Indiana Tribüne, Volume 1, Number 21, Indianapolis, Marion County, 4 January 1879 — Page 6
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om sanocn. Novelle von Wilhelm Jensen. , , t r". Eine ungewöhnlich schwer zufallende 'Thür hatte sich' mit eigenthümlich dröh. nendemNachhall geschlos?en,'und ein junger Mann blieb unwillkürlich an der übelschrit tenenSchwelle stehen und horchte. Draußen 'klärte etwas den langen Gang hinunter, noch ein Thürschlag'und Alles war lautlos. .'" ", , " . Der Eingeschlossene sah sich um und aus - das milEisenstäben vergitterte Fenster, dem ' tr sich gegenüber befand, trotzdem deutete sem jugendlich hübsches, fast schönes Ge sich! das Gegentheil von Mißbehagen und seinMund fragte lächelnd geradezu : Bin ich im Himmel? Wenigstens aus der verweil wleoer: yave Wank, schöner Sohn der Latona!" Draußen auf Felswand und Weggestein lag brennende Julinachmittagssonne; es war besser, ihren Abklanz von fern zu bekrachten, als selbst ihre Strahlen zu ein pftnden, und erquicklich hauchte Kühle aus dem großen leerenNaum, in den der junge Mann eingetreten. Die Ausstattung er wies sich linsacher, als altvaterischste Art - r ft : m .11 ; i . ic uiucu uuc. V5in oell rnu üuou Pfühl in der Ecke, an der entgegengesetzten Wand ein Holzstuhl und Tisch mit großem cm .rxt v oft- rrroenen vaioruen uno auenrug ; an den mit weißem Kalk beworfenen Wänden t ' v or r . . unieroracy yier uno oa VlelttlllgelrlVei und mit Kohle gezogene Contour die Einsörmigkeit. ' Runen verschollener -Geschlechter," sagte der Gefangene, mit heiterem Blick oberflächlich die Hinterlassenschasten seiner unbekannten Vorgänger musternd. Aber es duldete ihn nich? bei der Betrachtung, er durchschritt das fast saalartig hohe und weite Gemach und trslt an die Fenster. Nach dem Stande der Sonne mußte das eine gegen Süden, das andere ostwärts gerichtet sein; vor dem ersteren stand ein breitästig' schaltender Platanenbaum, unter dem Gezweig desselben hindurch sah man über niedrigen Festungswall weit und lies o,x Ts (Ui;4 mnCi lil 9 uim, . i. juu uiuo1 uu? uiuuuyilicher Hohe herabfallen, denn ein Fluß zog sich drunten wie ein glänzender schmaler Strich durch die Ebene, dahinter gegen leuchtenden Bergrücken lag ein Stadtchen, halb roth, halb weiß in der Sonne flimmernd. Aus der Mitte der Dächer stieg ein spitzer Kirchthurm wie eine Nadel mit kleinem goldenen Knauf in die Höhe. Ein friedlich freundliches Bild, das die grünen Platanenblätter umrahmten. Eine weiße Chaussee, mit dunklen Punkten darauf, lief gegen das Städtchen hinan; es halte etwas raumenlazes, mit oen Puniten den stillen Sonnenweg fortzuziehen, ihrem Ziel entgegen, hierhin und dorthin. Etwa unter gastliches Dach an dem heimathlichen Herd, wo freudiger Ruf sie begrüßte und Willkomm bietende Hände sieb ausstreckten oder an den alten Häusern und ihren Ringmauertrümmern vorüber, weiter Zn's Gebirg, durch säuselnden Wald, unter die Sterne des Nacktkimmels. iraend wohin in die schöne Welt hinaus. Irgend wohin, von Niemandem behindert, nach eigenem Wunsch und freier Wahl. Es war fast unglaublich, daß es Men schen gab, die solche Freibeit besaßen, und wie eine Märchenwelt lag es unter der Yl s rt vt n U1UIU1I c Wfsfirtnifift TrnH ittnnp MttNN die . 