Indiana Tribüne, Volume 1, Number 37, Indianapolis, Marion County, 26 April 1879 — Page 6

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Bis Blinden.

Movcsse von "gant Kcyse. (Fortsetzung statt Schluß.) ;; ' Sechstes Kapitel. Seit jenem Tage wohnte der Sohn nicht Wieder längere Zeit in seiner Eltern Haus. Jedesmal fand er den Vater herber und unduldsamer, die Mutter immer in gleicher Liebe, aber verschlossener gegen ihn, Marlene ruhig, aber bei dem Gespräch der Männer stumm. Sie ließ sich dann auch wenig sehen. In einem klaren Spätherbst sinden wir Clemens wieder oben in der Kammer, in der er als Knabe die Wochen der Genesung zugebracht hatte. Einer seiner Freunde und Studiengenossen hatte ihn begleitet. Die herkömmliche Universitätszeit war hinter ihnen, und sie kehrten von einer großeren Reise zurück, aus der Wolf sich ein Unwohlfein zugezogen hatte, das er in der Stille des Dorfes abzuwarten wünschte. Clemens mußte es geschehen lassen, obwohl er gerade diesen unter all seinen Bekannten am wenigsten geeignet wußte, dem Vater zu gefallen. Indessen richtet? sich der Fremde wider Erwarten mit Klugheit undGewandtheit nach derSinnesart der alten Leute und gewann besonders die Mutter durch ein heiteres Interesse, das er an häuslichen Dingen zu nehmen schien. Er konnte ihr auch manchen Rath geben und ein Uebel, an dem sie litt, durch ein einfaches Mittel lindern. Denn er hatte sich dazu vorbereitet, die Apotheke eines alten Oheims zu übernehmen, ein Beruf, über den ihn Anlagen und Kenntnisse im Grunde hinauswiesen. Doch war er von Natur bequem und ließ es sich gefallen, beizeiten auszuruhen und zu genießen. Mit Clemens hatte er innerlich nie etwas gemein gehabt. Und so fühlte er sich auch glelch beim Eintritt in dcks Pfarrhaus in einer durchaus fremden Luft und hätte nach der nothdürftiaen Erholuna qewin eine Umgebung verlassen, die ihn engte und beschränkte, wäre ihm das blinde Mädchen nicht beim ersten Blick als ein merkwürdigcs Räthsel aufgefallen. Sie hielt sich zwar von ihm zurück, soviel sie konnte. Als er ihr das erste Mal die Hand gegeben, hatte sie sie mit unbegreiflicher Unruhe ihm wieder entzogen und all ihre Unbefangenheit verloren. Dennoch war er stundenlang um sie und beobachtete ihre Art, die Dmge aufzufassen, forschte mit einer munteren Zudringlichkeit, die man nicht übel nehmen konnte, nach den Mitteln, die ihr den Vcrkehr mit der Außenwelt möglich machten, und belauschte ihre Sinne, wie sie sich gcgenseitig sür die Entbehrung des einen fehlenden entschädigten. Er begriff Clemens nicht, daß er sich so wenig aus ihr zu machen schien. Der aber vermied es mehr als je, dem Mädchen zu begegnen, am meisten, wenn er sie in Wolf's Gesellschaft fand. Er ward dann plötzlich blaß und suchte sich loszumachen, und die Leute im Dorfe bcgegnctcn ihm oft auf entlegneren Waldwegen, wo er sich in trostlose Betrachtungen vergrub. So kehrte er eines Abends wieder von einem mißmuthigen weiten Jrrganz zurück und trat eben aus dem Wald in die Saatselber ein, als ihm Wolf entgegen kam. Dieser war aufgeregter als gewöhnlich. Nach einem langen Besuch bei Marlenen, die ihn heute besonders gefesselt hatte, war er in die Dorfschenke gerathen und hatte so viel von dem leichten Landwein getrunken, daß er Lust bekam, in der Abendkühle ein wenig über Feld zu gehen. Ihr werdet mich so bald noch nicht los, rief er Clemens entgegen. Diese kleine blinde Hexe gibt mir noch auf zu rathen. Sie ist gescheidter, als ein Dutzend Weiber in der Stadt, die ihre Augen nur haben, um mit Gott und Menschen zu liebäugeln. Und wie sie mich kurz hält, das ist nun vollends ein Meisterstück. Laß dir's lieb sein, wenn sie dich ein wemg zahmer macht, sagte Clemens kurz. Zahmer? das werd' ich nimmermehr. Wenn ich sie so ansehe mit ihrer prächtigen

