Indiana Tribüne, Volume 1, Number 16, Indianapolis, Marion County, 30 November 1878 — Page 4

4

Jndiana Tribüne u

Mana Hribüne.

(Wochenblatt.) E- V- Ll'zws Redakteur. Office: Ecke Circle u. Meridianstr. ' Jm dritten Stock ) AbonnementsPreise. In der Stadt durch Träger in HauS geliefert Per Monat .20 Cents. Per Zahl im Voran 12.00 Per Nummer - 5 Cent. Lou'ö P. Hild, Herausgeber. Indianapolis, Ind., den 30. Novbr. 1373. DäS Begnadigungsrecht. Das schönste Prärogativ der Machti gen der Erde ist zu allen Zeiten und bei allen Völkern das Recht gewesen, verurtheilte Verbrecher zu begnadigen oder das ihnen zuerkannte Strafmaß zu mildern. Die unerbittliche, weder rechts noch links schauendeJustiz wurde durch diesesHoheitsrecht vervollständigt und ihrer Schärfe in den Fällen beraubt, in welchen sie nach dem Buchstaben des Gesetzes wicht anders urtheilen konnte, die Strafe aber in An betracht der näheren Umstände, unter welchen die strafwürdige That begangen wurde, eine zu harte, zu grausame war. Durch das Begnadigungsrecht behielt zwar die Gerechtigkeit ihren unantastbaren Charakter, es wurde aber auch dem Menschlichkeitsgefühl und der Theilnahme mit dem unglücklichen Verurtheilten Rech, nung getragen. Es diente gleichzeitig zu einer Wahrung der Integrität des Gesetzes und zu Anwendung verdienter Milde. In unserer Republik str.d die gewählten obersten Beamten der einzelnen Staaten da, wo die Staatsverfassunen nicht an. ders bestimmen, mit der Ausübung des Begnadigungsrechtes betraut und zwar lediglich in der Voraussetzung, daß diese königliche Machtbefugnis mit Mäßigung und äußerster Gewissenhaftigkeit ausgeübt -wird. In einigen Staaten gebrauchte man die Vorsicht, dem Staatsoberhaupte ein Collegium beizugesellen, welches die Zweckmäßigkeit und Zulässigkeit einer Begnadigung zu untersuchen hat und nach deren Beschluß derGouverneur zu handeln verpflichtet ist. Anders bei uns in Indiana. Hier liegt daS Begnadigungsrecht ausschließlich in derHand und im freien Willen des Gouverneurs und ist er Niemanden Rechenschaft über seine Handlungen schuldig. Wie hat Gouverneur . Williams dieses herrliche Vorrecht ausgeübt? Eine Antwort hierauf ertheilt uns die Liste der von ihm begnadigten Verbrecher. Es ist eine lange Liste; der Gouverneur geizte nicht mit seiner Gnade, aber die Verurtheilten, denen sie zu Theil wurde, repräsentiren eine solche Sammlung von menschlichen Scheusalen, ein solches Asior timent niedrigster, strafwürdigster Verbrechen, daß die wenigen Fälle, in welchen die Begnadigung einen derselben nmrdi gen Unglücklichen traf, vollständig in der Masse verschwinden. Der Gouverneur Williams hat durch seine Begnadigungs schwäche die Justiz in Jndiana lahmgelegt, er hat die Kriminal.Prozeßverhandlungen zu elenden Komödien, die Urtheile zu lächerlichen Dokumenten herabgewürdigt und im Volke das Gefühl wachgerufen, daß die Gerichte überflüssig, ibre Kosten hinausgeworfen sind, da der Gouverneur ja doch die Sentenzen umwirft und die Verbrecher wieder auf die Menschheit loslaßt. Die hierdurch hervorgerufene Mißstimmung hat so weit Platz gegriffen, daß ernstlich der Plan besprochen wird, die nächste Legislatur mit der Frage zu be schästigen. ob dem Gouverneur von Indiana daö Begnadigungsrecht ferner noch discretionär belasten werden, oder ob eine Abänderung der Staatsverfasiung dem Volke zur Abstimmung vorgelegt werden soll, wodurch dieses herrliche Prärogativ dem obersten Beamten des Staates zur Verhütung von Mißbrauch entzogen wird. Soweit hat es Blue Jeans mit seiner schwachköpfigen Handlungsweise, seiner Zugänglichkeit und seinemMangel an eigenem Urtheil gebracht. Unter seiner Ver waltung droht das Rechtsbewußtsein der Staatsangehörigen wan'kend zu werden, die Justiz zur Karikatur herabzusinken und Jndiana sich zum Eldorado für die Ver brechermelt zu gestalten, wenn nicht das Volk selbst die Handhabung in die eigene Hand nimmt, und um das beleidigte Gesetz zu rächen selbst Akte der Gesetz, losigkeit begeht. Afghanistan. Ein Kampf im fernen Osten zieht jetzt die Aufmerksamkeit der civilistrten Welt auf sich, weil er berufen zu sein scheint, eine alte Fehde zum Austrag zu bringen und zu entscheiden, welche von zwei Großmäch ten die Suprematie in Asien erlangen soll. Rußland und England, welche in der alten Welt mit schlecht verhehlter Rauflust den Frieden bewahrten, werden in Asien aneinander gerathen, so wie es dazu kommt, daß sie dort unmittelbare Nachbarn werden. Vor einem halbenSäkulum trennten noch weite Länderstriche die Nebenbuhler. Durch (inzlands Erwerb des Pendschab