1 i "7 - - - u ,vtrth rtttC nP. rCiians,llr h st.nsfrS n PfWßV U U V VVa llegt und die Muskeln seines krastvollen : "xmzS zogen sich zusammen. Doch die geschmiedeten Stäbe waren . stärker, und regten, sich nicht, und die Hand ließ sie sahren und strich das bei der Bewegung in die Stirn genickte braune Haar zurück. ' Er sah nach Allem eher aus, als nach tnem Verbrecher. Hoch und schlank, in stattlicher Männlichkeit, konnte er die Dreißiger noch nicht erreicht haben; vol ler, weicher Bart von der Farbe desHaares umgab sein etwas widerspruchsvoll und t widernaturgemüß blasses Gesicht. Darin standen helle Augen, klug und doch Knabenaugen ähnlich, auch mit weichem, heitren Glanz. Eine kleine Hiebnarbe an der - j. i iXf jf. ... , . t u f. .. , icimcn vtuiuic ucraaune lirmciminuui uus -Gedächtniß an die Terz eines studentischen Schlägers, aber das Gesicht r?dete, daß sie seit manchem Jahr schon geheilt sei und die Tl - V. ... VTYJ s . . . . S. fT aU n t-i (UUIIlCIt Ull :lCIIUl UHU UUltilViv VVil anderen, ernsthafteren auch schon seit geraumer Zeit zurückgedrängt worden. ' Drunten an der Chaussee stand eine - . r r r ! . 2 - T i. - 1 . CT i muiianjcg aujgernyic n;aar qoyzt Pu, peln; sie warfen ihreSchatten wie rückende Stundenzeiger über das gelbe Kornfeld. All Comfort der Welt, sogar eine Uhr, die von der Sonne selbst aufgezogen wird." . Er fuhr leicht auf, ein Doppeltritt klang auf dem Felsboden unter dem Fenster. Bayonnetspitzen glitzerten und methodischschnarrende Stimme tauschte die Ablöt c a cm n.lktnnn? ,,s Tr lungssorme. eines wuivivui'" letztere erwiederte, Gewehre klirrten. mr . m mm n y Das heisereSchlagwerk der Ubr," murmelte er. Die Schritte entfernten sich wieder wie das Ticken eines Pendels, der all- . iarn mälig ausschwingt. Er stand noch einen .Moment nachlauschend, dann ging, sein Blick Äber Tisch, Stuhl und Einrichtung desGefängnisses, und der jugendlicheFrohflnn flog in die Augen zurück. .
Das Schillerzimmer in Weimar, obendrein mit köstlicher Aussicht!' Vielleicht hat das Schicksal sich vorbehalten, einen großen Dichter aus mir zu machen, und der Staat gewährt gütigst die Mittel dazu. Es ist schicklich, daß ich auch meine Visitenkarte abgebe; man weiß nie im Voraus, wie lange man Gast in einem so sreund Iichen Hliuse sein wird.- ' Einen Bleistift aus der Tasche ziehend, trat er an dieWand und schrieb mit kleiner, doch charaktervoller Schrist auf den Kalk Ernst Dankart". Er ' betrachtete die Buchstaben, und ein Lachen hob seine Munowil.kel; der Stift setzle sich.abermals an und fügte hinzu: Königsmörder z. D." Aber die Hand löschte es sast sogleich wieder fort und setzte an die Stelle: Rcchtsanwalt und Weltverbesserer a. D." Im Gang draußen klirrte es wieder, ein Schlüssel öffnete die Thür und ein alter sonderbar gekleideterMann trat ein. Sein Anzug hatte etwas wie von mittelalterlichem Geckenthum, denn er war vom Nacken bis aus die Füße in zwei Farben halbirt, die rechte Seite schwarz, die linke hellgrau. Etwas vorgebückten Kopfes kam der Alte heran, sah halb neugierig, halb gewohnheitsgültig mit ausdruckslce ren Augen auf den neuen Insassen des Zimmers und bot einen Abendgruß. Guten Abend," erwiederte Ernst Dank wart, verwundert denAnkömmling bctrach tend. Sind Sie mein Wärter?Nr. 7. Ich habe den Dienst von Nr. 18-: 3." Und wie heißen Sie?" Nr. 7." Der Alte deutete auf eine eingewirkte Zahl in seiner Jacke. Dankwart musterte lhn noch einige Secunden und versetzte : Ein curiojer Name. Ich heiße" - Nr. 23.