Gestalt und' dem schönen Gesicht, es ist wahrlich nicht um zahm zu werden. Glaube nicht, daß ich ihr was thun will. Aber weißt du, zuweilen denk' ich wenn, sie einen lieb hätte,das müßte eigen sein. So eine,die nicht sieht, die nur Gefühl ist, und Gefühl, wie es sonst nirgend so sein und stark und reizbar gefunden wird, wenn die einem um den Hals siele, es ,nüßte ihr und ihm sonderbar wohl thun. Du thätest besser, deine Gedanken für dich zu behalten. Warum ? wem schaden sie ? Und wem schadet's, wenn ich sie am Ende ein Bischen in mich verliebt mache, um zu fthen, wie die Nerven sich dann aus der Verlegenheit ziehen? So vieles von dem inneren Feuer verdampft sonst -durch die Augen; hier aber Ich verbitte mir, daß du mit ihr cxperimentirst, fuhr Clemens auf. Ich sage dir m allem Ernste, daß ich dergleichen in Zukunft weder hören noch sehen will. Darnach richte dich ! Wolf sah ihn blinzelnd von der Seite an, faßte ihn am Arm und sagte lachend : Ich glaube gar, du bist in das Mädchen verliebt und willst nas Experimentiren dir selber vorbehalten. Seit wann bist du denn so ekel ? ftast du mich doch sonstausgehört, wenn ich dir sagte, wie ich's mit den Weibern halte. Ich bin nicht dein Erzieher; was habe ich mit deinen unsauberen Gedanken zu schaffen? Aber daß du jemand damit beschmutzest, der mir nahe steht, der tausend-

mal zu gut dafür ist, daß du nur dieselbe Luft mit ihm theilst, das denk' ich noch dir verwehren zu dürfen. Oho, sagte Wolf gelassen, zu gut, zu gut? Du bist ein guter Kerl, Clemens, ein z u guter Kerl. Geh mir aus der Luft, guter Junge. Er gab ihm einen leichten Schlag und wollte gehen. Clemens blieb stehen, seine Wangen wurden plötzlich blaß. Du wirst dich erklären, was diese Worte memen, sagte er fest. Daß ich ein Narr wäre. Frage Andere, wenn du willst, es wird sich schon einer sinden, der mehr Lust hat, als ich, tauben Ohren zu predigen. Was heißt das ? wer sind die Anderen ? Wer wagt es, schlecht von ihr zu sprechen? Wer? Er hielt Wolf eisern am Arme fest. Narr, brummte der ärgerlich, du verdirbst mir den ganzen Spaziergang mit deinen langweiligen Fragen. Laß mich los ! Nicht von der Stelle, ehe du mir genug gethan hast! rief Clemens im höchsten Zorn. Ich? Mach es mit dem Schulzensohn aus, wenn du eifersüchtig bist. Der arme Teufel, erst mit ihm schön zu thun, bis er aus der Haut fahren möchte, und ihm dann einen schnöden Laufpaß gegeben. Pfui, ist das ehrlich ? Er hat mir seine Noth geklagt; ich habe ihn getröstet. Sie ist wie die anderen Weiber auch, sagt' ich ihm, eine Kokette. Jetzt hat sie sich auch an mich gcmacht. Wir aber wissen sie zu nehmen und werden uns nicht das Maul verbinden lassen, damit nicht andere gute Jungen in dieselbe Schlinge rennen. v Nimm dies Wort zurück ! schrie Clemens außer sich und-schüttelte heftig Wols's Arm. Warum? Es ist die Wahrheit, und ich will sie noch beweisen. Geh, du bist ein Kind von einem Menschen. Und du bist ein Lump von einem Teufel ! Oho, nun kommt die Reihe an dich, zu widerrufen ! Ich widerrufe nicht. So weißt du, was die Folge ist. Du hörst von mir, sobald wir in der Stadt sind. Damit ging er kaltblütig von ihm, dem Dorfe zu. Clemens blieb eine Weile wo er stand. Der Elende ! brach es von feinen Lippen. Seine Brust arbeitete heftig, ein bitterlicher Schmerz nistete in ihr ; er warf sich zwischen den Aehren zu Boden und lag lange, jedes Wort, das ihn empört hatte, tausendmal wiederholend. ' Als er spät am Abend in das Haus zu-I rückkehrte, fand er gegen seine Erwartung die Familie noch beisammen. Wolf fehlte. Der alte Herr ging mit

