Indiana Tribüne, Volume 2, Number 7, Indianapolis, Marion County, 27 September 1879 — Page 6
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6 I n d i a n a T r i b n n e."
DaS Geheimniß des Pavillons.
Aus den Papieren einesGe h e i m p o l i z i st e n, von C. Panlovsky. . . (Fortsetzung.) . .Du verstehst unsere Sprache so gut wie Deine Muttersprache und wirst also auch wissen, um was es'stch hier handelt. Wäst Du nur ein einfacher Taschendieb, so würdest Du mit einer Gesängnißstrafe von etwa drei Monaten davonkommen; aber Dein Geschäft liegt klar vor Augen. Du wirst in den Augen der Richter so schuldig sein daß man keine mildernden Umstände annehmen wird." Der Engländer schwieg, aber seine Ge stchtssarbe.ward aschgrau. Heraus mit der Sprache! herrschte Fergon. Warum zögerst Du? Entscheide dich schnell, denn ich habe nicht länger Zeit, mich bei Dir aufzuhalten und werde Dich, wenn)ufortfahrst,denVcrstockten zu spielen, ohne GnadeDeinen Richtern überliefern. Glaube mir, es wird in Deinem Interesse liegen, mir zuvor ein offcnesGe ständniß abzulegen." Was hätte ich Besonders zu gestehen?fragte der Taschendieb. .Sie haben mich auf frischer That ertappt und ich mache darum keine Hehl daraus, daß ich gestoh len habe. Der Diebstahl ist mein Hand werk. das ist mein ossenherzigesGeständruß!" Fergon hielt ihm die Photographie vor die Augen und ewartete siegesbewußt die Wirkung dieses Mannövers. Der Eng länder llkß zwar ein erstauntes Ah!" ertönen, seinAntlitz zeigte jedoch keine beson dere Verwirrung. .Kennst Du dieses Portrait?" .Ja," murmelte der Gefragte, .es ist dasjenige der Frau die todt drüben liegt." .Und welche Du ermordet hast." .Ich habe ste allerdings als Leich? gesehen, aber nie lebend." .Du glaubst doch nicht gar, mir dergleichen vorliegen zu können ? HättestDu ste nie gesehen, würdest Du ihre Photo graphie nicht in Deinem Taschenbuche ha ben." .Meinen Sie daS Taschenbuch, welches Sie mir soeben abgenommen haben? Das gehört mir ja nicht." .Wem sollte es sonst wohl gehören?" .Demjenigen, dem ich eS kurz zuvor aus der Tasche gezogen habe." .Nicht übel funden," sagte Fergon ein wenig verdutzt, .doch dazu bedarf es der Beweise. Wo hast Du den Gegenstand gestohlen? Zu welcher Zett? Und wie sah derMan aus.demDu es aus derTas he genommen hast?" Ich habe es mir kurz vor meiner Verhastung im Leichensaale angeeignet. Der Besitzer trug einen karirten Rock, einen schottischen Shawl, einen weichen breite rändigen Filzhut und Handschuhe von grauemPelzwerk," antwortete derTaschendieb, ohne sich zu besinnen. Aus diese unerwartete Antwort verlor Fergons Gesicht die Farbe. Diese iU vort vernichtete eine Fülle vorzeitigerHosfnungen,stürz.e ihn aus all seinen erträumten Himmeln. Wie ein Ertrinkender um sich zu retten, nach einem Strohhalmhascht suchte er sich zwar selbst zu überreden, daß der Engländer eine