Indiana Tribüne, Volume 1, Number 3, Indianapolis, Marion County, 31 August 1878 — Page 2
Indiana „Tribüne."
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Nepublikanische Btaa&Wüt' form, aufgestellt von der am 5. Juni 1878 abgehaltenen StaatZ'Convention : Die in Condintion versammelten Rkpublikaner von Jndiana geben folgende Prinzipienerklärung ab : 1. Die Aufrechterhaltung der Prinzipiell der republikanischen Partei als unerläßlich für den Frieden, die Erhaltung und Prosperitat der Nation. 2. Das Recht der freien Rede soll sorgfältig gewahrt werden, aber allen Ausschreitungen, die den öffentlichen Frieden bedrohen und Gesetzlosigkeit herbeiführen, soll kräftige Opposition entgegengesetzt w:rden. 3. Gleiche Rechte vordem Gesetz und gleichen Schutz durch d.'s Gesetz für Alle, ohne Unterschied der Rasse, Farbe, Nationalität und Stand. 4. Keine Privilegien für 'Jndividaen oder Klassen, d. h. keine Klassen-Gesetzgebung. 5. Opposition gegen alle Subsidien, nationa le, Staats, oder muni.ipale. 6. Unsere Volksschulen sollen heilig gehalten und daö System aufrecht erhalten we rden, der Schul fond d arf nun und nimmer zu sec tirerischen Zwecken verwendet werden. 7. Strengste Sparsamkeit in allen Zweigen der öffentlichen Verwaltung. 8. Eine gerechte Eintheilung und Limitirung der Steuern, sowohl municipaler, nationaler etc. 9. Opposition gegen Vermehrung der muni cipalen Schuldenlast. 10. Strenge Verantwortlichkeit der öffentlichen Beamten. 11. Eine gerechte Reduktion und Aequalisation der Gebühren der öffentlichen Beamten. 12. Einführung von Gesetzen, die an und für Eisenbahnen oder andere Corporationen arbei. tenden Leuten den verdienten Lohn sichern. 18. Eine gerechte Ermäßigung der Erundeigenthum betreffenden Beschlagnahme- (Erecution) Gesetze und Einsührnng eines liberalen HeimstättegesetzeS. 14. Gesetze zum Schutze der Bergleute und Kohlengräber und sonstigen Arbeitern, die lebensgesährlichen Beschäftigungen obliegen. 15. Einführung strenger Registrirungs- und Wahlgesetze durch ein Amendement zur Constitution. 16. Sympathie mit allen auf individuelle Re form hinzielenden Anstrengungen. 17. Solche Gesetze zum Schutze und zur För dernng der amerikanischen Industrie, durch welche gleichzeitig dem Arbeiter der volle Gegenwerth für seine Arbeit gesichert wird. 18. Wir erklären uns serner für Beibehaltung und gegen Tntwerthungder Greenback.Currench. 19. Eine gesunde Gold-Currency gleichwerthiz mit Silber und Papier, (d. h. Gold, Silber uud Papier müssen den gleichen Werth haben und Paviergeld jederzeit in Gold und Silber umtauschbar sein.) 20. Bundesgesetze, welche Bezahlung von Zöllen und Einlösung von BsndS mit Greeubackt gestattet. 21. Opposition gegen alle weitere experimentale Finanz.Gesttzgebung; Stabilität ist uner läßlich für die Prosperitat von Handel und In. dustrie. 22. Unisnssoldaten sollten in Ehren gehalten werden und die Handlungsweise des demokrati schen HauseS : Absetzung und Ersetzung derselben durch confoderirte Soldaten, follte von jedem Patrioten verdammt werden. 