Indiana Tribüne, Volume 1, Number 19, Indianapolis, Marion County, 28 December 1878 — Page 6
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Dle,., J H fromme Kathrin'. . Von Ludwig Anzengruber.-, '. . (Schluö.) Ich war das, erstgeborene Kind und ach mir ist .meine'. Schwester die Ploni gekommen, wie wir Beide mannbare Dirnen gewesen sind, .da sind wir. noch lieber in . die Kirche gegangen.. Junge. Dirnen sehen gerne'nach denBurschen nnd die nach den Dirnen, das ist. halt einmal so eine alte Einrichtung, wird auch nicht leicht ab zuschaffen sein. , Einer hätt , mir besonders gesallen, das war der Sohn vom Müller im Ort, die Mühl liegt dort, wo der Bach gegen den Wald einbiegt, die kann man von hier aus nit .seh'n. Vincenz hat er geheißen, war ein großer, starker Bursch und , sauber, mitseinen braunen Augen unter -dem pechschwarzen Haar hat er keck in die Welt-, geschaut... Ich war nit die Einzige, die -ihn . hätt'..'gut leiden mögen und das hqb' ich wohl gemerkt und da hab' ich mir 's erste Mal gedacht, wenn das Beten was. nütz' sein that', so möcht' ich mich wohl aus's Frommsein verlegen und mir den Vincenz . erbeten. . - . Ob Andere auch so thöricht waren,. weiß ich nit, mag's aber wohl glauben, denn in dem Alter ist jedes auf gleiche Dummheit aus.. Ja, Herr, das war ein recht andäch tig's Wesen dazumal. . . Wenn man immer nach Einem schaut, so muß der doch, am End' einmal einen Blick aussangen. So geschieht es eines Nachmittags nach'm Segen, daß der Mül lerssohn neben mir, und meiner Schwester steht und sagt: Dirndeln, ich geh' mit Euch! Wenn Du nichts versäumst, sagen wir, kannst ja nebenher gehen. So ist et nebenher gegangen. Nach dem einen Mal hat er sich uns öfter angeschlos" sen, immer hat er nur mit mir geredet und die Ploni, wie ein armes Waiserl, an der Seit' schleichen lassen ; erst Hat'S mir völlig leid gethan, dann aber hab' ich mir gedacht, geschieht ihr recht, was muß sie nah' bleiben, paar Schritt Hintennach käm' sie Aerob' so gut nach Haus. . Dann haben wir uns öster zu sehen versucht, aus'm Feld, auf der Berghald', wo sich's eben hat schicken wollen, unter Gottes freiem Himmel oder imWalddunkel wären wir aber nicht, wie aus. dem Weg aus. der Kirche, mitten unter Leuten, f onbern muttHseelen gewesen und da hab' ich auch nichts dagegen gehabt, wenn sich die Ploni zu .uns gesunden hat und das ist jedmal geschehen. Ich war zur Zeit ein lustigesDirndl, wie erlaubt und recht, ist,. die Ploni aber das war gar ein Unend,so toll und wild. Ost hab' ich sie auf dem StelldicheiN'Platzel schon vor mir mit dem Vincenz zusammen getrogen, manchmal, wenn er hat aus sich warten lassen, hat sie sich versteckt, ist. dann hervor und hat ihm die Hand' vor die Au gen gehalten und gefragt, was er gar wohl hat errathen können : wer e.s ist? Und wenn er gegangen ist, - ist sieihm oft.eine Strecke nachgerannt ; zu all' dem ausge lassenen Wesen hat er aber, sauer gesehen und ihr manchmal harte Worte gegeben. Mich. hat. er dafür, einmal über's andere die.Ehrbarste geheißen, die er kennt. Ei ja. Darüber ist ein halb Jahr vergangen,. End', October war's 'geworden. An einemTag,so schön wie einer sein mag, sind wieder wir alle, der Vincenz. ich und die Ploni, dort am. Waldsaum gesesien. Dieledte.Zeit über hat der .Muth will', die Ploni nit mehr so arg geplagt wie früher und wenn sie sich auch übermüthig geberd't hat, so wär's just, als wollt', sie damit sagen: Ihr . müßt nit meinen, ich wär' nimmer