? , starken -Schritten ' durch das Zimmer die Mutter und Marlene saßen und hatten ine Arbeit auf dem Schooß gegen die Sitte des Hauses zu so. später. Zeit. Als Clemens ins Zimmer trat; stand ; der Pfarrer still und wandte das Haupt ernst nach ihm um. Was hast du mit deinem Freunde gehabt? Er ist auf und davon, da wir über Feld waren, und hat nur einen kurzenGruß hinterlassen. Als wir nach Hause kamen, fanden wir einen Voten, der seine Sachen abholte. Habt ir euch verfeindet? Denn warum sollte, er sonst so übereilt unser Haus verlassen ? Wir hatten einen Wortwechsel. Es ist mir lieb, daß ich ihn nicht mehr unter diesem Dache sinde. Um was entzweitet ihr euch ? Ich kann es dir nicht sagen, Vater. Ich hätt' ps gerne vermieden. Aber es gibt Dinge, die'ein rechtschaffener Mensch nicht mit anhören darf. Ich kannte ihn lange, daß er roh ist und weder sich noch irgend wen schont. So wie heut sah ich ihn nie. Der Pfarrer sah den Sohn an und sagte mit leiserer Stimme : Wie werdet ihr's ausmachen ? . . Wie es Sitte ist unter jungen Leuten, erwiederte Clemens ernst. Weißt du, wie es unter Christen Sitte sein soll, Beleidigungen auszugleichen? Ich weiß es, aber ich kann nicht so handeln. Wenn er mich beleidigt hätte,' so könnt' ich ihm vergeben und die Züchtigung schenken. Aber er hat ein Wesen beleidigt, das mir sehr nahe steht! Ein Mädchen, Clemens ? , Ja, ein Mädchen. Und du liebst dieses Mädchen ? Ich liebe sie, sagte halblaut der junge Mann. Ich hab' es mir gedacht, fuhr der Alte auf. Die Stadt hat dich verdorben ; du bist der Weltkinder eins geworden, die den Dirnen nachgehen und sich raufen um sie und sie zu ihrem Götzen erwählen. Ich aber sage dir, so lange ich lebe, will ich arbeitcn, dich zum Herrn zurückzuziehen, und will deine Götzen zertrümmern. Hat Gott Wunder an dir gethan, damit du ihn verläugest? So wäre es besser, du säßest noch in ver Nacht und hättest die Thore ewig verschlossen, durch die 'der böse Geist mit seinen Verlockungen in dein Herz gedrungen ist. (Schluß folgt.)

Ein heftiger Orkan. Ein Corrcspondent des GlobeDemokrat beberichtet von Collinsville, Illinois, elf Meilen von St. Louis, daß der Ort am Montag den 14. April von einem schrecklichen Orkan heimgesucht worden ist. Der Sturm traf im Nordwesten den Ort um 3 Uhr Nachmittags. Der Cours des Stur mes war Zickzack in östlicher Richtung und wurden dabei 16 Gebäude zerstört und 30 Gebäude schwer und 75 Gebäude leicht beschädigt. Da dem Orkan ein schwerer Regen voranging, befanden sich fast alle Leute in den Häusern, doch kam, trotzdem 10 Häuser vollständig zertrümmert wurden, nur ein kleines Mädchen, Namens Annie Reynolds, um'sLeben und eine oder zwei Personen wurden schwer verletzt. Der Sturm hielt nur zwei Minuten an. Als die Gefahr vorüber war, stürzten die Leute aus den Häusern, um dieJhrigen zu suchen, doch legte sich die Consusston, als Mayor Wadsworth und andere Bürger erschienen, um die Leute zu beruhigen. Man traf sofort Anstalten, um die Verunglückten aus den Trümmern zu holen. Aus den Ruinen eines Miethhauses zog man einen sechs Jahre alten Knaben, der ein Bein gebrochen hatte; serner die kleine Annie Reynolds, deren Leiche ganz unkenntlich war. Eine Frau Jacoby, 70 Jahre alt, und zwei Kinder von Thomas Nelson, resp. 12 und 9 Jahre alt, wurden schwer verletzt. Außer diesen Genannten sind keine anderen Personen verunglückt. Zwei von den "Nothabhülfe.Bills-, die im Hause werden eingereicht werden, wenn es den'Greenbacklcrn gelingen sollte, das Wort zu erhalten, sind von Herrn Weaver. Die eine verlangt die Ausgabe von 400MillionenPap!ergeld mitZwangökurs, wofür auf Anweisung des Kongresses Regierungsgebäude und öffentliche Bauten aufgeführt werden sollen, und die zweite verlangt die Ausgabe von sechzig Millio nen Kleinpapiergeld. Weaver hält viel mehr von einem papiernen als vom golde nen Zeitalter.

