Indiana Tribüne, Volume 1, Number 17, Indianapolis, Marion County, 7 December 1878 — Page 6

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Erzählung von Kr. Herstäcker. (Schluß.) VII. Dort angekommen, suchte er aber unver züglich seinen Wirth, den Geheimrath von Pottlitz, auf, um diesem die Begebnisse d?s letzten Abends und heutigen Tages zu er zählen und ihn um seinen Rath zu fragen, vie er sich dabei zu verhalten habe. Der alte Herr hörte im aufmerksam zu, schütleite dabei erst langsam, dann jedoch immer bedenklicher mit dem Kopfe, und sagte end lich, als Herr Hobelmann fertig war und ihn erwartungsvoll ansah: .Hören Sie, mein guter Herr Hobel mann, das ist eine höchst wunderliche (3eschichte, die Sie mir da erzählen. Vor allen Dingen möchte ich Ihnen aber Eins bemerken. Wir habenhier allerdings ein Irrenhaus, eine Privatanstalt, aber eine gute Stunde von der Stadt entfernt und weit 'außerhalb des Droschkenbezirks.' Sind Sie gestern Abend do rt gewesen?" .Gott bewahre sagte Herr Hobelmann, .die Anstalt muß in der unmittelbaren Nähe der Stadt liegen, oder vielmehr in der Vorstadt da drüben. Wir sind keine zehn, .Minuten gefahren, und' ich bin den Weg dann in nicht ganz einer Viertelstunde zurückgegangen." .Und bei wem sagte Ihr vermeintlicher Krankenwärter, daß sie einander gestern Abend in Gesellschaft begegnet wären V .Der faselte von einem Regierungsrath Kettenbork oder Kettenbrock." .Und wer hat Sie in jene Anstalt ringe führt V . Ein junger Mann, ein gewisser Doctor Franz, em Reffe des alten Obermedrnnal rathS. Er nannte ihn auch Onkel." .Und die ganze Gesellschaft haben Sie heut Abend auf der Promenade getroffen? .Die ganze Gesellschaft allerdings nicht aber wenigstens sechs oder sieben Personen davon." .Sollich Ihnen jetzt meine Meinung sagen?" .Ich bitte Sie darum .Gut. Jener Herr Doctor Franz hat sich einen, allerdings ziemlich derben, Spaß mit Ihnen erlaubt und Sie in eine ganz vernünftige, gewöhnliche Abendge fellfchaft gebracht, unter dem Vorwande Sie in ein Irrenhaus zu führen." .Aber das ist nicht möglich!" rief Herr Hobelmann entrüstet aus. .Die Königin von Birma " - .Erlauben Sie mir," unterbrach ihn der alte Geheimrath. .Wir haben hier in der Stadt eine mit Kettenbrocks lehr befreun dete und, wenn ich nicht irre, auch ver wandte Dame,' eine Commerzienräthin Brummer, die in der ganzen Stadt . herumläuft und für die Heidenkinder in Birma Collecten sammelt. Ihre ganze Beschrei dung paßt auf die Dame ausgezeichnet." .Aber das ist ja gar nicht möglich !" rief Herr Hobelmann. .Ebenso sindet sich eine Frau Steuerräthin Fischbach, die dort aus und eingeht und verwandt mit Kettenbrocks ist." .Bei.voller Vernunft ?" .Ich möchte Ihnen weniqstens nicht rathen, sie ahnen zu lasten, daß Sie das Ge gentheil vermuthen." .Aber meine Steuerräthin soll eine im garische Gräfin sein?" .Unsinn! Ihr .Doctor Franz" bat Jhnendas mit dem Uebrigen aufgebunden. Wenn Sie am Ende wirklich gestern Abend unter solchen Auspicien' bei Ketten. brockS in Gesellschaft gewesen wären, so erführ' eS heute die ganze Stadt -und Sie würden zum Gespött der Leute." .Kettenbrocks unmöglich !" sagte Herr Hobelmann; .wie wir auf den Markt kä men, sah ich eine erleuchtete Etage und börte Musik und frug den Dienernder mich geführt hatte, wer' da wohne, und der sagte mir, wie ich mich'M recht genau entsinne, dak ein Ball bei Kettenbrocks sei.". .Dann.begreif' ich nicht,' v oSle wesen fein können," erwiderte kopfschüttelnd