Indiana Tribüne, Volume 2, Number 11, Indianapolis, Marion County, 25 October 1879 — Page 6

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I !! d i a l! ll T r i b ü tt e."

DaS Gchcimniß des Pavillons.

Aus denPapieren eine ZG e h e i m p o l i z i st e n, von C. Paulow. (Fortsetzung.) Adeline wird mir niemals verzeihen murmelte Charles, anstatt auf diese leb haste Aufforderung zu antworten. Du schweigst !" rief verzweifelt sein Va ter, Du haft also kein Mitleid mit mir mit Deiner Braut !" -' Gott allein sieht ins Herz-Gott wird mich richten. Ich habe nichts . weiter Lu meiner Entschuldigung vorzubringen als das, was ich schon gesagt habe." Du bestehst also darauf, daß das Portrait Dir nicht gehört, baß es vielmehr oh neDein Wissen inDcine Brieftasche gesteckt worden ist?" .Ja." Was aber trieb Dich nach der Morgue in Verkleidung?" Thörichte Neu'gierde, und da ich nicht wünschte, unter der Menge aufzufallen, bediente ich mich eines einfachen, schlichten Anzugs." Das läßt sich vertheidigen," 'versetzte Herr Lesebre, ersichtlich durch'die Fasiung die sein Sohn seit einigen Minuten zeig te, erfreut. Was bedeutet aber die auf einem Spieltisch ausgebreiteten Karten, die man in Deiner Privatwohnung ent deckt hat?" Eine Erinnerung," antwortete der junge Mann zögernd. . Eine Erinnerung an was? Du hast darüber seither nie ein Wort, gegen mich fallen lassen. Wie gesagt, eine Erinnerung an Deutschland. In Heidelberg woselbst ich studirte, verliebte ich mich in die reizende Tochter eines Theologen. Wir waren häusig Stundenlang allein sie liebte es, eine Partie Patience zu machen, um zu er fahren, wann wir uns heirathen würden. An demTage, an welchem ich ihr ankündi gen mißte, daß ich nach Frankreich zurück kehren würde, überraschte ich sie bei diesem Spiel, dessen Karten ihr prophezeit ' hatten, daß sie bald meme Gattin werden würde. Sie bestand darauf, daß ich die ses eigenthümliche Unterpfand des Glücks mit mir nach Frankreich nehmen und öas Spiel in meiner Wohnung in derselben Ordnung aus einem Tische ausbreiten und dort so lange ausbewahren sollte, bis mein Vater zu diesem Bündniß .seine Einwilligung ertheilt hätte. Ich war noch, ver liebt, als Du mich zurückriefst, und ich interesiirte mich wider meinenWillen für dieses Kartenspiel. Es sind jetzt sechs bis sie. den Jahre verflossen, seitdem das Patience in einem kleinen Zimmer meinerWohnung geordnet dasteht." Hast Du diesen Umstand dem Untersu chungsrichter nicht mitgetheilt?" Welchen Nutzen hätte das gehabt? Er würde doch nur geglaubt haben, daß die Geschichte ersonnen sei. Uebrigens wird man eine so unbedeutende Spielerei nicht zur Basis einer ernsten Anklage benutzen können." Darin pflichteich Dir bei und man wird es auch schwerlich wagen,richterlicherseits dasHaupt einesMenschen um desientwillen zu beanspruchen, daß in einem bei ihm befindlichen Spiel Karten zusällig die Piqe.Dame. gefehlt hat. Wie verhält es sich aber mit dem Couvert eines Briefes, den man bei der ermordeten Dame gefunden hat? Es wird behauptet, die Adresse sei von Deiner Hand geschrie ben." Man irrt sich." Und der Polizeidirektor, welcher Deine Stimme erkannt hat? Und der Polizeibeamte, derDeineGestalt undDein Costüm recognoscirt hat?" Sie irren sich Beide." Sein Vater war setzt mehr als überzeugt, daß sein Sohn unschuldig sei, da er ihn noch nie bei. einer Lüge ertappt hatte. Mein theuerer Sohn," sagte er lebhast der Schein klagt Dich an und es wird der Zeit bedürfen, ehe die Wahrheit an den Tag kommt. Du wirst von nun an von Deinem Vater und jeglicher Gesellschaft getrennt sein, denn nach den gegen Dich sprechenden Indizien darf ich mich sür's Erste nicht mehr der Hoffnung hingeben, mit Dir zusammenkommen zu können. Fahre fort. Dich mit Besonnenheit zu ver theiLen und verliere nicht den Muth.

