Indiana Tribüne, Volume 2, Number 3, Indianapolis, Marion County, 30 August 1879 — Page 3

I n d i a n a T r i b ü n e."

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Der Militarismus in Deutschland. Der Militärismus treibt immer häßlichere Blüthen, und was das Schlimmste ist: nur selten dringen die betr. Thatsachen ans Licht. Hier ein Beispiel, das uns ein Genosse berichtet, der Augenzeuge von der Affaire war. Am 31. v. M. Abends 8 Uhr, wurde in der Schwimmschule zuGlatz auf Kommando untergetaucht. ZweiSoldaten Nitsche und Christen, von der 11. Kompagnie des 18. JnfanterieRegiments welche des Schwimmens unkungig waren, weigerten sich dem Befehle Folge zu lei sten. Da befahl der Premierlieutenant v. Donop, ein echter Soldatenschinder, dab man diese Leute in die Tiefe stoße. Dies geschah wenige Minnten darnach waren sie Leichen! Kein Hahn kräht weiter dar nach. So gehen aber gar viele zuGrunde Andere jagen sich Kugeln durch die Kövfe, noch Andere fallen den Erprobungen un serer modernen Mordapparate zumOpfer, wie sich erst kürzlich wieder zu WilhelmsHafen zeigte, wo beim Platzen eines Schiffsgeschützes 4 Mann getödtet und 21 verwundet worden sind. Endlich die Rekrutenmißhandlungen! Eine solche kam unlängst vor demMünche ner Militärbezirksgericht zu näherer Besichtigung u. entnehmen wir demBerhand lungsbericht Folgendes : Der Unterosfizier Henn leistete anBru talität das Unglaubliche! EinenSoldaten, Joh. Berthelshaser, hatte er sortgesetzt ge orfeigt unb besonders am 8. Februar eine

derartige Ohrfeige gegeben, daß dieser heutzutage noch taub ist. Hiebe mit dem Patagan, Gewehrkolbenstöße waren tägliches Traktement ! Mit Hieben, Püffen und Stößen .gleichfalls maltratirt wurde der SoldatHeinrich Fürst,der vorSchmerz laut aufgeschriehen ; einmal mußte er 100 Kniebeugungen machen auf einem Flecke, so daß er zuTod erschöpft zusammenbracht Soldat JosephBader war gleichfalls aufs empörendste mißhandelt warben durch Stöße mit einem Gewehrkolben, Rippenstöße :c. Den Soldaten Jos.-Gelbertshofer hatte er beim Turnunterricht und zwar wah rend dieser am Reck hing mit Kolbenstößen derart traktirt, daß er vor Schmerz laut aufschreien mußte. Die Soldaten G, Bauer, Phil. Güller, Jos. Heider ließen sich, weil sie beim Exiciren Fehler gemacht . ins Gesicht speien ! ! Und so deponiren noch mehre Zeugen über die unglaubliche Brutalität des Soldatenschinders ! Aus Befragen, wie er denn sich und seinen Stand so habe entehren können", ant wortete Henn mit wahrer Unversrohren heit, .er habe denRekruten Ehrgesühl bei bringen wollen !" Der Hr. Unterosfizier Henn war serner auch derart ordinär, daß er sich von Sol daten, deren Gewehr z. B. rostig war, 10 oder 20Psennig geben ließ, gegen dasVer sprechen, daß er sie nicht anzeigen würde ! Soldat Harter hatte ihm 16 Mark anver traut welche der saubere Vorgesetzte unterschlug. Ein Jahr Gefängniß also ungefähr eben so viel, als man für oppositionelle Reden leicht einheimsen kann hielt der Gerichtshof für ausreichend, alle diese Schandthaten zu sühnen. In Preußen hätte man freilich dem Wildfang wahr schcinlich eher eine Verdienstmedaille als irgend ein Strafmandat zuerkannt. Denn solche Unterosffziere sind gerade die be liebtesten. Und wer sich darüber aufhält, den steckt man ins Gefängniß. Ein liebliches Dasein in einem solchen Land und bei solchen Zuständen ! (.Freiheit) . Meuchlerischer Ueberfall. S a n F r a n c i s c o, 23. August. Gestern Abend vertheidigte sich Rev. I. S. Kalloch vor einer zahlreichen Zuhörer schast gegen Beschuldigungen, welche die Zeitung Chronicle gegen ihn erhob und wonach er vor 30 Jahren einen unmoralischen Lebenswandel gesührt haben soll. Er sagte, diese Anklagen seien von Charles und Mike DePoung, Bastarde einer Prostituirten, abermals vorgebracht wor den. Heute Morgen kam Charles De Joung in einer geschlosienen Kutsche nach dem Metropolitan Temple, wo Kalloch ein Zimmer hatte, und ließ diesen durch einen Knaben ersuchen, auf das Trottoir zu kommen. Kalloch entsvrach dem e suche sofort, att De Poung ihn durch 'ei nen Schuß in die Brust verwundete. Kal loch suchte dann.in das Haus zu entkörn men, wurde aber durch einen Schuß im Rücken verwundet und ist, wie man glaubt, gestorben. EinMenschenhaufen fiel sofort

