Indiana Tribüne, Volume 1, Number 50, Indianapolis, Marion County, 26 July 1879 — Page 6
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I n d i ck n a ffS r i b ü n e,f
AerHodesbozter. ; . :o: . . AomantischeS Gemälde aus dem Englischen 5 0 N , Ö Grumbkow. , ". ' ' ; - (Fortsetzung.)- . . .Nichts von dem Nell, aber .was, weit 'schlimmer. ist,: ich habe ihn für immer ent , ehrt. Ich habe ihn geschlagen und ge . stoßen, und er.hat sich, geweigert, sich mit ' mir in einem Faustkampf einzulassen, er hat zu seiner Vertheidigung nicht einmal . einen Finger erhoben.- . . ' ' '.Nein, weil er keinen Stock hatte, und ."Jhr.könnt dafür . Nell Mac Collum dank- ' . bar sein. Ich habe ihm sein Schicksal U freitet. . Aber damit, ist meine Rache' noch nicht befriedigt Ich will, daß seine Samt!.U1U den Tag verfluch an welchem sie sich 'mit Nell Mac. Collum verfeindet hat und ' . müßte Ich darüber zurHölle fahren. ..Nicht dab ich eben den Sohn haßte, aber er hat .baö starre Herz seines VäterS und eben um ". dessentwillen, Mechaul, weil ich ihn wegen ' der Missethat seines VaterS bestrafe, je. -'neS Menschen, der mich in den elenden ' Zustand versetzt hat, in welchem ich mich ' befinde " ' ' " ', .Nell, Ihr habt den Teufel 'im Leibe, - laßt mich zufrieden, Weib; ich stimme mit . Euren Racheplänen keineswegs .überein, .spüre auch kein Verlangen, mich in Eure : - Affaire, sie sei gut oder schlecht, zu mischen. .Ihr säet überall. BöseS, Nell ; wann hätte ' man wohl - etwas Gutes .von Euch gesehen?" Ja, ja, so plappern Alle", rief Nell. .Wohlan ! Möge meine schwerste Ver , vünschung den Mann treffen, welcher an :. meinem Unglück schuld ist. Ich tadle Euch . nicht, Mechaul, ich tadle ihn allein. Ein , Wort noch, ehe Ihr in's Haus tretet, theilt eS Ellen nicht mit, daß Ihr ihre Zusammenkunst mit Eurem Todfeinde belauscht habt. Seid schlau und schlangenklug, . , wenn sie denkt, daß sie verrathen ist, wird sie auf ihrer . Hut sein und Eure Angele s genheit wird entschieden deffer stehen, wenn , sie sorglos in den Tag hinein lebt. Sie ist ein Weib, sie ist : ein Weib ! Guten Abend, nächstes Mal. werdet Ihr den . . Schurken beffer, nachhaltiger brand . marken". - Mechaul war in diesem Punkte bereits . , zu demselben Entschluffe und durch die . . ' nämlichen Motive gelangt. , . . DaS. Gesühl . seiner . Schande, welches . -Lamh Laudher durchzuckte, folterte sein Herz. .DaS Blut siedete ihm in den Adern Zu Hause . angelangt, . bemerkten seine . Eltern sogleich seine Aufregung, waren indeß, taktvoll genug,, ihn nicht um die llr sache zu fragen. Als sie indeß aus seinen
- flammenden Augen schwere Thränen der Schande und Wuth über seine Wangen herabrieseln sahen, konnten sie ihre Unge ' " duld nicht länger bemeistern. , .Ums Himmels willen, John-, sag- ' ten sie, .was hat Dich in solchen Zu? ' ' stand verletzt?" ' .Ich. kann eS Euch nicht sagen; wenn ' . Ihr eS erführet, Ihr würdet vor. Scham . ' erröthen und mlch .in Eurem Herzen ver ' .fluchen' Was mich betrifft, so möchte ich " hundertmal lieber" todt sein, als leben, . nachdem mich solches Unglück diesen Abend . betroffen." . ' .Und warum willst Du eS unS nicht " .mittheilen?" . ... ' . ,V-"fc Ich kann es nicht, mein Vater,e5 ist ' -tu hart, zu hart!. .Wenn eS nicht zu härt . .' würde ich nicht wägen,' Euch sürder. unter ' .'.. die Augen zu treten, und.'