der,Grheimrath. '.So viel aber ist sicher in -einer Irrenanstalt' wren &t 1 nicht, sondern bei ganz vernünftigen 'Leuten. Auch wer Sie zur Zielscheibe seines Witzes gemacht, haben kann, ist mir ein Räthsel, denn' soviel ich'weib, kennen Sie ja noch keine Seele in der Stadt." .ES ist ein Bedienter draußen, der den Herrn Hobelmann zu sprechen wünscht !" meldete in diesem Augenblick das Dienst Mädchen, daS den Kopf zur Thür herein, fteckte, Mich?" sagte Herr Hobelmann , er. schreckt. : , .Ja, ich roeib eS nicht," versetzte' das Mädchen -er' frug nach einem Herrn Grafen Hobelmann und zeigte mir die Karte hier." .Das ist von der verrückten Gesellschaft," rief der Advocat bestürzt. .Sie nannten mich dort Graf." .Dann lassen Sie den Diener herein, kommen," sagte der Geheimrath. .Wahr, scheinlich erfahren wir jetzt, woran wir mit der ganzen Sache sind." Dtt Bursche trat ein und überreichte dem die Hand danach ausstreckenden Ge. heimrath ein Papier die Herrn. Hobel, mann nur zu gut bekannte Subscriptions liste vom gestrigen Ball auf der dessen

Autograph unleugbar mit zehnLouisd'or verzeichnet stand. ' . .Haben Sie das geschrieben?" fragte ihn der Geheimrath. .Allerdings," sagte Herr Hobelmann, .aber", .Erlauben Sie einmal," unterbrach ihn jedoch der Geheimrath sich dabei an den Diener wendend, der indessen einen Blei stist aus der Tasche genommen hatte, um augenblicklich nach empfangener Zahlung das veält-Zeichen an die Liste zu -machen .wo war die Frau Commerzienräthin gestern Abend in Gesellschast mein Freund?" .Beim Regierungsrath Kettenbrock," sagte der Mann. .Es war große Gesellschaft dort?" .Ja wurde auch getanzt der junge Herr Franz, der Neffe des alten Herrn, ist vor ein paar Tagen von Amerika zurückgekommen, und da " .Franz?" unterbrach ihn rasch Herr Ho. belmann .ein junger Mann mit einem leichten Schnurrbart und etwas brauner Gesichtsfarbe?" .Gewiß," sagte der Bediente, der mit bei Kettenbrocks aufgewartet hatte, .Sie kennen ihn ganz gut, Herr Graf Sie sind ja gestern den ganzen Abend mit ihm im Saal herumgegangen." Herr Hobelmann wäre fast auf seinen Stuhl zurückgesunken, von Pottlitz aber sagte: , .Der alte Regierungsrath ist sein Onkel und dieses Haus gehörte früher ihm. Erst vor einem halben Jahre etwa habe ich es ihm abgekaust und bin hierher gezogen." .Und der Reffe ist vor zwei oder drei Tagen Morgens ganz früh eingetroffen?" .Ja wohl," sagte der Bediente .er hatte den alten Herrn überraschen wollen, und war erst in ein falsches Haus gekom. men. Die Frau Commerzienräthin er. zählte die Geschichte.". . .Hm," sagte Herr Hobelmann, ganz in Gedanken, indem er eine Visitenkarte aus seiner Westentasche nahm und dem Be dienten vorhielt, .können Sie mir dann auch vielleicht sagen, wer der Herr" ist, deffen Name darauf steht?" ..Sehr gern," erwiderte der gesprächige Bursche .der Herr Hauptmann von Stimbeck sein Bruder hat eine Schwester des Herrn Regierungsraths geheirathet, und die Herrschasten leben in Berlin." .Danke Ihnen," sagte Herr Hobelmänn, indem er 5ie Karte wieder einsteckte und die Subskriptionsliste zusammenfaltete. .Wollen Sie einen Augenblick warten ? ich werde Ihnen ein paar Zeilen für die Frau Commerzienräthin mitgeben." WaS wollen Sie thun ?" frug der Ge heimrath erstaunt. ! .Ich bin gleich wieder bei Ihnen," sagte aber Herr Hobelmann,. und verließ das Zimmer. Nach einigen Minuten schon kehrte er jedoch mit einem kleinen Brief zu. rück, den der Bediente aber noch unschlüs sig in der Hand behielt, denn er hatte den festen Auftrag bekommen, nicht ohne das unterschriebene Geld zurückzukehren. .Die Anweisung liegt in dem Briefe," sagte der Advocat ruhig .meine schönste Empfehlung an die Frau Commerzienrä. thin." .Sie haben das Geld' geschickt?" fragte Herr von'Pottlitz, als der Bediente das