23. Opposition gegen alle aus der Rebellion entspringenden Ansprüche (Southern or Uebel Claims.) 24. Wir verdammen die Hand, lung sweis e des demokratischen HauseS des Eongresses, welches Bezahlung von Rebellen-Ansprü. chen zum Gesammtbetrage von über $200,000,000 forderte, als eine Verschwörung gegen die Regierung, nicht so offen wie bewaffne te, aber nicht minder gefährlich. 25. Wir halten die Handlungsweise deS demo. ratischen Hauses, welches rechtmäßig erwählte republikanische Repräsentanten ihrer Sitze be. raubte und Parteigänger in deren Plätze ein schmuggelte, ohne die geringste Rücksicht auf die Rechte des Volkes zu nehmen, für im höchsten Grade ungerecht. 26. Die Führer der demokratischen Partei der suchen eine revolutionäre Partei aus derselben zu machen; sie lassen denr Volke nicht die ihm so nothige Ruhe, durch fortgesetzte Agitation und Hetzerei untergraben sie den Frieden des Volkes und stellen dem Wiederaufleben von Handel und Wandel Hindernisse in den Weg durch ihre Wüh. lereien, die auf weiter nichts hinzielen, als politische Capital für ihre Partei herauszuschlagen. (Potter'scher Untersuchungs.Schwindel.) Der Frieden und die Prosperität des Landes sind ih. nen uichts, politische Capitamacherei alle. Der Ruf: .Schwindel und Betrug" in Bezug ans die Präsidentenwahl dient ihnen als ein Deck, mantel, unter dem man die Gewaltakte im Sü. den,' durch welche Taufende von Bürgern ihres Stimmrechtes beraubt und corrumpirt wurden, verstecken will; die unscrupulöse Art und Weise,
in welcher die demokratische Führer Elektoralstimmen zu kaufen suchten, macht dieselben des Vertrauens des Volkes unwürdig. 27. Das Absprechen des RechtstitelS des Prä. sidenten HaheS auf fein Amt ist ein desperater Parteiact, und der Versuch, ihn auS seinem Amte zu entfernen, ist revolutionärer Widerstand gegen die Gesetze. Wenn derselbe nicht von dem Volke verdammt wird, dann wird derselbe einen Präzedenzfall liefern, auf den sich alle geschlagenen Parteien stützen können, die gegen Recht und E setz ankämpfen und ihre Anhänger zu Gewaltak. ten hinreißen, durch welche Anarchie und Zustände herbeigeführt Werdens wie sie in Meziko herrschen. 28. Die Elektoral-Commission (Schiedsge. richt) war mit Zustimmung der demokratischen Mitglieder im Congreß durch einen Akt des Congresses geschaffen worden; die Entscheidung der. selben wurde vom Congreß bestätigt und wurde dadurch endgültig. Ueber dieser Entscheidung kann Niemand hinaus, nnr Revolution kinnte sie umstoßen; durch diese Entscheidung wurde der Rechtstitel Hahes ebenso fest und unantastbar Wie der eines jeden der früheren Präsidenten. Wirerblicken in seiner persönlichen Integrität und in seiner Administration die Garantie dafür, daß er die Ehre deö Landes wahren und die Pro. sperität der Ration erhöhen werde. 29. Wir erklären feierlich, daß wir Präsident Hahes und die gesetzlichen Autoritäten unter, stützen und gegen alle revolutionären Angriffe schützen werden. 