- , Ich ebenfalls? Kurz und einfach! Ihr habt hier ein hübsches Tausversahren. Wahrhastig auch kein übler Name!Trotzdem erregte es den Eindruck, als habe der Name Aehnlichkeit in der Wirkun.g mit einem zu eng sitzenden neuen Kleidungsstück, das unwillkürlich zu einer Dehnung durch Bewegung auffordert. Der junge Mann ging, indem er mehrmals Nr. 23" wiederholte, einige Mal hin und her, blieb stehen und sraqte: Sind Sie auch Sträfling auf der Fcstung V Ja, Herr. Könnt' auch sagen: nein. Seit er rechnet an den Fingern einunddrcißig Jahren." Den RechtsanwaltErnstDankwart über lief ein leiser Schauder bei der monoton ausgesprochenen Zahl. Ja und nein? Was heißt das?" Ich war's, Herr, aber braucht's nicht mehr," Sind Sie des Teufels?? entflog es Tankwart instinctiv. Sie hätten's nicht nöthig und sind doch noch hier?" 's ist hier am Allerbesten, Herr." Offenbar war der Hörer trotz der Aehnlichkeit mit dem Schillerzimmer in Weimar nicht dieser Meinung; der Andere sügte ruhig bei: Wenn Sie erst lang' genug hier sind, Herr, sagen Sie's vielleicht ebenso." Das will ich nicht hoffen!" Ernst Dankivart lehnte unverkennbar beide Zumuthungen gleich energisch damit ad, ging abermals und zwar augenscheinlich noch ekwas erregter' als zuvor auf und nieder, hielt wieder inne und frug: Was haben Sie denn verbrochen gehabt?" Der Alte wiegte 'langsam den Kopf. Es kommt Alles von den Frauenspcrsv' nen her ; sie sind verrückt von Haus und darum machen sie uns auch verrückt. Ich hab' dazumal meine Frau mit einer Kugel todtgeschossen, weil ich sie die Leute sag ten, ich hätte Recht gehabt, aber das Gericht setzte Lebenslängliches daraus. Im vorigen Jahr' begnadigten sie mich, doch ich habe gebeten, daß ich mit meiner Nummer und meinem Anzug hier oben bleiben bürste. Was soll ich mit andern Kleidern da unten ? Wer weiß meinenNamen noch? Ich selber muß mich draus besinnen, 's ist hier am Allerbesten, Herr. Bleiben Sie nur bei uns; hier giebt's keine Fraucns Personen, vor denen man sich in Acht zu nehmen braucht. Eine Nummer ist gut gegen Alles. Ich wünsch' Ihnen zu Ihrer Glück.Es war nicht zu verkennen, daß die An schauung des jungen Nechtsanmalts wiedcrum vollständig davon abwich und daß sich eine gewisse Abneigung gegen die collegialische Behandlung von Seiten des ehemaligen Mörders oder Todtschlägers bei ihm geltend gemacht hatte. Aber dann fand er sich mit philosophischem Ausdruck in die Umstände und versetzte in die Ecke deutend : Ein hartes Bett." Auf Silber schläft sich's weicher," entgegneleder Wärter lakonisch. Das heißt?" Förden, der es hat." Dankwart verstand, griff in seine Tasche und fragte hastig : Also es ist erlaubt?" Der Herr Gouverneur haben angeordnet. zu verstatten, daß Nr. 23 sich Alles anzuschaffen vermöge, was in ihrem Wunsch stehe und ihre Mittel erlaubten." Bücher? Schreibzeug?"' Der Alte nickte. Auch ein Elavier?" Wird wohl drunten in der Stadt zu haben sein."
