Indiana Tribüne, Volume 1, Number 40, Indianapolis, Marion County, 17 May 1879 — Page 6

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Gebrochener Stolz. :o: , Roman von A. Aaumann. (Fortsetzung.) Lord Carlswood wußte, daß seine Sorge eine unsäglich schwere sei, aber sie demii thigte seinen Stolz nicht. Vergebens ver suchte eS der alte Schloßkaplan, welcher ihm die ersten Anfangsgründe des Lesens beigebracht hatte, seine HofZahrt in Hinweis auf die ernsten Fingerzeige Gottes zu beugen. Meine Kinder sind todt, Kaplan," sagte er dumpf, und jegliche Hoffnung meinesLebens ist zerstört, allein das sei ferne von mir,daß einCarlswood d'as, wasSie Hochmuth und Stolz zu nennen belieben, ablegen sollte." Jedoch, die Zeit kam allgemach heran, wo er sich gezwungen sah, an die Zukunft zudenken.- Das Besitzthum Bralyn war kein Fideicommik; es war schon vor Zei' ten aus der Hand des männlichen Eigen thümers in die einer Tochter des Hauses übergegangen; als unerläßliche Bedingung galt indeß, daß, wer auch immer die Herrschaft in Besitz nahm, den Titel und Namen Carlswood führen mußte. Zur Regierungszeit Georgs I. hatte der damalige Eigenthümer, Lord Franz Carlswood, drei Töchter, aber keinen Sohn, ihn folgte, den Stipulationen gemäß, der Sohn seiner ältesten Tochter, welche mit Lord Bur ton verheirathet war und von diesem hatte sich das stets vergrößerte Besitzthum in gerader Abstammung auf den jetzigen Ge bieter von Bralyn vererbt. Jetzt fragte Lord Carlswood sichindeß mit einem gemischten Gefühl von Furcht und Neugierde, wer ihm wohl nachfolgen würde, wem es vergönnt sein werde, den Nuhm und die Ehre des uralten erhabenen Stammes zu vermehren ! Er besaß seines Erachtens keinen einzigen Blutsverwandten; er hatte keinen einzigen rechtmäßigen kräftigen Neffen, den er gerichtlichelseits als seinen Erben anerkennen lassen konnte und jeder Tropfen seines aristokratischen Blutes erhob sich rebellisch gegen den Ge danken, daß nach seinem Tode ein Frem der über Bralyn herrschen würde. Was war dagegen zu machen? Nach langen schlaflosen Nächten sandte Lord Carlswood endlich einen Boten an den Ober und und LandesgerichtS'Advocaten zu Lincoln, Herrn Ford. Herr Ford hatte seit vielen Jahren die vielen gerichtlichen und außergerichtlichen Angelegenheiten der Familie Carlswood vertreten und sich dabei stets alö ein recht schaffener und überaus einsichtsvollerJurist bewährt. Als Fräulein Käthe Carlswood entflohen war, hatte er ihren Vater in ständigst gebeten, ihr wenigstens ein kleineS Vermögen auszuzahlen, allein der Gebieter von Bralyn hatte sich dessen hart nackig geeigrt. Von seinen vielen Mil Honen wollte er nicht einen einzigen Pfen nig herausgeben. .Nicht einmal, wenn eS gälte, ihr Leben zu erhalten", fügte er mit donnernder Stimme hinzu, und Herr Ford wandte sich mit einem tiefen Seufzer von ihm ab. In der Folge wagte er es nicht wieder. ihren Namen in seinem Beisein zu nennen, und jetzt, wo der Lord ihn Zwecks Bk' sprechung der Erbfolge eigens hatte her beirufen lassen, kämpfte er einen schweren Kampf mit sich selbst und zögerte ziemlich lange, ehe er ihm die Antwort ertheilte : .Es ist nur ein Fall denkbar, Ew. Gna

