Indiana Tribüne, Volume 1, Number 39, Indianapolis, Marion County, 10 May 1879 — Page 2

I n d i a n a r i b ü n c."

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Shakesveare auf der deutschen . Virhne. Neben England ist es Deutschland, welche? vor allen anderen Völkern noch mit ganz besonderem Interesse der diesjährigen Wiederkehr des 23. April entgegensah, dnn dieDeutschen sind berechtigt in diesem Jahr neben dem 315 Geburtstage Shakespeare's hundertjährige Wiedergeburt in Deutschland zu. feiern, denn nach langer Vergessenheit ging in 1779 auf der von ffrhrn. v. Dalberg geleiteten Bühne in Mannheim Hamlet wieder in Scene. Es folgten dann mehrere der ernstesten und bedeutensten Stücke Shakespeare's; und dem Beispiel Mannheim's schlössen sich die Bühnen von Frankfurt a. M., Augsburg und München an. Aber die Ausnahme, welche diese Stücke sanden, warzunachst eine wenig begeisterte.fast kühle, jedenfalls eine ganz andere wie in Hamburg, wo drei Jahre vorher ein entzücktes Publikum die erste Aufführung des Hamlet enthusiastisch begrübt hatte. Seit diesenAnfängen aber hat Shakespeare imSturmschritt die deut schenBühnen erobert und die eroberten bis auf den heutigen Tag behauptet. Er ist unser geworden,ja wir haben ibm denVor zug eingeräumt über unsere theaterlichen Dichter. Keines Dichters Stücke werden alljährlich häufiger gegeben,menn wir von einigen noch lebenden Dichtern absehen, die nur flüchtige Mode zur vorübergehen. denGeltung gebracht hat,alsShakespeare's und gegenüber einer in der letzten Jahren mehr als erquicklich hervortretendenNatio naleitelkeit ist in der Kunst diese neidlose Anerkennung eines Fremden ein wahrhaft erfrischender Zug. Noch ehe Shakespeare gestorben war, hatte eines seinerStücke das deutscheThea ter beschritten, nach seinem Tode gab man mehrere seiner Dramen mit beifälligem Erfolg. Dann starb Shakespeare sür Deutschland auf volle 100 Jahre, bis er nach literatischer Wiederaufstehung in der Hülste des 18. Jahrhunderts wieder zu blühendem Lebem auf der deutschenBühne erstand. So theilt sich die Behandlung des Thema's unseres Vertrags naturgemäb in zwei Theile': Shakespeare's erstes Auftreten in Deutschland und seine Wiedererstehung. Shakespeare wurde in 1583 zuerst am dänischentzos von englischenSchauspielern vorgeführt. Von Dänemark aus ergab sich der weitere Schritt nach Norddeutsch land von selbst. Zuerst,fast einMenschenalter, wurden die Bestellungen in engli scherSprache gegeben,man nahm höchstens aus der Provinz, wo man gerade spielte, eine Person an. die mit Späßen, im Dia lekt vorgetragen, dieZwischenakte ausfüllte eine Einrichtung, aus der späterhin die stehende Figur des Hanswurst entstand. Die grobe Gunst, mit der man diese Auf führungen in Norddeutschland aufnahm, veranlaßte die Schauspieler auch zu Aus flögen nach Süddeutschland ; dann ging man, da sich die Truppen aus einheimischen rekrutirten, auch zu Vorstellungen in deutscher Sprache über. Wir haben ein Buch aus dem Jahr 1620, das 10 englische Stücke in Uebertragnng enthält. In der Vorrede wird erwähnt, daß diese Stücke bereits in vielen großen Siädten mit Bei sall ausgenommen worden seien ; unter ihnen befindet sich auch eines von Shakespeare, so daß der Schluß, noch bei Lebzeiten deö 1616 sterbenden Dichters sei ein Stück von ihm in Deutschland gegeben, gewiß berechtigt ist. Wie rapide dann kurz nach seinem Tode die VerbreitungShakespeare'scher Dramen fortschritt, bezeugt unö ein Kalender vom Jahre 1626, der daS Repertoire deö DreSdener Theater vom Juni bis in den Win ter hinein aufgezeichnet hat. Wir sinden unter den aufgeführten Stücken verzeich net, Shakespeare'S Romeo und Julietta; Julius Cäsar; Shylock und Lear, einttö. nig in England. Romeo und Shylock scheinen besonder gefallen zu haben, denn sie wurden je zweimal aufgeführt. ' Wie kam c8 nun, daß kurze Zeit nachher Shakespear nicht nur spurlos von der deutschen Bühne, sondern- geradezu aus dem Gedächtniß verschwandt? Gewiß erklärt die Verheerung ? Deutschlands durch die furchtbare Geißel des dreißigjährig enKrie ges Vieles an dieser 'Thatsache die' Äoh. heit jener KriegSjahre that ein. übriges, u. dann waren die deutschen Uebertragungen jenerStücke so wenig anmuthend,so plump und roh, so wenig in ihrer ungeschickten Fassung und ihrer Sprache angethan, den feurigen Flug jenes Dichterheros wiederzugeben, daß wir unö nicht allzusehr wun dem dürfen, wenn Shakespeare'S Spuren wie ausgelöscht für volle hundertJahre er-

