Indiana Tribüne, Volume 2, Number 1, Indianapolis, Marion County, 16 August 1879 — Page 6
6 . - . V S.u Diana s r i'O ü n cJ ' . . . .
SerHodesboiter. :o: Romantisches Gemälde ans dem Englischen von C. v. Grumbkow. (Fortsetzung.) Die Mutter welche im Hintergrunde sie hen geblieben war, trat bei diesen Worten hervor und sagte.: .Wer wagt cS zu behaupten, daß Lamh Lau her Oge nicht seinerMutter gehorchen will ? Ist er nicht stets seinen Eltern ein folgsamer Sohn gewesen? Ich leihe der schändlichen Verläumdung gegen meinen Sohn kein Ohr, so wenig wie ich je ein Wort von dem geglaubt habe, was in letzter Zeit gegen ihn vorgebracht worden ist. Was wird aus mir werden,' wenn der Neger Dich tödtet,was unfehlbar der Fall wäre! Wünschest Du das Herz Deiner Mutter zu brechen? Wir haben bereits einen Sohn verloren; unsere Tochter hat unö vor Jahren heimlich verlassen, kein Mensch we!b, wo sie geblieben; müssen Deine Eltern nun noch vor Verzweiflung sterben, ohne ein Kind zu hinterlassen, das sür sie Thränen vergießen oder ein Gebet sür unser Seelenheil vorrichten kar.ii ? D.r Jüngling zerdrückte flch bei diesen Worten eine Thräne im Auge. Mutter, salls ich es könnte, ich . . . doch nein; jetzt ist es zu spät. Wenn ich mich nicht mir ihm schlagen würde, wäre ich ein Meineidiger. Ihr wißt es",sügte er lächelnd hinzu, daß ein Lamh Laudher so gut seinen Stob hat wieder Todesboxer !" Bei diesen Worten breitete er seine kräftigen Arme mit einem gewissen Stolz aus, welcher seiner Jugend sehr wohl anstand. .Ums Himmelswillen", sügte er hin zu, quält mich nicht länger, es würde nur zu meiner Enttäuschung dienen. Ich habe einmal geschworen, mich zu schlagen und ich werde mich auch schlagen. Mein Entschluß in dieser Beziehung ist uuwider ruflich Diese bestimmt ausgesprochenen Worte überzeugten die Anwesenden, daß jede fernere Ueberredung unnütz sein würde. Den Tod im' Herzen, entfernten sie sich . schweigeend, und nur die Eltern, deren Schmerz grenzenlos war, blieben zurück. Als der Todesboxer vernahm, daß seiner Herausforderung entsprochen wäre, ieschlich ihn ein uubehagliches Gesühl,da sein Geiz sich getäuscht sah. Kaum hörte er indeß aus dem Munde der Corporationsmitglieder, welche ihm das Cartell Übermittellen, daß sein Gegner Lamh Laudher sei. all seine Augen vor wilder Freude ausblitzten. Es freut mich sehr sagte er, Paul, bestelle schnell einen Sarg von sechs Fuß Länge, damit er Platz habe. Hi, hi, hi! Ich bin darüber entzückt, meine Herren; hi, hi, hi! wie freu' ich mich!" Wir haben hier zu Lande ein treffendes Sprüchwort, welches ihr vielleicht nie gehört habt", nahm ein Bürger das Wort. Hi, bi, hi!"