., Gebrochener Stolz. ::; ) : - - Roman von A.FZaumann. -

i Erstes Kapitel ' , , i ' : Inmitten, des prächtigen alten Waldes der weitläufigen herrschaftlichen Besitzung Dene im nördlichen England erhob sich das zierliche Waldhäuschen, das der reiche Eigenthümer für Paul Waldon und dessen junge Gattin eigens hatte erbauen lasten. Der Wohnsitz war bedeckt mit wilden Nosen, Schlingpflanzen und Jasmin; dieFenster waren mit Weinreben umrankt, wie uuch die beiden dorischen Säulen, die der Vorhalle zur Stütze dienten. Hinter dem Gebäude breitete sich ein großer, nach allen Regeln der Gärtnerkunst angelegter Obstund Küchengarten aus, in welchem färbenprächtige Blumen die Augen und der Ge? sang zwitschernder, ' jubilirender Vögel die Ohren ergötzten. Das Häue chen hätte einen Dichter zu einer Hymne begeistern können ! ' In der Thür stand, den breiten WaldPfad scharf hinab spähend, eine jugendliche, überraschend schöne Frau, Ella Waldon, Paul Waldon's Ehefrau und Mutter des kleben süßen Knaben, welcher vor ihr auf dem Rasen tändelte. Sie zählte erst neunzehn Jahre, hatte hellbraunes Haupthaar, welches im Sonnenschein wie Gold erglänzte und in dichten, langen Locken um ihren tadellos geformten Hals wallte. Ihre Augen waren dunkelblau, feurig und ließen auf Hoffahrt und Stolz schließen, der sich indeß durch die langen seidenen Wimpern zu wundervoller Schönheit herabmilderte. Ihre edlen Gesichtszüge, ihr zarter Teint, ihre schlanke zierliche Gestalt und der Adel und die Anmuth ihrer Bewegungen gestalteten sie zu einem so idealen Wesen, daß man sich staunend fragte, wie eine so königliche Schönheit in diesem anspruchslosen LandHäuschen wohnen und die Gattin eines Mannes geworden sein konnte, der sein Brod im Schweiße seines Antlitzes verdienen mußte. Plötzlich flammten ihre Augen auf und ein leiser wohltönender Laut drängte sich über ihre rosigen Lippen. Sie vernahm die Fußtritte ihres Gatten, sah ihn von ferne kommen und eilte ihm froh entgegen. Paul Waldon hatte die ächte normannische Type bewabrt, er war dunkel, hübsch gestaltet, voll Kraft und Feuer. Seine ticfschwarzen Augen blickten offen und ehrlich in die Welt und bekundeten durch ihr Feuer einen rastlos thätigen Geist ; sein Benehmen war bescheiden und dabei gleichzeitig so unabhängig, als sei er Jedem ebenbürtig. Sein ganzes Antlitz veränderte sich indeß, sobal er seine liebliche Frau erblickte. Du hast mich bereits erwartet, mein Liebling," sagte er, hast um meinetwillen geharrt ?" Statt einer Antwort legte sie ihre kleine weiße Hand in seinen Arm und sie spazrerten langsam nach Hause. Es ist Dir heute doch nichts Unangenehmes begegnet, Ella ?" fragte der junge Mann mit besorgten Mienen. Nichts Unangenehmeres als gewöhnlich," erwiederte sie. O Paul, beeile Dich reich zu werden, damit wir diese stille, einfache Hütte verlassen können !" Sein Antlitz ward bleich, als er diese Worte vernahm. Mein theures Weib, mir ist dieses zierliche Landhaus weit lieber als ein Palast. Das macht, weil ich Dich so unaussprechlich liebe und es unsere Wohnung ist. Ja !" versetzte sie mit einschmeichelnder Stimme. Mir ist dieselbe allerdings auch lieb, allein ich konnte mich nie an dem einfachen Baustyl begeistern. Erst wenn wir ein großes Haus besitzen, voll prächtiger Gegenstände, wirst Du mich so heiter ge stimmt sehen, wie Du es wünschest." . Aber Ella, wie angestrengt werde ich arbeiten müssen, bevor ich daran denken kann, Dir ein großes ; HauS zu kaufen. Wirst Du m der That damit erst glücklich werden?" Eine leichte Wolke umdüsterte ihre Stirn. ' Mein herziges flrnd," fuhr er fort, Du wirst niemals, o, glaube es mir! niemalö glücklicher werden, als Du es jetzt bist. Du hast Sonnenschein und Vogelge-

