Indiana Tribüne, Volume 1, Number 12, Indianapolis, Marion County, 2 November 1878 — Page 3
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Zwei prüder. Erzählung von A. Gerstel. Abendstunde. Durch die geösfnetenFen. ster des großen Saales im altehrwürdtgen Schlosse drang ein leiser, nach deö TageS ermattender Hltze wahrhast erquickender Windhauch, und auf seinen Flügeln trug
er das murmelnde Rauschen deö majestati' schen Meeres, das noch vor wenigen Stunden wild erregt seine Wogen rollte und nun friedlich einzuschlummern be gann, traumverloren lallend, wie ern glückliches, vom Schlase übermannteS Kind. Seltsam leuchteten die weißen Dünen, umgaukelt von den letzten Strahlen der untergehenden Sonne, still und ernst sah der dunkle Tannenwald herüber. Schließt die Fenster!- erscholl eine harte, trockene Stimme und ein kurzer Husten folgte der herrischen Aufforderung. In dem geschnitzten Lehnstuhle saß der Freiherr und winkte den beiden Mädchen, die im Hintergrunde des Saales sich an kindlichem Spiele ergötzten. Hart und trocken wie seine Stimme war die ganze Erscheinung des Freiherrn. Auf der ecki gen, weitzurückgehenden Stirne lagerte eS gleich unheimlichen Gewitterwolken, der stark mit Grau gemischte Bart grenzte sich scharf ab von den bleichen, eingefallenen Wangen. Ach, nur einen Augenblick noch ! die Abendlust ist so mild und srisch und wir möchtenSchließt die Fenster !" sagte kurz noch einmal der Freiherr?, aber in merklich gesteigertem Tone, und eilig sprang das eine der Madchen hin, um den Befehl auözu sühren. Gerda, dort daö große gelbe Buch vom Gesims!" Und die andere Kleine reichte ihm rasch den schweren Folianten mit ängstlicher Miene hin. So ist's recht, -Ihr wißt, ich kann'S nicht leiden, wenn ich zweimal befehlen muß!" Der Freiherr hielt bei diesenWor. ten das eineMädchen bei der kleinen, über auS zarten Hand, die flch seltsam genug zwischen seinen starken, knochigen Fingern ausnahm. Du, Gerda, siehst so recht Deiner seligen Mutter gleich, das sind dieselbenAu gen, derselbe Mund halloh. wohin?" rief er ärgerlich, als das Mädchen, den Moment benützend, in welchem seine Hand weniger sest die ihre umklammert hielt, rasch sich losgemacht hatte und zu der Schwester geeilt war. Doch bleib nur !" fuhr fort, als das Mädchen sich zögernd umwandte, bleib' nur, ich brauch' Dich nicht!" Der Freiherr schlug den Folian ten aus und blätterte darin. Aber seine Gedanken schweiften weit über das Buch hinaus. Keine Liebe, keine Zuneigung !" murmelte er still in sich hinein. Wie die Kre aturen sich untereinander sreudig zu lächeln, und wenn ich sie anrede, stockt ihnen das Blut in den Wangen und das Wort auf den Lippen 1 Geschieht nicht Alles für die Brüt und wie wird mir's vergolten? Freilich, auch die Mutter that nicht lange gut. Heimlichkeiten, ewlg Heimlichkeiten und stets die Lüge auf der glatten Zunge! Und kein Sohn, der zum Vater hielte, kein Erbe meines Namens!" Der Freiherr strich sich mit der knochigen Hand über die gefurchte Stirn und hüllte sich dann fester in daS weite, bequeme Ge wand. Draußen schwirrte e? rasch an den hohen Fenstern vorüber mit angstlichem Schril len und Schreien; vom Schloßhofe her tönte das lange, klagende