Indiana Tribüne, Volume 1, Number 52, Indianapolis, Marion County, 9 August 1879 — Page 7

In d i an a Tribüne."

Ein Wort wider die Crinoline. Von Auguste Montag.

.Die Presse ist eine Grobmacht gewor den. Diese Behauptung wird selbst der re aklionärste, dir Buchdruckerkunst, mit ihren verderblichenFolgen,verabscheuendste mecklenburgische Junker kaum zu bezweifeln wagen. Auch die Macht der Frauen ist eine unbestreitbare Thatsache, die, seit Jahrhunderten bekannt, in guten und schlechten Büchern besungen, das Gemüth des schwärmerischenTertianers ebenso überzeugend ersüllt,wie dasHerz des resignirten Pantoffelhelden. Sollten nun diese zwei Mächte, mit einander verbunden, durch treues Zufam nunhalten, verstärkt, nicht im Stande sein, einer dritten dieSpitze zu bietende mitEr folg zu besiegen? Eine Macht zwar, deren Regiment un anfechtbar scheint, der sich Alles und Jedes aus dieser Welt sügen muß, vor Allem das Frauengeschlecht, das ich zurRebellion dagegen aufreizen will die Macht der Mode. Was die weibliche Mode im Augenblick,

was sie seit bald zwei Jahren ist, wissen wir alle aus eigener Anschauung. Nach Dr.Vischer das unverhüllte Glaubensbe kenntnib unser inneren Verderbtheit, die personisizirte Frivolität und Unweiblichkeil, die unsere Seele ersüllt, sich in unse ren Prinzeßkleidern und Panzertaillen, in unseren Haarfrisuren und Kopsbedeckun gen kundgibt. Nach anderen minder kom petenten und nachsichtigeren Beurtheilern, die anmuthigste, wenn auch etwas kokette Bekleidungswelse, die das weibliche Ge schlecht seit langer Zeit adoptirt, geeignet wie keine, dasSchöne zu heben und das Häßliche zu verschönen. Jetzt besonders, wo die lästige Schleppe von der Straße verschwunden ist, zusamnun mit dem verunstalteten Haarwust, der bisher unsere Köpfe krönte, wo wir mit unseren kurzen, schlichten Kleidern, den knappen und doch nicht zu eng anschlie ßenden Taillen, dembescheidenenHaarkno ten, den gedämpften und doch gefälligen Stofftinten jedem Aesthetiker und sparsamen Kbeberrn eine rnofcr Augenweide sein

und y last not least jedem raumsparenden Omnibus und Pferdebahnkutfcher als Ideal rrscheinenen müffen, gerade diesen günstigsten allerMomente hat sich die niemals ruhende Göttin der Mode ausgesuchtem uns heimtückisch mit einem neuen kaum verattetenGeschenk zu überraschen mit der Crinoline. Leise, leise schleicht sie damit hervor, auf Umwegen, um uns nicht plötzlich auö unserem Traum vonZierlichkeit undSchmal beit zu wecken,-aber sie kommt unsehlbar wie der Winterfrost im April, und darum heißt es, sich vorsehen und zum Kampfe rüsten. Als Vorboten, schickt sie die Paniers, die sich in reichen Falten um unsere Gestalt legen, dort wo bisher das Evangelium der äußersten Knappheit ge preoigt wurde. Sie bauscht auf der Hinteren Rockseite die Stoffe zu einer phantastischen Fülle zusammen.die bereits anfängt,sich nach ei ner, wenn auch noch so kleinen", kräftigeren Unterstützung zu sehnen. Sie ver

lockt uns endlich mit der kokettesten ihrer

Erfindungen mit dem Wateaukostüme, welche gestattet, die kleidsamste Maskentracht bei Tage zu tragen, und uns freistellt, in den großgeblümten, mitSammet schleifen gerafften, mit Spitzenpliffes um m v ' Pi w h ym

launnen, geoauiazren uno gepunien vtoat, mit dem modernenSchäferhütchen und den kleinen Stirnlöckch'n der verführerifchsten Urgroßmutter gleich zu sehen. Aber hüten wir uns,' von ihr überlistet zu werden !; Nehmen wir-alles neue und

Zurllche, das sie uns butet, dankbar an, bis der entscheidente Moment kommt, wo es heißt, bis hierher und nicht wei- - - w - - ... .. , ter. - -'Verbinden usr uns,' Frauen, machen . wir ernste Ostposition, rebelliren wir, ge ' gen unsere deSpotischeBeherrscherin stoßen wir ihre neueste Satzung um .und rufen wir gemeinsam: Wir wollen keine Cri

noline ! . Wir wollen nicht wieder die lach, "erlichen, unbeholfenen Geschöpfe werden, die wir vor fünfzehn Jahren waren, wir wollen uns nicht einer Mode unterwerfen die allen Anstand, aller Anmuth Hohn spricht, die weibliche Grazie vernichtet und uns zum Spott. allere Straßenjungen macht. ..DieFrauenemanzipation hat in diesen fünfzehn Iahten zu große Fort

schritte gemacht, um jedeModethorheit noch blind zu acceptiren. . Können wir uns schon schwer mit einem Doktor, einem Buchhalter, einemBeamten in Frauenkleidern befreunden, in der Crinoline erscheint er geradezu unmög lich! ' Und welcher rationell ökonomischer Schaden, welcher Umschwung in unserem Verkehr, unseren gelelligen Verhältniffen. Daß wir unseren Freundeskreis sofort re duziren müßten, ist selbstverständlich, denn wo sich 60 Prinzeßkleider nothdükftig be wegen könnten, haben doch jedenfalls kaum 20 Krinolinen Platz. Aber auch die Lohnwagen, die Trottoirs die Pferdebahnen, die ohnehin nur auf das kameradschaftlichste Einvernehmen derJn saffen eingerichtet sind. Und erst dieThea ter! Es sei denn, die großen Bühnen fänden, wie seiner Zeit bei der Hutkalamität, den Ausweg, das P. T. Damenpubli kum durchPlakate ernstlich zu ersuchendie Crinoline in der Garderobe .abzulegen." Doch genug der schrecklichen Bilder, die unsere Phantasie uns schaudernd vormalt. Noch ist der Feind ja nicht erschienen, noch ist er abzuwehren ! Darum noch ein

