Indiana Tribüne, Volume 1, Number 8, Indianapolis, Marion County, 5 October 1878 — Page 7
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ttf iler SnKel. i : t l) i Erzählung bon Friedrich Friedrich. " r' " J - r ., t- t S 'sStürmischer Nordwest - Wind war seit Tagen über die Nordsee dahingesahren. Das Meer schien bis zu seinem Grunde aufgewühlt zu sein. Die Wogen.gingen hoch.-' Mit jenem dumpfen, donnernden Brausen üöerstürzlen sie sich in der Ärän. dung der Jnselum schäumend, wie gierige Ungethüme sich am Strande hinzuwälzen, als ob, sie die Insel überfluthen.und ver. schlingen wollten Zurückgeworfen von den Dünen, an denen sie emporschlug'e'n flössen sie langsamer zurück, um gleich darauf mit demselben Ungestüm den Angriff 'zu' wie derholen.' " ! f Aber auch außerhalb der Brandung, so weit das Auge aus der wildbewegten Mee resfläche reichte, sah es die Wogen zufam rnenschlagen und. ihren weißen Schaum hoch ausspritzen, als ob dort Ungethüme in erbittertem Kampfe lägen. ' Der ..Sturm hatte noch nicht nachgelassen schrelend 'zogen die ' Sturmvögel über dit Insel hin und die zahlreichen Möven schienen, vergebens gegen die Gewalt des Windes' anzukämpfen es war, als ob sie durch die auf dem Meere' heftchende Erregung auch' aufgeregt 'wär'enund'ih.r geller gedehnter Schrei klang wie ein Hölseruf durch das Pfeifen des Sturmes hin. . , Die Lust war kalk der'Himmel mit dü steren Wolken beoeckt, die in geringer Ent fernung schon bis auf die schaumenden Wogen herab zu hängen 'schienend 'In kurzen fast? gewitterartig'en. Regengüssen entluden sie.' sich dann und wann. Der Abend brach hereiniQuer über die nicht große-Insel schritten zwei Männer, trästige verwitterte Gestalten, deren harten Zügen man auf den'ersien Blick ansah, daß' es ihnen ziemlich' gleichgiltig war, ob die Sonne schien, oder der Sturm ihnen den kalten Regen in's Gesicht peitschte. Beide trugen mit Theer überzogene, hinten über den Nacken herabreichende Fischerhüte, welche mit einem Lederriemen fest unter dem Kinn befestigt waren, so daß weder der Sturr. noch die Wogen daran zu rütteln vermöchten. Kurze, gleichfalls durch Tbeer gegen die Nässe gedichtete Wämmser ließen den Regen an ihrem Oberkörper wirkungslos abfließen. . Der eine der Männer, der fünszig Jahre zählen mochte, war Klaas Aaken, der Vogt der Insel, der andere, ungefähr fünf Jahre jüngere, war Jan Aaken, der Vrud'er.des Vogtes. Es gehörte kaum, ein .schaiser Blick dazu, beide als Brüder zu erkennen. Das waren dieselben harten , Züge, die nicht lächeln zu können schienen, die das Gefühl des Mitleids seit langen Jahren verbannt hatten, dieselben scharfen, stechen den Augen, welche unter hellen, buschigen Brauen hervorblickten, dieselben gebogenen, dem Gesichte einen verwegenen Aus druck gebenden Nasen, dasselbe stark und grob sinnlich ausgebildete Kinn. Sie sprachen kein Wort miteinander. Ihr Gang war schwerfällig aber fest. Mit demselben festen Schritte stiegen sie an einer mit Sandhaser und niederen Brombeeren bewachsenen Düne empor. Oben angelangt erfaßte sie der Sturm mit doppelter Gewalt, es schien ihnen gleichgiltig zu sein. Die Hand über die Augen haltend, um sie gegen den Regen zu schützen, dessen ein zelne Tropfen einer zarteren Haut stechende, Schmerzen bereitet haben würden, blickten sie aus das Meer hinaus. Der Vogt zog ein kurzes Fernrohr unter dem Wams hervor und richtete es in die Ferne. Seine Hand war fest, selbst in dem Sturme zitterte sie nicht im Geringsten. Schweigend