sang den ganzen Tag, die rauschendcQuelle murmelt Dir ihre süßeste Melodie. Ich. wiederhole es. Du wirst Dich nie glücklicher fühlen." r . ' Jc möchte doch .lieber ein .'großes Haus besitzen," warf sie von Neuem hin. Hier in dieser trauten Waldeinsamkeit gehörst Du mir ganz allein an, uu'v ich kann Dich, als mein Ideal anbeten, wie ich es thue. -Deine Schönheit erfreut mein Herz Deine Liebe erschließt mir den Himmel. Wenn wir aber reich wären und in der großen Welt lebten, würdest Du vielen Anderen angehören, Andere würden sich an Deinem Liebreiz weiden und Dich mit ihren faden Schmeicheleien überhäufen. Ich möchte es um Alles nicht, daß mein schönes Weib von Jedermann bewundert werde. Ich bin eifersüchtig, Ella, und möchte dich immerdar allein besitzen." Eben das würde würde mich ergötzen," sagte sie. Wie mein Herz sich sehnt nach dieser herrlichen großen Welt, welche Du verachtest. Der Gedanke, mein Lebelang in dieser Einsiedelei zu beschließen, ist für mich entsetzlich. Ich bin gleich einem Vo gel, möchte meine Schwingen ausbreiten und davon fliegen." Sie sah ihn lächelnd an : Glaubst Du nicht, daß ich Recht habe, Paul? Sprich!" Nein," antwortete er. Eine Frau sollte zufrieden sein in der Liebe und Be wunderung, welche sie in. ihrem eigenen Heim erzielt." Was mich betrifft, so genügt mir dieses nicht." . . Sie errieth nicht, wie peinlich dieseWorte sein Gemüth berührten. Er hatte sie bis dahin fest an sich gepreßt, allein jetzt sanken seine Arme kraftlos nieder. Sie sah ihn von Neuem mit bezauberndem Lächeln an und äußerte : Wie lange wird es währen, bis Du reich bist?" Das kann ich nicht sagen, Ella. Vor der Hand bietet sich mir dazu nur geringe Aussicht. Ich bin Lord Schcsield's VerWalter und beziehe als solcher gerade soviel Gehalt, als unser LebensuiNerhalt erfordert nicht mehr." Aber," senkte sie ein und ihre Augen füllten sich dabei mit Thränen, Du erzähltest mir doch, daß Du einst dein Glück machen würdest." Bei dieser Aeußerung glitt ein Sonnen strahl über sein Antlitz und er sagte: Das werde ich auch durch meine Pa tente, Ella. Es schwirren mir mechanische Erfindungen im Kopfe herum, die, wenn sie sich realisiren, mich zum reichen Mann machen müssen. Und doch," fuhr er düster fort, möchte ich lieber arm und in diesem friedlichen Waldhäuschen lebenslänglich wohnen bleiben. Dieses Leben hat einen tausendfach größeren Werth für mich, als das, welches der schnöde Mammon mir zu bieten vermöchte. Es kommt mir vor, daß ich, wenn ich reich werden würde, befürchten müßte. Dich u verlieren, und siehe, Ella, die ganze Welt würde mir nicht den Verlust auch nur eines Atoms Deiner Zuneigung ersetzen können !" Du denkst an nichts anderes als an

Liebe," murmelte sie, Ich dagegen an tausend Nebendinge." Er sah sie mit zweifelhaften Mienen an. Geld und Luxus haben keinen Reiz für mich," sagte er. Sie erschließen mir eine neue Welt, Paul. Fürwahr, ich liebe Dich aus's Innigste, doch würdest Du mir noch weit lieber sein, wenn Du besäßest, was mein Herz so sehnlichst wünscht." Diese Wortewaren nicht freundlich, aber sie lehnte ihr reizendes Antlitz dabei schmeichelnd an seine Wange und dieses ließ ihn die ganze Welt außer ihr vergessen. Ich, werde mir Reichthum erringen," brach er plötzlich aus, und keine Mühe scheuen, um mir Ansehen und einen klangvollen Namen zu erwerben." ' Mit diesen Worten betraten sie den Vordergarten des Hauses und als sie so zwischen den prachtvoll erschlossenen Rosen stand, da sagte er zu sich selber: Keine dieser Blumen ist doch so schön, wie mein reizendes Weib!" Zweites Kapitel. Lord Martin Schosield war der Besitzer des Schlosses Dene. Er besaß einen gros