Indiana Tribüne, Volume 1, Number 31, Indianapolis, Marion County, 15 March 1879 — Page 6
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Monika Waldvogel.
' Novelle von Wilhelm Sensen. (Fortsetzung-.) Duo si faciunt idem, non est idem. Die Tage gingen und Hans Waldvogel verbrachte sie allein für sich und Monika Waldvogel verbrachte sie allein für sich. Das thaten sie in gleicher Weise und . war das Nämliche. Aber er that's offenbar guter Dinge, mit dem größeen Behagen, und sie ärgerte sich vom Morgen bis zum Abend. Das war nicht das Nämliche. Wenn sie sich begegneten, sah er sie, ihrem Wunsche gemäß, nicht an, und sie konnte es nicht unterlassen, jedesmal den Kovf! nach ihm hinüberzudrehen und zu denken, was für ein abscheulicher Mensch er sei. Das Einzige befriedigte sie, daß sie hinzu setzen konnte, auch ein häßlicher Mensch. Er war allerdings groß, kräftig und doch recht schlank dabei, und wenn 'man nur sei nen Gesammteindruck ins, Auge faßte, sah man die Häßlichkeit eigentlich nicht. Auch noch nicht, wenn man das'Ganze des Gesichts zusammennahm; man mußte sich in die Einzelheiten desselben vertiefen, um sie durch ein ästhetisches Urtheil zu vernichten. So trieb Monikas Abscheu gegen ihren Vetter Hans Waldvogel sie dazu, ihm möglichst oft und genau ins Gesicht zu t hen. Sie glaubte, feine Züge schon zu ken nen, als ob sie von Kindertagen ' auf ' mit ihm zusammengelebt, und doch entdeckte sie jedesmal wieder etwas, was ihr'neue Be friedigung einflößte. Daraus entsprang naturgemäß eine absonderliche Mischung des Aergers bei seinem Anblick und des Wohlthuenden in jeder solchen neuen Entdeckung. Jdj könnte mir keinen wider värtigeren Menschen'auf der Welt denken sagte Monika sich und die Nase ist nicht nur zu groß, sie ist auch nach der rechten Seite schief. Seine freche Gleichgül iigkeit übertrifft ich glaube wahrhaftig, er.schielt mit dem linken Auge." Die letzte sreudigeWahrnehmung machte sie zum ersten Male um dieVvrmittagszeit eines sehr heißen Tages im Garten, oder glaubte wenigstens, dieselbe zu machen, denn um sich genau von ihrer Richtigkeit zu überzeugen, wardieEntfernung zwischen den beiden sich vorüber Gehenden zu groß. Unfraglich ader besaß die Hypothese eine solche Tragweite, daß eine möglichst rasche Vergewisserung darüber für den Abscheu Monika's beinahe unerlätzlich wurde. Eine Sekunde lang zögerte sie freilich, allein dann murmelte sie : Bin ich etwa nicht die Herrin, aus meinem Grund und Boden zu gehen, wie und wo ich will V und sie drehte sich um, kam Hans Waldvogel wieder entgegen, ging hart an ihm vorbei und sah ihm gradaus mit kritisch prüsenderSchärfe in die Augen. Ihr spinnwebgrauerKleid ürmel streifte dabei mit , einem Zipfel an seinen Arm, er blieb stehen, blickte ihr in's Gesicht, als ob er von irgend einem unsicht baren Etwas berührt worden fei und sagte: Lust, was willst Du von Lust? Was war'S ? Eine graue Spinne puh !" Und er sah umher, zum Himmel auf, woher das von ihm empfundene Weichthier an ihn gerathen sein möge, schüttelte sich leicht, schlug mit der Hand über seinen Rockärmel und setzte gleichmäßig seinen Weg. fort. Monika blieb stehen und starrte auf ihr Kleid hinunter. Sie glaubte, es nur für sich zu denken, in Wirklichkeit aber sprach sie es mit ganz lauter Stimme : . Eine graue Spinne? Die Unverschämtheit dieses Menschen wird und er schielt gar nicht einmal" : ' :. . Sie sah ihm .'mit ingrimmiger- Enttäu schung nach, in ihren Augen lag zornigdringliches Verlangen,, wenigstens durch eine andere Entdeckung schadlos gehalten zu werden' Jetzt ging Hans Waldvogel schneller einem Gebüschrande zu. Krum me Beine," murmelte die