und durch die erfolgreichen Feldzüge des Generals Kaufmann in Turkistan, sind die beiden Mächte sich so weit entgegen vorge drungen, daß nur noch Afghanistan ste scheidet. Die Hauptstadt des westlichen Afghanistan, Herat, wird als der Schlüssel Indiens angesehen; um seinen Bentz wird sich schließlich der Entscheidungskamps drehen. Shir Ali, der Beherrscher Afgha nistans und Sohn des .streitbaren Dost

Mohamed, welcher den Engländern so viel zu schaffen machte, hat die englisch-indische Regierung zur Kriegserklärung gezwun gen, indem er einer englischen Gesandt schast die Reise nach Kabul verbot, dage gen eine russische Gesandtschaft mit allen Ebren empfing. Bis jetzt hat Rußland noch nicht offen Partei für Afghanistan ergriffen; dagegen leistet es diesem allen Vorschub und zeichnete es noch kürzlich den Emir Shir Ali .durch Ueberreichung eines Ehrensäbels aus, welchen General Kaufmann mit einer sehr bezeichnenden Anrede der afghanischen Gesandschast in seinem Lager überantwortete. Was Rußland im türkischen Feldzug anstrebte, der Weg nach Indien über Constantinopel, wurde ihm von der europäischen Diplomatie am grünen Tisch in Berlin verlegt. Es ver sucht jetzt den zweiten, ihm offenstehenden Weg, aus dem Herzen West-Asiens über Afghanistan nach Lahore und Delhi. In dem sich vorbereitenden Kampfe kannRußland nichts, England aber seine halbe Weltmacht verlieren und ist insofern der Kampf ein ungleicher. Afghanistan zerfiel früher in mehrere Reiche, welche erst unter Dost Mohamed zu einem Ganzen vereinigt wurden. Sein Sohn Shir Ali ist noch nicht in ungestörtem Besitz des Ganzen, denn noch leben Thronprätendenten, welche gerechte An sprüche auf daS ihnen geraubteErbe haben. Der legitime Erbe von Herat, Jskenver Khan, suchte und fand Zuflucht und Schutz in Rußland und ist in die russische Arme eingetreten. Rußland, welches als guter Diplomat die Vortheile kennt, zwei Sehnen an seinem Bogen zu haben, vermag durch die im Hintergruud drohende Einsetzung Jskender Khans in das Erbe seiner Väter einen Druck aus Shir Ali auszuüben, welcher diesen den russischen Wünschen dienstbar machen muß, selbst wenn er sei nen Frieden mit den Engländern machen wollte. Gelingt es indeffen den Englän dern, den westlichen GrenznachbarnAfgha nistans, Persien, in ihr Jntereffe zu zieher so wäre das momentaneUebergewlcht Rußlands gewaltig gestört. Afghanistan ist in den Theilen, in wel chen der Kampf zunächst entbrannt ist, sehr gebirgig und rauh. Ein Winterfeldzug ist dort