Indiana Tribüne, Volume 28, Number 15, Indianapolis, Marion County, 9 September 1904 — Page 7
Jndiana Tribüne, S. September IDOa.
Das Brich dcr Erdc Voman von Anton Freiherr v. Perfüll
(Fortsetzung.) Als er geendet, trat Lüdemann vor. Er war bleich, seine Züge hatten sich noch .geschärft, fein Blick überflog die Versammlung und bannte sie. Lautlose Stille. Er begann mit unsicherer Stimme: von dem mühseligen Weg, den er aufgestiegen, von den Hindernissen, die er überwunden, von dem felsenfesten Glauben an den Sieg der Arbeit, des Lebens einzigen Zweck und Sinn. Es liegt aber im Wesen alles Lebendigen ein wahres Kämpfen und Ringen, ein ewiges Sichbewegen, Wechsein. Absterben und Erneuern Ruhe ist Tod. Arbeit! Alles in Arbeit umzusetzen, ist das große Gesetz. Unerrneßlich ihr Wachsthum, unerschöpflich ihre Quellen und immer neue drängen zum Licht. Wir stehen heute vor so einer Quelle, deren Strahl befruchtend heraufsteigen soll und ein Mann der Arbeit war es, der 'sie gefunden, Pankratz Rohrbacher war es, den ich mit ? Freuden meinen Genossen nenne mit undertfacher Freude, w:il es ein Bauer ist, ein Mann des Standes, der im altererbten Festhalten an seinem Boden mißtrauisch auf eine Macht blickt, die im jähen, Sturmschritt die Welt zu erobern und sein heimliches Glück zu zermalmen droht die Industrie! Man hat den Glauben verbreitet, es handle sich um den Machtwillen einer gewissen Menschheitsgruppe und daraufhin einen erbitterten Kampf eröffnet, der schon viel Unheil angerichtet. Es ist aber eine Lüge, sage ich Ihnen, es handelt sich um etwas ganz anderes, um das eherne Gesetz der Erde, das sich immer wieder sein Recht verschafft ein Gesetz, das einer aus Eurer Mitte in klaren Worten ausgedrückt, das Ihr alle kennt und auch bekämpft: ,Was Du der Erde auf der einen Seite nimmst, mußt Du ihr auf der anderen Seite wieder geben, sonst holt sie es sich selbst, nachher spukt's, nachher kracht's!' Ist das nicht das .Gesetz, das Du seit einem Menfchenalter hier verkündigst, Jakob Rohrbacher?" wandte sich Lüdemann an den Greis, der, auf seinen Stock gestützt, weit vorgebeugt, starren Blickes und offenen Mundes seinen Worten lauschte, der. alte Rohrbacher, der sich mühsam hergeschleppt.
Der Alte trat schwankend gegen den Redner vor. Ja, ja, so heißt das Gesetz. Hüt Dich davor, so mächtig Du
bist, ich warn Dich, Ludemann!
Allgemeine Mißbilligung wurde laut. Ruhig! 'Raus mit dem alten Rar-
ren! heften 5ch Stimmen vernehmen. Da kehrte er sich mit einer verächt-
lichen Bewegung um. Jhr seid die Narren, aber Ihr verdient nit mehr,
als daß es über Euch kommt und Euch zerbricht wie einen dürren Ast, Ihr habt
sie ja alleweil verrathen und verkauft
aber zu dem red i " er wandte sich wieder an Lüdemann, der mich versteht,
der das (Men kennt und dock net
acht'"
Da irrst Du Dich, Alter." begann
jetzt Ludemann mit lauter Stimme,
im Gegentheil, ich sage, nicht einmal sollst Du der Erde geben, was Du ihr
aenommen.hunderifach, tausendfach ver
langt sie es zurück, um hundertfaches.
tausendfaches Leben daraus zu schaffen. Dieses Verlangen zu erfüllen, ist die
neue Zeit heraufgezogen, eine Zeit der
Arbeit, wie sie die Menschheit noch nie erlebt, und dieser Zeit müssen wir dienen, ob wir wollen oder nicht aber nicht getrennt, sondern vereint in dem
einen Geist, der uns Sklaven der Erde zu ihrem Herrn macht. Reichen wir uns die Hände, Bauer und Arbeiter, betrachten wir die Erde als ein gemein-
sames Arbeitsfeld, auf dem es gilt, das Kleinste zu nutzen! Sch'ärftn wir die
Waffen nicht gegeneinander, sondern zur gemeinsamen Wehr gegen die rauhe
Wirklichkeit! Zusammenhalten, arbei-
. ten, das Gesetz erfüllen! Und nun mit
Gott. Glückauf zur ersten Fahrt!"
