Indiana Tribüne, Volume 2, Number 8, Indianapolis, Marion County, 4 October 1879 — Page 6

I n d i a n a r i b ü n e."

Das Geheimniß des Pavillons.

AuS denPapieren eineSGeHeimpolizisten, von C. Yanlovöky. (Fortsetzung.) Fergon warf einen mitleidigen Blick aus Adeline und ihre Mutter. Dann sagte er: Sie werden es auf derPräfektur ersahren. Folgen Sie mir !" Eine erschütternde Scene folgte. Adeline wars sich an die Brust des jungen Mannes, während ihre Mutter fle zu beruhigen suchte. Charles sprach kein Wort aber in seinen Augen standen Thränen. Wessen beschuldigt man meinen Bräutigam ?" fragte das in ihrem Schmerz fast vergehende junge Mädchen. Fergon hatte ein weiches Herz. Er ent gegnete: Herr Lefebre wird es auf der Präfektur erfahren. Ich hatte nur den Austrag ihn zu verhaften. Aber ich habe keine Zeit zu verlieren !" Fast mit Gewalt mußteFrau BarreAde line von dem Hals des jungen Mannes entfernen, den sie krampfhaft umklammert hielt und als es endlich gelungen war, brach sie mit demAusruf : O, meinGott ich sterbe!" ohnmächtig zusammen. 2Sch bin mir keiner Schuld bewußt fagteCharles düster. Alles wird sich auf. klären. Trösten, beruhigen Sie Adeline, ich werde bald zureckkehren." Er warf noch einen letzten, verzweiflungsvollen i.Blick ausAdeline, dann folgte er Fergon, welcher ihn zu einem Wagen geleitete, der vor der HauZthür hielt. Ne ien dem Wagen standen noch zwei Polizisten und ein dritter saß im Wagen. Mit gesenktem Haupt stieg Charles ein und der Wagen rollte davon, nach der Präfek tur. Zeigen Sie mir den Weg sagte der junge Mann, als der Wagen vor derPräfektur hielt. Gerade aus, das Zimmer zur rechten Hand." DaS angewiesene Zimmer war mit Polizeibeamten und Gensdarmen angesüllt, so daß der Verhaftete kaum einen Stuhl zum Sitzen fand. Fergon entfernte sich jetzt, um demPolizeidirektor Bericht zn erstatten. DaS hast Du brav gemacht sagte der Direktor, nachdem er Fergon angehört hatte. Während der kurzen Pause, die zwischen dem Verschwinden FergonS und dem Eintritt deS Verbrechers denn in denAu gen der Polizei war er bereits ein solcher verging,, bereitete der Direktor sich auf das bevorstehende Duell vor. DaS erste peinliche Verhör ist in der That ein Duell, ein Duell, in welchem jeglicher Vortheil aus Seiten des Jnquirenten ist. Ihm steht unter den Mitteln des Angriffs die Wahl frei, während der Angeklagte nicht weiß, von welcher Seite der Schlag geführt werden wird. DerEine ist kaltblütig, derAn dere aussHöchste aufgeregt. DerKampf ist ein völlig ungleicher. Die Thür öffnete sich jetzt und der junge Lefebre trat ein. Setzen Sie sich, mein Herr!"' redete ihn der Polizeidirektor höflich an. Charles nahm Platz und erwartete schweigend, welche Frage man an ihn richten würde. Der Beamte maß ihn mit durchdringenden Blicken Z er fühlte sich in eigenartiger Stimmung. Die Gestalt des jungenMannes schien ihm nicht unbekannt zu sein, so weit das unbestimmte Aufleuchten eines Wachslichts dieselbe scinemGedächtniß eingeprägt hatte. Der Gefangene hatte den selben schwarzen Bart wie jener Mann, welcher gegen Mitternacht im Boudoir des Pavillons Mary gerusen hatte; doch sein unbequemer Versteck hatte ihn verhüt dert, den nächtlichen Eindringling mit mehr als flüchtigem Blick streisen zu kön nen. Sie wissen, weshalb Sie hierhergesührt worden stnd?" fragte er.Nein antwortete lebhaft der junge Mann. Es lst dieselbe Stimm? dachte derDi rektor und fuhr dann fort : Sie werden es später erfahren. Für's Erste ersuche ich Sie, mir zu sagen, was Sie über die Pique-Dame" wiffen, deren Portrait in der Brieftasche war, die Sie ' als die Ihrige anerkannt. Sie werdendes

