Indiana Tribüne, Volume 1, Number 18, Indianapolis, Marion County, 14 December 1878 — Page 6
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eppe, S -V j Z m. ;, ,1 5!ose2e ton yaul Heyse. lFortsetzung.) . o " Sie huschte endlich von der Thüreweg, vieder zu den Blumen hinaus. . Und ihre Ahnung hatte sie diesmal nichtgetSüscht. Kaum lehnte sie vieler "an ii Brüstung) da ging unten die Hausthür aus und fiel sosot Wieder in'S Schloß) Der aber hin ausgetreten war, " stand unbeweglich. In velchei Verfassung er sich befand, konnte sieicht sogleich. erkennen da der Balcon gerade i über bet: Hausschvelle" und dem breiteren Baleon des ersten Stockwerkes vorsprang. Nun regte sich endlich die Gestatt da unten, that , einige Schritte die Straße hinunter, blieb wieder stehen und iallkdieFausi. - Zanetto l.'fiüsterte eS..auS der Höhe. Der Jüngling wandte ' hastig 'den Kopf und blickte nach dem Balcon.hinauf. Sein Besicht trug die Spuren ner heftigen Er regung, der Schweiß perlte , ihm aüf der Stjrn, dieLippen varen blaß und verzo gen. Der Reiz seiner frischen, verwegenen Jugend war plödttch von ihm gewichen. Zanetto! wiederholte die Stimme vom Balcon. , ES war, wie um einenSchlafen den aufzuwecken, da sein Blick so seltsam im Traume schweifte, als wisse er nicht, wö er sei. ' ) . Gute Nacht ! rief er endlich mit gepreß tem Tön: - Addio, Beppina ! Geh' in ein Kloster! Die Madonna sei mit Dir ! Dazu eine Geberde 'die andeutete, daß Alles aus und jede Hoffnung verloren sei. Aber im nächsten Augenblick, schien ein leichtsertiger Trotz sich derSeele des jungen Menschen zu bemächtigen Er lüftete den Hut,'schwenkte' ihn ein a'ar Mal in der Luft'unb setzte ihn dann schief wieder auf. Darauf griff er in die Tasche, holte die rothe Nelke hervor, küßte sie dreimal mit komödienhaftem Pathos und zerpflückte sie, indem er die Blätter nach den vier Winden warf. Zn diesem Augenblick kam einMann mit brennender Cigarre des Weges. Zanetto trat an ihn heran, bat, an den Hut fassend, um Feuer und verließ dann,, den blauen Dämpf seiner Cigürre vor sich hin blasend,' mit langsamem, gleichgültigem Schritt daS HauS, ohne nur noch ein einugeS Mal den Blick nach dem Balcon zurückzuschicken, auf welchem ein junges Gesicht in rathloser Verzweiflung ibm nachstarrte. Was war geschehen? WaS hatten sie miteinander geredet? War das derselbe Himmel noch, der vor einer halben Stunde in diese stilleStraße hinabgesehen ? duselten Blumen, hinter denen sie ihrErröthen, ihre Ungeduld, ihre schalkhaste Seligkeit, dem Geliebten unsichtbar nahe zu sein, verborgen hatte? Hatte er wirklich sagen vollen, daß Alles aus sei, ganz und für immer ? Und daß ihm nicht viel mehr daran liege, als an den Ueberresten einer zerpflückten Blume und der verwehten Asche seiner Cigarette? Aber daS war ja unmög lich ! das konnte doch nicht das Ende sein eimS Glückes,' von dem sie selbst seit Wo chen gelebt hatte, wie von dem Einzigen, vaS jie in dieser öden Traumwelt für wahr und wirklich hielt, und von dessen Unver gänglichkeit jeder Tag sie mehr überzeugt hatte! . . ' " , ' . " 5Vr armer junger Kopf drohte zu foringen. ihr'noch ürmereSsiebzehnlahrigesHerz lag plötzlich wie gelähmt, schwer wie ein sühlloser todter Körver in ihrer Brust; sein Schlag schien still zu stehen; die Aügen brannten, ohne durch eine Thräne gekühlt zu werden, ihre Zähne klapperten leise auf einander. - So ließ sie sich wie eine . Ohn mächtige, doch mit völlig wachem Bewußtsein in ihrenSessel sinken, drückte dieHände gegen das Gesicht und lag in jammervoller Betäubung.' ohne einen klaren Gedankens ohne ein deutliches Gefühl, als nur daS eine: er hat nicht einmal nach birumge-blickt'.