Das Zeichen ertönte, die Mannschaft bestieg den Korb und versank in die
tft. Hierauf lud Ludemann sammt liche Gäste zur Einfahrt ein. Man be
gab sich in einen breiten Raum, um den
nöthigen Kleiderwechsel vorzunehmen.
Als die Gesellschaft wieder erschien.
wurde sie mit lautem Jubel begrüßt. Der m'äcktiae Lüdemann war ver-
fchwunden, eine derbe, knochige Arbei
tergestalt war daraus geworden, die
niemand ausgefallen wäre, Bessy und Reserl glichen sich im Leinenkittel, die
schwarze Mutze auf dem Kopf, zum
Verwechseln, und ihre Begleiter wurden sichtlich davon berührt. Anderl wurde muthiger. Franz Lüdemann war be-
geistert von dem lieblichen Kmd an sei
ner Seite, das mit dem zarten Gesicht
einer verkleideten Prinzessin glich.
Ein sinnverwirrendes ' Gleiten und
Sausen man war auf der Sohle des
Schachts angelangt. Ein wohlgefügtes Gewölbe bildete die Decke, in einer
Nische hing ein Christus, zu seinen Fü
ßen eine brennende Ampel, die einen
zarten, rothen Schem zu dem Gekreu
zigten emporsandte. Nebenan war der Maschinenraum, der große Ventilator war hier im Gang, der Stolz Lüde-
manns. über dessen Erklärung er kein
Ende fand.
Immerfort brachte der F'örderkorb neue Besucher, man nahm es damit
nicht so genau. Am Ende hatte jede?
Rohrbacher sein gutes Recht darauf.
Bessy, glühend vor Eifer, drängte
Anderl weiter. Der Vortrag des Va-
ters drohte kem Ende zu nehmen. An-
derl war ganz in ihrem Bann. Sie gab
sich wie em Junge voll Uebermuth und Laune.
Herrlich! Herrlich!" begann sie, mit Dir da unter der Erde zu bum-
mein! Ich weiß selbst nicht, wie mir
das vorkommt ganz anders nicht
einmal oben auf der Alm suhlte lch
mich so frei, Anderl. ich wollte, ich wäre ein Junge und wir beide einfache Arbei-
ter, ich glaube, wir wurden die besten
Freunde weißt Du, so alles zusammen theilen, da herunten, Freude, Arbeit und Noth wenn Du einmal verschüttet bist. Dich herausgraben oder Du mich. Ich habe einmal so eine Geschichte gelesen "
Berufen Sie sich nicht, Fraulem
Bessy-"
Ich bitte Dich, mcht Fraulem zu
sagen, das rohdrt alles Bessy sage"
Sie hatten na,, einem mtt olz lorg-
fältig ausgezimmerten, elektrisch beleuchteten Gang folgend, völlig von den übrigen entfernt. Bessy trieb immer vorwärts. Die Grube war schon im
Betrieb und dieArbeiter vor Ort bereits
thätig: so wollte es Lüdemann, um den
Besuchern ein fertiges Bild zu bieten.
Als Anderl endlich ganz von Weitem
Stimmenlärm hörte, war es ihm wie
eine Erlösung; er eilte darauf zu, trotz Itx Bitten Vessys. Lüdemann war es
mit semen Gasten. Man stand vor Ort," zum ersten Mal sah man die
Kohle. Es war ein guter Gang. Bei jedem Hieb des Arbeiters fielen mäch-
tige Stucke zu Boden.
Man befand sich zetzt m der Verlan-
gerung ves uriprunglicyen allen
Schachts. Seltsamerweise hatte man früher dicht vor der Eröffnung des Flözes die Versuche aufgegeben, wohl indem man sich durch eine plötzliche
Knickung irre führen ließ.
Andachtig lauschte alles den Erkla4 a ft t I
rungen uuoemanns. vtucy oer ant
Rohrbacher hatte sich bis hierher ge-
schleppt, und neben ihm stand der Pan-
kratz.