kaum denkbar, aber der Besitz von Kabul, welches auf diesem Wege in kurzer Frist zu erreichen ist, verlockt zu sehr, um nicht die Schrecken einer Wintercampagne abzuschwächen. Herat werden die Engländer um jeden Preis zu' erreichen trach ten, obgleich der Kampf längst entschieden sein wird, bevor sie so weit westlich vorge drungen sein werden. Die Hauptstadt des südlichen Afghanistan, Kandahar, wird keine Rolle in dem Kampfe spielen, da sie keinen Schlüffel zu irgend einer wichtigen Stellung bietet. Große Erwartungen kleine Resultate. Mit großen und meist sanguinischen Hoffnungen begonnene Unternehmungen, welche ihren Ursprung einer flüchtigen Be geisterung oder dem Phantasie-Reichthum eines Enthusiasten verdanken, nehmen fast in der Regel einen Fortgang, der an das Aussteigen einer Rakete erinnert; zischend, sprühend geht sie in die Höhe, ibre Bahn durchläuft sie immer langsamer, und schließlich verpufft sie. Wir haben in letz.' ter Zeit einige derartige Beispiele erlebt deren Verlauf die Wahrheit des Borste, henden bestätigt. In Deutschland wurde inmitten der Begeisterung, in welcher die Nation nach glücklicher Beendigung des französischen Feldzugs schwebte, die Er richtung eines NationalDenkmals auf dem Niederwald bei Bingen beschaffen. ES sollte ein großartiges, weit in den gesegneten Rheingau und in die, vor dem Erbfeind bewahrt gebliebenen Lande leuch tendes Monument errichtet und die Bau fonds durch eine National-Subscription aufgebracht werden. Die Beiträge flössen reichlich: doch bald stockte der Opfereifer mehr und mehr; man ist jetzt fchon dazu übergegangen, die deutschen Gymnasien zu Collekten aufzufordern "und schlägt dieses fehl, so wird, man noch in niedere Kreise herabsteigen müffen. Hier bei uns spielte sich ein ähnlicher Vorgang ab. Unter dem frischen Eindruck des HinscheidenS unseres berühmten und verdienten Mitbürgers, - des Senators Morton, bildete sich am Tage seines Be gräbnksseS ein Comite zur .Errichtung n gend einer großartigen Stiftung zu Ehren des illustren Todten. Zahlreiche Notabeln unterzogen sich der Arbeit, die Errichtung von Sub-ComiteZ in allen Theilen der Union zu veranlassen, prominente Staatsmänner und Gelehrte arrangirten Vorlesungstouren und machten auf diese Weise Propaganda für den beabsichtigten Zweck. Die Idee zündete wie Stroh, verbrannte aber auch eben so rasch und heute ist die Asche schon kalt, der letzte Funken erloschen. Man hat kaum so viele Cente aufgebracht, als man Dollars aufzubringen hoffte.

