engländerin halte sich erst vor vier Monaten aus den ChampSElyseeS, bei Jagdpartien und in den 'tnodernen Theatern gezeigt. Sie war direkt aus London gekommen und da sie glänzende Equipagen und glänzende Toilletten hatte, fand sich Niemand veranlabt, nach ihrer Herkunst zu forschen. ES verbreitete sich übrigens sehr bald daS Gerücht, daß sie sich wegen einer Skandalscene von ih rem Gemahl, einem reichen und hochangesehe.nen englischen Lord, momentan getrennt habe, und daß ihr Aufenthalt in Frankreich überhaupt nur von kurzerDau er sein werde. Herr Tollan, welcher sie jenseits des Kanals hatte kennen gelernt, liefe es sich ganz besonders angelegen sein, dieses Gerücht zu verbreiten um der schS nen Lady Disney die Thüren einer Welt zu öffnen, in welcher er sich bewegte. Er gehörte nicht zu den Letzten, die sich dem reichen Fremden näherten, welcher soeben eingetreten war und derKönigin dieses He benSwürdigen Kreises seine Huldigung darbrachte. Er redete ihn in englischer Sprache an, da er dachte daß diese Sprache jenem geläufiger sei als die .französt sche. Der Nabob antwortete zwar im nämlichen Dialekt, aber mit einem Accent, welcher nicht englisch klang. Da ich der englischen Sprache nicht so machtig bin, wie Sie, bitte ich Sie, künftig daS französische Idiom zur Konversation erwählen zu wollen. Ich bin nicht in den Provinzen geboren, welche England in Ostindien besitzt, sondern in Pondichery und ich habe mich aus Patriotismus nie dazu entschließen können, die englische Sprache perfekt zu erlernen," sagte der Jndier. dieses patriotische Gefühl macht Ew. Hohheit Ehre," antwortete Herr Tollan, der überrascht schien. Und ich darf mich glücklich schätzen äußerte Lady Arabella, dab Ew. Ho heit 'mich nicht allzustreng beurtheilen, denn ich bin Engländerin mit Leib und Seele." 0 antwortete der Nabob heiter, ich treibe meinen Patriotismus nicht so weit, die Schönen unseres Landes zu beleidigen, zumal, wenn sie, wie Sie, Mylady, Körn ginen der Schönheit sind." Dieses Kompliment, ' welches er ihr ins Gesicht sagte, ward sehr beifallig aus' genommen, und eö konnte überdies für aufrichtig gelten, weil Lady Disney noch sehr schön war, obgleich sie die Grenzen der ersten Jugend bereits überschritten hatte. Sie besaß hochblonde Haar, eine blen dend weiße Haut, schwellende Lippen und blaue, glänzende Augen. Dieses herrliche Ensemble ward ein wenig durch ihre Phi flognomie beeinträchtigt, die keinen- sreien Blick kennzeichnete. Arabella schenkte denjenigen, welche mit ihr ein Gespräch an knüpften, ein bezauberndes Lächeln, sah aber Niemanden offen in das Gesicht. Sie lächelte den Nabob. an und bereitete eine graziöse Erwiderung vor, als man zwei Attaches der kaiserlich brasilianischen Gesandschast ankündigte. Diese tranSat lantische Diplomaten zählten zu ihren in timsten Freunden, webhalb sie sich, um sie gebührend zu empfangen, eher von dem indischen Fürsten entfernen mußte, als sie gewünscht hätte. Herr Tolan, den ich die Ehre habe, Jh. nen vorzustellen, wird entzückt sein sich Jh nen zur Versügung zu stellen,". sagte Ärabella anmuthig und verneigte sich. . Welch' eine hinreißend Frau !" rief der Nabob auS. Kennen Sie die Dame näher, mein Herr?" Näher ist eben nicht das zutreffende Wort," antwortete Tollan