Bessy war den Ernst rasch satt. Dicht
vor dem Platz, an dem sie stand, führte eine Leiter aufwärts in den oberen Schacht. Die ließ ihr keine Ruhe. Die-
fes einsame Streifen an der Seite An-
derls in dieser fremden Welt hatte es
ihr angethan. Im Nu kletterte sie hin-
auf und flüsterte Anderl zu, ihr zu fol-
gen. (
Erst nahm sie tiefe Nacht auf, dann
lockte ein Licht, em glänzend Stern
der hoch oben zu schweben schien. Den
wollte sie erreichen. Anderl mußte ihr
folgen. Eine enge Bühne tauchte auf.
Von ihr aus führte die Leiter weiter
dem Stern zu. Von den schwarzen
Wänden troff das Wasser, oft verengten
sie sich so, daß ihr Ichmaler Korper
kaum hindurch konnte sie mußte wis
sen, was dcr Stern bedeutete.
Endlich hatte sie ihn erreicyt, eme ge-
räumige SßhU, die die Natur selbst qe-
bildet zu haben schien. Die Steinmasse
wölbte sich zu einer naturlichen Kuppel,
auf einem Vorsprung stand eme bren-
nende Grubenlampe und verbreitete ein
mattes, bläuliches Licht das war der
Stern.
Ein dumpfes Brausen und Rollen
drang von irqendwo her, in einer tiefen
Rinne im Gestein schoß ein schäumender
Wasserstrahl in unbekannte Tiefen. Ein
wildromantischer Winkel, vierhundert
Meter unter der Erde!
Bessy war es wie im Märchen. ' Sie
setzte sich auf einen Felöblock und gab
sich ganz dem fremdartigen Eindruck
hin.
Anderl, zetzt that ich mich furchten,
wenn Du nicht bei mir warst.
Beim Schnesen durch die enge Fahrt
war ihr der Hut entfallen, das aufge-
steckte Haar hatte sich gelöst und fiel ihr
auf die Schulter, sie sah selbst aus wie
em Marchenkmd xn dem Halbdunkel
der Hohle.
Da machst Du mir einmal ein Zim
mer, ganz allein für mich, wenn Du
Grubendirektor bist."
Ich und Grubendirektor! Das
werd ich nie, da langt es wohl net da zu," meinte Anderl.
Schäme Dich, Anderl, zu allem langt's, wenn man will. Wer soll es
denn werden? Der Franz sein Lebtag
mcht. Also ein Fremder? Ware noch
schöner. O, wenn ich em Bub wäre!
Tief unter der Erde mir mein eigenes Reich schaffen, das wäre mein Fall, und immer tiefer graben, immer tiefer, bis das Feuer kommt oder was anderes wer weiß denn, was es da unten - , rrn L. "..!.
nocy aues gioi, em vunoermno oiei leicht, von dem wir keine Ahnung ha ben, große Höhlen und Seen, verfun
kene Wälder und seltsame Thiere viel-
leicht wirklich so etwas wie Gnomen!
Wer kann das sagen! Ich weiß nicht,
da herunten konnte ich an alles glauben
da kommen mir alle die Dinge von oben
so drollig vor wie wir uns spreizen
wie die Pfauen und einander anlügen
und der eine ist reich und der andere
arm, der eine hoch, der andere nieder
ich bm eine Dame
.Und ich bm em Bauernduv. er-
g'änzte Anderl.
Eben, sage ich ja aber da herunten
sind wir alle gleich. Den Papa zum
Beispiel, hütest Du ihn noch erkannt,
von einem Anfachen Arbeiter unterschieden? Zu drollig! Eigentlich machen wir uns das alles vor. und wenn wir
unseren Boden verlassen, auf dem wir stehen, ist's aus mit der Komödie! Ich mag sie gar nicht mehr anfangen wirst
sehen, ich thu's " Wie wollen Sie denn das machen ein Fräulein Lüdemann?"
mt ich das mache? Das mache ich so mit Dir mache ich den Anfang.
Du bist der Anderl, ich die Bessy! Zwei Kameraden von dem unterirdischen
Reich, die heraufgestiegen sind, um den
Menschen ihre Thorheit zu zeigen.
Da käme lch dem Herrn Ludemann
gerade recht."