- ' ' ' ' ' Da hörte sie klopfen an ihrer Thür und fuhr in die Höhe. Sie konnte Niemand in's Gesicht sehen. Wenn die . Mütter zu ihr'wollte, sollte sie sich nur gedulden und denken, daS Kind sei in der schwülenNach. mittagsluft eingeschlafen. Aber da klopfte eö wieder, und jetzt hörte sie die Stimme ihres Vaters : Beppina, mach' aus ! deö VaterS, ? dem sie von allen Menschen jetzt am wenigsten gegenübertreten mochte. Sie stand'an die offene Balconthüre gedrückt mit'verhaltenem Athem, ob er nicht vieder gehen würde,.wenn Alles still bliebe. Aber er pochte wieder.' Ich weiß, da Du drin, nen dlsll'Oe'gne !-mit1einem ' gewöhnlichen ruhig festen Ton, dem Niemand toiderskeden konnte. Da preßte sie ihre kleine Hand gegen das Herz? tyr Gesucht wurde finster, fast feindselig, t amtity wie Jemand, der einen schweren Entschluß gesaßt hat, und -ging 'dann .langsam den , t-i " ' " !; leget zuruazuiqieoen. . ie sah'den Vater aber nicht an, alS er eintrat, so trotzig fie eS sich vorgenommen, ihm die Stirn zu bieten. Wenn er zornig hereingestürmt wäre, sie mit Vorwürfen zu übeausen. hätte fie vielleicht den 'Muth gesunden, sich offen zur Wehre zu setzen gegen seinen tyrannischen Willen, der sie unglücklich machte. Aber er trat ganz ruhig
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ein. wie er zu thun pflegte, wenn er einmal
nach ihren ' Studien'sich erkundigen oder ttr'eTn neueSÄuch bringen wollte. Sein Gesicht, das sie freilich nicht sah, war ein wenig blelchtt und' trauriger als sonst. Man hätte sogar glaubend kötinen,' daß er
geweint habe? aber vorn vielen Leen tznd " ä.!" -firjt X. 'J-t4' e! oer naajiiiajen vimmciaiuu uiuui in. Augen in der.letzten Zeit überhaupt ange 'griffen und leicht geröthet. Er ging ein paar Mal daö Zimmerchen auf . -und ab, wihrend sie daS Kinn auf die Ärüst gelenkt, die. Hätideauf den Tisch gk' stützt dastand, als ob sie ganz einsam vor sich hin träume. Se'ln Gesicht bliebt ihr abgewendet, er suhr. sich mit derHand durch' die buschigen Haare, die' anöden Spitzen schon grau zu werden anfingen, während der schwarze Bart, der daS nicht schöne, aber kluge und gute Gestcht noch blasser erschienen ließ, keine Spur des AlterS zeigte. Beppina, sagte er endlich, indem er vor der Balconthüre stehen blieb, Du weißt ohne Zweifel weßhalb ich zu Dir gekom men bin. ES war . Jemand bei mir, mit dem ich heute daS erste Wort gesprochen habe, das erste und letzte. Er wird nle wieder dieses HauS betreten, so lange ich da rin wohne. Aber da "er Mittel, gefunden hat hinter meinem 'Rücken fich-meiner Tochter zu nähern, Briefe mit ihr auszutauschen, vielleicht mehr alS daS Er hielt inne.und sah fie an. Sie schüt. telte heftig aber kaum merklich den Kopf und. blieb dann auf derselben Stelle wie angekettet, stehen. 'Ich we'rde'Dir keine Vorwürfe machen, fuhr der Vater .fort. WaS geschehen, ist, betrübtmich, weil eS Dir Schmerzen ma chen muß, die ich Dir gerne erspart hätte, die ser vielleicht "so heilsam wie unver meidlich waren. Wenn Du mehr Ver trauen zu Deinem Vater gehabt hättest ' Sie zitterte über den ganzen ' Leib vor innerer Erregung, aber ihre Lippen preß ten stch nur fester aufeinander. . oder zu Deiner Mutter so hättest Du bei der ersten dieser heimlichen Bot schasten uns Dein Herz geöffnet, und wir hätten Dir gesagt, daß Du keinen zweiten Brief annehmen dürfest, keineWünsche und Hoffnungen nähren, die nie in Erfüllung gehen könnten. Das Mädchen machte eine gewaltsame Anstrengung, den Bann zu durchbrechen, den die Nähe des Vaters ihr auferlegte. Warum nicht? brach ' es kaum hörbar von ihren Lippen. Weil weil eS unmöglich ist ! Beppina mein armes Kind so schwer esDich ankommen mag, glaube, daß es Deinem Va ter nicht leicht geworden ist. Dir weh zu thun. Wenn er eS hat thun müssen, so hat ex sehr ernste und unerbittlicheGründe, die er Dir freilich nicht mittheilen kann. Ich weiß, daß Du im Stillen manchmal mit mir gegrollt hast, in der Meinung, ich versage Dir dies und das, worauf Du ein Anrecht zu haben glaubtest, oder was Dir lieb gewesen wäre. Vielleicht, weil ich nicht sehr ergiebig bin an Worten und Liebko siingen, hast Du an meinem Herzen ge zweifelt. Es ist Manches über mich ge kommen, mein Kind, was mich düster und still gemacht hat Ich weiß, daß es Väter gibt, mit denen ihre Töchter mehr zufrie 'den sind, als Du mit dem Deinen, die mit
