Indiana Tribüne, Volume 2, Number 9, Indianapolis, Marion County, 11 October 1879 — Page 6
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I n d i a n a T r i b u n e."
Das Gchcimniß des Pavillons.
Aus denPapieren einesGe h e i m p o l i z i st e n, von C. Paulvwö:.). (Fortsetzung.) XII. Beim Vaterdes Verhafteten. Ein neuer Tag brach an, ein schöner hellerWintertag, wieder liebeGott ihn den Parisern bisweilen mitten im Monat Januar schickt. An. solchen Tagen sind die Straßen festlich belebt. Die Lust athmet Freude und Frische. Von der allgemeinen Freude empfand der alte Herr Lcfebre einen guten Theil. Er hatte sich, seiner Gewohnheit gemäß, beim Anbruch des Tages von seinem La ger erhoben und öffnete das Fenster um zum tausendsten Male das erhabene präch tige Panorama zu bewundern, welchesPa xi: vom Quai Conti aus dem Auge darbietet. Der alte Herr wollte sich schon vom Fenster zurückziehen, als eine elegante Halbchaise vor seiner Thür hielt. In so srüber Tageszeit ein herrschaftliches Gespann am Quai Conti zu erblicken war ein Ereigniß, welches der ehemalige Polizeiagent zu ersorschen wünschte. l(5r beugte sich demgemäß zum Fenster hinaus und sah, daß zwei Damen aus dem Wagen stiegen, die sich sogleich ins Haus be gaben. Täuschen mich meine Augen nicht," murmelte der Greis, sind dieDamen nicht Madame Barre und ihre Tochter Adeline? Aber ich muß mich doch irren, denn, um hier um acht Uhr eintreffen zu können,bät ten sie schon vor drei Stunden ihr Landhaus verlassen muffen und dennoch ist es ihr Wagen. O," sügte er hinzu irdem er das Fenster schloß, sollten sich der Hoch zeit Schwierigkeiten entgegengestellt haben?" Die Hausglocke ertönte und HerrLefebre in seinem Eifer, zu wissen, was dieDamen zu ihm sührte, eilte ihnen selbst entgegen, um zu öffnen. Beide traten höchst erregt ein. Das Mädchen warf sich schluchzend in seine Arme, wählend die Mutter, obschon in hestiger Erregung, aber doch ziemlich gesaßt, dem alten Herrn mittheilte was geschehen war. Was höre ich ! Charles verhaftet !" rief der Greis, O, mein Gott. Aber er ist ja unschuldig", sügte er mit väterlicher Zärtlichkeit hinzu. In diesem Augenblick trat die Haushäl terin des Herrn Lefebre ins Zimmer und sagte ihm leise etwas ins Ohr. .Entschuldigen Sie mich", rief derHaus Herr, man benachrichtigt mich soeben von einem Besuch, der sich vielleicht auf die Verhaftung meines Sohnes bezieht. Ich werde hinauseilen und hoffe,Jhnen in wenigen Minuten mittheilen zu können, daß sich seine Unschuld herausgestellt haben wird." j Mit dieser Versicherung, welche in schar- ' semWiederspruch zu seiner aufgeregten Miene stand, verließ der Greis eiligst den Salon und versügte sich dahin, wo man ihn erwartete. Im Cabinet des Herrn Lefebre verweilte mit trüber, verwirrter Miene der Polizeidirektor. Er hatte eine innige Zuneigung zu Herrn Lefebre und die Nachricht, welche er ihm mitzutheilen hatte, preßte ihm fast das Herz zusammen. Er durchmaß das Zimmer mit weiten Schritten, indem er nach ein:r paffenden Einleitung haschte,um dem unglücklichen Vater die traurigeNach richt in schonendster Weise mitzutheilen, der ihn ohne Umschweife mit den Worten anredete : Es ist also wahr, daß