scheinen. War es doch in England nicht anders,wo dieBürgerkriege und der finstere Geist des Cromwell'schen Puritar.ismus

Shakespeare mit einer langen Nacht drs Vergessens bedeckten. Aus diesem Dunkel führte in England zuerst eine That des großen, genialen Schauspielers Garrick Shakespeare im Jahre. 1741 aus dem kleinen Theater von Durry Lane an's Licht. Und. gleichzeitig regte sich der g?oße Name des britischen Dichters. in Deutschland. Bodmer'inZür!ch erwähnte zuerst. in einer Schrift, daß er Shakespeare kenne. 1741 erschien eine Uebersetzung des Julius Cäsar in französischen Alexandrinern, verfaßt von dem vreustschen Diplomaten von Bork, der sei ne Mußezeit zu dieser Arbeit verwendete. Nun erhob sich ein literarischer Streit, der Shakespeare's Namen auch in weiteren Kreisen bekannt machte. Der damalige Generalpächter des guten Geschmacks und der literarischen Kritik Gottsched, war entsekt über die kühne Rücksichtslosigkeit, mit welcher das genannte Shakespeare'jche (ötück den von ihm aus den Franzosen und den mißverstandenen großen Gnechen herausgeklaubten Regeln der Schaubühne insGesicht schlug. Er gab seinem Entsetzen auch Worte und dekretirte.daß die elendeste Haupt und Staatsaktion" dem britischen Stück noch weit an dichterischen Ge halt überlegen sei. Aber unier seinen ei' genen Gkfolgmannen regte sich Widerspruch; ei junger Dramatiker der Gottfched'schen Schule, Elias Schlegel, wagte ein Wort für Shakespeare. Die Schweizer, Bodmer und Breiiinger nahmen den Streit auf. Ihnen erwuchs ein mächtiger Bundesgenosie in Wieland, der mit richti gem Blick den dramatischen Vers Shakespear's den fünffüßigen ungereimten Jam bus, an Stelle des steifen und klappernden Alexandriners, in seinem Trauerspiel Lady JaneGray anwandte und so dieDeutschen in eine formale Schönheit des englischen Dichters ein weihte.Auch vonLessing ist ein dramatisches Fragment in diesemVersmaß geschrieben. In den 60ger Jahren übersetzte dann Wieland ausgewählte Stücke Shakespeare's in'sDeutsche.aber mit mannichsachen Abkürzungen und in Prosa; nur die Rüpelkomödie desSommernachtstraums ist in Alexandrinern geschrieben. 1767 und 1768 erschien Leffing's Hamburgische Dramaturgie, die von den Franzosen Racine und Corneille aus Shakespeare als dramartischesMuster hinwies, aus dem man lernen,den man aber nicht nachahmen solle ; zu den Bewunderern des englischen Dichters gesellten sich so erlauchte Geister wie Herder und Goethe, welche mit beredtem Wort die Größe diesesGenius verkündeten. So war Shakespeare wieder erstanden, aber noch galt es, ihn auf seinen eigenen Boden, der lebendigen Darstellung auf der Schaubühne dem deutschen Publikum vorzuführen. 1771 wurden in Wien auf einem Vorstadttheater die Irry wives in Wienerischer Umbildung vorgenommen. Falstaff wurde zu einem Ritter von Ranzenburg, die Elfen und Feen hatten ihre Behausung in Hietzing, die Herren Fluth und Reich waren zu ungarischenEdelleuten gemacht und der letzte Akt spielte inSchönbrunn. Andere Stücke folgten, darunter auch Macbeth. Diese Dramen sah der nachmalige große Schauspieler Schröder, damals in Hamburg beliebt als Ballettänzer und als lustigerBedienter". Er wurde davon so ergriffen, daß er beschloß, Shakespeare in seiner eigenen Gestalt in Deutschland einzuführen. Mit großer Vorsicht bereitete er in Hamburg den Boden vor : Goethe's Clavigo,Götz vonBerlichingen und Stella leiteten dasPublikum vom Vertrautem zu Neuem und Befremdlichem über. Nach einer beifällig aufge nommen Aufführung von Klinger's Zwillingen wagte Schröder den entscheidenen Schritt, und am 20. September 1776 ging Hamlet über die Bretter. ES gefiel,Schröder ließ den Othello folgen, er selbst gab den! Jago. Aber der furchtbare Schluß des Stückes muthete den Nerven dtöHambürgn Publikums zu viel zu; es entstand nach der Sterbescene ein entsetzlicher Aufrühr imTheater ; Frauen wurden inOhnmacht hinausgetragen, man beschloß allgemein, das Stück nicht wieder zu besuchen. Die zweite Vorstellung fand ein ödes leereS HauS. Schröder entschloß sich zu einem Kompromiß zwischen seiner Ueberzeugung und den Verhältnissen: er zeigte an, das Othelo und Desdemona am Leben bleiben würden, und daS Theater füllte sich wieder. Von diesen bescheidenen Ansängen aus hat der Siegeslauf Shakespeare's über