Geheul eines Hundes. Bat," rief fchüchtern daS eine der Mädchen, hörst Du, wie unser armer Bruno heult? Darf ich hinaus und nach ihm sehen?" Nein, Du bleibst ! Ihr verderbt mir mit Eurem Schmeicheln und Streicheln das ohnehin schon unnütze Thier nur noch mehr: Sein Hund," suhr'der Freiherr in leisem Selbstgespräche fort, sein Hund! und es ist, als ob eS die Bestie wüßte, Idaß sie zu ihm und nicht zu mir gehört. Auch einer von den undankbaren Fressern, die ich mir je eher je besser vom Halse schaffen muß." Der Freiherr blickte zu den Gewehren hinauf, die symmetrisch geordnet an der einen Wand des .Saales hingen. Wie die Canaille heult, als schnupperte sie ihren alten Herrn, den Waldemar daß mir der Bursche auch heute in's Gedächtniß kommen muß !- Er griff nach dem nahen Klingelzuge. Ist denn Niemand da,- rief er, der den Racker zum Schweigen bringt?" Draußen vor der Saallhür wurde eS lebendig. Eine begütigende Stimme, ein kurzes, höhnisches Lachen-und wie von einem elektrischen Schlage getroffen zuckte der Freiherr zusammen. Platz da, alte Vogelscheuche! kann den Weg schon selber finden!" tönte es draußen. Von ungestümer Hand ward die Thüre aufgeriffen, und eine seltsame Erscheinung blieb in dem geöffneten Rahmen flehen, während der Freiherr entsetzt aufgesprun'gen 'war und mit stierem Blick dem Ein. dringling entgegenstarrte. .Haha, Brüderchen, sreut Dich's nicht, den Waldemar wiederzusehen? Freilich, an Dir liegt's nicht, daß ich so lange aus geblieben ! Blitz, da ist ja auch die Gerda und die Jrmentraut, kommt her, Kinder,
gebt Eurem Oheim die Hand ! HabtEuch wohl recht gesehnt nach dem guten Oheim Waldemar?". Zurück!" keuchte der Freiherr in ge waltiger Erregung. Rührt ihn nicht an, den verrückten Vagabunden!" Verrückt? Vagabund? Heisa, noch ganz die alte brüderliche Liebe ! Du bist doch ein Staatskerl, Bruder Detleff! Sag', was ist größer bei Dir,'die Frechheit oder die Schurkerei?" Bube!" knirschte Detleff,-ich weiß nicht, waö mich abhält" Was Dich abhält. Bruderherz ? Soll ich Dir's sagen ? Du Furcht hält Dich ab, die blaffe, gemeine Furcht, daß ich Dir
den sreiherrlichen Schädel schick' j die Kinder hinaus, ich will mit Dir xt den !" Die Kinder bleiben hier ! Du aber" Die Kinder gehen! Waö ich mit Dir zu verhandeln habe, paßt nicht für die Ohren der Kleinen. Willst Du auch noch als Vater bankerott werden, wie Du's als Bruder schon lange bist?" Und auf eine erneute befehlende Geberde des Eindring lings huschten die Kleinen zur Thüre, die Waldemar öffnete und rasch hinter ihnen wieder zumachte. So, wir sind allein, beliebtö, freiherr liche Gnaden, so kann das Gespräch beginnen." Waldemar stützte sich mit beiden Armen aus den hohen, wuchtigen Stock, den er bisher in seiner Rechten gehalten, und be trachtete den Freiherrn mit spöttischem Blick. Aus dem Haupte trug er einen alten, breitkrämpigen Filzhut, unter dem daS dichte, dunkelfarbige Haar in langcn Strähnen hervorquoll. Der braune, abgetragene und bis an denHals zugeknöpfte Rock Umschloß einen kräftigen muskulösen Körper und die dicken, nägelbeschlagenen Schuhe zogen tiese Schrammen auf dem kunstvollen Parquet des Fußbodens. Der Freiherr stand hochaufgerichtet hin ter dem Lehnseffel, den