-Wie heißt erfragte der Fechter, während er seine weißen Zähne zeigte, und um seine Mundwinkel ein widerwärtiges Lächeln spielte. . Ich werde es Euch sagen", äußerte der Bürger, indem er stch bis an dieThürschwelle zurückzog, sobald ich Eure Nähe nicht mehr zu fürchten brauche. Es heißt : Man soll nicht auf das Küch. lein zählen, ehe es aus dem Ei gekrochen ist." Und mit diesem beißenden Scherz der ließ der würdige Bürger eiligst das Ge mach. Die übrigen Mitglieder des Comi it'i folgten ihm mit entsprechend hastigen Schritten. Der Todesboxer, sich zum Kampfe vor bereitend, beobachtete eine Reihe Forma'litäten, welche darauf berechnet waren, abschreckend zu'wirken. Zum Zeichen, daß sein Cartell angenommen worden sei, ließ er an einem der Hotelfenster eine schwarze Fahne auspflanzen, welche er stets mit stch führte. Dann befahl er dem Tambour, die Larmtrommel zu rühren und ließ von seinenMustkanten einenTrauermarsch aus spielen, während er selbst durch den Ort spazierte und bald hier bald dort mit den
ihm zahlreich umgebenden Leuten ein Ge spräch anknüpfte. Auf dem Marktplätze zeigte ihm Je mand ein HauS, welches abseits derStraße lag und äußerte dabei : Dieses Haus wird von einer Tante des Lamh Laudher Oge bewohnt und hält Letzterer sich auch bei ihr auf, da er nicht mehr bei seinem Vater ist". Pah !" versetzte der Neger nachdenk lich. Meint Ihr, daß er zu Hause ist?" Ein herbeigerufenerOsfiziant erkundigte stch danach und beantwortete die Frage bejahend. Wer von Euch",-fuhr der Neger fort, kann mir ein eisernes Gewicht von fünfzig Pfund bringen? Ich werde dem naseweisen Burschen zeigen, wie wenig Chancen er in dem bevorstehenden Zwei' kämpf hat. Wenn er in der That so starke Arme hat. wie man behauptet, so wünsche ich, daß er mir das Kunststück nachmache. Die' Musiker mögen einen Augenblick innehalten." Das Publikum stürzte jetzt Hals über Kops herbei, um zu sehen, was der Mohr beginnen werde. Nachdem er das ge wünschte eiserne Gewicht bekommen hatte, näherte er sich dem Hause der Wittwe und ließ Lamh Laudher melden, er beabsichtige, das Gewicht über das Haus zu werfen; falls es ihm genehm sei, möge er sich diese Probe seinerStärke ansehen. LamhLaudher zögerte einige Minuten, und der Todesboxer harrte mit Ungeduld seiner Ankunst inmitten einer schweigendenVolks Versammlung, als er, nachdem er zufällig einen Blick durch die halb geöffnete Hausthür warf, plötzlich heftig zu zittern begann, Wie wenn er von einer giftigen Schlange gebissen worden wäre. Hah ! Verwünscht ! Treuloses Höllenweib !" rief er aus, sie ist bei ihm. Hah, die Hexe hat also doch Recht gehabt. Schuldig, schuldig, schuldig, ah!" Mit vorWuth entstelltem Antlitz näherte er sich dem Hause um einige Schritte und sagte zu seinem Eheweib, sdenn ste war es) mit dem dumpfen Brüllen eines ge reizten Stiers : . - Du wirst Deinen Besuch nicht wie derholen können; ich werde mich röchen, grausam rächen ! Furie! mach' Dich auf das Schlimmste gefaßt. Ich sage dieses sür Beide... Ah !"