. wenn Ihr mich u ' nicht zum Wahnsinn oder Merneid'treiben .wollt, so richtet keine' weiteren Fragen an ' ' m!ch. Ihr' werdet. daS Vörgefallene zu dem früh' genug erfahren"., . '. .Nundann wollen wir uns gedulden", ' . ' sagte der Väter -- .darüber bin ich be ruhigt, daß' Du nichts, begangen hast, .. welches Dich entehrt oder Dein AntliK yor Scham'errötben.lSbt. , . . 7 DaS war ein neuer Schlag, auf welchen .btt'iotiktbäimnt des Sohnes nicht " vorbereitet war. Er unterdrückte einen tiefen' Seufzer und begab sich eiligst auf sein Zimmer, daß er hinter sich verrie : gelt! '" ' Seine Eltern wechselten, als er fort ' war, seltsame Blicke mit einander. '.Ich will sterben,' Mutter, wenn nicht
die Neils . in irgend einer Weise sich dabei ' betheiligt haben. ; Aber, beim Kreuze unseres Erlösers, wenn ihm von ihnen eine ' Beleidigung zugefügt wäre, die 'er nicht doppelt vergolten hätte, so ist er Hinsort nicht mehr mein Sohn, und er darf keine
Nacht mehr unter diesem Dache schlasen. Wir werden, so Gott will, schon morgen in Erfahrung bringen, was ihm zugestoßen ist." - Die Mutter, welche aus den Muth ihreS SohneS stolz war, wie? diese Ansicht mit Entrüstung zurück. . " ' Er sollte sich eine Beleidigung von ei nem Neil gefallen lassen! Sprich doch nicht so dummes Zeug, -Alter... Lieber würde er sterben, dafür stehe ich mit meinem Leben ein". ' ' ' Da der Abend bereits weit vorgeschrit ten war, vttsügte die Familie' sich' zur Ruhe, allein der Sohn versuchte vergeblich einzuschlafen. Wie sollte er dem Schimpf des nächsten Tages entgehen? ES er übrigte ihm nur ein einziger AuSwez, nämlich, Ellen aufzusuchen und ihr noch in dieser Nacht ' ihr Wort zurückzugeben. Er kleidete sich auf der Stelle wieder, an, öffnete leise die Thür' ergriff einen Stock und begab sich nach der Herbergen ' - Die Nacht war dunkel, aber die Lust milde und angenehm; 'der Mensch und die Natur waren !. in tiese Ruhe gehüllt, und mit Ausnahme s-.ineö hestig pochenden Herzens athmete Alles Ruhe und Frieden. Er beflügelte seine Sckritte, erreichte bald das Wirthshaus und gelange ohne weiteres Hindernik in den Garten, wo er Ellen anzutreffen wähnte.- Zu seiner tief sten Betrübnib sah er sich indeß in dieser Hoffnung getäuscht: In ihrem Schlafzimmer, welches im dritten Stock, belegen war, befand .sich zwar ein Fenster, welches aus den Garten hinaus ging, wie aber sing er es an, zu: ihr zu gelangen) ohne daß ihn Jemand 'aus Ihrer Familie er kannt hätte ? Er erwog mit kaltem Blute seine Laqe und kam zu dem Resultate, kleine Kieselsteine in ihre Fensterscheiben zu werfen. Aber daS Geräusch der zertrümmerten Scheiben würde auch die Mitbewohner wecken. Der Plan lieb sich nicht ausführen. Während er seine kritische Lage im Geiste erwog, vernahm er plötzlich Tritte und erkannte an den Umrissen Nell Mac Collum, welche direkt auf dasKüchen fenster zuschritt. Vorsichtig klopste sie an die Scheiben desselben, von drinnen ver nahm man ein ähnliches Klopsen und fast gleichzeitig öffnete, sich leise eine kleine Thür, die in den Garten führte. Es zeigte sich jetzt eine andere Gestalt, welche er im Dunkel der Nacht als diejenige ihrer Nichte NanseMacCollum erkannte. Beide