die Alte ! Ich wußt' nit warum. Ich bin auf einem Baumstrunk gesessen, hab' das Röckel kleinwenig heraufgezogen, daß . ich die farbigen Zwickel von meinen Strümpfen hab' sehen können und hab' mit einem Gertel nach meiner Schuhspid geschlagen, eben deswegen, weil mich der Vincenz wieder gar ehrenhaft genannthat. So sag' ich nach der'Seite hin, wo er ge sessen ist : Nun, wenn ich Dir ehrbar ge nug bin und auch sonst nit z'wider, so könntest doch einmal mit DeinenLeuten re den, was die dazu meinen. Mein Herz hängt an Dir, das weißt Du ; nun möcht' ich Dich aber auch so sicher, wie ich Dir bin. -v," Da sagt er daraus: Ich werd' schon reden. Und die Ploni, die einey Schritt hinter uns, zwischen den beiden Strünken, an einem Baum gelehnt ist, sagt: .Zeit wär's ! , In der Meinung, sie will sich meiner an nehmen, schau' ich lachend auf und wend' mich nach ihr, da ist mir aber das Lachen vergangen. Herr, Du mein Gott ! Was war das für ein Gesicht ! 's ist einmal ein Thierbändiger durch's Ort gereist. . Herr, nit anders wie ein wild' Thier, das seinenPeiniger zerreißen möcht' und doch Furcht vor ihm bezeigt, hat die Ploni dem Vincenz angesehen. Da ist's mir jäh durch den Kopf geschossen : Du warst blind, zwischen denZweien ist eS nit in der Ordnung ! Ich heb' mich vom Sitz und sasi' die Beiden in's Aug. Nie zuvor ist mir's ausgefallen, aber da zur Stell' hab' ich mit Verwunderung nach meiner Schwester geschaut, wie schön die
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war w;e groß und wohlgewachsen was sie für dunkles, reiches Haar, für leuchtende Augenfür. blanke ' Zähn'.' gehabt ' hat. Recht klein und nichtig bin ich mir daneben vorgekommen, aber nur einen Augenblick hat das gedauert, wie eine Wilde .bin ich aufgefahren:' Ihr habt mich betrogen : Darauf ist 'der Bursch langsam' ausgestanden, sieht erst mich an, dann diePloni, nach der hin hat er die' Augen so zusämmengekniffen, daß er nichts Schönes mehr im Gesicht' behalten hat; . wendet sich, sagt: Macht das unter' einander ab und geht. " " ' .Da ist die Ploni an der Stell', wo sie gestanden, wie leblos hingefallen. ES war aber früher nie an ihr so ein hinfällig Wesen zu vermerken.' Hätt' ich ihr's vor einer Minute noch wünschen mögen, daß sie todt hinfiele, wie ich sie hab' zusammen brechen sehen, bin ich ihr schnell beigesprun gen' So überkommt's den . Menschen, wenn er plötzlich seines Gleichen in Noth und Gefahr sieht,daß Alles darüber vergißt, so ist das Herz un3 in, die Brust ge gebendes verhärten und üble und böse Gedanken hineintragen thun nur wir selbst. . ' ' ' Wie die Ploni ist wieder zu sich gekommen, da war ihr erstes Wort : Kathrin', Du mußt mir ihn lassen ! Auf das hab' ich mich von ihrer Seite erhoben, ihr den Rücken gekehrt und bin voran den Weg nach unserm Elternhaus geschritten. Sie ist paar Schritte hinter mir her, und ist sie mir nah' gekommen, hat sie gesagt : Den Vincenz mußt Du mir lassen! Darauf bin ich immer etwas schneller gegangen, von ihr weg.' Beim Bach sind wir fleh' geblieben, haben uns Beide das Gesicht gewaschen und mit den Schürzen sorglich abgetrocknet und sind in's HauS getreten. Ich und meine Schwester sind in einer Stube gelegen, vom Schlafen war keine Red', hab' ich mit dem Weinen ein wenig eingehalten, so hab' ich sie an der andern Wand können schluchzen hören. Der Mond hat durch die obern Scheiben, die nicht verhangen waren, hereingeleuchtet, Mitternacht hat's gerade vom Thurm ge schlagen, da