ihnen lachen und scherzen und ihnen allen Willen lassen. Ich schelte darum Niemand, wenn ich auch für mich selbst thue, wie ich muß und kann. Vielleicht siehst Du noch einmal ein, daß es zu Deinem Besten' war, wenn ich Dir weniger Freiheit ließ, als Andere haben. Ich kenne Deine Art und Weise; Du bist wie ein rasch aufge schoffeneS Bäumchen in einem fetten Boden, das sicher behütet und an einen, festen Stab gebunden'werden muß, wenn eS nicht über Nacht'von einem jähen Windstoß ge ! knickt werden soll. Noch ein paar Jahre, und ich kann hoffen. Dich, ohne Gesahr Dir selbst überlassen zu dürfen. Willst Du mir noch ein wenig vertrauen, Kind, daß ich eS gut mit Dir meine ? KeineAntwort kam von dem ganz in sich versunkenen Mädchen, daS die Augen starr zu Boden gesenkt hatte und auch die Hand zu übersehen schien, die der Vater nach ihr ausstreckte. Er that wieder ein paarSchritte, wie um ihr Bedenkzeit zu lassen. Als fie hart näckig schwieg, sagte er. mit etwas nachdrücklicherem Ton : Ueber Deine Gedanken und Gefühle habe ich leider keine Macht ; es ist nicht erst seit beute, daß ich daran verzweifeln muß, DeivHerz zu lenken, und vielleicht liegt'eitt Theil der Schuld an mir, da mir die Gabe fehlt, Dir Vertrauen abzugewinnen. Aber über Deine Handlungen, Beppina, über Dein Thun und Lassen ist mir Gewalt ge geben, und auf die werde , ich nicht verzichten. Es darf von einem Verkehr zwischen Dir und diesem Jüngling fernerhin' keine Rede sein. Ich weiß nicht, wie gewissenhaft er sein Wort halten und Dir nicht nur mit seiner Person, sondern auch mit Briefen und mündlichen Botschaften fern bleiben wird. Eassandra verläßt heute .noch das HauS, wenn es sich herausstellt, WaS ich vermuthe daß sie ,die ' Vermittlerin war. Du aber mußt mir versprechen, Kind, daß Du diesem Zanetto, wenn Du ihn auch nicht gleich auS Deinen Gedanken verbannen kannst,' nie mehr ein geschriebenes oder 'gesprochenes Wort willst zukommen lasse; nie mehr die Gelegenheit suchen,-ihn zu se hen, und, wenn derZufall'eS doch fügt, die Blicke -von ihm abzuwenden, wie von einem z -
ewig Fremden. Willst Du mir daS der-sprechenVnieine'arme-Töchtern " ' f ; Sie-wavÄelz'lSktich' th'rGesicht nach dem Vater uni; der eine Hand auf ihr'eSchült'er 'gelegt hatte, wie wenn sie eine Fessel ab? schütteln wollte.- Einen Au'genbli'ck'sah'sie ihm gerade in die Augen, ihre 'Brust ,hob stch mühsam, ihre entsärbten Lippen zitterten' ' ' ' ' ' '' ' ' ; Nein ! stieß fie halblaut hervor. ' Tödtet mich ! w:rft mich in einen finstern tterker'! Nie, nie,' werd'e ich ich ihm entsagen ! Ich könnte-nicht auch wenn ich wollte V'-1 Dann sank ihr' Blick wieder zu Boden, eine dunkle Nöthe stieg ihr in die Wangen, schwere Tropfen stürzten aus ihren Wimpern ; fie tastete, wie wenn fie alle Gewalt über'ihre Sinne verloren hätte, nach'ein'em Halt und stürzte laut ausschluchzend auf daS niedere kleine Sopha, daS mitten im Zimmer stand. : ; r; Der Vater stand regungslos eine ganze Weile und sah auf daS junge Wesen herab, dessen schlanker Leib wie von den heftigsten Krämpsen durchbebt aus dem Ruhebette lag ; ; ArmeS Herz ! : sagte er endlich. ArmeS junges Leben ! Aber eS ist umsonst. Kein Wort kann diesen Sturm besprechen. Höre nur das Eine, wenn Du mich' noch hören kannst : was ich Dir anthun muß, werde ich vor meinem Schöpfer und Richter dereinst zu verantworten haben, obwohl ich keiner Schuld-daran mir bewußt bin. ' Du hast DeinenBafer nicht lieben lernen.Bep pina ; doch