reichte er seinem Bruder das Glas. Jan blickte durch dasselbe. .ist ein Dreimaster," sprach er. Der Vogt nickte schweigend mit dem Kopfe. Seine Augen waren 'in die Ferne gerichtet, um zu versuchen, ob er auf dem unruhigen schäumenden Meere das Schiff ohne Glas erblicken' konnte. Das Schiff hält den richtigen Kurs nicht inne, es ist 'kein Loolse an Bord," fuhr Jan fort, ohne das Auge vom Glase abzuwenden. ; Der Sturm hat die Lootsenboote nach Emden zurückgetrieben," gab der Vogt zur Antwort, und um seinen Mund zuckte es wie eine stille Freude. Er hatte durch das Fernrohr dasselbe wie sein Bruder wahr genommen. Dennoch blickte er. über die Insel hinweg in der Richtung nach Emden, um sich zu überzeugen, ob nicht doch viel.leicht ein Boot jenerkühnen und verwegenen Männer,' welche die schwere Pflicht hatten, die ein- und auskaufenden Schiffe aus der schwierigen Fahrt zwischen den Riffen und Sandbänken hindurch sicher zu führen, den Versuch mache, gegen den Sturm anzukämpfen und die offene See zu gewinnen. Es war kaum möglich, ob scho den Männern das Kühnste zuzu trauen war. Er sah lein Segel auf der weiten Meeresfläche. Der Abend brach mehr und mehr herein, s war im November, der Uebergang vom Tage zur Nacht war ein um so schnellerer. ' Selbst durch das GlaS war das Schiff nur noch mit Mühe zu erkennen. ' .Das Schiff hält auf die Insel zu, es v
kann dem Rjffe'nicht entgehen sagte Jan. Äer 'Vog't xantwortete nich't, sondern nahm schweigend das Glas aus der Hand seines Bruders. Er. fand die AnsNht desselben bestätigt. ,U'J" Es soll uns nicht entgehen spracht, mit leuchtenden Augen.c Hole. die Laterne ich 'bleibe hierAi .1 :j "Jan schien ihn sofort "zu verstehen, denn er entfernte sich, otfne ein Wort zu erwiedern. ' n Es war zu einer Zeit, als, das Strand recht noch nicht eingeschränkt war, 'als aus den benachbarten Jnseln,1.auf, denen, sich eine Kirche befand, die Pfarrer noch jeden Sonntag von der.Kanzel herab beteten, daß der Herr. den Strand .segnen. möge, was nichts anders bedeutete, als' d'as-möglichst viele Schiffe 'in der Näh'e'der Insel stranden möchten,' damit das Gut derselben von den Wogen an den Strand geworfen werde und den Bewohnern der Inseln nach dem Strandrechte zufalle. Ob dabei Menschenleben zu Grunde gingen, was kümmerte das die Jnselbe wo.hner i Ihre Herzen ware längst verhärtet gegen das Mitleid. Wurden Todte angespült, so wurden dieselben 'zwischen den Dünen-auf einem besonderen Platz in den 'Sand gescharrt, das war Alles) -Nie' mand bedauerte sie. 'Das häufige Unglück, welches an den gefahrvollen Inseln vorkam, hatte die B wohncr.'abgestumpstidiHabsnchtNätte die besseren Gefühle tan9PtöctöMcl, leicht mocyte ihnen das zur Entschuldigung dienen, daß das Leben für sie einen gerin gen Werth hatte, denn als Fischer mußten sie ihr eigenes Leben nur allzu oft der Gefahr der Wogen aussetzen,' um für die Jhx'wn einenikärglichen Lebensunterhalt zu gewinnend " '. 1 t Aus dieser Insel sprach zwar lein Prediger ein Gebet für. die' Segnungen-des Strandes denn diVJnsel besaß weder eine Kirche noch einen Prediger dennoch war der Strand reich gesegnet und der Vogt that daö Seinige' Zum das Gebe'tdürch' andere Mittel zu ersetzen. Es gehörte nicht zu den Seltenheiten, daß Schiffe, die durch ungünstigen Wind verhindert waren, zur Tageszeit in - die' Ems einzulaufen, zur Nachtzeit durch Feuer und Lichter absicht lich irregeleitet wurden, damit sie strande ten und der Strand gesegnet werde. Diese