er gleichsam zum Schutze zwischen sich und den Bruder gk schoben hatte. Die erste Ueberraschung war einer schnell errungenen Faffung gewichen, und seine Stimme klang sest und sicher, als er den Bruder sragte : Wie kommst Du herein, was willst Du von mir?" Denkst Du, die Diener im Schloß hät ten gleich Dir vergessen, daß uns Beide Eine Mutter geboren? Magst ihnen zwar weidlich eingebläut haben, daß der Waldemar ein verrückter Vagabund und der Detleff der alleinige Herr auf Schloß Mecrfels sei; aber die alte Treue rostet doch nimmer, und die Thräne, die mir der gebrechliche GreiS da draußen entgegen weinte, hat hundertmal mehr Werth als all' die Katzenbuckel vor Eurer reichssrei herrlichen Gnaden ! Roll' nicht dieAugen, Detleff, Dein Zorn ist falsch wie Deine Liebe, und verfängt nicht einmal bei mei nem Hunde, dem Bruno. Versuch's, ihn zu streicheln, und er knurrt Dir entgegen; versuch's mit der Peitsche und er zeigtDir die Zähne !" Was soll der Firlefanz ? Komm zu Ende, meine Geduld geht zur Neige!" Haha,-so laß sie von vorn ansangen. Brüderchen .'Willst wiffen, wo ich her komme? Geraden WegS aus dem N ar r e n h a u S, in daS mich reichsfreiherrliche Gnaden sperren ließen, weil mein Erbtheil allzu fest an Dero hochgeborenen Fingern klebte, und die arme Anne Marie wohl Netze flicken, aber keine sechszehn Ahnen herplappern konnte. Da, sieh meine Hände an, sie sind zerriffen von dem spitzen, scharfkantigen Mauerwerk, an dem ich herabgeklettert wie nach vollbrachtem Raube der Dieb in der Nacht ; da sieh den Stock, mit dem hab' ich mir die Köter vom Leib gehalten, die mir unterwegs an die Beine wollten, und in dem Hute da hab' ich die milden Gaben aufgefangen, die mir mitleidige Seelen auf der Landstraße zu geworfen! Lustig, Brüderchen, der Wal demar hat betteln gelernt, wie der DetleffdaSStehlen!" DerFreiherr zuckte zusammen. Bube! knirschte er noch einmal durch die aus ein ander gepreßten Zähne, und streckte den Arm nach der Klingel. Halt da !" rief Waldemar und hob mit drohender Geberde den wuchtigen Stock. Nimm Dich in Acht : in der Zelle, dieDu mir zur Residenz angewiesen, kommt man auf gar absonderliche Ideen, und der Knüppel da saust mit so prächtigem Surren durch die Luft! Dank'S der Anne Marie, daß ich Dich nicht auf der Stelle niederschlage. Ja, der Anne Marie, die Du in Noth und Verzweiflung, in Wahn sinn und Tod gestürzt hast ! An. ihrem kahlen, verfallenen Grabe hab' ich gestern Nacht gekniet, und nach langer, langerZeit wieder einmal mit meinemGott gesprochen. Dicht an der Friedhofsmauer haben sie daö Mädel eingescharrt, ohne Sang und Klang die Selbstmörderin, und außer dem Himmel bin ich wohl der Einzige, dessen Thränen den niedrigen Hügel benetzt." Waldemar'S Stimme wurde weich, und die ganze Gestalt zitterte wie im Fieber. Weißt Du, was Du mir in dem Mädel gemordet," suhr er fort, dem einzigen Wesen, das treu zu mit hielt von Kindheit an ? Nein, Du weißt es nicht, denn Du hast nie geliebt. Dem Herz ist öde an menschenwürdigen Gefühlen, wie Dein Hirn an guten Gedanken ! Wie sie vor Dir lag auf den Knieen, die Hände bittend erhoben, daS edle Geschöpf, vor dem Du hättest knieen sollen in heiligem Schauer!" (Schluß folgt.)