kennst Du ihn genüg, um zu wissen, daß er unerschütterlich thut, waS er für recht HM' Du wirst dies HauS nicht verlassen, ehe ich eS wieder gestatten kann. Diese Thür verschließe ich und öffne sie erst wieder, wenn ich auS Deinem Munde die Versicherung erhalte, daß Du mein gehorsames Kind sein willst, wennDu auch nicht mein' liebendes sein kannst. Komm zuDir, meine ärmeTocheer! Dieser feffelloseJammer "" ' - r . Die Thür ging geräuschlos auf und die Mutter trat herein. Sie warf einen Blick der innigsten Bestürzung auf die Schluchzende und das düstere Gesicht iyresGatten. Um GotteS willen! wollte sie zu fragen
anfangen. Aber eine Geberde des Mannes machte sie verstummen. Ich habe ihr gesagt, waS ich dürfte, sagte er leise. Siehe, wie Du sie wieder beruhigen kannst. Es ist wie wir gesürchtet hatten, setzte er noch gedämpster hinzu. Die Aehnlichkeit hat uns nicht betrogen. Armes Kind Damit ging er auö der Thür, der Frau einen Blick zuwerfend, .der ein tiefes Leiden aussprach, aber keinen Schatten einesVorwurfs. Sie hörte ihn die Treppe hinabgehen. Sie 'selbst aber stand wie ein lebloses Bild mittea im Zimmer, die Stirne mit beiden Händen haltend, als wäre ein betäubender Schlag geschehen, der ihr einen Augenblick die Besinnung geraubt hätte. Doch besann sie sich rasch ; die Töne, die von dem Ruhebett an ihr Ohr drangen, weckten sie zum Bewußtsein ihrer mütterlichen Pflicht. Alö sie sich aber dem unglückseligen Kinde näherte, auf denTeppich neben ihr nied?rkniete . und zärtlich ihren Namen rufend den Arm um ihre zuckende Gestalt schlang, erschrak sie vor der Heftigkeit, mit der die Weinende auffuhr und sie zurückstieß. :' ' Was willst Du von mir, Mutter? rief sie wie außer sich. Willst ' Du mich auch quälen, mir gute Worte geben, während Du mir Böses thust ? Mich Dein armes Kind nennen und mir dabei das Herz aus der Brust reißen ? Geh', geh' zu ihm, mit dem Du Dich verschworen hast, mich in's Grab zu bringen, eh' ich noch erfahren, waS leben heißt ! Von ihm wundert es mich nicht und schmerzt mich nicht. Er kann nickt lacken und will kein frohes Gesicht sehen; er denkt an seine SterNe und ver gißt die armen Geschöpfe, die auf der Erde sind und von ihm abhängen. Er weiß eS auch, daß er mich unglücklich macht, und will es nicht anders, denn er kennt nichts, als seine einsamen Gedanken; er ist nie jung gewesen und hat nie gewünscht und gehofft, geliebt und gelitten. O Mutter, wie hast Du ihn nur lieben können ! Wie hat DeinHerz sich nicht vor ihm gesürchtet, Dein junges Blut nicht geschaudert vor seiner Kälte? Jch-ich hasse ihn, ich habe ihn immer gehaßt, aber lange geglaubtes sei nur Ehrsurcht oder Furcht, was wich von ihm zurückscheuchte. Und jetzt, wi, er mir mein Todesurtheil verkündigte mit so sanster Stimme, als ob er mir die Gnade des Himmels brächte, jetzt sah ich erst recht klar in mein Herz und begriff, daß ich ihn von Kind an gehaßt habe. Mutter, ich sterbe an diesem Haß, und daS soll mane Rache sein. Der Vater soll erleben, )aß die Verzweiflung, das ' Grauen vor hm seiner Tochter das Leben vernichtetet. Dann, Mutter, dann magstDu ihm saien, daß er nicht mehr nach denSternen schalen soll, weil dort eine arme Seele wohnt, d'e ihren Jammer und Haß mit in die Eigkeit hinübergenommen hat. Wenn er dann noch daS Herz hat Mein geliebtes einziges Kiud! mterbrach sie die Mutter, indem sie ihr Znit sanster Gewalt die streichelnde Hand aus die Lippen drückte versündige Dich niot so schwer, gib Deine armeSeele nicht so cottlosen und thörichten Gedanken -preis, - die Du schwer bereuen wirst, wenn dieser Sturm sich erst gelegt hat. Hassen nn mnitr. htt nicktö als Liebevolles Dir
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je angethan, derschwerer, alS Du ahnst. Dein Glück u'Nd Deinen. Frieden erkaust, und auch wo Du seine Handlungen? nicht verstehst,:fich nur. Deine Liebe mnd.Deine Ehrfurcht und wigenDank verdient hat und Du, unseliges- Herz,- Du .kannst.so