Das großartige Mausoleum ist zu einem bescheidenen . Denkmal zusammenge schrumpft und selbst deffen Ausführung ist noch 'nicht einmal sicher gestellt. Zum Teufel ist eben der Spiritus und das Phlegma ffi geblieben. Nicht viel anders geht es mit einem an deren Projekt, welches vielen unserer spe ziellen Landsleute am Herzen liegt, dem deutschamerikanischen Lehrer Seminar, als die Idee der Errichtung eines solchen zuerst in einem unternehmenden Kopse ent sprang, begeisterte sich sofort eine Anzahl warmherziger Gesinnungsgenoffen für dieselbe, der Ball wurde ins Rollen gebracht; man versuchte eine Summe aufzubringen, die wir, und viele Andere, für durchaus unzureicherd hielten um ein Achtung ge bietendes Werk zu schaffen. Aber selbst diese niedrig gegriffene Summe wurde trotz aller Begeisterung, trotz übermenschli cher Arbeit der Väter der Idee und ihrer dafür gewonnenen Agitatoren, bei Weitem nicht aufgebracht und man kann wohl sa gen, daß der fehlende Theil jetzt auch nie mehr aufgebiachi werden wird. Der Spiritus ist eben zum Teufel. Anstatt .eines selbstgändigen Instituts mußte das deutsch, amerikanische Lehrerseminar sich als Appendix einer bestehenden Lehranstalt an schließen; sie öffnete ihre Aula und es fanden sich aus der ganzen amerikanischen Union a ch t Schüler zu den Füßen der alma mater ein. So traurig dieses Re sultat ist, und so sehr wir es im Jntereffe der Gründer bedauern, die so große ErWartungen hegten, müffen wir uns doch darauf gefaßt machen, daß es noch schlim mer kommt. Wir sehen in dieser Hinsicht pessimistisch in die Zukunft und halten da für, daß unsere Jetztzeit nicht opferbereit und nicht verständnißvoll genug ist, um derartige großartige Unternehmungen auch nur einigermaaßen stcher zu stellen. In den Vereinigten Staaten gilt der Erfolg als Maaßstab für das Zeitgemäße eines Unternehmens ; bleibt er aus so heißt es : Pariuntiir montes et nascetur ridicuIns rnus.

(Correspondenz der Tribüne") Washington, 28. Nov. Verschiedene der Comites hielten bereits Sitzungen ab, um Vorbereitungen zu den Arbeiten zu treffen, welche der am Montag zusam mentretende Congreß ihnen überweisen wird,, doch zeigte sich der altgewohnte Mangel an Interesse seitens der Comite Mitglieder, da nur in wenigen dieser Sitzungen eine beschlußfähige Anzahl er schien. Die bereits allbekannte Prahlerei der Comites, mit den Vorarbeiten für das Budget schon so weit zu sein, daß die Vorlagen noch vor den Feiertagen an das Haus gelangen würden, sind wir schon, seitdem das demokratische Reform"Geschrei ertönte, gewohnt, und ebenso auch, daß regelmäßig erst spät im Frühjahr die betreffendenVorlagen so weit fertig waren, daß sie zur Berathung gelangen konnten. Deßhalb ist auch diesesmal den Versicherungen zeitiger Inangriffnahme des wich tigsten Geschäfts wenig Glauben beizu meffen. Eines der wichtigsten Thematas, welches von der letzten Session in die bevorste hende übergeht, ist die Bill zur Unter stützung des Baues der Texas Pacific Bahn, zu deren Berathung vom letzten Congreß der erste Mittwoch der diesjähri gen Sitzung anberaumt wurde. Die Bill beantragt eine Zinsgarantie von h für das Baukapital. Welche Garantien und Vortheile als Gegenleistung angeboten werden, habe ich Ihnen schon in meiner vorwöchentlichen Correspondenz des Nähe ren mitgetheilt. Das Bestreben der Cen tral-PacificBahn, den Verkehr zwischen den beiden Oceanen als Monopol für sich allein auszubeuten, hat eine Stimmung hervorgerufen, welche dem neuen Unter nehmen sehr günstig ist, und hat aus vielen, demselben bisher wenig geneigten Congreßmitgliedern, Anhänger undBefür worter der Texas-Pacific-ahn gemacht. Wohl Jedermann theilt die Ansicht Secretair Evarts', daß dieMonate zwischen derNomination derPräsidentschaftsCandidatur und dem nächsten November die einzige Zeit, sind, welche wir dem Werke einer hitzigen Wahlcampagne widmen können. Bemerkenswerth ist der Umstand, daß die in vollem Gang befindliche Discuti rung der Zweckmäßigkeit, General Grant alsNachfolger desPrästdentenHayeö aufzustellen, von Demokraten ins Leben gerufen wurde. Es bedarf wohl keiner außeror dentlichen Anstrengung des Gedächtniffes um sich zu erinnern, daß jene Personen und Zeitungen, welche Grant die Absicht zuschreiben, unsere Institutionen umstürzen und eine Militär Diktatur errichten zu wollen, ganz dieselben sind, welche am hitzigsten für die Zertrümmerung der Re publik und für die Errichtung einer, auf daS Sklaverei Institut gestützten Oli garchie fochten. Wir wissen recht gut, wie General Grant diese Leute und Zeitungen Lügen strafte, indem er geräuschlos aus dem Amte schied, welches nach ihm Prä sident Hayes übernahm. Ebenso wissen wir nur zu gut, daß dieselben Personen, welche die alte Geschichte von, Grants be absichtigtem Staatsstreich austischten,lunp den von ihm gevlanten Cäsarismus ve kündeten, ganz dieselben .sind, welche zu ihrer eigenen unauslöschlichen Schande am lautesten dem Poffenspiel zujubelte!!,