steht die Ploni neben meinem Bett, beugt sich über mich herab. Kathrin', hörst? Ich rück' ungeduldig. Da neigt sie sich herab bis zu meinem Ohr und sagt leis': Um aller Heiligen willen, laß' mir ihn. ' Es geht bei mir in's zweite Monat Da ist mir ein kalter Schauer über den Leib gefahren, ich hab' die Decke über mich gezogen und bin ein Stück nach der Wand zu gerückt. Sie ist nach ihrem Bett zu ruckgegangen. Den nächsten Tag sind wir Schwestern uns ausgewichen, diePloni hat, sich die Augen nicht gegen mich aufzuschlagen ge traut.- Gegen Abend kommt uns einNach bar in die Stube gestolpert, Einer von jenen, die gern Neuigkeiten auStragen. Wißt Ihr's schon, sagt der, 'der Müller verheirath' nächsten Fasching seinen Bin cenz mit er Wirthstochter. Was Du sagst, meinte die Mutter. So, sagt der Vater und klopst sich die Pfeise an der Tischkante aus' In der Küche aber wär' die Ploni fast so zusammengebrochen wie gestern im Wald, hätt' sie sich nit rasch an dem Küchenschrank erhalten.' '. ' " Ich aber bin hinausgestrichen wie' eine böse Katz', an ihr vorbei, die dagestanden ist, weiß wie die Wand und in einemHerz krarnpf, daß sie Einem nit um die Welt ein gut' oder übe! Wort hätt' zurückgeben können, und hab' gesagt : Siehst, er mag Dich nit einmal! ,"' Herr, wenn ich bedenk', wie boshaft dtr Mensch zu sein vermag, da ßeht's mir nit ein, wie er sich beklagen kann, irgend 'eine Heimsuchung, die ihm der Himmel schlckt, wär zu hart. Es ist immer viel Nachge sehenes dabei; wenn Jedem geschäh', wie er's eigentlich verdient, da wär' schwer zu besteh'.. WäS hätt' mir gebührt nach dem, wie ich damals gegen das hüls und und rathlose, gott und weltverlaffene Ge schöpf gethan hab', das noch obendrein meine leibliche Schwester war? Aber nit denken, daß mir das in dem Augenblick eingefallen wär'. Ich war ja so viel ehrbar. Der Vincenz war ein Lump, der in Unehren Umgang mit meiner Schwester gesucht hat, die Ploni war ein leichtfertig's Ding, das sich's hat gefallen lassen, ich aber nur der betrogene, schuld lose Vorwand, damit sich die Beiden leich ter zusammenfinden. v Die mögen mich' oft hinterrücks brav ausgelacht haben, nun kommt's ihnen heim, ich vergönn's ihnen. Morgens daraus bin ich zur Kirche und hab' angehoben so schön zu beten, wie nur ein Pharisäer beten kann, wovon in der Schrift die Rede ist. -Gott, ich dank'Dir, daß ich nit bin wie die Beiden ! Und auch dafür sei bedankt, daß Du so streng und gerecht bist und es den Betrügern so ein tränkst, wie sie es um mich verdient haben ! Mitten darunter, wie ich das in verbit terter Schadenfreud' und gehässiger Freu digkeit herplapper', fällt mein Blick auf das Muttergottesbild am Hochaltar, ich seh' das Kinder! aus ihrem Arm, wie eö so zum Segen die drei winzigen Finger hebt, da ist mir das Amen in der Kehle stecken geblieben .und das Kreuzschlagen ver gangen. Lieber Gott, denk' ich, die Schwester! da soll. 1o ein armer Wurm auf die Welt,
! ( f, I um den sichNiemdno! annimmt; dieSchand'