über die Kutsche her, stürzte dieselbe um . und zerrte De Voung heraus. Er wurde durch Tritte und Faustschläge aus furcht

bare Weise zugerichtet und würde jedenfalls nicht mit dem Leben davon gekommen sein, wenn die Polizisten nicht zu sei nen Gunsten eingeschritten wären. Er wurde nach der Jail gebracht, aber weil man ihn dort, der großen Auslegung we gen, die dieser Vorfall hervorgerufen hat, nicht für sicher hielt, wurden Vorkehrun gen getroffen, ihn nach Fort Alcatrase zu bringen. Die Absicht wurde jedoch be kannt und die Volksmenge ist entschloffen, eine Entfernung Voungs aus der Jail zu verhindern. Hier hat sich noch niemals eine so große Entrüstung wie heute anläß lich dieses Vorsalls kundgegeben. Kalloch ist gerade oberhalb des Herzens durch die Lunge geschaffen. Die Aerzte erklären, daß angesichts seiner starken Gern stitution eine entfernte Möglichkeit seiner Genesung vorliege. DasMilitär ist unter Waffen und die ganze Polizei'steht bereit, um im Falle von ernstlichen Friedensstörungen einzuschreiten. Durch Boten wur den die Arbeiter in allen Theilen derStadt in Kenntniß gesetzt, daß um 2 Uhr heute Nachmittag eine Versammlung bei den Sanblois" stattfinden werde. San Francisco, 23. August. Nach der Verwundung Kalloch's durch Charles De Boung, wurde dieser von den Polizisten mit größter Mühe den wüthenden Arbeitern entriffen und nach dem Gefängniß gebracht. Er hat keine schweren Verletzungen erhalten. Das Gesängniß wurde von der Menge innzin gelt, und da ein Angriff befürchtet wurde, versperrten die Polizisten die Zugänge durch Setle und trafen anderweitige Vor kehrungen gegen einen Angriff. San Francisco. 23. August. Nachdem Kalloch von den hiesigen Arbei tern zu ihrem Candidaten für das Amt des MayorS nominirt war, erklärte Chas. De Poüng in der Staatsconvention der .Honorable Bilks", er werde Kalloch zwin gen, die Candidaiur niederzulegen. Spä ter theilte er Kalloch mit,' wenn er nicht zurücktrete, werde er in den Spalten des Chronicle" Enthüllungen über seine Ver gangenheit bringen. Kalloch antwortete. er möge nur vorgehen; er könne Schlim meres über DePoungs vorbringen, als sie gegen ihn. Am Mittwoch enthielt das Chronicle" einen langen Artikel über Kalloch's Carriere in Boston und KansaS. Angebliche Liebschaften, sein politisches Austreten und Geschäststransaktionen wurden in dem Artikel besprochen. Am Freitag'folgte ein Artikel, in welchem die Handlungen von Kalloch's Vater, der jetzt todt ist, auf gemeine Weise besprochen wurden. Kalloch berief auf gestern Abend eine Maffenversammlung nach dem Met ropolitan Temple. Es hieß, er werde ei nen Artikel vorlegen, den B. F. Naphtaly vor süns Jahren in einer kleinen Zeitung Sun" veröffentlichte und wonach die De Poungs einen Mordversuch auf ihn mach ten, der jedoch mißglückte. DieDe Poungs sandten Kalloch Notiz, daß sie ihn er schießen würden, wenn er den Artikel ver lesen sollte. Am Abend hatte sich im Met ropolitan Temple eine ungeheure Menge eingefunden und Tausende standen vor dem Gebäude, die keinen Einlaß finden konnten. Kalloch hielt zuerst im Temple eine Rede, in welcher er sich sehr scharf über die Familie DePoung aussprach. Spä ter hielt er eine kurze Ansprache an die Menge, welche vor dem Gebäude versam melt war, in welcher er die beiden De Poungs als die Bastarde einer Prostituir ten bezeichnete. Er bemerkte, er habe den in der Sun" veröffentlichten Artikel in der Tasche und werde denselben in den Arbeiterzeitungen abdrucken laffen und besprechen. . ChaS. De Poung hielt dieses für gleichbedeutend mit einer Verlesung jenes Artikels und sührte demgemäß seine Drohung aus. Heute Nachmittag gegen 2 Uhr waren über 10,000 Arbeiter bei den Sandlots versammelt. Von allen Seiten wurden Drohungen gegen Kalloch's Mörder aus gestoßen. Clitus Barbour hielt eine An spräche, in welcher er die Arbeiter ernstlich ersuchte, die Ankunst Kearny's abzuwar ten, ehe weitere Schritte von ihnen ergris sen würden. Er forderte ste aus, unter keinen Umständen sich in einem Kampf mit der Polizei und dem Militär einzulaffen, da sie nicht organisirt seien. Die Menge verlangte, nach der Stadt zurückzukehren, De Noung aufzuknüpfen und die Ofsicin des Chronicle" zu demoliren. Barbour erklärte, die Präsidenten der Ward-Clubs seien in Sitzung und hätten entschieden, Kearney's Ankunst abzuwarten. Wenn

