Indiana Tribüne, Volume 1, Number 44, Indianapolis, Marion County, 14 June 1879 — Page 6
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Gebrochener Stolz.
:o: Roman von S. 'ZZaumann. (Fortsetzung.) Ellas Antlitz ward bald blutroth, bald leichenblaß, als Lord Carlswood so sprach. Wenn nur die bestimmte Bedingung nicht wäre !" murmelte Ella, sie ist grausam !" Nicht so grausam, wie Du es Dir ein bildest", erwiderte er. Rang und Hoheit haben stets Sorgen im Gefolge. Wie viele Königinnen haben der Krone wegen Heirathen und den Mann ihrer Herzens wähl ausgeben müssen! Wieviele Edel damen haben, um lhrerPflicht zu 'genügen. Männer geheirathet, die sie heimlich ver abscheut haben ! Von Dir wird ein der artiges Opser nicht verlangt; Du hast blos einem Manne zu entsagen, der, das wird Dir jetzt klar sein, in jeder Beziehung tief unter Dir steht". - Ich liebe meinen Gatten"; warf sie ein. .Allerdings, Ella; ich beeinflusse Dich aber deshalb ja auch nicht im Min tosten". Sie bat, sie flehte, sie versuchte auf alle Weise, seinen Entschluß zu ändern, aber vergebens. Liebe und Eitelkeit fochten einen schweren Kampf um die Oberherrschast, aber letztere trug schließlich den Sieg davon. Ihrer weiblichen Pflicht, der Liebe ihres Gatten und seiner Verzweiflung über ihren unseligen Entschluß uneingedenk, theilte sie Lord Carlswood mit, daß sie bei ihm bleiben und ihren Gatten niemals wieder sehen wolle. , Lord Carlswood schickte sofort einen Erpreßbotcn an Herrn Advokat Ford ab und als dieser erschien, erhielt er den Auf trag,PaulWaldon von Lord Carlswood's Anerbieten und der Annahme desselben seitens seiner Gattin in Kenntniß zu setzen. Gott verzeihe Ihnen; Sie haben sein Herz gebrochen !" murmelte Ford, als er den wichtigen Brief vollendet hatte. Aus Lord Carlswood's Bitte schloß Ella ein Bestätigungsschreiben mit ein. Der Inhalt desselben war folgender : Ich kann es nicht vermuthen, daß Du mir je verzeihen wirst, Paul, oder denken, wie ich denke. Es ist mir hinlänglich be sannt, wie heiß Du mich geliebt hast und ich habe Dich eben so heiß geliebt und liebe Dich noch immer; nichtsdestoweniger beabsichtigte ich um meinet wie um mei nes Sohnes willen Lord .Carlswood's Anerbieten anzunehmen. Wäre es doch möglich gewesen, daß Du all' unser Glück mit uns hättest theilen können! Indeß darf ich's Dir nicht verhehlen, daß ich im einsamen Walde mich nie wieder glücklich würde gefühlt haben. Das kleine Häus chen, welches Deinen geringen Wünschen völlig entsprach, würde mir nie mehr ge nügt haben. Es ist das Beste Dir dieses I offen zu gestehen. Beurtheile mich nicht falsch oder gar undankbar. Ich habe mir stets gesagt, daß ich nicht an meinem rechten Platze wäre. Für all' die Liebe und Güte, womit Du mich überhäuft hast, danke ich Dir von ganzem Herzen, indem ich Dir ein Lebewohl biete." Diese kalten, grausamen Zeilen, welche nichtsdestoweniger während des Schrei bens mit heißen Thränen bethaut worden waren, schob sie, ohne einWort zu äußern in Lord Carlswood's Hand. Aber an 'diesem Tage ließ Ella Waldon sich nicht wieder sehen. Zwölftes Kapitel. Eines schönen Morgens im August saß Paul nachdenklich in seinem Ziemer beim Kaffee, den ihm das Mädchen soeben gebracht hatte. Er hatte seine anfänglich gehegten Zweifel bereits vergessen, da Ella ihm sehr häusig geschrieben und ihm ihre vielfachen Zeistreuungen und Vergnügungen auf Schloß Bralyn eingehend