Deutschland seinen Ausgang genommen.

Bald waren seine Dramen dem Publikum so vertraut, daß die Schlegei'sche Uebersetzung die günstigsteAufnahme fand. Auch heute noch beherrscht Shakespeare unsere Bühnen, wenn auch, den Bedürfniffen un seres Geschmacks entsprechen!), vielfach umgebildet und eingerichtet,und scinGeist wird auf der Schaubühne leben, so lange es eine solche gibt. Die Agitation gegen die Wicdcreinführung der Todesstrafe in der Schweiz nimmt allmälig größere Dimensionen an.' Die sozialdemokratische Partei, die schon in den ersten Phasen der Frage der reak tionären Strömung entgegengetreten war, hat bereits große Volksversammlungen, sowie eine lebhaste agitatorische Thätigkeit durch die Vreffe in Aussicht genommen. Auch der schweizerische Volksverein, den man schon selig entschlafen glaubte, regt sich. Er erinnerte sich seiner sreisinnigen Aufgaben, die vornehmlich auch darin bestehen, die freisinnige Bundesverfassung gegen alle reaktionären Angriffe zu vertheidigen. Ob der Heerbann, den er ausbieten will, sehr zahlreich sein wird, muß dahingestellt bleiben, immerhin aber ist jeder Kämpe, den er stellt, bei der überaus zweifelhaften Volksstimmung von großem Werthe. -In der Presse ist den leidenschaftlichen Auseinandersetzungen vor und während der Berathungen der Bundes Versammlung eine tiefe Ruhe gefolgt, die nur hie und da durch einen Artikel fegen die Todesstrafe unterbrochen wird. Die Freunde der Todesstrase, die bisher schon ein weisliches Schweigen beobachteten, bleiben auch jetzt noch stumm. Aller Wahrscheinlichkeit nach aber wird in einigen Wochen kurz vor der Abstimmung der Kampf in der Presse auf daS leidenschaftlichste entbrennen und auch die Bevölkerung mehr erwärmen, die jetzt eigentlich nur durch eine Reihe meist trefflicher Broschüren gegen die Todesstrafe bearbeitet wird.' Als eine originelle Erscheinung in der Polemik sei hier ein kleiner Zwischenfall verzeichnet. DaS konservativ liberale .St. Galler Tagebl." brachte vor einigen Tagen einen Artikel gegen die Todesstrafe, der wesentlich darin gipfelt, daß ihr schon viele Unschuldige zum Opfer gefallen seien, u. a. wäre ja auch Jesus Christus unschuldig hingerichtet worden. Man kann sich die ob solcher Argumentation verblüff ten Gesichter der Ultramontan Konservativen denken. Das Vaterland" nahm sie mit einem höchst unwirrschen Proteste auf. Mit einiger Spannung blickt man auf die Waadtländer, auf deren Einlenken man sich immer noch einige Hoffnungen macht. Die radikale Preffe der deutschen Schweiz, die bekanntlich im Anfange hoch entrüstet über die Fahnenflucht der Waadtländer bei der Abstimmung war, schlägt in ruhi ger Würdigung der Verhältnisse rasch einen gerechteren und versöhnlicheren Ton an. Ob er die Waadtländer gewonnen hat oder noch gewinnen wird? Wir kezweifeln es bei den