Insel barg nur ein Haus oder Gehöft, in ihm wohnte der Vogt Klaas Aaken mit seiner Familie, welche aus seine Frau, seinen beiden erwachsenen Kindern, Tine und Heinrich, seinem Bruder Jan und dem Knechte Auste bestand. , Schon der Vater Aaken'Z war Vogt aus dieser Insel gewesen. Er war von der'Re gierung angestellt, um die Dünen der Insel in Ordnung zu halten und nach dem nur wenige Stunden entfernten Festlande ein Zeichen zu geben, wenn ein Schiff in Gefahr war, damit ihm von dort her Hilfe gesandt werde. Der Gehalt, den Aaken von der Regie rung erhielt,'würde nicht ausgereicht haben, ihn und die Seinigen zu ernähren, denn die Insel bot wenig dar und nur ein Keines Stück Land war inmitten des Sandes urbar gemacht, damit es Jahr sür Jahr mit Kartoffeln bepflanzt werde. Der Vogt verstand indeffen in anderer Weise von d:m unfruchtbaren Eilande Nutzen zu ziehen. Aus dem mit Gras und Brombeeren bewachsenen Innern der Insel weidete im, Sommer eine große Heerde Kühe und Rinder, die wohlgenährt in je dem Herbste zum Festwnde zurückgebracht wurde, die vielen Tausende der Möven, welche auf der Insel ungestört hausten und brüteten, boten eine reiche Ernte an Eiern, welche gleichfalls als Leckerbiffen zum Festlande geführt wurden, am fruchtbarsten erwies sich aber der Strand, denn sast jeder Sturm ließ auf demselben eine neue Ernte emporschießen. Der Vogt galt als wohlhabend, er war sogar reich. Trotzdem lebte er einsach, er kannte nur das eine Vergnügen, immer mehr zu erwerben, die Habsucht leitete jede semer Handlungen. Er hatte sich auf dem naffen Dünensande' niedergelaffen um seinen Bruder zu erwarten. Er richtete den Blick in die Ferne auf das Meer, allein die eingetretene Dun kelheit ließ ihn nichts weiter erkennen, als den weißen Wogenschaum der Brandung. Sein Ohr vernahm nichts weiter, -als das donnernde Brausen der sich überstürzenden Wogen und den Schrei des Sturmvogels. Regunglos wie ein Träumender saß er da. Endlich kehrte Jan zurück. In einem Sacke auf der Schulter trug er eine' große Laterne. Schnell brachten die, beiden Män ner dieselbe in Ordnung und mit Mühe in Brand. Sie gab ein großes und Helles Licht.. Ein hinter ihr und an ihren beiden Seiten schräg angebrachter Reflektor aus kunstvoll geschliffenen Krystallgläsern wars das Licht, mit außerordentlicher Schärfe zurück und ließ es weit über das Meer hin strahlen. Förden fernen Schiffer konnte es kaum von dem Lichte eines Leuchtthur mes zu unterscheiden sein. Auf einem gescheiterten Schiffe hatten sie" diese Laterne vor Jahren gefunden; mit der größten Sorgsalt war dieselbe stets von ihnen behandelt und sie hatte ihnen seit der Zeit so manchen Dienst erwiesen. Von der Familie des Vogtes hatte außer ihnen Niemand eine Ahnung von dem Vor Handensein dieses werthvollen und so verrätherisch benutzten Instrumentes. Sicher wurde sie im Stalle in einer alten Kiste,'
die unter Trümmern gescheiterter- Schiffe lag, verborgen gehalten.. . : Ich gehe heim," sprach der Vogt. ,Und wie lange soll unser Leuchtthurm brennen?", fragte Jan, dessen Gesicht sich mehr zu einem Grinsen als zu einem La chen verzog. ' . 