mein Sohn verhaftet worden ist?" Sie wiffen es schon V rief der Direktor; umso beffer, mein theurer Freund, denn es würde mir sehr schwer, geworden sein, Ihnen die traurige Wahrheit zu verkünden." Seine Verhaftung ist mir allerdings mitgetheilt worden, aber ich weiß nicht, weßhalb er verhastet wurde." Der Direktor senkte die Augen und zögerte mit der Antwort. Wie! Sie sagen kein Wort ? Täusche ich mich V rief schmerzerfüllt der Unglückliche Vater aus, ist Charles angeklagt, eine unehrenhafte Handlung begangen zu haben ? Nein, nein das ist nicht möglich;
mein Sohn denkt viel zu edel, um sich herabzuwürdigen. Man hat ihn die größten Summen anvertraut, und niemals doch, was rede ich ? Ich habe ihm stets mehr Geld zurVersügung gestellt, als er hat haben wollen." Geld spielt in der traurigen Geschichte keine Rolle," murmelte derPolizeidirektor. Nun, was denn? So reden Sie doch !" Muth. Muth, mein alter Freund, und möge ihnen meine Mittheilung, weil ich sie Ihnen eröffne, weniger herzzerreißend vorkommen, Ihr Sohn ist beschuldigt, den Mord in der nie PanatUere begangen zu haben." Als Herr Lefebre diese niederschmetternde Nachricht vernahm, wich er, wie von einer giftigen Schlange berührt, entsetzt zurück, und war kaum imStande, mit beben den Lippen die Worte hervorzubringen : Mein Sohn-ein Mörder!" Leider habe ichJhnen die ungeschminkte Wahrheit gesagt und wenn ichJhrenSobn verhastet habe, so' ist es . geschehen, weil dringendeVerdachtsgründe gegen ihn vorlagen. Ihr Sohn ist verkleidet nach der Morgue gegangen und hat sich von einem englischen Taschendiebe, der wenige Minuten später verhaftet worden ist, seineBrief tasche stehlen lassen, in der sich außer füns tausend Francs in Banknoten, eine Adreßkarte die außer seinem eigenen Namen,auch den der Madame Barre trug, und die Photographie der ermorde'en Dame befanden." Hat er sich zu einem Geständniß herbeigelassen V fragte Herr Lefebre ängstlich. Nein, im Gegentheil, erbestreitet Alles, er behauptet, die Dame nicht zu kennen und dennoch habe ich auf einen Couvert, welches ich in der Wohnung derselben gefunden habe, seine Handschrist erkannt. Weitere noch schlagendere Beweise habe ich in der Privatwohnung Ihres Sohnes entdeckt; aber es ist mir zu peinlich, Ihnen alle Einzelheiten zu erläutern." Er ist unschuldig, das behaupte ich fest und sicher," rief Herr Lefebre mit Zuversicht, und ich werde den Beweis führen." Ich wünsche es von ganzem Herzen mein Freund, doch hegeich wenig Hoff nung, da ich meiner Suche gewiß bin, daß er es gewesen ist, welcher in der aus das Verbrechen folgenden Nacht den Pavillon besuchthat. Fergon, welcher ihn in jener Nacht angeredet und dann unbegreiflicher Weise hat entwischen lassen, Fergon, sage ich, hat -ihn gestern wieder erkannt." Ich muß meinen Sohn sehen, mit ihm reden er wird mir bei meinen Nachforschungen beistehen, denn ich kann die Hoffnung nicht ausgeben seine Schuldlosigkeit glänzend zu beweisen. Es wird mir doch gestattet sein, meinen Sohn zu besuchen?" Ja, ich habe nicht ohne Mühe diese Erlaubniß sür Sie, der uns so wichtige Dienste geleistet hat, ausgewirkt. Doch muß ich bei der Unterredung zugegen sein." Ich danke Ihnen, mein alter Freund.