deshalb begreiflich finden daß ich sie frage woher Sie dieses Bild bekommen haben. Haben Sie, woran ich nicht zweifle es von der Dame selbst zur Erinnerung erhalten, so sind Sie selbstverständlich auch in der Lage, mir darüber die erforderlichen Aufschlösse zu ertheilen. Sie irren sich, ich kenne die Dame nicht ES ist sehr unwahrscheinlich, daß sich in Ihrer Brieftasche die Pbotographie einer Frau befinden sollte, die Sie niemals gesehen haben. Vielleicht ist das Bild Jh. nen indeß von einem ihre? Freunde geschenkt worden und in diesem Falle werden Sie uns den betreffenden Freund bezeichn nen können,um von ihm das nähere zu erfahren. Ich habe diese Photographie von Nie manden bekommen. Ihr Untergebener wird ihnen zweifelsohne erzählt haben, aus welche Weise die Brieftasche in seineHände gefallen ist nicht wahr V .Allerdings. Er hat sie in derTasche ei' nes Taschendiebes vorgefunden,der sie kurz zuvor Ihnen entwendet hatte, in dem Mo ment,alS sie den ausgestelltenLeichnam betrachteten !" Sehr wohl; dann hat der Dieb das Portrait hineingesteckt, denn als ich meine Wohnung verließ enthielt die Brieftasche nur fünf tausend Francs in Banknoten u. eine Visitenkarte, aus welcher mein Name und derjenige der MadameBarre geschrie ben standen Der Polizeidirektor erwiderte : .Sie werden mir einräumen, mein Herr, daß es höchst unwahrscheinlich ist, daß der Dieb das Portrait in dieBriestasche gesteckt haben sollte E? entstand eine Paule. Der Polizei direktor schloß die Augen, wie ein Mensch, der sich auf etwas besinnt, und seine Fin ger spielten zerstreut mitderPhotographie. Plötzlich erhob er sein Haupt und sagte indem er den jungen Mann mit durchdrin genden Blicken maß : Verstehen SieEng lisch?" Ja", antwortete Charles zögernd, ich verstehe Englisch. Weßhalb diese Frage V Weil ich Sie bitten möchte, mir den Sinn dieser dreiWorte, welche aus dieRückseite des Portraits geschrieben sind, zu erklären: sorget rne not Mit diesen Worten zeigte er, ohne sie aus der Hand zu geben, die Photographie dem jungen Mann, welcher beim Anblick derselben erblaßte. Vergiß mich nicht stammelte er. So ist eS. Und diese Empfehlung ist mit einem kleinen reizendenNamen Maryunterzeichnet, mit demselben Namen, den dieErmordete führte, welche,wie wir wiffen eine Engländerin ist Der Taschendieb ist gleichfalls einEng länder Das ist währ. Wollen Sie daraus schließen, daß er ein Verehrer dieser Frau gewesenist? ES wird Ihnen Niemand glauben, daß eine so reizende und elegante Dame einem solchen Menschen ihr Bild schenken würde es wird ihrem Geliebten im Moment der Trennung geschenkt worden sein und dieser, welcher wahrschein lich beabsichtigte, auf längere Zeit zu der reisen, muß ein jungerMann gewesen sein, und obendrein hübsch, talentirt, reich wie Sie, mein Herr Das Alles beruht auf Vermuthungen und ich wiederhole Ihnen, daß ich dieses Portrait heute zum ersten Male gesehen habe .Ihr Leugnen ist hartnäckig, doch laffen wir das. Hat Sie lediglich die Neugierde nach der Morgue geführt?" Ja; eS ist mir übrigens peinlich, mich daran erinnern zu laffen. Ich war noch nie in der Morgue gewesen ; ader sämmt liche Pariser Zeitungen wußten so viel von dieser seltsamen Tragödie zu öerichten, so daß ich von Neugierde durchdrungen ward die Leiche zu sehen Das ist sehr erklärlich; ganz Paris theilt diese Neugierde mit Ihnen. Sie bat ten eine Summe von 6000 Francs inJhrer Brieftasche?" DaS Geld war sür einen Juwelier bestimmt, der mir ein Halsband verkauft hat WelchesSie JhrerBraut schenken woll ten. Mein Agent hat mir das schon berichtet. Wo wohnt dieser Juwelier?" In der straße Und Sie, mein Herr, wo wohnen Sie?" Der junge Mann erbebte bei dieserFra ge und antwortete verwirrt : In der NotredameStraße Die Morgue lag also nicht auf Ihrem Weg bemerkte der Polizeidirektor nach drücklich ;indeß entschuldigt ein so interes