Zimmer verlassen hatte, um zu seiner Herrin zurückzukehren. .Ist mir nicht eingefallen." erwiderte HerrHobelmänn. : Die Frau Commerzienrätbin wird 5nnen kaum Ruhe lasten." .Ich will Ihnen etwas sagen, Herr Ge heimrath," nahm jetzt mit fast feierlicher Stimme . Herr Hobelmann das Wort. .Unsere Geschäfte sind so weit abgewickelt. daß wir das Uebrige recht gut schriftlich icuigen lunncn. .Sie wollen fort ?" .In einer Stunde geht der Schnellzug nach Beklin, und den gedenke ich zu be. nutzen," erwiderte auf das Entschiedenste HerrHobelmänn. .Aber was um Gottes willen .Erlauben Sie mir," unterbrach ihn Herr Hobclmann, ich durchschaue die ganze Sache und bin keinesfalls gewillt, der Gesellschaft hier zum Gespött zu die. nen. Diesen Herrn Franz ttettenbrock kaufe ich. mir vielleicht ein ander Mal, denn er ist derselbe Bursche, der mir aus Versehen neulich Morgens früh in'S Zim mer gebrochen'" .Sie glauben?"-..... .Ich weiß es. gewiß, und der aus Aerger daß ich ihn so hart abgefertigt, mir diesen Strelch gespielt hat. VaS. aber ganz , ab gerechnet, daß ich eine höchst unangenehme Rolle dort gespielt, käme ich, bliebe ich hier. nicht allein in die Verlegenheit die zehn Louisd'or zu .bezahlen, sondern könnte mich auch noch zum Ueberfluß m:t Herrn Hauptmann von Stimbeck schlagen, der die größte Lust zu haben scheint, mir an den Kragen zu kommen." .Aber waS in aller Welt haben Sie mit dem gehabt?" .Nur eine Kleinigkeit, die ich Ihnen aber jetzt nicht: mehr auseinandersetzen kann. denn ich muß meinen Koffer packen." i .Und der Brief an die Frau Commer. zienräthin?" .Enthielt eine Anweisung an Herrn Franz .Kettenbrock vom .Grafen Hobel mann," wie er so freundlich war mich in jener Gesellschast einzuführen, jene zehn Louisd'or für die heidnischen Unterröcke

und Strümpfe auszuzahlen. Ich bin nicht solch ein Esel, mein gutes Geld an derlei Unsinn wegzuwersen." .' .Er wird, sich weigern." '', .Dann mag er es mit der Frau Eom merzienräthin ausfechten. i Ueberdieö war die.Sache ein Betrug, und. ich könnte ihn dafür gerichtlich belangen." .Mein bester Herr' Hobelmann " .Fürchten Sie nicht, daß ich ein solcher Thor bin," sagte aber der Advocat, .Herr Kettenbrock würde die Lacher auf seiner Seite haben. Uebrigens mag er für den Spaß jetzt zehn Louisd'or bezahlen, denn wie i ch die Frau Commerzienräthin ken. nen gelernt habe, glaube ich nicht, daß sie nochgiebt, bis sie das Geld in Händen hat. Ich wollte nur, ich hätte zwanzig unterschrieben." Der Geheimrath lachte; Herr Hobel mann war aber in keiner Stimmung, sich einer gleichen Fröhlichkeit hinzugeben, sondern verließ rasch das Zimmer um stin Gepäck in Ordnung zu bringen, und eine halbe Stunde später zum unbegrenzten Erstaunen deö Dienstmädchens über ic so plötzliche Abreise, das Haus. Er war auch nicht um viel Minuten zu früh ge. gangen, denn gleich nachherkam derBe diente der Frau Commerzienräthin noch einmal, und am spätern Abend erschien ein fremder, militärisch aussehender Herr, der ebenfalls nach Herrn Advocat Hobel, mann fragte, aber jetzt, der Anordnung nach bedeutet werden mußte, daß der Herr auf unbestimmte Zeit verreist sei.'