Dem Papa? Da kennst Du den
Papa schlecht. Der Papa liebt Dich
a wohl, erst neulich sagte er, wirst se
hen, aus dem Anderl wird was. der arbeitet sich heraus. Ah, der Papa! Den
Muth, wenn Du den hattest. Ändert,
dann dann bekäme ich das Zimmer."
Anderl versagte der Athem m dem
engen dunstigen Raum. Er sah nichts
mehr wie das goldene Haar, oas im Schimmer des kleinen Lichtes leuchtete. Die Worte Bessys verwirrten ihn und weckten von Neuem sein glühendes Be-gehren.
Bessy hatte ihn von Anfang an ge-
fanaen genommen: das neue Leben,
das sich ihm eröffnete, nahm in ihm die r ir n - i . L!. f . 1 r
versuyreriicyue sorm an; oc icic Möglichkeit, die er aufdämmern sah.
schürte seine Leidenschaft. Das Rohrbacherblut regte sich in ihm, die Begehr-
lichkeit, die keine Schranke mehr kennt.
An Muth thät's mir nicht fehl'.
Bessy."
Es laq wohl etwas im Ton semer
Stimme, das Bessy erschreckte. Sie
erhob sich.
-Auf meine Arme that ich Dich am
liebsten hinauftragen an's Licht. Da
schaut her, was ich da unten g'funden hab, kostbarer als alle Kohlen von der
ganzen Welt! Kommt's her alle mit-
einander, wer eine Schneid hat, den letz-
ten Tropfen Blut geb ich dafür her
mein Leben, meine Seligkeit "
Anderl hatte Vessys Hand ergriffen.
Der Ausbruch kam ihr offenbar unver-
muthet, und doch verrieth ihr ganzes
Wesen, das zwischen mädchenhafter
Scheu und erwachter Empfindung
schwankte, daß sie nicht die Kraft und den Willen hatte, ihn abzuweisen. Anderl hatte ihrHaar ergriffen und drückte es an die Lippen, eine Huldigung, an die er vor diesem Augenblick wohl nie
gedacht.
Bessy wehrte ihm noch immer nicht,
sie blickte starr geradeaus, über Anderl hinweg.
Da stutzte er, kam zu sich: eine hef
iige Abwehr hätte er weniger gefürchtet er ließ das Haar los dann erfaßte
ihn das helle Grauen über den starren
Blick.
Bessy, Du hast es ja selbst so wol-
len."
Da wies das Mädchen über Anderl hinweg, während sie mit der Linken,
wie Hilfe suchend, den Hals des jungen Mannes erfaßte, da wandte er sich
und es ama ihm so wie Bessy.
Aus den dunklen Tiesen hob sich ein
bleiches Gesicht Afra! Es schien im
Dunkel zu schweben als aber ein schneidendes Lachen die Höhle füllte, da
schrie Bessy laut auf.
Ein sauberes Rest für die Kohl'nPrinzessin und ihren Liebhaber." rief Afra höhnisch. Da schau 'nauf. Al-
ban, die Resl wird wohl um emen Sto
höher sein mit ihrem Kavalier. Rasch
hast a'lernt, Anderl, bei dem Volk
kannst Du es noch weit bringen." Ein zweites Gesicht erschien neben dem ihren
m der engen Oessnung Alban!
Glaubst Du's jetzt? Hab ich zu viel g'fagt? Siehst Du seine noble Freun-
dm! Ja, ja, die lassen mx über, di
sind wie die Heuschrecken, wenn sie wo
einfallen.
Bessy zitterte vor Scham und Angst
und hatte kein Wort der Erwiderung,
dagegen faßte Anderl jäher Zorn, al
er Alban erblickte und seine Schmähun-
gen horte: er vergaß darüber alles Un-
recht, das er Afra zugefügt. Er holte
zum Schlag aus nach ihm, aber der
Kopf verschwand, der Schlag traf Afra
auf die Achsel. Das hatte er mcht ge wollt. Er wich zurück.
Afra erhob drohend die Hand. Merk Dir den Tag der löscht den andern, Du weißt schon, den 21. April alles, was sich da begeben. Bleib nur, ich
stör Dich net und verrath Euch net.
Ihr seid mir zu schlecht dazu. Ich komm
schon, Alban, jetzt mein ich, haben wir
emen. Weg.