39. Und bei dieser, der ersten sich uns darbie. tenden Gelegenheit gedenken wir der großen Ver. dienste deö selig entschlafenen Oliver P.Mort o n, unvergeßlich für die Partei. Was er für diese, den Staat und das Land gethan, ist jetzt Geschichte. Wir werden sein eminente Führertalent und seine uneigennützig' Dienste im In. teeesse der öffentlichen Wohlfahrt nie vergessen können. Da Volk von Jndiana wird seinen Namen und sein Andenlen, auf den die Na. tion stolz ist, in Ehren halten. Aphorismen. Die Krankheit ehrlicher Männer ist, sich für unentbehrlich zu halten. Nationen neue Ideen beizubringen, ist nicht die Sache eines einzigen Tages. Ein Jeder, weil er sp ri ch t, glaubt auch über die Sprache sprechen zu können. Eine Nation im Revolutionszustande gleicht dem Erz, das im Schmelztiegel wallt und sich reinigt. Ei sehr unwissendes Volk wird sich gerade wegen seine Unwissenheit zu einer Religion voller Wunder neigen. Wenn eö überhaupt mit aller Geschichte viel auf sich haben sollte, müßte unser Geschlecht nicht ein so erzlüg enhastes sein, wie eö leider ist. Die Religion sollte immer von der Regierung getrennt sein; sie steht nur darin mit dieser in Verbindung, daß sie, indem sie die Sittlichkeit des Volkes zu befördern trachtet, zur Aufrechthaltung der Ordnung im Staate beiträgt. Hinter den Bergen wohnen auch Leute. Sei bescheiden, Künstler ! Du hast noch nichts erfun den und gedacht, was nicht Andere bor Dir schon gedacht und erfunden. Und hättest Du's, so betrachte es als ein Geschenk von Oben, was Du mit Anderen zu theilen hast. (Schumann, Mu. sik und Musiker.) Die Religion ist bei vielen Völkern der Astronomie gleich gewesen : beide gingen den histori schen Zeiten vorher, beide waren eine Mischung von Wahrheit und Betrug. Die ersten Beobachter des wahrhaften Laufes der Gestirne schrieben diesen irrthümliche Wirkungen zu, die Gründer der Religion beschmutzten den Cultus durch Aber, glauben, während sie die Gottheit anerkannten. Mit großer Andacht kann ich der Sehnsucht junger Gemüther nach dem Wunderbaren uud Uebernatürlichen zusehen. Wie freudig sie auch den bunten Schein der Dinge in sich aufnehmen, doch suchen sie zugleich etwas anderes, was sie ihm entgegenfetzen können; auf allen Seiten greifen sie umher, ob nicht etwas über die gewohnten Erscheinungen und das leichte Spiel des Lebens hinausreiche; und wie diel auch ihrer Wahrnehmung irdische Gegenstände dargeboten werden, es ist immer als hätten sie außer diesen Sinnen noch andere, welche ohne Nahrung dergehen müßten. Dasist die erste Regung der Religion. (Schlciermacher, Ueber die Religion.) Der größte' Theil der Geschichte enthält die Schilderungen des mannigfaltigen Elends, welches Stolz, Ehrsucht, Geiz, Rachgier, blinde Lust, Empörungsgeist, Heuch:lei, ausschweifender Ei. fer und daö ganze Heer der ungezügelten Neigun gen über die Welt gebracht haben, die in der gro. ßen Gesellschaft ebenso hausen, wie sie in finstern Stürme Der kleinen Hütte Flieden wild zerstören, Und jede holde Blume dieleS LtbenS In blider Wth zerknicken " Jene Laster sind die Ursachen dieser Stürme ; Religion, Moral, Gesetze, Privilegien, Freiheit und Menschenrechte sind der Vorwand.