Man wird gegen Dich arbeiten doch ich, ich werde für Dich thätig sein und den Beweis zu führen suchen, daß man Dich rni schuldig in Verdacht gebracht hat. Du bezweifelst, daß es mir gelingen wird ?" fügte der Greis, welcher in den Gesichts, zügen seines Sohnes las, hinzu, das macht, daß es Dir unbekannt geblieben ist, daß es.früher mein Amt war, Geheimnisse aufzuklären. Ich habe es bis jetzt äugst lich vermieden, Dlch davon in Kenntniß zu setzen, daß ich mich früher auch gericht lichen Nachforschungen unterzogen habe, und ich würde diesen Umstand Dir auch verschwiegen haben,sofern ich nicht annähme, daß dieseNachricht zu Deiner Beruh! gung Uenenwerde." Ich wußte das," murmelte der junge Mann. Wie, Du wußtest es ? Woher hast Du das erfahren?" rief Herr Lefebre unbefonnen aus. ' Ich fand eines Tages, zwischen Dei nen Papieren blätternd, eine Ausweiskarte der Polizeibehörde, die Deinen Namen trug." Wäre ein Blitzschlag zu den Füßen des Herrn Lefebre niedergefahren, er hätte nicht betäubter da gestanden als in diesem Moment, wo er diese Antwort erhielt, die er selbst herausgefordert hatte. SeinSohn hatte soeben eingeräumt , daß er im Besitz einer Ausweiskarte der Polizeibehörde gewesen und dieses Geständniß hatte der Polizeidirektor, welcher an der Wand des Ne benzimmers horchte, vernommen. Der unglückliche Gefangene hatte dadurch die ganze Wirkung vernichtet, die seine offen herzigen Antworten und die Beharrlichkeit seiner Verneinungen aus einen Mann bewirken mußten, desien Zeugniß so sehr ins Gewicht fiel. Konnte, mußte man nicyt annehmen, daß diese Karte mit derjenigen identisch sei, die der Mörder dem Poli zisten Fergon vor der Gartenthür des Pavillons der nie Panattiere vorgezeigt hatte? Indeß hoffte der trostlose Vater noch, durch eine Zusatzerklärung das Uebel ab schwächen zu können, weshalb er ängstlich sagte: . Du hast mir doch nie etwas darüber gesagt." ; Nein; ich befürchtete. Dich dadurch zu kränken," antwortete Charles mit gesenktem Haupte. Bedarf es übrigens der Er mähnung, daß ich Dich deswegen eben so innig liebe, wie früher?'' Ist es lange her, seitdem Du um dies Geheimniß weißt ?" forschte tzerrLe febre. Nein, nur einige Tage ; aber ich muß Dir ein Geständniß ablegen. Es mißfiel mir, daß Dein Name auf der Karte stand ': ich habe sie verbrannt." Auf der Stelle?" I, das Feuer brannte gerade in dem Kamin und ich warf sie hinein. Habe ich darin gefehlt?" .. Nein, o nein," rief der bedauernswer the Greis aus, welcher sein Herz durch die se Erklärung etwas erleichtert fühlte. Ich habe bereits seit mehreren Jahren demBeruf entsagt, den ich aus .Neigung erwählt und stets ehrenvoll fortgeführt habe. Nichtsdestoweniger bitte ich Dich, die Er. innerung daran aus Deinem Gedächtniß verbannen zu wollen, nicht nur um Deinetwillen, sondern auch der Familie halber, mit welcher Du dich verbinden willst. Doch gedenke ich mit warmer Anhänglichkeit der Beziehungen, in welchen ich zu dem gütigen, ausgezeichneten Polizeidirektor gestanden habe. Glaube nicht, daß er Dir feindselig gesinnt ist. Er bedauert Dlch vielmehr und wünscht von