wtlches mit dem Stimmrecht am 5. Nov.

lm Süden getrieben wurde. Ebensowenig entging es der Beobachtung daß dieselben Personen verantwortlich sind für die teuf lischen Mordthaten und die Schreckens Herrschaft, welche die südliche Demokratie schändeten seitdem es ihr gelang, die Con trolle des Landes den Händen einer sried lichen Majorität zu entwinden und einen Zustand zu schaffen, der unendlich viel schlimmer ist, als je die gesetzlich zu Recht bestehende Sklaverei war. Der wieder eröffnete Krieg der gesetzwidrigen Schnappsbrenne? mit den Zollbeamten zeigt deut lich, auf welchem durchlöcherten Boden die südlichen Gelübde" fußen und worauf die Politik der Regierung sich stützen soll. Diese "Outlaws" folgen den Instruktionen und dem Beispiel der großen Bieder manner", welche jene Gelübde ablegen und es ist ein trauriges Gefühl mit welchem man jenen Gesetzesübertretern zu Leibe rückt, während ihre Verführer und Hetzer als Gouverneure hoch in Ehren stehen, als National-Repräsentanten Sitze im Con greß einnehmen, und ungestraft, für die Justiz unerreichbar, eine verbrecherische Thätigkeit entwickeln. General Sherman bezeugt die ernste Absicht, dem General Sheridan in deffen Controverse mit Secr. Schurz Beistand leisten zu wollen. Wenn auch Sheridan und seine Offiziere in ihren Anschuldigun gen gegen die Geschäftsführer der Jndia nerAgenturen über daS erlaubte Maaß hinausgegangen sein mögen, so theilt man doch ihre Ansicht, daß Vieles in diesem Departement nicht ist, wie eS sein sollte, und eine ernste Rüge verdient. Göitorielle ISlolizerx. In England macht der Krach noch immer Fortschritte und zieht eine große Firma nach der anderen in seine Umar mung. Die neuesten an der Börse bekannt gewordenen Fallimente sind die der Ge treibe- und Mehl Spekulanten Henry Taylor & Sons mit 6& Millionen Dollars, und des Hauses Smith Fleming k Co. mit U Millionen Dollars. Wenn die Engländer etwas thun, so thun sie es ordentlich, selbst das Bankerottmachen. An anderer Stelle dieser Nummcr findet der Leser einen Artikel über ZuckerVerfälschungen, welcher eine sehr wichtige Angelegenheit in klarer Weise bespricht. Anknüpfend au das darin Gesagte beken nen wir uns zu dem Empfang einer in New Bork gedruckten, angeblich von einem Zucker-Arbeiter" verfaßtenBroschüre über die Frage: soll der Zucker nach seinem Werth verschiedenartig, oder lediglich nach dem Gewicht gleichmäßig besteuert werden? Der Verfaffer verficht die erstere Ansicht und führt triftige Gründe dafür ins Feld. Der Import ordinären, gelben oder brau nen Zuckers zum Zweck des Raffinirens ist außerordentlich groß, und hat die Rasfi nerie zu einem Geschäftszweig