s feindlich Dich gegen ihn sträuben-'kannst auch nur tm Stillen, geschweige mit so wahnwitzigen Worten ihn anklagen ? Und AlleS unrein Glück, das Du Dir nur geträumt, das vielleicht ; NichtSgegen i h n, Mutter, wenn Du mich nicht wirklich zum Wahnsinn, treiben willst! rief die Weinende. O Mutter, Du kennst ihn nicht, Du weißt nicht, wie dieser Traum von ihm, den Du mir schmähen willst, meine ganze Seele erfüllt hat.' Ich bin gefangen gewesen fechszehn Jahre lang, und soll Den nicht für einen Himmelöboten halten, der mich in die Freiheit führen will, der endlich kam, mir dasGlück zu erobern, Luft und Licht und Liebe Al IeS, waS ein armer Mensch braucht-und nun abgewiesen, sür immer mir auS den Augen und ich , soll verzichten auf meine Rettung-soll stille halten, , daß. ich wieder an Händen und Füßen gebunden werde, nicht einmal mit denAugen soll ich ihm sagen, wie ich um ihn leide nein, Mutter, nie werde ich darein willigen! Ich bin keine Heisjge, wie Du, o Mutter j Ein Leben. wie Du eS die langen , Jahren ertragen hast, wäre mir bitterer als der Tod, und das magst Du glauben, wennJhr mich mit Eevalt zu zwingen gedenkt der Balcon ist, Gott sei Dank, hoch genug, um mit einem Sprung hinaus aller Qual , und Knechtschaft ein Ende zu machen!; ' : ES war eine Weile ganz still- auf diese Worte. DaS Mädchen lag, erschöpft von ihren Schmerzen,' auf dem Ruhebett, daS Gestcht in ihr nasses Tuch gedrückt, ohne ein einziges Mal die Mutter anzusehen, die immer noch neben ihr auf dem Teppich kniete. ..'Da hörte sie plötzlich die. bebende Stimme dicht an ihrem Ohr : Bleibe nur liegen, Kind, so! weine Dich nur aus. WaS Du erlebt hast, ist traurig, aber noch viel trauriger, was Deine Mutter Dir jetzt sagen muß. Ich hoffte. Du würdest es. nie zu hören brau chen, obwohl es mir mehr als einmal aus der Zunge war, wenn ich sah, wie Dein Herz sich gegen den Vater auflehnte. Du kennst ihn nicht. Kind, wie Deine arme Mutter ihn nun seit siebzehn Jahren kennen gelernt hat. Es gab eine Zeit, wo auch ich ihn nicht kannte. Deine Mutter war auch einmal ein lustiges junges Ding und der Vater schon damals ein ernster Mensch, der nur lachte, wo es der Müfre werth war. nicht blos um zu lachen, wie die thörichte Jugend. Und Deine Mutter aber nein, nein ! Ich kann nicht ! Es ist zu bitter, seinem eigenenFleisch ündBlut Sie verstummte und drückte die Augen, die ihr plötzlich übergingen, gegen die Schulter des Mädchens. Das Kind richtete sich langsam auf und schlang den Arm um die Weinende, indem ihre eigenen Thränen auf einmal versiegten. , ' Sage mir nur AlleS, Mamma, flüsterte sie von Schluchzen unterbrochen. Es ändert ja doch nichts. Aber wie oft, wenn ich Dich so still und ohne Klage herumgehen sah, und ich habe wohl sehen können, wie Du Dich zusammennahmst, dem Vater zuzulächeln, und . er er veränderte keine Miene , 'o Mutter, wie hundertmal war ich draus und dran. Dir um den 'Hals zu fallen und Dich zu beschwören: Sagemir, warum Du traurig bist, warum Du nicht wie andere Frauen mit ihm sprichst, ihm erklärst, daß erDich unglücklich macht,Dich und Deine Tochter, und immer, wie Du dann lächeltest wie eine HeiligeStill, still. Kind ! wehrte Frau Giocon. da ihr ab. Du weißt nicht, waSDu sprichst. Und nun muß eS wohl sein. Ich bin es ihm schuldig und Dir, mag kommen, was kommen will. Aber ich will mich setzen, und Du setze Dich auf meinen Schooß, wie ich Dich so oft als kleines Mädchen gehal. ten habe, wenn ich Dir Märchen erzählt habe, vm Dich zu trösten über ein zerbro chenes Spielzeug. O mein Kind, hätte ich eine Mutter gehabt, vielleicht wäre das traurige Märchen meines Lebens anders ausgegangen. Aber der Vater hatte keine Gewalt über mich, er vergötterte