1, Der Vogt schwieg einen Augenblick. Sie müssen das Licht auf dem Schiffe sehen un'den Kurs auf daö Riff zu einschlagen," entgegnete er. . Halten sie nur eine Stunde lang die Richtung ein, dann giebt es keine Rettung mehr für sie und sie brauchen auch kein Licht mehr. Ohne Gruß ging er fort und begab sich nach seiner Wohnung. . Es war ein langes, hinter einer schützen den .Düne gelegenes Gebäude. , Das mit Ziegeln bedeckte Dach reichte an den beiden Langseiten fast, bis. zur Erde herab, die Giebel erhoben sich frei bis zur Dachspitze. Alles an dem Hause schien darauf berechn net zu sein,' dem Sturmwinde, dem es auch in seiner geschützten Lage ausgesetzt. war, einen möglichst zähen Widerstand zu die ten. - Die mittelgroßen ? Fenster konnten nur in der Weise geöffnet werden,, daß die untere Hälfte in die Höhe geschoben wurde. Jetzt dachte, freilich Niemand daran, denn der Wind peitschte den Regen an die Fenster und es war kalt. . . ' Der Vogt trat in das Haus ein, schritt über einen langen Gang und trat dann in das Wohnzimmer, deffen Thüre weit offen stand, 'um dem Rauche, der.das Zimmer erfüllte,? freien Abzug zu gewähren. . Das geräumige Gemach machte durch die Sauberkeit und Ordnung, welche in demselben herrschte, . einen wohlthuenden Eindruck.'- Die Wände waren mit Holztäfel bekleidet, welche die Jahre, und der Rauch dunkel gebräunt hatten. Ein große, blen denö weiß .gescheuerter schwerer Tisch be fand sich in der Mitte. An der einen Wand stand. ein mächtiger Schrank mit Glaöthüren, hinter denen blau und weiße Tasten, ähnliche Teller und bunte Trinkgläser ver lockend hervorschauten. Die Messingver zierungen an dem Schranke waren so blank, als ob sie erst am Tage zuvor daran be festigt wären, und doch , saßen sie schon manches Jahr daran. Die gegenüber liegende Wand war von einer langen und breiten Holzwand eingenommen.- Neben, der Thüre zu beiden Seiten befanden sich zwei geräumige Kojen, schrankartige Ver tiefungen in der Wand ; die zurückgescho denen Thüren, die daraus hervorblickenden blaugemusterten Betten verriethen, daß sie als Schlasräume dienten. Ein fremdes und unkundiges Auge würde vergebens nach einem Ofen in dem Raume gesucht haben. , Statt deffen lies an der Wand zwischen den beiden Fenstern die nach unten sich ausdehnende und ein schützendes Dach bildende Este bis unge fähr drei Fuß über dem mit Ziegeln beleg ten Erdboden herab. Dieser Kamin war mit einem breiten Gesims umgeben, auf dem verschiedene Gläser, Tasten und ein Mes stngleuchtcr mit einem Talglichte standen. RingS um das Gesims war zur Verzierung ein ungefähr handbreiter in zahlreiche Fal ten gelegter Streifen von rothgeblümtem Kattun angebracht, der von dem Rauche des Kamins freilich eine draungclbliche Färbung angenommen hatte. , Unter dem Kamin auf der Erde brannte knisternd ein helleS Feuer, über demselben an doppelter Kette hing ein großer Topf. Dieser offene Kamin diente zugleich als Kochheerd und als Ofen. Wärme ver breitete das Feuer-freilich nicht weiter als ungefähr einen Schritt breit, allein die Bewohner dieses Hauses waren nicht ver zärtelt und kannten selbst im strengsten Winter keine andere Erwärmung. Ihre dicken, zum Theil doppelten Friesanzüge ließen freilich auch keine Kälte durchdringen, gaben ihnen aber sämmtlich ein star kes, fast unförmliches Aussehen. Als der Vogt in das Zimmer trat, be fanden sich außer Jan fast sämmtliche Mitglieder seiner Familie in demselben. Aus Holzschemeln, dem Feuer die Füße zuge kehrt, saß der.alte Knecht Auste, neben ihm, aus.einer kurzen Holzpfeife rauchend, des Vogts Sohn Heinrich. Auf einer niedri gen Bank, halb niedergekauert, dicht am Feuer saß des Vogts Frau, eine große, kräftige Gestalt, mit harten, ernsten Gesicht?zügen. Sie hielt einen eisernen'Haken in. der Hand und stieß mit demselben von Zeit zu Zeit das Feuer