artig. Lady Disney ist sehr gastfrei und ihr Haus ge staltet sich zu einem der angenehmsten in Paris. Ich bin hierein häufiger Gast, weil man sich unterhält und ich gebe mich der Hoffnung hin, daß wir uns in diesen Räumen häufiger begegnen werden, da ich vermuthe, daß Sie eine Vergnügungsreise unternommen haben." Meine Reise vertheilt sich in eine Ver gnügungS. und eine Geschäftsreise," ver setzte der Nabob. UeberdieS liebe ich eS sehr, die Sitten uud Gebräuche der Länder, welche ich besuche, zu studiren. Ob schon Bürger einer französischen Kolonie, habe ichFrankreich noch nie gesehen. Seitdem ich hier bin interresiirt michAlle, von den gesellschaftlichen Formen an, welche ich

heute Abend vertreten finde, bis zu derArt, wie man in Frankreich Gerechtigkeit übt. Mit wahrer Leidenschaft, habe ich die Debatten deS ProzeffeS .gegen den Mörder der PiqueDame verfolgt. : Aber sagen Sie mir, mein Herr, wie denken Sie über den jungen Mann? Halten Sie ihn deö angeklagten Verbrechens schuldig V Ich glaube es entgegnetederGefragte ausweichend. Mich dünkt, es waren einige dunkle Punktein dem Prozesse, welche die Richter nicht aufgeklärt haben WaS mich betrifft," erwiderte Tollan, muß ich Ew. Hoheit gestehen, daß ich mich um den Prozeß wenig gekümmert habe. Jedoch entsinne ich mich, von einem Briefe gehört zu haben, den der Verurtheilte an die ermord'ete Dame gerichtet haben soll." Und welcher ibn schwer compromittirt. Es ist wahr. Ich bitte . Sie jedoch um Verzeihung, mein Herr, einen so ernsten Gegenstand zur Unterhaltung gewählt zu haben.' Und da sie Frau Disney, wäh renddeffen Sie in ihrem Salon die Hon neurs macht, vertreten wollen, wage ich es, Sie zu bi ten, mich in die Gesellschaft ein zuführen. Ich. bin allerdings wegen meines vorgerückten Alters wohl nicht an dem rechten Platze, aber ich verhehle es ih nen nicht, dab eS mir großes Veagnügen bereitet. Wenn man reich ist und obendrein ei nen so hohen Rang bekleidet, wie Sie, Hoheit," antwortete Tollan mit verbind!!' chem LSchem, ,ist man in Paris immer jung. DaS ist die Ansicht sämmtlicher Damen, welche jeden Donnerstag sich hier vereinigen, und da sie mir gestattet haben, Sie. ihnen vorzustellen " O, mit Vergnügen. Bevor ich indeß von Ihrem zuvorkommenden Anerbieten Gebrauch machen darf, ist es nöthig, ein wenig von meiner eigenen Person zu spre chen, da sie mich sonst, wegen der Ursachen, die mich antreiben, daS PariserLeben mehr zu genießen, als es einem Greise, zusteht, mißverstehen könnten. Ich bin der letzte meines Stammes, da ich dasUnglück hatte vor Kurzem einen Sohn, den ich zärtlich liebte, zu verlieren." Herr Tollan gab seineSympathie zu erkennen. Der Nabob fubr fort : In Indien besitze ich ein großes Vermögen, das an den Staat zurückfällt, wenn ich nicht darüber verfügt haben werde, und ich möchte dieses den Nachkommen einesMannes zuwenden, welcher vor vielen Jahren meinem Vater das Leben gerettet hat. Leider kenne ich die Nachkommenschaft nicht, und eben,um diese zu entdecken bin ich nach Europa gekommen Ich würde mich glücklich schätzen. Ho heit, Ihnen dienen zu können," nahmTollan lebhaft dasWort, indem er bereits eine günstige Gelegenheit witterte, durch AuSbevtunig seinesTalentS alSSpion eine große Summe Geldes zu gewinnen. ,Jch danke Ihnen