Staat. ? Bei K o kom o wurde der Schneider. John' W. Moore erschlagen und beraubt. ? Das neue Courthaus zu La Gran ge, dessen Grundstein kürzlich gelegt wurde, soll $60,. 050 kosten. ; ?JuPlainfield stürzte plötzlich die Guttin des James Winston nieder urd blieb auf der Stelle todt. ? Der Turnverein in Ed an ö v ille hat eine Klasse für junge Damen eröffnet, die höchst erfreuliche Fortschritte macht. ? In Osceola, Elkhart Co., brach ein Wagen, auf dem drei Männer saßen, durch eine Brücke. Ein Mann und ein Pserd blieben todt. ? Die Reunion deö 32. Jndiana Regiments, die am 24. d. M. in Terre Haute hätte stattfinden sollen, ist in Anbetracht der schlechten Zeiten" aus nächstes Jahr verschoben worden. ?Jn Osgood entdeckten Zimmerleute, die das Haus des Dr. Hoel ausbesserten, eine Menge falscher 60 Cents Papierstücke zwischen dem Ge. bälk versteckt. Daö Haus gehörte früher einem gewissen Jke Levh. ?Jn Evanöville hielt am Sonntag die Doctorin A. E. Cutter in der Turnhalle einen Vortrag über Heirathen wie sie sind und wie sie sein sollten Nur Herren wurden zugelassen. Der Rest ist Schweigen. ? Der Apotheker und Doktor Louis Henrich in Millhausen ist wegen krummer Schnaps, oder Biertransaktionen von dem Ver. Staaten Marschall verhaftet worden. Man fand ein un. gestempeltes Bierkeg in seinem Keller. ? In Vincenneö macht-n sich am Sonn. tag Ratten an daö etwa ein Jahr alte Kind der Frau Kaiser, während dieselbe abwesend war, uud zernagten die Wangen des Kleinen. Am Montag Morgen erneuerten die Thiere ihren An. griff und bissen dem Kinde einen Daumen ab. ? Ein sonderbares Unglück betraf Friedrich Mugkar in einem Steinbruch bei Ri ch m o n d. Er hatte eineBrechstange in eine sogenannte Rath des Steinlagerö hineingearbeitet, alö sich dieselbe plötzlich öffnete, so daß d:e Brechstange Legen seine Brust flog und ihm eine gefährliche, wenn nicht tödtliche Wunde beibrachte. ? In der Nähe von Clark'S Hill wurde John White, der in berauschtem Zustande auf dem Geleise eingeschlafen war, von einem Zuge überfahren. Er wurde 30 Fuß mit fortgeschleu. dert und erlitt 20 Knochenbrüche. Zur Ze't, als sich dos Unglück ereignete, fand dort ein Sonn. tagischul.Picnic statt. ?Jn Evanöville fand am Sonntag die Einweihung der neuen St. Joseph'S Academie durch Bischos Chatard statt. Vereine von EvanS. bitte, Owensboro, Henderson, Vincenneö, Haubstadt, St. Wendel, Mount Vernon und Terre Haute bildeten den Festzug, in dem der May?r und der Stadtrath sigurirten. ? Der Brookville Leuchtthurm berichtet: Einige Leute in Brookville wollen auch Federbett.Militär.Ehre erwerben." .Wie kommt
es, daß die Insassen de Counth.GefängnisseS so! viel Damenbesuch haben ?" Die Anstalten für die kommende Ackerbau-Ausstellung werden wirl. lich großartig getroffen." Herr Volk hat einen dier Jahr alten Rtbestock, der in diesem Jahre 810 Weintrauben trägt. ? In F o rt W a h n e versteht man die Kunst mit Hexen umzugehen." Eine dort wohnende Frau, die durch ihr böses Mundwerk von der ganzen Nachbarschaft gefürchtet und gehaßt wrd, fand am Morgen an der auf die Straße führen, den ParlorThür einen kleinen nett gearbeiteten