den, diese fatale Angelegenheit zu regeln und dieser Fall wird Ihnen böchst unan genehm sein. Ich war so unglücklich, als ich vor vielen Jahren diesen Gegenstand berührte, bei Ihnen in Ungnade zu fallen. ES ist ausschließlich dem hohen Interesse, welches ich Ihren Verhältnissen zollte, zu zuschreiben, wenn ich nichts desto weniger mich bewogen fühle, die Ursache dieser Be leidigung von Neuem auszufrischrn. Ew. Gnaden scheinen vergessen zu haben, daß Ihre Tochter sich noch am Leben befindet." - Ich habekeineTochter", war die barsche, hastige Antwort ; sie starb vor vielen Jahren sür mich Sie,. dürfte Kinder haben", fuhr der Advocai unerschrocken fort. Gesetzt den Fall, daß di; Beleidigung, welche ste be LLJnicht verziehen ließe, so würden doch ihre Kinder unschuldig sein." Das Antlitz des Lord Carlswood über zog sich mit Todtenblässe. Er fuhr sich mit der Hand durch das Haar und durch maßdas weite Gemach mit großen Schritten. Herr Ford ließ ihn nicht aus den

Augen, obgleich. anscheinend mit einem Brillantring an seinen Fingern spielte. .Unschuldig !" brach er endlich mit zor Niger Betonung aus. An und sür sich mögen sie unschuldig sein; aber Sie vergessen, Herr Ford, daß sie die Kinder eines niedrig geborenen und niedrig erzogenen Mannes sind, welcher mir meine Tochter stahl!" ' Es waren so viele Jahre verflossen, seit dem seine Lippen dieser Beiden erwähnt batten, daß sie dadurch in fieberhaftes Zittern geriethen. .Wie könnte ich wohl," fügte er hinzu, .veranlassen, daß die Kinder eines solchen Elenden nachBralyn kämen ? Wie könnte ich dieselben wohl zu Nachfolgern meiner Ahnen ernennen ? Nimmermehr !" .Es dürste sich immerhin eher empfehlen, als daß ein Fremder von diesem herrlichen Eigenthum Besitz ergriffe, der den a'ten Namen zu Ruin und Verfall gelangen ließe. Mögen sie auch die KinderThorton Camerons sein, immerhin gehören sie zu Ihrem Geschlechte, Ew. Gnaden, es laßt sich dieses Factum schlechterdings nicht ableugnen ja, sie mögen Ihnen sogar sprechend ähnlich sein Ein Ausdruck unaussprechlichen Ekels

und Abscheus zeigte sich bei dieser Andeutung im Antlitz des stolzen Mannes. Ich hoffe nicht," sagte er wegwerfend. .Ja, sie mögen vielleicht fuhr der ge reifte Jurist mit großer Diplomatie und Beharrlichkeit fort, den Geist der erhabenen alten Callswood besitzen das Feuer, die Ritterlichkeit, die Ehre dieses uralten Geschlechts." Lord Carlswood Antlitz erheiterte sich. .Wenn dieses der Fall wäre fügte Herr Ford hinzu, dann würden sie weit größere Ansprüche an die Erbfolge haben als irgend ein Fremder, dem diesesCharak teuflische abginge. Ein gerechterAnspruch verdient stets Berücksichtigung und hier ist kein Zwefiel denkbar, daß die Kinder von Käthe Ella Carlswood nicht ihren Vaier nachfolgen sollten eS würde ihnen schreiendes Unrecht geschehen, wenn sie übergangen würden .Wie aber versetzte der Lord beißend, "wenn sie keine Kinder hätte V Dann muß Schloß Bralyn mit all' seinen Millionen in fremde Hände übergehen. Ich schlage vor, daß wir vor allen Dingen die Tochter Ew. Gnaden aufzufinden suchen. Das weitere wird sich dann finden Anfangs war Lord Carlswood diesem Vorschlage gänzlich abgeneigt er wollte, er konnte nicht drein willigen, da& diesem der eines solchen Diebes" Bralyn besitzen sollten. Ja, er war ein Dieb schrie der Mann mit leidenschaftlicher, schriller Stimme. .Hätte er mir all' mein Hab' und Gut ge