geschil dert hatte. Sie vermied es indeß sorgfäl tig, ihm von dem Anerbieten des Lords . Carlswood auch nur die leiseste Andeutung zugtkn'Seit ihrer Abreise war jetzt bereitZein Monat verfloffen und er em Pfand eine heiße Sehnsucht nach ihr. Ich werde ihr noch heute schreiben", sagte er zu sich selbst, und sie bitten, nunmehr zu mir zurückzukehren ;" und als er diese Worte sprach, schien ihm die Sonne heller zu scheinen, der Gesang der Vögel herrlicher zu erklingen. Ein Postböte erschien jetzt, der ihm mehrere Depeschen und Briefe brachte, unter welchen
der eine das Postzeichen von Lynn erken. nen ließ. Eine Stunde später fand die Magd ihren jungen Herrn ohnmächtig auf dem Fußboden hingestreckt. Sie besprengte ihn mit Waffer, sie rieb ihm die Schläfe mit Essig, sie schüttelte ihn und war ihm, als er endlich wieder zumBewußtsein gelangte, behilflich, sich wieder aufzurichten. Ich eile sosort nach Ashbunham, um einen Arzt herbeizuholen", sagte sie be sorgt, aber er verbot es ihr und bat sie, ihn allein zu lasten und Niemandem Zu tritt zu ihm zu gewähren. Zögernd be folgte sie seinen Wunsch und hörte, daß er hinter ihr sein Zimmer verriegelte. Er war ein starker Mann, stark auch im Dul den und Leiden, aber dieser Brief hatte ihn wie mit einem wuchtigen Keulenschlage zu Boden geworfen. Eine ingrimmige Wuth ergriff ihn; mit bleichen, bebenden Lippen sprach er entsetzliche Verwünschungen gegen den Urheber seines Unglücks aus. Er verfluchte den stolzen Lord, der ihm seinen Schatz geraubt hatte. Mein guter, einziger Liebling !"
schluchzte er im Uebermaße seines großen Schmerzes. Mein Liebling so schön, so zart, so liebevoll, mein Weib !" Dann rief er es sich m's Gedächtniß zu rück, daß sie aus freiemAntriebe gehandelt hätte. Sie hatte ihn verlassen, damit sie in Reichthum, Luxus und Glanz schwelgen könne. Sie hatte ihm sein Dasein vergif tet, des schnöden Mammons wegen. Bei diesem Gedanken schien seine Liebe sich in Haß zu verwandeln und seine Lippen kräuselten sich zu einem eigenthümlichen Lächeln, als er die Worte vor sich hin sprach : Sie war stets leichtenSinnes und eitel ; mein Herz ruhte in ihrer Hand, sie hat es zerbrochen und fortgeworfen. Ich würde für sie Kummer und Hunger ertragen haben und sie sie hat mich mit einigen kühlenWorten verkästen. Sie war meiner Liebe nicht würdig. Ich will sie nicht ver wünschen, aber zum Himmel empor schreie ich um Rache." Er erhob seine rechte Hand. Ich schwöre", sagte er, bei meiner Liebe und meinen Sorgen, daß ich das Unrecht, welches mir angethan, rächen und nicht eher ruhen werde, bis ich vollgültige Genugthuung erhalten habe." Der Kummer veränderte seine ganze Natur, er verhärtete sie, wie nichts Ande res es bewirkt haben würde. Doch be klagte er sich gegen Niemanden über sein herbesMißgeschick. Er begab sich nach wie vor an die Arbeit ; aber seinen Bekannten siel es doch auf, daß sein Antlitz eine düstere Miene zeigte und daß seineStimme einen ganz anderen Ton angenommen zu haben schien als früher. Es war ihm bekannt, daß das Gesetz ihm zur Seite stand, daß er einsach sein Weib und seinen Sohn durch die Gerichte hätte zurückholen können. Aber er war dazu bei Weitem zu stolz. Konnten die Gesetze ihm ihre Li.be und Zufriedenheit wieder geben, ihn das Geschehene vergeffen lassen? er verwarf nach reiflicher Ueberlegung jede gerichtliche Einmischung. Eben so wenig wollte er ihr schreiben. . Ein