-. Weder sie noch Lamh Laudher .vermocht ten ihm darauf zu antworten, denn er stürzte wie ein Rasender auf das Gewicht hinzu, packte es beim Griff, schwang es drei, viermal im Kreise umher und schleu derte es dann zum Erstaunen der Zu schauer weit über das Dach des Hauses hinweg. Lamh Laudher war inzwischen vor die Thüre getreten, um dieses Bravourstück mit anzusehen ; diejenigen, die ihn beobachteten, bemerkten, daß er bald roth, bald blaß wurde. Jfct junger Mann", sagte der Neger. begebt Euch hinter das Haus und werft mir das Gewichtstück wieder herüber." LamhLaudher zögerte ansanaS, entschied sich aber später dafür, dm Wunsche des Negers zu entsprechen, als unter derMenge plötzlich eine Stimme erscholl : Seid kein Thor, Jüngling ! spart Eure Kräste, Ihr bedürft derselben." Der Tooesboxer zitterte neuerdings an allen Gliedern. Heh !" rief er, die Ohren spitzend, Tod. und Teusel ! Bist. Du es, Hund ? Ich will es Dir eintränken Bandit !" 'Lamh Laudher sah die Richtigkeit dieses wohlgemeinten Rathes ein. . Die Person, welche soeben sprach, hat völlig recht," sagte er, möge ste sein, wer sie wolle. Ich will meine Kräfte aus morgen sparen." Mit diesen Worten begab er stch in's Haus zurück. Der Todesboxer befahl jetzt, nachdem er seinen Gegner mit Blicken, welche ihn in denBoden zu bohren drohten, verfolgte, dem Tambour, die Trommel von Neuem zu schlagen und den Musikanten, den Trauermarsch wieder aufzunehmen, und begab stch dann nach seinem Hotel zurück, vor deren Facade die düstere Todesfahne schwerfällig flatterte.. In diesem Moment ertönte die Allerseelenglocke und der Sacri stan der Gemeinde bahnte stch gewaltsam einen Weg durch die Menge, um dem Borer mitzutheilen, daß da? Grab, welches er bestellt hatte, gegraben vor den sei. Die Feierlichkeit dieser Vorbereitungen,
verbunden mit der Probe übernatürlicher Stärke, welche er soeben bewiesen hatte, versetzte sämmtliche Zuschauer in Entsetzen. Als das Publikum stch nach und nach zerstreut hatte, ertheilte der Neger einem Kna ben den Auftrag, sich davon zu überzeu gen, ob seine Frau zurückgekehrt sei. Auf die verneinende Antwort ertheilte er den Befehl an sie, ste solle sich, sobald sie käme, bei ihm melden. Der Junge hatte indeß nicht die Wahrheit geredet: seine Frau, welche den Ausbruch seiner grenzenlosen Wuth kannte, hatte den Entschluß gefaßt, ihn auf immer zu verlassen. All dieses war geeignet, die bösen Leidenschaften de wilden Menschen zum höchsten Zorn aufzustacheln. Nell Mac Collum, welche ihn versprochen hatte, auf neue Zaubermittel zu sinnen, um den Dieb ausfindig zu machen, ließ sich ebenfalls nicht blicken. Nachdem sein Zorn sich ein wenig besänftigt hatte, begann er mit seinem Diener die Vorbereilungen sür den morgen be vorstehenden Kampf zu treffen.
Siebentes Kapitel. 'Das Schicksal des jungen LamhLaud her erregte überall die größte Tbeilnahme. Seine Eltern betrachteten ihn bereits als einen Gestorbenen ; die Mutter konnte vor vielem Weinen nicht mehr sehen, sein alter Vater schluchzte wie ein Kind und die Freunde boten vergebens Alles auf, sie zu trösten. Die langsam vom Thurme her ab erdröhnenden Gockentöne zerrissen ihnen das Herz. Unter Allen empfand vielleicht Keiner größeres Mitleid mit Lamh Laudher als Mechaul Neil. Im Laufe des Tages schickte er seinen Vater zu dem alten Rorke, um ihn zu bitten, eine Unterredung zwischen seinem Sohne und ihm zu vermitteln, die den Zweck