santer Anblick wie die Pique-Dame" den weiten Umweg. Sie sind wahrscheinlich willenlos der Menge gefolgt Gewiß und ich bereue es sehr, diesem unerklärlichenEinfall gefolgt zu sein. Der Anblick der Leiche erschütterte mich tief Aus dieser Ursache hielten Sie wohl auch ein Taschentuch vor die Augen V Wer hat ihnen das gesagt?" , O,ich weiß mehr, als Sie glauben. Wann überzeugten Sie sich von dem Ber lust ihrer Brieftasche?" Alö ich in meiner Wohnung angelangt war Und Ihren Anzug wechseln wollten, nicht wahr?" Nun ja ; ich wollte bei meinen Schwiegereltern zu Mittag essen Allerdings hätten Sie sich in dem Anzuge, den Sie in der Morgue trugen, vor den erwähnten Personen nicht zeigen kön nen. Ein karirter Rock, ein wollener Shawl und ein schlechter Hut. Eine selt same Bekleidung sür einen eleganten jun gen Mann." Ich wollte mich an einem solchen Orte nicht in gewähltem Anzüge sehen lassen entgegnete Charles Lefebre, der .seine Fas sung zu verlieren begann und habe mir die von Ihnen bezeichneten Kleidungsstücke zu diesem Zwecke angeschafft Sie sagten mir indeß soeben, daß Sie zu ihrem Juwelier gegangen wären. Es scheint also doch nicht, daß Sie demselben gegenüber besürchtet haben, sich in diesem schlechten Anzüge zu compromitiren äu ßerte der Polizeidirektor kalt. Allerdings beabsichtigten Sie, baar zu bezahlen und wird er Sie auch ja persönlich gekannt haben Charles ließ diese ironischen Bemerkungen unerwidert. Er fühlte daß der Boden unter seinen Füßen wankte und daß seine gewohnte Kaltblütigkeit ihn zu verlassen anfing. Der Beamte nahm seine Rede wieder aus. Es wird Ihnen theuer zu stehen kom men, wenn Sie hei Ihrem Leugnen und Ihren Ausflüchten verharren werden und verzeihen Sie, daß ich hier einen Namen nenne, der Ihnen sehr theuer ist wenn Ihre Braut Adeline, hier anwesend wäre, sie würde Sie ebenfalls bitten, offen zu re den. Bedenken Sie, daß sie ängstlich auf ihre Rückkunft harrt und daß eS Ihrerseits genügt, mir eine annehmbare Erklärung zu geben, um Sie wieder in Freiheit zu setzen diesen Abend sogleich während ich andererseits Sie sür schuldig erachten und dahin schicken muß, . wo man die, des Mordes Verdächtigen bringt." Der junge Mann ward entsetzlich bleich uud er that sich ernstlich Gewalt an, um zu erwiedern : Ich habe Ihnen nichts zu gestehen, ich bin unschuldig machen Sie mit mir, was Sie wollen DerPolizeidiretor war auf diesen hart näckigen Widerstand nicht vorbereiteter erblickte darin indeß einen neuen Beweis seiner Schuld und änderte von nun an seine Sprache. Kennen Sie den Herrn Feran ?" fragte er. Anstatt bei Nennung diesesNamens, der derjenige des ermordetenKaufmannes war, zu erschrecken, antwortete der junge Mann ohne die geringste Bewegung zu zeigen : Nein Was haben Sie am Abend des 13.Januar gemacht. V Der Direktor hoffte, daß Charles in die aufgestellte Falle gehen würde, daVer breche? stets zu ihren Gunsten eine Erzählung vorbereitet haben, um ihr Alibi zur Zeit des Verbrechens nachweisen zu können. Charles entgegnete ruhig : Das kann ich augenblicklich nicht genau angeben, da mein Gedächtniß infolge der auf mich einstürmendenErelgniffe sich ver wirrt hat. Der Abend wird, wie alle üb rigen, inGesellschaft meinerSchwiegermutter und Braut vergangen sein Und wo sind Sie am folgenden Sonntage gewesen V Ebendaselbst; nur entsinne ich mich,daß mein Vater mit uns gespeist hat Diese Angaben sind wahr äußerte der Polizeidirektor. Für's Erste habe ich keine weiteren Fragen an Sie zu rich. ten." Er klingelte und sagte dem eintretenden Fergon : Einen Wagen, schnell !" Wohin fahren wir, mein Herr?- fragte der junge Mann mit gepreßter Stimme. Nach Ihrer Wohnung Nach meiner Wohnung ! Was bedeutet das V