paar Tage .nach Eingang, dieser Hiobspost langte ein Brief an, welcher sein Geschick mit einemSchlage veränderte. Eine seiner Erfindungen war von einer reichen Handelsfirma angenommen wor den und sie machte ihm, indem sie ihm dasselbe mittheilte, die Offerte, seine ge genwärtige Stellung aufzugeben und eine glänzende Stellung bei ihnen anzu nehmen. Das ist der erste Schritt, um Reich, thum zu erwerben," sagte er und sah sich' dabei in seiner verödeten Wohnung um. O, daß sie hier gewesen wäre !" dachte er: und die Neuigkeit, welche ihn vor zwei Monaten mit Jubel erfüllt haben würde, gewährte ihm jetzt nicht das geringste Vergnügen. Der einzigste Vortheil, den er daraug zog, war, daß er jetzt diese Gegend verkästen konnte. Er beschloß, es Keinem mitzutheilen, die Magd heimlich fortzu. schicken und keineAndeutung zu geben, wo hin er gehen würde. Wenn die Sterne es hätten offenbaren können, sie würden von einem Manne er zählt haben, weler eine ganze Nacht im Wald zugebracht und dort seinen unsäglichen Schmerz ausgeweint hatte. Sie würden erzählt haben, daß er eine lange Nacht in solchen Sorgen im Wald verlebt, wie sie Wenige würden ertragen haben, und daß er dann in der Molgendämme rung voll Zorn und Verzweiflung fortge gangen war. Als Paul Waldon sich von dem Lord
Shofield verabschiedet hatte, war ihm seine
Zukunft höchst gleichgillig. Waö konnte Reichthum ihm bieten ? Er konnte seine Wunden nicht heilen oder ihm seinen Ver lust ersetzen. Vielleicht gerade deshalb häufte Fortuna ihre reichsten Gaben aus ihn. Er unterschrieb einen Contrakt mit der Firma und diese gelangte bald zu der Einsicht, daß sie denselben mit keinem ge wöhnlichen Menschen abgeschlossen hatte. Binnen Kurzem trug man ihm einen Ge schäftsantheil an und als ein Jahr darauf der Chef der Firma starb, sicherte der an dere Compagnon Paul Waldon die Hälfte des Gewinns. Was immer er berührte, es schien sich in Geld zu verwandeln. Sobald er sich im Besitz der nöthigenMiitel sah. speculirte er aus eigene Hand, unbekümmert, ob er da bei gewinnen oder verlieren würde. Aber fast jede Spekulation glückte ihm und machte ihn so r-.ich, daß er, als sein Com pagnon sich zurückzuziehen wünschte, im Stande war, das ganze Geschäft zu kaufen. Sein Erfindungsgeist schien uner schöpflich zu sein; er erzielte durch seine Patente so enorme Einnahmen, daß er nach acht Jahren, seitdem er Ashbunham verlassen hatte, zu den reichsten Fabrikbesitzern Englands gezählt wurde. Im Ueberflusse schwelgend, widmete er sich gänzlich den Jntereffen des Arbeiterstandes. Er hielt Vorlesungen, Reden und machte stch bald einen Namen als Führer der ArbeiterPartei. Wenn er durch seine scharfe, leidenschaftlicheSprache ganz England hätte in Ausruhr versetzen können, er würde es gethan und zornige, erregte Volkshausen zur Vernichtung sämmtlicher Aristokraten angefeuert haben, denn er haßte sie mit einem heftigen, wil den Feuer; er würde seinLeben dasür hin gegeben haben, die Vornehmen vom Erd boden zu vertilgen. Man hörte seine schlagenden Reden ver wundert an, man war erstaunt über seinen heftigen Haß, wenn er die Laster der Reichen, ihren Stolz, ihre Gefühllosigkeit, ihr verächtliches Benehmen gegen die Armuth geißelte und brandmarkte. All' dieses geschah, weil Einer unter ihnen ihm seine schöne jungeFrau abspenstig gemacht hatte. Während dieser ganzen Zeit hatte er kein Wort von Ella vernommen. . Er mied nämlich