mich, weil ich sehr hübsch war und alle Leute ihm mein blonde Haar und meine blitzenden Augen priesen und die munteren Reden wiedererzählten, die ich so im Uebermuth hinauswarf. Und ich selbst war stolz dar auf, daß mir Niemand etwas zu sagen hatte, daß ich den ganzen Tag mich putzen, lachen und singen konnte, und kein junger Mensch in der Stadt war, den ich mit einem Wort und Wink nicht hätte zu Allem bringen können, waS ich nur wollte.. Dazu waren wir wohlhabend und ich hatte Alles, waS.mein Herz .begehrte, schöne, Kleider, Schmuck und eine Wohnung, die noch viel zierlicher und reicher war, als dies Dein Stübchen, Kind. , Und doch dacht' ich, eS sei eben nur AlleS in der Ordnung ; sür ein so schönes Bild fei der kostbarste Rahmen gerade gut genug, hielt mich auch viel zu gut und theuer, um irgend einen von meinen vielen Bewerbern meiner werth zu finden, obwohl, ich auch keinen ganz frei gab. . Denn eS schmeichelte mir, einen so großen, Hosstaat zu haben. , Und siehst Du, damals kam Dein Vater alö junger Doctor der Rechte von Padua zurück. Ich hatte ihn vor Jahren gut ge- ' kannt, wir wohnten eineZeit lang in einen
der Nachbarhäuser, bis. mir die, Straße zu einsam und das. HauS zu verfallen vorkam und ich denVater bewog, ein viel schöneres Hau5 zu kaufen,dS am-Corso lag. Da? mals aber hattenvir zusammen gespielt wie NachbarSkinder, und ich war'schon alö blutjunges Kind stolz darauf gewesen, daß der kleifle Beppe, der, immer der Stillste war, mir auf den Wink folgte und sich geduldig von mir mißhandeln ?ließ. l . Als. er dann wiederkam als fertiger jungerMann, suchte er uns gleich wieder, auf.. Er mißfiel mir aber.' Ich fand ihn weder hübsch noch artig, er war der Einzige der mir nicht schmeichelte und, wenn ich eö allzu ausgelassen trieb, wohl gar dieAchseln zuckte und sich still entfernte. Das aber reizte mich eben. Ich bot all' meine Künste, auf. ihn zu erobern, und es brauchte gar nicht vieler Mühe und List, er war, heimlich viel närrischer in seine Jugendgespielin verliebt, als irgend ein anderer meiner Verehrer. Wie ich daS merkte, fühlte ich gar kein Mitleid, nur einen kaltherzigen, schadenfrohen Triumph, und behandelte ihn gleichgültiger als irgend wen. Er aber änderte seinWesen darum keinen Augenblick. Er lächelte nur so eigen vor stch hjn, wenn ich' ihn mit seinem Spitznamen Beppe, der Sternse her, nannte und ihn höhnte : wer amHimmel zu gut Bescheid wisse, werde auf Erden stch nicht zurecht finden. Er kam trotz alles Spottes, den ichuber ihn auSgoß, fast einen um den anderen Tag zu meinem. Va ter, d'er.schon mit dem. seinigen - allerlei Rechtshändel zu berathen gepflegt hatte, und das übertrug sich nun auf den Sohn. Mein Vattt war Consul eines fremden Staates und hatte verwjckelte Banquiergeschäfte. In alle dem stand der' junge Advokat ihm bei. Mag er immerhin allerlei'unnütze mathematischeZahlen schreiben, um eine Sternenbahn zu berechnen, sagte der Vater, er weiß darum auch imCourszettel und in den Paragraphen seiner Rechtsbücher die Wege und Stege zu finden. Du solltest ihm ' nicht ein so kaltes Gesicht machen, Gioc5nda. Ich bin kein Sternbild, sagte ich schnippisch. In der Sonne aber nimmt er sich nicht gut aus. Sieh nur, wie schwarz er ist. Es ist, als ob er dasLachen begraben hätte undTrauer darum trüge. So wich ich meinemVater beständig aus und ihm auch, wenn er mich allein zu treffen wußte. Denn heimlich hatte ich, sogar Furcht vor ihm, die im Grunde nichts anderes war, als eine Art Scham, daß ich ihn doch nicht übersehen konnte. Einmal aber als er mich im Garten tras und ich auö einem heimlichen Grauen vor ihm, da ich glaubte, er durchschaue mich bis in's innerste Herz, ihn mit den unholdesten Neckereien überschüttete, sah ich, wie sein gelassenes Gesicht plötzlich einen sehr schmerzlichen Ausdruck annahm. Ich be daure