Indiana Tribüne, Volume 1, Number 48, Indianapolis, Marion County, 12 July 1879 — Page 6

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I n b i a n a T r i b ü n e."

AerHodesboXer. :o: Komantischei Gemälde anl dem Englischen von C. v. Grumbkow. (Fortsetzung.) Hinter demWemberge?" fuhrMechauel erschrocken aus hinter dem Weinberge ? Woda?--Ei freilich, hinter dem Weinberge, wo sie schon ost sich gesehen und gesprochen haben! Wo? potz Betten! wenn Euch daS zu wissen erwünscht ist, sie sitzen auf einer Anhöhe beisammen, die durchGebüsch von drei Seiten wohl versteckt ist, so daß der Punkt für sie, wie für Alle, wie geschaffen ist, die einJnteresse daran haben, sich , den Augen ihrer Verwandten oder Nachbarn zu entziehen. Ueberzeugt Euch selbst davon, aber haltet Euch in ange messener Entfernung, sonst dürfte es Euch schlimm ergehen." Eine tiefe Zornesröthe färbte bei dieser Nachricht die Wangen Mechaul Neil's. Seit mehr als hundert Jahren herrschte zwischen den Stämmen der Neil und der Lamh Laudher ein tödtlicher Haß, ohne daß man sich über den Ursprung dieser Feindseligkeit Rechenschaft ablegen konnte. Aber in Irland bindet man sich nicht an solche Kleinigkeiten. Die Hauptsache ist, daß man keine Gelegenheit unbenutzt vor übergehen läßt, sich zu bekämpfen. Dieser Grundsatz genügte, Mechaul Neil zu bestimmen, sich jedem Gedanken an eine Heirath zwischen seiner Schwester und dem jungen Lamh Laudher zu widersetzen. Seine Schwester war zweifelsohne das schönste Mädchen in der ganzenUmgegend, und eö waren ihr von vielen Seiten die vortheilhaftesten Anträge gemacht, ohne daß sie sich bislang zu einer Wahl hatte entscheiden können. Lamh Laudher Oge war dagegen arm. UeberdieS wünschten die Angehörigen der Ellen, daß sie Jeman dem auS ihrem Stamme die Hand zum Bunde reichen möchte. Mechaul zweifelte zwar nicht mehr an der Wahrheit ihrer Mittheilung, nichtsdestoweniger aber lag in ihren Betheue rungen etwas, das feine Abneigung gegen sie bestärkte. Er wußte, daß sie weder aus Rücksicht gegen feine Familie noch gegen ihn selbst ihm diese' vertrauliche Mit theilung gemache hatte. Nell Mac Col lum hatte ost geäußert, daß, mitAusnahme einer einzigen Person, auf Erden Keiner sei, den sie liebe; sie verhehlte es auch nicht, daß sie Ellen verachtete und haßte. Nun wohl " sagte er, wenn das, was Ihr anführt, wahr ist, wird es Lamh Laudher gereuen. Ich eile, mich von der Sache zu überzeugen, und werde mich auf Euren Rath ebenfalls mit Feuerwaffen versehen, Nell. Sollte er mich reizen, dann wehe ihm . . . Ellen weiß das." Mit diesen Worten verließ er sie. Die Alte folgte ihm in teuflischerSchadenfreude mit ihren Augen. Wehe ihm, sagst Du?" rief sie aus das wolle ein gütiges Geschick und möge die Kugel in dem Laufe Deines Gewehrs ihres Ziels nicht verfehlen. Ich habe dem Lamh Laudher es sind viele Jahre seitdem verflossen einen Pfeil in's Fleisch ' gesenkt, welchen Niemand herauszuziehen vermag; ich stehe in Begriff, einen zweiten aus stramm gespanntem Bogen abzu schießen, der ihm hoffentlich den Garaus machen wird." . Nachdem sie in solcher Weise ihrem Haß gegen eine Familie Ausdruck gegeben, welcher sie alle Schuld beimaß, daß sie auS der menschlichen Gesellschaft sich ausge schlössen sah und als ein Gegenstand der Furcht und Abneigung angesehen wurde, ging sie gleichfalls fort, es nicht unterlas send mit ihrem Stock heftig in den Boden zu stampfen.