Kalloch sterben sollte, seien sie fest ent schloffen, De Poung ohne Weiteres auf-

zuknöpfen. (Diese Ankündigung wurde mit betäubenden Beifallsbezeigungen aufgenommen). Wright,der Vice Präsident der Partei, hielt ebenfalls eine Ansprache. Darauf wurde eine Depesche von Kearney verlesen, in welcher er mittheilte, daß er heute Abend um acht Uhr von Vallejo an kommen werde. Er räth an, bis zu seiner Ankunft keine weitere Maßnahme zu ergreifen. Flynn. der Sekretär der Partei, verlas eine Mittheilung von Kalloch, in welcher dieser die Versammelten zur Mäßigun aufforderte und sie ersuchte, Kear ney's Ankunft abzuwarten. William Wellook und Croß von Nevada, der iCaN' didat der Partei für das Amt des General Anwalts, forderten ebenfalls zur Mäßigung auf. Stephen Maybell suchte die Anwesenden zu Gewaltthaten aufzu reizen, weshalb die Redner die Menge mit der Erklärung zu beruhigen suchten, wenn Kalloch's Wunden sich als tödtlich erweisen sollten, werde man aus summarische Weise Rache nehmen. -San Francisco, 23. August. Die Abendzeitungen fordern die Arbeiter zur Mäßigung auf. Die Aerzte erklären heute Abend, daß Hoffnung auf eine Ge nesnng Kalloch's vorhanden ist. Man ergreift , hier nahezu durchgängig Partei für Kalloch. Im Falle er sterben sollte und die Arbeiter die Auslieferung De Voung's verlangten, um Lynchjustiz an ihm zu üben, würde wohl Niemand außer den Beamten Widerstand leisten. Was aber auch immer das Resultat der Ver wundung Kalloch's sein mag, die Honor able Bilks" werden der verlierende Theil sein. Wennn er mit dem Leben davon kommt, wird er hier wahrscheinlich eine größere Stimmenzahl erhalten, als an dernsalls der Fall gewesen sein würde. Wenn er stirbt, werden die Honorable Bilks" wahrscheinlich noch mehr Stimmen einbüßen. San Iran c isco, 24. August. Die Zeitungen Alta und Eall enthielten heute Morgen Leitartikel, in denen das ganze Austreten des Chronic.le" und der De Boungs sowohlKalloch wie allen denen gegenüber, die ihre Pläne durchkreuzen, als äußerst schändlich denuncirt wird, so daß viele Bürger Kalloch in der Verfol gung seiner Angreifer unterstützt haben würden. ' Als Kearney hier gestern Abend mit dem Dampfboote von Vallejo angekommen war, wurde er von 160 Mitgliedern der Arbeiter Militärcompagnien, die mit Ge wehren bewaffnet waren und die Bajonet ten aufgesteckt hatten, nach dem Arbeiter. Hauptquartier, an der Market Straße, geleitet, wo die Ward'Präsidenten eine Sitzung hatten. Nachdem er eine Be sprechung mit den Ward-Präsidenten ge habt hatte, wurde der Marsch nach den Sandlots" fortgesetzt. Mehrere