stöhlen sügte er beklommen hinzu, .ich würde es weit eher verschmerzt haben, als den Verlust meiner Tochter. Er begrub bei diesen Worten sein Antlitz in seine hohle Hand und der Advocat ehrte seinen Schmerz. Nach einer Pause regte er die Sache indeß wieder an, was Herr Ford für ein gutes Zeichen hielt; dann- schien er seinen Haß gewaltsam zu bezwingen, grübelte und kämpfte, bis er schließlich dem schlauen Advocaten freies Spiel zum Handeln ließ. Wenn es geschehen muß sagte der Lord, .dann geschehe es rasch. Im Ver zuge ist Gefahr vorhanden Sie berathschlagten jetzt die näheren Umstände und gewann Herr Ford dabei die traurige Ueberzeugung, - daß Lord Carlswood nichts von seiner Tochter wisse, daß er, seitdem sie ihre Heimath ver lasten, kein Wort von ihr vernommen hätte. Hat sie niemals geschrieben? fragte der Advocat. Ja, lautete die Antwort, aber ihre sämmtlichen Briefe sind vernichtet worden. Seit ihrer Flucht sind jetzt zwanzig Jahre verflosien eS scheint mir fast undenk bar, ihre Spur aufzufinden Herr Ford war aber anderer Ansicht. Es ist nicht so schwierig, als Sie glau ben.. Ich werde mehrere Richter dtSOb gerichts zu Lincoln in das Geheimniß einweihen und Ew. Gnaden werden hoffent lich bald gute Nachrichten von mir betörnmen sagte er zuversichtlich und entfernte sich. ßMllein es verflosien Tage und Wochen und die häufigen Briefe des Herrn Ford gewährten keineswegs die erhofften Auf. schlüge. Endlich traf ein Brief ein, der Lord Carlswood in fieberhafte Aufregung versetzte. 'Man hatte die Spur Camerons und'seiner Frau bis nach London verfolgt, wo sie sich mehrere Monate aufgehalten

und daselbst höchst wahrscheinlich den Rest

ihres geringen Vermögens aufgezehrt hat ten. Von London waren sie alsdann nach Liverpool gegangen, in der Hoffnung,"dab sie dort ihren Unterhalt finden würden. Sie hatten sich in Liverpool zwei möblirte Zimmer gemiethet und hier gebar die Frau eine kleine Tochter, die in der Kirche St. Johann unter dem Namen Ella Came ron getaust und in'S Kirchenbuch eingetragen wurde. In Liverpool erwuchs dem armen Manne die hoffnungslose Aufgabe, eine Lady, welche im Glanz und Reichthum erzogen und aufgewachsen war, von der Einnahme einer mäßig besoldeten Schrei' verstelle zu ernähren. Mit einer sparsam, vernünstig denkendenHausfrau würde ihm dieses vielleicht gelungen sein, allein Kätbe kannte das Wort : .Einschränkung" kaum dem Namen nach und machte sich von der Bedeutung desselben eine sonderbare Bor stellung. Den Welth des Geldes hatte sie seither nie schützen gelernt, denn da jeder ihrer Wünsche, sowie sie ihn äußerte, in Erfüllung ging, war es ihr nie eingefal len, darüber nachzudenken, was der Ge' genstand etwa gekostet haben mochte. Es frappirte sie z. B., daß Thorton, da er jetzt doch ein Engagement hatte, ihr nicht gute Tischweine hielt. Sie sah ihren Mann mit großen Augen an, als er ihr, ihrem sehnlichen' Wunsche entsprechend, eines Tags eine Flasche alten Portweins brachte, der nach der Aeußerung des Wein Händlers vorzüglich sein sollte. Der Wein ist keineswegs gut, Thor ton sagte sie, .er ist nicht annähernd von der Sorte, wie mir ihn zu Bralyn hatten. Laß mich etwas von derselben bekommen Er vermochte ihr nur mit vieler Mühe begreiflich zu machen, daß er sich dazu außer Stand sähe und