In einer Stunde werde ich bei Ihnen sein." Der Polizeidirektor verabschiedete sich und der unglückliche Vater rang verzweiflungsvoll die Hände. Dann drängte er seineThränen gewaltsam zurück,warf einen Blick in den Spiegel um seincGesichtszüge, zu glätten und kehrte in den Salon zurück, wo Madame Barre und ihre Tochter in höchster Angst warteten. Beruhigen Sie Sich," sagte er ruhig ; Charles ist das Opfer eines Mißverständnisses geworden. Er hat sich auf mich berufen da ich als ehrenwerth bekannt bin, hat der Polizeidirektor die Güte gehabt, mich persönlich zu besuchen, um mir die Sachlage mitzutheilen. Ich werde mich sogleich nach der Präfektur begeben und ich bezweifle nicht, Ihnen Charles alsbald zurückzuführen vielleicht schon diesen Abend." Die jungeBraut fiel dem Greise um den Hals und flüsterte ihm tausendGrüße an seinen Sohn ins Ohr. Ihre Mutter weinte vor Freude. Herr Lefebre glaubte zwar fest an Charles' Unschuld, war aber keineswegs so ruhig, wie er es schien, denn er verhehlte sich nicht, welchen Kampf er, um seinen Sohn zu retten,gegen das bereits feststehendeUrtheil seiner Richter zu führen gezwungen sein wird. XIII. Der Londoner G eheimpo lzist. Herr Tollan bewohnte in der Straße Godot-de-Mauroy eine Parterrewohnung und galt für einen sehr respektablen Mann
der, obschon er sich für seine Rente von
beiläufig gesagt zwanzigtausend Francs amüsirte, doch nie solcheExtravaganzen erlaubte, daß er sich genöthigt gesehen hätte, sein Kapital anzugreifen. Er hatte niemals intime Freunde, lud nie seine Zechgenoffen bei sich etn, und entfernte sich häufig ohne zu sagen, wohin er ging, aber er bezahlte seineSpielschulden sehr prompt und war stets mit Rath und That bei der Hand. Ueber seine Herkunft beobachtete er indeß ein tiefes Schweigen. SeinPortier verehrte ihnundwunderte sich nicht darüber, daß mitunter zu seinem reichen Herrn im Parterre Leute in sehr zerlumpter Kleidung kamen. Der Geheimpolizist liebte es,Wohlthaten zu erweisen und setzte sich dadurch lästigen Besuchen in seiner ei genen Wohnung 01 s. Herr Tollan saß an demselben Morgen zum Ausgehen angekleidet, in seinem bequemen Lehnsessel und blätterte in alten Papieren umher. Er sprach soeben mit seiner Haushälterin, die er vor einigenTagen aus England bekommen hatte und das Gespräch ward so leise und geheimnißvoll geführt, daß derDiener, der in einer anderen Ecke des Zimmers beschäftigt war, kein Wort verstehen konnte. Diese Haushälterin ist mit den örtli chen Berhältniffen noch nicht vertraut.weßhalb mein Herr ihr Anweisungen ertheilen muß," dachte derDiener, indem er verstohlene Blicke auf die Beiden richtete, die sich seiner Ansicht nach diel zu vertraut mit ei nander unterhielte?. Nachdem Herr Tollan seine Haushälterin abgefertigt hatte, beeilte er sich, mehrere vergilbte Dokumente aus einem ledernen Aktendeckel herauszunehmen. Diese Schriftstücke schienen sich nicht auf die Angelegenheit der ermordetenDame zu beziehenden das Hauptsächlichste war ein Stammbaum, der auf einen Bogen größten Formats geschrieben war. Er prüfte denselben mit einer Aufmerksamkeit, als wenn es sein eigener Stammbaum ge wesen wäre, verglich ihn sorgfältig mit den mit Gerichtssiegeln überladenenDocumenten und