zurecht. - An dem Tische mit einer Näharbeit be schästigt, sab Line, des.Vogts Tochter, ein Mädchen von ungefähr sechsundzwanzig Jahren. Ihre Züge glichen denen ihrer Mutter, es prägte sich in ihnen derselbe harte, ernste und verdrossene Ausdruck aus. Wer diese Gesichter anblickte, konnte leicht zu der Ueberzeugung kommen, das die Sonne nie auf der Insel scheine. Der Knecht Auste war ein Mann von vielleicht einigen j?chzig Jahren. Sein von zu häusigem Genevergenuffe aufge dunsenes Gesicht blickte theilnahmlos, fast blöde in das Feuer. Nur zuweilen zuckte es in den kleinen, grauen und verschmitzten Augen und der Inhaber schob sast mit einem Ruck die große Menge Taback, welche er zu kauen pflegte, aus einer Backe in die andere. Sein rechtes, gerade ausgestreck teS Bein war durch einen früheren Bruch am Knie steif. , . ' . Auste war schon bei des VogtS Vater Knecht aus der Insel gewesen. Er gehörte gleichsam zu dem.Jnventar -der Familie, denn er hatte keine Heimath mehr und kein
anderes Jntereffe am Leben, als zu trin ken. ' Er.warijeden Abend betrunken und der Vogt hinderte ihn nicht, er schloß die Zange des alten hartgesottenen und mittellosen Menschen, mit Branntwein, denn diese Zunge hätte viel und Schlimmes erzählen könnem : -Der Einzige im Zimmer, deffen Auge freier und heiterer blickte, war des VogtS Sohn. In seinem zwar blaffen, aber der den Gesichte lag etwas Freies und Sorg, loses. Er weilte freilich erst seit kurzer Zeit wieder auf der Insel. Als Knabe hätte er auf dem Festlande tüchtigen Schulunterricht genoffen und sich dann dem See dienste gewidmet, denn fast sein erster Blick als Kind war auf das weite Meer gerichtet gewesen. Er war Matrose und hätte sich, obschon er erst dreiundzwanzig Jahre zählte, bereits bis zum zweiten Steuer mann emporgeschwungen. In New Orleans war er vom gelben Fieber heimge such't worden, hatte an der tückischen Krank heit in der fremden Stadt sast ein halbes Jahr darnieder gelegen, war endlich, ohne seine völlige Genesung abzuwarten, nach Europa zurückgekehrt und befand sich nun im väterlichen Hause, um sich zu erholen und wieder zu kräftigen. Die. in dem Zimmer sich Besindenden hatten schon seit länger als einer Stunde kein Löort gesprochen. Was sollten sie auch sprechen ? Als der Vogt in das Zimmer trat, blickte nur seine Frau zu ihm auf und ließ einen flüchtigen Moment lang das Auge auf ihn ruhen, dann starrte sie scheinbar völlig theilnahmlos wieder in das aufflackernde Feuer. Und'doch hatte sie in dem leise errogten Auge ihres Mannes Alles gelesen, was ihn erfüllte, sie wußte, daß der Strand am Morgen des folgenden TageS. ein ge segneter sein werde, ihre Gedanken beschäftigten sich nur mit der Frage, ob die Ernte eine reiche oder weniger ergiebige sein werde. ' . . Was kümmerte es sie, ob in diesem Augenblicke bereits ein Schiff qn dem gefährlichen Riffe gescheitert, war, .ob über, das unrettbar verlorene die stürmischen kalten Wogen sich hinstürzten und es Stück sür Stück zerriffen, ob die unglückliche'. Be satzung mit dem Tode rang oder nicht. Ihr Gesicht würde ebenso unbeweglich' ge blieben sein, wenn der Todesschrei Ertrin kender an ihr Ohr gedrungen wäre. Was galt bei ihrer mitleidslosen Habsucht ein' Menschenleben? Der Vogt blickt? sich im Zimmer um. Wo ist Jan?" fragteer., Er ist seit länger al? einer Stunde fort," gab Heinrich zur Antwort. Wohin?" Ich weiß es nicht." Der Vogt stopfte sich aus einem kleinen .Fäßchen, welches mit Tabak gefüllt auf der