ganzem Herzen, daß Deine Unschuld bewiesen werden möge denn Jeder liebt mich hier. Der Poli zeibeamte, welcher Dich gestern verhaftete, war seit Jahren meine beste Stütze und traten ihm vorhin Thränen in die Augen, als er mit mir über Deine Angelegenheit sprach. Ich sage Dir das Alles, damit Du nicht verzagen möchtest, mein theurer Sohn und ich hege die feste Zuversicht,daß ich das Dunkel, welches in dieser Sache herrscht, werde ausklären können. Habe ich doch weit schwierigere Fälle unter meinen Händen gehabt als Deine Angelegenheit. Du hast in den Zeitungen die Geschichte von der in einem Kosfer entdeckten Leiche gelesen Du weißt, daß dieser Kosfer von einem Taubstummen getragen wurde, welcher weder Ausklärung hat geben können oder wollen. Dieser Stumme kennt zweifelsohne den Mörder, welcher in der Straße wo man ihn verhaftet hat, einige Schritte vor ihm hergegangen ist" Nun gut," unter brach ihn hier Charles dann stelle man mich ihm gegenüber." i Du wünschest also," fragte, von Freude

bewegt, der Vater, daß eine Confrontation stattfinde?" ,,Es ist mein sehnlichster Wunsch und

wenn ich ihn nicht gegen denUntersuchungsrichter geäußert habe, so geschah es, weil ich mich für überzeugt hielt,daß man früher oder später doch zu ' diesem Mittel seine Zuflucht nehmen würde." Ah !" ries Herr Lefebre aus, wenn ich jemals an Dir gezweifelt hätte, so würde ich jetzt nicht mehr zweifeln. Der Polizeidirektor hat mir die Zusage ertheilt, daß Du heute oder morgen den Stummen sehen sollst; wenn sich dann erweist, daß er Dich nicht kennt, so ergibt sich das Weitere von selbst. Ich nehme es aus mich,, die Anklagepunkte,. einen nach dem andern zu wiederlegen. Es wird mir schwer fallen, denn sie stehen thatsächlich nicht miteinan der in Einklang. Und ich werde schon jenen englischen Taschendieb mürbe machen, der es so meisterhast verstanden hat, sich einer compromittirenden Photographie zu entledigen. Es wäre befremdend, wenn man auf das Wort eines solchen Menschen etwas geben würde. Doch ich rede, wäh rend die Zeit so kostbar ist. Lebe 'wohl, mein Sohn; ich gehe unverzüglich nach Boulogne und werde Deiner Braut eröffnen, daß Ihr in drei Wochen verheiratet seid und Euch auf der Reise nach Italien befinden werdet." Sage ihr auch, daß ich ste liebe und daß ich niemals eine Andere treuer gelieb! habe, als ne," murmelte Charles, indem er sich seinem Vater in die Arme warf. Ihr Abschied war kurz, denn Herr Lesebre wünschte sich schleunigst mit dem Pöllzeidireltor zu besprechen, welcher, wie er wähnte, ihm günstig gestimmt war. Er ward deßwegen ein wenig niedergeschlagen, als dieser ihn in seinemArbeitszimmer fol gendermaßen anredete : Mein werther HerrLefebre, ich verhehle Ihnen nicht, daß ich, nachdem ich die Unterredung mit JhremSohn angehört,nicht klüger geworden bin als zuvor. Sein ganzes Benehmen, wie auch seine Erklärungen stellen ihn, ich gestehe es offen, allerdings in ein günstigeres Licht, aber seine Schuld keineswegs außer Zweifel. Ueberdies ist ihm unbedachtsamer Weise ein schwerwie gendes Geständniß entschlüpft." , Sie meinen die Polizeikarte, die