VIII. .Hör' einmal, Franz," sagte der Regie rungsrath 'Kettenbrock am nächsten Tag zu seinem Neffen, als er mit ihm und sei nen beiden Nichten bei Tische saß, .was ist denn daS für eine'Geschichte mit Deinem Grafen Höbelmann? Ich werde aus dem Allen nicht klug, und die Frau Steuerräthin und Fräulein von Losenbrett, der Hauptmann, Dein - Freund der Doctor, und jetzt sogar auch noch die Frau Com. merzienräthin lausen mir das Haus ein, um sich lheils über den Menschen zu beklagen, theils sich nach ihm zu erkundigen. Die Frau -Commerzienräthin war sogar vor einer Stunde hier und wollte von Dir zehn Louisd'or für ihn haben." .Wirklich ?" lachte Franz..DaS scheint mir ein sonderbarer Kauz zu sein. Wo hast Du ihn denn eigentlich kennen lernen?" ' Ich, lieber Onkel ? ich kannte ihn gar nicht." .Gar nicht ? Du hast ihn doch bei uns eingeführt.". : Franz lachte. .Und der Doctor hat sich auch über, ihn beklagt V .Er war wüthend auf ihn, wollte aber nicht recht mit der Sprache heraus. Ich glaube, der Fremde hat Franzchen mit Etwas beleidigt." ...... .Mein Freund aus dem Nicht'Rauchcoupe scheint sich sehr für mein Väschen zu interesstren, daß er ihre Partei so blind lingö nimmt," bemerkte Franz, während er seiner .Cousine einen Seitenblick zu-warf.-Die beiden jungen Mädchen hatten sich, als Herr .Hobelmann erwähnt wurde, an gesehen und gelacht. Des Betters Worte trieben aber das Blut blitzesschnell in Fränzchen's Wangen. .Better," rief sie aus .ich hätte eigentlich Ursache auf Dich böse zu sein, daß Du uns den fatalen Fremden in's HauS gebracht." . , .Um von etwas Anderem zu reden, nicht wahr?" lachte Franz; wenn ich es aUx nun gethan hätte, um, meine Revanche des Empfanges wegen zu nehmen?" .Das ist er wahrhaftig im Stande ge. wesen, rief Adele rasch. .Jetzt aber möcht' ich nur wisten, Franz, was Du dem Mann für Geschichten von uns weisgemacht hast. Mich .hat dieser Hobelmann gedauert; denn er rannte dermaßen .gegen Alle an, daß er zuletzt Hals über Kopf davonlief." .Und dem Hauptmann ein Trinkgeld in dieHand drückte," lqchteFränzchen, .Aus richtig jetzt gestanden, Better, waS es mit dem. räthselhaften Gast für eine Bewandt, niß hat." , .Wenn Ihr mir Euer Versprechen gebt, daß Niemand außer Euch ein Sterbenswörtchen davon erfährt. .Gewiß keine Silbe," betheuerten hastig die beiden Mädchen. . .Hui, wie hitzig, wo. eS eine pikante Neuigkeit giebt! aber ich habe noch eine Bedingung aufstellen." .Und die ist V , .Daß Sje mir, liebe? Onkel, wie meine beiden schönen Väschen, was ich auch im. mer zu berichten , hätte, nicht böse werden wollen." .Gewiß nicht," - sagten beide junge Damen, und der alte Herr meinte: .Nun sehe ein Mensch die Vorsichtsmaßregeln! Der Junge muß ein bitterböses Gewisten haben."--.DaS hat er auch. Onkelchen," sagte Franz, .und nur durch eine vollständige Beichte läßt sich das Alles wieder gut machen. Dazu kommen Sie aber in's Nebenzimmer, wohin, wie ich sehe, der Kaffee schon gebracht ist. Hier draußen könnte Jemand horchen, und der Gefahr möchte ich mich nicht aussetzen." ; ' Der Regierungsrath schüttelte den Kops, die beiden jungen Mädchen waren aber schon vorausgesprungen und schenkten den