leider so bitteren Gefühlen, welche dieselben gegen die Eidgenossenschaft noch beseelen. Auf der andern Seite berechtigt der Umstand wieder zu einiger Hoffnung, daß die Annahme der Revisionsvorlage in ihren weiteren Folgen gerade die Föderalisten auf das Empfindlichste treffen muß und daß sie bei leidenschaftsloser Erwägung der Sachlage eigentlich selber finden müßten, daß es besser sei, die Sache beim Alten bleiben zu lassen. , , So lernt man Deutsch. Die Mitglieder der chinesischenGesandtschalt in Berlin vervollkommnen sich im Deutschen auf eine ebenso angenehme wie praktische Weise. Noch nicht allzulange ist es her, als den Vertretern des Reiches der Mitte, wenn sie mit ihren fremdländischen Kleidern und langen Haarzöpfen in den Straßen erschienen, polizeilicherSchutz gewährt werden mußte gegen allerlei Unfug, den nicht nur die kleinen,sondern auch theilweise die großen Kinder sich erlaubten. Heute durchwandern die Bezopften in den Straßen ohne auch nur imGeringsten aufzufallen. Wer sich nach ihnen noch umsteht, der ist sicher ein Auswärtiger. Man kann sogar jetzt täglich sehen.wie die schnell berlinisirtenChinesen beiden mildenFrühlingswetter auf ihren Spaziergängen im Thiergarten von den dort spielenden Kindern auf das' Vertraulichste begrüßt und wie alte Bekannte angeredet werden. Besonders die kleinen Mädchen mit ihrer angeborenen Wißbegierde nöthigen die Zopsherren", wie sie selbige nennen, und

wissen des Fragens und Plauterns kein Ende : .Bitte,' Herr Chinese." fleht die kleine 'Emma, sprechen Sie doch wie gestern einmal wieder chinesisch." nein, mein kleines. Fräulein," antwortet derZopsherr in ziemlich geläufigemDeutsch wir wollen lieber deutsch erzählen, dann lerne ich es immer guter," und was ich nicht gut weiß, das müssen mir die lieben Fräulein sagen." Aber es blieb wirklich selten eine deutsche Vakabel aus und wenn die kleinen-Berlinerinen nicht allzu schnell plapperten, dann wußte der lernbegierige Zopfträger dem kindlichen Geplauder zu folgen und auch immer eine passende Antwort zu sinden. Aus dem ganzen Benehmen und der Art desPlauderns hörten und sahen die in der Nahe sitzenden Exzieherinnen bald, daß der Fremdling zu denGebildeten seinerLandsleute gehörte, und mischten sich dann auch in das Gespräch. Lange genug schienen sie die keinen. Mädchen und das harmlose Gespräch beneidet zu haben. Nun freilich wurde mancher Sprachfehler bemerkt und von den Gouvernannten gewohnheitsmä ßig berichtigt, was der Lernbegierige stets mit verbindlichstem Dank annahm. Als er sich von seinen großen und kleinen weiblichen Freundinnen verabschiedete, rief er verbindlich : O, wie beneide ich Sie um Ihre Echtheit in dea deutschen Sprache." Und wir Sie," riefen ihm die Damen lächelnd nach, um die Echtheit Ihres schönen Zopfes." Sin grausiges Familien-Drama.