Mculkorb von Mcssingdraht. Da sie keinen Hund hat, wußten die Vorübergehenden bald, was das zu bedeutm habe, und soll seit der Zeit nie gekannte Ruhe in dem Stadtviertel herrschen. ?Die Evansvill: und Terre Haute Eisenbahn. Gesellschaft hat wieder sog. Spotters" auf ihren Zügen angestellt gehabt und die Folge war, daß kürzlich der Fracht.Condukteur Bud Tbzmas, welcher bereits zehn Jahre im Dienste stand, ent. lassen und ein gewisser James Hoffman an seinen Platz gestellt wurde. Am Abend desselben Tages wurde ein anderer Fracht.Condukteur Namens G. St, Gregg, welcher bereits fünfzehn Jahre im Dienste der Bahngefellschaft stand, entlassen und die vakant gewordene Stelle seinem Bruder Milt. Gregg gegeben. ? Das Huntingburgh Signal" bringt tol. gende, Vater EberhardStadler, einen früheren, sehr populären Pfarrer der Jndianapoli. fer St. Marienkirche betreffende Notiz: Am Dienstag Abend der verflogenen Woche brachte die Ferdinand Braß'Band und der Kirchenchor ihrem Ehrw. Pfarrer Eberhard eine Serenade unb überreichte ihm bei der Gelegenheit einige passende Geschenke in Anerkennung ihrer aufrich. tigen Ergebung und Liebe zu ihm. Herr Pfarrer Eberhard hielt darauf eine entsprechende An spräche. ? In Salem hat die 40jährige Frau Ri. chardö an einem Tage zwei Selbstmord-Versuche gemacht. Zuerst hing sie sich an einen Pfirsich, bäum, ward aber gleich gesehen und herunterge. schnitte, dann wollte sie sich mit einer ReiterPistole erschießen. Frau Richards hat Liebes, kummer. Der alte 79jäh?ige.Quäker Trneblood hatte ihr das Heirathen versprochen und ihrdann eine 30jährige Dame vorgezogen. Sie verklagte ihn wegen deö gebrochenen Herzens und erhielt blos eine ganz nominelle Entschädigungssumme zugesprochen.
? In Brazil wurde John Villeter von tu nem Zuge überfahren und getödtet. ? Der Brookville Leuchtthurm schreibt: Es geht ein Gerücht über eine Anzabl junger Damen dieser Stadt, welches sehr auf ihren Charakter reflektirt. Selbst wenn es wahr wäre, würde der Anstand und die Nächstenliebe erforder , daß man wenig sage ; aber wie wir vernehmen, ist das ganze Gerücht unbegründet. Wer in diesem Falle das Gerede verursachte, ist schuftig." Das ist brav von Ihnen, Herr College Moormann, für die Unschuld und Tugend nur immer eine Lanze eingelegt ! ? Im Evanöville D emokrat" em. psiehlt ein Herr Conrad Knriger, wohnhast in Evanöville, folgendes probate Mittel gegen die Hühnercholera : Man nehme 1 Psd.Eisenvitriol löse dasselbe in einer Gallone heißem Wasser auf, setze diesem noch eine Gallone kaltem Wasser hin. zu und stelle es, wenn kalt geworden, den Hüh. nern hin. Nur muß man dafür sorgen, daß die Hühner kein anderes Wasser finden. Wenn sie Von dem mit Eisenvitriol vermischten Wasser trinken, werden sie in jedem Falle kurirt." Er behauptet, das Mi tel im Jahre 1860 in Frank, reich mit Erfolg angewandt zu haben. ? Eine schanderhaste Tragödie ereignete sich am Mittwoch voriger Woche einige Meilen vom allerliebsten Schweizerstädtchen Tell City, welcher zwei Menschenleben zum Opfer sielen. Mons. DeVille, ein Franzose von ca. 68 Jahren, hatte sich vor nicht langer Zeit mit einem