bogen Arm. in Arm eine Nebengasse ein und Lamh-Ladher, welcher .der .Ansicht war, daß dieser .nächtliche Spaziergang nicht in guten Absichten unternommen würde, streifte seine Schuhe von denFüßen, und folgte ihnen. Sie sprachen a.ifangS wenig und nur mit flüsternder Stimme, als sie aber außerhalb . deS Fleckens gekommen waren, wo sie sich nicht mehr genieren zu brauchen wähnten, führten sie folgende Unterhaltung zusammen : - ' 4 .Ist eS nicht seltsam Tante, das sie wieder hierher zurückgekehrt ist?" ' .Ja, freilich, aber ihr Mann wird auch kommen und ihr folgen." , .Er müßte sich indeß selbst sagen, daß eö gescheidter. wäre, diesen Ort zu . meiden, scheint mir." . ; . , .Weshalb denn, Närrin?. Wer hat Dir daS Mährchen aufgebunden? .Ist denn der Ort nicht gehalten, ihm fünfzig Gui neen auszuzahlen, dafern er keinen. Gegner findet? DaS wird die Furcht' seines Kommens schon überwinden. Pst ! hörst Du nicht das Rollen eines Wagens." . Sie., strengten, sich an zu horchen, vernahmen aber nichts. .Ihr irrt Euch,' Tante, ist es aber nicht auffallig, daß er ihr das Geld laßt, da er sie doch so schlecht behandelt hat?" ' ,. .Warum auffällig ? Er kann ja gar mcht klüger, handeln und ist davon überzeugt,, daß er den größten.Nutzen daraus zieht. ' Der Elende, würde" sie um eines Hellers willen halb todt peitschen'." . ' Auf jeden Fall werden Rody . und der Andere sie bald der Mühe des Aufbewah renZ entheben. . Ist 'sie doch mit' dem.Kut scher ganz allein?" ... ' . "... .Es befindet sich sonst Keiner in .ihrem Gefolge. So. sprich doch leise, dumme Gans. Sieh, da. ist der Schlagbaum ja schon, an welchem wir die beiden Männer erwarten sollen. Wer ist der Fremde, den Rody unterwegs angeworben bat? Jch hoffe, daß er mit ihm ein Geschäft machen wird .Es ist ein Rothkoff. Rady behauptet, er sei ein ehrenwerther Mann. - Wenn nur die Angelegenheit sich gut entwickelt". . Warum nicht? Die That geschieht unter dem Schutze der Nacht. Pst! da sind sie!" . : . .. . Bald darauf nahmen zwei hinzugetre
tene Männer an dem Gespräche Theil, aber mit so leiser stimme, daß Lamh Laudher nichts vernehmen konnte. , . Die Landstraße war so vollerSteine und Wagenspuren, daß man ein Gefährte aus eine sehr -beträchtliche Entfernung verneh men konnte. .Die zu bcidenSeiten befindlichen Gräben waren ausgetrocknet und von geringer Tiefe ; 'eine Hollunderhecke, welche ihre Zweige gegen-die Landstraße ausbreitete, entzog Lamh Laudher in erwünscht Weise den Späherblicken.'. Er ließ sich neben derselben nieder, entschlossen, ruhig abzuwarten, waö sich ereignen würde, und erforderlichen Falls dem bedrängten Theile seine mächtige Hilfe angedeihen zu lassen. Bald darauf vernahm sein, scharfes Ohr in einer Entfernung von einer halben Meile ein , Fuhrwerk, worauf sich unter, den, vier, noblen Personen ?.ihm. gegenüber ein eifriges Gespräch erhob, welcheS aber so. leise geführt, wurde,' daß die : -Worte t nur ; flüsternd auf fein : Ohr
drangen. -) ' - .-.-'l.-.'j. I. "'V AIS der Wagen indeß ziemlich .nahe herangekommen war, vernahm Lamh Laudher Nell'S, kreischende Stimme : : .; : i .Thut was Ihr wollt, erwägt aber wohl, daß ich Euch nicht dazu verführt habe. Vielleicht habe ich noch einKind am Leben, welches in der Ferne weilt und das, .wenn ich an selbiges denke, mein kaltes Herz höher schlagen läßt. Doch; fort mit die sen weichen .Regungen, ich bin ein böses Geschöpf und will auch dafür angesehen werden. Beeilt Euch jetzt, der Augenblick ist herangenaht; zerschlagt dem Kutscher die Knochen, damit er reinen Mund halte. Als das Gefährt den 'Schlagbaum