Lüge vorgebracht habe. Über dessen schlagfertige Antwort war so ungezwungen, so natürlich, die Beschreibung des Anzuges des muthmaßli chen Thäters so zutreffend, daß ihm nichts übrig blieb, als die Wahrheit anzuerken. nen. .Ich räume ein fuhr der Engländer fort, .daß ich in der Absicht nachParis ge kommen bin, um die Taschen zu visitiren. Nus den Boulevards ließ sich nichts machen, da die Kalte die Leute von den Straßen verscheuchte. Da laß ich in einemttaf seehause die Nachricht, daß in der Morgue eine Ausstellung stattfände, die ganz danach angethan fei, die Aufmerksamkeit der seinen Welt auf sich zu ziehen. Ich kam also hierher und stieß, nachdem ich bereits mehrere glückliche Fänge gemacht hatte, auf den von mir schon bezeichneten Herrn. .Anfangs wollte ich ihn schon ungehin dert passilen lasten suhr der Engländer fort, .da ich aus seiner Kleidung entneh men zu dürfen glaubte.daß ich bei ihm nur meine Zeit verlieren würde. Indeß siel mein Blick aus seine Handschuhe, und diese veranlaßten mich, seine nähere Bekannt
schaft zu suchen. Ich bemerkte, daß er sei ne Hand häufig prüfend an die rechteSeite seines Rockes legte. Leuten von Fach ist diese Bewegung, welche andeutet, daß der Betreffende daselbst ein werthoolleS Porte feuille zu haben pflegt, bekannt. Er stand inmitten einer dichten Menge, gerade vor derErmordeten u. dachte in diesem Augen blick nicht an seine Tasche. Er schien sehr aufgeregt und" .Es ist leider kein Zweifel mehr vorHanden," dachte Fergon, .Ich habe den wirklichen Thäter abermals entkommen lasten." Der Taschendieb fuhr fort : .Ich nahm die Gelegenheit wahr, mit diesem Mester einen Einschnitt in seine Tasche zu machen. Ich konnte nur das Taschenbuch unbemerkt herausziehen.Bald darauf wurde ich bei einem ähnlichenKunststück verhastet." Fergon hörte in seiner Ausregung die letzten Worte dcs Diebes nicht mehr. Er ließ denGesangenen sortführen und wandte sich dann mit verzweiflungsvoller Miene an seinen Kameraden. .Wir haben soeben den Mörder entwischen' lasten: den Mörder, sage ich. Jener Spitzbube spricht die Wahrheil" .Nicht . so voreilig ; auf alle Fälle hast Du in dem Taschenbuche mit demPortrait der Piqae-Dame einen Fund gemacht,aus dem stch, sei es mit Hilse desPhotographen sei es auf andere Weise, Kapital heraus schlagen läßt. Was ei.thält übrigens das verwünschte Taschenbuch? Fergon nahm es zur Hand und durchsuchte die drei Taschen die es enthielt. .Hier stnd füns Banknoten, jede zu tausend Franks; das beweist, daß der Engländer nicht gelogen hat, denn dieTaschendiebe tragen nie mehr Geld bei stch, als was ste bei Tage stehlen. Doch was sehe ich? Eine Adreßkarte auf wel cher stch zwei Namen befinden !" Er zerr te seinen Kameraden aus dem Burea;! aus die Straße hinaus und rief, die Adreßkarte hoch emporhaltend : .Der Mörder ist in meinen Händen ! Hier steht sein Name !"