seinerMutter und eine Ueberlast in unserm Haus und . der - allerschuldloseste Theil. Das kann doch nit Eines als Stras' tres sen, worunter, ein Zweites. schuldlos ; zumeist leiden müßt' ! (;,; ; iu.r " Freilich hatt' es nit so kommen müsien, die Schwester hätt' sich . sürseh'n sollen. Denn wenn Gott dem Menschen Verstand gegeben hat, so hat er ihn doch zu was. ' Da ist mir aber eingefallen, daß nit alle Menschen einerleiTemperament haben, wie denn meine Schwester von je anders gear tet'war als ich, und -daß in der Schrift steht, wie der Geist oft willig wär', das .Fleisch aber schwach. ; Und da hab' ich denn auchAlle5 verstan den, wie es zugegangen ist. Zu Ansang hat es der Bursch- wohl-- ehrlich gemeint und hat zu mir halten wollen, aber meiner Schwester hat er eben so gefallen und'sie hat es ihm in ihrer heißblütigen Art gar unbedacht merken lasten, da war für ihn billig Handels eins zu werden, da ist er gestrauchelt und hat Eins das Andere mit gerissen, wie zwei Trunkene, wo sich keiner aus sich verlassen kann und jeder auf den andern verläßt. Da wollten mir schier Beide erbarmen und gefragt hab' ich mich, ob ich so stark gewesen wär', daß, wenn der Bursch seinen Willengegen den meinen gesetzt hatte, er's nit hätt' gewinnen mögen und ich hab' mir zu tiefst ehrlich bekannt, ich könnt' es nit sagen, ob ich nicht gleich meiner Schwester die Ehr' verspielt hätte. Da hab' ich meine Hände aufgehoben und hab' zu Gott 'gebetet : daß er Alles wohl machen möcht' zwischen denen Beiden, daß er mir vergeben möge, daß ich bald einen Stein gegen , sie hätt' gehoben und hab' ihm aus tieser Seel' gedankt, daß mir die Versuchung vorüber gegangen ist, und dasmal hab' ich herzhaft Amen sagen können. Aber länger als sonst hab' ich mich dar über in der Kirche verhalten und! wie ich heimkomm', fragt die Mutter; wo warst denn so lange ? Mich hat ein entschlossen Wesen überkommen und mit leuchtenden Augen sag' ich : die alte Kathrin' hab' ich in der Kirche umgetauscht nnd eine Fürbitterin bring' ich von daher mit. Was schwätz'st da ? Hör', mir zu. So hab' ich die Mütter neben mich aus die Ofenbank gezogen und ihr Alles gesagt, auch nit verschwiegen, wie ich in der Kirche darüber hab' denken ge lernt. Die Mutter hat sich Anfangs wie närrisch geberd't, je . weiter ich aber red' je stiller ist ste geworden, dann hat ste zum Weinen angehoben und ich hab' müssen die Ploni hereinholen; die hat es der Mutter angemerkt,' die weiß, wie es um die Sache steht, aufgeschrieen , hat sie, daß es Einem in's Herz gegriffen hat, und ist ihr um den Hals gefallen. Die Mutter hat sie um den Hals genommen,'. hat gemurmelt, als möcht' sie sie schelten, hat aber kein Wort hervorgebracht und 's ist ihr der Kopf auf der Ploni ihre Achsel gesunken, die hat es am ganzen Körper geschüttelt, kaum vermöcht' sie es, Mutter" heraus zu stöhnen, dann haben sich die Beiden hart in den Armen aneinandergepreßt und . ich hab' leis' die Thür hinter mir - zugezogen und sie, allein gelösten. v Wie. lang' es mag gedauert haben, ich weiß es nit, daraus ist die Ploni wieder herausgetreten und hat zu mir gesagt: Vergelt'Dir's Gott ! Jetzt ist mir leichter, ich hab', die Tag', her gemeint, ich müßt' ersticken. Die Mutter will es. heut' zur Nacht dem Vater sagen, sie meint, er soll es auch wissen, darauf thu' ich mich aber fürchten. Fürcht' Dich nit, sag' -ich, ich bin bei Dir. . ..; , - Nacht ist's geworden, wir sind in unserer Stube gelegen, das Licht, haben wir brennen lasten, die Ploni hat gesiebert, auch ich bin in großer Angst gelegen und wir haben nach jedem Laut in der, stillen Nacht, nach jedem Geräusch im schlafenden Haus gehorcht. - . .. Da wird unten die Stubenthür, aufge rissen, der Vater flucht, die Mutter bittet und weint, dann kommt's die Stiege hin an, als stürmte Eines voraus und hinter her versucht' eö ein Anderes zurück zu halten, die Thür wird ausgerissen, der Vater tritt in dieselbe, eine blanke Holzhaueraxt