er bei mir gefunden hat? Er hat sich derselben ja nicht bedienen können, da er sie sofort verbrannt hat." So sagt er; ich bin aber nicht gehalten diese Ausrede zu glauben. Ueberdies ist dabei der fatale Umstand zu berücksichtigen das Ihre Karte vor zwanzig Jahren aus gestellt worden ist und daß Fergon sich dessen ganz genau entsinnt, daß die Karte, welche der Mann mit demShawl ihm vor gezeigt, eine ältere Form hatte." Fergon ist gewiß eine biedere 'Persönlichkeit, aber, wie sie wissen, etwas kurzsichtig, so daß ein Jerthum in dieser Beziehung leicht denkbar ist." Ich trete Ihrer Ansicht in keiner Weise entgegen und beschränke mich darauf, die günstigen und ungünstigen Chancen zu er Mitteln. So ist z. B. die poesievolle Geschichte, welche ihr Sohn ihnen erzählt hat zwar glaubwürdig, immerhin aber wird sie schwer zu beweisen sein." Wie so ? Man kann ja nur einfach nach Heidelberg schreiben." Gut; ich bezweifle indeß, daß die frühere Geliebte ihres Sohnes dieses Verhältniß einem Richter gegenüber einräumen wird." Das wird sich finden. Vorläufig ist der Taubstumme . als .Hauptentlastungszeuge anzusehen." Der Ansicht bin ich auch, besonders nach der Unterredung mit Ihrem, Sohn. Doch halt! Da kommt Tollan. der uns in dieser Sache seinen Rath ertheilen kann." Der Polizeiagent war leise eingetreten ; er begrüßteHerrnLesebre mit einer Höflichlichkeit, die an. Ehrerbietung streifte, wäh. rend der unglückliche Vater sich mit einer Art Verzweiflung an den letzten Strohk)alm anklammerte, welchen ihm eine Confrontation des Taubstummen mit feinem Sohn darbot. Ich habe das Mißgeschick, welches Sie getroffen, vernommen," nahm Tollan,nach der Begrüßung Lesebres, das Wort, und ich bitte Sie versichert zu sein, daß ich den lebhaftesten Antheil an Ihrem Schmerz nehme. Wenn die Behörde mir die ' Ehre erweisen sollte, diese traurige Gerichtssache zu verfolgen, so nehmen sie die Versicherung hin, daß ich mich bemühen werde, ohne dadurch meine Pflicht, zu versäu men, die Unschuld Ihre Sohnes darzuthun." . Der Greis dankte ihm tief ergriffen." ' fl

Sie hatten Recht, zu Ihrem Sohne zu sagen, daß Jedermann hier aus JhrerSeite wäre," ergriff der Polizeidirektor das Wort. Wohlan, Herr Tollan, es gilt jetzt, unserm alten bewährten Freund dies durch die That zu beweisen. Vor Allem entsteht hier die Frage, wann, wie und wo wir den Angeklagten mit dem Stummen zusammensühren sollen ? Sie werden die Wichtigkeit dieser Beweisführung begreifen." Da sie mich um meinen Rath gefragt haben?" versetzte der Geheimpolizist nach einigem Besinnen, erlaubeich mir Ihnen eine Beobachtung mitzutheilen, die, wie ich glaube von Werth ist. Damit der Beweis entscheidend autfalle, muß er unter gewiss sen Umständen ausgeführt werden. Ich habe den Stummen bis jetzt noch nicht gesehen, wozu ich meine Gründe hatte, und denken Sie sich, Herr Direktor, man soll in der Prüfekur über meine Beharrlichkeit erstaunt sein. . Es fehlt nicht viel, glauöe ich daß man mich beschuldigt, sein Complice zu sein," fügte Herr Tollan lachend