Zweites Kapitel. Der junge Lamh Laudher dachte nicht daran, daß das Geheimniß seiner Zusammenkunst mit Ellen Neil verrathen sei Aber die Begegnung mit der rothhaarigen Hexe erweckte nichtsdestoweniger in ihm eine gewisse schlimme Ahnung, deren er sich nicht zu erwehren vermochte. Als Nell den Lamh Laudher verlassen hatte, schlug dieser den Weg zu seinem Stelldichein in scheinbarer Unbefangenheit und mit langsamen Schritten ein. Er begab sich sodann zu der erwähnten, durch Gebüsch versteckten Anhöhe und nahm da selbst auf weichem Moos Platz. Kaum hatte er sich gesetzt, als er ein Geräusch

von Tritten vernahm nnd bald darauf Nanse Mac Collum, ein junge Mädchen, die Nichte der alten Hexe, vor ihm stand. Hol' Euch der Geier, Lamh Laudher", rief sie ihn an, mich also in Bewegung zu setzen." ' Was wollt Ihr von mir, in welcher Absicht kommt Ihr V In keiner, durchaus keiner", erwi derte sie lebhaft, ich wollte mich nur davon überzeugen, ob Ihr hier wäret. Miß Ellen hat mich hergeschickt. Euch zu sagen, daß eö ihr Leid thue, heute Abend wahrscheinlich nicht kommen zu können, da sie scharf beobachtet werde." Darf ich sie denn erwarten, Nanse?" Sie hofft besten ungeachtet erscheinen zu können, aber sie hat mich beauftragt. Euch Euren Stock abzufordern, zu einem Zwecke, den sie Euch sagen wird, sobald sie Euch selbst spricht". Mir meinen Stock abfordern ! Traun, Nanse, was mag sie mit meinem Stocke wollen? Bezeigt das liebe Mädchen etwa Neigung, Jemand damit durchzu bläuen?" Mich soll der Böse holen, wenn ich'S weiß, Lamh Laudher, eS sei denn, daß sie Euch damit durchbläuen will, weil Ihr dem hübschen Kinde daS Herz gestohlen habt. Wie habt Ihr daS einmal ange fangen? Das gehört nickt hierher, Nanse", ihre Familie ist gegen mich eingenommen, nicht wahr?" Man liebt Euch allerdings nicht; aber das Schlimmste ist indeß, daß der zwischen ihrer und Eurer Familie herrschende Haß Euch für immer trennt. Gebt mir jetzt Euren Stock und wartet noch eine Weile, vielleicht wird sie doch noch kommen." Fordert Ihr mir in der That auf EllenS Geheiß den Stock ab, Nanse." Zweifelsohne; für wen sonst wohl? Weiß ich's, was ihr in den Kopf gefahren fein mag ; immerhin darf ich eS nicht wagen, ohne den Stock zurückzukehren." So nimm ihn denn hin, Nanfe, sie weiß es ja, daß ich ihr selbst mein Herz blut nicht verweigern würde. Sobald Ihr sie seht, sagt ihr, daß sie sich beeilen und mich um's Himmelswillen nicht um sonst harren lassen möge, ich kann nicht ruhig einschlafen, wenn ich sie in 24 Stun den nicht gesprochen habe." Es gibt noch Mehrere, welche die Liebe nicht einschlafen läßt. .Guten Abend! Meiner Treu, wenn mir jetzt Jemand den Weg versperren, wollte, ich würde ihm mit dem Gewichte dieses KnotenstockeS heimleuchten." Mit diesen Worten war sie schon hinter dem Gebüsch verschwunden. Lamh Ladher zerbrack sich, vergeblich den Kopf darüber, welcher Laune eö zuzu schreiben sei, daß Ellen ihm den Stock ab verlangt hatte. Davon hielt er sich über zeugt, daß sie dabeiseine persönliche Wohl fahrt in'sAuge gefaßt hatte. Freilich kam es ihm in den Sinn, daß er sich jetzt von seiner Waffe getrennt hatte, welche er stets bdffich trug, um