in der Rechten, paar Stufen unter ihm lehnt die Mutter zitternd an der Mauer, die Fuß' haben sie nimmer weiter ge tragen. Wo ist das Schandmensch ? schreit . er und stürzt aus die Ploni zu, die auf einmal so ruhig aufrecht neben ihrem Bett' ge standen ist, als ging ste die Sache nichts an. . Da schwingt die A;t in der Luft, ich stürz' dazwischen und der Schlag, der ihr vermeint war, trifft mich. Wie mich der Vater hat auf dem Boden ausgestreckt liegen gesehen, da ist er wieder zur Besinnung gekommen, aber hinab nach der Stube war er nimmer zu bringen, die Mutter hat die Ploni mit sich genommen und er ist neben meinem Bette sitzen geblieben, beißt, nachdem sie mich säuberlich hineingelegt hatten. Es war ein wunderlicher Mann, der Vater, nie hat er sonst einem von uns Kindern ein gut Wort gegeben, nachträgt lich nun hat mir die Mutter erzählt, sie wär' in derselben Nacht manchmal zur Kammerthür heraufgeschlichen und da hätt' sie den Vater mit mir reden gehört. Alles Gute und Schöne hätt' er mich geheißen. Mich gesragt, uaö er um meinetwillen te-
ginnen, soll: Willst, daß ich der Ploni verzeih ?. Es soll ihr verziehen sein. ..Nur verstirb uns nicht, trag' uns keinen Schaden davon, werd' gesund, und so hält' er geschwätzt bis zum frühen Morgen. Nun, ich hätt' niemals ein Sterbenswört lein von all' den vielen erfahren, die er da mal geredet hat, wär', die Mutter nit, aber er ist nit von meinem Bett' gewichen und das Erste, was ich gesehen, oder eigentlich verspürt hab', wie ich wieder zu mir ge kommen bin, das war er. . Es war hell am Mittag, wie ich mich so halb und halb besinn; da kitzelt mich was an der Nase und wie ich mich rühr', fährt's an der Wange hinunter, ich hab' mir nit denken können, was das sein mag und sag': Du Sappermentsvieh ! Da aber hebt sich langsam neben mir aus dem Polster erst die Zipfelhaube, von der die Quaste mir vorhin über die Wange gestrichen ist, und dann darunter das verschlafene Gesicht von meinem Vater, der mich ganz beküm mert anschaut. Er war über dem langen. Wachen eingenickt. Da hab' ich schmunzeln müssen und hab' ihm die Hand hingehalten, die hat er eine Weil' in der seinen gehalten und dann hat er's sorgsam auf die. Bettdecke zurückge legt, als fürchtet' er sich, er könnt's brechen. Und wie ich darüber wieder lach', steht er am Bettend'. Kathi, hat er gelacht, mein eisern' Dirndl ! Damit langt er mit bei. den Händen hinunter nach der Bettdecke und drückt mir die Fußspitzen darunter. War's auch eine äyeile, lang' hab' ich's im Bett nit ausgehalten und wie ich wie der hab' unter die Leut' gehen können, da war. Vieles anders geworden. In einem so kleinen Ort, wo Ems auf dem Andern sitzt, können folcheVorgäng' wie in unserm Haus nit verschwiegen bleiben. Wie die Wirthstochter gehört hat, was sich mit meiner Schwester zugetragen, da ist ihr der.Vincenz nimmer zu Gestcht gestanden. Der Pfarrer hat dem alten Müller zuge redet und der hat zwar gar nit eilig ge than, aber wie ich wieder auf den Beinen war, da hat er gesagt es wär' Alles in Ordnung, wenn nur ich auf die Mitgift verzichten thät', die mir vermeint ist, und sie zu der Ploni schlagen ließ'. Damit meiner Schwester Kind einen ehrlichen Namen mit aus die Welt bringt, hab' ich es so geschehen lassen, war eine dr An dächtigstcn in der Kirche bei der stillen Trauung meiner Schwester und eine der Lustigsten beim Hochzeitsschmauß in der Mühl' und seither war ich nimmer die Haberlechner-Kathi, sondern die fromme