hinzu. Davon kann keine Rede sein," wendete der Polizeidirektor ein ; nur finde ich, daß sie die ganze Sache vielleicht ein wenig zu lau behandeln." Ich schlage vor," äußerteTollan, der es nicht der Mühe Werth erachtete, die feine Anschuldigung seines Vorgesetzten zu ent kräftigen, daß ich mich mit demStummen welcher,dcs bitte ich wohl zu erwägen.mich nicht kennt, nach der Wohnung des Herrn Charles Lefebre verfüge." Warum nicht hier ?" Weil, wenn dieserMensch sich im Dien ste des Angeklagten befunden hat, es offen bar ist, daß er, wenn er seinen Herrn in ei ner Zelle von Mazas oder im Staatsge fängniß antrifft, ohneMühe errathen wird sein Herr sei, wie er selbst, ein Gefangen?-, was ihn veranlassen könnte, seine bislang gespielten Rolle fortzusetzen. Wenn, man die Sache indeß so ansängt, daß er auf den Gedanken kommen muß, man habe ihn freigegeben, wird der Stumme kein Bedenken tragen, mich nach der Wohnung des Herrn Charles Lefebre zu begleitender ihn, wohlverstanden unter JhrerUeberwa chung, erwarten wird." Ich verstehe Sie nicht." Wie, Sie begreifen nicht, daß es, um die Schuld oder Schuldlosigkeit des An geklagten festzustellen, Ihrerseits genügt, dieser Zusammenkunst beizuwohnen, ohne daß der Stumme Ihre Anwesenheit be merkt? Entweder ist der Stumme ein Complice des Herrn Lefebre, in welchem Falle er durch Zeichen seine Zufriedenheit und Freude darüber,ihn wieder angeerofsen zu haben, zu erkennen geben wird ; oder er hat Herrn Charles Lefebre nie gesehen und m diesem .wahrscheinlichsten Falle wild er sich jeder' Bewegung enthalten, was die Unschuld des Angeklagten klar beweist. Wir Sie und ich werden die Ersten sein, zu bezeugen, daß die Probe glänzend ausgefallen, daß es augenscheinlich sei,daß der Angeklagte niemals zu dem Menschen in Beziehung gestanden, welcher auf seinen Rücken den bewußten Koffer mit der Leiche Pique-Dame" trug, und daß er folglich nicht der Mörder sein könne. Ich bin überzeugt, daß unser Bericht den Untersuchungsrichter augenblicklich zu der Erllärung veranlaffen wird, daß kein Gründ zur Einleitung eines Prozeffes vorhanden sei. Eine Confrontation in einer . Gefängnißzelle würde hingegen höchst wahrscheinjich den Stummen bestimmen, in stinem System, den jungen Herrn Lesebre nicht kennen zu wollen, zu beharren." Ich müßte aber doch roohf zuvor dem Untersuchungsrichter diesen Plan unterbreiten," meinte hierauf derlolizeidirektor zögernd. . , Der Herr Richter kann ggen eine Zusammenkunft, die Sie übervachen, nichts einzuwenden haben." ' .In welcher Weise denpn ste das Arravgement hinsichtlich mäner Person?" fragte der PolizeidZrektor Sie müßten der Zusanmenkunft verborgen beiwohnen, HerrDirektor. Mir ist die Wohnung des Hern Lefebre unbe kannt; wahrscheinlich vird sie aber aus mehreren Zimmern bestezen. Sie werden sich in einem Zimmer alhaten, Herr Lese bre in einem andern. Thür darf nur angelehnt und in Jhrei Zimmer darf kein Licht sein, hingegen uMzso größere Helle in demjenigen herrschen, i welchem die Zusammenkunft stattfindet foll Sie' werden demnach, wie in einen Schallspielhause, Alles sehen, während inan Sie nichtigewahrt." . :. ;. ! (Fortsetzum folgt.)