Nachblickende-'-nein, hölzern-gradund steif.".. Er ver schwand, doch nicht ganz, das Bosquet ließ eine Lücke, durch die man sah, daß er drüben stehen blieb ; neben, unter ihm blitzte es undeutlich-eigenthümlich vom Boden wie eine Handvoll frijchgefullenen oder von ' Sonne und Regen 'vergessenen Schnees So schien's, doch Monika sagte : Schnee? Unsinn! Aber was' ist's und was hat er damit? Nichts Gutes, wenn seine Augen daraus schiel-.n. ' Schielen oder gerade fehen einerlei! Ich bin die Herrin hierund will wissen, was in meinem Garten glitzi i ' i i i i 1
Sie ging mit der Entschlossenheit der Entrüstung über mehrfache Täuschung hinterdrein auf den Gebüschrand zu und bog ihre Augen durch das Laub. Dann sah sie's, unweit vor sich. Es war nichts Unnatürliches, wie eine Handvoll Schnee es gewesen wäre, sondern etwas durchaus Natürliches, obendrein keineHand, vielmehr ein Paar Beine. Diese steckten in blitzend weißen Strumpfen.und gehörten der jungen Hofdame Anke, die offenbar in den Atavismus der Gärtnerstochter zurückge fallen war, denn sie trug 'nicht ihr Palastgewand, sondern den früheren kurzen Rock, kniete vor einem Blumenbeet an der Erde, pflanzte und ordnete etwas daran und nahm sich in der stillen heißenVormittags sonne mit ihrem bloßen Kopf selbst wie ein Häufchen Kornähren und Kornblumen aus. Neben ihr war Hans Waldvogel stehen geblieben, sah aus sie herunter und redete etwas mit ihr. Sie gab Antwort, hantirte fort und bog sich so weit über das Beet, daß sür eine Weile, nicht nur der weiße Strumpf, sondern noch ein Zoll breit ebenso weißen Knies unter dem kurzen Rock hervorblendete. Wenigstens schien diese Wirkung aus Hans Waldvogels Augen geübt zu werden; er -kniete jetzt ebenfalls nieder, zog mit der Linken, ohne daß die schöne Gärtnerstochter es wahrnahm, den Kleidsaum sachte über den blendenden Gegenstand herunter und nahm mit der rechtenden Blumenstrauß in Empfang, den sie für ihn zusammengesucht. Daran roch er, dankte aufs Freundlichste und ging weiter. Anke blickte ihm ein Weilchen mit keineswegs Mißbißigung verrathendenAu gen nach, bückte darauf die Stirn wieder zu Boden und setzte die Beschäftigung, bei der er sie anoetroffen, fort. Dann hörte sie feinen Schritt nochmals hinter sich und sagte, ohne den Kops zu drehen : Nicht wahr, es riecht gut, wie ein Bräu tigamssträuschen?" Doch gleich darauf hob sie verwundert das Gesicht, denn es war nicht Hans, sondern Monika Waldvogel, die ihr Antwort gab, und diese Antwort selbst war für Anke noch verwunderlicher, denn sie, lautete : . Was hast Du hier zu schaffen? Und weshalb trägst Du kein anständigesKleid ? Und schämst Du Dich denn nicht so vor aller Augen-?" , , : . : Vor aller Augen ? Schämen ?" wiederholte Anke sehr erstaunt. Warum ? Ist das nicht anständig ? . Ich bin ja früher immer so gegangen und kein Mensch hat's gefunden. ., Und ich kann doch ' bei der Gärtnerei kein langes Kleid auf der Erde verderben." .. . . Nun, so finde ich es, finde es ganz ünd gar unschicklich sür ein Mädchen. Das ist genug, wenn ich, Deine'Herrin, es finde, denk' ich, und Dich nicht wieder so sehen will, ob Andere es wollen und mögen oder nicht. Hast Du mich verstanden ? Entwe der oder ich sehe mich nach einem anderen Gärtner auf meinem Gute um. Es ist meine Sache und Pflicht, über Anstand und guten Sitten hier zu wachen. . Und ebenso unschicklich . finde ich's, wenn ein junges Mädchen einem hergelaufenen Fremden einen - Blumenstrauß" pflückt obendrein einem so abscheulichen Men schen-" Einem hergelaufenen Fremden? ' Er ist ja unser Vetter," antwortete Anke ausste hend, scheinbar noch erstaunter, aber mehr noch mit Staunen .erregender Naivität. Und ich finde, er ist ein sehr hübscher Mensch." , . ':. '. : Unser Vetter? Ich glaube, Du bist - - . . 