machte sich alsdann in seinem Taschenbuche Auszüge daraus. Alles ist in Ordnung," murmelte er, als er diese Archivarbeit vollendet hatte, und die Erbfolge ist klar festgestellt. Jaques OSullivan, gestorben imJahre 1811 in Ostindien zu Poanah in der Provinz Bombay, hatte vier Schwestern, welche er bei seinem Ableben seit fünfzehn Jahren nicht gesehen hatte. Er starb kinderlos und war auch nie verheirathet. Der Tod überraschte ihn,ehe er daran denken konnte ein Testament zu machen und sein Vermögen, welches auf der Bank zu Dublin deponirt ist, beläuft sich mit Zinseszinsen heute auf die Summe von viermal hunderttausend Pfund Sterling, oder reichlich zehn Millionen Francs. Bon diesen vier Schwestern, von denen zwei in Frankreich und zwei in England verheirathet waren, befinden sich zur Zeit nur noch vier Abkömmlinge am Leben. Keiner dieser berechtigten (5rbcn hat jemals Schritte ge than, um sein Anrecht, sich in den Besitz dieses Vermögens zusetzen, darzuthun, wahrscheilich, weil sie keineAhnung von ihren Ansprüchen haben. Ihr Großvater und UhrgroßvaterPierre und Jaques O'Sullivan verdankten ihr Vermögen ihren Leistungen imDienste der Ostindischen Compagnie und hatten ihre Beziehungen zu ihren europäischen Verwandten langst abgebrochen. In derSeitenlinie schließt der nächste Erbe die nachfolgenden Erben aus, dergestalt, daß derjenige, welcher stirbt, seine Rechte ohne zu wissen, aus den ihm zunächststehenden Verwandten überträgt und so weiter. Ein glänzendes Geschäft führwahr, ein Geschäst, wie es Herrn Lefebre noch niemals geboten worden ist," sagte er vor sich hin, indem er sich vor Vergnügen die Hände rieb. Welche Repräsentanten sind noch sranzösischerseits vorhanden? Nummer Eins : Adeline Barre, die Enkelin der ältesten Schwester des Majors. Nummer Zwei: Pauline Bernier, deren Großmutter Elisabeth war, eine jüngere Schwester des seligen O'Sullivan. Hinsichtlich der Adeline Barre weiß ich, daß sie mit ihren Eltern ein schönes Landhhaus in Boulog. ne-sur-Seine bewohnt, und daß sie, wenn sie volljährig wird, ein großes Vermögen erbt. Die Ausschlüsse, welche ich über Pauline Bernier eingezogen, sind weniger genau. Es bestehen Zweifel ob sie noch am Leben fei ; ist sie jedoch gestorben, so hat sie eine Tochter hinterlassen. Ihr Mann ist an der Nord-Eisenbahn angestellt. Ich habe heute Nachmittag Zeit, den Letzteren aufzusuchen. Mit ihm will ich beginnen.
Mit diesen Worten schloß Herr Tollan den Stammbaum und die Dokumente sorgfältig in seinenFeuer- und diebesfesten Geldschrank. Dann ließ er einspannen u. fuhr aus. Hätte Jemand seine Gedanken errathen können, als er, in einer Ecke des Wagens geschmiegt, nachsinnend da saß, derselbe wäre mit Recht überrascht gewesen. Denn der Geheimpolizist, welcher sich dem Polizeidirektor gegenüber gerühmt hatte, den Urheber beider Verbrecher im Verlauf eines Monats zu entdecken, schien sich mit ganz anderen Dingen, als mit dieferSache zu beschäftigen. Allmälig gewann sein Antlitz indeß seinen früherenAusdruck wieder und als der Wagen vordem Bahnhos hielt, schien seine Aufregung gänzlich beseitigt zu sein. Beim Aussteigen fiel sein Blick auf einen höheren Beamten, den er in einem Kaffeehause hatte kennen gelernt und versäumte