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' ,Wie heißt der Gouvernenr ? Oder hat er auch eine Nummer ?' Der Humor war dem Fragsteller sichtlich zurückgekommen ; Nr. 7 schüttelte denKopf und antwortete : Herr Obrist Graf Wolkenstein. Eine Fesluugsnummer hat er nicht, aber auch eine ich meine, Leidwesen genug ohne Nummer." - Dankwart hörte nicht darauf hin, er murmelte: Ein vortresflicher Mann"; dcch plötzlich auflachend suhr er fort: Lieber College, ich lzabeNiemanden umgebracht, weder mit, noch gegen die Mcinung der Leute, sondern das Blut, daß ich vergossen, war ausschließlich Traubenblut, und bei er Beschälligung habe ich allerlei Reden zugehört, die hochlöbliche Untersuchungscommission behauptet, auch selber einige davon gehalten. Ich will nicht widersprechen, aber stolz bin ich auch nicht daraus, und das deutsche Volk wird sie vermuthlich nicht als Musterflücke in seine Lesebücher einreihen. Es war vonTyran nen, Freiheit und deutscher Herrlichkeit drin die Rede ; recht fälschlich, n.icht wahr, denn Ihr Oberst hier ist wahrhaftig kein Tyrann, sondern gewährt mir die größtdenkbare Freiheit, und die deutsche Herrlichkeit liegt da drunten so schön, wie man sie nur wünschen kann. Es wäre vielleicht noch hübscher, sie ohne dies etwas störende Sparrcnwerk zu betrachten, aNein dasür bin ich ein wildes, blutdürstiges Thier, Demagog genannt, das man in eincnKasig sperrt. Sehen Sie mich an, ich verzehre keine Fließen, sondern nur Fürsten zum Frühstück und bade mich nachher in Blutströmen von Schergen und Soldknechten Die hochpreislichen Herren Bcrhörsrichter habe ich Narren titulirt, doch wenn Sie's nicht weiter sagen wollen, bin ich allmälig in Zweifel verfallen, weffen Narrheit eigentlich größer gewesen, ihre oder meine ; ich habe ausgerechnet, es gibt und nimmt sich nicht viel, mur war ihre grauhaarig und meine mehr flaumbärtig. Inzwischen ist mir dann der Bart .besser gewachsen denn ich wollte die Herren Gcsängnißbarbiere nicht bemühen und mir selbst ward nirgendwo ein Scheermcsser anvertraut, aus gegründeter Befürchtung, ich würde sonst mit eigner Hand meinem Verbrecher!schen Dasein ein Ende machen. Aber Erfahrungen über die Einrichtung von Internirungslocalen, Haftstuben, Zellen und Gitierlöchern in deutschen Landen habe ich jedenfalls hinlänglich gesammelt, um meine volle Zufriedenheit mit diesem Ausenthalt und seinem verehrlichen Hausherrn auszu drücken, und ich bitte Sie, einstweilen dem Herrn Gouverneur, Obersten und Grasen sür seine Menschensreundlichkeit meinen verbindlichsten bürgerlichen Dank zu überMitteln. Bei so viel ungewohnterRücksicht auf menschliche Daseinsannehmlichkeit, vermuthe ich fast, wird auch meine für die Gesundheit immerhin wünschbare Bewegung nicht ausschließlich auf ein Balanciren zwischen diesen Dielenritzen beschränkt sein " Es ist befohlen worden, daß Nr. 23täglich sechs StundenFestungssreiheit genießt, zwischen Morgens fünf -und Abends neun Uhr nach freier Wahl," bestätigte der Wärter. Nr. 23 ist das beneidenswertheste Ge schöpf auf der Erde !' Sie wird vorziehen, Morgens um fünf Uhr meistentheils. noch leinen Gebrauch davon zu machen. Aber wenn sie nun diese Fcstungsfreiheit benützte, sich einmal die Freiheit zu nehmen, der Festung den Rücken zu kehren V Ist gut vorgesorgt, lieber Herr. Auf dem Wege, wo Sie heraufgekommen, liegt das Thor, und andere gibt's nicht, wenn Sie keine Vogelsedern unter'mRock tragen. Im Anfang dacht' ich's auch manchmal, Sie wissen, damals noch, als ich meine Frau verrückt sind sie. alle, hoch und niedrig; ich hätt' nicht geglaubt, daßEiner um was Anderes hier herauf kommen könnt', als um 'ne Frauensperson. Auch die Frau vom Herrn Gouverneur war's viel Leidwesen, bis sie unter der Erde lag, viel Kammer und Noth, denn Sie haben recht gesagt, er ist ein gar Menschenfreund licher und guter Herr, obschon er sehr vornehm ist und ost kurz angebunden scheint. Kann Einem wirklich Leid thun." Der Alte machte eine Bewegung zum Fortgehen, Dankwart zog jetzt eine größere Banknote hervor und zählte die Dinge, nach denen vor der Hand sein Wunsch stand, auf. Ich werde mich dankbar beweisen, vor Allem, wenn Sie mir das Clavier schon morgen miethen können; ich warte ungeduldiger daraus, als aus das Bett. 