9 .- . - toll-" . , Monika starrte Anke an, dochAnke schüt telte'zu dieser Vermuthung denKopf,nahm vorsichtig einen kleinen goldgelb getüpfelten Marienkäfer, der ihr am Brustmieder heraufgekrochen, warf ihn. in die Luft, daß er, die winzigen Flügel ausspannend, fort schwirrte und summte ihm nach : l Marienkäfer, flieg überie Spltz', ' -Wo mein Schwieger und Schwäher sitzt " ' ' ' .' "V f -. ..' Was soll das heißen?" murmelte Mo. nika, starr vor Verwunderung. Na, wo mein.SchwieM.uud Schwäher sitzen, da sitzt auch mein zukünftiger. Bräutigam und den soll er von mir grüßen," lachte daö Mädchen. Das Wort Bräutigam" geriethAnke offenbar bei jedem möglichen und scheinbar unmöglichen Anlaß in denMund, beiLeben und Tod, bei Blumensträußen uvd Marienkäfern. Da aber Monjka nach ihrer väterlichen und eigenen Gewöhnung für keinWort des gesummten deutschenSprach schatzes weniger Verständniß besaß, als g. , rade für dieses, so wiederholte sie nur : Wahrhastig toll Treib' Deine Verrückt.
heit allein ! Aber vergiß nicht, was ich Dir befohlen!" Damit ging sie, ohne das Schnippchen zu gewahren, das dann und wann auch die tadellosesten Hosdamen im Rücken ihrer erlauchten Gebieterin zu schlagen nicht um hin können sollen, und durchaus unzufrie den mit allen Erlebniffen und Ergebniffen ihres heutigen Spazierganges scyritt Mo nika gegen ihr Schloß zurück. Zuvorkam sie jedoch an eineiScheunenn'and vorüber, vor der altes Holzgerümpel, Balken, Lat ten mit langen nach oben gekehrten verro steten Nägeln aufgestaut lagen. Dahinter wuchs an der Mauer ein Rosenstrauch und Monika Waldvogel stand plötzlich still und ihr Gebahren kündete, daß sie auf einmal ein Verlangen nach der einzigen volloffe nen Rose des Strauches trug und dasselbe mit Nichtbeachtung aller Hindernisse zu verwirklichen entschloffen war. Sie klettcrte über das lockere Bretterwerk, pflückte die Blume, kam in's Gleiten, sprang herab, blieb hängen und stand glücklich wieder unten. . Es hatte nur langtönig Ratsch I" unter ihr gemacht ; ebenso leicht hätte sie sich einen der rostigen Nägel in den Fuß treten können. Doch als ob von dieser überstandenen Gefahr ihr nichts zum Be wußtsein gekommen, warf sie nur einen gleichgültigen Blick auf ihr vom Saum b.is an die Hüfte mit zackigem Riß aufgeschlitztes Kleid herunter, begrub ihre N 'se in dem Rosenkelch und ging aus ihr Zimmer. Hier betrachtete sie den Schaden genauer : er war eigentlich unheilbar, doch Monika Waldvogel sagte ruhig : Man muß ein Stück herausnehmen und bis dahin" Sie war an einen Schrank getreten und nabm auch aus diesem ein Stück heraus, nämlich oas andere Kleid, deffen sie bis dahin" hedurfte. Aber dies war ihr unverkennbar ein so ungewohntes Thun, daß sie sich nicht eher entscheiden konnte, als bis sie alle Stücke herausgenommen. Dann lag nach einer geraumen das graueSpinn webkleid in der hintersten Ecke des großen Schrankes und Monika Waldvogel stand in einem anderen aus leichtem hellemSommerstoff vor dem Spiegel, und wenn die Sonne wie damals hereinzusehen vermocht hätte, würden ihr Urtheil und Geschmack wieder über die Erscheinung der jungen Grundherrin des schönen Thales Genugthuung empfunden haben. Sie hätte so gar die unglaublich kleinenJüße unter dem kürzeren Rocksaum des einsachanmutbigen Sommerkleides hervorblicken . gewahren können, aber die Sonne war gegenwärtig überhaupt nicht im Stande, irgend etwas von dem Allem zu sehen, denn sie stand nicht mehr im Frühmorgen, sondern schon ziemlich hoch im Vormittag über demZimmer Monika Waldvogels.