Kathrin'. Nun dn hab' ich mir gedacht, jetzt hast Du Deinen Namen, jetzt mußt Du ihm auch zu Gefallen leben. Im Ort haben wir einen Knecht gehabt, der hat paarmal aus Spaß, weil er früher wach war. eh' der Hahn gekräht hat, ,dem Vieh sein Ge schrei nachgespottet, auf einmal haben sie ihn den Kikeriki-Veitl" geheißen, zuletzt hat er geglaubt, er kann in keine Stube mehr eingehen, ohne daß er, statt zu grüßen kikeriki" schreit. Ja, das macht so ein Name. Nun und so hab' ich mir's halt auch angelegen fein lassen, mich allweil hübsch mit unserm lieben Herrgott abzu finden, damit ich nichts Unfrommes sag' oder begeh'. Und das ist nit so schwer, als sich etwa Eins vorstellt, seht, Ihr braucht nur keine Hoffahrt zu bezeigen, keine Schlechtigkeit zu begehen, und keiner Feindschaft zu entgegnen. Ja, lieber Herr, das ist dem Menschen für's Inwendige gut. All' die Mühsal und Noth, die ihn von außen bedrängen kann, ist freilich auf der Welt unter Fromme und Unfromme so ziemlich gleich vertheilt und kriegt oft der Fromme gar den mehreren Theil, aber, Herr ich entsinn' mich noch immer, wie die Fuhr leut' die Straße durch unsernOrt gefahren sind, zur Zeit da ich noch ein klein Menscher! war; allmächtig große Kisten undBallen haben oft umgeladen werden müssen, da stnd aus Jux die stärksten Bursche hin zugetreten und haben zu helfen versucht, nicht ihrer drei oder vier waren imStande, so ein Lastgut von der Stell' zu rücken, aber der Fuhrknecht, Einer allein, hat es zu wenden und zu stürzen vermocht. Nun seht, die Last ist nit geringer worden, aber wer den Vortheil hat, überwind't . ste leichter. Ich hab' rechtschaffen meinen Theil getragen. Auf meiner Mitgift hat kein Segen geruht, die auf der Mühl' haben nicht gut zusammen gewirthschaftet. Aber ich hab' auch ohne Mitgift einen braven Mann bekommen und recht liebe Kinder haben wir gehabt, die haben wir erst eins um daö andere verloren, dann ist mein Lorenz gestorben; Testament hat er kein's hinterlassen, wer hätt'S auch gedacht, daß eines Nötbig wär' ? Da stnd die Gerichts, leute gekommen, haben gesagt, ein Weib erbt nicht nach dem Manne, die Verwand ten haben mich aus der Hütte getrieben und seitdem fltz' ich da heroben im armen Leut'.Haus." " Pun seht, mein Leben war wohl zwei Drittheil Kümmerniß und Mühsal, und eS hätt' sichEins wohl darüber mit dem lieben Herrgott zertragen mögen, aber wenn er mich fragen möcht', hier heroben auf der Höh' vor'm armen Leut'.Haus", ob ich lieber nit hätt' erleben mögen, was ich er lebt hab'? Ich möcht' ihm sagen: O, lieber Herrgott, mir ist's ja recht, was ich erlebt hab'! Wir stnd ja wie Kinder gegen ihn und so
ist es recht, daß daS Leben nit mehr als ein Spiel ist, in dem wir vom Ernst undSpaß lernen, mag ja sein; daß wir, einmal groß gewachsen es besser verstehen !" v '
.Und wenn das nicht der Fall wär', fromme Kathrin', fragte ich. .Wie meint Ihr's V fragte sie. Wenn wir eben mit diesem Leben ganz und gar fert'g wären." I nun", sagte sie und sah mir ernst in's Äesicht, es könnt' ja wohl sein, der liebe Gott wird besser wissen, was uns taugt." Wenn der nun selbst nicht wär' V Ei geht," ste sah lächelnd auf, wie Ihr nur reden mögt ! Er würd' nicht sein, ist ja doch die Welt ! Und mag ihn Einer auch nit glauben, er kann wohl sich selbst, aber nit ihm zuwider leben." Und was denkt Ihr von Allen, die an ders glauben V Mein lieberHerr," sagte ste und stemmte den Krückstock gegen den Boden, fromm können wirAlle sein, die