Anderl wagte nicht, zu Bessy aufzusehen. Diese drückte die Scham zu Bo-
den. Eine qualvolle Stille herrschte in der Höhle. Die kalte Feuchte machte
Bessy erzittern, das ferne Tosen und
Rauschen erklang wie em Chor drohen
der Stimmen, und plötzlich schien er sich
zu verstärken, sich zu nahern zetzt wa
ren es wirklich Stimmen, laute Rufe, die von unten heraufdrangen, ein Lau--fen und Rennen, daß ein leises Zittern durch die Höhle ging und der Boden der Bretterbühne unter Bessys Füßen zu
schwanken begann.
Ein entsetzlicher Gedanke kam ihr;
Afra hat sie verrathen, man kam her-
auf, der Vater, alle die Menschen unten, sie wird vergehen vor Scham. Ohne weiter zu überlegen, setzte sie schon den
Fuß auf die Leiter, die nach oben führte.
um zu entfliehen.
Da rief eine Stimme von unten
zweimal den Namen Anderl; es war
eine Stimme, die durch Mark und Bein
ging, so qualvoll gebrochen, in der die
äußerste Kraftanwendung lag, das Entsetzen des Todes es war, als ob
der Ruf sich durch die ganze Tiefe ver breitete, den ganzen Berg erfüllte. Anderl verschwand wie in eine? Ver
senkung, Bessy versagten die Füße ihren
Dienst. Sie wagte es nicht, die steile Leiter in die Tiese zu betreten, und
horchte, auf den Knieen liegend, auf die
Laute, die von unten herausdran aen.
Anderl fiel mehr hinab, als er stieg.
Der Gang unten war gestopft voll
Menschen. Er drängte sich durch, der
Richtung zu, nach der sich alles zu bewegen schien. Den Rohrbacher Hai's er-
schlagen!" hieß es. Das geht gut an."
Er fragte nicht weiter, er stürmte nur
vorwärts. Roch emmal rief es Anderl!" Ganz schwach wie aus weiter
Ferne. Da stand er schon vor dem Er-
eigmtz. Es war em seitlicher Stollen; die hastig für den heutigen Tag fertig-
gestellte Verzimmerung war an emer
Stelle geborsten, Cesteintrümmer ver-
sperrten den Weg, dahinter lagen zwei
Männer, von Arbeitern umdrängt.
Man wich Anderl wortlos aus. Auf
den ersten Blick erkannte er den Großvater. Ein Mann hielt dicht über dem blassen, von Todeskampf verzerrten Antlitz eine Grubenlampe, während ein
anderer, der Arzt, knieend mit dem blutigen Körper sich beschäftigte.
Der Sterbende sireckte den Arm gegen
den jungen Mann aus, rang sichtlich
nach klarem Bewußtsein. Anderl! I
bitl Di hör mich, Anderl Er nestelte mit den Händen an dem blutigen
Hemd. Geh weg!" schrie er laut, den
Arm deZ Rohrbachers zurückstoßend.
der ihm halfen wollte. Da, Anderl -
Er zog einen alten Papierfetzen heraus.
Das ist für Dich. Da steht's! Ver-
dämmt bist Du in alle Ewigkeit wenn
wenn Du's net halt'st nimm, An-
derl, mmm!" Ein flehender Aus-
druck milderte einen Augenblick den entfetzlichen Ausdruck feines Gesichts.
Verdammt bist Du in alle Ewigkeit i
Hab's an mir selber da da schau mein
Lohn nacher kracht's, nacher spukt's.
Was Du der Erden nimmst das
das sonst holt sie sich's selber rnmm's, Anderl, laß Dir's net i bitt Dich, Anderl"
Es drückte Anderl nieder auf die
Kniee. Er nahm das Papier aus der Hand des Sterbenden. Ich versprech
Dir's, Großvater ich will's halten, was drinnen sieht!" Eine zitternde
Hand drückte die seine, ein mühsam er-
zwunaener Blick traf ihn, der Ster-
bende machte noch eine warnende Bewegung der Rechten, stieß einen schweren Seufzer aus. sein Haupt fiel zurück ein Zucken ging durch den ganzen Körper, der Tod hatte ihn erlöst, dreihun-
dert Meter unter der Erde, die er so fanatisch geliebt hatte. Daß das Unglück sich überhaupt er-
eignete, war ein sträflicher Leichtsinn
der beteiligten Arbeiter, an dem Lude mann gewiß unschuldig war.