Das deutsche Volk besitzt eine Menge zutreffender Sinnsprüche, die alle Welt im Munde führt,' nnd eine größere Anzahl nicht minder vortrefflicher, die von äußerst Wenigen gekannt werden. Zu den ersteren gehört z.B. Wenn, man den Bogen zu stark spannt, kracht er." Der Krug geht so lange zu Waffer, bis er bricht." Landstraße ist sicher, Holzweg gefähr. lich." Doch unter den anderen zeichnen sich durch nicht.mindere Wahrheit aus : Wer über sich haut, dem fallen die Späne in die Augen." Zu viel macht, daß der Sack, reißt und das Band bricht." ' r, Was brechen soll, muß vorher knacken." Wer einen Anderen jagt, wird selbst müde." Jeder muß ein Paar Narrenschuhe zerreißen, wo nicht mehr." Ein Fag ist des andern Schüler." , Unkraut braucht man nicht zu begießen, es wächst über Nacht." . Neue Komödianten spielen alte Stücke in, neuer Manier." Wer die Liebe verbeut, . der gürtet ihr Sporen an." Je mehr Rauch aussteigt, um so mehr verfliegt er." j Wer einen großen Sprung thun will, der geht erst rückwärts.". Manche Uhr anders zeigt und anders schlägt." . ' : Man merkt nicht, was imKalk steckt, bis man Waffer drauf gießt." 'S . Wie der Wind weht, so biegen sich die Bäume." j :','; i: : !' ' " :;: .! , . ' . '
Man könnte den Juni auch den Gewit termonat nennen. Schwüle Tage gehen in ihm selten ohne ein Donnerwetter zu Ende, zum Mindesten zuckt's bald hier, bald dort und grummelt hüben und drüben. Und so bewährte auch dieser Juni seinen alten Ruf, mit schönster Sonne und Wafferstürzen zu wechseln. Nur schien Hans Waldvogels allezeit vergnügteMiene ausschließlich die erstere wahrzunehmen und von den letzteren gar nichts zu bemerken, während Monika umgekehrt der ganzeTag regnerisch ohne einen, einzigen Lichtstrahl vorkam. Sie war sehr mißvergnügt, denn ihr war's, als stecke die ganze. Welt ihr zum Tort von Tag zu Tage ein anderesGestcht auf. Im Anfang hatte das Regieren ihr wie Kinderspiel geschienen, wieGras'wach' ttN'lassen. Aber nun war das Gras so hoch gewachsen, daß es geschnitten werden mußte, und der Oberknecht kam und fragte bei der Gutsherrin an, ob gemäht.werden solle oder nicht. ' Gab es trockene Tage, so ward die Heuernte gut eingebracht; trat dauernd naffe Witterung ein, verdarb sie; blieb sie länger auf dem Halm stehen, war sie zweifelhast. Monika sah den Fragsteller an, sah nach dem Himmel,, zuckte die Achsel und sagte: Thut was Ihr für das Bestehaltet." Nein,was das gnädige Fräulein dafür hält," meinte der Ober, knecht; ich kann nachher nicht die VerantWartung dafür haben." Nun, so schnei det's ab, die Sonne scheint ja," versetzte sie ärgerlich, und das Gras ward gemäht, und es goß Tage und Nächte lang, und Mo nika hörte vor der leeren Scheuer Hans Waldvogel sagen : Welcher Blindschleiche habt Ihr denn die Augen, gestohlen, bei dem Barometerstand zu heuen und die Wiesen mit ihrem eigenen Fettzu düngen?Und gleich darauf kam die Vorsteherin der Milchwirtschaft zu der Gutsherrin und theilte mit, daß bei der, fast ununterbroche nen Gewitterluft die frische Milch auch im Keller binnen wenig Stunden zusammenzulaufen drohe ; ob es etwa. gerathen sei, sich stärker als bisher auf die Butterwirth, schast zu verlegen ? , Natürlich,", stimmte Monika zu Aber allerdings werde man sich dann die Milchkunden in der Stadt für