tonan gebende Arbeiter hielten -vor Kearney's Ankunft Ansprachen an die versammelte Menge. Er hielt dann eine Rede. Er war sich deffen bewußt, daß diese Tausende erbitterter und rachgieriger Männer bereit waren, sofort gegen De Boung Schritte zu ergreisen. Er hob hervor, daß in 10 Tagen die Wahl die ganze städtische Ver. waltung in ihre Hände bringen würde und die Eigenthümer des Chronicle" dann sicherlich ihren Lohn erhalten würden. Augenblicklich würde einem Versuche, Ge waltmaßregeln zu ergreifen, mit den Revolvern der Polizei und den Gewehren und Gatling.Geschützen des Militärs entgegengetreten werden und es sei nicht der Mühe werth, daß das Blut eines einzigen ehrliöen Mannes vergogen werde. Er beschwor sie mit Rücksicht auf den guten Namen, den sie im ganzen Lande hätten, deffen Augen auf ihnen ruhten, sich keine Gewaltthat zuSchulden kommen zu laffen, sondern ruhig auseinander zu gehen. Die ungeheure Menge schrie nach Blut. Sie solgten aber stillschweigend seinem Ratbe und entfernten sich in verschiedenen Richtungen, augenscheinlich bereit, seinem Rathe unbedingte Folge zu leisten. San Iran oisco, 24. August. Hier herrschte heute Abend überall Ruhe und die Polizeimannschaft steht zum Ein schreiten bereit, im Falle Friedenssiörungen vorfallen sollten. Die Chronicle" Osfice wird von einer Abtheilung Polizi sten besetzt gehalten. Kalloch's Zustand ist noch immer ein kritischer. Seine Aerzte sind jedoch der Ansicht, daß er sich erholen wird. Auf dem Arbeiter. Hauptquartier ist eine Flagge mit der Inschrift aufgezogen: Die Arbeiter wollen Frieden undOrdnung. Kein Chronicle"-Mörder soll dieses Volk beherrschen.

Grabschrift für ,Culu. Der Londoner Punch" verspottet die unter der Protektion des Prinzen vonWa les betriebene Agitatian für ein dem Andenken Lulu Napoleon's gewidmetes MonumenZ in der Westminster-Abtei. Das Witzblatt glaubt dieMeinung der großen Mehrheit des engliichenVolks richtig wie. derzugeben wenn es für das geplanteDenk malfolgendes Epitaph vorschlagt : Dem Gedächtniß des Prinzen Eugen Ludwig Napoleon, Sohnes des Helden von Sedan, Großneffen des Helden von Moskau, und französischen ThronPräsidenten. Liebenswürdig und wohlerzogen hatte er zahlreiche Freunde gewonnen, verlor leider das Leben in einem Konflikt von höchst zweifelhafter Berechtigung, der ihn garnicht anging. Ein schwacherBruchtheil des englischen Volkes hat dieses Denkmal errichtet, um vor der Welt zu bekunden ihre geringe Achtung vor den nationalen Gefühlen Frankreichs und ihre lebhaften Sympatien für die Sache des Imperialismus.