mein Herr," erwiderte der Jndier, und ich bin überzeugt, daß Sie bei Ihren zahlreichen Bekanntschaften mir kostbare Ausklärungen werden verschaffen können. DerFreund meines Vaters war Offizier in der englischen Armee. Er hieö O'Sullivan." .O'Sullivan!" wiederholte Herr'Tol lan. Sie meinen doch nicht etwa den Major JaquesO'Sullivan, welcher im 33. Regiment der Infanterie zuBombay diente und zu Poonah im Jahre 1811 gestorbenist?" . Wie! Sie misten das?" rief der Nabob erstaunt auö. Kennen Sie denn auch seine Familie und seine Erben V DaS Antlitz des Herrn Tollan hätte in diesem Augenblicke einem geschickten Maler zur Studie dienen können. Es drückte gleichzeitig Erstaunen, Begierde und Unruhe aus. Das Erstaunen war indes überwiegend und er hatte auch Ursache, überrascht zu sein. DieNachkommenschaft deS MajorS O'Sullivan bildete eine ßebensfrage für ihn. Er hatte London verlasten um stch dieser großen Aufgabe ungestört widmen zu können, und, bis jetzt sich gegen Niemanden darüber ausgelaffen. Plötzlich sah er sich nun einemFremden gegenüber, der eigenS in der Absicht Pondi chery verkästen hatte, um die Erbendes Majors aufzufuchkn. Tollan sah die un ermeßliche Erbschaft schon im Geiste als seinEigenthum. Wenigsten hatte er eine Mine zur Ausbeutung vor sich, eine goldene Mine, dieweil reichere Ausbeute al eine kalifornische versprach. Inmitten seiner Nachforschungen war dieserFremde er schienen, der ihm nicht nur keine Concur renz zu machen drohte, sondern vielmehr angedeutet hatte, sein Vermögen denNach-

kommen des verstorbenen O'Sullivan vererben zu wollen. Diese Abstcht verdiente Rücksichtnahme und während Tollan dem Nabob gegenüber in diesem Sinne besten Jntereste zu wahren . verhieß nahm er stch vor, mit Klugheit zu manövriren,und sich vor allen Dingen darüber Gewißheit zu verschaffen, ab der indische Fürst keine Hintergedanken hegte. Hoheit begann er nach einer Weile, Sie scheinen erstaunt zu sein, mich in die ser Angelegenheit so wohl unterrichtet zu finden, und Sis konnten in der That nicht erwarten, in diesem Salon einem Fremden zu begegnen, dem der Name eines Offizierö welcher vor etwa60 Jahren in einer Entfernung von mehr als taufend Meilen vonParis, gestorben ist, genau bekannt ist. Ich muß Ihnen indeß eröffnen, daß ich lange in England gel?bt und dort die Bekanntschaft einesDirektsrs der ostindischen Compagnie gemacht habe, welcher mich oft von dem Major O'Sullivan und hauptsächlich von dess?n Nachkommenschaft unterhalten hat." Er hat Vermögen hinterlasten?" fragte der Nabob mit unverändeter Miene. Ein sehr bedeutendes Vermögen," entgegnete Tollan, welcher vorsichtig seine Worte auf die Waagschaale legte, und dieses Vermögen hat den Erben bis jetzt nicht ausgesolgt werden können, aus der sehr einfachen Ursache, da man nicht weis, waö auö ihnen geworden ist. Alles, was man weiß, ist, daß der Major vier Schwe stern befaß, welche sämmtlich Kinder hatten. Aber sie sind imElend gestorben und die Kinder zerstreut und verschollen. Weßhalb habe ich diese traurige Geschichte nicht eher erfahren seufzte der Jndier. Man hat zu verschiedenenZeiten Nachforschungen angestellt, aber immer zu spät. Das Vermögen des Majors entspringt aus dem Verkauf von Ländereien, welche er in Canada besaß und die bei