er reicht hatte, sielen die beiden Männer dem Pferde in die Zügel und rissen demnächst den Kutscher gewaltsam vom Bocke hier nieder. Der Eine knebelte ihn, um ihn daran: zu hindern,-um Hilfe zu rufen. Es erübrigte der im Wagen sitzendenDame kaum die Zeit, einen schwachenSchrei auözustoßen, als sie sich schon auS dem Wagen gerissen und von den knöchernen Armen der Nanse Mac Collum umspannt sah. ' ... Lamh Laudher erwog, daß nun. kein Augenblick mehr zu verlieren sei. Mit Blitzesschnelle eilte er herbei und streckte mit einem wuchtigen Faustschlag den Mann welcher mit dem Kutscher rang zu Boden. AlSdann der Dame zu Hilfe zu eilen, war das Werk eines Augenblicks. Vor seinen hageldichten Faustschlägen wichen die Angreifer entsetzt zurück, beson der?, als der Kutscher, nachdem er sich auS seiner üblen Lage befreit sah, Lamh Laudher wirksam unterstützte. Bald daraus suchten die Wegelagerer ihr Heil in der eiligsten Flucht. ES ist unnöthig, zu erwähnen, in welchen DankesSußerungen die beiden Geretteten sich gegen Lamh Laudher er gingen. ' ' "''.' .Der Himmel segne Euch wer Ihr auch seid, junger ' Herr !" rief der Kutscher bewegt auS, denn ohne dessen Hilfe und Euren Arm wären wir Beide zweifelsohne beraubt uudbestohlen worden." .Das Letztere ist auch meine Meinung", äußerte Lamh Laudher: ES liegt so viel Güte in demTon Eurer Rede", sagte die Dame .dars ich mir vielleicht den Namen unseres Erretters ausbitten?" ' ' .Ich wünsche, daß mein Name in dieser Affaire nicht genannt werde", versetzte er, .ein Weib, oder vielmehr ein Teufel dessen Namen ich nicht nennen will, hat zu diesem Bubenstück dieHand' gereicht. Ich hoffe, daß Ihr nicht bestohlen worden seid?" sügte er hinzu. Sie bestätigte ihm dieseSmit vielen Dankesäußerungenr ;, ' .Nun denn, da Niemand besonderen Schaden erlitten' hat. ' würde die ' einzige Gunst, die ich mir für meine Dienstlei. stung bedinge, darin bestehen, daß meine Person 'bei . Erwähnung dieseS"räube' rischen U'ebe'rfallS gänzlich aus dem Spiele bliebe." , .: : l' .'. Dieser Wunsch ward nicht ohne Zögern zugesandt, worauf LamhLaudher sienach dem Flecken geleitete, und sie an ein Gasthauö verwies, dessen Wirth Luke Cannor hieß.. Dann begab er sich nach der Wohnung seines Vaters, legte sich unauSge kleidet auf'S Bett und schlief ungestört bis an den lichten Morgen. ES läßt sich annehmen, daß der Streit zwischen Lamh Laudher und Mechaul Neil ein außerordentliches Aufsehen erregte ; als man indeß vernahm, daß Mechaul Neil den Lamh Laudher Oge in's Antlitz geschlagen und dieser sich nichts desto weni
ger standhaft geweigert hatte, sich mit ihm in einen Faustkampf einzulassen, ist es unmöglich, die Aufregung zu beschreiben, in welcher der Flecken und die ganze Umgegend gerieth. Diese Nachricht wurde von der Partei O' Norke anfangs mit un gläubigem Lächeln ausgenommen. Wie war eö wohl denkbar, daß der Mann mit der starken Hand dessen Muth sprichwört lich geworden war, sich plötzlich in einen solchen Feigling verwandelt hätte, daß er sich, ohne den. geringsten Widerstand zu leisten,, von 9!eil jätte" ohrfeigen lassen? AIS der Thatbestand .sich .aber nicht mehr ableugnen ließ, da war .die Wuth seiner Partei unglaublich. . Schon, am Morgen vor zehn Uhr war daS'HauS feines Vaters von Verwandten und Freunden angefüllt, welche begierig 'waren, die Wahrheit aus seinem eigenenMund'e zu vernehmen, und