XI. Das Taschenbuch. Seitdem Charles Lefebre das schöne u. r?iche Fräulein Adeline Barre liebte, hatte kein Wölkchen das sanste Dasein dieses glücklichen Brautpaares getrübt. Sie hatten stch auf einem Baale getroffen und schon der erste Tanz war für ihr Geschick entscheidend gewesen. Adeline ge stand ihrer Mutter an demselben Abend, daß der junge , Mann mit dem braunen Haar und den dunklen Augen ihr von aU len Tänzern am besten gefallen habe und Charles säumte nicht feinem Vater in aller Frühe einen Besuch abzustatten, .um ihm mitzutheilen, daß Adeline seinHerz gewonnen habe. Dem alten Lefebre war die an gesehene Familie wohlbekannt und er wünschte seinem Sahne zu dieser Vortheil haften und ehrenvollen Verbindung von ganzem Herzen Glück. Schon Nachmit' tags begab er sich nach dem Landbause der Eltern des jungen Mädchens und hielt in höflichster Form bei ihnen um dieHand ihrer Tochter sür seinen Sohn an. Das Ehepaar Barre fühlte sich durch diesenAntrag ebenfalls geehrt und sie sagten ihm daß Adeline im gleichen Sinne bereits ihr Herz geöffnet habe und das Beide deshalb mit Freuden zu diesem Bündniß ihre Ein willigung ertheilen würden. Es ging also Alles erwünscht von Stat ten, und das junge Brautpaar hatte be reits nach halbjähriger Verlobung seine Hochzeit auf emen bestimmtenTag imMärz angesetzt. Charles war seines alten VaterS einzige Hoffnung, sein Trost, sein Leben. Eine vortreffliche Erziehung hatte ihn zu einem ernsten, nachdenklichen und arbeitsamen Mann herangebildet. Zwar war er zune len düster und verschloffen, allein ein einzigeS Lächeln aus den schönen Augen seiner Braut genügte, um s .inen Unmuth zu verscheuchen. Eines Abends saß er in einer Ecke der Wohnstube deS prächtigen Landhauses seiner Braut gegenüber, und Madame Barre, die ihn bereits als ihren Schwiegersohn betrachtete, griff nach einem Journal und schien daß Liebesgespräch, welches die Verlobten flüsternd austausch ten, gänzlich zu ignoriren. Plötzlich brach sie beim Lesen eines Artikels in die Worte aus : .Also endlich ! es scheint, daß man dem Thäter der beiden geheimnißvollen Verbrechen in der ruePanattiere auf derSpur ist."
.Welcher Verbrechen, Mutter?" warf Adeline zerstreut hin. Ihre Mutter, un terbrach sie nämlich in dem Augenblick, in welchem sie ihrer bevorstehenden Hochzeitsreise gedachte. .Wie !" äußerte die alte Dame verwun dert, indem sie die Zeitung aus der Hand legte, .wie, es wäre Dir unb-kannt, daß man eine schöne junge Dame erdolcht und einen Kaufman erschlagen hat ? Ich habe Letzteren sehr wohl gekanntes war der geachtete Kaufmann Feran, der oft mit Dei nem Vater, bei dem er ein Conto hatte, verkehrte. Finden Sie nicht auch," fuhr sie zu Charles gewendet, fort, .daß diePa riser Pariser Polizei untüchtia ist, da sie solche Greuelthaten weder verhindern, noch auch die Mörder an's Licht zu ziehen ver mag." .Sagten Sie aber nicht vorhin," beeilte der jungeLesebre sich,zu erwidern, sagten Sie nicht, daß man den Mördern der ar men Frau auf dcr Spur sei?" .Llebe Mutter," ries Adeline aus, .wo zu diese Konversation ? Laßt uns lieber von anderen Dingen reden. Wie ist es mit dem Halsband V wandte ste stch lä chelnd anCharles, .Du hättest es mir heute Abend mitbringen sollen, aber ich möchte darauf wetten, daß Du es vergesten hast." .Verzeihe mir, Adeline", bat der junge Mann, der ersichtlich verwirr erschien, .ich war im Begriff, nach dem Juwelier zu gehen,'als ein unerwartetes Hinderniß dazwischen trat." .Welches Hinderniß?'' fragte Adeline schalkhast, .ich besitze ein Recht es zu wis sen." .Ich wurde durch einen Gerichtssall ab gehalten." Diese Entschuldigung nehme ich nicht an." Morgen werde ich meinen Fehler wieder gut machen und das erwähltcHalsbano mitbringen." 