Euch, Gioconda, sagte er. Ihr entstellt Euch zu sehr. Aber mich kann das nicht an Euch irre machen. Ihr werdet nie einen treueren Freund haben, als mich. Da hörte ich plötzlich auf zu lachen, aber diese seine guten Worte reizten mein sin disches Gemüth nur noch mehr. Ich! brauchte keinen Freund, und am wenigsten einen, der davon sprach, daß irgend Etwas, was ich that, mich entstellen könne, i Ich war so zornig über ihn und ärger- I lich über mich selbst, weil ich ihm keine schnöde Antwort zu geben wußte, die Thränen traten mir in die Augen. Denselben Abend sing ich an, mit dem Vater 1 von ihm zu reden, daß ich ihn nicht mehr sehen möge,' weil er sich 'nicht höflich genug betrage, und wenn er ihm daS Haus nicht verbieten könne, solle er ihm wenigstens erklären, daß mir seine Gegenwart verhaßt und alle Mühe, mich etwa bessern und ihm gefügig machen zu wollen, umsonst sei. Aber der Vater gab mir nicht, wie sonst immer, bereitwillig Recht, noch eh', ich mit meiner Rede ganz zu Ende war. . Er sah ernst aus, blieb eine Weile stumm und er öffnete mir dann, daß ich sehrUnrecht thäte, den Doctor Beppe zurückzuweisen. Er sei der Einzige in der Stadt, der von seiner geschäftlichen Lage genau Bescheid wisie, der allein sich noch anstrenge, deu Fall unseres Hauses aufzuhalten, un dennoch habe er eben ' heut " am Morgen in aller Form um meine Hand geworben und sie zugesagt erhalten, falls er meine Einwilligung erlangen könne. Es war, als öffne sich die Erde dicht vor meinen Füßen und ein plötzlicher Schwindel wolle mich in den Abgrund hinunterstürzen. , Ich erwiederte keine Silbe, ich trug aber ein verzweifeltes Herz in mein einsames Zimmer zurück und schloß die ganze Nacht kein Auge. Allem entsagen, was bisher mein Dasein ausgefüllt hatte, att ein armes, bedauertes, vielleicht gar verhöhntes Mädchen weiterleben und meine.Neiderinnen frohlocken hören, aber mich auf ewig unter die Gewalt dieses finsteren, einsilbigen, strengen Freundes- ducken, und um den Schein des GlückeS zu retten, mein wahres Glück, das ich'mir nur lachend denken konnte, ewig verscherzen DaS Mädchen, daS ihr Gesicht an die Brust der Mutter geschmiegt hatte, drückte sie fester an sich und ein Seufzer erschütterte die junge Gestalt, die ganz regungslos auf dem Schooß der Frau gesessen hatte. O Mutter, waö mußt Du gelitten haben! ' ' "' Was ich verdient.hatte ! seufzte dieFrau und berührte leise mit ihren Lippen das dunkle Haar des Kindes. Abwich war
noch nicht gedemüthigt genug. Ich wollte noch njcht daran'glauben, daß keines andere Rettungset' Wie der Doctoi' Beppe aiu anderen Morgen kam verschloß ich mich in mein Zimmer. Er hätte ' ein langcS Gespräch ii.it dem Vater. Dann ließ er mich bitten, ihm auf zehn Minuten Gehör schenken. Ich trat ihm gegenüber, kälter und abweisender als je'. Wenn ich verkaust würde, wollte ich dochmit keiner Miene in meine eigene Erniedrigung willigen.er' tt schien daS Alles zu übersehen. Er wisse, sagte er, daß mein Herz sich ihm nöch v'er schloffen halte. Er habe,' so lange ich eine reichö Mitgift zu erwarten gehabt, nicht gewagt, sich mir anzutragen.Auch jetzt solle ich nicht übereilt mich entschließen. Uneigennützigkeit sei ji. daS geringste Verdienst,, das ein redlicher Freund sich zuschreibenoürse; und in seinemFalle kSnnenicht ein mal davon die Rede sein. Seine altellefe'Neigung'zu mir laffe ihm meinen Besitz: als einenSchatz erscheinen, den er mit allen Millionen, wenn er sie besäße, nicht auswiesen könnte.' ' Aber eine ächte und unwandelbare diebe eines Ehrenmannes sei auch ein werthvoller Besitz, und er" könne die Hoffnung nicht aufgeben, daß ich den. eines SLqoiS taürhtam Urnen uh