ES bedeutet, daß ich Ihre Zimmer durchsuchen will, und da dieses in Ihrem Beisein geschehen soll, bin ich genöthigt Sie mitzunehmen Nach dieser sehr logischen Folgerung steckte der Direktor die Photographie in seine Tasche, zeigte Charles einen verbor genen Auögang und schritt hinter ihm her Sie erreichten die Straße, wo ein Wagen hielt. Schweigend nahm er neben ihm im Wagen Platz und eö fand auch während der Fahrt kein GedankenSauStaufch statt. In Charles' Wohnung, die auS sieben elegant eingerichteten Zimmeen bestand, fand eine genaue Durchsuchung statt. Die vorgefundenen Papiere steckte der Polizei direktor zu sich. . Ich werde sie später lesen sagte er, u. fuhr mit drei anderenPolizisten, welche vor der Wohnung gewartet hatten, in der Durchsuchung fort. Aber Sie fanden nichts, was ihnen Aufschluß geben konnte. Es war noch ein Zimmer übrig, ein kleines Gemach, welches nur durch eine Portiere von dem Bibliothekzimmer geschieden war. Fergon, welcher den Direktor eben falls begleitet hatte, hob die Portiere aus, um seinen Chef eintreten zu laffen. Er folgte, ein brennendes Wachslicht in der Hand. Die Wände des ZimmerS waren mit schweren seidenen Tapeten aus Flandern behängen und der Fußboden mit einemGe stecht aus feinemReisstroh belegt. An MSbeln enthielt es nur einen Tisch von Eben holz auf welchem ein Spiel Karten ousge breitet lag. Der Polizeidirektor erinnerte sich ganz genau desSpieltisches im Boudoir desPavillons, wo er so unangenehme Stunden im Uhrgehäuse zugebracht hatte und er führte überdies das Portrait der ermorde ten Dame bei sich. Einer Eingebung folgend, neigte er sich plötzlich auf daö Spiel herab und prüfte mit Aufmerksamkeit die Karten, die er ein zeln durch die Hand gleiten ließ. Was er vermuthete traf zu . Es fehlte die Pique-Dame Der Polizeidirektor trat ins Toilletten zimmer zurück, reichte Fergon das Wachs licht und fagte kurz: Ich habe gesehn, was ich sehen wollte. Gehen wir Wohin werdenSie mich führen?" frag te Charles. JnsGefängniß der Präfektur; morgen wird der Untersuchungsrichter mit Ihnen ein Verhör anstellen gab der Direktor ei sig und schroff zur Antwort. Kann ich eSJemanden wissen lassen,daß ich verhaftet bin?" Wenn Sie dabei die Personen in's Auge fassen, mit denen Sie heute Nach mittag zusammen waren, darf ich dieZVerantwortung nicht auf mich laden, Ihnen zu gestatten, an sie zu schreiben Es handelt sich nicht um diese. Ich möchte, daß meinVater von meinemSchick sal in Kenntniß gesetzt würde ,Jch werde morgen früh Ihren Wunsch erfüllen. Geben Sie mir seine Wohnung an Quai Conti Nr. 4 Quai Conti Nr. 49 !" wiederholte der Direktor, indem er unzweideutige Beweise des Erstaunens kund gab, es ist doch nicht etwa Herr Alfred Lesebre?" .Ja Diese Antwort versetzte nicht nur den Polizeidirektor, sondern auch Fergon in einen Zustand der Niedergeschlagenheit. .Ihr Vater ist eine hochgeschätzte Persönlichkeit begann derDirektor nach einer peinlichen Pause. .Ich kenne ihn seit vielen Jabren und verspreche ich Ihnen, mich morgen früh persönlich zu ihm zu be geben, UM ihm den traurigen Vorfall zu berichten. Leider ist dasAlles, was ich für Sie thl. n kann fügte er hinzu, indem er durch eine Miene andeutete, daß diellnter redung beendet sei. (Fortsetzung solgt.)

L o n d on, 29. Sept. VonConstan tinopel wird gemeldet, daß die Türkei und Griechenland sich zum Kriege rüsten. ES htißt, Fürst Labanosf werde einen Plan zum Abschluß eines Bündnisses zwischen Rußland und der Türkei vorlegen. Ruß land soll gewilligt sein, 800MillionenFrcs. der Kriegsentschädigung nachzulassen und der Türkei die Provinzen in Asten wieder abzutreten. -London, 29. Sept. Von Allaha badwird gemeldet,daß die englischenTrup pen wahrscheinlich am ö. Oktober vor Ca bul ankommen werden.