es nicht, fich von ihm die näheren Details über den erwähntenCambremer berichten zu lassen. Er erfuhr nun daß derselbe das gering besoldeteAmt eines Weichenstellers an derEisenbahn bekleidete daß er jetzt Wittwer sei, daß seine Frau sich stets einer höheren Abkunft berühmt habe und daß er eine sechsjährige Tochter be sitze. Doch, da kommt sie ja gerade," schloß der Beamte seine Mittheilungen, indem er auf ein kleines Mädchen zeigte, daß einen Korb mit Lebens'mitteln, die wahrscheinlich sür ihren Vater bestimmt waren, am Arme trug. Ah," dachte Tollan, wer würde wohl auf den Gedanken kommen, daß jenes klei ne Mädchen die Erbin von mehr als zehn Millionen Francs ist, daß heißt," und sein Antlitz verzerrte sich dabei zu einem höhnischen Lächeln, wenn Fräulein Adeline Barre sterben wird. Nun, ich werde meine Karten schon so mischen, daß ich den letzten Stich in der Hand behalte !" Er versuchte scherzhaft die Kleine zu erhaschen allein Sie eilte wie ein Reh längs den Bahngeleisen dahin und erreichte lan ge vor ihm das 'Wachthäuschen, wo ihr Vater beschäftigt war. Der Weichensteller trat heraus, schloß das Kind in seine Arme und hob es liebkosend empor, als er plötzlich einen Mann sah, der die Schritte gegen seine bescheidene Wohnung richtete. Erstaunt setzte er sein Töchterlein auf die Schwelle derselben nieder und trat dem Fremden mit fragender Miene entge gen. Ich grüße Sie, Herr Cambremer," redete ihn Tollan mit einschmeichelnder Stimme an. Ist das hübsche Kind ihre Tochter?" Ja, mein Herr," erwiderte zögernd der Weichensteller, was verschafft mir dieEhre Ihres Besuchs, wenn ich bitten darf ?" Die Kleine ist das leiblicheConterfeiih rer armen Mutter." Das Antlitz des Weichenstellers verfinsterte siel) bei dieser Andeutung und er erwiderte mit dumpfer Stimme: Sie haben also meine Frau gekannt ? Das setzt mich in Erstaunen; ich erinnere mich wahrlich nicht, Sie jemals gesehen zu haben." Nein, ich habe ihre Frau nicht gekannt, aber ich habe srüher häufig Gelegenheit ge habt, deren Mutter zu sehen. Sie hieß Maoame Bernier, nicht wahr?" Freilich, find Sie nur gekommen, um mir dies zu sagen?" O nein, es ist eine sehr wichtige Sache die ich mit Ihnen besprechen möchte." Pauline," sagte Cambremer zu seiner Tochter, spiele ein wenig im Freien, aber nimm Dich in Acht, daß Du nicht unter die Eisenbahnzüge geräthst." Das Mädchen sprang lächelnd fort. r Ich stehe zur Verfügung, mein Herr," nahm Cambremer das Wort, sagen Sie mir, was Ihr Begehren ist, aber bitte, schnell; ich kann nur kurze Zeit von der Weiche abwesend sein." Das wird auch nicht lange währen," antwortete Tollan ; ich habe nur eine kurze Aufklärung nöthig. Können Sie mir, und zwar in Ihrem eigenen wie im Jntereffe Ihrer Tochter, sagen, wie Madame 33er nier, Ihre Schwiegermutter, hieß, ehe sie sich verheirathete?" Ich bedauere Ihnen, damit nicht dienen zu können, da sie, als ich mich verheirathete bereits vor sechs Jahren gestorben war V WiffenSie wenigstens, aus welcher Gegcnd siewar V Aus der Picardie, wenn ich mich nicht irre. Meine Frau ist in Abbeville geboren. Aber weshalb diese Fragen?" (Fortsetzung folgt.)
(Für die .Tribüne" geschrieben.) Prinzessin und Yankee. :o: Erzählung von F. Grawcn Will.