Kaffe ein, und Franz schloß und verrie. gelte hinter'sich die Thür.' Eine Viertelstunde ' später kam die Frau Steuerräthin und. wollte den Herrn Re gierungsrath rntd" die, Damen sprechen. Der Diener sagte aber, daß sie sich beim Kaffee eingeschloffen und da drinnen ent setzlich gelacht hätten. Das natürlich war kein Grund, sich abweisen zu lasten, und die Frau Steuerräthin, jetzt mehr als je entschloffen zu erfahren, was da so merkwürdig Komisches vorgefallen sei, .schickte den Diener hinein sie anzumelden und zu bestellen, daß sie ihnen eine wichtige Mit. theilung zu machen habe. Wenige Minuten später wurde die Thür geöffnet, und der Regierungsrath, mit ei nem dicken rothen Kopf, Thränen noch vom vielen Lachen in den Augen, begrüßte die Frau Steuerräthin mit dem ernsthaftesten Gesicht von der Welt' .Was ist denn vorgefallen ?" rief diese aber gleich .was haben' Sie denn Alle? Sie sehen ja so.echausfirt aus. Worüber haben Sie denn so entsetzlich gelacht ?" .Oh, der Vetter hat uns ein paar so spaßhafteAnekdoten erzählt !" sagteFränz. chen rasch gefaßt. .Dann will ich Ihnen auch etwas Komi, fches erzählen," rief die Frau Steuer, räthin, der ihr Geheimniß auf der Seele brannte. .Wiffen Sie etwas Neues ?" ' .Ist etwas vorgefallen?" riefen die bei. den Mädchen schnell. .Vorgefallen? Ich sollte meinen," sagte triumphirend die alte Dame, .und es betrifft noch dazu Ihren Freund, Herr Franz, den Grasen, für deffen Bekannt schaft wir Ihnen Alle zweifelsohne sehr dankbar sind." .' Aber ich begreife gar nicht" .Wiffen Sie,, was er mir gestern Nach, mittag angethan, hat?" Ihnen, beste Frau?" sagte Franz an scheinend mit großer Theilnahme.

So will iches Ihnen sagen. Einen Polizeidiener hat er mir nachgeschickt einen wirklichen Polize'diener, der mir auf Schritt und Tritt um die ganze Stadt nachgegangen ist, und wie ich endlich mein eigenes Haus betreten habe, ist der unten zu den Leuten hineingegangen und hat sich erkundigt, wer ich wäre, ob ich da wohne und ob ich denken Sie stch diese Scheuß Uchkeit ob es mit mir hier richtig wäre" und die Frau Steuerräthin deu tete dabei in größter Entrüstung auf ihre Stirn. .'. Aber das ist ja doch gar nicht möglich !" rief. Franz, der kaum seine Faffung bewahren konnte. Der Regierungsrath war aber nicht im Stande an stch zu halten. Erst wurde sein Gesicht immer röther und dicker und' die Augen traten ihm aus .dem Kopf, endlich aber litt es ihn nicht länger und er platzte geradeheraus, während die Frau Steuerräthin ärgerlich sagte : Ja, Sie haben gut lachen, aber wiffen Sie denn, daß wir Alle in großer Gefahr gewesen sind " Gefahr ? wie so ?" frug Franz, auf die Erklärung gespannt. Der Mensch war verrückt" sagte die Frau Steuerräthin. Der Graf Hobelmann ?" ' Erstens war es gar kein Graf," rief die rtDame mit Schadenfreude, .sondern ein ganz gewöhnlicher Advocat Hobelmann aus Schlesien ich'habe Alles herausbe. kommen und Sie, Herr Franz, ließen sich von einem plumpen Betrüger dupiren. Daß aber auch in seinem Gehirn nicht Alles in Ordnung sei, habe ich ihm den Augenblick angesehen." .In der That?" sagte der Regierungs rath und trocknete sich die Thränen aus den Augen; .aber wiffen Sie das auch bestimmt, Frau Steuerräthin ?" Wiffen ? gestern Abend noch spät ist er plötzlich von ein paar Leuten wahr scheinlich den Aufsehern einer Irrenanstalt, abgeholt und auf die Eisenbahn geschafft worden," sagte mit gemessener , Stimme die Dame, und sah sich dabei rings im Kreise um, um das Erstaunen über diese Nachricht einzuernten. Er ist