Bank stand, eine lange Thonpfeife, rückte einen Schemel an das Feuer und streckte die Füße aus. . Bist Du auf den Dünen gewesen?" fragte Heinrich nach kurzer Zeit. Ja." Hast Du kein Schiff bemerkt? Rein," gab der Vogt in derselben kurzen, aber ruhigen Weise zur Antwort. Das wird eine schlimme Nacht für den jenigen werden, der auf der See ist," fuhr Heinrich fort. Ein Glück für ihn, wenn er im Stande ist, sich auf der hohen'See zu erhalten." Der Vogt schwieg, er war übehraupt kein Freund von vielem Sprechen. Nach einiger Zeit trat Jan ein, er trank ein großes Glas Genever in einem Zuge und setzte sich dann zu den Uebrigen. Nun? fragte der Vogt, ohne ihn an zublicken. Ich war beim Boote entgegnete Jan. Wozu?" Um zu sehen, ob Alles in Ordnung sei. Die See geht hoch, aber der Sturm wird bald nachlaffen." In den nächsten zwölf Stunden nicht fiel Heinrich ein. Nach Mitternacht wird's stiller," be merkte der Vogt. Heinrich wiedrholte noch einmal seinen Zweisel, allein weder sein Vater noch Jan antworteten. Wozu auch ? Was schadete es, wenn Heinrich anderer Ansicht war. Das. einfache Abendeffen wurde aufge tragen. Die Männer tranken jeder mehrere Glas Grog von Rum, zu dem nur wenig Waffer hinzugethan war, dann be gaben sich Alle zur Ruhe. Und der Vogt schlief in dem engen Wandraum so ruhig, als ob nie ein Schiff in der Nahe der Insel in Gefahr gewesen währe. Wie der Land man von einer ergiebigen Ernte träumt, so träumte auch er vielleicht von einem reich gesegneten Strande. Ob zugleich so und so viel Körper Ertrunkener mit an den Strand geworfen wurden, berührte ihn kaum, denn die Mühe, dieselben auf dem nahegelegenen öden Friedhofe für Ertrun kene in dem Sande einzuscharren, war eine geringe. Der Vogt hatte Recht gehabt. Um Mit. ternacht lieg der Sturm nach. Die See ging freilich noch ebenso hoch, das Don nern der Brandung erzitterte noch in glei cher Weise die Lust, denn das empörte Meer beruhigt sich nicht so schnell. Als der Morgen kaum zu grauende gann, schritten der Vogt und Jan der Düne zu. Der Wind war nur schwach, aber noch kälter als am Tage zuvor, der Himmel wär noch mit grauen Wölken be-
deckt und die' iraßkalt'e Luft hatte etwas Erstarrendes. ' Wehe' den Unglücklichen, welche jetzt mit den kalten Flnthen rangen, ihre Hände, welche sichln der Todesangst an einem Balken- oder einem Tau fistge klammert hatten, mußten in kurzer Zeit erstarren. ' Weder der Vogt noch sein Bruder dach, ten daran. Durch starken Thee ünd'Rum erwärmt, empfanden sie die Kälte nicht. Sie hatten die Düne erreicht. Der Strand war bereits mit den Trümmern eines Schiffes bedeckt, sie Achteten darauf kaum, ihre scharfen Augen glitten'über das Meer hin und befriedigt, leuchtete es. in ihnen auf, als sie auf. dem Riff,, ungefähr eine halbe Stunde von der Insel entfernt, das Wrack eines Schiffes entdeckten. Daß es keine Rettung sür daffelbe mehr gab, wußten sie nur zu genau, denn das Schiff, welches der Sturm aus die dortige Sand dank getrieben, wurde von dem feinen Sande so fest umklammert gehalten, daß keine Macht es wieder zu heben vermochte Hilflos -war es der zerstörenden Gewalt der Wogen preisgegeben.' - : . ES war.heller geworden.. Der Vogt richtete sein Fernrohr auf daS Schiff. Die Wogen ergoffen stch.