gemacht, der enormes Kapital in Anspruch nimmt und 40,000 Menschen Unterhalt gemährt. Wird der Zuckerzoll gleichmäßig von allen Graden und nur nach dem Gewicht erho ben, so zahlt es sich nicht mehr, die gerin genGrade zu importiren und zu raffiniren, weil alsdann der daraus fabrizirte feine Zucker nicht mehr mit dem direct importirten fertigen conkurriren kann. Die Agitation zu Gunsten einer Gewichtsbcsteuerung soll von östlichen Kapitalisten ausgehen, welche entweder schwere Hypotheken auf kubanischen Zuckerplantagen stehen haben, oder selbst Theilhaber oder Besitzer von Plantagen sind. Ein Zusammen brechen der heimischen Rasfinir-Jndustrie würde dielen mächtigen Ring gerade in den Kram paffen. Der Kampf auf diesem Gebiete verspricht heftig und interessant zu werden. Der Kabeljunge hat wieder einmal einen gelungenen Streich verübt, indem er herüber meldete, daß ein Bürger von Oshkosh, Wisconsin, Namens Adam Haber, in Deutschland wegen Majestäts Beleidigung verhaftet, und zu fünf JahrenZuchthaus verurtheilt worden sei. Sämmtliche deutschen Zeitungen brachten die Nachricht, die größere Mehr zahl verarbeitete sie in Leitartikeln, in welchen die deutsche Regierung im Allge meinen und Bismarck im Speziellen sehr schlecht wegkamen. Besonders zeichnete sich die soziale Preffe durch vortreffliche Verarbeitung des ihr so sehr paffenden Themas aus. Die allgemeine Entrüstung über diese schnöde Behandlung eines ame Manischen Bürgers seitens der reactionä ren Gewalten in Deutschland drang bis zu Sekretär Evarts, und forderte dieser von unserem Gesandten in Berlin, Bayard Taylor, einen Bericht über den Vorfall. Während exaltirteKöpfe schon von einem scharfen Notenwechsel zwischen beiden Kabinetten träumten und im Hintergrunde die amerikanische Flotte schon nach deut schen Meeren dampsen sahen, traf wie der Wisconsin Telegraph" aus Oshkosh berichtet, Herr Adam Haber am vorigen Samstag frisch und munter in seiner Hei math Neenah bei Oshkosh ein und ist höch lichst erstaunt darüber, daß er ein so weitberühmter Mann geworden ist, indeffen er auf dem Ocean seiner neuen Heimath zu fuhr. An der ganzen Geschichte ist nicht ein wahres Wort und wenn man den Verüber der Ente ermitteln könnte, würde ihm eine schöne Druck und Papierrechnung präsentirt werden können.

84

85. 84 Farmers Store

Wied eröffnet. S!ÄlaÄ " w fftrirf' welch' IWÄIÄ Dr Lad.n ist d hellste i d.r Stadt. Wir ,u besuchen. 84 st-Wasbington-Straße

irrn

ee GMWmcheV

No. 23 Süd Jllinois-Straße. Occidental Hotel. . ; 28sextZm JACOB YOEGTLE, Kabrikant u. Ländler in Ocsm, Ranges und Koch-Utcnstlien.

37 st-Washington.Straße, Indianapolis, Ind.