fort ?" rief aber auch Franz Ket tenbrock, von dieser Neuigkeit in der That ganz angenehm überrascht. Gestern Abend mit dem Schnellzug eben habe ich es aus ganz sichererQuelle erfahren und zwar fortgebracht unter Begleitung." Aber, beste Frau Steuerräthin," sagte Franz mit vorwurfsvoller Stimme wenn der arme Mann mit einem so un seligen Leiden behaftet war, sollten wir doch eigentlich eher Mitleiden ' mit ihm haben." ,,Mitleiden - wie 'so" rief aber die Dame, und glauben Sie etwa, daß er der Commerzienräthin das unterschriebene Geld gegeben hat Gott bewähre ; ' reine Großprahlerei war eS bic1 reine, blanke Grobprahlerei!" .. , ' .Tie armen Heiden . in Birma werden sich jetzt ohne wollene Socken behelfen müssen," sagte der Regierungsrath. Das schmerzt mich eigentlich am wenig, sten," meinte die Frau Steuerräthin, in dem sie ihren Sonnenschirm wieder auf griff. . .Sie wollen schon fort ?" frug Adele. .Ich habe noch etwas bei Fräulein von Losenbrett zu besorgen," 'erwiderte die Dame, bie fest entschlossen war, die Neu. igkeit eigenhändig bei allen Betreffenden herumzutragen. Sie ließ stch auch nicht einmal durch das Anerbieten einer Tasse

Kaffee halten,'und brach gleich darauf auf, ihren Rückmarsch anzutreten. - Der Re. gierungsrath wandt: sich aber, als sie fort war, an seinen Neffen und sagte, mit dem Finger drohend : .Den bist Du diesmal zur rechten Zeit los geworden, mein Junge. Wenn ich Dir aber rathen soll, so mach' Du mich nicht wieder zum Obermedicinalrath, und wenn es nur der gesundheitschädlichen Folgen wegen wäre." .Wenn ich Ihnen nun aber den jungen Doctor Helmerdiek zum Famulus gäbe ?" lachte Franz, mit einem Blick auf die er röthende Cousine. .Den," sagte der alte Herr mit freund. lichemErnst .will ich doch lieber noch etwas genauer kennen lernen. Denn diesen Fa. mulus möchten wir nicht wieder so leicht los werden, wie den Herrn Grafen Hobel, mann."

Jetzt stnd acht Jahre seit jener Zeit ver flössen, und in der zweiten Etage deffelben HauseS mit dem Regierungsrath w'hnt der Herr Medicinalrath Helmerdiek, und nennt den alten Herrn .Schwiegerpapa." Franz aber ist ebenfalls nicht, wie es früher seine Abstcht war, nach .Havana zurückge. kehrt, sondern hat das Eckhaus der Kreuz gaffe und Neuen Straße an sich gekaust, und zwar mit den beiden Häusern rechts und links, in denen einst der Kupfer und Blechschmied hämmerte, und seine kleine Frau, Adele, behauptet, daß es sich dort vorzüglich wohnen laste. Vom .Grafen Hobelmann" haben sie aber nie wieder ein Wort gehört. ' Kumorilisches. Von dem berühmten Berliner Arzte Heim erzählt man sich .folgende artige Anekdote.' Eine an Kopfweh leidende Dame befragte nämlich Heim, ob sie wohl ein ihr angerathenes .Hausmittelchen" ge. gen den Kopfschmerz gebrauchen solle, nämlich den Kopf mit Sauerkraut zu be. legen. .Ganz gut," erwiederte der alte Arzt sehr ernsthaft, .nur dürfen Sie ja nicht vergessen, eine Wurst oben darauf zu legen." Der Gebrauch des editoriellen .wir" ist im Süden sehr verbreitet, wie aus fol gender,dem Paris (Teun.) .Jntelligencer" entnommener Bemerkung erhellt : .Wenn wir, diese Saison der Schweine, cholera entgehen, werden wir nächsten Winter Ueberfluß an Schweinefleisch haben." ' ' A. Aber Herr Doktor, ich habe gestern in Ihren Gedichten, die Sie von. geS Jahr haben drucken lassen, etwas aus gezeichnet