Leiden und Freuden eines Karcllmeisterö. Die nachstehende Geschichte, schreibt der Frankfurter Beobachter," ist im Jahre 1846 passirt und wer sie bestätigt hören will, möge stch bei dem Helden derselbeu, der sie unS erzählt hat, erkundigen. . Im Lager bei Theresienstadt in Böhmen waren neun österreichische Regimenter unter dem Kommando deö nachmals berühmt gewordenen Feldmarschalliutenants Für sten Windischgrätz zum Manöver versam melt. Eines derselben war daö 11. In fanterie-Regiment Erzherzog Rainer", später dem König von Sachsen gewidmet
und nach diesem umgetaust; in Mainz wird man sich deö Regiments noch recht gut erinnern. Im Jahr,1846 aber hieß es noch Erz herzog Rainer" und seine Regimentsmusik stand unter der Leitung des jungen 24 jährigen Kapellmeisters Stasny. Er saß unter seinem Zelte und ließ nach desTages ermüdendem Gleichmaß Gott einen guten Mann sein. Da trat mitten unter den schönsten musikalischen Reverien eine Or donnanz" bei ihm ein und richtete die Bot schaft aus: Der Herr Kapellmeister möchten mal gleich zum Herrn Oberst kommen !" In den nächsten sünf Minuten stand der Kapellmeister vor dem RegimentöOberst, Grasen Degenseld. Ein Besehl aus dem Hauptquartier, Herr Kapellmeister ; sämmtllcheRegimenter defiliren morgen früh zehn Uhr vorSeiner Königl. Hoheit, Prinz von Preußen, und spielen den AugustaMarsch. .Zu Befehl, oerr- Oberst, den Marsch kenne ich aber gar nicht !" Eine verfluchte Geschichte, so verschaffen Sie sich ihn ; morgen srüh wird derMarsch gespielt. Die Sache war so zugegangen. Um 3 Uhr Nachmittags hatte der kommandi rende Fürst Windischgrätz angesagt erhal ten, daß morgen früh um die bezeichnete Stunde Seine Königl. Hoheit der Prinz von Preußen in hoher österreichischer Be gleitung im Lager eintreffen und eine Parade" der sämmtlichen Lagertruppen abnehmen werde. Irgend ein Osfizier in der Umgebung des Generals hatte dann diesem die interessante Meldung erstattet. daß er einen von der Gemahlin des Prin zen, jetzigen Kaiserin Augusta, komponir ten Marsch, welcher in Preußen der Augustamarsch" genannt werde, besitze und diesen ganz gehorsamst und unmaß geblich zur Aufführung bei der morgen den Parade empfehle. Ausgezeichneter Gedanke, süperber Einfall," hatte Fürst Windischgrätz geantwortet, sämmtliche Regimenter sollen beimDesile diesenMarsch spielen." . Und der Marsch wurde noch am Abend in Gott weiß wie vielen Exemplaren abge schrieben, die ganze Nacht hindurch einge übt, daß den Musikern die Seele pfiff und am andern Morgen, als die Sonne aus ging, ging Alles wie am Schnürchen. Die Regimenter rückten aus und dieKa pellen mußten vorsorglich als General probe den Marsch an der Tete jedes Re gimentes spielen. Graf Degenseld war nicht zufrieden und meinte, daß daö vorausmarschirende . 8. Regiment den Marsch bester spiele als sein eigenes. DaS klingt nur auS der Entfernung so, Herr Oberst, auS der Ferne nimmt sich jede Musik bester auS," hatte Kapellmeister Stasny geantwortet. Und Graf Degenfeld, rasch voraus galoppirend, überzeugte stch bald, daß es so war, wie sein Kapellmeister sagte. Es war nun Alleö in bester Ordnung.. Da trifft plötzlich eö war schon 9 Uhr auf schweißtriefendem Pferd bei jedem Regiment eine Ordonnanz ein, welche mel det, daß jede Kapelle bei dem Defiliren vor dem Prtnz von Preußen einenMarsch nach eigener Auswahl des Kapellmeisters spielen solle." Wie kam das?' 