3ch hoffe mein lieber Charles," sagte Madame Barre, daß sie für den Brautschmuck nicht zu große Summen verwenden Sie fungen ihrenHausstand allerdings mit einem hübschenVermögen an,aber die ächte Sparsamkeit verschwendet nichts. Ich bitte Sie darum nich " Diese Rede ward plötzlich durch denEin tritt eines Dieners unteibrochen. .Im Vorzimmer ist ein Mann," meldete derselbe, welcher auf der Stelle mit Herrn Lefebre zu sprechen begehrt." .Ein Mann?" wiederholte Charles, den diese unhöfliche Anmeldung eines Fremden der ihm unbekannt war, unangenehm be rührte. .Ja, mein Herr, und er ist sehr schlecht gekleidet." Wahrscheinlich ein Bettler, nur kann ich mir nicht erklären,was ihn bewogen hat mich bier auszusuchen." Gleichviel Charles," sagte Adeline mit einem Ausflug von Schmollen, das ste al lerlicbst kleidete, Du mußt Dich auf alle Fälle zu ihm begeben, um ihm eine Wohlthat zu erweisen." .Mein Herr, es ist kein Bettler", nahm der Diener wieder dasWort, .er gibt vielmehr an, Ihnen etwas sehr wichtiges mittheilen zu mästen." Während er noch sprach, zeigte sich der Angemeldete in der geöffneten Thür. Derselbe hatte dasAussehen eines gewöhnlichen Arbeiters in Sonntagsanzug. .Wer hat Ihnen erlaubt, hier ohne Weiteres einzudringen?- fragte der junge Lefebre, indem er sich ihm näherte, .wer sind Sie V .Entschuldigen Sie mich," antwortete der Unbekannte demüthig. .Habe ich die Ehre mit Herrn Lesebre zu sprechen?" .Ja, mein Herr," sagte die alte Dame die eine Scene vermeiden wollte, .erklären Sie sich!" Gleichzeitig deutete sie dem Dicner an, stch zu entfernen. .Was mich hierher führtest sehr einfach; ich habe vor Kurzem eine Brieftasche gefunden, in der Geld vorhanden ist sogar viel Geld. Ich bin zwar nicht reich, aber ehrenhast, und da sich in der Brieftasche eine Adreßkarte mit dem Namen : Madame Jrancoise Barre befand, sagte ich mir. Du gehst direkt zu dieser Dame, anstatt, wie vorgeschrieben, den Fund der Polizei anzumelden." DaS nenne ich brav gehandelt," äußerte Madame Barre, .allein Sie irren sich. Weder meine Tochter noch ich sind heute ausgegangen, können also folglich auch nicht die Brieftasche verloren habcn." .Dann gehört sie vielleicht dem Herrn Lefebre dieserName besindet sich ebenfalls auf der Kartei .Ist es Deine Brieftasche?" fragte Ade-line.
.Nein, nein ich habe nichts verloren !" rief der Gefragte. .Das ist doch eigenthümlich," murmelte Adeline, der es nicht entgangen war, wie sehr diese Frage ihren Brär tigam in Aufregung versetzte, und wandte stch dann an den. Arbeiter : .Wollen Sie uns die Brieftasche zeigen, mein Herr V .Verzeihen Sie mir. Fräulein," versetzte er zögernd, .gewiß, ich setze nicht das geringste Mißtrauen in die hier Anwesenden, aber Sie begreisen ich könnte mich Un annehmlichkeiten aussetzen, wenn ich sie an