gleiche Schwierig keit bereitete es ihm, sie in nothwendigeren Dingen von seiner trüben Lage in Kennt niß zu setzen. Berzweiflunsvoll gab er endlich die Hoffnung auf und reiste weiter, um etwas Befferes zu finden. Die Nachforschungen stellten fest, daß er sich von Liverpool ach Ehester begeben hatte und dort ausKummer uud imKampfe um die Existenz gefährlich erkrankt war. Er hatte gehofft, ein reicher Mann zu wer den, wenn er die einzige Tochter eines reichen Edelmannes heirathete, und sich statt desien um sein ganzes Lebensglück betrogen gesehen.- Wie konnte er, ein armer, unbekannter Componist und Musiker ohne Freunde und Theilnahme, eine unerfahrene, verwöhnte Lady mit ihrem früheren Glänze umgeben, ja. sie auch nur mit demjenigen, was sie ihrer Ansicht nach sür durchaus erforderlich hielt, versehen? ES war ihm einfach unmöglich und dieEinsicht, daß er einen bejammernswerthen Fehlgriff begangen, tödtete ihn. Er war in Ehester begraben worden. Seine Wittwe hatte den Ort bald darauf mit ihrem kleinen Kinde verlaffen, und von da an war keine Spur von ihr und ihrem Kinde mehr aufzutreiben. Herr Ford hatte die geschicktestenPolizeibeamten Londons für diesen Zweck angenommen, ihnen reichen Gewinn in Aussicht gestsüt, allein sie kehrten sämmtlich unverrichteter Sache von Ehester zurück. Herr Ford war über dies Mißlingen seiner Sendung, die er so hoffnungsvoll übernommen hatte, ebenso betrübt wie beschämt, aber es blieb ihm schließlich nur noch übrig, LordCarlö wood von seinem Mißerfolge in Kenntniß zu setzen. Achtes Kapitel. Wiederum faßen Lord Carlswood und Herr Ford auf Schloß Bralyn zusammen ; der Letztere sah verlegen, der Lord Unglücklich aus. Sie geben also jegliche Hoffnung auf V sagte der Lord zu dem Advocaten. Es ist wirklich kein Fall mehr denkbar V 3ch habe Alles gethan, was ich ver mochte", erwiderte traurig der Angeredete, ohne das geringste Resultat zu erzielen. Wäre nur irgend eine Aussicht vorhanden, sie zu finden, so würde ich Ew. Gnaden mit dieser Meldung verschont haben. Indeß, wie hoffnungslos diese Frage auch sein mag, wäre eS nicht möglich, daß noch irgend einer ihrer Briefe aufbewahrt sein möchte? Ich habe keinen derselben gelesen, versetzte Lord Carlswood. Haben Sie nicht die Postmarken aus den Couverts beachtet?" Ich habe die Briefe ganz und gar nicht gesehen. Meinem Kellermeister Thorpe ertheilte ich kurz nach der Flucht meiner Tochter den strengen Befehl, dieselben un erbrochen zu vernichten und sie unter keinen Umständen mir vor die Augen kommen zu

lassen. Ich dachte zwar, daß sie an mich

schreiben würde, aber ich habe nie gefragt. ob sie es auch gethan. - Halten Sie es sür möglich, das Thorpe die Postmarken besichtigt haben sollte ? Das weiß ich nicht; fragen Sie ihn selbst." - Bei diesen Worten schellte der Lord und bald darauf erschien der Kellermeister. Kaum hatte Herr Ford dieseFrage wieder holt, als das Antlitz des alten Mannes sich seltsam veränderte. Ew. Gnaden werden mir darüber Hof fentlich nicht zürnen," sagte er und sah dabei seinen gestrengen Herrn bittend an. Ich habe Ihren Befehl in diesem Falle nicht befolgt. Sie sagten, ich solle sammt liche Briefe JhrerTochter vernichten ; aber ich konnte es nicht über mich gewinnen; ich. habe sie vielmehr sämmtlich ausbe wahrt, in den