sich, wenn es erforderlich wäre, gegen Ueberfälle und Angriffe der Verwandten Ellens zu wehren. Er erinnerte sich auch des Zusammentreffens mit Nell Mac Collum, diesem bösen Augur vogel und daß es die'Nichte dieses Frauenzimmers wär,' welche ihm' sein Haupt vertheidigukkgsmittel abverlangt hate. Zu diesen Betrachtungen verblieb ihm jedoch nur geringe Zeit, denn wenige Minuten nach dem Fortgange Nanses erkannter er an den leichten Tritten die Geliebte seines Herzens. Ellen Neil war von hoher Gestalt und ihre Bewegungen waren elegant und von natürlicher Anmuth. Zwar waren ihre .Gesichtszüge nicht ganz regelmäßig, aber Physiognomie war lebhaft und ihre-Augen leuchteten in einem Glänze, welcher ein warmes Herz und vielseitige Intelligenz bekundete. Ihr langes, üppiges, blondes Haupthaar hob sich vortheilhaft ab von .ihrer schönen Hautfarbe, welche fast so weiß war als frisch gefallener Schnee. Fügt man diesem noch einen reizenden Charakter, sprühende Heiterkeit und hohes Zartgefühl hinzu, so hat man ihr getreues Portrait. - Fürwahr, John", redete sie ihn an, als sie ihn erblickte, ich glaubte anfangs. Du wärst nicht mehr hier." Hast Du mich jemals zu spät kommen sehen?" sagte er, ihre' Hand ergreifend und sie sanft neben sich herabziehend, und was würdest Du von mir gedacht haben, wenn Du mich hier nicht vorge funden hättest V ' Ich würde wie der Wind nach Hause geeilt sein, aus Furcht, daß mir unter wegS etwas Böses begegnen könnte".

Du brauchstnichtS zu befürchten, Ellen, was könnte Dir widerfahren ? Aber lasten Wir das dahingestellt sein : bringst Du bessere Nachrichten als gestern ?" Wollte Gott, John eS wäre der Fall, aber im Gegentheil, ich habe noch fchlech tere zu melden. Alle haben sich gegen mich verschworen und ich darf Dich künftig weder sehen noch sprechen." DaS ist hart", versetzte Lamh Laud her mit einem tiefen Seufzer, aber ich weiß, woher der Wind weht. Ich habe daS Deinem Vater und vor Allem Deinem Bruder Mechaul zuzuschreiben". Hinsichtlich des Letzteren bist Du im Irrthum, Lamh Laudher, mein Vater ist Dir weit feindseliger gesinnt als mein Bruder, und hat sich erst vor einigen Stunden dahin ausgesprochen, daß er mich lieber todt, als mit Dir verheirathet sähe. Höre, John, ich. fange an zu glau ben, das wir einander nie bekommen wer den. Freilich, ich sehe jetzt ein, welche un übersteigliche Hindernde sich der Erfüllung unserer Wünsche entgegen stemmen. Thut eS Dir leid, mir Dein Wort ge geben zu haben, so gebe ich es Dir hier mit zurück." Oh, John, wie kannst Du solchen Verdacht gegen mich hegen? Ich leide schon genug für Dich. Seit zwei Jahren ist kein Tag vergangen, an welchem meine Familie mich nicht veranlaßt hat, umDei netwegen bittere Thränen zu vergießen. Habe ich nicht zahllose Verbindungen abgeschlagen, .Verbindungen, welche jedes junge Mädchen mit Stolz eingegangen wäre! Du weißt es, warum das geschehen ist". Du hast Recht, meine Ellen, mir blutet das Herz bei dem Gedanken, welche Ver fölgungen Du meinetwegen zu erleiden hast. Nein, nein, Geliebte, ich habe gewiß keinen Aüge.lblick an Deiner Treue gezweifelt. Ich begreife ja kaum, wie ein schönes und reiches Mädchen jemals