(Schluß.) Well, ich kann Dir sagen, der arme Bursche war wie verrathen und verkauft. Er hatte sehr viel Mitleid mit der jungen Prinzessin, aber dachte doch zuerst an das Nächste. Theure Bally," sagte er, ..das darf uns nicht trennen, nein, beim Hirn mel, es darf nicht. Ich liebe Sie, ich kann ohne Sie nicht leben" und was er dann so noch weiter sprach " ' Ich glaube, er wird wohl ein Wenig verrückt geworden sein," meinte Sutton. Er küßte ihre Hände, er bettelte auf den Knieen, daß sie sein Weib werden möchte. Der arme Kerl war damals erst zweiundzwanzigJahre alt und hatte nichts weiter in der Welt als etwas Vermögen väterlicher Seits und eine große Aussicht, in der weiten Welt irgend etwas werden zu dürfen. Aber er hatte Vertrauen zu sich, er konnte es wagen, ihr eine gute Zukunft zu bieten, er, der Amerikaner einer echten, deutschen Prinzessin (wenn auch modiatisirt). Aber Aber Prinzeß Valley war standhast, wenngleich sie offen bar fürchterlich litt. In ihrenAugen leuch tete etwas wie mir nämlich der Student erzählte, weißt Du! in ihren Augen lag eine Welt voll Lieb' und Schmerz. Sie sagte; Mein Freund, mein lieber, lieber Freund, wir müssenAbschied nehmen aus immer. Mein Schicksal ist mit dem der Fürstin von Ronau aus's Engste verbunden. Fragen Sie mich nichts !' wir müssen uns trennen!" Mit wenigen Worten erklärte sie es noch, wie es kam, daß sie sich konnten kennen lernen. Die jungen Prinzessinnen hatten sich scherzhaf terweise einfache Kleider angelegt und waren harmlos durch den Park gestreift. Dann hatten sie eines Tages den Stu denten gehört, sie hätten gelauscht und so wär's gekommen. Jetzt war der Hochzeitstag der Prinzessin festgesetzt und so mit Alles aus. Aber das seien Sie versichert," sagte Vally, daß Ihre Freundschast und geistreiche Unterhaltung der armen Prinzessin unvergeßlich bleiben wird, daß sie Ihrer stets gedenken will als ihrcB fc flfton Mehtttn rMtnh8 " tttw vvvit, vj.n uw( Was. hat denn das mit ihr zu thun !" fragte Sutton ziemlich ungeduldig. Dasselbe sagte auch der junge Mann zu ihr; da aber hieß es, wie sie schon sagte, ihr Schicksal sei mit dem der Prinzessin auf's Engste verbunden. Seine Beredsamkeit versuchte noch einmal dasAeußerste in der Ueberredungskunst. Umsonst! Sie wollte Abschied nehmen aus immer. Da packte ihn die Verzweiflung und er klagte sie an, daß sie im Uebermuth ein falsches Spiel mit ihm getrieben habe. .Er . verlangte Trost! Wenigstens ein Wort, . m . r tf 1 . I vatz ste, Aally, ryn iteoe: nie jung Prinzessin zitterte und Thränen flössen stromweise über die erblaßten Wangen, aber sie blieb standhast. Eines Tages," -sagte sie, werden Sie es mir danken, daß ich keine übereilten Worte über die Lippen gehen ließ. Sie werden mein Gedächtniß dann als ein fleckenloses in einem treuen Herzen bewahren." O Sutton, Sutton, die deutschen Mädchen haben Tugend und Gemüth!" Du meinst doch vor zwanzig Jahren, mein Lieber," spottete der Vice-Gouvernör, der es sich nicht merken lasien wollte, daß seine Gleichgültigkeit sehr aus dem Gleichgewicht gerathen war. Well, mag sein ! Sie gab ihm nicht einmal eine Haarlocke! nicht einmal die Blume, welche sie am Busen trug! Ich kann und darf nicht," bat sie, wir dürfen nicht weiter gehen. Leben Sie wohl, mein Freund und vergesien Sie mich !" Sie legte dann eine kalte, zitternde Hand in seine Rechte. Er küßte die zarten Finger und wollte einenRing abziehen. Er fühlte ihn bereits in seiner Hand. Da blickte sie ihn so schmerzlich, so bittend an, daß er ihn beschämt wieder an den kleinen Finger steckte und eine Minute später verschwand Prinzessin Vally im dunklen Gebüsch des Parkes." Der arme Kerl! Was sing er nun an?" Anfangen ? Nichts." Er stand da im Park, beide Hände in die Taschen gesteckt und 'starrte, stundenlang auf den Platz, wo sie gestanden. Gedacht hat er auch nichts. Sein Gehirn war es nicht im Stande. Er sühlte nichts als Leere, Leere! Die Welt war öde geworden,, wüst und leer. Endlich schlich er nach sei-