jungen Mädchen von 27 Jahren berheirathet, war aber fürchterlih) eifersüchtig auf seine Frau, obwohl ohne jeglichen Grund. Am Mittwoch kam De Ville in einem Wuthanfall nach Hause, zog, als er seiner Frau ansichtig wurde, einen Revolver und schoß ihr eine Kugel durch den Kopf. Die Kugel war in das Auge eingedrungen und hatte den sofortigen Tod des jungen Weibeö zur Folge. Sie starb in den Armen ihrer Mutter u. Schwester, welche Zeugen des gräßlichen Auftrittes ge. Wesen waren. Kaum hatte De Ville den tödtliehen Schuß auf seine Frau abgefeuert, als er den Hahn seines Revolvers von Nenem spannte und letzteren gegen seinen eigenen Kopf setzte. Ein kurzer, scharfer Knall und DeVille stürzte mit einer Kugel im Kopfe zu Boden, woselbst er nach kurzer Zeit verschied. Unbegründete Eiser. sucht war das Motiv für diese entsetzliche That. (Aus dem Züricher .Nebelspalter.Die Gensdarmen deö ,Nebelspalter sind in Folge des Beschlusses der deutschen Reichsregierung, gegen die übermäßigen Freiheiten des deutschen Volkes strenge Maßregeln zu ergreifen, zu einer außerordeutlichen Sitzung zusammengetreten und erlauben sich ehrfurchtsvollst folgende de mülhigen Vorschläge zu machen : 1. Die Freiheit, sie ist zwar kein leerer Wahn, D'rum wird sie auf ewig jetzt abgethan. 2. Die Regierung bestimmt, was gut und was schlecht, Gehorsam allein ist des Volkes Recht. . Doch, daß dem Deutschen bleibe die Eonsti. tution. Wird reif er mit vierzig Jahren schon. 4. Und daß er politisch nicht selber wühlt. Darf er wählen, wen ihm die Regierung empfiehlt. 5. Dem Staate gehört Alles, was er erwirbt, Auch hat er das Recht, daß er für's Vater. land stirbt. 6. Und aufgelöst wird jetzt jede Partei, Eö denkt für den Bürger die Polizei. 7. Die Prügelstrafe wird eingeführt. Wie sich's für die Unterthanen" gebührt. 8. Die Meinung ist frei, doch gibt sie Wer kund, Wird lebenslänglich er eingespunnt. 9. Und wo sich versammelt das Volk im Verein, Da schießt man mit scharfen Patronen d'rein. 10. Der Presse bleibt weiter Richt erlaubt, Als daß sie an Sott und den Teufel glaubt. 11. Alles, was auf zwei Beinen geht, Ist Eigenthum Sr. kaiserlichen Majestät. 12. Und murrt hiergegen das Publikum, Wird aufgehängt eö verstanden ? Schrurnm ! Der Zweifel trsibt dich an, der Zweifel macht dich stocken, Er dient zu hemmen dich und vorwärts dich zu v locken. Zur JdenNtäts-Bestim. m u n g. Notar (schreibend): Der m i r nach Namen, Stand und Wohnort b e - kannte (sich zu der Partei wen dend) wieheißenSie?" Die Vermonter Greenbackler spielen sich alsRetter der Republik auf . . . Arme Republik, die auf Luftgeld" gebaut ist! Das sich geistiges Turn Comite" nennende Comite für geistiges Turnen in Cincinnati hat im Namen der dortigen Turngemeinde zu Ehren seines verstorbenen Ehrenmitgliedes, deö BierbrauersKarl Geisbauer in Covington, beschlossen, die Flagge auf der Turnhalle drei Tage auf Halbmast zu ziehen. Der Verstorbene lei stete bekanntlich, als die Cincinnatier im Jahre 1856 durch die ungerechte Angriffe in Covington in der größten Bedrängniß waren, in der uneigennützigsten Weise mit seinem VermögenBürgschaft für dieselben.