spätereZeiten entfremden und es müßte wohl erwogen werden, ob es nicht vielleicht vortheilhafter sein möge, eine beschleunig tere und andere Ärk der Verschickung in's Werk zu seken? Meinetwegen gießt sie .ins Waffer!" platzte Monika Waldvogels Verdruß heraus, und drunten vor dem offenen Fenster platzte vom Hof ein lachendes Echo . zurück und Hanö Waldvogels Stimme rief : Tuck, tuck ! Kommt, ihr Hühnchen ! Tuck, tuck ! Hier gibt's Milch. flse!" Alles hatte eine Souveränin durch ihr unterbreitete, höchsteigene Entscheidung zu verfügen oder zu verwerfen, und es gab offenbar Perioden, in welchen die Regierungsgpschäfte sich derartig häuften, daß man beinah' auf den Gedanken verfallen konnte, es sei friedvoller und des Vorzie hens werther, Unterthan zu sein, als auf dem Thron, oder vielmehr auf demDreifuß zu sitzen und Orakelantworten auf Anfragen zu spenden, die für die Seherin in einer vollkommen unverständlichen Sprache abgefaßt waren. Ob das morsch gewor dene Strohdach der Hauptscheune ausge bessert oder durch eine ganz neueBedachung ersetzt werden solle? Ob die betheerten Pappdächer sich dasür bewährten? Was mit der diesjährig außerordentlich reichen Kirschenernte anzufangen sei? Ob es sich nicht empfehle, eine Tannenschonung als Windschutz gegen den Nordost sür die äußerst einträglichenSpargelbeete anzulegen? Nach welchem Grundsatz es in diesemJahre mit der Ausforstung zu halten? Welche von den möglichen Feldermirthschasten für den Herbst festzustellen ? Ob oie gemästeten Ferkel selbst zu schlachten oder zu verkaufen? Ob der Dorfsaffe Eckenbecker, der seine Pachtäcker zu arrondiren wünsche, den Ausgleich in Geld, Naturalleistungen oder Arbeit bewerkstelligen solle? Ob der Flurwächter Fritz Faulhaber die von ihm benöthigte Einwilligung der Gutsherr schaft erhalten werde, um die Justentochter Susanne Feldhase zu heirathen. wenn er eine Bürgschaft betreffs eventueller Verarmung zu erwartender Kinder stelle ? Monika Waldvogel hörte mit wachsen dem Aerger antwortlos den an sie gerich teten Vorschlägen, Anforderungen undGe suche zu,'doch erst das letzte steigerte ihren schweigenden Verdruß zu lauter Jndigna tion : . Nein! .Alles nicht! Das Letzre gar nicht! z Einen verbeiratheten Flurwächter kann ich nicht brauchen, der kümmert sich nicht um seinen Dienst. Die Susanne
Feldhase soll ledig bleiben, das ist das Beste für ein Mädchen.' Ich will dasBeste sür meine Leute und werde überhaupt das Heirathen auf meinemGut ganz abschaffen. Es ist durchaus überflüssig, nachteilig und unnatürlich. Jetzt habe ich keineZeit; das Andere will ich überlegen. Später ; Ihr braucht nicht wieder zu fragen, ich gebe Euch Bescheid." M Wenn HanS Waldvogel nicht gewesen wäre, hätte Alles sich anders, vortrefflich, wie im Anfang von selbst gemacht. ' DaS empfand Monika deutlich und das mehrte ihren Ingrimm. Sie hätte sich mit den Leuten beratben, vielleicht dann und wann einen Mißgriff gethan, doch bei Allem ge lernt, beobachtet, sich zu eigener richtiger Beurtheilung aufgearbeitet. Aber Hans Waldvogels Gesicht stand ihr immer, bald physisch, bald in der Vorstellung wie ein lachendes Frage und spöttisches Ausru sungszeichen im Wege.' Wo er es in seiner stutentischen Verbummelung, gelernt, war nicht zü begreisen, doch er verstand.sich unverkennbar vollkommen auf alle die Dinge, welche Monika so viel Berdrub b'eleiteten. Es schien ihm angeboren zu sein, daß er Alles nur ansah und sofort die richtige-Erkenntnis dafür hatte. Wo 'eine Bestimmung der Grundherrin gründlich ander Scheibe, vorbeigeschoffen, traf er hinterdrein in den schwarzen Fleck. Aber niemals eher, als bis nichts mehr an der Sache gut zu machen war, vorher wies er