Frommheit kommt Jedem selber zu gute, unserm , Herrgott kann es doch gleich sein, ob unsereins ihn glaubt oder nicht, ich denk', auch der Un gläubigste kann fromm sein, wenn er sried sam ist, denn friedsam nennt man ja auch fromm !" Ich erhob mich. Was sagt Ihr, Herr?" Ich? Nichts! Doch ja, ich wünschte, alle Frommen wären wie Ihr.. Lebt wohl, fromme Kathrin' l Proben aus einem demnächst erscheinenden Wörter buch für Gesangvereine: lFortsebung.) Finanzsekretä r ein entschiedener Jnflationist, da er immerwährend moro Freenwcks verlangt. Siehe übrigens: Märtyrer. Floor-Committee ist, wenn ein Affe Mitglied desselben ist und dennoch von stch denkt : Lauter schöne Leit sein wir." Siehe : Weiße Halsbinden. Fortissimo ist, wenn ein zweiter Baß vor der Singstunde zu viele Schop pen geblasen hat. Siehe: Signor Brüll wolf. Gäste sind willkommen wenn nicht oirect aus Nassau. Wenn doch, sind sie höflichst ersucht, wenigstens im rich t i g e n Moment zu applaudiren. Generalversammlung ist, wenn fünf Mitglieder achtzehn Beamte wählen. Gepäck ist, wenn man es gar nicht verhindern kann, dasselbe mitnehmen muß und sich schauderhast langweilt. H a l b e r T o n ist, wenn der zweite Tenor sich ein listake zu Schulden kom men läßt, der Dirigent wie ein Rohrsper ling schimpft und infolge dessen sein Ge ruchsorgan noch röther wird als es zuvor war. Herbergsmutter ist, wenn die Sangesbrüder nach der Singstunde ein substantieller Lunch erwartet. Hohes 0 ist, wenn ein Sangesbruder, ohne Rücksicht auf den Zustand seiner Stimmbänder, aus freier Brust ein empö rendes Attentat auf die Ohren unvorsichtiger Weise zuhörender Freunde verübt. Siehe übrigens : Nach Mitternacht. Hospital, deutsches, wenn Prominente" und Politiker" sich plötzlich zu Sangesbrüdern hingezogen fühlen. Inventarium ist, wenn man den Archivar in Verlegenheit bringen will. Jungen, die, haben in der Regel ein großes Maul, es kommt jedoch selten etwas Ordentliches heraus. Kater ist, wenn man vor dem Nach hausegehen das Lied vom Harung unge nießbar vorträgt und am folgenden Morgen stch veranlaßt steht, selbst einen Harung zu genießen. Siehe übrigens : Abrechnung ! Klavier ist, wenn der Dirigent auf demselben pbantastrt, weil noch kein erster Bassist da ist. L a c d ' o r, ist wenn ein Concert vorüber ist, und man die Ansichten der Reporters über die Gesangsleistungen einholen will. (Ist übrigens veraltet und kommt'nur selten vor.) Ladies: sieht'Gepäck," Der Damen rosiger Kranz" und Gemischter Chor." Leiche, schön, ist, wenn man Mitglied von 6 Gesangvereinen, 12 Logen, 1 Abtheilung Hildisebund, 2 Militärorganisationen und 18 Fortschrittsvereinen gewesen ist. Siehe übrigens : Nordöstlicher Sängerbund !" . Leichenbegängnis ist, wenn man stch bei der Erfüllung einer Pietätspfllcht die Füße erkältet oder vom Sonnenstich getroffen wird; manchmal auch, wenn der Dahingeschiedene stch im Sarge umdreht. Liebe ist, wenn ein lyrischer Tenor auf dem Heimwege, trotz einer bedenklichen Zungenlähmung vor dem Hause seiner Angebeteten den (ab)gerittenen Abschied" stnqt und von dem Dache ihm ein KatzenEcho antwortet. Liebe, die wie kam sie? Stehe: Gang um Mitternacht! Lunch Siehe : Herbergsmutter l Mahnbrief ist, wenn man auf einen solchen dem Finanz-Sekretär antwortet: Bezahlen ? Sie sprechen ein großes Wort gelassen aus!" Maskenball ist, wenn man als Hamlett" oder Mephisto" Furore macht, aber am folgenden Tage wieder mit der Nadel thätig ist. Siehe übrigens : Schneider!