gefliffentlich, die Chronik der vor nehmen Welt zu lesen, sonst würde er schon in deren Spalten ihren Namen angetroffen haben. Von Jahr zu Jahr, wie sein Reichthum stch vermehrte, steigerte sich sein bitteres Verlangen nach Rache. Man sah ihn niemals lachen, ja, man hatte ihn nicht einmal lächeln gesehen. Die Herrschast und das Palais von Ravenstale wurden zum Verlause angebo ten und er kaufte Beides. Dann glitt ein Lächeln über sein Antlitz und er sagte zn sich selbst : Jetzt bin ich Squire von Ravenstale. Ich werde gesetzliche Schritte thn, um meinen Namen zu verändern, werde mich beider nächsten Wahl als Candidat stellen, und kann dann die Maßnahmen, welche ich auf dem Herzen habe, zur Sprache bringen und vertheidigen". Dreizehntes Kapitel. Wenn der Genuß von Reichthum, Luxus und jeglichem irdischen Vergnügen und Comsort Glück bieten könnte, so müßte Ella stch unsäglich glücklich gefühlt baben. Nachdem sie ihren Brief abgesandt hatte, wartete sie eine Zeitlang auf Antwort. Paul müßte ja wieder schreiben ; er würde leidenschaftlich an ihr Herz appelliren, meinte sie, sie anflehen und bestürmen, zu ihm zurückzukehren. . Sie hatte bereits eine Antwort daraus vorbereitet ; dieWürfel waren einmal gefallen und keine Bitten oder Ueberredungen würden im Stande gewesen sein, ihren Entschluß zu ändern. Aber vergebens harrte ste auf den vorausgesehenen Brief. Sie wünschte es so sehr, Nachricht von ihrem Gatten zu er halten, ste sehnte stch danach, zu misten, wie er über ihre Treulosigkeit dachte ob er litt ob er sich sehr unglücklich fühlte. Auf Schloß Bralyn war Alles prächtig, erhaben, glänzend. Wenn der Kopf sie nur schmerzte, wurden die theuersten Mit tel aufgeboten, um ihr Linderung zu ver schaffen, aber ste suchte vergebens nach ihrem Paul, an besten treue Brust sie ihr Haupt schmiegen, der ste mit süßen, schönen Worten trösten und beruhigen konnte, bis der Schmerz entwichen war. Sie entbehrte ihn schmerzlicher, als Worte es zu schildern vermögen, und in den ersten Tagen sah ste so bleich und ver
ändert aus, daß Lord Carlswood anfangs
fürchtete -ein Fehlgriff gethan zuhaben. Der Lord sann indeß auf Mittel, sie zu zerstreuen ; er gab eine glänzende Soiree, zu welcher der Adel der Umgegend Karten zugesandt erhielt, und wozu er Ella ein so kostbares Kostüm aus Paris'' verschrieb. daß sie ihre Freude darüber unverhohlen zuerkennen gab. Unter dem Geräusche, der Aufheiterung, dem Reize des Neuen, das dieses Fest ihr darbot, vergaß ste ihre Sargen und seit dieser Stunde nahm die Gesellschaft sie ganz in Anspruch. Lord Äarlswood hielt getreulich, waS er ihr versprochen hatte. Er erklärte Lionel zu seinem gesetzlichenErben und verordnete in einem Nachtrag zu seinem Testamente, daß Ella, seine geliebte Enkelin, nach sei nem Tode in dem ungestörten Besttz des ganzen Vermögens gelangen sollte. Nach erlangter Volljährigkeit ihres Sohnes würde ste bis an ihr Lebensende die Hälfte des Vermögens behalten. Das Schloß und die Herrschast Bralyn sollten alsdann an Lionel übergehen, wogegen ste das kost bare Haus zuLondon nach wie vor als ihr Eigenthum anzusehen hatte. Dann er wählte der Lord eine fein gebildeteErziehe rin aus den höheren Ständen, um Ella für seine Zwecke heranzubilden. Lassen Sie den Gedanken fahren. Miß" redete der Lord die Erzieherin an, meiner Enkelin eine gründliche Gelehrsamkeit beizubringen. Der Versuch würde nutzlos