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Von A. Mürenberg. (Schluß.) Lily verbarg ihr Lachen, so gut es geh'n wollte, fand aber doch, daß sie nicht viel durch dieVorlesungen gewonnen habe, und Melia trug ihren Brief mit selbstzufriedenem Lächeln hinaus. Nicht langedarauf fühlteLily einen ganz anderen Brief in ihren Fingern brennen. Sie wartete, bis sie ganz allein und vor jeder Ueberraschung sicher war und wenn ihr Gewissen mahnte beruhigte sie es damit, daß die Sache keine Folgen haben könne, daß er niemals ersahrin solle, wer sie sei. Alles sei ja nur Scherz, den der romantische Hauch, welcher um das Ganze lag, so prächtig würzte. Wir wollen weder diesen ersten Brief, noch die anderen, die ihn folgten, wieder geben. Welch' edle Gefühle, welch' klingende Worte, welch' Schmachten nach einem liebenden Herzen, welch' herrlicheVerse und Citate ! Lily fühlte, daß sie noch nie ein so edle? Herz kennen gelernt habe, und dem'Unbe kannten gelang es nach und nach, sie an den Gedanken eines Zusammentreffens zu gewöhnen. Ja, sie selbst verlangte danach, ihn zu sehen, denn beim Austausch der Photographien fand sie, daß er kein Anderer war, als der schöne, schwarzäugige junge Mann, der sie im Theater vor dem Unsall bewahrt hatte. Und als Laurence, oder richtiger Rüssel Dent, ein Windbeutel von gefällige Aenßern und mit einer gewandten Zunge, seinerseits in der Korrespondentm jene hübsche Dame entdeckte, da suhlte auch er Etwas in seinem blasirten Herzen, waS er dort schon manch' lieben Tag vermißt hatte. Wäre er nicht an ein bleiches, unglückliches Weib gefesselt gewesen, das im fernen New-England sür sich und ihr Kind chen sich mühte und schaffte, dann würde er sür ein sofortiges Durchbrennen" gegestimmt haben, und er fluchte demGeschick, das ihn daran hinderte. , Doch dies verhinderte ihn nicht, die Bekanntschaft fortzusetzen, und die Stunde kam zuletzt, wo sie sich von Angesicht zu Angesicht erblickten. , Lily wurde es leicht ihre Wächter zu täuschen, und als sie erst einige Male zusammengekommen waren, fühlte sie auch das Unrecht ihrer Handlungsweise nicht mehr. Einen solchen Liebhaber würde sie mit Stolz aller Welt vorgestellt haben, und sie drang in Laurence", wie er sich ihr gegenüber immer noch nannte, ihrem Vater Alles entdecken zu dürfen. Doch der schlaue Diplomat überredete sie, die nur noch eine willenlose Puppe in seiner gewandtenHand war, daß es das Beste sei, sich vorher unauflöslich an ihn zu feffeln. . So kam der Abend, an welchem Lily mit zitternden Händen all ihren Schmuck und einige Kleinigkeiten zusammenpackte und mit Hinterlaffung eines Briefes, der von Liebe undZukunftshoffnung überfloß' aus ihres Vaters Hause entfloh. Am nächsten Morgen stürzte Melia athemlos in's Zimmer. Fräulein Lily hatdie Nacht nicht in ihrem Bett geschlafen, Herr, und ist fort. nirgends zu sinden !" Gordon sprang entsetzt auf und eilte in das Zimmer seines Lieblings. Ein Blia in den Brief, der auf dem Schreibtische lag, sagte ihm Alles. Sie war dahin das vergötterte Kind, die Freude und Hoffnung seines'LebenS war dahin ! Er sank in einen Stuhl, er starrte auf das Papier und las es wieder und wieder. Kein .Schlüffel fand sich zu dem Geheimniß nicht die leiseste Spur ; es war, als habe sich ein schwarzes Bahrtuch vor ihm niedergesenkt, das seine Tochter für ewig seinen .Blicken entzog. Wüthend fuhr er Fraulein Gillmore an und beschuldigte sie .der Nachlässigkeit. Er raste gegen Alle, auch gegen sich. Die Gouvernante vertheidigte sich weinend und Gordon fühlte endlich, wie ungerecht er gehandelt, und wurde ruhiger. Ja, ja". löhnte er, wenn esn Mädchen in ihr Verderben rennen will, dann könnten selbst die Engel sie nicht halten! Aber o, meine. Tochter! Meine Lily!' Dann folgten Tage- des NachfvrschenS, des ruhelosen Harrens, Tage tödtlicher Verzweiflung. -..' Alles schien .vergeblich. Lily war ver schwunden, als habe die See sie verschlun gen." Aus ihrem Stillschweigen ahnte der ungNickliche Vater ,da- Geschick seinesKindes Wäre sie glücklich und zufriede