Jemanden anders, als an ihren rechtmäßigen Besitzer auslieferte." Ist es eine Brieftasche von englischem Leder?" sorschte'Adeline weiter. .Ich weiß es nicht so genau' aber wenn Sie die Güte haben würdet?, mir dieFarbe anzugeben." .Dunkelroth, mit goldenemBeschluß,worauf die Anfangsbuchstaben Ch. u.A; eingravirt sind." .Die Beschreibung trifft auf einHaar zu. Wissen Sie vielleicht auch, wie viel Taschen sie enthält V Drei." .Ganz richtig. Und die Summe?" Aus tristigenGründen beantmorteteAdeline die letzte Frage nicht. .Aber diese Brieftasche gehört Dir, Charles," äußerte sie lebhaft. .Du hast es also schon vergesten, daß ich sie Dir ge schenkt habe V .Verzeihe mir, Adeline," antwortete der junge Mann, ich glaubte nicht, konnte es nicht glauben, daß eben dieser Mann mir den Gegenstand wieder bringen würde, welcher" Du hast also gänzlich Deinen Verlust ignorirt? Keine Verstellung! Ich fand
Dich bei Deiner Ankunft sehr niederge ' schlagen o, mir entgeht nichts und ich werde Dir angeben, was die Brieftasche enthielt ! FünftausendFrancs, den Preis für mein Halshand ! Ich zürne jetzt nicht mehr darüber, daß Du es mir nicht mitgebrachst hast. Warum sagtest Du das mir nicht gleich ?" sügte das reizende Mädchen lachend hinzu. Sie hatte nun ihre frühere Heiterkeit wieder gewonnen, da ste die Ursache der Niedergeschlagenheit ihresBräutigams errathen zu haben glaubte. Fünftausend Francs, rief Madame Barre aus. .das ist ja eine beträchtliche Summe, und ohne den Herren da, welcher uns hoffentlich das Vergnügen erweisen wird, eine guteBelohnung anzunehmen" .Was mich betrifft, Madame, so will ich nichts dasür haben. Es .st eine selbstverständlicheEhrlichkeit. daß abliefere, was ich gefunden habe. Mtch belohnt der Gedanke, den Herrn vor einem bedeutenden Verlust bewahrt zu haben. Es war doch ein guter Einsall daß ich mich heute nach der Moegue begab. Nach der Morgue !" fuhr Adeline auf. Wie, mein Herr, Sie hätten die Brieftasche in der Morgue gefunden?" .Nun, mein Gott, ja nnd eS nimmt mich mit Recht Wunder, daß nicht Andere den werthvollen Gegenstand aufgehoben haben, da sich eine unglaubliche Menge neugieriger Zuschaue? in der Morgue besand." .Du bist dahingegangen, Charles?" fragte Adeline, Ja." sagte er zögernd, einZusall führte mich dahin." .Ich binDir dafür dankbar, daßDu mir das nicht gesagt hast." .Die Sache ist also jetzt in Ordnung." begann der Unbekannte, .Sie haben eingeräumt, in der Morgue zurBestchtigung der ,PiqueDame", wie ste 'die Journale zu nennen belieben, gewesen zu sein. Es bleibt mir nur noch übrig, Ihnen diese Banknoten undBrieftasche zurückzustellen was hier mit geschiet." Der junge Mann streckte die Hand danach aus. .Eine Minute, mein Herr !" sagte der Unbekannte, indem er daS Bild zeigte. .Dann gehört ihnen auch diese Photographie. Ich verhaste Sie im Namen deö Gesetzes." Er riß seinen unscheinbaren Rock auf und zeigte das Abzeichen des Polizeibeam ten. Es war Fergon, der den jungen Mann verhaftete. Frau Barre und Adeline stießen gleichzeitig einen gellenden Schrei aus, während Charles todtenbleich wurde. .Weshalb verhaften Sie mich?' stieß er dumpf hervor. (Fortsetzung folßt.) SB i t n, 21. Sept. Bismarck ist hier heute angekommen.
Für die .Tribüne- geschrieben.) Prinzessin und Yankee.