M e d e l s u v v e ist. wenn der Sanae.
brud'er einmal bei' Schweinsknöcheln, Sauerkraut und Kartoffelbrei stcö seiner kulturhistorischen Bestimmung gründlich bewußt wird. ' Musik ist, wenn der Leader" für stch und seine Leute recht viel fordert, man dar über fuchswild wird und dennoch ste engagiren muß, weil es nicht anders geht. Siehe übrigens : Extra-Umlage und das hat Musik gethan!" Nuancirung superfeine, ist, wenn man manchmal gar keinen Ton zu hören bekommt. Siehe: Gehaucht!" Octave ist, wenn der zweite .Ba& nicht hinunter kann. Opposition ist, wenn fürchterlich viel geredet und intriguirt wird und schließlich Alles beim Alten bleibt. (Schluß folgt.) Kindereien. Charlie (hat Häuschen gebaut und frägt feine Mutter): Mama ! Wer hat das Gras gemacht? Mama: Der liebe Gott! Charlie: Und die Erde? Mama: Auch der liebe Gott! ' Charlie : Hat er sich dabei auch die Finger so dreckig gemacht? Das Frühstücksthier. Bescheid, meyer: Im Besttze einer Ziege, braucht man wegen des Frühstücks nicht in Verle genheit zu kommen. Das genannte Thier liefert Alles dazu Gehörige;' und zwar Kaffebohnen, Milch und die Hörnchen zum Einstippen! Dummertahn: Wo aber bleibt der Zucker? Gescheidmeyer : Auch für den ist ge sorgt! Sie brauchen die Ziege nur in den S ch w a n z zu zwicken, alsdann macht steinen Zucker! Verfrühte Frage. Wie viel kostet Ihnen dieser elegante Winteranzug?"Weiß nicht. Ich bin noch nicht d'raus verklagt!" IllI 1E 34. Jahrgang. Die verbreitepe Populär - vissenschaftllche Zeitschrift der Welt. Preis nur 93.20 für den Jahrgang, portofrei. Wochenblatt 32 Nummern im Jahr, über 4,000 Vuchfeiten Text enthaltend. Der Seientifie American ist ein große Wochen, blatt ersten Ranges, enthält IS Seiten Text, xracbtvoä ausgestattet und mit zablreichen Illustrationen der neu.sten Erfindungen und Fortschrttte auf dem Gebiete der Kuntt und der Wissenschaften versehen. 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Man sehe nur die drei Zeichnungen von Schiffen auf Seite 17S1, welche aVem mehr als 100 Worte deutlicher erklären, als eö in der Schriftsprache möglich ist. Ueber 30,00l) Exemplare sind allem in Lf. fentlichen Schulen der V. St. angeschasst worden. Empfohlen ist das Werk don tfi Staatö.Snperintendenten vom Schulwesen, und don mehr als 30 Präsidenten höherer Lehranstalten. ES enthalt 10,00() Wörter und Begrie, welche in anderen ähnlichen Worten nicht enthclten sind. ' Es revräsentirt die Arbeit von 10O2ahrea und reicht weiter zurück, als irgend ein anderes Dc terbuch. Sein Absatz ist 20 CZäl so grofVO der fr gend eines concurrirenden Juches. ' . August 4 1877. Das Qörterbuch, welec in der NegierungS.Dru5erei benut wird, ist Webfter'S .Unsbridged." Vdt einen Ceti: eS ist Cin ! ' 0 v w v- 4 '
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