'Einfach daher, daß der Prinz von Preußen den Gedanken gehabt hatte, das Angenehme mit demNützlichen zu verbinden um irgend einen gefälligen, in Preußen noch nicht bekannten Militärmarsch auS Oesterreich mit nach HauS zu bringen. Von dem rit terlich-galanten Vorhaben des Fürsten Windischgrätz, den Augustamarsch" nicht weniger als neunmal hintereinander auf spielen zu lasten, hatte er gar keine Ah nung gehabt, alS er den obigen gar bald in BesehlSform übersetztenWunsch äußerte. Kapellmeister StaSny.' mit dem wir es hier allein zu thun haben, um die anderen Regimenter in GotteS Namen defiliren und musiziren zu lasten, hatte unter den ihm zu Gebote stehenden Musikstücken auf gutes Glück einen von ihm selbst compo nirten Marsch gewählt, den er wenigeTage vorher sorgsältig mit seiner Kapelle einge übt hatte. Der Marsch ging gut; der Komponist war mit stch, der.Dirigent mit der Kapelle zufrieden. Aber der Wer muthstropfen sollte bald' schwer in den Becher seiner Freude fallen. Die Parade war vorüber und wiederum beschied eine Ordonnanz den Kapellmeister zum Herrn Oberst. Sein zinnoberrothes Antlitz, die rollenden Augen und der fürchterlich gedrehte Schnurrbart weissagten nichts Gutes. :i Ich will Ihnen halt nur sagen, Herr Kapellmeister, daß das Regiment durch Ihre Mustk von heute Morgen schimpfirt
worden ist. Das war um den Schlag zu -
kriegen vor Aerger; hab' nie was Dummeres gehört. Daß Sie mir nicht zum zweiten Mal diesen Dudelmarsch spielen. ServuS, Herr !" Der Leser, welcher je eine ähnlicheSituation durchlebt hat, mag sich die Gesühle deö armen Kapellmeisters vorstellen. Er ging in der nächsten Stunde nach den nicht weit gelegenen Leitmeritz und ließ in einer dortigen Weinkneipe seine Wuth an einer unschuldigen Flasche weißen Ungarweins aus, An's Todtschießen dachte er sreilich nicht, desto mehr aber an's sofortige Abschiednehmen. Wie er noch in Gedanken sein Abschiedsgesuch concipier, tritt ganz verstaubt und abgehetzt ein Unterosfizier herein, der sosort, noch ehe er seine durstige Kehle genetzt, auf ihn zuschreitet. Sie, Herr Kapellmeister, was hab' ich lausen muffen, um Sie zu finden! Hier, dieses Papier sollen Sie unterschreiben und die 25 Dukaten hab ich auch mitgebracht ; Da sind sie. Darf ich mich zu Ihnen setzen?" fügte der Mann mit einem sehnsüchtigen Blick aus die Flasche hinzu. Dem Kapellmeister war es, als ob ein Spuck sein Wesen mit ihm treibe. Er warf ein Blick auf das Papier, welches etwa folgenden Inhalt hatte : Seine Königl. Hoheit, der Prinz von Preußen war sehr zufrieden mit dem von der Kapelle des 11. Regiments gespielten Marsch und läßt denKapellmeister ersuchen, sür beifolgende 25 Dukaten ein Exemplar der Partitur dem Adjutanten Herrn v. zuzuitkllen. . , - Ein ungemein behagliches Gefühl kam über unseren Kapellmeister er hatte das Mittel in der Hand, stch auf die schönste Weise von der Welt an seinem groben Oberst sür die