Mal:. Halten wir zusammen, zeigen wir, wessen energische Frauen fähig sind, bleiben wir unserer knappen Mode getreu, und wenn unsere ausländischen Mitschwestern uns auf Reisen, in Bädern und Pensionen mit dem Aplomb, den eine Crinoline ver leiht, nmrauichen, wenn sie wie Pfauen ihre breitePracht vor uns entfalten, dann umgürten wir uns mit dem ganzen Stolze unseres Jahrhunderts, und sngen wir, ein schlechtes Wort zu einem guten Zweck brauchend : Herr, ich danke Dir, daß ich nicht bin, wie Jene! Aus dem Staate. 1l Nicholas Schaaf, der in der vorigen Woche plötzlich aus Waldron nahe Shskbyville verschwand, ist zurückgekehrt; er war außerordentlich schwach und konnte nicht mehr sprechen, zeigte aber durch Ge berden an, daß er sehr hungrig sei, einArzt wurde gerufen und unter dessen sorgsälti ger Pflege kam er nach einigen Stunden wieder so weit zu sich, daß er sprechen konnte ; wo er eigentlich gewesen ist, weiß er selbst nicht ; wie eS scheint, ist er von der Hitze überwältigt worden und ist in halber Geistesabwesenheit planlos in den Wäldern umhergeirrt ; der Arzt hofft, daß er den Unglücklichen bei sorgfältigerPflege und rationeller Behandlung, bald wieder in Ordnung bringen kann. il In Vinccnnes brannte am Dienstag Nachmittag die große Stärkefabrik der Gebr. Cumminghaus gänzlich nieder. Die Herstellungskosten der Gebäude beliesen sich auf 5250,000. il Orleans, in der Nähe von Mitchel hatte in diesen Tagen einen Hauptscandal in höchsten" Kreisen. Ein verheiratheter Doktor hatte mit einer verheiratheten Frau ein Tächtelmächtel angefangen und der Mann der Frau und die Frau des Doktors attrapirten das saubere Pärchen. Der Doktor war ein Haupt-Kirchenli'cht und auch die schöne Sünderin war bislang eines der frömmsten Lämmlein der Ge

meinde gewesen. Als die Sache nun von

den hohen Kirchenrath untersucht wurde,

bekannte djc Frau mit den nöthigen Thrä

nm sich schuldig und ihr wurde vergeben

und blieb Mitglied der Kirche. Der Dok tor aber behauptete ganz keck, er sei un

schuldig und die ganze Bande könne sich zum Teufel scheeren. Daraufhin wurde

sein Name gestrichen.

il Am Donnerstag spielte eine Anzahl

Knaben von Lawrenceburg öei Nebo, an

derthalb Meilen westlich von dort, aus dem

Seitengeleise der . Ohio und. , Mississippi Bahn, als der Louisville Zug mit einer Schnelligkeit von 25 bis 30 Meilen per

Stunde, herangebraust kam. , Einer - der Knaben, der..erst' Z.Jahre alte Martin

Huber, wollte einen glänzenden Beweis

seinerUnerschrockenheit ablegen und'sprang

über das Bahngeleise, als der Zug noch

kaum dreißig Fuß von ihm entfernt war. Er stieß mit einem Fuße gegen eine Bahn

schiene und fiel. Bon dem . Kuhfänger

getroffen, flog der Knabe etwa 20 Fuß'in die Luft und landete mit zerschmettertem

Schädel in in dem Gebüsche der Bahn

böschung. Der getödtete Knabe war ein

Sohn des Hrn. F. Stuber, der bei der

Miami Möbel.Compagnie in Arbeit steht.

Die Leiche des Verunglückten wurde nach

der elterlichen Wohnung gebracht. (M. V. W.)

7 Ein netter Show ! Der Transat

lantic CircuS, von welchem zwei Mitglie-

der als Rauber verhastet worden, gab am Donnerstag in LewiSville, bei Mitchell, Vorstellungen. Während des TaaeS kam

es zwischen den Bürgern und den Show-

leuten zu mehreren unangenehmen Auf

tritten, während eines derselben wurde

ein Schuß durch das Zelt abgefeuert, wo

rauf die Circusleute drei Bürger ergriffen, sie in's Zelt schleppten und unbarmherzig

durchpeitschten. Daraufhin sammelten

sich du Burger, stürmten das Zelt und befreiten die drei Mann und dann kam es

zu elner regulären Schlacht, bei der vier

von d?n Sbowleuten tödtlich und mehrere andere schwer verwundet wurden; von den Bürgern erhielt einer eine, gefährliche

Schußwunde, ir' Ertrunken. Am letzten Donnerstag

wurde auf der Sandbank in der Nähe von

Owensboro du Leiche eines Mannes aufgefunden, welche als die von C. W. Thornton von Lewisport, Ky., identisinrt

wurde. Derselbe verließ einige Taae vor-

her auf einem Floß Lewisport und wird

vermuthet daß er während der Nacht von

emem Dampfer überfahren wurde und auf

diese Weise seinen Tod fand. Thornton

war von 2530 Jahre alt und erst seit Kurzem verheirathet.

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