Pikantes gefunden ? Dichter: Ah, das freut mich aber sehr. Darf ich mir die Frage erlauben, was es war? A. Es war ein ausgezeichneter Schwei zerkäsl Ein Fürst fragt einen alten harthöri gen Edelmann nach dem Befinden seiner Gattin. Der Edelmann . welcher gerade an der Grippe litt und glaubte, der Fürst fragte nach seiner Krankheit, antwortete : Ach Durchlaucht, mit dieser Plage muß ich leben und sterben. Am meisten quält sie mich des Nachts ! In Paris wurde unlängst einPhotograph geholt, um einen Verstorbenen zu Photographiren. Er giebt der Leiche die gehörige Lage, richtet dann seinen Appa. rat und als er die Matrize in dasselbe steckt, ruft er, wie er eö schon' bei Auf. nahmen gewohnt ist, aus: .Bitte, stch nicht zu bewegen." Pfarrer: Amei, sag mir, welches ist das wichtigste Sakrament ? Amei: Die Ehe. Pfarrer : Du weißt doch, ich habe es wenigstens schon oft gesagt, daß die Taufe das erste und wichtigste Sakrament sei. Amei : Jo'. Herr Pfarrer, taufet Se, wenn fe keine Kinder hent.. Pfarrer : , DuHannes, sag mir, wo ging Christus hin, als er dreißig Jahre alt war'i Hannes: Ins oinundreißigst !. Herr Pfarrer. ' . Ein Urtheil überEngland. Als -Voltaire von seiner Reise nach Eng land zurückkam und in Paris nach seinem Urtheil über England 'gefrag: wurde, gab er zur Antwort : "..Ich fand dort achtund dreißig Religionen und nur eine einzige Sauce!" f " In Stettin kam ein Droschkenkut. scher von'der ReichötagS.Wahl nachHaüse. Seine.Frau kragte ihn : .I nun, Alter, wen hast Du denn in den Reichstag gewählt V 5 . - .Det' meß ich n ich, Olle," sagte er. .I, Du'mußt doch wiffen, . wen Du ge. wählt hast.", . ' ' " ;; ; : .Ja freilich, erwiderte er, .det war frei, lich früher so, bei det preußische Abgeord. netenhauS, aber nu iS det nich mehr so. Damals war noch die offenbare Abstim mung. Aber jetzt beim Reichstag is - et geheim. Da bekommt man' einen Zettel von R. in die Hand. .. Den darf man nich uffmachen und mukjhn so,' wie man gekriegt hat, am Wahltisch abgeben. Det ls det allgemeine geheime Stimmrecht'und da kann ich nich wiffen, ob ich sür Kappen gestimmt habe oder Schlutown.

Praktisch. . Wie ich so neulich wieder an einem Vormittag ausgegangen bin, sällt mir ein, daß auf der andern Seite des La Plata ein Jndianerstamm sein muß, den zu be kehren, ich mir schon längst vorgenommen habe; gedacht, gethan, ich mach' mich auf

denWeg. ' ' Ich bin noch kaum eine halbe Stunde gegangen, wer kommt mu entgegen 5 der Häuptling von dem bewußten Jndia nerstamm mit einigen seiner Weiber; er grüßt mich, ich danke ihm natürlich, und , rag' ibn, ob ich gelegentlich gleich wegen ' seiner Bekehrung anfangen kann. Den Augenblick sei es ihm nicht möglich,. aber wenn ich so Nachmittags zwischen 2 und 3 kommen wollte, so würde er mich er warten, ich sete daher, mich empfehlend. meinen Spaziergang fort. ' Nachmittags erwartete er mich in seinem Wigwam; ich begann gleich mit meiner mir angeborenen Begeisterung für alles Christliche und brachte ihn, ohne auf irgend einen Widerstand zu stoßen, zu vollkom. mener Meinungsgleichheit mit mir, so zwar, daß er auch versprach, sürderhin nur mehr Ein Weib zur Gemahlin zu' habend Als ich so meine Misston glücklich been. det hatte, war der Häuptling so galant. mir zu Ehren ein eigenes Bekehrungösest zu arrangiren. Die diversen Speisen mundeten mir vortrefflich. Das bemerkte die Gemahlin des Häupt lings und sie reichte mir noch einmal eine duftende Bratenschüssel. '. 