darauf fallen konnte, einen solchen armen Teufel, wie mich, lieb zu gewinnen." Weil ich Dich und Dich allein liebe. Dich allen übrigen Freiern vorziehe," versetzte Ellen innig und lächelnd. DaS weiß ich, Ellen, und weiß zugleich, daß ich weit entfernt bin. Deiner würdig zu sein, und wenn ich nur in dieser Beziehung Muth hätte, hätte ich Dich gegen mich aufreizen müssen, damit Du einen Mann heirathen könntest, der im Stande wäre Dich glücklicher zu machen als Du es je mit mir werden wirst. Glaube mir, es bricht mir das Herz bei dem Genanken an Dich und mein Mißgeschick. Mein armer Vater hat sich niemals von dem Schlage erholen können, welchen ihm das auffällige Verschwinden der kleinen Alice verursacht hat und meine Mutter ist noch übler daran. Nicht zu misten, ob ste er tränkt oder gestohlen worden, daS' ist's, was Einen untröstlich macht. Zwar darf ich mich besten rühmen, daß unsere Lage sich, seitdem ich zu verständigen Jahren gelangt bin, sehr verbestert hat und ich hoffe, daß sie sich auch, wenn Gott eS zuläßt, stets mehr und mehr bester wird, namentlich, wenn mein Vater mir die Verwaltung derMeierei selbstständig über läßt. Ich hoffe dieses zuversichtlich mit Beziehung auf uns Beide, noch mehr aber, wenn möglich, um Deinetwillen. Was würde ich nicht thun, um Dich glücklich zu machen, Ellen !" Ellen fühlte sich ebenso sehr durch seine Aufrichtigkelt wie durch den mannlichen Schmerz, der aus jenen Worten sprach, bewegt. ' .John", -hub sie erregt an Ich habe Dir etwas mitzutheilen und bitte ich Dich, mich genau anzuhören. Mechaul hat gedroht, daß . . . daß . . . darf ich Dich ersuchen, daß Du jeden Streit mit ihm vermeidest, wenn er Dir begegnet? Willst Du mir daö versprechen ? Mechaul'hat gedroht, mich schlagen zu wollen, nicht wahr? Und ich, ein Lamh Laudher, soll diesen Schlag von einem Neil ruhig hinnehmen, ja, ihm wohl noch gar dafür danken, vermuthe ich ? Ellen richtete sich plötzlich empor. John", -nahm sie das Wort -es ist durchaus nothwendig, daß ich Deine Liebe zu mir auf eine harte Probe setze. So wenig, wie ich eine Lüge üb'er meine Lip pen zu bringen vermag, so wenig vermag ich die Wahrheit zu verhehlen. Mein Bruder hat die Drohung auSgestoßen, Dich schlagen zu wollen und, wie erwähnt, eS ist durchaus nothwendig, daß Du diese Züchtigung auS Liebe zu seiner Schwester hinnimmst. Nein, meine Liebe, niemals. Das ist mehrmals ich je zu ertragen : vermag

Verlange von mir, daß ich mir die rechte Hand abhauen soll, ich werde es willig thun, verlange mein Leben, ich opfere eS ohne Murren für Dich; aber von einem Lamh Laudher zu begehren, daß er einen Schlag von einem Neil geduldig hinnehmen solle . . ., niemals ! Traun, wie würde ich nach einer solchen Entehrung mein Haupt wieder erheben können ? Wie würde ich wohl im Lande bleiben können, nachdem mich ein Neil wie einen Dieb ge züchtigt hätte, mich, der ich der erste mei ner Partei bin, wie Dein Bruder es in der seinigen ist ? Nein, niemals !" Un doch behauptest Du, daß Du mich liebhast?" Mehr als irgend ein Jüngling ein junges Mädchen je geliebthat.", JSltm, Du liebst mich nicht mehr. Wäre dies der Fall, würdest Du darein willigen, es um