sein,sieFranzöstsch, Deutsch, Musik und Zeichnen zu lehren; -es muß dagegen ihre Ausgabe sein, sie zu lehren, mein Haus würdevoll und anmuthig zu repräsentiren bringen Sie ihr alle Ein zelnheiten der Etiquette bei, womit jede Dame von Stande sich vertraut machen muß, und ich werde hinlänglich befriedigt sein Das Resultat fiel überraschend glänzend aus. Die kleinen Unebenheiten ihrer Manieren und Bewegungen waren bald geglättet; ihre melodiöse Stimme erklang zarter und nahm einen silberreinen Ton an, ihre blitzendenAugen richteten sich her ausfordernd und sanft zugleich nnter den langen seidenenWimpern auf denSprecher, und sie lernte ihr reizendes Haupt stolz wie eineKönigin zu erheben. Nach dreiMona ten war .sie. eine so vollendete Weltdame geworden, daß' man darauf hätte wetten mögen, sie habe ihr ganzes Leben auf dem Schlöffe Bralyn zugebracht. Aber, war sie glücklich? Kaum ward die Saison zu London er öffnet, als Lord Carlswood Ella mit sich nach dem Hotel Bralyn nahm. Sie trat zum ersten Mal in der großen Welt auf und ward mit offenen Armen empfangen. Lord Carlswood's Prophezeiung hatte sich erfüllt : ihre unvergleichlicheSchönheit und Anmuth erregten allgemeines Aus sehen. Mehr als je bedauerte er jetzt ihre Mißheirath, tröstete stch indeß in dem Be sttze ihres Sohnes, den er ganz nach sei nen Anschauungen und Grundsätzen zu erziehen beabsichtigte. Eines Tags stellte der Lord das Ansinnen an sie, den Namen Waldon abzulegen, allein sie maß ihn mit so zornigen, flammenden Blicken, daß er beinahe seine Fassung eingebüßt hätte. Ich habe das Herz meines Gatten ge brochen", sagte -sie mit hastigen Worten und wogendem Busen, ich habe ihm die Treue gebrochen, habe sein Lebensglück zerstört, allein ich werde nun nnd nie mals einen andern Namen annehmen. Ich war stolz genug auf denselben, als ich berechtigt war, ihn zum ersten Male zu sühren und will ihn nicht aufge ben." Er sah ein, daß es nutzlos. sein würde, auf seinem Verlangen zu bestehen und zog sein Antrag sür immerzurück. Ella be saß mehr Geist und Entschiedenheit, als er ihr zugetraut hatte. Sie ward in der Gesellschaft als Frau Waldon, Lord Carlswood's unvergleichlich schöne Enkelin bekannt. Anfangs erkun digte man sich nach ihrem Gatten wer er wäre? und die Antwort lautete: Sie heirathete tief unter ihrem Stande und ist jetzt von ihm geschieden". Nach kurzer Zeit hörten diese Nachfor schungen aus und die in strahlenderSchönheit prangende Lady Waldon ward in der vornehmen Welt wie eine Königin ver ehrt. Ella genoß ihr Leben; ste ließ keinen Ball, keine Soiree unbenutzt vorüber gehen, sie war unermüdlich im Haschen nach Zerstreuungen. Lord Carlswood lächelte, als er sie im Stillen beobachtete. Ich habe mich in ihrem Charakter doch nicht getäuscht", dachte er. Sie hat ihren Gatten vergeffen." (Fortsetzung folgt)
lFür kie Tribüne erworben.) Eine salslhc Behauptung. Humoreske von F. Grawen-Will. (Fortsetzung,) Als er sich der Bostoner Dame näherte, stel ihm die schöne Aschblonde geradezu in die Arme und stöhnte : ' : O Herr Kapitän, ich ich oh uh ich ste . . e . . rbe! oh hu i!" Die Zusammenbrechende mit starkem Arm umschlingend, trug er ste dieKajüten treppe hinunter und übergab ste derStew ardeß, welche die Bedienung der Damen zu versehen hatte. Dann klopfe er an Fräulein Stanleys Thür, und auf ihr schwaches Herein" schaute er freundlich hinein und sah das arme Kind auf dem kleinen Kanapee