(Für die rriiüne eschriedtn.) Prinzessin und Zjankee. ,

:o: Erzählung don F. Grawen Will. (Fortsetzung.) Well, ich denke eö waren Töchter deS Gärtners, deS SchloßcastellanS oder mehr etwa? Vielleicht des Leibkammer dieners Sr. Hohheit des Fürgen von Ronau? Ich Hab's wohl getroffen, nicht wahr?" Wollen sehen ! Eines Tageö brachten sie dem jungen Manne die Botschaft, daß Maskenball im Schlosse fein sollte, und gaben ihm einen Wink, daß sie dort sein, und in welchem Anzüge sie erscheinen wür den. Der Student verstand gut genug, was er zu thun hatte. Er wollte zumBall gehen. Die Fremden hatten Zutritt. Aber die Hoflust war ihm zuwider. Er träumte im Park von den .himmlischen Augen. In der Ferne hörte er die von der Militärkapelle gespielten . lustigen Tänze. Aber die feierliche Stille im Park t. war seinem Herzen sympatischer. - ES . rauschte in den Büschen. Er steht auf und ein reizendes Schäfermädchen steht vor ihm." Weiße Strümpfe, kurzes Röckchen und zwei allmachtig lange Zöpfe; nur weiter weiter, weiter, jetzt kommt die Cata strophe." . . ' . Sie kommt nicht, lieber Freund !" sagte Warren düster und leise. Wa3 kam dann?" . Das andere Mädchen, und so gab e5 nur eine flüchtige Begrüßung und das war Alles !" ' .' . Nicht viel allerdings - Die Morgenbesuche blieben regelmäßig bis es zu Ende damit kam !" , Endlich ! Und die Liebeserklärung ?" Eine Liebeserklärung ? Warte es doch ab ! Obgleich der junge Mann glühte und halb wahnsinnig vorLiebe war, schwieg er, denn das Kind mit den himmlischen Augen hatte etwas so Majestätisches an sich, daß jede Erklärung unausgesprochen blieb. War auch .unnöthig ! Vally, so hieß sie, die Andere hieß Helene,machte jede weitere Erklärung überflüssig. Die Art und Weise, wie sie und der junge Mann mit einander verkehrten, war. der rechte Ausdruck der Herzinniggen Liebe und Hingebung. Wurde die Schwester nicht eifer süchtig ?" Falsch ! Es war ihre Schwester nicht, . sondern ihre Cousine. Miß Helene hatte auch erzählt, wer sie eigentlich wären, nämlich ihr Onkel war Privat Secretair des Fürsten. Die Mädchen hatten eine sehr gute Schule genossen. Auch Englisch gelernt und ich weiß nicht, was noch Alles. Sie waren natürlich sehr dafür interessirt, mit dem jungen Mann englisch zu reden, er aber sprach lieber Deutsch. Und so gab's ein recht gemüthliches Durcheinander im Unterhalten, Plaudern und Schwatzen. Der Student war glücklich. Er war eine unschuldige, unverdorbene Seele, wie Studenten stets sind, wennle ein heiliges und reines Liebesfeuer im Busen tragen." Du scheinst ihn aber sehr genau gekannt zuhaben!" Wie mich selber? Kurzum, er betete das Mädchen an in zartester und würde vollster Weise !" That sie desgleichen, oder war er häßlich?" Er war nicht haßlich, wenigstens damalS nicht. Od er aber schön zu nennen war. weiß ich nicht. Das ist überhaupt Geschmacksache !" Er kann froh sein, daß Du dazumal Nicht sein Nebenbuhler wurdest, renn der schöne" Warren war vor zwanzig Jahren gefährlich !" scherzte Sutton. Well, well, hör' nur weiter. Die Ge schichte wurde mit der Zeit doch kritisch. Er hatte an jedem Morgen den Vorsatz gefaßt, seine Liebe zu gestehen, aber die Gegenwart der Cousine war ein Hemm schuh. Da, eines Morgens, erschien Vally allein. Sie trug ein blaues Blümchen in der Hand und schien sehr niedergeschlagen zu sein!" Aha, sie kriegen sich nicht! Keine Hochzeit!" Warte es. doch nur ab, Sutton. Ich sage Dir, es gab eine Hochzeit und keine ! Vally streckte ihre Hand aus und reichte ihm die Blume dar. Er wollte sie ergreisen. Sie fiel in'S Gras. Das junge Mädchen bückte sich ; er auch ; ihre Hände berührten sich nur einen Augen blick, und als er aufschaute, sah er de3 Kindes Angesicht purpurroth Übergossen.

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