haben sollte, Lamh Laudher von seinem Vorhaben ab zurathen. Sagt ihm", erwiderte der Letztere mit einer Ruhe, welche eine Beimischung von Bitterkeit hatte, daß ich ihn heute nicht sprechen kann. Vielleicht werde ich morgen zu seiner Verfügung stehen, auf jeden Fall aber sagt ihm, daß ich aus Liebe zu seiner Schwester ihm all' das Böse, das er mir zugefügt verziehen hätte." Der Name der Tochter kürzte die Visite des Vaters ab, der sich schweigend zurückzog. Ellen hatte dagegen weit größere Gewissensbisie zu erdulden, als ihre Angehörigen es sich träumen ließen. Von dem Augenblicke an, wo die Herausforderung des Lamh Laudher zu ihrer Kunde ge langte, und sie die furchtbaren Zurüstungen zum Kampfe seitens des Boxers ge wahrte, ward ihr Herz von Folterqualen zerrissen, indem sie sich, sagte, daß sie in direkt die Mörderin ihres Liebhabers wäre. Ihr Antlitz überzog sich mit Todesbläsie und ihre Beine vermochten sie kaum mehr zu tragen. Wie gern sie durch einen Thränenstrom ihr banges Herz erleichtert hätte, so mieden die Thränen hartnäckig ihre Augen. Außer der Frau des Boxers konnte sie Keinem ihr Elend anvertrauen, aber ach ! in diesem Falle sah sich die liebenswürdige Freundin außer Stande, ihr Trost einzuflößen. Die Herausforderung und die Eisersucht ihres Mannes versetzten sie selbst in eine ebenso große Traurigkeit wie Ellen. Ich weiß nicht, wie es zugeht, sagte sie. ich kann mir das Jnteresie nicht erklären, welches der Jüngling mir eingeflößt. Dieses Jnteresie ist indeß ganz natürlich, wenn ich erwäge, daß ich ihm mein Leben verdanke. Aber, abgesehen hiervon, so dringt jeder Laut seiner Stimme mir an's Ohr. wie der eines be währten Freundes. Er muß, wenn es irgend möglich ist, von seinem Entschlusie sto stehen", fügte ste, ihre Thränen trocknend hinzu, denn ich weiß, daß er, wenn er sich mit diesem entsetzlichen Menschen in einen Zweikamps einläßt, unsehlbar getödtet werden wird." Ellen ward nur von dem einen Gedanken MIt, daö Zusammentreffen Lamh Laudhers mit dem Neger auf alle Fälle zu verhindern. Zu diesem Zwecke hüllte sie sich um zehn Uhr Abends in ihren Mantel und begab sich, unbekümmert, ob man sie sähe oder nicht, nach der Wohnung ihres Geliebten. Sie hatte bereits den halben Weg zurückgelegt, als ein ebenfalls in nen Mantel vermummte? Mensch sie mit leiser Stimme anredete : Miß Neil, ich glaube, eS errathen zu. können, wohin Ihr Euch begeben wollt."
.Wer sind Sie, daß Sie mich so sra. gen?" Das thut nichts zur Sache; wenn Ihr indeß heuteAbend den jungenO'Rorke seht, bitte ich, ihm eine Mittheilung zu machen, die ihm von großem Nutzen sein kann". v . .Wer seid Ihr V - forschte Ellen drin gender. Ein Mensch, welcher Euch den Rath ertheilt. Euch vor dem TodeSboxer zu hüten; ein Mann, welcher besten arme Frau bedauert und schätzt; Einer, welcher, wie ich bereits erwähnt habe, dem ORorke einen wichtigen Dienst erweisen kann." Um Gotteswillen, wenn das in Eurer Macht steht, dann sagt eS schnell, denn ich habe keine Zeit zu verlieren." Sagt ihm