zusammengekauert in eine Ecke gelehnt. Noch nicht bester, liebes Fräulen?" fragte er theilnehmend und sein dunkles Auge ruhte fast zärtlich auf dem bleichen, schönen Angestcht der Kranken. Ach nein, noch nicht! Könnten ste nicht das unausstehlicheKippen undWippen ab stellen lasten, Herr Kapitän," versuchteCla ry zu scherzen. Ich will meinBestes versuchen, aberSie müssen Geduld mit mir haben. Ich darf dem alten Neptun nicht zu streng befehlen. Er läßt stch von mir nicht in die Perrücke fahren und ste ist ihm auch angewachsen !" damit verschwand er. Perrücke,Perrücke und immerPerrücke!" murmelte entsetzt das jungeMadchen.Seitdem er mit mir spricht, redet er nur von Haaren und Perrücken. O, ttaY ' ich doch lieber in New Vork geblieben und hätte ich ihn doch nie, nie gesehen bis ich meine ei genen Haare wieder hatte!" Leise klopste es an die Thür und die Stewardeß erschien. Der Kapitän schickte ste, um dem Fräulein' behülflich zu sein, sagte ste, und ohne viel Umstände ziuna chen, hatte die gewandteFrau das leidende widerstandlose Mädchen in eine elegante Nachttoilette gekleidet. Dann sagte, sie freundlich und dienstwillig : , Darf ich ihnen das Haar aufmachen, Fräulein ? Es wird ihnen behaglicher u. Sie schlafen dann bester." - Was? das, Haar ausmachen?" Clary fuhr entsetzt mit beiden Händen in dieHöhe und hielt krampfhaft ihre blonde Perrücke sest. Wie? sollte diese Frau hinter ihrGi heimniß kommen und es dann in allenDa menkajüten ausplaudern ? Nimmermehr ! ! Bitte, bitte, nein,nein !" rief das junge Mädchen ängstlich. Rühren Sie mich nicht an ! Mein Kops thut mir entsetzlich weh. Jede Berührung, auch nur dielet seste, geht mir wie ein Dolchstich durchs Gehirn. Weil stch die Stewardeß noch nicht rührte, schloßClary seufzend : Bitte, Liebste, lasten Sie es mit meinemHaar nur sein!" Aber gewiß, Sie werden stch bedeutend besser fühlen, mein Fräulein. Der Herr Kapitän hat es mir aufgetragen, allenDa men behilflich zu sein und namentlich dasür zu sorgen, daß stch ihr Kops frei fühle." Q, dieser Kapitän, die haarspaltende Kapitän! Clary war in Verzweiflung. Aber ste bestand darauf,stch ihrenKopf nicht anrühren zu lasten. Liebste Stewardeß! lasten Sie es ge
hen. Wirklich, ich kann es nicht ertragen. wenn eine fremde Hand mit meinem Haar zu thun hat!" stöhnteClary und kroch ohne Weiteres in ihr Kajütenbettchen, um nur den Händen ihrer kämm und bürstenlusti gen Kammerdienerin zu entrinnen. . Well, liebes Fräulein, wieSie wollen'."sagte diese. Sie werden es bereuen. Sie werden eine schlimme Nacht haben. Das Beste ist allemal : die Haare ganz und gar aufzumachen. Aber wie ste wollen, ganz wie Sie wollen. Haben Sie dieGüte und verschließen sie ihre Thür nicht, damit ich znweilen nachsehen kann, obSie etwas be dürfen. Wünschen Sie vielleicht jetzt et was?" Nichts,garnichts - nurRuhe !"bat das junge Mädchen und athmete hoch auf, eis stch dieThür hinter der aufmerksamen und dienstwilligen Stewardeß schloß. ' - Clary hatte jetzt in der That rasende Kopsschmerzen. Das Blut pochte in ihren Schläsen wie mit Hammerschlägen. Der ganze Kopf war glühend heiß und wie eine Felsenlaßt drückte ste das falsche Haar. Es war unerträglich. Und dennoch wagte sie es nicht, die quälende Last abzunehmen ; aus Furcht, daß die pünktliche und sorg same Stewardeß gerade in einem solchen Moment hereintreten könnte. JhrTaschentuch mit kaltem Master anfeuchtend, legte