Kumoristisches. In Paris hat man viereckige Regen schirme erfunden. Was ist'S ? Die Quadratur des Cirkels ! Was bedeuten vier übereinander ge legte Zündhölzer? Ein Quartett von Streichinstrumenten. In den Neu England Staaten gilt eö als guter Ton in den Gefängnissen, dab kein Sträfling den andern frägt, was für ein Verbrechen er begangen. Der Anstand verlangt zu glauben, er habe überhaupt kein Verbrechen begangen. v Das einzige Merkrrkal, woran man eine Chinesin von dem Chinesen unter fcheidet, ist die Geläufigkeit der Zunge. Es ist nicht nöthig, die Randglosie beizufügen, daß die nämliche Regel auch in anderen Racen die Geschlechter unterscheidet. Geschmacksveränderun g. Einer, dem bei seinem Wirthe, o lange er pumpen mußte, die ihm dargereichte Sorte Whiskey immer prächtig schmeckte," stößt denselben, als er endlich in dieLage kommt, bezahlen zu können, nasrümpfend zurück mit den Worten : Was 'n Stoff " Der folgende schlechte Witz macht eben in den englischen Blättern die Runde. Als die Prüfungs'Commission einem Cändi daten für eine Wächterstelle die Frage vor legte: Wie weit ist die Sonne von der Erde entfernt V erwiderte dieser : WaS hat das mit dem Reinigen von Spucknäp fen zu schaffen V In der Hitze des Gefechts. Eine Rednerin auf dem Pariser Frauen rechts-Congreß erging sich in folgender Klage: Wir werden nackt geboren und doch zwingt uns die Gesellschaft, unsere Blößen mit Meidern zu decken, für welche wir arbeiten müsien. Anomalien wie diese werden schnell verschwinden, sobald man uns unsere Rechte zugesteht." Gastronomische Vorsicht. In einer der zahlreichen billigen Restaurationen des Quartier Latin zu Paris wird eine schöne, großeKatze gehalten, die von allenStamm gästen des Etabliffements wohlgekannt ist. So oft man ihnen nun einen Hasenbraten auftischt, erklären sie einmüthig, dieSpeise nicht anrühren zu wollen, ehe man ihnen die Katze des Etabliffements lebend gezeigt hat. Bei Gelegenheit eines AudienzTer mins steckte, so berichtet die Berliner Tribune," der zu längerer Gefängnißstrafe ver urtheilte Redakteur der B. Fr. Pr.," Finke, dem sozialistischen Agitator Rackow ein Brieflein in die Hand, in welchem er sich Über seine Verpflegung im Stadtvog. teiGefängnib äußerte. Er bemerkte dar t n, daß er an Ciganen und Vier bestohlen sei, daß der Ausseher ja auch rauchen wolle, daß die Kalsactoren nicht schlecht betteln, daß noch mehrCigarren spurlos verschwin den, wenn man nicht gutwillig gebe etc. Dieser vertrauliche Brief wurde jüngst bei einer Haussuchung bei Rackow vorgcfun den, dieserhalb gegen Finke die Anklage erhoben und derselbe wegen BeamtenBe leidigung zu zehn Tagen Gefängniß ver urtheilt. Qin Helm als Maulkorb. Der Moniteur Universel" erzählt fsl gendes amüsante Geschichtchen. Vor drei Jahren wohnte auf dem Boulevard des Batignolles in Paris ein Trödler, den wir nennen wollen. Seine Frau war im höchsten Grade nervös und hatte jeden Au genblick Nervenanfälle. An einem Juli Morgen wurde sie von einem so starken Krampf befallen, daß ihr Mann in seinem Schrecken glaubte, sie sei wahnsinnig ze worden. Er ergriff also in seiner Ver zweiflung einen mittelalterlichen Helm, der sich in seinem Gewölbe vorfand und setzte ihr denselben nach Art eines MaulkorbeS auf, um sie am Beißen zu hindern. Dann jagte er sie aus dem Hause, obschon sie im Hemde war. Man kann sich das Halloh des Publikums beim Anblick dieser Frau im Hemde mit einem Helm und wallenden Federbusch vorstellen. Nachdem man je doch genug gelacht hatte, beschloß man, sie zum Polizei-Commiffär zu führen. Wäh rend dieses Ganges hatte sich der Anfall gelegt und Frau . . . konnte mit einer auS der Tiefe des Helms hervorkommenden rauhen Stimme ihren Namen und ihre Adreffe angeben. Der Mann wurde herbeigeholt, um ihr den Helm abzunehmen, aber jetzt begann erst das wirkliche Drama. Das Visir war durch eine geheime Feder geschloffen, welche Herr . nicht kannte. Man mußte einen Schloffer rufen, der 24 Stunden arbeitete, um Frau . frei zu machen, welche mittlerweile mit Suppe ge nährt wurde, die man ihr zweimal des Ta ges mittelst Röhrchen durch die Spalten des Vistrs beibrachte.
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