Folgendes:" und er raunte ihr bei diesen Worten etwas in's Ohr. Ist das wahr V fragte sie, - .kann man sich darauf verlasien?Man kann es, so wahr ein Gott über uns ist. Guten Abend!" Er entfernte sich mit .raschen .Schritten. " ; Kaum gewahrte Lamh Laudher das junge Mädchen, als er ibr mit schmerz licher Miene die Worte zurif: Ach, theure Ellen, kommst Du. doch noch V Sein niedergeschlagenes Antlid machte eine entsetzlichen Eindruck aus Ellen. Als er'd-n schmerzverwirrten Glanz ihrer Augen und die tiefe Blässe ihrer Wangen gewahre, fügte er erschrocken hinzu: Ellen, was ist Dir zugestoßen Barm herziger Himmel, kommt ihr zu Hilfe, Tante!" - Das junge Mädchen sank vor.ihm auf die Knie nieder und rief mit herzzerreißen, der Stimme aus: John! ... .John! .. ..Lamh Laudher Oge! verzeihe mir, ehe Du stirbst. Ich allein habe Dich', getöd. tet !" . Ell,n ! geliebte Ellen!..,. Verzeihung, Verzeihung, Lamh Laudber ! Dein Blut lastet auf meinem Ge wissen!" I Gerechter Gott, Tante, ihre Sinne verwirren sich. Ob ich Dir verzeihe, mein Herz ! Hättest Du mich jemals beleidigt, Geliebte? Du weißt es, niemals, niemalö! Würdest Du eS aber, mir unbewußt, je gethan haben, meine Ellen, so verzeihe ich Dir von ganzem Herzen . Aber ich bin eS, die Dich zur sicheren Schlachtbank führt ! ... und es geschah, weil mein Bruder die Aeußerung . fallen ließ, er würde Dich tödten .... Und es bangte mir, daß er Dir ein Leid anthun würde und ich fürchtete mich, .Dir die Wahrheit zu gestehen, und . . . und . . . Du versprichst mir also, Dich mit dem Todesboxer nicht messen zu wollen ? Gott sti gelobt! Gott sei gelobt !" - ! Tante, sie redet irre !" rief er aus, MeineGeliebte ist wahnsinnig gebor den!" Morgen ist schon der Tag .... morgen . . . Nicht wahr. Du wirst Dich mor gen nicht mit ihm schlagen? Wenn Du es thust , er wird Dich tödten .... und das würde mir auch mein Leben rauben..." Bei diesen Worten brach sie ohnmächtig zusammen. Lamh Laudher schloß sie in seine Arme und bettete sie sanft auf das Sopha. Hier kehrte sie indeß bald zum Bewußtsein zurück und er vermochte jetzt vernünstig mit ihr zu reden. f Es war die grausamste Probe, welche seine Standhaftigkeit erdulden mußte. Uttt voller Energie und uneigennütziger Liebe erneuerte sie ihre Bitten, den Kampf zu vermeiden. John beruhigte t, spottete vptx ihre Zaghaftigkeit, hlt der Schwester Mechaul Neil's nicht anstünde, mit einem Worte, er war und blieb unerbittlich. Als sie sah, daß jeder Ueberredungsversuch vergeblich war, entledigte sich sich des ihr unterwegs von dem Fremden mitgetheilten Auftrags. Bei dieser vertraulichen Mittheilung schimmerten .Lamh Laudher's Augen siegestrunken, wie wenn ihm ein überaus wichtiges Geheimniß Mit deckt worden wäre. Ellen konnte füglich nicht länger bei ihrem Geliebten verweilen und ihr Abschied war ein solcher, als würden sie sich in diesem Leben nicht wieder zu sehen bekommen. Der Morgen des entsetzlichen Kampfe? brach finster und unheimlich heran. (Fortsetzung folgt.)
DaS - Geheimniß des Pavillons.