'Scschlafen habe ich jeder Pritsche zum Trotz immer, aber mein Ohr sastet seit ja, seit wann ? Die Jahreszahl, in der ich mich meines Daseins sreue, weiß ich noch zur Noth, doch welchen Monat und Tag haben wir?' G'rad' was hier drauf steht," antwortcte der Wärter, die Banknote betrachtend und einsteckend; fünfundzwanzig den fünsundzwanzigsten Juli. Verlassen Sre sich auf mich, lieber Herr, es hat's schon Mancher gethan. Ein Gelehrter war d'runtcr, der sprach griechisch mit sich selber, auch wie hießen ' Sie's ? ein Demagog, glaub' ich. Er war auch ein muntrer Herr und wollt' gar nicht von hier fort, obwohl er in Freiheit kam und thun und lassen durste, was er wollte; bat immer, man möcht' ihn nur noch ein paar Wochen hier in diesem Zimmer wohnen
lassen, es gäb' gar nichts.Schöneres. Aber man kommt mit Zwangspaß herauf und mit Zmqngspaß hinunter; der Gefangene muß und der Freie muß. für's Vergnügen ist aus der Festung keine Minute übrig." Muß eine schnurrige Gritch nseele geWesen sein", lachte ErnstDankmart. Hat vermuthlich eine Abhandlung über homerische Partikeln verfaßt und die Platane da ihm die schönsten Conjecturen zugesäusclt. Also vor Allem, Schreibzeug noch heut' Nachmittag, gute Nr. 7, das Clavier morgen" - , Und das Bett zur Nacht, Herr. .' Wird Alles besorgt, und die Bücher schreibenSie mir wohl auf. Wie man dazu kommt, weiß ich nicht. Der Herr Gouverneur hat allerdings ganze Schränke voll in seinem Zimmer " Wird aber seine Philanthropie schwerlich so weit treiben, mich noch mit geistiger Speise aufzunähren, meinen Sie? Braucht's auch nichts wenn ich nur Schreibzeug habe, lasse ich mir meine ei genen'Bücher kommen. Aus Wiedersehen, gute Nr. 7! Ich werde heut' von meiner Festungsfreiheit nicht mehr Gebrauch machen." Der gelb und schwarz Halbirte ging und die Schlüffel klirrten wieder draußen; Dankwart sah eine Welle gedankenvoll durch's Fenster und murmelte : Fünsnndzwanzigster Juli zweiter Juni alten Datums das macht nach Adam Riese und allen Zahlkünstlern der Welt ein Jahr, einen Monat und dreiundzwanzig Tage. So ungefähr eine Zeit, um eineFahrt um die Erde zu machen per Dampfschiff wird's künstig wohl noch ein Stück rascher geh'n oder um ein Auch darin zu schreiben, und, wenn man ein Deutscher ist, bei Lebzeiten zu verhungern und die wiffenshungrige Nachwelt dasür zu speisen oder einen anständigen Betrüger durch drei Instanzen weiß zu waschen oder sich zu verlieben, zu verloden, zu verheirathen, zu lausen " Der junge RechtLanwalt schüttelte den Kopf. Wenn Nr. 7 in ihrer Lcbensweisheil Recht hat, ist es vielleicht besser, daß ich mich während der Zeit ab und zu im Korkschneiden geübt habe, in das Geheimniß der Strohflechterei eingedrungen bin und ein gediegenes Urtheil über die beste Welse, verfilzteWolle auseinder zu wirren, abzugeben vermag. Das deutsche Vaterland oder seine Väter Gott erhalte sie ! fürchten offenbar geistige Ueberanstrengung seiner Söhne und nehmen jede gün stige Gelegenheit wahr, den Köpfen derleiben eine zweckmäßige Erholung zu vergönnen. Item, währendAndere ein Jahr, einen Monat und dreiundzwanzig Tage in ihrer Berufsbahn als Menschen und Staatsbürger vorwärts marschirt sind, habe ich geseffen" und sitze" noch. Ein schwarzes