seinenLebzeiten fast werthlos waren." Auf diesem Tetrain ist eineStadt erbaut und der Grund viele Jahre nach seinem Tode mit Gold aufgewogen worden. Das erklärt die Unmöglichkeit des Verwalterö der Erbmasse, die Erben zu entdecken. Ich müßte . sagen, den Erben", denn es kann nur von einem ein zigen die Rede sein. Nach dem englischen Erbschaftsgesetze schließt nämlich der nächst' berechtigte Erbe in der Seitenlinie sämmtliche übrige Erben auö. Angenommen also, es besände . sich noch .ein Neste des Majors O'Sullivan am Leben, so würde er ihn beerben, zum Nachtheil eines Groß' nessen, dem Enkel einer anderen Schwester des Majors. DieserGroßnefse würde wieder vor einem jüngeren Großneffen den Vorzug haben, und so welter." Ich bin Ihnen sehr dankbar, mein Herr, es ist wohl nicht denkbar, daß Je. mand die Situation einer Familie, für die ich daS größte Jntereste hege, klarer zeichnen könnte, wie Sie, und ich werde mich vorkommenden Falls Ihrer Aufklärung bedienen." Dürfte ich bitten, mir zu lagen wel chen Gebrauch Sie mit diesen Ausklärungen machen wollen?- sagteHerrTollan. des sen Mienen bedenklich erschienen. Nichts einfacher! Wenn daS Geschick mir gestattet, einen Neffen seitens des Freundes meines Vaters aufzufinden, so werc ich mein Gesammtvermögen . unter diejenigen vertheilen, die nach dem Gesetze von der Erbschaft ausgeschlossen sind. Leider ist das nur ein Traum, dem ich nachhänge!" Wer kann daS wiffen, sagte Tollan lebhaft. Aber Sie haben mir doch vorhin eröff net, daß alle angestellten .Nachforschungen sich fruchtlos erwiesen bätten ! Wie würde es mir, der ich aus dem fernen .Indien komme, wohl gelingen, einen Erben zu entdecken, dem englische Behörden vergeblich nachgesorscht haben V Allerdings, wenn Sie allein suchen würden, wäre es zweifelhaft, ob U an'6 Ziel gelangen möchten. Ein Anderer kann ja aber, an Ihrer Statt, die erforderlichen Nachforschungen anstellen." . Ein Anderer ? Ist Ihnen vielleicht eine zuverlästigePerson bekannkt, der ich diesen Auftrag übertragen könnte?" (Fortsetzung folgt.) -

-London, 24. Nov. DemStandard wird von Madrid gemeldet, daß die &; Kaiserin Eugenie sich gestern nach ' dem Wohnhause ihrer Männer begab und bei der Leiche betete.

Arbeit a l S Waare. Sin Vortrag von Herrn Rappaport. (Fortsetzung.) -5 Würde der Fabrikant dem Arbeiter daS volle Aequivalent für feine Arbeit bezah len, so wäre.dieS ein Austausch gleicher Werthe, und der Fabrikant hätte keinen Vortheil. . Der Fabrikant muß .deshalb

wenlger, als den vollen Werth der Arbeit zahlen. Nun haben wir gesehen, daß der Preis der Arbeit in dem besteht, waS eS dem Arbeiter kostet, zu leben, zu arbeiten und Familie zu haben. ES scheint also linrnRiiItrh ihm tnnttv in inMn ßÄ st niiuivgiiuf; igm IVlitlfcJl QU QUtftfcll. 'i" . aber mcht unmöglich sür lbn, mehr zu arbeiten. Jede Minute Arbeit, welche über das Aequivalent sür das Quantum gesellschaftlicher Arbeit hinausgeht, welche in , dem enthalten ist, waS der Arbeiter im. Stande tst, für seinen Lohn zu kaufen, ist unbezahlte Arbeit, ist des Fabrikanten Ge winn. . Angenommen nun, daß der Arbeiter im Stande ist, für seinen Lohn, sich die nothwendigen Bedürfniste des Lebens nach Maßstab seiner Lebensha'tung anzuschafsen, so hat der Betrag in Dollars und Cents für