Aus denPapieren einesGeh e i m p o l i z i st e n,' , von C. YaulovSky. 1. Ein geheimnißvollerFund. ES war in einer eistgkalien Winternacht. In einer entlegenen Straße einer der äußersten Vorstädte von Paris machten zwei Polizisten ihre Runde. Der Dienst ist hier sehr anstrengend und die SicherheitSbeamten dieses Stadtviertels haben wahr. lichkeineSinekure.denn ihreArrestanten stnd gewöhnlich Betrunkene, Taschendiebe und Vagabunden. Das elegante Publikum verirrt stch nur selten in diese verrufene, düstere und schlecht gepflasterte Straße.die selbst geborene Pariser oft kaum dem Namen nach kennen. Es herrschte in dieser Nacht ein heftiges Schneegestöber und der schneidende kalte Wind trieb den Schnee in dichten Flocken in's Antlitz der beiden patrouillirenden Polizisten. Die große Glocke der Kirche des Gobelin hatte soeben 3 Uhr geschlagen. Welch' ein Wetter begann der älteste von den Beiden, ein atter Veteran der ehe maligen kaiserlichen Garde, ich habe seitdem ich im eisten 'Zuavenregimente gegen die Kabylen gefochten seines Gleichen nicht erlebt. Jetzt streifen wir schon seit vier Stunden auf diesem holper gen Pflaster umher.ohne auch nur einer einzigenPerson begegnet zu sein." ' Das ist sehr erklärlich ! DieSpießbür ber haben sich auss Ohr gelegt und die Diebe sind zu bequem und allzusehr aus ihre Wohlfahrt bedacht; 'um bei solchem Wetter zu arbeiten." Er konnte seinem gepreßten Herzen nicht weiter Luft machen, denn seinCollege zupfte ihn plötzlich am Arme. Man vernahm nämlich von der anderen Straße her Schritte, die zwar durch den Fußhohen Schnee sehr abgeschwächt wurden, immer hin aber sür das durch den langen Dienst geschärfte Gehör der beiden Polizisten vernehmbar waren. Leise zogen ste flch hart an die Thürpfosten einer Brauerei,von wo aus ste emen wetten Ueberblm über die vier, sich kreuzenden Straßen . hatten. Bald darauf erblickten sie einen Mann, der mit gesenktem Haupte, aufgestülptem Halskragen und mit den HSndcn in deu Taschen vom Boulevard her stch eilig nä herte. Dieser Ml'.nn hatte nichts aussälliges an stch und schien einfach ein Bürger zu sein, der sich bei irgend einer Veranlas sung verspätet hatte. Der Mensch scheint die frische Witter, ung genießen zu wollen",bemerkte dertün gere Beamte spöttisch. Pst! er ist nicht allein, murmelte der Veteran in den Bart. In der That vernahmen ste jetzt wei: schwerere und helltönendere Tritte, die von Jemanden herzurühren schienen, dessen Stiefel mit eisernen Haken beschlagen wa ren. Der erste Fußgänger ging gleichgül lig weiter, während der zweite jetzt in die rue Panatliere einbog. Er stützte stch auf einen schwerenStock und seinacken beugte sich unter der Last eines schweren Koffers. Er konnte sehr wohl für einen Hilfsmann gelten, allein die ehrenwerthen HilssmZn ner, welche an der Ecke ihreStation hatten. pflegten nicht so spat zu arbeiten und du an den Eisenbahnhösen angestellten Packträger versahen erst nach 4 Uhr ihr Amt, das heißt, bei derAnkunft der ersten Bahn zöge. Dieser Mann machte sich also den Polizisten mit vollem Rechte verdachtig, um so mehr, als die Spitzbuben in dieser Jahreszeit ganz besonders thätig waren nnd mit Vorliebe die von ihren Eigenthümern vnlasienen Wagen durchsuchten, um irgend einen Koffer oder einen Ballot aufzusinden, welches sie sich auf die Schulter luden und dann stillschweigend in.ihreDie besquartiere schafften. Jener Bursche macht auf mich den Eindruck, als habe er seinen Koffer billig gekauft", äußlrte der ehemalige Zuave. Wir wollen ihm einige Worte in's Ohr flüstern, das wird unsZerstreuung gewähren." . Der andere Polizist war derselben Anstcht und beide stürzten jetzt aus jhremHinterhalte hervor und versperrten dem Kosferträger den Weg. Wohin so spat, mein junger Freund V