Yoirng Men Educated for Profit. -A. Start In X-ifo That Assares a Succ e sssul Futnre. . 9UF Bo?S trained t0 et their own Living, make money, und become enterpris. ing, industnous, useful citizens. r Xlie Old Iteliable Indian'polis Business College and Telegraphic Institute V. Pennsylvania Str, Bates Block, oppos. Postoffleo. Ivening Sessions for those employed dnring the day. Students can enter at any Hmo Torrn 2 mnslorn fn Vrvt fnll ro vfiii1 o va noll t 11

f&a-uw jl. v ua7 uvuviubvt y i ilii put bivuiaio vail ab lUllCC (Jillt

In Evansvil! e ist das Spitzel thum qegen Wirthe und Vereine in voller Blüthe und macht sich besonders ein, bei der jüngsten Wahl durchttesallener Can didat dabei prominent. Die Wirthe sind zusammengetreten um im Verein mit den Brauern und Cigarrenhändlern einen Schutz-Verein zu bilden. In der ersten zu diesem Zweck abgehaltenen Versamm lung, war man so unpolitisch, die Vertreter der Presie auszuschließen, selbst die der deutschen Blätter. Wir holten dies für einen großen Fehlgriff, denn die Unterstützung der Presse ist diesen Leuten ebenso nöthig, wie dem Vogel die Lust und dem Fisch das Waffer; durch Ausschließung der Reporter bei den Berathunben erweckt man keine Sympathie. Die tägliche Cincinnati Abcndpost-, herausgegeben von G u st a v H o f, kün digt an, daß ste ihr Erscheinen einstellt und daß nur die Wochenausgabe und das Sonntagsblatt fortgesetzt werden. Sie wurde zu diesem überraschenden Schritt durch Arbeitseinstellung ihrer Träger und die angedrohte Forderung einer Lohner höhung ihrer Setzer genöthigt. Indem hieraus entstehenden Kampfe würde in erster Linie nur das Publikum zu leiden gehabt haben und da denn doch einmal a tout prix gestrikt", werden sollte, so strikt die Abendpost mit. AmSchlechtesten fahren dabei die Arbeiter. In Zeiten, wie den jetzigen, von einer Zeitung eine Lohn erhöhung zu fordern, grenzt anWahnsinn. Die Folge davon ist gänzliche Verdienst losigkeit für eine Anzahl von Familien, die bisher wenigstens vor Mangel lgeschützt waren. Selbstverständlich kehrt sich jetzt der Zorn.der brodlos gewordenen Striker gegen Herrn Hof, anstatt gegen ihre Ver führe? und Hetzer, denen es ja auch wohl um nichts Anderes zu thun war. WaS ist aus dem Gelde geworden, welches von Deutschland aus zur Linderung der Noth indenGelb fieber Distrikten l)erüb:rgesandt wurde ? Diese sonderbare Frage stellt die Deutsche Zeitung" in New-Orleans, indem ste sagt: 3000 Mark soll, telegraphischen Depeschen zufolge, Kaiser Wilhelm für die im Süden vom gelben Fieber Heimgesuchten beigesteuert haben, und wenn kein Irrthum vorwaltet, hätte auch die deutsche Reichsregierung 3000 Mark zu demselben Wohlthätigkeitszwecke bewilligt. Macht also 6000 Mark wir möchten nun die Frage stellen : W o sind die 6000 M. hingekommen ? Wir glauben einmal gelesen zu haben, das Geld sei an den Deutschen Gesandten in Washington geschickt, und von Diesem dem Staatsminister Evarts übermittelt worden. WaS hat dieser damit angefangen? Die hiesige französische Hülfsgesellschvft hat sich wiederholt an Herrn Evarts gewandt, und hat auch wiederholt von ihm Geldsummen von den in Frankreich gesammelten Fonds erhalten. Von dem deutschen Gelde ist aber, so viel wir wiffen, noch nicht ein Dollar hierhergelangt. Kann Jemand Auskunst geben V Wir wollen dazu einfach bemer ken, daß in dem Dekret deS deutschen Krontrinzen, welches die Anweisung des Geldes machte, ausdrücklich angegeben war, diedeutschen Liebesgaben sollten ausschließlich für deutsche Nothleidende aufgewendet werden.