Daß gerade der alte Rohrbacher das Opfer fern mußte, war ein blinder Zufall, und doch erfaßte alle Anwesenden
ein unbezwingliches Grauen, etwas wie
eine böse Ahnung.
Lüdemann fühlte diese Stimmung mit sichtlichem Unbehagen, es war höchste Zeit, ein Ende zu machen. Sein kurzer Befehl, die Leiche an den Tag zu
fordern, verscheuchte rasch alle gefahr
liche Gedanken. Zugleich aber war das
Fest hier unten wenigstens geendet, Gäste und Arbeiter verließen schweigend die Grübe. Eine Viertelstunde darauf trug der blumengeschmückte Förderkorb
die erste Leiche an das Tageslicht.
Lüdemann war nicht der Mann, sich durch solche Zwischenfälle ankrankeln zu lassen. Aber trotz alledem war das Fest gestört, die Leiche im Rohrbacher-
Hof duldete keine Fortsetzung. Anstatt Illumination und Feuerwerk eine dunkle, regnerische Nacht, unten in der Grubenwirthschaft Streit zwischen Ar-
beitern und Eingeborenen, der durch die
Besprechung des Unglucksfalles hervor gerufen war.
Oben aber in der neuen Villa" stand Lüdemann am Bett seiner geliebten
Bessy, die lm heftigen Fieber lag und von einer schwarzen Höhle, von einem
bleichen Gesicht, das sie verfolgte, und
von Anderl phantasirte. Das ließ furch
ten, daß das traurige Ereigniß in der Grube, dessen Zeugin sie gewesen war, einen unauslöschlichen Eindruck auf ihr leicht empfängliches Gemüth gemacht
hatte.
In der Stube des Rohrbacherhofs lag der Großvater aufgebahrt. Alles
kam, ihn zu sehen, ihm den letzten Gruß mit dem Weihwasserzweig zu geben.
Sem schreckliches Ende brachte den mei
sten erst wieder seinen bekannten Spruch in Erinnerung, den er sterbend noch einmal verkündete. Er gewann neues Leben, einen tieferen Sinn. Es war,
als fchwebe er ihm noch mit dem sporn
schen Lächeln auf den Lippen, das ihm im Tod geblieben. Was auch sonst alles Schlimme auf ihm lastete ein echter Rohrbacher war er doch. Seltsam,
man fühlte an der Leiche dieses Man
nes, der niemand Liebe bot und nie
Liebe empfing, etwas wie Abschieds
weh, es war vieles mit ihm gestorben, an dem man doch mit ganzer Seele
hmg. .
ES war ein Winter, wie ihn Rohr-
bach sich nie hätte träumen lassenOben
im Werk eme fieberhafte Arbeit, als ob man den ganzen Berg in einem Jahr
ausgraben wollte, und im Dorf ein
Hetzen und Jagen, um gleich im An-
fang möglichst viel Nutzen aus der Neu
gestaltung der Dinge zu gewinnen, daß
den Besonnenen schon letzt angst und
bang wurde, wie das werden sollte, und
manche etwas wie Heimweh nach der
verlorenen Ruhe anwandelte. Da wur
den in aller Hast Arbeiterwohnungen angeflickt, oder man rückte möglichst
enge zusammen und opferte jede Haus lichkeit, um Raum für Miether zu schaf fen.. (Fortsetzung folgt.)
Raucht die Tish I Mingo.