meinetwillen erdulden, und nicht glauben, daß das Opfer ein zu großes wäre. Ich fange an zu glauben, Lamh Laudher, daß eö Dir, wenn ich ein armes Mädchen wäre, nicht schwer fallen würde, daö Verhältniß mit mir zu lösen. Würbest Du mich wirklich so sehr lieben, wie Du es mir gesagt hast, so könntest Du sicher nicht den einzigen Wunsch, den ich gegenDich ausgesprochen, mir so bestimmt abschlagen. Ellen, Ellen, willst Du mich denn'ent ehrt sehen ? Möchtest Du mich für einen Feigling angesehen misten ? Willst Du, daß mein Vater mir die Thür zeigt? Wünschest Du, daß mein eigener Stamm mich mit Füßen treten und mich verstoßen soll?" John", sagte sie und zerfloß dabei in Thränen ich weiß eS sehr wohl, daß es eine grausame Verpflichtung ist, die ich Dir auferlege, aber Du mußt sie für mich erfüllen. Ich hege unsägliche Angst vor einem Zusammentreffen mit Dir und meinem Bruder, nach Allem, was er geäußert hat. Das einzige Mittel, dieser Gefahr zu entgehen ist, daß Du ihn nicht wieder schlägst. O, Du ahnst eS nicht, was ich seit zwei Jahren erdulde ! Lamh Laudher Oge, ich glaube, eS wäre bester für mich gewesen, ' wenn ich Dich nie gesehen hätte". Ich thue Alles für Dich, Ellen, nur verlange dieses Eine nicht." . ' j O, verweigere es mir nicht John. Es geschieht nicht um meinetwillen, vielmehr, eS bangt mir für Dich, Mechaul wird Keinen schlagen, der sich nicht vertheidigen kann. .Ich gehe nicht eher von hinnen, als bis ich Dein Versprechen bekommen habe; und ich flehe Dich auf meinen Knieen an, mir in diesem Punkte zu will fahren". j Ellen, ich werde diese Gegend verlassen, um zu vermeiden. Deinem Bruder zu begegnen, wenn Dir daS ge nehm ist." Nein, nein, John, daS wäre mir nicht genehm. Da würdest Du ja DeinenVater und Deine ganzeFamilie verkästen müssen, deren rechte Hand Du bist. O John, gib mir daS Versprechen. Ich kenne Mechaul. Wenn er um meinetwillen einen Schlag von Dir erhielte, er würde Dir wie mir das nie verzeihen können". Dieser Vorwand ließ Lamh Laudher in seinem Entschluste ein wenig wankend wer den. - Es steckt etwas, dahinter, Ellen", sagte er. Was ist es? Sage mir 'die Wahrheit." Wenn ich Dich und meinen Bruder weniger liebte, John, , würde ich mir die Sache nicht so sehr zu Herzen nehmen. Bedenke, daß ich nur ein schwaches Weib bin und. auf den Knieen vor Euch liege. Von Dir geschlagen, würde mein Bruder entweder Dich oder mich tödten, ehe er erlaubte, daß wir uns heirathen. Dir ist die Heftigkeit seines Charakters bekannt." Ich weiß, Ellen, daß ich nicht im Stande bin. Dir tttoaC abzuschlagen. Ich werde Deinen Bruder niemals schlagen." Versprichst Du es mir bei Gott dem Allmächtigen, daß keine Aufreizung Dich bewegen wird, ihn zu schlagen ?" Das ist eine harte Forderung, Ellen, aber... es sei! ich schwöre es bei Gott ihn niemals schlagen zu wollen, ich ver pflichte mich dazu bei Deiner Liebe. Er hebe Dich jetzt? mein gutes Kind, erhebe Dich. Du hast mir soeben einVersprechen abgelockt, welches Keiner außer Dir erlangt haben würde. Darum wirst Du also, wie ich vermuthe, Nanse Mac Collum zu mir geschickt haben, um mir meinen Stock abzufordern." Nanse Mac Collum ! Wann ?" ,. (Fortsetzung folgt.)