Gemüth, das nicht mit Dank Legen die wohlmeinenden Spender solcher Ferien erfüllt wäre ! Ich glaube, es gibt nur in deutscher Sprache ein Wort dasür. Namens Untersuchungshast", im Superlativ lebenslängliche Untersuchungshaft." Viel Glück, meine Herren, zerbrechen Sie sich um mich die Köpse ! Ich will es nicht mit Gleichem vergelten, aber untersuchen will ich mit Ihrer Bundestags-Demago-gen - Commissions - Erlaubniß auch ein wenig. (zrauäeamu3 igitiir, juv6N63 dum suraus, oder vielmehr, so lange der Gou verneur. Oberst Gras Wolkenstein unser rootor magnificu8 et benevolens ist, Nach dem Grafen Wolkenstcin Sperrt vielleicht man wieder ein Mich in einen Keller." Er summte es nach der Melodie des studentischen Liedes, zog seinen Bleistift und trat wieder an die Wandstelle, wo er vorher seinenNamen verzeichnet hatte. Unter diesen schrieb er: Eingezogen den 25. Juli im Heilsjahre 1833", und ging, leise weiter summend : Ubi sunt, qui ante nos In loco suere?" an der weißen Wand entlang. Das Gekritzel seiner Vorgänger daran bezog sich hauptsächlich aus die Dauer ihres Ausentbaits, die Kost und Behandlung ; Langeweile war der allgemeineWahlspruch, doch auch im Lobe der Nr. 7 stimmten alle über, ein. Lauter 23er", murmelte der Leser, es wd komisch sein, ihnen einmal drunten in derWelt zu begegnen." Spottverse aus die Untersuchungscommission" verriethen die Anwesenheit anderer Demagogen" ; geschickt mit Kohle entworfenes Prosit mit ungeheuerlicher Svürnase stellte unverkevnbar den DeM''gogLnrichter". Herrn vonKamptz vor. Dankwart ging, spöttisch vor der Contour salutirend und lachend weiter, sein Blick haftete einen .Moment auf einer im Ofenwinkel befindlichen verschnörkclten Vierzeile und glitt vorüber. Der sitzlustige Hellene hat sich auch verewigt? lachte er. Wahrscheinlich mit ei nem paffenden sophokleischcn Chorgesang. Damit bat man mich auf der Primanerdank genug abgequält; hier, wo ich ein freier Mann bin, habe ich nicht nöthig, die klassische Schönheit zu bewundern." . Er hatte seinen Fuß schon weiter gesetzt, doch etwas Sonderbares an der ziemlich hoch angebrachten Inschrift zog unwillkürlich seine Augen noch einmal auf sich. Verwundert sprach er daö erste Wort derselben nach: stell was heißt 8tell? Ich bin kein feinster Kenner der Gräcität, wie mein verehrungswürdiger cl-devaut
Rcctor,'der,wenn er mich als Demagogen," Königsmörder und Jacobiner, hier, sähe.
mir unfraglich noch .einige Tage Carcer obendrein zudictiren würde, damit ich in den Geist der Zucht" einzudringen Gele genheit fände aber stell ein Verbum 8teIIo ist mir dunkel erinnerlich, tini, mit etwas fertig sein," was'dic verehrliche Untersuchungscommission aoristisch zur AnWendung bringen dürfte " Er hob sich mechanisch auf den Zehen zu der Wandinfchrift in die Höh', dann lachte er plötzlich : Ist das etwa nur ein verkleidete? Achaier ?" und laS laut in griechi schen Lettern : Stell Deinen Stuhl hart in die linke Ecke De? Fensters, das nach Osten sieht : Dann steig' hinauf, strecke und recke Dich Und glaub, das leichter Dir der Teg entflieht. Ernst Dankwart sah sich um, rieb sich die Stirn, las die sonderbaren Zeilen noch einmal, murmelte: Ein curioses Neugriechisch" und trat mit raschem Schritt an das nach Osten gerichtete Fenster. Die Aussicht war keineswegs verlockend; eine unabsehbar hohe und lange, gelbe, fensterlose Mauer lag in einiger Entfernung gegenüber, langbeinigeKankerspinnen krochen daran herum, das einzig Unterhaltende bestand darin, daö ab und zu von rechts her ein graue? Fliegenschnäpper wie ein Schatten gegen die gelbe Wand flatterte, einen der Kanker'mit dem spitzen Schnabel imFlug aushaschte und wieder verschwand. Hat der Grieche darin etwa ein hübsches Conterfei löblicher Demagogencom' Mission