Gedanken und in der Hoffnung, sie würden eines Tages Verwm dung finden." Die Augen des Lords blitzten bei diesen Worten. Das ist eine gute Nachricht," sagte er lebhaft. Ich bin Ihnen für Ihre Hin sorge und Klugheit sehr verpflichtet, Thorpe." Er versuchte, die letzten Worte ruhig zu sprechen, aber es hielt nicht schwer, zu .er rathen, wie furchtbar erregt sein Gemüth war. Herr Ford schüttelte dem greisen Diener gerührt die Hand und äußerte : Das hat Ihnen ein Gott eingeflößt, Thorpe. Wie danke ich Ihnen; lasten Sie uns schnell die Briefe bekommen." Der Kellermeister verschwand und kam bald wieder, ein Päckchen Briefe in der Hand. Er händigte sie Lord Carlswood mit den Worten ein: Sie sind sämmtlich geordnet; Ew. Gnaden und liegen genau der Reihe nach, wie ich sie empfing. Sie sind, wie Ew. na den ersehen, unerbrochen. Dies war der erste und jener der letzte Brief." Damit verliefe der treue Diener dasZimmer. Herr Ford trat an den Tisch heran, vor welchem Lord Carlswood saß. Sie müffen ste öffnen, Ford ich kann eS nicht sagte er. Sein Antlitz war bleich, seine Hände zitterten. Meine Tochter, o, meine Tochter!" sprach' er dumpf vor sich hin, während der Anwalt die Briefe erbrach. Herr Ford war ein Actenmensch, ein kalt berechnender, verschmitzter Advocat, aber beim Lesen derselben drang ihm das helle Waffer in die Augen, entrang sich mehr als ein schwerer Seufzer seinerBrust. Der erste Brief, den Käthe geschrieben, war kindlich heiter gehalten; sie sah in ihrer Flucht und ihrer Verheiratung ei nen erlaubten Scherz und fragte ihren Vater, ob eS ihm nicht sehr angenehm sei, seine Tochter verheiratbet zu wissen, ohne daß er dadurch im Mindesten behelligt worden wäre. Schließlich bat sie ihren Vater oberflächlich um Verzeihung. Er möge sich um ihretwillen nicht beunruhigen, ste fühle sich unaussprechlich glücklich. Von. London würde ste einen zweiten Bries an ihn richten, schrieb sie. Der zweite Brief floß von Lobeöerhe bungen über ihren Gatten über ; er war so gütig, so zufrieden, so überaus ge schickt. Der dritte Brief ersuchte ihren Vater dringend um eine Antwort : ste hätte keineswegs beabsichtigt, ihn zu krönken und könne eS nicht glauben, daß er ste verstoßen werde. Dann folgten verzweif lungsvolle Briefe, welche bekundeten, daß sie sich in Noth befänden, immer aber ihren Mann rühmend und immer und aus'S Neue umVerzeihung flehend. Der nächste Brief war aus Liverpool und setzte den Lord von der Geburt einer Enkelin in Kenntniß. .Wir werden sie auf den Namen Ella taufen lasten schrieb die hilflose junge Mutter; und ich halte mich für über zeugt, daß Du sie lieb haben würdest, wenn Du sie sähest. Sie hat mein Gesicht und mein Haar. Mein theurer Vater tut zeihe mir, o verzeihe mir doch um meines herzigen Töchterleins willen." (Fortsetzung folgt.) Burlingto n,Ja.8. Mai.August Miller beging hier heute Morgen Selbst mord, indem er sich erschoß. Zu derselben Zeit machte John Müller, einFreund aber kein Vewandter des ersteren, einen Selbst Mordversuch, indem er stch mit einem Mes ser eine schwereWunde amHalse beibrachte. Sie wohnten in verschiedenen Stadtthei len und eS ist nicht bekannt, ob zwischen ihnen eine Verabredung bestand oder nicht.

(Für t Tribüne- rworben.) Eine falsche Behauptung, Humoreöke von F. Grawen-Will.