2ch griff wacker zu, nicht ohne ihr daS Compliment zu machen, daß der Gemahl wohl wußte, wenn er sich zur einzigen Lebensgefährtin wähle ; und unwillkühr. lich fragte ich, was der Häuptling mit den anderen Weibern gemacht habe ? .Die essen Sie ja gerade!" antwortete das Weib und legte mir noch ein Stück Braten auf den Teller. T heaterdirectorundSchau spiel er. Ueber eine.Szene, die sich in dem Städtchen Hanover zwischen einem Schauspieldirector und seinen nicht bezahl, ten Schauspielern abspielte, berichtet der Baltimorer Correjpondent: Harry Leo nard (erster Held und Liebhaber, naht sich dem Direktor, der aus dem Perron auf und nieder schreitet) : .Herr Direktor, wir haben seit drei Wochen keine Gage mehr erhalten, während Sie fortwährend gute Geschäfte machten. WollenSie so freund, lich sein, uns die Beträge, die Sie unö schulden, zu zahlen ? Direktor Boughton : .Wer hat Ihnen gesagt, daß ich gute Geschäfte mache?' Aas G:schäst geht miserabel, ich verarme dabei." Harry Smith (Komiker und Negerdar steller): .Sie denken doch nicht, daß wir DaS glauben sollen? Ueberall, wo wir austraten, war das Haus voll." ' Boughton : .Freibillete, mein Lieber l Sie wiffen gar nicht, wie viele Freibillete ich ausgeben muß." Mary Leberthran (erste Liebhaberin) t .Sie lügen, Direktor, Sie lügen ganz schändlich! Erst vor einer Woche hebe ich Sie um ein Freibillet für meinen Gelieb ten ersucht)' und da haben Sie mir gesagt, daß Sie niemals Freibillete ausgeben. Sie sind ein Lügner, ein Schwindler, ein Betrüger! Ich spiele nicht mehr mit." Harry Leonard und Harry Smith : .Wir auch nicht." William H. Poung (Jntriguant und Bösewicht) : .Ich will mein Geld ! Ber. stehst Du mich. Du Schurke von einem Theaterdirektor? Wenn Du nicht zahlst, so zittere vor meiner Rächet" L. Browning (brummiger Vater) .Ver. hauen wir den Kerl, daß ihm die Schwarte kracht !" ' . y Und Liebhaber und Liebhaberin, Komi ker und brummiger Vater, Jntriguant undBösewicht fielen über den Temperenzler undTheaterdirektor her und versohlten ihm das Leder. Dann riefen sie ihm )u : .Du bist genug gestraft, seht kannst Du gehen." Und er ging rechts, und die Mimen gingen links. Und feitdem haben sie sich nicht k wieder gesehen, und die Einwohner von Hanover warten noch heute aus die erste Aufführung - deö lehrreichen Schauspiels : Tn Nights in a bar-room. Die '.G ar ten läub e", das' bekannte illustrirte Familienournal, ent. hält einenAuffatz über einenBogel, der ein unbegreiflichesWunder ist. Es heißt näm. lich : ' 'Dlefer' Vogel legt nür ein Ei, welches ''vollkommen so groß wie ein ge' wöhnlicheS Enten-Ei und von rothbrauner Farbe ist ; die Größe deS Vogels übersteigt nicht die einer Taube oder eines kleinen Rebhuhns'." Reben aufrichtiger Beglück wünsaung des Redakteurs, des Setzers und des Korrektors, welche durchaus keinen Anstand daran nehmen, daß ein Vogel wie ein .kleines" Rebhuhn es fertig bringt,, wenn nicht stch selbst, so doch sein Ei zur Größe desjenigen einer Ente aufzublähen, darf der dringende Wunsch ausgesprochen werden, daß ein solcher nutzbarer Vogel sich recht bald in Europa acclimatisire, und die naturkundige Redaktion der .Garten laude" wird gewiß gern die fachgemäße Vermittlung zu diesem Endzwecke übernehmen. -