unsere Untersuchui'g keine Bedeutung, da die Löhne mit den Kosten der Lebenserhaltung steigen und fallen. Die Frage ist, welches Quantum gesellschastlicher Arbeit ist nothwendig, um das hervorzubringen, was der Arbeiter für seinen Lohn zu kaufen im Stande ist. Die Statistik bietet uns wenig Mittel zu dieser Be. rechnung, doch ftnden wir hie und da eine Andeutung. In dem Berichte des Bureaus.sür Arbeits'Statistik von Ohio sinden wir Folgendes. Die Anzahl der Arbeiter in fünf Industriezweigen, nämlich :, Kutschensabriken, Schuhfabriken, Möbelfabriken, Eisengießereien und Schmelz werken war im Jahre 1878 in Ohio 22,362. Der Werth der von ihnkn erzeugten Produkte belief sich auf $35 322,241, der Werth des verbrauchten Rohmaterials auf $16,623.382. Die 22.362 Arbeiter schufen also Neuwerthe zum Betrage von $18,798,859. Der Lohn, welcher während deS Jahres an sie ausbezahlt wurde, belief sich aber nur auf $9.837.765, also.nicht viel mehr, als die Hälfte. Wer bekam die andere Hälfte? Nach'Profestor Leoni Levi .beläust sich der Werth des jährlichen Arbeitsertrages des Vereinigten Britischen Königreichs auf 745 Millionen Psd. St. Zur Erzeugung destelb:n sind 10.697.000 Personen beschästigt. -Der Durchschnitts'Ertrag der arbeitenden Bevölkerung beläuft sich demnach aus 69 Pfd. St. per Kopf. Dagegen beträgt der durchschnittliche Arbeitslohn blos 38 Pfd. St., also ungefähr bis Hälft. Am deutlichsten 'zeigt sich der Gewinnan--theil des Capitals an dem Produkt der Arbeit bei Verträgen unter dem Metayer System, wobei der Pächter des Grund und BodenS an den Besitzer die Hälfte des Ec. trageS als Pachtzins abgiebt. Wir sehen also, daß' das Capital in seinen verschiedenen Formen die Hälfte der Arbeitsprodukte in Anspruch nimmt, daß den zehnstündigen Arbeitstag als Basis genommen, der Atbetter bloß fünf Stun den zu arbeiten nöthig hat, um das zu er zeugen, was er selbst verbraucht, daß weniger als fünfstündige Arbeit Aller genügen würde, sämmtliche Bedürfniste der Menschheit zu erzeugen, daß der Arbeiter bei zehnstündiger Arbeit bloß für fünf Stunden bezahlt wird, daß er bei zehn stündiger Arbeit bloß fünf Stunden sür sich und fünf Stunden für das Capital arbeitet. Diese fünf Stunden Arbeit bilden seinen Verlust, jedes Atom von MuSkel und Gehirn, daS er in diesen fünf Stunden verbrauchend von ihm verloren und vom Capital gewonnen. Wie ich im Eingange dieses Capitels bemerkt habe, wird dieser Verlust in der Zahl der Jahre ausgedrückt, welche der Arbeiter an der durchschnittlichen Lebensdauer verliert. Englische, deutsche und französische Statistiker zeigen, daß die durchschnittliche Lebensdauer des Arbeiters einschließlich seiner Familie, je nach Lokalität und Verhältnisten 15 bis 20 Jahre beträgt. DaS kommt daher, weil in industriellen Ländern bloß die Hälfte der Kinder derArbeiter da zweite Lebensjahr erreicht. Die durchschnittliche Lebensdauer der besser sttuirten Elasten beträgt 35 bis 40 Jahre. Die Familte nicht in die Berechnung gezogen, ist die durchschnittliche Lebensdauer des ArbeiterS 30 bis 35 Jahre, die deS bester SiWirten 45 bis . 55 Jahre. Wäre der Arbetter ,m Stande, ebenso gut zu leben und zu wohnen, ebenso viel Ruhe und Erholung zu genießen, wie der Fabrikant und Kaufmann, dann würde er eben so lange