über das Deck deffelben, ein Theil des Schisses schien bereits fortgeriffen zu sein, denn unHeim lich ragten die Rippen des Rumpfes über die ffluthen empor. . Siehst Du noch Menschen an Bord?" fragte Jan. ' Nur einen." lim so bester lautete die Antwort.. Schweigend reichte der. Vogt seinem Bruder das Glas. ' y - Wir werden nicht viel Zeit zu verlieren haben, denn das Schiff wird nicht lange mehr aushalten," bemerkte Jan. Es scheint ein alter Kasten 'zu sein, sonst würde es in den wenigen Stunden ' nicht schon so stark gelitten haben." ' "' So komm," sprach der Vogt, kurz und' stieg die Düne hinab zum Strandes Unter den angeschwemmten Gegenständen befand sich nichts,' was auf die Ladung des Schis fe's hätte schließen lassen es waren meist Holztheile des Schiffes, darunter eine Rae, an der noch Theile der Segel hingen. Halb vom Master bespült und von jedem Anfluthen der Wogen schaukelnd' bewegt lag ein Todter ein Matrose 'mit starren Gestchtszügen und offenen, glanzlosen blouen Augen. Daß er zu dem Schiffe gehört hatte, war kaum zu bezweifeln. ' Einen Augenblick lang blieben die bei den Männer bei dem Todten stehen, dann zog ihn Jan etwas weiter an den Strand, wohin selbst die Hochfluth nicht reichte, und sie schritten am Strande entlang weiter, ohne die verschiedenartig angeschwemmten Gegenstände näher zu unteesuchen- Die Ebbe mußte bald eintreten, dann waren dieselben ja ohnehin am Strange gebor gen. In der Nähe des Gehöftes kam Heinrich in sichtbarer Aufregung auf sie zu. Ein Schiff ist am Riff gestrandet!" rief er. Hältst Du uns für blind ?" entgegneie der Vogt kurz. Es ist in der größten Gefahr und noch sindszwei Menschen an Bord, ein Mann und eine Frau," fuhr Heinrich ohne auf die halb zurückweisende Antwort zu achten, fort. Das kurze, aber äußerst scharfe Fernrohr, welches er in der Hand hielt, bewies, daß er das Wrack sorgsältig betrachtet hatte. Eine Frau V sragte Jan zweifelnd. ' Der Vogt richtete sein Glas, auf das Schiff, der jetzt völlig herangebrochene Tag ließ ihn deutlicher sehen. Er hat Recht," sprach er und schritt wei ter dem Hause zu. Dort angelangt, rief er den Knecht und befahl ihm, sich bereit zu halten. Er legte sein Fernrohr vorsichtig bei Seite, nahm eine mit Genever gefüllte Flasche und war. im Begriff, das Haus wieder zu verlaffen. Seine Frau trat zu ihm. Auf dem Riff liegt es ?" sragte sie. Ja." Werdet ihr herankommen können V Natürlich," gab der Vogt. zur Antwort und verlieb daS Haus Er ging einem gefahrvollen, kühnen Unternehmen entge gen, allein er dachte kaum an die Gefahr, er war dagegen abgestumpft. Zu oft schon hatte er sein Leben gewagt und war stets glücklich wieder heimgekehrt, die Habsucht ließ auch jetzt kein Bedenken in ihm auf keimen. Er verließ sich auch aus seine und seines Bruders Kaltblütigkeit und Geschick lichkeit. Beide waren srüher Matrosen ge wesen und von Jugend aus auf dem Meere vertraut. In meilenweitem Umkreise kannte er das Meer genau. (gortsetung folgt.) . Daß die Bulgaren im letzten Kriege ungeheure Opfer brachten, das wird nun mehr ziffermäßig nachgewiesen. Eine so eben veröffentlichte Statistik der Verluste, die die bulgarische Bevölkerung blos in den Sandschaken von Philippopel und Slivno an Gut und Blut erlitten hat, weist folgende horrende Zahlen auf. Es wur den zerstört: 38.90 Häuser, 153 Kirchen, 127 Schulen und 400 verschiedene Baulich leiten ; Menschenleben gingen zu Grunde : durch Mord 16.493, durch Feuer 65. durch Verurtheilung zum Strang 623. Wenn man dieses Verhältniß auch auf die ande ren Sandschake anwendet, so erhält man Ziffern, die einem die Haare zu Berge treiben. ' ,. -
Deutsch-englische Unabh. '
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