erlittene Beleidigung zu rächen. Unterosfizier und Kapellmeister stachen fröhlich noch eine Flasche vom Besten" aus; alsdann ging'S per Droschke in's Lager und direkt zum Oberst. Seine gräfliche Gnaden geruhten Anfa 'S ein arges Schafsgesicht zu der überbrachten Botschaft zu machen und reichte nach einigem Besinnen dem Kapellmeister die Hand mit den Worten : Vergeffen wir's, werd' Ihnen nie wieder Etwas über Musik sogen!" Dies ist eine der angenehmsten Soldatenerinnerungen unseres lieben Kapellmeisterö Stasny im Palmengarten. , AuS dem Leben deö Erzherz. Johann. Die Gr. Tgp." erzählt : Es war in den Zwanziger-Jahren, als der preußische Geheimrath Profestor v. Keserstein nach Vordernberg kam, sich beim Gastwirthe Brod einMittagseffen bestellte und bis zur Fertigstellung deffelben ein nahe gelegenes Blahbaus (Eisenhochofen) besuchte. Hier sahereinen ansehnlichen Mann in der steierischen Vollstracht, die Arbeiter beobachtend stehen. In der Meinung, es dürste ein Ausseher sein, sragte der Herr Geheim rath denselben : Wem gehört dieser Hochofen?" Dem Erzherzog Johann." Darf man denselben besichtigen V .O. ja ! Ist Jemand hier, der mich herumsühren kann v Ich will Sie schon herumsühren." Und auf das Bereitwilligste und .in der gefälligsten Weise leitete dieser schlichte Mann den Herrn Geheimrath durch alle Theile des Etablissement? und gab über Alles so bündige, von gründlicher Fachkenntniß zeugende Erklärungen, daß der Herr Proseffor überrascht, schon der Curiosität wegen, sich zu immer weiteren, daS Gebiet der Wiffenschast streikenden Fragen veranlaßt fand und nicht wenig erstaunte, dieselben von diesem scheinbar so schlichten Mann mit einer, tiefer Kenntniffe verrathende Gründlichkeit beantwortet zu sehen. Zum Schluffe spann sich noch folgendes Gespräch ab. Ich danke Ihnen, lieber Freund. Sie sind wohl beim Herrn Erzherzoge?" Ja!" Ich bin der preußischeGeheimrath Professor Keserstein und möchte gerne Sr. kais. Hoheit meine Auswartung machen; , da dürftenSie wohl wiffen, zu welcherStunde '.ch nicht ungelegen komme. Ich möchte heute noch gerne nach Eisenerz reisen." Kommen Sie um 3 Uhr Nachmittags, da bleibt Ihnen dann noch Zeit genug zur Reise nach Eisenerz." : Wie groß die Ueberraschung deö Herrn Geheimraths war, bei der Aufwartung diesen schlichten Mann vom Hochofen in der. steierischen Tracht als Erzherzog wieder zu treffen, kann sich'wohl Jeder denken. Allein die allbekannte .benöwürdige und humane Weise dieses edlen Prinzen half dem sich lebhalt entschuldigenden Herrn Geheimrathe umsomehr bald über seine Verlegenheit hinaus, alS'eS dem Herrn Erzherzog jedesmal ein großes Vergnügen machte, mit so ausgezeichneten Gelehrten wie ProfefforKeferstein zu verkehren. ' m. K.rn ij QtUlWtT RtlZCLllMi. J V . Uil .. 'i-- - u prozessirt die Conrad'sche gegen die Uhrig. 'sche Brauerei wegen Nachahmung der Etikette Budweiser Bier" um $10,000 Schadenersatz". Die Jury sprach Conrad 51176 zu. Die Washington Post" will viffm, daS daö Jntereffe deö Ehrwürdigen Tal-mage-an Lasterhöhlen ziemlich alten Da-' lumS sei. Man habe ihn vor einigen Iahren in Washington sehr lustig unter Freudenmädchen gesunden.