Alle bestürmten '.ihn, als einziges Mittel sich', .vönseiner.', Schande . zu befreien, Mechaul. seinerseits zim Kampfe aufzufor dern. ' Per Zorn, seines Baters kannte kemeGrenzen aber .seine Mütter bezeigte, als' sie die Wahrheit der. bitteren Anklage nicht mehr bezweifeln konnte, nichtSdestoweniger denHockmuth und die Liebe, welche immer, bereit sind, die Schwächen" und Irrthümer eines einzigen Sohnes zu entschuldigen. , ' , ' . " ',. .Mögt Ihr. sagen, was Ihr.' wollt", -äußerte.sie, 7 .aber wenn 'Lamh Laudher Oge' ihn' nicht ' .wieder geschlagen hat, so muß . er . gewaltige Gründe o'asür 'gehabt haben." ... ' Der Vater wollte einer Entschuldigung seines SohneS nur in dem Falle das Wort reden, daß er seinen. Todfeind sofort zum Zweikampf auf Leben und Tod herausforderte. Er ließ ihm keine andere Wahl, als dieses zu thun oder daö väterliche Dach auf der Stelle und zwar für immer zu meiden. .Vater- versetzte der Jüngling, .ich fühle so viel Blut yon Euch in meinen Adern, daß ich sicher keinen Menschen, und wäre es ein Riese, fürchte; allein ich kann weder noch will ich mich auch mit Mechaul Neil schlagen. .Sehr wohl-, sagte der Vater bitter, eS ist genug. Bei meinem Namen, Du bist nicht mein Sohn mehr, sondern ein mit Schande überhäufteö Weib, befände sich auch nur ein einziger Blutstropfen von mir in Deinen. Adern, fo würdest Du Dich sicher nicht bedenken, meinen Befehl ...zu .erfüllen. Daist die Thür, Ungerathener; wage es nicht. Dein besudeltes Antlitz bei meinen Lebzeiten mir wieder zu zeigen Man konnte den Sohn in seinem Zimmer laut schluchzen hören. .Ich will dieses Hau verlassen, Vaters äußerte? er, und hoffe, daß die Zeit kommen wird, wo Ihr Eure Ansichten über mich ändern werdet". -Der Greis weinte, wie wenn sein Sohn gestorben 'wäre und eS geschah weniger auS Kummer als aus Zorn. ' .Wie kann ich anders handeln". -sagte er, wenn ich daran denke, mit welchem Hohn und welcher Schadenfreude die NeilS ihren so leicht errungenen Sieg ausposaunen werden ? Wenn jedes . andere .Familienmitglied sich, so ' schlecht ; benommen haben würde, würde mich das wenig bekümmert haben, aber er! 0 das ist zu viel! Fort von hier. Elender!" Eine andere noch weit entehrendere An klage stand indeß dem armen Lamh Laud her noch bevor. Kaum waren die harten Worte seines VaterS verhallt,, als drei Constabler eintraten und sich nach seinem
'. Sohne erkundigten. I Er. ist zu Hause", äußerte der Vater mlt Thränen 'in' den Augen, und ich würde niemals geglaubt haben, daß eine Zeit kommen könnte, in' welcher mir bei der Nennung .seines 'Namens die' Nöthe der Scham in die Wangen steigen würde, so sehr-, hat' er gestern Abend sich, ver-brochen-. v ' i : '; . .Auch ich bin bekümmert darüber daß er sich in solcher Weise vergangen hat," versetzte der Polizeiinspektor.. .Kennt ! Ihr diesen Hut?" : ' j Der Sohn trat jetzt aus dem Zimmer u'nd' man sah es ihm aus den ersten Blick an, daß er diese.Nacht nicht entkleidet gewesen war. Die Constabler mächten unverzüglich diese Beobachtung und verfehl ten nicht, diesen Umstand zu .seinem Nach theile zu deuten. i .Hier ist Euer Hut,? sagte derjenige, welcher ihn in der Hand hielt, .wenn man Euch ansieht, so gewinnt es den An schein, als hättet Ihr die ganze Nacht umyer gecywelgt. Der Sohn nahm den Hut in Emvfang und wandte sich dann gegen seinen Vater. . (Fortsetzung folgt.) .