U -""0"" Hiiw MIMIlUfc andere Gaben, die ihm fehlten, dagegen geringschätzen würde. . Er bot mir dann die Hand, in die ich obne ein Mort. weder des? 9nNtVitif , - r - - - w . , tt nock der Abwekr. nr rri mnn 7 - "T" wvwww V IIIVI gleichgültigen Besuch verabschiedet mein kalte Hand legte. Bon diesem Morgen an war eS um vxiW nen Frieden und meine Fröhlichkeit gesee hen. Er kam nun täglich, ohne mir je vo' Liebe zu sprechen. Auch der Vater drängte mich nicht. Ich wußte aber, daß michBeide-' als eine verlobte Braut betrachteten, und wenn ich das Wort vor mich hinsprach überrieselte mich ein kalter Schauer. ! Da kam eines Tages , Sie stockte. Die Tochter fühlte, wie da r s vm . . 1 1 . . 1 1 ! i . r rv8 ucimiici; uc llgrr zuiilooien annna.. die Knie ihr zitterten und ein paar Minuten vergingen, ehe sie die Kraft fand, weiter zu sprechen. Kind, sagte sie mit kaum hörbarer Stimme, ich gäbe den Rest meines Lebens hin. wenn es mir erspart würde. Dir. mei- ; nein Liebling, dies Traurige berichten zu muffen, das noch jetzt, da eö lange gebüßt ist. mich vor mir selbst so tief beschämt. Aber Deine Ruhe hängt daran ; und nicht wahr ? Du wirst es Deine Mutter nie entgelten lasten, daß sie Dir, um Deines ei- -genen Glückes willen, bekannt hat. wie schwach sie war! Eine leidenschaftliche Umarmung wehrteihr, weiter zu reden. DaS Kind bara da. bei ihr Gestcht so fest an der Brust der (TT1- 11 W P 5 w mm . .. luner, oas tyre Augen ncu nicht begeg neten. Ein junger Venezianer kam eines TageS zu meinem Vater der Sohn eines reichen Juweliers, Er hatte einen Creditbrief auf unser HauS, das damals nach außen hin noch im alten Flor'stand. Es war ein schöner Jüngling, mit ziemlich freien; selbstbewußten Manieren, in Allem erfah ren, was eitlen Mädchen gefallen konnte.. Als er mich zuerst auf derStraße sah, blieb er mit einer Geberde der ehrerbietigsten Verwunderung stehen, als ob er einem himmlischen Wesen begegnete. Ich fühlte. was tch noch me gefühlt, eine große Ge fahr, und einen Rausch von Wonne den ich nur Mühsam hinter meinem Fächer verbarg. Doch traf ich noch denselben Abend im Hause meines VaterS mit dem Fremden wieder zusammen. Es dauerte nicht drei Tage, so hatte er mir sein Herz zu Füßen gelegt und lch ihm gestanden, daß er meine erste Liebe sei. Der Vater war nicht im Geheimniß. Aber ich zweifle nicht, daß er den Zustand. .in dem stch mein armeS eitles Herz befand. durchschaute und durchaus nicht mit dieser Wendung der Dinge unzufrieden war. Er hatte nichts dagegen gehabt, die HülfeBeppe's anzunehmen um den Preis meines Lebensglückes. Aben wenn sich's glück llcher traf, wenn er aus seinen mißlichen Verhältniffen besreit wurde durch einen Schwiegersohn nach dem Herzen seiner Tochter, war er sehr bereit, GeschebeneK ungeschehen zu machen und dem . älteren Freunde sein Wort aufzukündigend Nur. als vorsichtiger Geschäftsmann, wollte er Nichts übereilen und reif werden laffen. was ' im Rath des Himmels beschlossen wäre. . Seine unglückliche Tochter war minder klug und vorsichtig. Als ihr heimlich Gesiebter nach sechs wie im Traum verflogenen Wochen Abschieds nahm, um, wie er saate.'krs? die 5i:,siimnin s?Zn,s 91 nt j L) " "I "- J "lIHIMIiy VIIU VHilt . zu erlangen und dann aus Flügeln der' Sehnsucht zu seiner Braut zurückzueilen, blieb ich, obwohl ich noch nicht mein ganzes Elend ahnte, wie eine sür ewig Verlorene zurück; ich schloß mich Tag . sür. Tag in mein Zimmer ein, selbst demVater getraute" ich mich nicht in's Gesicht zu sehen, als -. ' liunoe mir meme Vcymo uno memunglucr an der Stirn geschrieben, und wenn ich den ' Schritt deS Doctor Beppe im'Haüse hörte, durcbbebte mick eine Anast. tnip
w W ----- U V M.W. Rtchter komme, mich mit einem erbar-' mungslosen Blick zu vernichten. - ' (Schluß folgt.) Cardinal Nina hat auf Befehl des Papstes die Nuntiuse jnstruirt.bei d-n verschiedenen Regierungen darauf zu i ringen, daß sie den Socialismus unterdrücken und die Prärogative der Kirche vieder. her stellen. . .. . ' j . . -. '