',01 :'., Erzählung don F. Grawen Will. (Fortsetzung.) Diese Gefühlsstimmung hatte etwas , -' Befremdendes an stch. Sutton verstand . seinen Freund nicht. Was in aller Welt, konnte ihm die todte Fürstin sein ?. und wenn sie zehnmal hätte länger leben können oder wollen. Sollte sein Freund y '; Warren so merkwürdig viel von gekrönten -Häuptern, Königen, Fürsten und Prinzendenken? Er, ein geborener Republikaner? . Sollte ihn der Consulats-Posten im Um , gange mit der Unterthanen Sr. Majestät des Königs von Italien so umgewandelthaben, daß seine Gesühle mit Hostrauer und schwarzumflorten Ceremoniendicnst harmonirten? Well, in zwanzig Jahren kann aus einem Menschen mancuerleiwerden. .Ich habe gehört," unterbrach Sutton 1 s die Pause, .daß der Fürst ein erbärmlicher Mensch gewesen sein soll !" .Leider war es nur zu wahr," und Warren hüllte sich in eine Wolke. 4 . . .Nun, sie wird nichts um ihn gegeben haben, denke ich, oder wie?" fragte Sut ' ton, der die hereinbrechende, sonderbare Stimmung seines Freundes verscheuchen y wollte. ' ' Nein," sagte dieser, es wäre auch nicht möglich gewesen. Er war ein roher Ein faltspinsel. Ihre Heirath war wie ge.'' wöhnlich, ein politisches Machwerk." Ja. ja, diese Thronhimmel- und Kro tu
nen-Hochzeiten sind merkwürdig ritterlich, romantisch und poetisch!" stichelte j Sutton. Warren schwieg. Ein schwerer Seufze arbeitete sich heraus und stieg als längfic-wf zogene Rauchjaule auf: .Ach ja, todt und so jung, so schön und so un- ;' l glücklich !" : .Die verstorbene Fürstin von Ronau 'ij macht Dlch merkwürdig sentimental ! Hast Du sie denn so genau gekannt?" ' .Ich sah sie vor zwanzig Jahren und dann nie wieder." .Nun in aller Welt, was kümmerst Du p, Dich denn darum, daß sie als alte Fral , endlich gestorben ist ? .Sie war nicht alt Sutton. In mei- , :j ner Erinnerung ist sie jung, schöa, bezau- , bernd. Ihr Andenken gehölt jner Zeit.. an für die ich so ein wenig schwärme.' j Ich kann ihr Gesicht noch vor mir sehen. . , ; Q so schön und so traurig. Ich weiß, sie. ; war sehr, sehr unglücklich. Ich habe öavon eine Geschichte erzählen hören. Aber , ich denl' nicht, daß sie Dich interessirt." Nur vorwärts! Erzähle, erzähle! Gewiß macht es mir Spß, die Geschichte ; von der unglücklichenPrinzessin zu hören !" j Sutton sagte dies aber nur deshalb, vrz- , ! seinem Freunde das langweilige Grübeln j j zu benehmen. Er gab im Grunde nichts um die Historie, nur wunderte er sich, warum Warren so viel Wesens dovon machte.. Warren sog bedächtig an seiner Cigak. Endlich schien er den Faden gesunden zu haben und begann : ' Viel ist eigentlich nicht zu erzählen. Ich kannte einen gewisten Jemand als wir damals im Fürstenthum Ronau " .Und in der Hauptstadt Ronau schaltete Sutton ein. .Yes, in der Residenz deö Fürsten waren. ES war ein well, er sprach englisch. Du kennst ihn nicht. Er studirte ! irgend etwas oder auch nicht ; aber eiv. . , that er, er laö jeden Morgen seinen deut schen Classtker. Mit der Lerche stand er aus und streifte dann durch den weitläusi. . gen Schloßpark, in welchem stch noch viele wild-romantische Parthien vorfanden." ; .Wahrscheinlich hatte der Hofgärtner kein so große Gehalt, daß es sür den gan zen Park reichte !" .Nun Du kennst doch den Park ? War ' er nicht reißend?" .Well, das sind Geschmacksachen. der nächsten Nähe des Schlostes war er schön, wirklich schön. Aber, wie gesagt, das Gehalt des Hofgärtners reichte nicht ' weit. Nach dem See zu war die Cultur recht zu vermisten." 1 .Ich liebte diesen wild romantischen Theil aber ganz besonders. Und und x der junge Mann, der Student, von dem ) ich eben erzählen will. auch. Er batte ein v ' stilles Plätzchen entdeckt, ein wahres Park- ' geheimniß, denn er wurde dort niemals von einem Fußgänger gestört. Ich ken: '' diesen Plotz, jeden Stein, jeden Baum und Straucv. er, wetßt Du, er zeig.;i miYs. Ich habe da nachher mich ost ge'