und ihrer Pflegebefohlenen gesehen?" fragte sich der Betrachter. Still da hat er wieder eine; Herr vonKamptz, wie er lebt. Aber es gehört griechische Anschauung dazu, daß Einem der Tag bei diesem schlechten Satyrspiel leichter entfliehen soll Woher kommt denn der Kamptz und wohin geht er, wenn er sein Schnabelverhör ausgerichtet hat ? So freigebig er für Andere damit ist, ist's doch nicht seine Art, selbst sein Nest zwischen solchen Mauern Ja so, hart in die linkeEcke, sagte verweise Hellene-" Der junge Gefangene befolgte die Vorschrist seines elehrten Vorgängers, doch ebenso nutzlos; nur ein allgemeiner grüner Schimmer mochte sich, die langeMauer zur Rechten abschließend, bemerkbar, und in ihn tauchte der Vogel, wenn er verschwand, hin-in. Immer noch nicht richtig; man muß in der griechischen Sprache höchst genau auf jedesWort achten. Stell Deinen S tuhl hart in die linke Ecke !" nicht dich selber," declamirte Ernst Dankwart. Er that jetzt nach den Worten, stieg auf den Stuhl, reckte sich, die Schläfe an . die Kalkwand drückend, so hoch er vermochte, und stieß aus: ?h oh in der That die Gärten der Semiramis !" ' Es sah wirklich so aus, als ob ein schwebender Garten aus der Höhe herabblickte. Erst wenn die anfängliche Ueberraschung wich, erkannte man, daß weder die Naturgesetze eine Beeinträchtigung erlitten, noch besondere Kunst zur Anlage der grünen Welt droben erforderlich gewesen. Der isolirte Felskegel, den die Festung krönte, bildete offenbar auf seinem Gipfel kein abgeflachtes Plateau, sondern hob Dankwarts östlichem Fenster schräg gegenüber noch eine beträchtliche Steinwand empor, auf der, unzweifelhaft in Verbindung mit einem dahinterliegenden, unsichtbaren Gebäude, eine Blumenterasie geebnet und mit zierlich durchbrochener BalustradenEin sasiung von buntem Sandstein umgeben war. Ueber diese nickten grünes Gezweig und farbig leuchtende Hängeblumen, Schmetterlinge gaukelten darum her und die Sonne übergoß Alles mit vollgoldnem Nachmittagsglanz; nur in eine kleine, dicht von wildem Weinlaub übersonnene, gegen die Brüstung offene Laube fand sie bei ihrem gegenwärtigen Himmelsstand keinen Zugang. Es war hübsch und überraschend, das Alles zu sehen, und Ernst Dankmarts Gesichtsausdruck erkannte dies bereitwillig an. Doch seine Zuge besagten nach Verlaus
von ungefähr einer Minute weiter, daß die Stellung, welche diesen Anblick einzig ermöglichte, nicht zu den denkbar bequemsten gehöre. Er tastete mit der Hand umher und versuchte mehrfache Auskunftsmittel, seinen Standpunkt in etwas minder selbstquälerischer Weise zu behaupten, doch sie erwiesen sich alle gleich ergebnißlos, und er rief, auf den Fußboden zurückspringend: Ausgezeichnet für einen Naturfreund, der gleich verrenkte Halswirbel mit zur Welt gebracht hat, und im Uebrigen Herrn von Kamptz als zweckdienliches, doppeltes C i tr . m . . 2.orlurmllttl zu empfehlen. Sollte ich nicht so ganz absichtslos in diese herrliche Sommerwohnung versetzt worden sein? Es ist unzweifelhaft just so anmuthig, in der Weinlaube droben auf der Terrasie zu sitzen, wie körper- und gemüthserquicklich. hier unten auf den Zehen zu steh' und sich diesen' angenehmen Ausenthaltsort durch dasGitterwerk zu betrachten.. Der hübsche Mythus vom Tantalus wäre kindliche Erfindung dagegen,. wenn man mich, statt mit Korkenschneiden, etwa zwölf Stunden täglich mit dieser erbaulichen Betrachtung beschäftigte. Nein, mein guter Grieche, in das Falleisen gehen wir , nicht hinein und ziehen vor. uns die. Tage etwas schwerer nach deiner Anschauung entfliehen zu lassen. .Solltest du vielleicht gar der Kaut schukmann in eigener Personen gewesen sein?". (Fortsetzung folgt.) i
Carl Mlius,
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