85.

Leon Kahn, Eigenthum.-. 2Isep2mt C. C. KCERNERJ X. R GOODIER,f PrP Von Springfield, Jll., gehtunS die erste Nummer eines neuen deutschen Wochenblattes zu. welches von Heinrich Schlange herausgegeben wird, sich zur, republikanischen Religion bekennt und den Titel Staats - Wochenblatt" trägt. Die uns vorliegende Nummer ist gut ausgestattet und zeugt von umsichtiger Redaktion. Ein Gegenstück zu den famosen Be gnadigungen unseres Gouverneurs lieferte der Gouverneur Robin fon von New Bork. Man meldet von dorten : Er hat soeben den Michael Murphy, den Verüber des gräulichen Mordes an Frau Hujus, der Gattin des Hrn. Dagobert Hujus, deS Reisenden des N. Y. Belletr. Journal gänzlich begnadigt. Robinson's Vorgänger Tilden hatte den Schurken, nachdem derselbe zwei Mal zum Tod verurtheilt worden war, zu lebenslänglichem" Zuchthaus begnadigt. Und jetzt, nach einer Hast von wenigen Jahren, ist das Scheusal, das an einer braven deutschen Frau Meuchelmord beging, ganz frei ! !" Vielleicht gerade deßhalb, weil es ja nur eine brave deutsche Frau war! Die Absicht der Temperenz.Chefs für die bevorstehende Campagne soll dahin gehen, durch die Legislatur dem Volke von Jndiana ein ' Amendement zu unserer Staatsverfasiung vorlegen um es abstim men zu lasten, ob die Fabrikation und der Verkauf von Spiritussen fernerhin untersagt sein soll oder nicht. Der Oberbonze des Waffersimpclthums in Jndiana, I. N. Davis, ist für diesen Plan und hofft auf einen günstigen Erfolg in der Legislatur, weil dadurch die Mitglieder derselben flch den Rücken freihalten und die Verantwortlichkeit auf das Volk schieben könnten Wir für unseren Theil stnd mit dem Plan ganz einverstanden. Die Stimmenzahl, welche die Temperenzler noch bisher im Stande waren aufzubringen, wenn immer sie sich durch ein eigenes Ticket zu blamiren trachteten, ist zu unbedeutend gewesen, als daß von dieser Seite etwas zu befürchten stünde. Das Räthsel, warum die Temperenz Fanatiker nicht mehr mit ihrem Apostel Murphy zufrieden stnd, ist nunmehr gelöst. Murphy hat seinen gesunden Menschenverstand wieder erlangt. Man schreibt von New Bork : Als vernünftiger und praktischer Mann hat Herr Murphy in seiner Lehre bedeutende Abänderungen vorgenommen; er will fortan nur dem Fusel, auch Schnaps genannt, und den wirklichen .Trunkenbolden" zu Leibe gehen und die Letzteren durch Verdrängung des ersteren reformiren. Da aber. Herr Murphy stch überzeugt hat, daß derMenfch, wie er eben zusammengesetzt ist, vom (mCT... TT m ( 4 fiin fX C V. WUCi UUClii illiv cviu w pfiehlt er das deutsche Bier und auch den deutschen Wein als edle GotteSgaben und fügt hinzu, daß mehr Heil in germanis:n Stoffen enthalten sei. als im Waffer, L7.d daß nur mit Hülfe dieser Stoffe der 4:! und die ekelhafte Söffelei verdraht r::: den könne. Das ist daS wahre, cri:;:r:: Evangelium und wenn eS Herrn ZlzzlZ'l gelingt, die Temperenz.Fa Zz t z selbe zu gewinnen, dann W c: t::: publik einen großen Dienst crtrliTcn.

i 1 , i