. F2r die .Tribüne erworben.Z . Eine falsche Behauptung. . ' . . ' Humoreske von F. Grawcn-Will. (Fortsetzung,) .Wartet das sag' ich Deinem Onkel," lachte die Tante. .Du liest mir wieder die. Epistel, und- Du weißt, daß' mein AIterchen gesagt hat. Du sollst meine schwa chen' Nerven- schonen -und mich in meiner Hinsälligkeit nicht fo herunterkanzeln !" i .Tantchen,ich will's nie wieder thun und an alle Arten von Kopfweh glauben,- und wennIe auch im Ellbögen säßen.. - 7 .Dann mußt Du. auch an Clary'sHeim weh glauben!" . ..Du versprichst Dich, Du meinst Kops' weh!" .Ich meine Kopsweh,, welches eigentlich Heimweh Wm)::'Y ' Nein'iTantchen, daran glaube ich nicht. Wer.fast' einenMonat.läng so, vergnügt und heiter sein konnte, verfällt nicht mehr bcmHtimttKö! : : ' .Du, scheinst gar kein Mitleid mit dem armen - Mädchen zu haben, old pick !" sagte die alte -Dame erstaunt, die sich in der Tbat'vundertedäß ihr Neffe so ruhig und gelassen, so vergnügt und heiter seine Cigarette rauchen konnte. Sie hatte ja mit heimlichem' Vergnügen, bemerkt, daß daö gegenseitige-Interesse der beiden jun geu Leute immer entschiedener, in Form und Farbe hervortrat. Zutraulichkeit war die Form und Erröthen war dieFarbe. Bon Herzen gern wünschte sie, daß der junge Mann eine ihrer Landsmännin nen einmal heirathen möchte, nur keine von den schwarzen Feuerröpsen, in denen nichts gutes gekocht wird," wie sie zu a gen Pflegte, , wenn sie von den schönen Spanierinnen des Südens redete. . Richard rauchte in der That seelenruhig und lächelnd sein Cigarette, liebkoste den gefährlichen Papagei und betrachtete vergnügt die blauen Glockenblumen, welche er in eine Vase gestellt hatte. . .Glaubst Du, daß Miß Clary eine blonde Perrücke trägt, Tantchen V fragte er plötzlich. Der alten Dame siel vor Schreck die neueste Zeitung von Panama auS der Hand und dieBrille von derNase. Sprachlos starrte sie erst ihrenNeffen an und dann verstört umher. Von wo kamen die schrecklichen Worte her, die sie soeben gehört hatte? Sie war doch in ihrer eigenen Villa und nicht in eir.emNarrenhausef Denn nnr da könnte man solche verrückte Frage zu hören bekommend Richard sah die Bestürzung seiner Tante mit wahrem Vergnügen und fragte genau noch einmal dasselbe. .Nein, da hört denn doch wirklich mehr als Alles aus!" stöhnte die gute Frau Morris. .Du denkst am Ende gar, alle Damen tragen Perrücken, weil Deine Senora Spanierin solch' ein Kunststückchen zu Wtge gebracht hat ! Nein, mein lieber Sohn, in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika kennen achtzehnjährige junge Damen solche Kniffe noch nicht, weil sie es nicht nöthig haben. .Und Clary trägt ganz gewiß keine! Da'sür steh' ich Dir. Dick, Dick, was hast Du ' doch manchmal sür Einfälle!' Das' wäre ja -'entsetz-lich 5". .Glaubst Du, Tan!chen, daß sie e3 mir eingestehen würde, wenn sie falsches Haar trüge? . Wenn sie es tragen müßte? Ich meine. falsches Haar über und über !" ' .Das will ich in zwei Portionen beantWorten. Erstens:. Clary trägt kein aU sches Haar, und zweitens : Das sagt keine Dame einem Herrn ! Sa, nun weißtDu's, Du Haarspalters . ; .Allerdings! Das läfft sich ja erwarten. Verleugnet man doch sogar großeFuße um kleiner Schizhe willen." .Lass' Du "nur meine Füßchen aus dem Spiel, Du Unart, und bleib' bei Deiner Perrüke!" .Meiner Perrücke ? Tantchen ich hab' keine !" 'Clary auch nicht!" ' Also Du meinst wirklich, keine Dame würde es einem Herrn " . .Neun niemals ! Das ist überhaupt gar kein Unterhaltungsthema für Damen und Herren !" Auch nicht für eive Braut und einen Bräutigam?"
.Für solche erst recht nicht! Ich sag'S noch einmal, weder eincBraut, noch irgend eine Dame , in der Welt würde so etwaS ungestehen. Du lieber Himmel, da müßte sich ja die ganze Welt umkehren !"
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