Vermischtes. Vor einigen Tagen erschien auf der Anatomie in Zürich ein bedrängter Beam ter und verlangte vom Oberarzt das Herz einer reinen Jungfrau von höchstens 18 Jahren. Ueber den Zweck des Begehrens befragt, gab der Mann folgendes Recept zum Besten : Schneide ein solches Herz in dünne Scheiben, nimm dann drei Tropfen aus dem herausfließenden Blutmuffer, lege sie aus einen ungebrauchten Teller, und alsbald werden sich diese drei Tropfen in drei Zahlen verwandeln, mit denen du in der Lotterie das große Loos gewinnen kannst." So geschehen inZürich anno 1879! In England ist die Erfindung gemacht worden, die Kupferung eine Schis fes mit'Papier-M-'chee zu überziehen. wodurch die Schiffsrümpse frei von Seegras und Muschelthieren erhalten werden. Ueber die Arbeiterunruhen in Zabrze veröffentlichen die betheiligten Arbeiter, (die nicht sozialdemokratisch, auch nicht leberal, sondern conservativ und Ultra montan sind) ihre Darstellungen im Ge werkoerein", aus welchen wir Folgendes entnehmen : Am 14. Juli, früh 6 Uhr begann die Auszahlung derBergleute auf sämmtlichen Schächten der Königin - Louisen-Grube. Auf PrinzSchönaichSchacht erhielt ein Bergmann 14 P s e n n i g e, s a g e vier zehnPfennigeLohn (3) Cents.) Eine Anzahl anderer Bergleute eben solche geringe Beträge. Mit diesen Lohnsätzen unzufrieden, begaben sich die Betreffenden zum Bergwerks'Direktor Hrn. Monke, um von ihm Aufklärung zu erhalten. Dieser äußerte, daß der Kohlenabsatz ein zu ge ringer sei, um ihnen den früheren Lohn zahlen zu können. Dies ist jedoch nicht der Fall, der Kohlenabsatz ist vielmehr derselbe geblieben. Herr Monke versprach indeß den Leuten, die früheren Sätze wie der einzuführen, was sie jedoch schriftlich bescheinigt missen sollten und ihn zu die sem Zwecke aufforderten, mit nach dem Landrathsamt zu gehen. Auf dem Wochenmarkte kam den Leuten der Vertre ter desLandrrths entgegen und beschwich tigte sie. Auf der Berginspektion, wohin alsdann die Bergleute mit Herrn Monke gingen, bemerkte letzterer, daß er nicht daran schulo sei, daß die Löhne so niedrig stehen, der Obersteiger Muschiol trage die Schuld. Eine Folae dieser Mittheilung war, daß sich der aus etwa 200 jungen Leuten bestehende Trupp nach der Woh nung des Muchiol begab, und da letzterer nicht erschien (Muschiol hatte sich auf dem Boden v.rborgen) richteten die Bergleute großen Schaden in seiner Wohnung an. Die sich nun abspielende Affaire durch das Eingreifen der Gleiwitzer Ulanen ist be kannt. Gegenüber der durch die Vermal tung der Königin'Louisengrube verbreite ten Notiz, daß aus letzterer die höchsten Löhne bezahlt wurden, wird betont, daß dies in den letzten 3 Monaten nicht der Fall gewesen, daß auf Privatgruben 1.50 bis 3 M. täglich bezahlt würden. Aus der Königin'Louisengrube sind in den Mona ten April bis Juni die Löhne bis auf 60

bis 60 Pf. pro Tag (12 bis 15 Cents)