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pittsdnrgh, Cincinnati, Sldicago 6c 5t Confe R'f. Indianapolis Division. Abgang Ankuust Pittsburg Special, tägl s .. 3 30Vrn St LouiS Lim täglich s d d.. 6 45? ColumbuS Accom tägl 7 3035m Capital Expreß täglich sd. . . 6 60B New Fork Expreß täg 8 d.... 8 lOVm St Louiö Expr tägl d k e. .12 1551 Keystone Expreß tägl d fc s. 3 05Nm Indianapolis Accom..... 12 40Nm Atlantic Expreß täglich ... 5 00Nm Western Expreß tägl 8 d . . . . 3 15??m Ti Lim täglicb sdb 6 50Nm Nimmt keine Passagiere tgl- 8 80?te Ohio u Virg Expreß, tägl sd 7 05Nm World Fair Exp täglich 8 ..n 55Nm Chicago Divisicn. Chicago Special, tgl p d .. 113593m Southern Expr täglich 8 3 155Z Lou & Chi g Expr täglich 11 50Nrn Chic & Lou Expr täglich pb 3 405! öouiSville Division. Southern Expreß tägl 8 3 3533m Louiöv & Madlson Ace tägl 10 109? PittS k Lou F L tägl 8.. .. 7 OOBrn Lou & Chie F 3 tägl p 11 30Vm Mad Ace nur Sonnt 7 3033m JJoutSbtllc u. Madison Ace.. 5 405!. Louisv K Madtton Aeeo.. 8 0533m Louiöv k PittSb F L täglich 8 6 355! Chicagos Lou FL täglich pb 3 55Nm Madison Aceomrn Sonntagö 9 15V Madison Accom tägl 3 55Nm Lou Chi g Expr. täglich8 11.35 5!cht LouiSville Accom tägl 6 45Nm Louisville Acc 6 45Nm Indianapolis & vincennes H. R. Cairo & Bineen Expr täglich 7 20Vm Spencer & Bedfsrd Ae, tägl. 9 45V VineenneS Expreß tägl 3 50Nm VincenneS Expreß täglich.. 10 80V Spencer & Bedford Ae, tägl. 4 45Nm Cairo Expreß täglich .6 155! vandalia kine. Abgang Ankuns World'S Fair Spcl., tägl .12 0533m Pittsburg Spcl, täglich 8.. 8 20Vm Terre Haute Accom., tägl. . . 6 OOVm New Sork Expreß täglich s d 6 5053m St LouiS Lim ragttcZ, 8 d b 6 50Vm Schneller Mail täglich... 7 55Vrn Capital Expreß tägl 8 S. . . . 7 OOVm Terre Haute Efsing Acc tägl 10 2523m St LouiS Expreß tägl d 8.12 20Nm Keystone Expreß täglich d b. . 2 505!m St LeuiS Expreß täglich d 8.. 3 25Nm Atlantic Expreß täglich 4 45Nm T H k Efsingham Ace täglich 4 OONrn The N S Limits täglich 8d b 6 45m St L Fast Mail, täglich... 8 35N Ohio u Virg Exp., tägl sd. 6 55Nm Chicago, Indianapolis & iomsville R'f. (Monon Ronte.) Abgang AkkUNst Chie Night Expreß täglich g.. 12 55Vrn Cincinnati Veft täglich 8.. 3 35V FsS Mail täglich 8 7 0053m gaft Mail täglich 8 7 5053 Chr Expreß, nur Sonn pd. .11 50Vrn Monon Ace, tägl aubg Sonn.Z0 QOXrz Chi & Mich City Ve? d p.. 3 35Nrn Cincinnati Best täglich d p.. 4 52R Monou Aee, 4 00Nm kake Erie & weftern R. . Abgang Ankvoft Mail und Expreß ..7 15Vrn Indianapolis Ervre 10 26V T Der M C Ex täglich.. 12 20Nm IndianaplS Spcl., SonntagölO 309? Mich City Spcl., Sonntags. 4 30Nrn Mail & Expreß..... ....3 255 Chicago Expreß... 7 20Nrn Toledo Expreß . . . . . 10 25S Cincinnati, amilton vafton R. R. . Oft. Abgang Anknnst Cincinnati veft täglich 5.... 4 OOVrn Cincinnati Vestibüle taglich 8 12 45B gast Mail täglich 8 8 05Vm FaS Mail täglich 8 6 35V Cincinnati & Det Expr p. .10 40Vrn Ein Chi S? St L Ex tgl p..11 458 Ciu . H Dayton Veft. Exp p 3 005!rn Cincinnati Veft d&p.... 3 255! Cincinnati Veft täglich dp5 OONrn Eine & 3nd Aceorn p 7 245! Ein & Detroit Expreß täglich 7 023! Cin 3nd St Lk Peo Ex tg 8K?10 505! West. Abgang Ankunft Springsield Mail 7 3093m St L Expreß" täglich s&c. 3 55V St LouiS Expreß p d ...11 50Vm TuSeola Aeeom 1085V Tuöcola Aeeom.. 3 30Nm Springfield u Decatur Expreß 2 45Ns St LouiS Expreß täglich 8..1110Nm St Louiö Expreß täglich p ä. 4 455?