Vor dem Schwurgericht in Naumburg, preuß. Provinz Sachsen, entrollte sich dieser Tage das Gemälde dreier erschütternder Kindesmorde, die abermals beweisen, daß die Wirklichkeit Schreckliches gebärt, was die wildeste Phantasie weit hinter sich läßt. Die 32jährige verehelichte Tagelöhner Müller aus Benndorf, eine arbeitsame Frau und zärtliche Mutter, sollte wegen unerheblichen Diebstahls zum Gefängniß abgeführt werden und konnte die sixe Idee nicht los werden, ihre drei kleinen Kinder müßten während der Strafzeit verkümmern. Die Versicherungen des Gegentheiles seitens ihreö Ehemannes und der Dorfbehörde konnten die bangen Muttersorgen nicht bannen. Der furchtbare Seelenkämpf findet feinen Abschluß in dem Vor satz, ihre Kinderchen zu tödten. Daö größere, 6jährige TöchterchenEmma ander Hand, die Geschwisterchen Lenchen und Georg, 2 resp. y2 Jahr alt, in den Kinder wagen gebettet, begibt die Genannte sich zum nahen Geiselflüßchen. Ein kräftiger Wurf der Mutter, und den kleinen Georg verschlingen die Wellen. Sie eilt noch dem Kinderwagen, welcher in einiger Entsernung vom Ufer aufgestellt ist und von dem ältesten Kinde bewacht wird. Noch einen Kuß, und das zweite Kind wird von der Mutterhand' in die Fluth geschleudert. Ach, meine gute Mutter, laß mich leben", flehte die LjährigeEmma vergeblich. Ringend mit der Mutter, wird sie von dieser vom Ufer herabgefloßen. . . Hilferufe der Kleinen, die sich im Wasser aufrecht hält, Arbeitsleute am jenseitigen Ufer bestürmen das Weib, ihr Kind zu retten. Vergeblich. Doch die Kleine erklimmt das Land selbst, wirft sich derMutter schluchzend an die Brust kein Erbarmen. Ein Schritt vom Wege und zum zweiten Male stößt die Frau das bebende Kind' in die tiefere Wasserstelle. Die Wellen spielen mit dem aufgedrungenen Opfer. Meine gute Mutter, rette mich, ich ertrinke." Der Jammerruf aber vermag nicht, die Mutter zu erweichen, die regungslos dem Todeskampf ihres dritten Kindes zuschaut. Leute erscheinen. Noch ringt daö Kind mit Tod und Leben. Mit einemSprunge ist die Mörderin, im Flusse, Packt ihr Kind und drückt eö in den Grund, r - l Mif . m in rnnslt nie (fi nen leRien Aivemiua au , gehaucht hat. . Cft 4&M V. Arikk. OilHAMlhlf o - ' - - - . u VU IlllUlil VII UJUll (IUJilUUt mittelsten Kindes der Mutter entgegen. Dieser und der todte Körper der zuletzt Gemordeten werden anS Land gezogen.Ach, meine geliebten Kinder verzwei selnd umarmt die Mörderin die entseelten Kleinen, die ste unter dem Herzen getragen, gepflegt und gemordet hat. fit ! ihr da, schlagt mich todt, daß ich mit meinen drei Kindern vereinigt werde", ruft sie den hinzugekommenen Zeugen der letzten Mordscene zu. Die Frau ist zum Tode 4....it -ii a. . v n.v.c.n ci . ... vtiuuqcui woroen. cucniuu wuu ir zu Freiheitsstrafe begnadigt werden. Ob nicht vollständige n.omentane Unzurechnungfähigkeit anzunehmen gewesen wäre, bleibe noch dahingestellt. ' r$

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