In einem der prachtvollen Paläste der Fünften Avenue New' Jorks, in jener Gegend, welche nur der Millionenadel der Vereinigten Staaten Nordamerikas be wohnt, war man in frühester Morgenstunde emsig beschäftigt, den mit fürstlichemGlanz eingerichteten Salon in einen Blumengarten umzuwandeln. Hunderte von Rosen, in den brillantesten und zartesten Farben schattirungen, verbreiteten jenen süßen und aromatischen Duft, den man wie LebenS luft begierig und mit Wohlbehagen ein athmet. Eine Dame von vornehmer Haltung, mit einem mildenAngestcht, in welchem stch nur leichte, fast unmerkliche Spuren des bereits überschrittenen vierzigsten Lebens jahres erkennen ließen, ordnete aus einem Marmortischchen mit vergoldeten Füßen mehrere elegante Kleinigkeiten, denen man es ansah, daß ste ein Mädchenherz erfreuen sollten. D3 wird dem anrnn Kinde eine Freude machen !" flüsterte su und ein weh müthige? Ausdruck verschleierte .ihre sanf ten Züge. Sie hat lange dulden und leiden müsten. Gottlob, daß mir mein einziges Kind nicht entrissen worden ist." Prüfend übersah die Mutter das Ganze, sorgte ängstlich dafür, daß die hohen.Myr ten- undOleanderbäume die großen Spie gel gut verbargen und verließ dann den Salon. In einem reizenden Schlaskabinet lag schlummernd in den schneeigen Kisten, eine zarte, weiße Mädchenrose, die einzige Tochter der Wittwe Stanley. Leise war die Mutter an das Bett getreten und be trachtete mit thränenfeuchtem Blick das blaste, schöne Kind. Die Hände auf der seidenen Decke waren so dünn und durchstchtig, die Wangen nicht mehr voll und rund, dieLippen nur angehaucht von einem blasten Rosenschimmer. Lange, dunkel blonde Wimpern lagen aus den dunklen Schatten der eingesunkenen, noch geschlossenen Augen, reine, schöngeschwungene Bogen waren die Augenbrauen, die edle Stirn wie Marmor und der Kopf dieses rührenden Bildes der Unschuld war nackt und kahl. Ein schweresNervensieber hatte diese häßliche Blöße im Gefolge gehabt und Clary, die heut ihren achtzebnten Ge burtstag feiern sollte, hatte ihren ve? schwundenen Locken schon manche bittere Thräne nachgeweint, bis endlich ihr sonst heiteres Temperament sich in das unver meidliche Schicksal fügte. Eine? ge rupften GanS wachsen doch auch dieFedern wieder, warum soll ich mich denn noch länger grämen. Kommt Zeit kommt Haar!" Wohl freute sich die Mutter, wenn sie die stoische Ergebenheit ihresLieblingS sah aber dennoch sorgte sie mit weisem Bedacht für ein Haus ohne Spiegel. Seitdem Clary wieder der Genesung entgegenging, waren sämmtliche Spiegel aus ihrer Um gebung verschwunden und heute, da sie zur Feier deS Tages zum ersten Male wieder den Salon betreten sollte, hatte sie, wie wir bereits wissen, die gefährlichen Wahr heitöprediger, welche über die Textworte schön sein" oder nicht schön sein" so mancherlei Ansichten reflektiren, hinter Blumen und Blättern versteckt. So lange Clary eö stch nur dachte, wie ste aussehen müsse, fürchtete Frau Stanley . nichts für die noch schwachen Nerven ihrer Tochter; mehr bangte ihr davor, und mit gutem Grund, wenn daö kahlköpsige Mädchen sehen würde, wie eS aussah. Lange betrachtete die Mutter ihr schlum merndeS Kind, besten herrliches, blonde Haar wohl verloren war, aber nicht die liebliche Schönheit und das frohe Herz. Dem bleichen Antlitz der Rekonvaleözentin verlieh die stch wieder erneuernde Lebens kraft auf Lippen und Wangen einen mil den, rosenfarbenen Hauch, als auch die Lebenslust im Gemüth wieder herrschte. ES muß eine Art Magnetismus sein, wodurch Schlummernde durch ein festes, stilles Anblicken erweckt werden können, die Verwirrung, welche dem bewußtlosen Zustande beim Erwachen zuerst zu folgen Pstegt, öffnen stch ruhig und klar die schlummernden Augen und betrachten mit einem Mal den Wecker. So war es auch hier. Zwei liebliche, innige, blaue Augen sahen plötzlich in die der Mutter, ein glück liches Lächeln glitt über Clary's Angesicht und ihre Arme um den Hals der sie zärtlich Küssenden schlingend, flüsterte sie : Guten