rabgedruckt worden. Und während an derswo, beispielsweise in Nicolai, jeder B ergmann noch etliche Morgen Acker bat u nd von den Erträgniffcn derselben lebt. ist der Bergalbelter in Äabre crnnilufi V 10 ? auf seinen Grubenlohn angewiesen, und ,st ihm mcht möglich, mit 60 Pf. taalick zu existiren, da dieselben bereits auf Gru benabzüge und Steuern aufgehen. Auch st es m den vorgenannten Monaten vor kommen, daß Leute, die 15 Mark Vorschuß genommen, zum Lohntage nur noch etliche Pfennige herausbekamen, ja sogar st noch im Rest verblieben. Dem Ober steige? Muschiol wird nachgesagt, daß er ln Libedienere ein Meister ist, obwohl er selbst weiß, wie es einem Arbeiter au Muthe ist, wenn er mit 14 Pf. ( Cts.) abgelohnt wird, um damit4Wocken Frau und Kind zu 'ernähren. Die Leser erinnern sich gewiß deö Falles mit dem Halberstädter Müllerge sellen Schrader, der wegen Brandstiftung unschuloig verurtheilt und auch Jahre lang in Haft behalten wurde. Ein bei Weitem monströserer Fall dieser Art hat sich in England zugetragen. Jüngst be schästigte sich nämlich das englische Unter haus mit einem Manne Namens Galley, welcher 1836, also vor 43 Jahren, von den Geschworenen zu Exeter des Mordes für schuldig erkannt, doch glücklicherweise nicht gehängt, sondern in eine australische Strafkolonie deportirt wurde, wo er noch lebt. Das Unterhaus empfiehlt ihn nun zur Begnadigung und hat nur auf daS Ersuchen des Ministers des Innern den formellen Ausspruch, daß Galley unschul dig verurtheilt worden sei. unterlassen. Natürlich wird der Mann jetzt begnadigt ; seine Sache führten im Untrhause zwei Juristen, Sir Eardley Wilmot und Mr. Bulwer, in der Preffe aber kein Geringerer als der gegenwärtige Lord-Oberrichter von England, Sir Alexandre Cockburn, welcher ein jungerBeamter war, alsGalley verurtheilt wulde und damals schon für deffen Unschuld eintrat. Er hatte erst vor kurzer Zeit erfahren, daß der Verurtheilte noch lebe und war sofort für seine Be gnadigung undRehabilitirung eingetreten, um die auch in Petitionen gebeten wurde. Eine derselben hatte u. A. der einzig Ue bcrlebcnde von den Geschworenen unter zeichnet, welcher vor 43 Jahren seiner Zeit Galley verurtheilt hatten. Aus Salzburg wird einem berliner Blatte mitgetheilt, daß die Wirthe der dortigen Umgegend die günstige Gelegen heit nicht unbenutzt vorübergehen laffen und Gast:, insbesondere die zahlreichen Ausländer, nicht auf das schonendste be handeln Ein Wiener, der dieser Tage in einer Restauration nächst Salzburg einkehrte,-wurde als ihm der Betrag sei ncr Z:che etwas bedenklich erschien,, von derKellnerin befragt : San S' aPreuß?" Nein", antwortete er. San S' vielleicht a Baier?" worauf 'er erwiderte: Ich bin auch kein Baier, sondern auö Wien und für einige Woch?n in Salz bürg." Na, wann das fo is, nachher kriegen's noch a paarZehnerln zurück, denn nur die Ausländer müffen mehr zablen." Erstaunt über diesen sonderbaren Dualis mus in der Behandlung der Gäste, gab der Wiener den zurückerstatteten Betrag der Kellnerin für ihre Aufrichtigkeit als Trinkgeld." Das Geschichtchen leidet an innerer UnWahrscheinlichkeit. KeineSalz burger Kellnerin, die mit einem Wiener zehn Worte wechselt,bleibt über deffentzei math eine Minute im Unklaren, gerade so gut wie ste den Berliner ohne langes Fra gen erkennen. Wir wollen aber auch auS drücklich der guten Stadt Salzburg, den dortigen Wirthen und der Wahrheit die Ehre geben, festzustellen, daß wir jüngst bei ungewöhnlich großem Fremdenzufluß während des Musikfestes in Salzburg als Preußen im berühmten Schiff" so billig gewohnt, gelebt und Wagen gemiethet haden, wie irgendwo in Steiermark oder im Salzkammergut, oder um diese Zeit am Rhein. Gerade in Salzburg ist von einer Bevorzugung norddeutscherGäste als.Abrupfungsgegenständen" nicht das Mindeste zu merken. L o n d o n, 23. Aug. Der News ttird von Rom gemeldet, daß die Ernte in Jta lien in Folge der Dürre und derbrennen den Hitze viel gelitten hat. DieAussichten für die Weinlese sind bessere In den ve netianischenProvinzen ist durch den schlech ten Ertrag der Seidenkokons große Noth hervorgerufen.