die ibn Befragenden stets nrfifphnrfpnh nn " ' w . den Ausfluß aller Gnaden und die überlegene Erfahrung der Eigenthümern!. Er habe hier nichts zu sagen, sondern effe nur demüthig das Gnadenbrod und trinke dankbar den Gnadenwein bei seiner Cou-sine.- . Das Alles war selbstverständlich nie laut und niemals für die Ohren der letzteren gesagt, doch Monika hörte es trotzdem im mer, jeden Tag wieder. Nur durch ihre eigene Schuld,denn sie hielt sich so, daß sie es nicht überhören konnte. Und sie wollte ht& ourfk vitsM sZ 4rt s rtitiij am: vtw wuuj iiiuji, tv yu uujiutiiuy. tuic ihre Augen ihn ansahen, um befriedigende. Entdeckungen an seinem Aeußeren zu ma ä.en, so verfolgten ihre Ohren jetzt gleich falls den Zweck, sich möglichst keiner seiner Worte entgehen zu lasten, um auf diesemWege sich ein genaues Conterfei seinesJn nern auszumalen und ihren Abscheu da durch zur höchsten Potenz zu steigern. Sie erreichten diesen Zweck auch im befriedigendsten Grade. In den grellsten Farben stellten sie das seelische Bildniß eines schadenfrohen, gewissenlosen, unmoralischen, grobbesaiteten, hinterhältischen,. bösarti gen, durch und durch selbstsüchtigen, unfraglich zum Schlimmsten fähigen Men. schen zusammen. Und mit diesem äußer lich und innerlich abscheulichsten aller Mit lebenden hatte die unbegreifliche GeistesVerwirrung des alten.Squire -oder war es etwa posthume Bosheit gewesen, sie inmit. ten ihrer . ererbten Herrlichkeit zu einer Tantalustochter zu machen ? sie unlösbar testamentarisch zusammengekettet! Trotz den befriedigendsten Resultaten, welche Auge und Ohr täglich anfs Neue erzielten, waren MonikaWalnvogels Lippen manch. mal nahe daran, sich fest aufeinander drük ken zu müffen, um nicht vor Zorn in Schluchzen auszubuchen. , .' ., V ' , s l ' l . ir ' .'5 ' f ; Zorn, Aerger und Verdruß, verlängern die Tage nnd die Monate vielleicht das Leben. Seitdem ersten Tage des jüngsten Monats schien es Monika schon eineEwig. keit und doch warmes immer noch Juni, wenn auch.der letzte Tag , deffelben. Die Lust im Hause war schwül, wie Monika Waldvogels Stimmung; sie ging in den Garten, auf schmalen Feldwegen zwischen regungslosen, hohen, schon goldfarbigen Aehrenwandungen hindurch, über 'die ihr breiter Strohhut kaum mehr heraufragte! Eigentlich entsprach es ihrer Gemüthsver faffung durchaus nicht, im Vorübergehen blaue Kornblumen zu pflücken; sie riß bie selben mehr auch als em unnutzes Unkraut mit Stumpf und Stiel aus, behielt sie indeß gedankenlos in der Hand.- Dann stieg aus den Roggenfeldern eine rundhügelige JJiese an. bie und da mit nZ?d?ipniNsck werk überstreut, nur auf der oberstenSpike ' - - - " www vvjv stand ein alter, prächtiger Eichbaum, unter-
dem man nach allen Seiten weit über daö Thal fortsah. Darunter .fetzte Monika sich in den Schatten und . ihr Helles Kleid und gelber Hut ' leuchteten ebenfalls nach allen Richtungen weit über das Thal hin.