lFür die .Tribüne' erworten.) Eine falsche Behauptung. Humoreske don F. Grawen-Will. (Fortsetzung,) Da steckte der Kapitän plötzlich den Kops durch die halboffene Thür und und sagte streng : Stewardeß, ich wünsche, daßSie in der Kajüte dieser Dame, nicht jedesmal ihre deklamatorischen Uebungen abhalten. Man hört sonderbare Dinge wenn man hier vorübergeht. Einmal langweilenSie das Fräulein mit aschblondenKlatschereien und das andere Mal wünschen Sie, um Ihrer Tugend willen, derBerenice denUn tergang. Kleinmüthig, aber doch in den Augen Claras gerechtfertigt, zog sich dieGescholtene bescheidenzurück' gelobte es sich aber hoch und theuer von nun an auch ein lebendiges Grab auch für Kleinigkeiten" sein zu wollen und sich im Schweigen zu Üben. Mit einem freundlichen Gruß verschwand auch das hübsche Gesicht des gestrengen Herrn Kapitäns. Clary war jetzt in ihrer stajf.ie Abends und Nachts ungestört. Janc's Diensteifer war abgekühlt and schon frühzeitig konnte dieThür verriegelt werden. Dann machte es stch daö jungeMädchen bequem. Ueber dem mit goldenen Staubsädchen bedeckten Haupte schwebte an der Gardinenstange, ohne Scheu, daö gefährliche Lockenge bäude. FräuleinStanley hatte stch von der übrigen Schiffsgesellschast so viel als möglich zurückgezogen. Ihre Gemüthsstimmung paßte nicht zu der oberflächlichen Konver sation einer nur vorübergehendenBekannt schast. Nur für die PanamaTante schien sie auf dem Schiffe zu existiren. Da aber diese die meiste Zeit im Bett zubrachte,- so saß das junge Mädchen oft stundenlang allein auf demVerdeck und folterte sich mit dem Anblick des schönen Kapitän und mit den schmerzlichen Entschlüffen ihres armen Herzen. Für sie gab es keinen Richard Morris in der Welt, besten Liebenswür digkeit und herzgewinnendes Wesen Ein druck auf ste machen durste. Sie war eine aus seinen Huldigungskreisen Hinauge stoßene.und verbannte, und doch war er so aufmerksam, so freundlich und herzlich. Ihr heroischer Entschluß, eher das Tntsagen im vollsten Maße als die Liebe im kleinsten kennen zu lernen, gewann Oberband bei ihr und dann erst wurde sie wie der heiter, gesprächig und antheilnehmend Jedermann pries, neben ihrer Schönheit, ihre herzgewinnendeLiebenöwürdigkeit und Richard wußte nichts anderes zu thun, als sich Tag und Nacht mit dem Kernspruch seiner Ueberzeugung zu beschäftigen : sie ist entzückend, anbetungswürdig ! Die Fahrt war herrlich,das Wetter köstlich und die Herzensstimmung endlich wieder. ganz behaglich. O, das Meer ! das schöne majestätische Meer ! Tiefblau, mit weißem und meer grünen Perlen gekrönt waren die breit heranschwellendsn, vorüberziehenden, stch kurz überschlagenden Wogen. Prachtvoll war dieser Anblick im Sonnenglanz und überwölbt mit einem wolkenlosen, blauen Himmel. Aber feierlicher war es desNachtS Das Meeresleuchlen ist ein wunderbares Schauspiel und dazu noch dasSterneleuch ten am südlichenßimmel, mit dem funkeln den Kreuze am strahlenden Firmament. O, das übt einen merkwürdigen Zauber aus, und wer es nur einmal in seinem Le ben sieht vergißt es nie wieder ! Bei dem späten Anfang des Mondes, der einen wahren Silberglanz über die Fläche de? Meeres ausgoß, hielten die Pastagiere Mondschein-Promenade auf dem Verdeck, begleitet vom Gesänge der Matrosen. Der Kapitän führte keine andere Dame als Clary, und in diesen heiligfeierlichen Stunden der Nacht war es, als mit unwiderstehlicher Macht die Liebe in ihremBu sen aufsprang wie eine Rosenknospe. war ein süßes, seliges Weh im jungfräu7.I chen Herzen. Es war zu schwach geworden, um noa 7-erWiderstand zu leisten. Nur eine einz' stacht hielt noch mit- ei sernem Griff den Riegel fest vor des Herzens Thür, und diese Macht hieß mitVorund Zuname : Perrücke! So flattertendenu, wie zwei imGebüfch sich suchendeVögelchen, die Gefühle dieser beiden Menschenkinder umher imJrrgar ten der Liebe, ohne das Plätzchen zu sinden wo ein Nestchen gut anzubringen wäre u. wo die Liebe den vollen Lob- und Preisgesang des gefundenen Glückes im hellen Gesänge ausjubeln konnte. Richard und